Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Welchen Weg, welche Wahrheit und welches Leben bestimmt er?
Bestimmt er denn? Wenn ja: den Weg zu Gott? Ein Leben mit Gott? Die Wahrheit über uns?
Ich denke (bzw.lese): Er IST die Wahrheit, das Leben und der Weg.
Dieses in-ihm-bleiben ist etwas Reelles, denke ich. Etwas, das du erfahren kannst.
Vermutlich erübrigen sich dann die Fragen und du weisst es, dass es so ist. Sonst hätte er es nicht so gesagt.
@stern Wenn wir Gott mit "bedingungsloser Liebe" gleichsetzen, dann ist Jesus doch Derjenige, der uns den Weg dahin aufzeigt, der die Wahrheit vorlebt und uns in seiner Nachfolge die Fülle des Lebens (Joh.10,10) schenkt.
Die Fülle des Lebens beinhaltet ja nicht nur das Wunderschöne, sondern auch das Unangenehme. Dafür gibt er uns seinen Trost mit auf den Weg: "denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." Mat.11,30
Wenn wir Gott mit "bedingungsloser Liebe" gleichsetzen,…
Ja, das hab ich zwar so bewusst noch nicht formuliert, aber ja, das kommt so hin. 🙂
Die Fülle des Lebens beinhaltet ja nicht nur das Wunderschöne, sondern auch das Unangenehme. Dafür gibt er uns seinen Trost mit auf den Weg: "denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." Mat.11,30
Ja….😅ich weiss nicht, ich empfinde das Leben oft als nicht leicht und das nervt mich manchmal…unter sanft und leicht stelle ich mir etwas anderes vor.
Aber jedes Mal, wenn ich dieses „in -ihm“ merke, dann ist da Kraft und Zuversicht.
Und unter Fülle des Lebens habe ich mir bisher nicht beide Seiten vorgestellt, sondern eine Kraft, die all das Schwere nicht mehr schwer sein lässt.
@stern Dass die Fülle auch das Unschöne beinhaltet, kam mir auch erst eben... Ich lerne auch gerade wieder neu, wie großes Leid sich in Dankbarkeit wandelt, wenn ich mich in meiner Verzweiflung an Gott wende. Solange wir noch hier sind, werden wir es auch immer mit dem Bösen zu tun haben. Aber Du weißt ja, dass ich nicht glaube, dass es noch lange so weiter geht (s.Thema "mit Gott erlebt"?)
Ich lerne auch gerade wieder neu, wie großes Leid sich in Dankbarkeit wandelt, wenn ich mich in meiner Verzweiflung an Gott wende
Ja, in manches Leid sind wir hineingeworfen (selbst wenn es nicht willkürlich, sondern nur die Konsequenzen sind, die man so nicht hat kommen sehen) und können uns nicht daraus befreien, sondern müssen es durchschreiten. Die Hinwendung an Gott hilft immer, auch wenn sich die Situation scheinbar nicht verändert.
Solange wir noch hier sind, werden wir es auch immer mit dem Bösen zu tun haben. Aber Du weißt ja, dass ich nicht glaube, dass es noch lange so weiter geht
Ja, das habe ich noch im Hinterkopf. Wobei es zwar die Perspektive auf das Leben etwas ändert…vielleicht auch die innere Einstellung dazu…aber trotzdem sind/bleiben die Dinge immer noch wie sie sind und alles läuft einfach weiter.
"denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." Mat.11,30
Hi geo...
Unter das Joch eines Rabbi gehen ist eine hebräische Redewendung für den Beginn einer Lehrer-Schüler Beziehung. Jesus als Lehrer überfordert einen nicht, sondern er gibt eine tragbare Last= Portion.
Ein gutes Beispiel dafür, dass bestimmte Worte (auch im biblischen Kontext) bei uns Assoziationen und Vorstellungen auslösen, die ihnen gar nicht gerecht werden und die gar nicht das ausdrücken und meinen, was wir damit (fälschlicherweise) aus ihnen herauslesen ...........
L'Chaim
Ich denke, der Text-Kontext von Johannes 14,6 ist wichtig zum Verstehen.
Es handelt sich dort um die sog. "Abschiedsreden Jesu" (Kap. 14-16) an seine Jünger, die er nun verlassen und zurücklassen wird. Er hat im Blick, dass diese Trennung von ihm u.U. bewirkt, dass sie verunsichert werden könnten, ob sie mit Jesus tatsächlich auf dem richtigen WEG zum LEBEN gekommen sind, ob er tatsächlich die WAHRHEIT gepredigt, gelebt und verkörpert hat - und ob es auch weiterhin so ist und Gültigkeit behält.
Und daraufhin gibt er ihnen die Antwort: "Lasst Euch nicht unsicher machen, Ich bin und bleibe das, auch nach meinem Weggehen, was ihr in mir gefunden habt."
L'Chaim
Du könntest mehr Fragen stellen und ins Detail gehen ... ins Gespräch mit mir ... *anbiet*
Also, ich steh auf dem Schlauch…
Jesus ist der Weg , die Wahrheit und das Leben.
