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Blinder Glaube

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MAUTZ
 MAUTZ
Themenstarter
Beiträge : 5

Hallo,

ich frage mich immer wieder wie ich an Gott glauben kann ohne ihn wirklich zu kennen. Es wird soviel erzählt und gepredigt, und es steht soviel in der Bibel wo rein aus meiner Lebenserfahrung keinen Sinn ergibt und einfach auch nicht stimmen zu scheint.

Das folgende sind einfach meine Einschätzungen, vielleicht ein bisschen Grob formuliert, aber es bedrückt mich schon.

Es wäre schön, wenn mir jemand ein paar Antworten, oder Gedankenanstöße hat (gerne auch nur zu einem Punkt)

Vielen Dank

1. Gott hat einen Guten Plan für mein Leben.

Das hört man ja immer wieder und ich habe auch lange Zeit fest darauf vertraut. Aber schaut man sich die Welt an scheint es unmöglich dass es für jeden Menschen einen Plan gibt, geschweige denn einen guten. Menschen werden geboren und leiden Jahrelang bis sie dann durch Hunger, Gewalt, o.ä. qualvoll sterben. Diese Menschen haben keine Chance jemals am Leben teilzunehmen. Das ist einfach Faktisch nicht GUT, und jemand der ein solchen Plan für jemand aufstellt soll so wunderbar und liebevoll sein? Natürlich werden wir auf der Erde nie verstehen was Gott vorhat, aber wie kann von mir erwartet werden an das Gegenteil der Realität zu glauben?

2. Gott ist gut, liebevoll, perfekt.

Gott wird oft als perfekt und unendlich liebevoll beschrieben. Das Leben gibt mir aber ehrlicherweise mehr das Gefühl dass er rücksichtslos, egoistisch und fahrlässig ist. Gott hat uns geschaffen, alles was hier auf der Erde passiert ist in seiner Verantwortung. Klar erschaffen wir Menschen viel Leid durch unseren freien Willen. Dennoch kommt alles aus der Schöpfung. Es steht alles in seiner Verantwortung. Nun scheint er die Verantwortung einfach auf uns übertragen zu haben, im Zuge der Sünde. Ein Mitspracherecht hatten die Menschen nicht. Wir haben auch keine Wahl ob wir geboren werden wollen oder nicht. Ich wurde quasi in ein System geboren wo von Grund auf alles geregelt ist, wo ich Leid erfahre, Probleme bekomme usw. Das ist egoistisch und rücksichtslos aus meiner Sicht, ganz egal ob es aus Liebe geschieht. Und wenn ich mich nicht an diese Regeln halte, brenne ich in der Hölle? Des weiteren bringt Gott in der Bibel zahlreiche Menschen um, quält sie sogar. Der Gott der jeden Menschen lieb hat und 99 Schafe verlässt um das 1e zu finden bringt einfach ein paar Menschen um. Teilweise um zu zeigen wie Stark und mächtig er ist (Gott bringt den Pharao im Mose-Buch dazu ihm hinterher zu jagen damit er Ihn und die ganzen anderen Ägypter umbringen kann, damit seine Macht gezeigt wird) So So viele Dinge sprechen für mich gegen die Liebe und einen Perfekten Gott. Es ist mir unmöglich zu glauben dass jemand der so etwas tut perfekt ist, oder uns liebt. Wie kann ich glauben das Gott mich liebt und Gut ist, wenn die Realität und selbst die Bibel das Gegenteil zeigen.

3. Gebet

Ich habe lange Zeit regelmäßig gebetet. Mittlerweile sehe ich keinen Grund mehr dafür. Ich weis nicht wie oft ein Gebet von mir offensichtlich erhört wurde. Ich meine wenn ich dafür bete das meine Klausur gut wird und sie gut wird muss das ja nicht heißen das sie ohne beten nicht gut geworden wäre. Es passieren sicher auch gute Dinge per "Zufall". Wie dem auch sei, man betet für so viele Dinge und scheinbar hat es keine Auswirkung. ich rede nicht von Gebeten wie mache das ich morgen reich werde. Ich rede von Gebeten wie heile mich, nimm das Leid von mir weg, zeige mir deinen Weg, mach bitte dass das Leben nichtmehr so schwer ist. Wenn man auf diese Gebete über Jahre keine Rückmeldung bekommt, es immer noch schlimmer wird, verstehe ich nicht, warum wo das Gebet seinen Sinn hat. Wenn Gottes Plan anders ist und er sowieso macht was er will, brauche ich auch nicht beten. So wie es in der Bibel steht "Bitten, und er wird euch geben. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, und es wird die Tür geöffnet" ist das für mich komplett falsch. Es stimmt einfach nicht. Ich kann bitten soviel ich will, suchen soviel ich will und klopfen soviel ich will. Es passiert nichts. 

