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Zerrüttete Ehe / Fundamentalistische Baptisten

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Lucinga
Themenstarter
Beiträge : 10

Hallo liebe Community,

vorab - es könnte ein etwas längerer Text werden. Ich entschuldige mich vorab. Aber das ganze Thema ist doch sehr komplex. Ich versuche mich so kurz wie möglich zu fassen, fange aber dennoch von ganz vorne an damit ihr das ganz (hoffentlich) zumindest grob verstehen könnt.

Ich bin jetzt 33 Jahre alt und lebe mit meinem (Noch) Mann und unserer 4 Jährigen Tochter seit 2023 in den USA. Aber fangen wir von vorne an. Eigentlich kennen mein Mann und ich uns von Kinderbeinen an, wir waren zusammen in der Grundschule und haben uns dann irgendwann aus den Augen verloren weil wir ans andere Ende von Deutschland gezogen sind. So mit 20/21 Jahren herum haben wir uns auf Facebook wiedergefunden und kamen so wieder in Kontakt. Man kam sich näher und startete schließlich eine Beziehung, das war auch meine erste überhaupt. Alles war jedoch von Anfang an relativ distanziert und "kühl". Ich dachte aber das wäre normal so und habe dem zu der Zeit nicht so viel Gewicht gegeben. Sowas wie Händchen halten oder viele Umarmungen/Küsse gab es nie wirklich, ich hatte mich irgendwann daran gewöhnt. Es kam mir nur irgendwann komisch vor als wir von unabhängig voneinander stehenden Personen gefragt wurden ob wir Geschwister wären. Naja, wie dem auch sei, wie auch immer haben wir irgendwann entschieden zu heiraten, einfach nur wir beide ohne Familien. Ich hätte meine gerne dabei gehabt, aber es ging nicht weil ich seine Mutter nicht dabei haben wollte die von Anfang an versucht hat die Beziehung zu sabotieren und zu vergiften. Hätte ich dann auf meine Familie bestanden hätte er sie eingeladen und ich wollte mir den Tag nicht versauen lassen, also heirateten wir nur zu zweit auf dem Standesamt. Wir waren zu dem Zeitpunkt beide nicht wirklich im Glauben drin, ich bin zwar in einer Christlichen Familie aufgewachsen und ich glaube auch selbst an Gott und daran das Jesus für meine Sünden gestorben ist, aber ich habe es zu dem Zeitpunkt nicht so ausgelebt wie ich es vielleicht sollte. Ich ging nicht in die Kirche und las auch nicht mehr in der Bibel. Er hatte zu dem Zeitpunkt überhaupt gar nichts mit dem Thema zu tun, trat sogar aus der Kirche aus. Wir hörten damals relativ dieselbe Musik und teilten die selben Interessen (Alternative Rock, Fantasy Filme, Gaming, Mittelaltermärkte etc.) ich selbst hab mich schon immer für sowas interessiert und höre durch meine nordischen Wurzeln auch sehr gerne Musik wie Wardruna oder Heilung. Allgemein interessiere ich mich auch für andere Mythologien und mochte auch den Halloween Vibe sehr (allerdings habe ich NIE irgendetwas mit Satanismus, Hexerei oder sonstigem zu tun). Wir hatten lange Zeit auch das Ritual zusammen das wir z.b. an Halloween ein 3 Gänge Menü zubereitet habe im Gruselstil und dann zusammen Gruselfilme schauten oder zusammen gezockt haben.

Wir haben am 07. April 2017 geheiratet, im September 2017 waren wir auf der Hochzeitsreise in Norwegen. Währed dieser Zeit ist leider sein Vater unerwartet verstorben, der in den USA lebte. Seit diesem Punkt ging alles rapide bergab. Er wurde sehr frustriert, wütend, aggressiv. Ich fühlte mich immer respektloser behandelt. Das ganze ging in richtigen Psychoterror über der mich ziemlich zermürbt hat über Jahre hinweg. Er fing vermehrt an mich ständig zu belügen, er ist komplett der Pornosucht verfallen und hat auch angefangen mich eher wie eine Hure zu behandeln.Im Haushalt half er nicht mehr mit, er machte mit Absicht das größte Chaos und erwartete das ich alles sauber halte, tat ich es nicht wurde ich verbal ziemlich fertig gemacht. Es sind noch einige Dinge mehr passiert, aber das würde den Rahmen sprengen. Auf jeden Fall hat diese Zeit in meinen Augen unsere Ehe komplett zerstört. Mir ging es psychisch so schlecht das ich die Reisleine gezogen habe und ausgezogen bin. Durch diesen Umzug habe ich auch meine Ausbildungsstelle verloren die ich nicht mehr fortführen konnte weil keine Firma mehr eingestellt hat da Corona zu der Zeit losging. Es hagelte nur Absagen. Ich habe mich dann in Therapie begeben um die Ehe (und auch einige Probleme aus der Kindheit) aufzuarbeiten. Während dieser Trennungszeit sind wir in Kontakt geblieben, ich habe mich meiner Selbstheilung gewidmet und er hat nach seiner Aussage zu Gott gefunden. Soweit so gut. Man hat sich wieder angenährt, leider ist es jedoch schnell wieder in alte Muster gefallen. Auch seine Forderungen gingen wieder los das ich meine "ehelichen Pflichten'' zu erfüllen habe. Da er dabei immer so einen immensen Druck aufbaute dem ich nicht standhalten konnte ist habe ich notgedrungen damit Frieden ist nachgegeben. Daraus ist dann unsere Tochter entstanden. Hierzu möchte ich aber auch sagen das ich nur einen Monat zuvor an einem sehr starken Tiefpunkt meines Lebens angekommen bin wo ich einfach nicht mehr weiter wusste. Bis ich heulend im dunkeln auf dem Badezimmerboden saß und Gott gefragt habe was ich denn bitte für einen Sinn im Leben hätte wenn alles den Bach runtergeht. Ich war bereit mein Leben zu beenden. Wirklich alles ging schief. Die Ehe war kaputt, das Verhältnis mit der eigenen Familie zerrüttet, der Ausbildungsplatz war weg und ich hatte keinen Job. War verschuldet. Alles was ich anfasste ging gefühlt schief, ich fühlte mich einfach nur wie ein Totalversager. Und dann wurde ich obendrauf noch schwanger - ausgerechnet in dieser Konstellation. Was mich damals noch in Panik versetzte hat mich später zum hinterfragen gebracht. Jetzt bin ich der Überzeugung das meine Tochter die Antwort von Gott war, was denn mein Sinn im Leben wäre. Er hat mir einen neuen Sinn gegeben. Er hat mich damit gerettet.