Du fragtest am Anfang, welchen Weg, welche Wahrheit und welches Leben er bestimmt.
Ob ich nun „ist“ betone oder „der,die, das“…🙂wo ist der Unterschied im Praktischen?
Ich habe vor vielen Jahren mal eine Jesusverfilmung gesehen. Ich meine, es war ein italienischer Film aus dem 70ern, bin mir aber diesbezüglich überhaupt nicht sicher. Er ist wohl sehr bekannt. Und er war nach meiner Erinnerung stark am wörtlichen Inhalt.
Was mir da aufgefallen ist: Wir streiten gern über den Sinn der Worte oder Art der Übersetzung.
Aber der Tonfall, wie etwas gesprochen wird, hat sehr grosse Auswirkungen, wie etwas verstanden wird. Und den kennen wir bei den christlichen Schriften nicht.
Ist die Ermahnung an den reichen Jüngling streng oder ist sie liebevoll umarmen? Der Wortlaut bleibt gleich, die Wirkung ist fast schon gegensätzlich.
VG
Chey
Diese Aussage Jesus des Herrn sollte man m.M.n. unbedingt im Kontext zu verstehen suchen.
Wenn von einem Weg die Rede ist, gibt es ja einen Anfang und ein Ende. Jesus der Herr sprich diese Worte in dem Moment, wo sein Weg auf Erden sich dem Ende zuneigt. Das Ende sind der physische Tod und seine Überwindung durch die Auferstehung sowie die Vorbereitung der Wiederkehr. (Vers Joh.14,3; 6b). Der Anfang des Weges ist die Niederkunft vom ´Himmel`, d.h. die Inkarnation des Geiste Gottes in den Menschen Jesus von Nazareth, Sohn von Maria und Josef dem Zimmermann und als Bruder von Schwestern und Brüdern. (Ich will hier nicht auf ´ungeklärte Verwandtschaftsverhältnisse abzielen, sondern darauf, dass Jesus hier ganz und gar Mensch und in die üblichen sozialen Beziehungen eingebunden war).
Bis zum Beginn des öffentlichen Auftretens / Wirkens diente dieser Abschnitt des Weges der innerlichen Vorbereitung von Jesus dem Herrn. Ich stelle mir das so vor, da Jesus der Herr ganz Mensch war, aber auch weiterhin Gott, bedürfte es aufgrund der Körperlichkeit des Seins einer gewissen Entwicklung, um beide Naturen vollkommen in sich zu vereinen. Daher wird dieser Abschnitt durch Fasten in der Wüste und dem Widerstehen der Versuchung beendet. Auch kann ich mir vorstellen, dass auf diese Weise die Differenz zu den anderen Menschen kleiner wird („Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns“) und gerade die einfachen Menschen sich viel eher trauen konnten, sich Jesus dem Herrn zu nähern. Für die Tempeleliten wiederum, die dem Messias eher als einen der ihren erwartet haben, war die Herkunft (= der Weg) eine echte Herausforderung für ihre Glaubensvorstellungen.
Interessant ist, dass Jesus zu den Jüngern sagt: (Joh.14,4): „Den Weg dorthin, wohin ich gehe, kennt ihr ja." Wieso konnte Jesus der Herr das annehmen? Weil er die Jünger ja unterrichtet hat. Wenn nun der ´ungläubige`(besser der kritische) Thomas fragt: "Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir da den Weg kennen?" (dito 5), so wird ein Widerspruch offensichtlich. Der liegt darin, und betrifft nicht Thomas allein, er hat es nur ausgesprochen, dass die Jünger Jesus den Herr immer noch nicht richtig verstehen, weil sie die Rede Jesus des Herrn vielfach wörtlich nehmen. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ meint im profanen Sinne, die Vorbildfunktion Jesus des Herrn (Weg korrespondiert mit Nachfolge, die ja auch einen Weg beschreibt); im transzendentalen Sinn beschriebt Jesus der Herr einmal die Liebe als Weg wie Gott Liebe versteht; zum anderen die drei Wirkweisen oder Dreifaltigkeit Gottes. Daher kann Jesus der Herr auch sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du nur sagen: Zeige uns den Vater?“ (dito 9). Und jetzt kommt für mich ein entscheidender Satz (dito10 f):
10 Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, sage ich nicht aus mir selbst; der Vater, der in mir bleibt, vollbringt die Werke.
11 Glaubt mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist. Sonst glaubt doch wenigstens um der Werke willen.
Ich finde diese letzten Worte insofern die wichtigsten, dass es in der Nachfolge Jesus des Herr nicht so sehr auf das Textmäßige Wissen von Glaubensaussagen etc. ankommt, sondern auf das Leben nach den Geboten. Weg heißt nämlich auch, dass man gehen, sich bewegen, seine Position immer wieder verändern muss und zwar, ohne das man dabei die Richtung oder das Ziel aus den Augen verliert.