4. Was glaubt man? Was interpretiert man?

In Predigten werden ganz oft, Texte aus der Bibel als Grundlage verwendet. Diese werden dann interpretiert, ein bisschen verändert, ein Teil wird verwendet, ein widersprüchlicher Teil einfach weggelassen. Die einen Sagen die Bibel muss man in die heutige Zeit übertragen, die anderen sagen die Bibel ist das Wort Gottes und genau so gültig. Wie genau soll ich mir aus diesem ganzen heruminterpretiere und diesen ganzen Meinungen einen Glauben Bilden? Ich kenne Gott rein aus der Bibel und der Interpretation von anderen Menschen. Sind die Interpretationen richtig? Sind sie falsch? Ist die Bibel genau so richtig? Muss die Bibel auf die heutige Zeit übertragen werden, was eigentlich auch Interpretation ist? Muss ich alles glauben was in der Bibel steht? Gott ist Gott, und keine Interpretation. Ich möchte Ihn kennenlernen, weis aber nie was stimmt und was nicht. Ich weis nicht wie er ist, wie er sich verhält, was er gut findet was er schlecht findet. Ich muss doch jemanden richtig kennen und das auch gut heißen, damit ich an jemanden glauben kann und ihm nachfolgen kann.

 

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1 Antwort
van Hagen
(@van-hagen)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 53
Veröffentlicht von: @mautz

.. ich frage mich immer wieder wie ich an Gott glauben kann ohne ihn wirklich zu kennen. ...

Glauben und glauben sind so wenig dasselbe wie Gott und Gott. Man lasse sich von demselben Wort nicht täuschen, denn was ihnen an Bedeutung zugemessen wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Als "Gott" nennt der Mensch das höchst Ehrwürdige, an das er in seinem Inneren aufsehen kann, was natürlich von Mensch zu Mensch ein unterschiedliches Niveau annimmt, das sich durch Erfahrungen und Erkenntnisse im Laufe des Lebens verändern kann. Hier kommen wir vom Glauben zur Erkenntnis. Der Glaube kann naiv sein oder ein intuitives Gespür aufweisen, letzteres führt dazu, ein Gefühl zu entwickeln, die Dinge zu erforschen: Ich glaube, was ich erkannt habe!

Man lasse sich nicht unter Druck setzen, tüchtig glauben zu sollen. Ein Gott bzw. eine Gottesvorstellung, die so tut, um nur so in den Himmel zu kommen, macht den Menschen unfrei.

van-hagen antworten
Stern
 Stern
Beiträge : 2573

@mautz 

ich frage mich immer wieder wie ich an Gott glauben kann ohne ihn wirklich zu kennen.

eben. Geht nicht.

Jesus sagt, das ewiges Leben darin besteht, ihn zu kennen und Gott zu kennen. Und er sagt, dass wenn wir ihn sehen, wir dann Gott sehen können. Also schaue ich mir an, was Jesus wie macht, was seine Botschaft ist und was für ein Gottesbild er vermittelt - er, der von sich sagt, dass er der einzige ist, der Gott kennt.

Natürlich werden wir auf der Erde nie verstehen was Gott vorhat, aber wie kann von mir erwartet werden an das Gegenteil der Realität zu glauben?

Sollst du gar nicht…da würdest du vermutlich ganz schnell in Teufels Küche kommen bei soviel Widersprüchen.

Heute hab ich den Psalm gelesen 116 gelesen: 

Der Himmel ist der Himmel des HERRN: aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben.

Das heisst für mich: das hier ist unser Spielplatz- solange, bis wir nach Hause gehen.