Wir sind dann nach der Erkenntnis notgedrungen wieder zusammengezogen weil ich mit Baby, Hund und Katze nicht in meinem winzigen 20m2 Zimmerchen leben konnte. Kaum lebten wir wieder zusammen fing wieder alles von vorne an. Alles war kühl, distanziert, er machte überall Chaos, wir stritten viel. Alles war unharmonisch. Als unsere Tochter dann geboren wurde kam natürlich die nächste Schippe obendrauf. Sie war (und ist heute noch) ein absolutes Schreikind und Hochsensibel. Ich war komplett überfordert mit allem, wir hatten keine Hebamme oder sonstige Unterstützung. Da ich einen komplizierteren Kaiserschnitt hatte war ich auch nicht sonderlich mobil. Er hat mich absolut gar nicht unterstützt. Er saß nur am Computer, hat es als Homeoffice getarnt war aber viel am zocken. Wenn er genervt vom dauer schreienden Kind war hat er sie einfach in ihr Bettchen gelegt, die Tür geschlossen und sein Headset aufgezogen während die kleine sich wortwörtlich die Seele aus dem Leib gebrüllt hat wenn ich dann in der Zeit mal im Badezimmer war. Ich war sehr schnell direkt an meinen Grenzen und wurde immer überreizter. Zusätzlich das ganze Chaos in der Wohnung dem ich nicht mehr Herr geworden bin. Zu dem Zeitpunkt wusste ich schon das die Liebe tatsächlich nicht mehr vorhanden war.

Dann kam die Option auf in die USA zu gehen um dort ein neues und angeblich besseres Leben für unsere Tochter aufzubauen. Ich habe das als allerletzte Chance gesehen diese Ehe vielleicht noch zu retten und um zu gucken ob Gefühle etc. vielleicht nach einem Tapetenwechsel wieder zurückkommen. Ja, im nachhinnein war es naiv, aber ich konnte einfach die Hoffnung nicht aufgeben das es vielleicht doch nochmal besser wird, damit unsere Tochter normal aufwachsen kann. Ich selbst weiß wie sehr Scheidungskinder leiden. Also bin ich mit in die USA gegangen und habe hier alles zurückgelassen. Dort angekommen ging auch erstmal alles schief was nur schief gehen konnte. Mein Mann fand nicht direkt einen Job wie er vorher so großspurig gedacht hat und wir lebten erstmal in dem winzigen Gästezimmer in der Garage seiner Tante. Das war für mich die pure Hölle weil diese direkt am Tümpel war, weswegen sehr viele Spinnen und Käfer dort drin waren (ich habe eine sehr ausgeprägte Phobie). Aber ich hab versucht weiter durchzuhalten. Mein Mann ging irgendwann 7 Tage die Woche arbeiten und ich saß mit der kleinen nur in dem Zimmerchen fest. Ich hatte keinen Führerschein und ohne Auto und Geld kommt man in den USA nicht sonderlich weit. So begann dann zusätzlich schleichend die Vereinsamung. Irgendwann bekam mein Mann dann einen besseren Job, wir fanden ein eigenes Apartment und er konnte den Wochenendjob aufgeben. Er kündigte den Wochenendjob mit den Worten er könnte mich dann etwas entlasten mit der kleinen, weil ich sonst nur 24/7 mit ihr zusammen bin und all ihre Ausbrüche den ganzen Tag erdulden muss. Von dieser Entlastung spüre ich jedoch nicht wirklich was. Er ist durch seine Familie einer Gemeinde beigetreten die sich selbst fundamentalistische Baptisten (er nennt sich noch Legalist) nennen, anfangs ging ich Sonntags noch mit zum Gottesdienst, aber irgendwann konnte ich es einfach nicht mehr. Ich war so dermaßen überreizt und ausglaugt das ich lieber Zuhause geblieben bin und die Zeit für mich alleine genoss während er mit unserer Tochter in die Kirche gegangen ist. Ich brauchte diese Zeit der Ruhe einfach für mich. Nichtsdestotrotz schaue ich aber zumindest Sonntags den Live Gottesdienst einer Kirchengemeinde der mein Onkel in Deutschland angehört. Ich lebe den Glauben zwar nicht so aus wie ich es sollte, aber ich glaube nach wie vor.

Mein Mann jedoch hat begonnen alles plötzlich sehr zu verteufeln. Meine Musik ist böse, meine Interessen (die einst auch noch seine waren) sind böse, Computerspiele sind böse. Meine Online Kontakte aus Deutschland die ich mir aufgebaut habe damit ich überhaupt irgendwelche Sozialen Kontakte in meiner Muttersprache haben, sind böse. Unsere Tochter durfte in den ersten zwei Jahren hier in den USA z.b. auch noch Trick or Treaten an Halloween, Harry Potter schauen etc. All das hat er nun auch abrupt verboten. Sie darf keine Ostereier mehr suchen, sie darf an Halloween nicht raus. Sie darf keine Filme oder Serien mehr schauen die in irgendeiner Art und Weise mit Zauberei/Hexerei/Magie zu tun haben. Sie darf nur Lieder hören die auf Jesus ausgerichtet sind. Es soll kein Weihnachtsbaum mehr aufgestellt werden und auch soll es keine Geschenke mehr geben (wir hatten mit ihr eigentlich die Tradition bekommen mit der wir auch groß geworden sind, das Christkind bringt am Heiligabend die Geschenke, natürlich nicht im Überfluss). All das hat er mit einer Entscheidung abgeschafft. Ich bin ehrlich, ich habe starke Probleme damit zurechtzukommen. Auch redet er mir ständig ein das ich den heiligen Geist nicht in mir trage und deshalb nicht gerettet bin. Ich wäre erst gerettet wenn ich wieder regelmäßig mit ihm in seine Kirche gehe, mich neu taufen lasse, meine weltlichen Interessen ablege und meine Rolle als gottesfüchtige Ehefrau und Mutter akzeptiere. Auch vertritt er die Meinung das Frauen keine Hosen tragen sollten. Weibliche Prediger? Absolut falsch. Ich weiß nicht wieso, aber alles in mir ging nach diesen Aussagen in den Abwehrmodus. So lebten wir dann eine ganze Weile weiter, auch in getrennten Zimmern weil ich seine Nähe einfach nicht mehr ertragen konnte. Mein ganzer Körper ging in Abwehrhaltung. Ich dachte ich sitze das ganze einfach aus bis unsere Tochter alt genug ist um selbst zu entscheiden. Das es vielleicht mein Schicksal wäre in einer lieb und respektlosen Ehe festzusitzen. Wir sind immer weiter aneinandergekracht weil ich mich für nahezu alles was ich machte rechtfertigen musste, und vorgeworfen bekam das ich Satan dadurch ins Haus lasse und unsere Tochter gefährde. Mein Fluchtwunsch wurde immer stärker. Aber ich habe noch ausgehalten. Irgendwann fing unsere Tochter dann aber auch an mir die Decke hoch zu gehen, sie darf nicht in den Kindergarten und hier im Ort gibt es nicht sonderlich viele Kinder in ihrem Alter. Seine Kirchengemeinde ist zu weit weg und ich bin ja nicht mobil. So sind ihre einzigen Kontakte zu gleichaltrigen zum spielen Sonntags und Dienstags in der Kirche. Die restliche Zeit sitz ich mit ihr eigentlich nur Zuhause. Ich bin noch eine ganze Weile regelmäßig zumindest mit ihr auf den Spielplatz gegangen, bis ich irgendwann zu depressiv dafür wurde. Dann bin ich gar nicht mehr aus dem Haus gekommen. Sie ist immer noch ein sehr....forderndes Kind was sehr extrem fühlt, ihre Wutattacken die es mehrfach täglich gibt fallen um ein tausendfaches schlimmer aus als z.b. bei der Tochter einer Freundin. Ich kriege das einfach nicht gehändelt und habe auch keine Nerven mehr dafür. Das hat dazu geführt das unsere Beziehung gelitten hat, sie verhält sich mittlerweile sehr respektlos mir gegenüber, sie beleidigt mich (Stupid Mama, you are stupid, go fuck yourself) und hört mit Absicht nicht. Lacht mich aus wenn ich sie maßregeln muss und zerstört willentlich Dinge. Das ganze geht extrem an die Substanz, vor allem wenn man nicht mal eine Pause davon kriegt um sich selbst wieder aufzuladen. Zudem ist sie permanent gelangweilt und fordert 24/7 Aufmerksamkeit, was ich ihr einfach nicht mehr bieten kann.

