Selbstverleugnung versus „Fülle des Lebens“
Hallo @lle,
ich bekomme mal wieder etwas nicht zusammengebacken:
Jesus Aussagen
“wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich“
und
“ich bin gekommen damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“
sind für mich diametral und ein „entweder oder“ und nicht ein „beides“.
Wenn ich mich selbst verleugne, erscheint mir mein Leben schwer und vor allem leer - logisch, denn ich komm darin ja nicht mehr vor.
Eine möglich Auflösung bietet sich an in der Trennung der Angesprochenen:
Sind in der ersten Aussage einfach nur und ausschließlich diejenigen gemeint, die ihr Leben dann tatsächlich ganz in den Dienst der Verkündung stellen? Dann sind sie ja quasi mit was anderem gefüllt, mit dem Dienst an Jesu Stelle. Und mit der zweiten Stelle wäre dann quasi die breite Masse gemeint, die das Evangelium hört.
Wie geht es euch mit diesem scheinbaren Widerspruch? Ist es für euch überhaupt einer?
Liebe Grüße, ⭐️
Ich denke, dass Jesus seine Worte immer wieder situativ gesprochen, adressiert und gemeint hat.
D.h. es gibt Situationen für uns alle (im Glauben und in der Nachfolge Jesu), wo wir gefordert sind, Widerstände und Beschwernisse (gegen unser "Ego") zu ertragen und auf uns zu nehmen.
Und es darf uns gesagt sein, dass wir in und mit Jesus keine sauertöpfischen, lebensverneinenden und freudlosen Menschen sind, sondern Lebensfreude und auch diesseitige Lebenserfüllung haben, genießen und finden dürfen.
Deine Unterscheidung von Dienstberufenen und der breiten Masse sehe ich in beiden Worten nicht, sondern nur verschiedene Aspekte unseres Christenlebens.
L'Chaim
Deine Unterscheidung von Dienstberufenen und der breiten Masse sehe ich in beiden Worten nicht, sondern nur verschiedene Aspekte unseres Christenlebens.
Ok, danke für deine Antwort. Dann ist das für dich eher eine Frage der jeweiligen Situation, was gerade „dran“ ist, hab ich dich so richtig verstanden?
Ich denke auch das mit „Verleugne dich selbst“ bedeutet, Jesus an erster Stelle zu setzen, bereit sein für den Glauben Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, und eben dann die Fülle des Lebens zu erhalten.
Danke für deine Antwort, du meinst also dass das eine das andere bedingt? Also wenn ich bereit bin, Schwierigkeiten auf mich zu nehmen, dann bekomme ich dadurch auch (oder erst ?) die Fülle des Lebens?
Awhler hat es sehr gut beantwortet mit dem Ego, zurückstellen des eigenen Egos, Jesus kam in unsere Welt und brachte uns die Botschaft das er, wir vorhergesagt im AT, die Menschen rettet, er fordert eine komplette Neuausrichtung, den eigenen Willen hinter Gott zurückstellen, da geht es nicht um Alltagssorgen, sondern die Bereitschaft zur Umkehr, Schwierigkeiten auszuhalten, wenn man von Menschen verhöhnt wird wegen dem Glauben.
Jesus an erster Stelle zu setzen ist für mich die Voraussetzung um ein gesundes befreites Leben in Fülle zu bekommen.
Ich meine wir sind von Gott erschaffen alles gehört ihm nichts gehört uns selbst, alles kommt von ihm was in der Welt ist, wir haben keinen Anspruch auf nichts weil es ihm gehört, außer unseren freien Willen, und der ist bekanntlich bescheiden wenn es um die Wurst geht, zumindest ist es bei mir so, ich will meinen Willen lieber Jesus in die Hände geben, damit er mich erfüllen kann. Die Persönlichkeit, so hat er uns ja gemacht die muss wohl anscheinend für ihn gut sein, aber unser Wille und Wünsche die gebe ich lieber Jesus ihm unterstellt, damit befreites leben Empfangen werden kann.