Wie kann ich glauben das Gott mich liebt und Gut ist, wenn die Realität und selbst die Bibel das Gegenteil zeigen.

Ich hab das so gemacht, dass ich mir angeschaut habe, was Jesus zu Gott/über Gott zu sagen hat. Und da habe ich ein überwiegend positives Bild gefunden, an das ich mich halte.

Es stimmt einfach nicht. Ich kann bitten soviel ich will, suchen soviel ich will und klopfen soviel ich will. Es passiert nichts. 

Es ist nicht einfach, diese Zuversicht zu entwickeln, mit der man beten soll. Aber trotzdem - wenn man sie mal gefunden hat, dann kommt man immer wieder auf sie zurück…weil nur so das Beten Sinn ergibt. Bei dir im Herzen muss es wirken…nicht bei Gott. Aber du kannst das auch nicht erzwingen, sondern nur anerkennen, dass es das braucht…

Gott ist Gott, und keine Interpretation. Ich möchte Ihn kennenlernen, weis aber nie was stimmt und was nicht. Ich weis nicht wie er ist, wie er sich verhält, was er gut findet was er schlecht findet.

Der Mensch entwickelt sich weiter und damit auch sein Gottesbild/Verständnis..

Wenn Jesus sagt: keiner ist gut, ausser Gott allein, dann kannst du die Geschichten unter diesem Aspekt lesen, dass Gott gut ist. (dann gibt es immer noch viele Geschichten, die man nicht versteht, aber ich fand es hilfreich, mich an dem festzuhalten, was Jesus über Gott sagt) 

muss doch jemanden richtig kennen und das auch gut heißen, damit ich an jemanden glauben kann und ihm nachfolgen kann.

Genau. Und bis du jemandem vertraust und ihn kennst vergeht Zeit…(oder auch nicht, wenn er sich einfach so offenbart)

Ich kann dich nur ermutigen, noch nicht aufzugeben

stern antworten
2 Antworten
MAUTZ
 MAUTZ
(@mautz)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 5

@stern 

Vielen Dank für deine Antwort. Es fühlt sich einfach irgendwie falsch für mich an, heute zu sagen ich fokussiere mich auf diese Geschichte, weil sie gut reinpasst, oder weil ich mir das gut vorstellen kann. Ein Zitat aus der Bibel gefällt mir ganz gut dann glaube ich einfach dass das so ist. Und alles schlechte oder alles was ich nicht verstehe, ignoriere ich einfach. Ich habe das Gefühl als wenn ich mir das ganze Thema Glaube dann einfach so zurechtschiebe wie es mir gefällt. Es ist einfach verrückt dass keiner weis wie es richtig geht 😀

 

mautz antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 12 Monaten

Beiträge : 2573

@mautz 

Es ist einfach verrückt dass keiner weis wie es richtig geht 😀

Es ist tatsächlich nicht so einfach, wenn man nicht gerade Gott mit irgendwelchen Sinnen erfahren hat. Dann ist Glaube (denke ich zumindest) nicht mehr so schwierig…obwohl es glaube ich auch Leute gibt, die das dann bewusst wegpacken und ignorieren.

Ich denke, du bist nicht „umsonst“ bei Jesus gelandet, auch wenn die Sache für dich nicht rund ist. 

Für mich sind es auch weniger Stellen in der Bibel, die man sich selbst raussucht, sondern die irgendwie einen innerlich bewegen - ohne dass man da Einfluss darauf hat.

 

stern antworten
Jascha
 Jascha
Beiträge : 16

@mautz 

Hallo,

deine Wahrnehmung von Leid ist real. Ich habe damit auch immer wieder zu knabbern. Heute erst beim Spazierengehen durch den Wald ist es mir auch beim Gebet wieder rausgekommen. Besonders das Leid und das Suchen unter den Christen, die ja eigentlich so nah an Gott sind.

Ich habe einige Bücher und Zeugnisse von Christen in der Verfolgung gelesen (z. B. Open Doors) und ich finde ihre Zeugnisse glaubwürdig. Ihre Realität ist eine andere, als wir sie im Westen wahrnehmen. Die Menschen erfahren Gott nahbar, als Versorger, Tröster ... und das unter den schlimmsten Bedingungen. Wenn Millionen von Menschen Gott genau dort finden, wo das Leid am größten ist, muss es eine Realität geben, die über unsere Logik und Gefühle hinausgeht.

