Neigen Christen dazu, alles negativ zu sehen...?
Es gibt ja gerade einen Thread hier, in dem es darum geht ob die Welt jetzt besser oder schlechter ist als früher... und ja, es gibt natürlich einige Entwicklungen, die besorgniserregend sind, Stichtwort: Klimawandel und KI. Und Atombomben, die gibt es nun auch schon ein Weile...
Aber ich frage mich: Neigen Christen - in Erwartung der Apokalyse, der Endzeit, was auch immer - dazu, alles möglichst negativ zu sehen, weil alles auf etwas Finsteres hinausläuft, weil eh das Ende kommt, weil alles ganz furchtbar schlecht werden wird, weil alles zwangsläufig auf finstere Ränke hinausläuft... oder können Christen auch positive Entwicklungen sehen, weil es auch Dinge in der Welt gibt, die gut laufen, weil es vielleicht auch die ein oder andere Entwicklung in die richtige Richtung gibt, weil wir sensibler werden, aufmerksamer, weil wir auch Menschen ausserhalb unserer eigenen Kultur wahrnehmen, weil wir Dinge anstoßen, über unseren Tellerrand schauen, uns kümmern, Meinungen haben, Wahlentscheidungen treffen und vielleicht auch hier und da etwas ändern...?
Konkret gefragt: Ist das Christentum nun darauf ausgelegt, das Schlimmste und die Endzeit zu erwarten... oder die Welt im Positiven zu verändern...?
Wie seht ihr das?
Ich sehe hier jedenfalls immer wieder sehr negative Aspekte...
Veröffentlicht von: @lucan-7Aber ich frage mich: Neigen Christen - in Erwartung der Apokalyse, der Endzeit, was auch immer - dazu, alles möglichst negativ zu sehen, weil alles auf etwas Finsteres hinausläuft, weil eh das Ende kommt, weil alles ganz furchtbar schlecht werden wird, weil alles zwangsläufig auf finstere Ränke hinausläuft... oder können Christen auch positive Entwicklungen sehen ...
Ha, da hast Du mich doch wieder mit im Karussell ... aber auf nem anderen Pferd 🤣
Also ... zunächst: Ich bin (theologisch, glaubensmäßig) eigentlich nie ein "Apokalyptiker" gewesen, d.h. die ganze evangelikale "Endzeit-Proklamation" war nie meins. Im Gegenteil: In den 80ern war ich mit Anderen sehr unterwegs in Sachen Friedensbewegung, Nachrüstung, Atomkraft - Nein Danke!, Gegen die Volkzählung etc. - und fand es immer furchtbar (heute ebenso!), wenn fromme Christen abgewunken haben mit der Begründung: "Es steht doch schon in der Bibel, dass es Kriege geben wird - und dann folgte die ganze apokalyptische Aufzählung von vorhergesagten Katastrophen 😯
Doch die Welt nimmt weiter, auf dramatische und beängstigende Weise, ihren Lauf. Ich brauche weder christliche Endzeit-Beschwörungen noch biblisch-apokalyptische Argumente, um schlicht zu sehen, was ganz nüchtern und sachlich im Schwange ist, sich uns als Realität offenbart, von Wissenschaftlern (nicht von Schwurblern) aufgezeigt und benannt wird.
In all dem lebe ich, wie wir alle wohl, in einer merkwürdigen "Schwebe", wohl wissend, dass "Weltuntergänge" und subjektive/kollektive Hoffnungslosigekeiten schon immer zur Menschheitsgeschichte dazu gehört haben.
Nachwievor wehrt sich in mir alles mit einem "Dennoch & Trotzdem" gegen die düsteren Prognosen, ich erlebe Dankbarkeit für jede gute Nachricht (und die gibt es natürlich auch!), verdränge allerdings auch immer wieder viel (wer von uns würde dem widersprechen können?) und lebe mit Erfüllungen & Dankbarkeit "unter düsterem Himmel", engagiere mich weiter und hoffe für unsere Kinder und Enkel (eins ist auf gerade auf das Jahresende hin unterwegs) irgendwie (inmitten unserer globalen Dunkelheiten) auf "mehr Licht", politische und ökologische Lösungen zum Guten, eine lebenswerte Zukunft.
Immer wieder empfinde ich - als Christ und mit einem trotzigen Festhalten an "Glaube, Hoffnung & Liebe" - große Sympathie mit Dr. Rieux aus dem Roman "Die Pest" von Camus, der das Menschliche tut und tapfer bleibt - ohne es zu verrechnen mit Wahrscheinlichkeiten, Vergeblichkeit und Ausichtslosigkeit.
Und noch ein Zitat von Kurt Marti, in dem ich mich gut wiederfinde:
"Die Frage (ist) immer wieder, ob ich im Blick auf die Zukunft optimistisch oder pessimistisch sei. Ich weiß es nicht. Pessimistisch stimmen mich die Optimisten an den Schalthebeln technokratischer, militärischer oder politischer Macht ... Zu schreiben wäre einmal die Geschichte der Katastrophen, die der politische Optimismus im 20. Jahrhundert ausgelöst hat, vom Ersten Weltkrieg bis heute." (Kurt Marti. O GOTT! Essays und Meditationen, Radius-Verlag, Stuttgart 1986)
L'Chaim