Ich hatte als Ausgleich, weil ich dachte das würde mir helfen, über ein online Spiel Kontakte zu Deutschen aufgebaut mit denen ich mich regelmäßig mal im Internet verabredet habe. Auch die haben immer mitbekommen wie Lucia mit mir redet und umgeht. Sie haben alle gesagt ich muss mir dringend Hilfe suchen. Aber ich wusste die bekomme ich hier nicht. Leider hat eines zum anderen geführt (ich schäme mich auch etwas dafür) aber einer dieser Kontakte wurde im laufe der Zeit wesentlich intensiver. Ich fühlte mich das erste mal seit langem wieder richtig gesehen und ernst genommen. Nicht als Mutter und Dienstmädchen sondern als Frau. Natürlich konnte man über Kontinente hinweg nicht viel machen, aber die Verbindung auf Emotionaler, Zwischenmenschlicher Ebene wurde von Tag zu Tag stärker zu dem Herrn. Die Gefühle, welche ich dachte das sie nie wieder kommen werde, wurden plötzlich wieder stärker. Als das ganze sich nach einem Jahr immer noch so schön anfühlte obwohl es nur online war, kam mir der Gedanke in den Kopf das ich vielleicht doch nicht dazu verdammt bin mein restliches Leben in einer lieblosen Ehe zu verbringen. Mir kam der Gedanke in den Kopf das ich meiner Tochter so ja eigentlich ein völlig falsches Bild von einer richtigen liebevollen Ehe und Familie vorlebe. Ich habe also das Gespräch mit meinem Mann gesucht und ihm offen mitgeteilt das ich das alles nicht mehr kann, das die Liebe weg ist und nicht mehr wiederkommt und das ich gerne zurück nach Deutschland möchte. Er hat das natürlich nicht wirklich gut aufgenommen, wollte mir einreden ich würde zu schnell aufgeben und das eine Scheidung für ihn aus biblischer Sicht nicht in Frage kommt. Und das ich als Ungläubige nur gerettet werden kann wenn ich in einer Ehe mit einem Gläubigen bleibe. Ob ich denn nicht mit unserer Tochter zusammen in den Himmel kommen wollen würde. Er hat es geschafft mir wieder diese Unsicherheiten einzureden. Das ich keine richtige Gläubige bin weil ich den Glauben nicht so auslebe wie er. Weil ich nicht bereit bin meine weltlichen Interessen abzulegen und eine neue Persönlichkeit anzunehmen. Auch würde ich nicht richtig zu Gott beten sondern zu Satan. Er spricht mir quasi meinen Glauben und meine eigene Beziehung zu Gott ab weil es nicht so stattfindet wie er es für richtig empfindet. Ich habe mehrfach versucht mit ihm darüber zu reden, das jeder eine persönliche Beziehung zu Gott hat, das jede dieser Beziehungen anders aussehen kann und das man deswegen nicht schlechter ist als andere. Zu dem Thema mit meinen Interessen habe ich mich auch tot recherchiert im Internet, da hat tatsächlich jeder eine eigene Meinung dazu. Es gibt Leute die sich gläubig nennen und dennoch ähnliche Interessen wie ich haben, die gerne Videospiele spielen, die auch Musik hören die nicht zu 100% auf Jesus ausgerichtet sind oder die auch mal Horrorfilme gucken. Die sagen das ihr Glaube so stark ist das er durch nichts erschüttert werden kann, auch nicht durch diese weltlichen Interessen die ja sonst so verteufelt sind. Und so glaube ich auch. Wenn ich Wardruna höre spüre ich keinerlei Verlangen danach nordische Götter anzubeten weil ich weiß das es falsch ist. Wenn ich Filme schaue in denen Satan auf irgendeine Art und Weise dargstellt wird, verspüre ich keinerlei Verlangen mich dem Satanismus hinzugeben, ganz im Gegenteil. Ich habe eine natürliche Abwehrhaltung. Ich kann aber auch Fiktion von Realität unterscheiden. Es ist einfach nur so anstrengend wenn man sich ständig rechtfertigen muss, und sich dann einfach nur schlecht fühlt weil man eingeredet bekommt das man in der Hölle landet wenn man seine Person und seine "sündigen Interessen" nicht ablegen kann. Ich bin einfach nicht der Typ Frau der Spaß daran hat jeden Tag mit anderen Müttern in der Bibelgruppe zu stricken und Kochrezpte auszutauschen. Ganz zu Schweigen von der Erwartungshaltung so viele Kinder wie möglich zu bekommen die man dann natürlich auch alle Homeschoolen soll.