Ich habe gemerkt: Wenn ich nur versuche, Gott mit meinem Verstand zu begreifen, bleibe ich in meinen Fragen gefangen. Mir hilft es deshalb, aus der Position des Opfers der Umstände rauszugehen und meine Identität stattdessen aus dem zu ziehen, was Jesus getan hat.
Jesus hat die Opfer-Position für uns eingenommen und einen unglaublich hohen Preis bezahlt, um die Macht des Bösen zu brechen. Er hat kein bequemes Leben versprochen, aber er gibt mir eine neue Perspektive: Weg vom „Warum passiert das mir?“ hin zu „Wer bin ich in ihm?“. Als Kind Gottes darf ich selbst im Sturm einen Frieden haben.

So bete ich heute: Danke Vater, dass ich nicht mehr "der Alte" bin, der Versager, der Ruhelose, der Verletzliche. Danke, dass ich durch Jesus eine neue Perspektive bekommen habe. Ich bin nun dein Kind. Mein altes Ich habe ich mit Jesus begraben. Danke, dass ich durch den Heiligen Geist Jesus ähnlicher gemacht werde und dass meine Fragen und Zweifel ihren Platz finden. Du liebst mich, ich war das Blut Jesu wert. Das ist so groß, dass ich es noch nicht richtig begreifen kann. Danke, dass du einen Plan für mich hast. Lass ihn mich bitte zeit meines Lebens erleben. Ich richte mein ganzes Leben nach dir aus. Du bist mein Gott; ich und mein Haus wollen dir dienen.

In geschwisterliche Liebe,
Jascha

jascha antworten
5 Antworten
MAUTZ
 MAUTZ
(@mautz)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 5

@jascha Hey Jascha,

Ich habe auch schon mitbekommen das die verfolgten Christen tatsächlich auch im Träumen mit Gott verbunden sind - echt beeindruckend. 

Das ganze Jesus Thema ist bei mir ehrlicherweise auch ein bisschen kritisch, ich glaube ich konzentriere mich auf die negativen Seiten bzw. suche Gründe nicht glauben zu können.

Gott ist allmächtig, muss also eigentlich Jesus garnicht sterben, Gott kann auch einfach so vergeben wenn er alles machen kann. Klar dann kann es sein er hat es gemacht um uns zu zeigen wie sehr er uns liebt usw. Aber wenn ich ehrlich bin gibt es glaube ich einige Menschen die sich kreuzigen lassen würden wenn dadurch alle gerettet werden. Also hinterfrage ich immer dieses unfassbare Lob und diese Fassungslosigkeit über diese extrem große Opfer, wo ich manchmal denke so krass ist das eigentlich gar nicht. 

Ach ja der Glaube und die Fragen 😀

mautz antworten
Jascha
 Jascha
(@jascha)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 16

@mautz 

Warum hast du dich damals für Jesus entschieden?

 

jascha antworten
MAUTZ
 MAUTZ
(@mautz)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 5

@jascha Ich bin christlich erzogen worden, und habe schon teilweise das Gefühl gehabt, Gott in meinem Alltag zu spüren. Allerdings ist das so unregelmäßig und unnachvollziehbar, dass ich mittlerweile einfach nicht mehr weis was ich glaube.

ich denke ich hab vieles von der Kirche und usw. einfach hingenommen, irgendwie nach dem Motto "wenn die das sagen dann ist das wohl so" ganz gleich ob ich dahinter stand oder es für mich verständlich war. Und jetzt fange ich an die Dinge zu hinterfragen

mautz antworten
Jascha
 Jascha
(@jascha)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 16

@mautz danke für deine Offenheit! Das habe ich auch so erlebt und erlebe es immer noch. 

Mein Opa war ein Pastor, hat wirklich viele Wunder erlebt und war für sein Umfeld ein großer Segen. Aber ich konnte seinen Glauben nicht einfach übernehmen. Es schien, dass das was für ihn galt, gilt nicht für mich. Das war frustrierend.