Veröffentlicht von: @sternwer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich“
und
“ich bin gekommen damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“
sind für mich diametral und ein „entweder oder“ und nicht ein „beides“.
Ja, das ist interessant.
Mir geht der Gedanke durch den Kopf, dass diese Position davon ausgeht, dass ein Leben in Fülle nur dort erreicht werden kann, wo sich der Menschen selbst verleugnet und das Kreuz auf sich nimmt.
So bringe ich beide Sätze zusammen.
Leben in Fülle... heißt es nicht auch, alle Aspekte des Lebens in sich zu haben, auch die Erschwernisse?
Selbstverleugnung... wie geht es uns, wenn wir anderen Menschen ohne Eigennutz helfen? Erfahren wir darin nicht eine Erfüllung, eine viel größere?
Die Wissenschaft stimmt mit dem Buddhismus darin überein, dass es kein konstantes Ich gibt, sondern wir ein Ich immer selbst als Instanz erschaffen, wenn wir Gedanken oder Sätze, die dieses Ich setzen, äußern.
Steht uns dieses "Ich" nicht oft im Weg ? Kommen wir nicht über Ichlosigkeit oder Selbstlosigkeit dem Nächsten gegenüber in ein Leben, das uns bereichert?
Kürzlich gelesen: Menschen, die ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen, leben oft länger... Leben in Fülle?
Es scheint also kein Widerspruch zu sein, sich selbst nicht in den Vordergrund zu schieben und dadurch das Leben in Fülle zu erhalten.
Selbstverleugnung... wie geht es uns, wenn wir anderen Menschen ohne Eigennutz helfen? Erfahren wir darin nicht eine Erfüllung, eine viel größere?
Doch, logisch.
Aber was bleibt, wenn du nicht mehr in der Lage bist für andere was zu tun? Vielleicht später, wenn du alt bist? Welche Identität bleibt dir dann, der bisher sein Leben nur für andere gelebt hat? Nur der Rückblick, auf was du geleistet hast? Das wäre ein bisschen wenig fürs Alter selbst…
Bitte nicht falsch verstehen, ich habe die letzten 30 Jahre nichts anderes getan, als für andere Menschen da zu sein, sei es beruflich oder privat…und finde das auch erfüllend und will das auch nicht anders haben. Aber: ich stelle auch fest, dass wenn das dann nicht der Fall ist, dass ich dann auch nichts mit mir anzufangen weiss (ausser konsumierend tätig zu sein auf Netflix & Co)…was für mich eher kein gutes Zeichen ist.
Die Arbeit für andere hat einen so grossen Stellenwert gefunden im eigenen Leben, dass man selbst darüber verschwunden ist…was nicht schlimm ist (es steckt ja doch im dem Tun für andere)- nur hat das für mich nichts mit Fülle zu tun sondern mit Dienen. Und ja, es gibt Fülle durch Dienen, ich kenne sie selbst, aber geht es bei der Fülle im Leben wirklich nur darum?
Fülle ist für mich das Gefühl, das durch Dankbarkeit entsteht, des Dankbarseins für das, was das Leben einem gibt. Aber wenn es niemanden gibt, der dankbar sein kann - weil das Selbst hat man ja verleugnet - dann wirds doch „unrund“….wie soll das gehen?
Veröffentlicht von: @sternAber was bleibt, wenn du nicht mehr in der Lage bist für andere was zu tun? Vielleicht später, wenn du alt bist? Welche Identität bleibt dir dann, der bisher sein Leben nur für andere gelebt hat? Nur der Rückblick, auf was du geleistet hast? Das wäre ein bisschen wenig fürs Alter selbst…
Die Frage ist, ob Du dann wirklich nichts für andere tust oder ob es auf einer anderen Ebene verläuft. Zum Beispiel kann auch Hilfe annehmen, etwas sein, was man für andere tut. Ein guter Freund sagte zu mir, dass er seinen Geburtstag nicht für sich feiert, sondern für die Gäste.