Das ganze hat einfach dazu geführt das ich extrem an mir selbst Zweifel. Einerseits weiß ich das Gott an meiner Seite ist, ich bete jeden Abend still zu ihm, und ich sehe auch durchaus Zeichen. Aber wenn er mir dann sagt das wäre alles Falsch weil ich meinen Sünden nicht abschwören kann, und das ich stattdessen zu Satan bete der unsere Familie permanent angreift und dafür sorgt das ich ihn verlassen will, fühle ich mich sehr schlecht. Ich hatte ihn jedenfalls dann dazu bekommen das ich mit Lucia für 2 Monate nach Deutschland zu meiner Familie fliegen durfte. Ich brauchte diesen Abstand einfach. Und ja, ich habe in der Zeit auch meine Internetbekanntschaft besucht. Und welch Überraschung - auch in der Realität haben wir dieselbe Verbindung. Heißt es nicht das Gott Menschen nicht zufällig in unser Leben bringt? Ein Teil von mir möchte glauben das Gott dafür gesorgt hat das wir uns über Kontinente hinweg in einem Online Spiel treffen und sich das alles so entwickelt hat wie es sollte. Das ich durch ihn wieder lerne wie sich wirkliche Liebe und richtige Gefühle anfühlen. Auf Augenhöhe und mit Respekt. Ehrliche, tiefe Liebe. Auch meine Tochter war in seinem Umfeld wie ausgewechselt. Kaum mehr Wutausbrüche, sie hat sich sofort super mit ihm verstanden und hat auch richtig angefangen zu lächeln wenn sie gesehen hat das er mich in den Arm nahm. (Es ging absolut nicht weiter als Umarmungen und mal ein Kuss...) Ich glaube da hat sie das erste mal verstanden wie eine gute Beziehung eigentlch aussehen sollte. Es waren sehr schöne zwei Monate. Ich fühlte mich freier, befriedeter, hatte meine Lebensfreude wieder und habe sogar angefangen abzunehmen. Als ich zurückfliegen musste rutschte ich asap wieder in die Depression zurück. Auch Lucia wurde wieder sehr anstrengend. Es folgten wieder Tage voller Wutausbrüche, Zerstörungen und Beleidigungen. Mein Mann meinte dann das diese Reise nach Deutschland ein großer Fehler war, das er eine Dämonische Präsenz an Lucia gespürt hätte als er uns am Flughafen abholte. Auch erzählte er mir von einem angeblichen Wutausbruch von ihr bei seiner Oma und Tante, in welchem sie richtig mit grummelnder fauchender Stimme gesprochen und Schaum vor dem Mund gehabt hätte. Und das dieser Ausbruch sofort zuende war als seine Tante ein Gebet über sie gesprochen hätte das die Dämonen sie verlassen sollen. Daher soll sie jetzt auch immer sagen wenn sie wütend ist: "Jesus is King of Kings and Lord of Lords. Jesus saves me". Ansich nichts schlechtes, aber ich fühlte mich sofort wieder angegriffen. Er glaubt mir auch nicht das sie in Deutschland komplett wie ausgewechselt war. Nein, sie hat von dort Dämonen mitgebracht, wegen mir. Auch forderte er nach unserer Rückkehr das wir wieder ein Zimmer und ein Bett teilen, aber alles in mir wehrte sich dagegen.

Ich habe ihm nun nochmal gesagt das ich definitiv so nicht mehr weiterleben kann und will und das ich zurück nach Deutschland möchte. Nun, ich kann gehen, aber er will das Lucia bei ihm bleibt und aufwächst. Und daran hatte ich sehr sehr lange zu kämpfen. Ich bin seit ihrer Geburt nicht einmal von ihr getrennt gewesen. Und auch wenn ich aktuell sehr überfordert, ausgelaugt undüberreizt bin fühlt es sich einfach falsch an sie hier zu lassen. Allerdings habe ich auch keine Kraft hier in einen Sorgerechtsstreit zu gehen. In den USA hätte ich ohnehin keine Chance, er hat hier Familie und seine Gemeinde die in seinen Gunsten aussagen, ich habe niemanden hier. Für meine eigene Gesundheit muss ich also gehen, aber zum Preis meine Tochter hierlassen. Ich bete seit einigen Wochen intensiv darüber. Frage Gott ob das wirklich sein Wille ist das ich ohne meine Tochter sein soll, die Tochter die er mir doch als Sinn meines Lebens geschenkt hat. Ich kann mir das Leben ohne sie einfach nicht vorstellen und ich habe große Angst vor der Entfremdung. Mein Onkel riet mir das ich das ganze als eine Prüfung Gottes ansehen soll. Ob mein Leben vertrauensvoll in seine Hände lege und fest daran glaube das er - sofern es in seinem Willen liegt - dafür Sorgen wird das Lucia und ich irgendwann wieder zusammenfinden. Und falls das nicht der Fall sein sollte, das ich ihm bedingungslos vertrauen soll das etwas gutes aus dieser Sache entstehen wird weil er nur das beste für mich will und entsprechend meine Wege dahin im Hintergrund ebnet. Türen öffnet und schließt. Neue Menschen in mein Leben bringt und andere entfernt.

Ich will das so so gerne Bedingungslos glauben können, aber ich habe trotzdem noch große Angst vor dem Schritt. Ich soll eigentlich am 04.04.2026 in den Flieger nach Deutschland steigen, aber ich habe so unglaubliche Angst davor meine Tochter zurückzulassen. Sie ist mein Leben. Gleichzeitig bitte ich Gott jeden Abend um ein Zeichen ob das wirklich der richtige Weg ist. Ich habe tief in meinem inneren dieses starke Gefühl das es richtig ist. Jedes mal wenn ich darüber nachdenke habe ich ein merkwürdiges Druckgefühl im Brustbereich. Irgendetwas was mir in den Kopf setzt das es die richtige Entscheidung ist mich aus diesen Fesseln zu lösen und das dies der Weg ist den ich zulassen soll. Auch habe ich heute völlig random zwei Lieder vorgeschlagen bekommen die sich sofort in meine Seele eingebrannt haben obwohl ich so eine Musik bisher nie gehört habe. (Yahweh will Manifest himself & Holy Forever von Bethel Music, Jenn Johnson). Könnten das auch Zeichen sein? Zeichen das Gott doch an meiner Seite steht und mich leitet, auch wenn mein Mann sagt dem wäre nicht so?

Aber die Angst von meiner Tochter getrennt zu sein zieht mich immer wieder zurück und zwingt mich so in diesem Teufelskreis zu verweilen. 

Ich bedanke mich bei allen die diesen langen Text wirklich gelesen haben. Es ist alles sehr schwer und komplex für mich das auszudrücken.
Was erhoffe ich mir von diesem Post? Nun ich wollte mich irgendwie gerne mal mitteilen in einer Community die ebenfalls in der Materie drin ist. Vielleicht kriege ich so auch mal andere Sichtweisen zu dem ganzen, oder Mut damit ich es schaffe am 04.04 in diesen Flieger zu steigen.

Ich bedanke mich fürs lesen.
Einen gesegneten Abend aus Indiana wünsche ich.

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24 Antworten
Lucinga
Themenstarter
Beiträge : 10

Ich kann den Beitrag leider nicht mehr editieren daher hier ein kleiner Nachtrag zu folgendem Punkt:

Er kündigte den Wochenendjob mit den Worten er könnte mich dann etwas entlasten mit der kleinen, weil ich sonst nur 24/7 mit ihr zusammen bin und all ihre Ausbrüche den ganzen Tag erdulden muss. Von dieser Entlastung spüre ich jedoch nicht wirklich was

Er nutzt nun seine freie Zeit für seine Hobbies, sprich er ist jeden Mittwoch nach der Arbeit in der Kirche beim Bible Study (da ist er von 06:30 - 22 Uhr außer Haus), Donnerstags nach der Arbeit geht er auf den Schießstand, Freitags nach der Arbeit geht er jagen, Samstags ist er wieder auf dem Schießstand und angelt manchmal noch und der Sonntag ist auch nur rein für die Kirche reserviert. Dort nimmt er Lucia jedoch mit. Um 8 Uhr morgends ist die Sonntagsschule, danach geht die Predigt los und dann kommen sie meist gegen 14 Uhr zurück nach Hause. Dann muss sie 1-2h schlafen und dann geht es direkt wieder in die Kirche bis ca. 20 Uhr). Der Sonntag ist somit der einzige Tag wo ich mal nur für mich sein konnte. Aber natürlich in der Erwartungshaltung das ich diese Zeit nutze um alles pikobello aufzuräumen und zu putzen. Also auch nicht wirklich Zeit um Dinge zu tun die mir Spaß machen.

lucinga antworten


Lucinga
Themenstarter
Beiträge : 10

Oder habe ich gar wirklich einen komplett verdrehten Blickwinkel und mache den größten Fehler wenn ich gehe?