Ich weiß nicht warum, vielleicht war ich noch nicht bereit, zu selbstzentriert, vlt. falschen Lehren aufgesessen, ... Erst viele Jahre später, habe ich angefangen zu hinterfragen und zu begreifen.

(Ich weiß, dass in der Zeit  mehrere Personen für mich regelmäßig bewusst gebetet haben)

Mein Denken hat sich verändert, ich wurde mit der Zeit bereit mein ganzes Leben wirklich "hinzugeben". Und jetzt merke ich, wie eine Bindung entsteht, ein Wachsen, Glauben fängt an zu keimen. Nicht mehr nur, "wenn du willst" (fatalistisch), sondern im Vertrauen, dass Gott die Bitte auch erhört. Und für mich, als (früheren) Melancholiker, kommt die Freude immer mehr raus. Meine Frau kann es bezeugen 😀

 

Wann ist man bereit? Wann kann der Heilige Geist zu wirken beginnen?

jascha antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 12 Monaten

Beiträge : 2573

@mautz 

Gott ist allmächtig, muss also eigentlich Jesus garnicht sterben, Gott kann auch einfach so vergeben wenn er alles machen kann.

Ich weiss gar nicht, ob er in der Lage ist, nicht zu vergeben…🙂

Ich denke, es muss etwas mit der Beschaffenheit des Universums zu tun haben, wieso jemand erst „sterben“ muss, damit etwas für alle Menschen zur Verfügung steht…

Jesus sagt: es ist gut, wenn ich weggehe, denn sonst kann der Heilige Geist nicht zu euch kommen. Warum auch immer, aber das scheint so zu sein und ist nicht änderbar oder vermeidbar.

Und vielleicht kennst du es aus deinem persönlichen Umfeld, dass eine verstorbene Person trotzdem noch auf eine Weise präsent ist und ihre „Essenz“, also das, wofür sie stand, noch deutlicher zu Tage tritt als davor als sie noch lebte.

 

stern antworten
Neli
 Neli
Beiträge : 46

@mautz Ja, Du hast so Recht: wenn man sich die Welt anschaut, kann einem schon der Gedanke kommmen, dass da etwas nicht so ganz stimmt, was über Gott berichtet wird. Das ist die Realität - geprägt von unserem menschlichen Denken. 

Und da gibt es noch eine andere Ebene, die wir kennen lernen, wenn wir uns zutiefst auf eine Beziehung mit Gott einlassen: wir sehen plötzlich die größeren Zusammenhänge und fangen an zu staunen. Seit ich mich damit beschäftige, habe ich Wunder über Wunder erlebt. Früher gab es die auch, aber ich habe sie nicht sehen können. 

Angefangen habe ich damit, dass ich mir mal aufgeschrieben habe, wo Gott mich in meinem Leben liebend berührt hat. Das waren meist schwierige Situationen, die im Nachhinein wunderbar geendet sind. Es gilt, den Mut zu haben, die Dinge einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

neli antworten
Stern
 Stern
Beiträge : 2573

@mautz 

*1. Glauben als Deutung des Lebens*

_Durch Christus seid ihr zum Glauben an Gott gekommen. 1 Petr 1,21_

Beim Glauben geht es nicht zuerst darum, dass ich an bestimmte Wahrheiten glaube. Glauben ist vielmehr eine Deutung unseres Lebens. Wir sind immer dabei, unser Leben zu deuten. Wie wir unseren Alltag erleben, das hängt von der Deutung ab, mit der wir am Morgen aufstehen und in den Tag gehen. Wenn ich das Gefühl habe, dass alles so schwer ist, dass die Welt voller Lüge und Ungerechtigkeit ist, dann ist das eine Deutung. Und mit dieser Deutung fällt es mir schwer, den heutigen Tag zu leben. Glaube heißt jetzt nicht, alles in einem rosaroten Licht zu sehen. Die Welt ist so, wie sie ist. Ich soll sie mit offenen Augen anschauen. Aber im Glauben deute ich die Welt doch so, dass in dieser ungerechten Welt Gottes Liebe mich immer umgibt. Wenn ich mit dieser Deutung in den Tag gehe, wird mein Herz nicht beschwert von Sorgen, sondern es wird weit, weil es die Liebe Gottes um sich spürt. Anselm Grün

