Benachrichtigungen
Alles löschen

O Gott! ...

Seite 1 / 2

AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 1169

Kurt Marti (1921-2017) war ein Schweizer reformiertet Pfarrer, Schriftsteller und Dichter, der mich (seit den 80ern) kontinuierlich in meinem Glauben, Denken & Leben inspiriert (hat) ... Seine Gedanken/Texte sind in einer großen Variationsbreite tröstlich, herausfordernd, ermutigend und anregend.

O GOTT! ist ein Buchtitel von ihm (RADIUS-Verlag 1986), den ich hier mal als Überschrift benutze - für einen Thread, in den ich ff. Texte, Sätze, Gedichte und Meditationen poste ...

Lest sie, lasst sie wirken ... Schaut selbst, was bei Euch "resonanzt".

Ich beginne mit:

.............................................

HOFFNUNG

O nein, o nein

ich hab' mein Leben

nicht im Griff,

überhaupt nicht.

Eher umgekehrt:

ES hat MICH.

 

ES:

das Leben jetzt,

das Sterben einst,

und darin, hoff' ich,

DU

 

(Text im besagten Buch, S, 39)

Antwort
13 Antworten
Seidenlaubenvogel
Beiträge : 2162

@awhler 

Mich begleitet dieser Text seit ca. 30 Jahren. Und er hat für mich an seiner Kraft seither nichts verloren.

seidenlaubenvogel antworten
1 Antwort
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 12 Monaten

Beiträge : 1341

@seidenlaubenvogel 

Lese gerade nur ein wenig quer im Forum und bin bei dem von dir verlinkten Text hängen geblieben. Mit der Angst, die in die Luft geworfen wird.

Weil ich mich erinnerte, dass ich vor ein paar Jahren schrieb, „Ich werfe meine Hoffnung in die Luft und warte, was passiert…“ Ich wollte meine Hoffnung nicht mehr krampfhaft festhalten, bis sie irgendwann in meiner Hand immer weiter zusammengedrückt würde und entweder zerbröselt oder schmilzt?
Und was soll ich sagen, war‘ne gute Entscheidung. ☺️ 

Das Gedicht kannte ich bislang nicht.

ga2 antworten


Tatokala
Beiträge : 4066

@awhler Ich verbinde kurt marti mit kleinschreibung

Muss aber gestehen, daß ich noch nie ein buch von ihm in der hand hatte -nur vereinzelt gedichte, die irgendwo in zeitschriften hier und da veröffentlicht wurden.

 

tatokala antworten
1 Antwort
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1169

@tatokala 

Das Schriftbild entspricht exakt der gedruckten Vorgabe und ist von mir nicht verändert ... Aber es gibt in der Tat (z.B. einige Texte in den "Leichenreden" (Luchterhand 1976. 9.Aufl 1984) auch Manches in Kleinschreibung, die ich (wo gegeben) auch ff. dann so wiedergebe.

L'Chaim

awhler antworten
AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 1169

Kurt Marti - 2 - weitere Ein-würfe

............................

Gott ist groß.

Er wird uns überraschen.

Er hat nie aufgehört, die Welt, die Menschen und selbst den vermeintlich so listigen Teufel zu überraschen.

Auf den Lauf der Welt ist wenig Verlaß, wohl aber auf die Überraschungen Gottes, deren bezeichnendste die Auferweckung Jesu Christi von den Toten war.

...........................

aus: Gott im Diesseits. Versuche zu verstehen (RADIUS-Verlag, 2017, S.29)

awhler antworten
1 Antwort
mmieks
 mmieks
(@mmieks)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 1196

@awhler Dieses Buch liebe ich ...

Mir geht es oft so, dass mir bei (christlichen) lyrischen Texten mehr Licht aufgeht als bei manchem Theologen-Sprech..

Mir wurde schon von manchen gesagt, dass meine Alltagssprache lyrisch klingt-

Übrigens: danke für den Thread über Herrmann van Veen. Ich habe darauf hin meine Regale durchsucht, weil es bei mir klingelte, da hab' ich doch etwas 😀 und fand 2 CD's und ein Buch.

mmieks antworten


AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 1169

Kurt Marti - 3 - weitere Ein-würfe:

.....

ÖFFNUNG

Gott,

dialogisches Geheimnis,

mach mich dialogfähig,

mach mich lernfähig,

erhalte mir die Neugier.

 

Öffne uns Christen für einander

ebenso wie für die Nichtchristen

und am meisten für die,

denen Du, weil sie arm sind,

am nächsten bist.

 

Bewege uns durch Deinen Geist,

der weht, wo er will,

auch in anderen Glaubensformen,

in anderen Religionen.