Ich bin mir einfach so extrem unsicher 😔 einerseits dieses Bauchgefühl das es die richtige Entscheidung ist, andererseits diese extremen Zweifel die einen zerfressen.

lucinga antworten
1 Antwort
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1467

@lucinga 

Verdreht kann man sicher nicht sagen. Aber von der Ferne dir einen fixen Rat zu geben, das ist auch sehr schwer, bei sowas grundlegenden. 

kappa antworten
Deborah71
Beiträge : 28361

Liebe Lucinda, willkommen im Forum 🙂

Es ist erschütternd, diese gesammelte Mißhandlungsgeschichte deiner Person zu lesen. 

Wie geht es dir jetzt, nachdem du dir deinen Kummer von der Seele geschrieben hast? Sortieren sich schon Dinge für dich, wenn du sie nun schwarz auf weiß vor dir siehst? 

 

deborah71 antworten
2 Antworten
Lucinga
(@lucinga)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 10

@deborah71 Es war erstmal sehr erleichternd tatsächlich. Das endlich mal irgendwie mitteilen zu können ohne direkt für verrückt erklärt zu werden. Wenn ich das nochmal so überlese habe ich mich erstmal gefragt wie ich überhaupt in dieser Situation landen konnte. Wie es überhaupt zu einer Ehe gekommen ist da es ja von Anfang an eher recht lieblos war. Vermutlich aus Naivität. Ich hatte schon immer das extreme Bedürfnis mal zu irgendwem zu gehören der mich nicht direkt abschiebt wenn ich nicht so funktioniere wie ich soll, das Gefühl hatte ich wohl damals bei ihm. Weil ich sonst niemanden hatte.

Auf der anderen Hand frage ich mich aber auch ob ich nicht noch mehr hätte tun sollen um die Ehe noch irgendwie zu retten. Ich habe mich das hoch und runter gefragt, aber ich wüsste nicht mehr wie. Ich komme mit seiner neuen für mich doch sehr radikalen Lebenseinstellung einfach nicht zurecht und ich weiß das wir weiterhin permanent aneinander geraten würden weil ich manche seiner Ansichten einfach nicht teilen kann. Gerade auch im Bezug auf die Erziehung unserer Tochter. Auch wächst natürlich wieder sein drängen das wir wieder als "Ehepaar" zusammen leben, und allein bei dem Gedanken zieht sich schon alles zusammen in mir. 

Was meinst du in dem Zusammenhang mit dem Wort Misshandlung?

lucinga antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 28361

@lucinga 

Miß-Handlung.... er verfehlt grandios den Auftrag, die Ehefrau zu lieben, wie Christus die Gemeinde. Seinen Anteil an der Ehe, da hat er keinen Begriff von trotz aller Frommheit. 

Vielleicht wird er wach, wenn du konsquent handelst --- und vor allen Dingen nicht mehr seinen Part an der Ehe übernimmst. Es gibt einen deutschen Buchtitel: "Männer lassen lieben". Eine Kollegin hatte davon mal gesprochen und anscheinend gehörte ihr Mann in diese Kategorie. Diesen Titel habe ich nicht vergessen, so beeindruckt hat er mich. 

Mit "hätte ich noch mehr tun können" bringst du dich nur unter schlechtes Gewissen und falsche Schuld. 

Liebevolle, sensible Ehefrauen sind da in Gefahr, zu viel zu geben und dieses Fehlverhalten des Mannes zu unterstützen. Die Gemeindeform, in die er geht, geht auch in diese Richtung, dass sie fordernde Ehemänner noch bestärkt und die Frauen in eine falsche "Unter"-Ordnung gedrückt werden.  Eheordnung in Christus bedeutet zusammen an einem Strang ziehen, nicht:  einem alles aufbürden und dann noch emotional verhungern zu lassen. 

Deine Beschreibung aus dem Eingangspost ist ein klares Bild von dem, was Jesus als Hartherzigkeit bei den frommen Eliten anmahnt. Riesiges Ego und keine Liebe. 

 

deborah71 antworten


Kappa
 Kappa
Beiträge : 1467

@lucinga 

 

Hallo, das tut mir sehr Leid.

Hat dein Mann seit seiner Bekehrung sich denn auch "Liebevoller" Verhalten, ist ein Ansatz erkennbar? Grundsätzlich gut wenn er Glaubig geworden ist. Viele seiner Ansichten wegen Halloween usw. würde ich sogar teilen.

Aber; Mir kommt es so vor das er zumindest an einer Spur Narzissmus oder Psychopathie leidet. (Wer schiebt sein Schreiendes Kind einfach ab....)

Zu seinen Warnungen wegen dem Himmel; Nimm nicht alles zu ernst, dein Mann ist kein von Gott legitimierter Verkündiger der Wahrheit.

Wahrscheinlich ist sicher nicht alles falsch was er glaubt, aber er Erinnert mich vom Verhalten nun eher an die Pharisäer.

Hast du denn die Möglichkeit in eine andere Kirche zu gehen? Hilfe zu holen, Beistand?

Wenn ich Dir ein Rat geben darf; Geh in keine zu exklusive Absplitterung sondern was mit Hand und Fuß.

 

 

 

kappa antworten
3 Antworten
Lucinga
(@lucinga)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 10

@kappa Ich muss zugeben das wir seither etwas besser kommunizieren können. Also ohne das er direkt wütend/aggressiv wird und mit Beleidigungen um sich wirft wie ich es sonst gewohnt war. Ich habe seither regelmäßig versucht das Gespräch mit ihm zu führen, gerade auch um ihm meine Sicht der Dinge zu erklären, warum diese Ehe für mich so nicht mehr existiert und natürlich auch über die Zukunft unserer Tochter, er hört zwar zu und sagt das er manche Dinge verstehen kann, aber beharrt auch darauf das er nun ein neuer Mensch ist, und nicht mehr der von damals. Das ist ja auch in Ordnung. Aber der Schaden den er angerichtet hat ist deswegen nicht auf wundersame Weise geheilt. Er rechtfertigt seine Taten nun damit das er unter permanenter Attacke von Satan steht. Mein Vertrauen in ihn ist komplett weg, die Gefühle sind weg und allein bei dem Gedanken daran ihm wieder näher zu sein zieht sich alles in mir zusammen. Es ist als ob mein gesamtes Inneres, samt Körper auf Abwehr geht und alles abblockt.