Das habe ich heute gelesen…und es hat mich an deinen Thread und dein Thema erinnert.

stern antworten
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MAUTZ
 MAUTZ
(@mautz)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 5

@stern Vielen Dank dafür, das ist sehr zutreffend 😀

mautz antworten
Marco1977
Beiträge : 51

Hallo MAUTZ, ich habe mir deinen Beitrag aufmerksam durchgelesen, und ich kann deine Gedanken und Bedenken durchaus verstehen. Ich möchte versuchen, soweit es mir möglich ist, deine Fragen zu beantworten. Ich sage aber gleich vorweg, dass es keine universellen Antworten gibt, da jeder gläubige Christ aus seiner persönlichen Perspektive antwortet. Ich tue dies zum Beispiel aus meinem Fachbereich der philosophischen Theologie und persönlichen Glaubensüberzeugung. Ob meine Antworten dir weiterhelfen, weiß ich nicht, aber vielleicht verhelfen sie dir zu einer neuen Erkenntnis.

 

In deiner ersten und zweiten Frage bewegst du dich im Bereich der theologischen Anthropologie, wo es unter anderem um den „freien Willen“ geht. Du sprichst das klassische Theodizee-Problem an: Warum lässt Gott Leid zu, wenn Gott doch gut ist?

 

Meine Antwort und Lehrmeinung dazu ist, dass das meiste Leid in der Welt von uns Menschen selbst verursacht wird, wie du auch richtig erkannt hast. Es ist unsere Freiheit und mangelnde Vernunft, die dafür verantwortlich sind. Mit anderen Worten: Gott schenkte uns die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob wir Gutes oder Böses hervorbringen. Ja, er hat die Verantwortung abgegeben, der Freiheit Willen. Es geht daher primär um kollektive Maturation und subjektive Entwicklungsprozesse, deren Ziel es ist, durch die Verbreitung des Evangeliums immer mehr Menschen zu Jesus zu führen, da Jesus der einzige verlässliche Weg ist. Je mehr Menschen Jesus und das Evangelium annehmen, desto besser wird auch die Welt.

 

Als überzeugter Vertreter des Postmillenarismus erkenne ich, dass Gottes Wille durch die frohe Botschaft in Jesus aufgeht, da global gemessen immer mehr Menschen zum Herrn finden und sich die Welt kontinuierlich zu einem besseren Ort entwickelt, was man besonders durch einen historischen Vergleich erkennt. Natürlich sollte man nicht den Fehler machen, die Weltsicht punktuell und emotional zu betrachten, da diese Betrachtung nicht die tatsächliche Entwicklung widerspiegelt. Ich bin überzeugt, dass die jetzige Gnadenzeit direkt zum Millennium führen wird.

 

Nun wirst du sicherlich sagen, dass es aber auch Leid gibt, das nicht von uns Menschen verursacht wird. Zum Beispiel, wenn Menschen mit Beeinträchtigung geboren werden, Krebserkrankungen haben oder schuldlos früh versterben. Ja, dieses unverantwortete Leid gibt es ebenfalls, und hier hat die traditionelle Orthodoxie keine wirkliche Antwort. Allerdings gab und gibt es Lehren, die davon ausgehen, dass es etwas mit dem Vorleben zu tun hat. Man spricht hier von Präexistenz der Seelen oder Seelenwanderungen, wie zum Beispiel bei Kirchenvätern wie Origenes. Diese Lehren wurden zwar auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel im Jahr 553 abgelehnt, aber eine Ablehnung bedeutet im Kontext der axiomatischen Fallibilität des Menschen nicht, dass eine Lehre zwangsläufig auch falsch sein muss, sodass es letztlich auf die persönliche Glaubensüberzeugung ankommt.

 

Ich denke daher, dass wir darauf vertrauen können, dass Gott als unser Schöpfer auch einen guten Plan für uns vorgesehen hat, auch wenn wir diesen vielleicht erst später erkennen und verstehen werden.