Veröffentlicht von: @sternBitte nicht falsch verstehen, ich habe die letzten 30 Jahre nichts anderes getan, als für andere Menschen da zu sein, sei es beruflich oder privat…und finde das auch erfüllend und will das auch nicht anders haben. Aber: ich stelle auch fest, dass wenn das dann nicht der Fall ist, dass ich dann auch nichts mit mir anzufangen weiss (ausser konsumierend tätig zu sein auf Netflix & Co)…was für mich eher kein gutes Zeichen ist.
Hm, ja ich verstehe. Vielleicht geht es darum, das Thema neu zu erschließen? Dinge verändern sich und je älter wir werden, desto mehr merken wir, welche tieferen Nuancen in manchen Themen stecken.
Veröffentlicht von: @sternUnd ja, es gibt Fülle durch Dienen, ich kenne sie selbst, aber geht es bei der Fülle im Leben wirklich nur darum?
Das "nur" ist schwierig, das kann ich Dir nicht beantworten. Es geht im Leben um vieles. "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" heißt wiederum auch, sich selbst zu lieben und sich nicht zu vergessen. Für andere Menschen kann jemand nur da sein, wenn er für sich selbst da ist.
Veröffentlicht von: @sternFülle ist für mich das Gefühl, das durch Dankbarkeit entsteht, des Dankbarseins für das, was das Leben einem gibt. Aber wenn es niemanden gibt, der dankbar sein kann - weil das Selbst hat man ja verleugnet - dann wirds doch „unrund“….wie soll das gehen?
Vielleicht kommt Dankbarkeit genau aus einer ganz anderen Ebene, und vielleicht entsteht wirkliche Dankbarkeit erst hinter der "Ich-Ebene" ?
Vielleicht kommt Dankbarkeit genau aus einer ganz anderen Ebene, und vielleicht entsteht wirkliche Dankbarkeit erst hinter der "Ich-Ebene" ?
🙂 keine Ahnung
Ein guter Freund sagte zu mir, dass er seinen Geburtstag nicht für sich feiert, sondern für die Gäste.
Ja, das ist ein netter Gedanke…
Mir kommt spontan die Geschichte mit den unreinen Geistern in den Sinn, wo Jesus sagt, dass es demjenigen schlechter gehen würde, bei dem der Geist wiederkommen (der vorher verjagt wurde) und das Haus leer finden würde….
Wenn niemand da ist im Haus, nachdem Jesus es sauber gemacht hat, dann kann das nicht gut ausgehen.
Das ist mir wirklich geschenkt worden, diese Einsicht vor ein paar Tagen (deshalb der Thread). Diese ganze Ego-Loslasserei ist keine gute Sache - das war mehr oder weniger die Botschaft dahinter. Es muss jemand im Haus sein, der diesen sauber gemachten Bereich auch besetzt….sonst wird es von etwas anderem besetzt. Ganz ähnlich wie in der Natur.
Und das hat mir wirklich eingeleuchtet….siehe oben.
Deshalb finde ich die Selbstverleugnung auch so …hm…schwer einzuordnen. Was sie ist und wo sie berechtigt ist.
Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchzieht er wasserlose Stätten und sucht Ruhe. Und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will in mein Haus zurückkehren, aus dem ich weggegangen bin. Und wenn er kommt, findet er es gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit, die böser sind als er selbst; und sie ziehen ein und wohnen dort, und es wird der letzte Zustand dieses Menschen schlimmer als der erste.“
In deinem Haus ist der heilige Geist, dein Haus ist nicht leer, und du solltest nicht den Heiligen Geist mit deinem Ego vertreiben, es ist ein befreiungserlebnis wenn das Ego sich nicht um sich selbst dreht, nicht aus eigener Kraft die Erlösung schaffen, aus Glauben und aus Gnade wird Gott uns erlösen, deswegen ist es glaube ich schon wichtig sein Ego hinzugeben um sich nicht selbst unter druck zu setzen.
bitte nicht falsch verstehen, ich meine du hast dein ganzes Leben für andere aufgeopfert, 30jahre Wahnsinn, jetzt lasse dich auch mal verwöhnen, auch von Jesus verwöhnen, genieße deine Zeit und die Zeit mit Gott und seinen Geheimnissen😅