Er sagte zu mir das er es Schade findet das mein Herz so hart wäre und ich keine Vergebung für ihn finden könnte. Ich habe es wirklich versucht die Nähe zu ihm wieder aufzubauen, aber dann passieren jedes mal wieder Kleinigkeiten die alles wieder zerstören. Und wenn es nur ist das er direkt losnörgelt wie unordentlich alles wäre wenn er nach Hause kommt, weil ich es gewagt habe im kleinen Family Markt hier was für meine Tochter und ich zum essen zu holen weil er schon seit 2 Wochen nicht mehr wirklich einkaufen war (das hat er immer alleine gemacht weil ich die ganze Zeit bis ich die Greencard bekam keinen Zugang zum Bankkonto hatte und ohne Auto ja ohnehin nirgends hinkomme). Oder wenn er mir permanent sagt ich wäre ungerettet und ein schlechter Einfluss für unsere Tochter. Wenn ich mich rechtfertigen muss wenn ich mir mal etwas für 25$ für mich selbst hole (ich gehe ja hier nicht arbeiten weil ich unsere Tochter betreue) während er in den letzten 6 Monaten über 8000$ für seine Waffen und das Jagdhobby ausgegeben hat. Oder mal eben 1000$ an seine Kirche spendete. Während hier der Kühlschrank leer ist und ich mir anhören darf das wir langsam machen müssen mit dem Geld. Das sind halt alles Dinge die mich wieder weiter von ihm wegtreiben. Es ist wie ein Teufelskreis. Alle hier sind unzufrieden und frustriert aber niemand schafft es diesen Zirkel zu durchbrechen. Das Thema mit den Waffen ist auch nochmal etwas, ich fühle mich damit einfach so extrem unwohl. Wir haben allein hier in dem Apartment 4 Waffen im Haus. Ich weiß das gehört zum Amerikanischen Kulturgut, aber ich hab einfach ein ungutes Gefühl mit sowas.

Erst gestern hatten wir nochmal ein Gespräch, in welchem er mich nochmal nach meinen Plänen nun fragte. Ich hab ihm gesagt das ich weiß das ich gehen muss, aber das ich eben Angst habe meine Tochter zu verlassen. Er sagte dann das ich keine Angst haben bräuchte weil sie bei einem "liebenden" Vater und seiner gottesfürchtigen Familie aufwächst, der sie auch spirituell beschützt und das im Grund wohl schon alles hinter meinem Rücken geplant wurde. Seine Tante wird ihren Job aufgeben um sich dann vollumfänglich um meine Tochter zu kümmern. Er hatte mir von der Nacht erzählt als der heilige Geist in ihn gefahren ist und meinte das er es nicht leugnen kann das der heilige Geist vielleicht gerade durch ihn zu mir spricht. Er hat mich daran erinnert das Jesus alleine mehrere Tage in die Wildnis ging um näher zu Gott zu finden, ohne Ablenkungen und das er die Hoffnung hat das mir es genauso ergeht wenn ich nun gehe. Und das er dann eben viel dafür betet das ich zu ihm und unserer Tochter zurückkehre wenn ich "gerettet" bin. Gleichzeitig - und das verwirrt mich ehrlich gesagt sehr- meinte er das dieses Verlangen zu gehen was ich habe, mir vom Teufel eingepflanzt wurde und das mich das auf einen sehr dunklen Pfad ziehen könnte wenn ich nicht aufpasse.

Was die Erziehung der Tochter angeht, er ist in der Hinsicht tatsächlich sehr streng. Es wird viel geschrien und es gibt sehr viel den Hintern voll wenn sie sich nicht benimmt. Er setzt da eher auf harte Schule und Disziplin, das war der erste Aspekt bei dem wir oft gestritten haben weil mir das etwas zuwider ist. Ich habe selbst als Kind ständig den Teppichklopfer abgekriegt wenn ich nicht so war wie es gewünscht wurde, daher weiß ich was das für einen Schaden anrichten kann. Aber er ist einfach so extrem versteift darauf das er in allen Dingen recht hat das ich absolut nicht durchdringe. Vielleicht habe ich auch einfach diese innere Stärke dafür nicht.

Ich selbst finde hier keine Kirche der ich mich wirklich zugehörig fühle, ich habe aber auch Probleme mir mal so wie hier ordentlich alles von der Seele zu reden weil ich das nicht so flüssig in Englisch kann. Und ich weiß mittlerweile auch einfach nicht mehr wem ich vertrauen kann und wem nicht. Wer mich versucht irgendwo reinzuziehen und wer nicht. Ich finde meine Kraft aktuell indem ich regelmäßig den Gottesdienst der Elim Kirche in Hamburg schaue auf Youtube, und mich in solchen Foren wie hier bewege. 

 

lucinga antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1467

@lucinga 

Hi,

Das mit den Waffen ist crass. Amerikanisches Kulturgut? Er ist doch Deutscher und bis vor kurzem auch so geprägt.Also eine Ausrede.

Da ist es gut vorsichtig zu sein, ich möchte auch keine Waffen bei mir Zuhause haben.

Das die Tochter in den USA bleibt, das hatte ich vorhin aber überlesen, das ist in der Tat hart. Für das Kind ist das nicht schön. 

Das du dort - woanders leben könntest ohne ihn - wäre nicht möglich?  

Die USA sind sicher leider nicht soo einfach wie man denkt, aber Deutschland ist auf dem absteigenden Ast. 

Das mit dem ständig die Tochter prügeln ist ein Unding. Der hat keine Ahnung was er ihrer Seele antut und; was für ein Gottesbild sie auch als Gläubige einmal haben wird.

 

 

kappa antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1467

@lucinga,

Eine Kirche gibt es die ist dieselbe wie in Deutschland; die Katholische.  Mir ist es klar, das dies für Teile der Freikirchlicher und ganz bestimmt sogar deinen Mann (wenn er Ostern nicht feiert) ein Rotes Tuch ist. 

Hier kannst du - für deine Perspektive gedacht - zumindest davon ausgehen das dich keiner in eine Sekte reinziehen will.  

kappa antworten
Jack-Black
Beiträge : 5912

Hi Lucinga!

Puh... Heftige Geschichte. Hast Du denn hier in Deutschland eine Anlaufadresse? Wie sieht Dein Plan nach dem 4.4. konkret aus?

 

Hier stand eine viel längere Antwort, aber ich hab beim Schreiben gemerkt, dass es nix bringt, wenn jemand Fremder wie ich Dir da jetzt irgendwelche Spekulationen und Einschätzungen und Ratschläge mitteilt, die Dich nur noch weiter konfus machen könnten. Daher nur soviel:

 

Ein Schritt nach dem anderen. Sobald Du hier bist, solltest Du Dir professionelle Hilfe suchen: Suche in der Gegend, in der Du dann leben wirst, nach einer Anlaufstelle vom Sozialpsychiatrischen Dienst und lasse Dir da asap einen Beratungstermin geben. Wenn die meinen, dass sie nicht "zuständig" für einen Fall wie Deinen seien, werden sie Dir trotzdem am besten und kompetentesten sagen können, an wen Du Dich statt ihrer wenden kannst.