.....

aus: O GOTT! (RADIUS-Verlag, 1986, S. 154)

awhler antworten
AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 1169

Kurt Marti - 4 - weitere Ein-würfe:

....

"Es gibt natürlich eine Religiosität, die manche Menschen sich holen, wo sie sie finden können, sei es außerhalb oder innerhalb der Kirchen. Das hat es wohl immer gegeben, wenn auch vielleicht nicht im heutigen Ausmaß. Aber es gibt gleichzeitig das andere, nämlich dass Christen auch in den Kirchen sich fragen: Hat der Buddhismus, der Islam der Hinduismus, haben die Religionen der Indianer, die wir umgebracht haben, haben sie alle uns nicht etwas zu sagen, was wir bisher in den Wind geschlagen haben, was wir mit Begriffen wie Heidentum, Naturreligion usw. belegt haben, Begriffen, die theologisch wie Schimpfwörter tönten. Ist da aber nicht etwas aufgehoben an Menschheitserfahrung, das für uns ebenfalls wichtig sein könnte? Diese Öffnung zum Dialog mit anderen Religionen finde ich nötig, finde ich gut. Ich hoffe, dass dies mehr ist als eine bloße modische Erscheinung ..."

.....

aus: Kurt Marti. Rede und Antwort. Rechenschaft im Gespräch (RADIUS-Verlag 1988, S.112)

awhler antworten
3 Antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1169

Kurt Marti - 5 - Ein-würfe:

....

FRAGE

Manchen bin ich einiges,

einigen bin ich vieles schuldig geblieben.

Und die Zeit läuft davon.

Wessen Liebe kann das noch gut machen?

Die meine nicht.

Nein,

die meine nicht.

.....

Kurt Martin, Urgrund Liebe. Klagen, Wünsche, Lieder (RADIUS-Verlag, Stuttgart 1987)

 

PS. Heute mit einer Anmerkung von mir:

Das Älterwerden und der Rückblick auf die eigene Biografie kann hier und da auch richtig wehtun. Und zwas dort, wo man mit Klarsicht erkennt, dass eigene Schuld, verursachte Verletzungen und zerstörerische Versäumnisse bei Anderen nicht wieder gut zu machen sind und man es kein "Ungeschehen" gibt ... Kennt Ihr das? Wenn es so ist, gehören Tränen und eine Übergabe an Gott zu den tiefen Momenten des eigenen Glaubens. Und diese Zeilen von Marti bringen es für mich auf den Punkt.

L'Chaim

awhler antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1169

Kurt Marti - 6 - Ein-würfe:

....

HÖREN ALS GRUNDFORM DER ZÄRTLICHKEIT

"Gott nenne ich deswegen zärtlich, weil er/sie Ohr ist für uns und für andere. Woher nähmen wir den Mut zum Beten ohne die Zuversicht, dass das Wort *Gott* unter anderem eine gespannte Aufmerksamkeit für uns bedeutet und Hörbereitschaft von höchster Intensität, von zärtlicher Genauigkeit signalisiert? ... Er/sie ist 'Dialogisches Mysterium' (K.H. Miskotte) und insofern immer: Zärtlichkeit."

....

Kurt Marti. O Gott (RADIUS-Verlag, Stuttgart 1986)

awhler antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1169

Kurt Marti - 7 - Ein-würfe

Heute zum sog."Toten - und Ewigkeitssonntag" (dem letzten im Kirchenjahr, vor dem 1. Advent):

....

LEICHENREDE

dem herrn unserem gott

hat es ganz und gar nicht gefallen

daß gustav e. lips

durch einen verkehrsunfall starb

 

erstens war er zu jung

zweitens seiner frau ein zärtlicher mann

drittens seinen kindern ein lustiger vater

viertens den freunden ein guter freund

fünftens erfüllt von vielen ideen

 

was soll jetzt ohne ihn werden?

was ist seine frau ohne ihn?

wer spielt mit den kindern?

wer ersetzt einen freund?

wer hat die neuen ideen?

 

dem herrn unserem gott

hat es ganz und gar nicht gefallen

daß einige von euch dachten

es habe ihm solches gefallen

 

im namen dessen der tote auferweckte

im namen des toten der auferstand

wir protestieren gegen den tod von gustav e. lips

....

Kurt Marti: Leichenreden, Sammlung Luchterhand, 1976

Anmerkung: Marti (selber reformierter Pfarrer) setzt damit einen Akzent gegen die leichtfertige, liturgische Verwendung von: "Nachdem es Gott, derm Herrn, gefallen hat XY aus dem Leben zu rufen ..." ... und er zitiert Christoph Blumhardt: "Wie (Christen) sind Protesleute gegen den Tod."

 

L'Chaim

 

 

awhler antworten


Seite 1 / 2
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?