 

Nun zu dem zweiten Punkt, den du angesprochen hast: „Gott tötet einfach Menschen.“ Ja, darf er das so einfach? Vielleicht wären wir gut daran, uns bewusst vor Augen zu halten, welche Position wir als Menschen haben. Ich denke, es sollte klar sein, dass wir uns nicht selbst gehören. Wir sind Bestandteil von Gottes Schöpfung und damit sein Eigentum. Du kannst sagen, dass es dann unser Schicksal ist, okay, aber dann steht es doch recht gut um uns, denn ich erkenne in der Bibel ehrlich gesagt nicht, dass wir einem tyrannischen Gott unterworfen sind. Ich sehe einen Gott, der Beziehung zu uns will, der liebevoll ist, der uns absolute Freiheit lässt, der uns die Gnade schenkt, uns geistig zu höheren zu entwickeln, bis hin zur Vervollkommnung. (Theosis Prinzip)

 

Und wenn es um die Moral geht, sollte man sich fragen: Wen hat Gott getötet? Was waren ihre Taten? Wessen Geist trugen sie im Herzen? Vielleicht ein Geist, der nicht von Gott kommt? Ein Geist, der Gottes Macht auf die Probe stellt und lieber die Konsequenzen akzeptiert, als die Liebe Gottes anzunehmen? Gott zwingt uns nicht, ihn zu lieben; die Konsequenz ist nun mal unsere freie Entscheidung. Sie ist Trennung, Gerechtigkeitsausgleich und Tod. - Von Mensch zu Mensch möchte ich dir daher mit Blaise Pascal antworten: Egal, was ist, am Ende ist es vorteilhafter, an Gott zu glauben und an ihm festzuhalten, als dies nicht zu tun.

 

Nun zu deinem vierten Punkt, der in der Tat etwas komplexer ist. Hier bewegen wir uns in der systematischen Theologie, Dogmatik und teilweise in der Ekklesiologie. Aus meta-perspektiver Sicht gibt es grundsätzlich zwei Lehrrichtungen: eine historisch-traditionelle, samt ihrer kirchengeschichtlichen Entwicklung, und daneben die historisch-originäre und authentische. Die eine ist heidnisch und durch Rom beeinflusst, die andere versucht, in der messianischen Quelle und ihren Ursprung zu bleiben. Als Beispiel, um sich das etwas besser vorstellen zu können: Man kann die römisch-katholische Kirche und die äthiopisch-orthodoxe Kirche miteinander vergleichen. Oder, aus dem Protestantismus heraus, einen Vergleich zwischen einer charismatischen Pfingstbewegung und einer Hebrew Roots Bewegung.

 

Als gläubiger Christ ist das Fundament einzig und allein Jesus Christus. Die Säulen, die auf dem Fundament stehen, muss jeder selbst für sich wählen. Für mich ist in meinem Glauben zum Beispiel Originalität und Authentizität in der Lehre sehr wichtig, weshalb ich mich nicht ausschließlich auf Tradition oder eine römische Lesart verlasse, sondern auch religionshistorisch prüfe. Genau dieses Prüfen hält den Glauben in der Gemeinde lebendig und fördert die Entwicklung, um im Glauben zu wachsen. Bei Christus gibt es kein Richtig oder Falsch im Glauben, sondern vielmehr die Frage, wie nah oder fern man durch die Trennung, verursacht durch die Sünde, ist. Wer wachen Geistes ist, wird in der Bibel die sogenannte Prisca Theologia erkennen und daher den Zeitgeist am Wort Gottes ausrichten und nicht umgekehrt.

 

Wie gesagt, das Thema ist zu komplex, um es hier in nötiger Ausführlichkeit zu behandeln. Wichtig ist nur, dass keiner mehr oder weniger Recht hat; es geht einzig und allein um Entwicklung in Beziehung zu Christus und den Abstand zwischen Getrenntheit und Verbundenheit. Der Interpretationspluralismus in der Bibel ist daher nicht grundlos, da er hilfreich ist, die Entwicklung im Glauben voranzutreiben. Die Bibel und der Austausch halten den Glauben lebendig.

 

Ich würde mich freuen, wenn ich dir nun zu einem größeren Betrachtungswinkel verholfen habe. Doch wie gesagt, es handelt sich um meine persönliche Sichtweise, die von der Perspektive eines anderen abweichen kann. Eine bitte nur, halte an Gott fest, das ist wirklich wichtig und du wirst es nicht bereuen.

 

LG. Marco 😊

 

marco1977 antworten
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