Ich wünsche Dir viel Kraft und auch ganz viel Glück!

jack-black antworten
2 Antworten
Lucinga
(@lucinga)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 10

@jack-black Ich habe tatsächlich das Angebot bekommen das ich erstmal bei meiner Internetbekanntschaft unterkommen kann um mir von dort aus in Ruhe etwas eigenes zu suchen und vor allem um auch erstmal runterzukommen und mich etwas zu erholen. Ich habe mitbekommen das der Wohnungsmarkt aktuell wohl sehr angespannt ist in Deutschland, das macht mir etwas Angst. Ich habe ja nun auch nicht die besten Voraussetzungen. Keinen Job, keinen guten Lebenslauf, ich werde erstmal Bürgergeld beantragen müssen weil ich komplett mittellos zurückkehre, im Prinzip nur mit meiner Kleidung am Leib und 50 Euro die ich noch aus dem Urlaub hatte. Das ganze macht mir auch ziemlich Angst. Diese ganze "Stabilität" aufzugeben und bei 0 wieder zu starten.

Ich werde auf jeden Fall einige Ärzte ablaufen müssen wegen diversen Gesundheitlichen Problemen die ich hier in den USA nicht behandeln konnte weil es zu teuer war. Und dann war es auf jeden Fall geplant das ich in eine Therapie gehe um das alles zu verarbeiten (ich weiß vor allem nicht ob/wie ich die Trennung von meiner Tochter verkraften werde) und mir dort eine Kirche suche in der ich vielleicht auch über die geistlichen Themen die mich beschäftigen oder verunsichern reden zu können.

Ich habe etwas Sorge das zu schnell zu viel auf mich einprasseln wird weil ich mir dann ja auch sehr schnell wieder einen Job suchen muss. Ich weiß noch von damals wie schwer das war etwas zu finden was ich auch mit meinen körperlichen Einschränkungen ausüben kann, und ich habe auch Angst davor das ich es psychisch noch nicht schaffe sofort eine Vollzeitstelle anzutreten. Ich hatte die Hoffnung das ich vielleicht auf Teilzeit etwas finden kann und parallel mit einer Therapie wieder daran arbeiten kann mich aufzubauen um den Job dadurch auch tatsächlich halten zu können.

 

Ich möchte mich mal herzlich bei allen Bedanken die hier schon kommentiert haben. Es fühlt sich gut an nicht direkt für verrückt erklärt zu werden sondern einfach mal Gehör geschenkt zu kriegen. Gott segne euch 🌻 

lucinga antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5912

@lucinga Ich habe tatsächlich das Angebot bekommen das ich erstmal bei meiner Internetbekanntschaft unterkommen kann um mir von dort aus in Ruhe etwas eigenes zu suchen und vor allem um auch erstmal runterzukommen und mich etwas zu erholen.

Hhmm. Da drücke ich Dir mal die Daumen, dass der Internetbekanntschaftstyp echt'n Guter ist, denn es wäre ja ärgerlich, wenn Du sozusagen vom Regen in die Traufe kämest. Nichts von dem, was Du bisher geschrieben hast, deutet darauf hin, aber so ganz allgemein sehe ich immer ein Risiko, wenn jemand, der/die sich gerade in einer eher schwachen, hilfsbedürftigen Position befindet, ausgerechnet dann von nur einer anderen Person abhängig ist. Ich gehe mal davon aus, dass Ihr regelmäßig online Kontakt habt. Hat er seinerseits konkrete Vorstellungen, wie das aussehen soll? Eine Vorstellung über die Dauer? Wie eng werdet Ihr da zusammen leben? Was passiert, wenn es ihm zuviel wird mit Dir als Gast, wieweit ist es möglich, sich auch mal für ein paar Stunden oder gar ein, zwei Tage aus dem Weg zu gehen? Was verspricht/erhofft er sich davon, wenn Du bei ihm wohnst? Kann er das sagen, will er das sagen - und wie gehst Du mit der Antwort um? Da er während Deines letzten Aufenthalts in Deutschland ja anscheinend sehr gut mit Deiner Tochter konnte - wie geht er damit um, wenn Du nun ohne sie kommst und (absehbarerweise) öfter mal sehr traurig und verzweifelt sein wirst, dass sie nicht bei Dir/Euch ist?

Ich hab das jetzt alles nicht so genau in Erinnerung - aber hast Du nicht auch noch Familie (Eltern, Geschwister...) hier in Deutschland, von denen Du, wenigstens anfangs für einen neuen Start, noch irgendwie Unterstützung finden könntest?

Ich habe mitbekommen das der Wohnungsmarkt aktuell wohl sehr angespannt ist in Deutschland, das macht mir etwas Angst. Ich habe ja nun auch nicht die besten Voraussetzungen. Keinen Job, keinen guten Lebenslauf, ich werde erstmal Bürgergeld beantragen müssen weil ich komplett mittellos zurückkehre, im Prinzip nur mit meiner Kleidung am Leib und 50 Euro die ich noch aus dem Urlaub hatte. Das ganze macht mir auch ziemlich Angst. Diese ganze "Stabilität" aufzugeben und bei 0 wieder zu starten.

Die Angst kann ich gut nachvollziehen und sie ist auch begründet. Wichtig ist, dass Du Dich von ihr nicht schocken, d.h. starr machen läßt, sondern all dies Probleme als Herausforderungen begreifst. Kennst Du das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten? Die haben so ein Motto, das ich schon als Kind super fand: "Etwas besseres als den Tod finden wir überall!" Gerade, wenn's einem mal so richtig Scheiße geht und man nicht ein noch aus weiß: kein Geld, keine sichere Bleibe, gesundheitlich angeschlagen, Sehnsucht nach den einen Bezugspersonen, Horror vor den anderen: Besser als der Tod ist's allemal! 

Schreibe Dir vielleicht schon jetzt mal alle Optionen, die es in Deutschland für Dich ganz konkret geben könnte, auf. Mache womöglich sowas wie einen Plan, was Du als erstes tun willst: Termin beim Sozialpsychiatrischen Dienst machen? Job suchen? Wohnung suchen? Therapeuten suchen? Und wenn Du eins an Stelle 1 gesetzt hast - was kommt als zweites? Und so weiter...

Da Du ja nicht direkt vor Deinem Ex fliehen musst, also nicht die Gefahr besteht, dass er hinter der nächsten Ecke lauert, um Dich zu mißhandeln, sind vermutlich Frauenhäuser keine Möglichkeit, dass Du in einem solchen erstmal unterkommen kannst. Aaber... Fragen kostet ja nix und wenn sie Dich da ablehnen - vielleicht haben sie dennoch einen Tipp hinsichtlich dessen, wie Du ohne Job und Barmittel an eine Wohmöglichkeit kommen könntest?

Weißt Du, wo und wie man Bürgergeld beantragen kann? Falls nicht: Du hast noch ein paar Tage, informiere Dich da online schon mal drüber. Überhaupt, ich wiederhole mich: Plane. Mach einen Cut beim Herumgrübeln und sag Dir: "Okay, ich habe mich entschieden, ich gehe zurück nach Deutschland und lasse meine Tochter erstmal hier zurück. Das ist entschieden, jetzt kümmer ich mich drum, was konkret zu tun ist." Erlaube Dir nicht, Dich vom Planen ablenken zu lassen durch neue Zweifeln, ob es überhaupt richtig sei, wofür Du Dich gerade entschieden hast. Das ist leider ein häufig anzutreffender pychologischer Mechanismus: dass wir alle dazu tendieren, uns von immer neuen Zweifeln ablenken zu lassen, wenn ein Plan schwierig und im Detail anstrengend wird. Dann werden wir traurig und unsicher und tun uns selbst auch tüchtig leid, wie traurig und unsicher wir sind und finden, dass wir eigentlich doch ganz liebe Menschen seien und nur das Schicksal oder sonstwer uns alles so schwer macht und dann denken wir wieder an all die Sachen, die so scheiße waren und uns an diesen Punkt geführt haben (Du also z.B. an all das, was Dein Ex so Unschönes getan hat in der Vergangenheit)... Und während wir damit beschäftigt sind, fehlt uns die Zeit und Konzentration, unseren Plan weiter auszuarbeiten: wie es in der Zukunft laufen soll, und welche Punkte a), b) und c) wir deswegen jetzt abzuarbeiten haben...

Schau mal: Du hast jetzt schon einige Zeit darein investiert, uns hier von Dir zu erzählen - von Anfang an und so weiter... Okay, dieses Investment soll sich jetzt entweder lohnen und wir sollen Dir hier konstruktive Ratschläge geben. Oder es war ein Investment, das sich nicht so rentiert hat. Aber in dem Fall brauchst Du ja nicht noch weitere Zeit zu investieren - Zeit, die Du besser darauf verwenden könntest, Deine Zukunftspläne auszuarbeiten. Punkt für Punkt, Tag für Tag:

Du kommst am 4. April hier in Deutschland an. Wo wohnst Du bis zum 11. April? Was hast Du in der ersten Woche schon so erledigt? Wo wohnst Du am 18. April? Was machst Du für den Fall, dass Du am 14. April von Deinem Gastgeber vor die Tür gesetzt wirst, weil der sich das alles etwas anders vorstellte? Hast Du dann schon zwei oder drei Telefonnummern, bei denen Du anrufen kannst, damit Du nachts nicht im Regen auf den Luftschächten vor'm Kaufhof pennen musst?

Ach ja: und pack die Koffer. Du wirst doch wohl mehr Kleidung als nur die haben, die Du am Leib trägst? Auch 50 Euro sind ein Witz, da müssen in den nächsten Tagen noch irgendwo ein paar Hundert Dollars aufzutreiben sein - Du fliegst einen geplanten Flug und wirst nicht von einem Erdbeben aus dem Haus gescheucht: Was kannst Du mitnehmen, was von dem, das Du nicht mitnehmen kannst, kannst Du noch irgendwie zu Geld machen?

 

Ich weiß noch von damals wie schwer das war etwas zu finden was ich auch mit meinen körperlichen Einschränkungen ausüben kann, und ich habe auch Angst davor das ich es psychisch noch nicht schaffe sofort eine Vollzeitstelle anzutreten. Ich hatte die Hoffnung das ich vielleicht auf Teilzeit etwas finden kann und parallel mit einer Therapie wieder daran arbeiten kann mich aufzubauen um den Job dadurch auch tatsächlich halten zu können.

 

Du hast jetzt mehrere Jahre rund um die Uhr ein Kleinkind versorgt. Damit hast Du schon bewiesen, dass Du einen sehr harten und herausfordernden Job "durchhalten kannst". Verstehe das als Kompetenz und Beweis, wie stress-resilient Du sein kannst, wenn's drauf ankommt. Eine Vollzeitstelle lässt Dir immer noch genug Zeit, eine Therapie zumachen - suche also nicht schon im Vorfeld Hindernisse, z.B. welche Jobs Du nicht annehmen könntest. Gehe lieber so ran an die Sache: Du suchst einen Job, denn Du brauchst Geld. Wenn's keine Vollzeitstelle ist, sondern nur ein Teilzeitjob, dann ist das auch okay, weil Dir dann mehr Zeit für Therapie und XYZ bleibt. Du kannst beides: Teilzeit oder Vollzeit. Und schon hast Du zwei Optionen, statt nur einer... 

Als ich mich in meiner schwersten Lebenskrise befand - ich war krass computerspiel-süchtig und hatte mich so in Schulden und Ausweglosigkeiten geritten, dass ich schon auf der Autobahnbrücke stand, um runterzuspringen (und dann hatte ich doch noch genügend "Schiß" , das nicht so fort zu tun... 😉 ), half mir mein guter Freund Freddy (den nenn ich mal so, auch wenn er in echt anders heißt), mein Leben wieder auf die Kette zu kriegen. Jeder dritte Satz von Freddy lautete damals: "Komm inne Hufe, mach das jetzt, deprimiert sein kannste auch später noch!" Und immer, wenn ich mit Ausreden kam, warum dies und jenes nicht klappen werde und dass ich das und das nicht könne und es doch viel besser wäre, wenn... - unterbrach Freddy mich: "Red kein Scheiß, lenk nicht ab!"

Ich ahne ja, dass Du gerade keinen eigenen Freddy zur Hand hast. Aber ich kann ihn Dir mal so ganz virtuell ausborgen. Du kannst ihn neben Dich setzen, wenn Du jetzt mit dem Stift in der Hand einen Plan für die nächsten zwei, drei, vier Wochen ausarbeitest. Und immer, wenn Dir Bedenken kommen, ob dies und jenes überhaupt möglich sei und ob du dies und das überhaupt hinkriegen kannst und wenn Dir Erinnerungen kommen darüber, was Dich in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren so kaputt und traurig gemacht hast  - dann schau rüber zu ihm und seinen belustigten Mundwinkeln. Denn während er Dir mit forscher Strenge in der Stimme sagt: "Hör auf mit dem Scheiss, Lucinga, da hab ich keine Zeit für, lenk nicht ab, sei nicht so'ne dröge Tussi!", muss er doch auch ein wenig lächlen. Weil er sich auskennt, weil er das schon bei anderen des öfteren erlebt hat (er ist Versicherungsmakler und hat ständig mit Leuten zu tun, die gerade von irgendwelchen "Katastrophen" überrascht wurden) und weil er  weiß, dass all Deine Einwände und Ablenkungen gar nicht sonderlich viel Gewicht haben und dass Du's schon schaffen wirst. Weil: Etwas besseres als den Tod findet man überall!

"Komm inne Hufe Lucinga!", sagt Freddy, "Wir ham noch was vor heute!"

 

 

 

jack-black antworten


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