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Selbstverleugnung versus „Fülle des Lebens“

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Stern
 Stern
Themenstarter
Beiträge : 3547

Hallo @lle, 

ich bekomme mal wieder etwas nicht zusammengebacken:

Jesus Aussagen

“wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich“ 

und

“ich bin gekommen damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“

sind für mich diametral und ein „entweder oder“ und nicht ein „beides“.

Wenn ich mich selbst verleugne, erscheint mir mein Leben schwer und vor allem leer - logisch, denn ich komm darin ja nicht mehr vor.

Eine möglich Auflösung bietet sich an in der Trennung der Angesprochenen:

Sind in der ersten Aussage einfach nur und ausschließlich diejenigen gemeint, die ihr Leben dann tatsächlich ganz in den Dienst der Verkündung stellen? Dann sind sie ja quasi mit was anderem gefüllt, mit dem Dienst an Jesu Stelle. Und mit der zweiten Stelle wäre dann quasi die breite Masse gemeint, die das Evangelium hört.

Wie geht es euch mit diesem scheinbaren Widerspruch? Ist es für euch überhaupt einer?

Liebe Grüße, ⭐️

 

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60 Antworten
neubaugoere
Beiträge : 19228

@stern 

Mir kam gerade noch ein Gedanke ... ich versuchs mal so zu sagen: wir verleugnen den Menschen in uns, WEIL wir unsere Identität in Gott haben.

neubaugoere antworten
2 Antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3547

@neubaugoere 

Mir kam gerade noch ein Gedanke ... ich versuchs mal so zu sagen: wir verleugnen den Menschen in uns, WEIL wir unsere Identität in Gott haben.

Kann sein. 

Aber wenn ich ganz ehrlich bin: dann will ich den Menschen in  mir gar nicht verleugnen. Ich will ja ein Mensch sein.

 

stern antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7756

@stern 

"will ich den Menschen in  mir gar nicht verleugnen. Ich will ja ein Mensch sein."

Seh ich auch so.

queequeg antworten


AWHler
 AWHler
Beiträge : 2455

@stern 

Ich beschäftige mich gerade nocheinmal mit "christlicher Mystik", die einerseits christ-lich (in ihrer Grundierung & Ausrichtung) war/ist, und zugleich Berührungen hat mit mystischer Erfahrung/Deutung in außerchristlichen Bereichen (ZEN, Yoga, Sufismus, Kabbala und auch trans-personaler Psychologie).

Hier wird (ich muss es vereinfachen) ein Unterschied gemacht zwischen dem "Ich"  (dem unerlösten, kleinen EGO), wie Menschen es in der Welt und für sich gewöhnlich leben - und der "Ich-Findung" IN GOTT.

Auch christliche Mystiker verstehen so das Aufgeben, Zurücklassen, Verlieren des Kleinen Ich (gekreuzigt) - und das "Leben in Fülle" finden gerade in dieser Tranformation - und damit nicht als Widerspruch, sondern als Folge des einen aus dem anderen.

Bedenkenswert.

L' CChaim

awhler antworten
1 Antwort
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3547

@awhler 

Hier wird (ich muss es vereinfachen) ein Unterschied gemacht zwischen dem "Ich"  (dem unerlösten, kleinen EGO), wie Menschen es in der Welt und für sich gewöhnlich leben - und der "Ich-Findung" IN GOTT.

Ok. 
Hauptsache es bleibt eines da, ein „ich“.🙂 Jemand muss das ja dann „erleben“.

stern antworten
Queequeg
Beiträge : 7756

@stern 

Ich kann mit dem Begriff "Selbstverleugnung" nichts anfangen.

Ich bin im Rahmen meiner früheren Tätigkeit so vielen Menschen begegnet, die sich selbst erheblich verleugnet haben und sich durch anderen bestimmt und geleitet haben lassen. Bei denen musste im Gegenteil überhaupt mal erst ein "Selbstbewusstsein" und positives "Selbstgefühl" entwickelt werden.

queequeg antworten
9 Antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29477

@queequeg 

Der Begriff ist ziemlich einfach erklärt: 

es geht um "mein Wille geschehe" gegenüber "Jesus, dein Wille geschehe"

Ich, Meiner, Mich, Mir, wir Vier wissen eh immer alles besser.... 😉 🤣  Das ist aufzugeben, denn Jesus weiß definitiv besser, was gut für den Menschen ist. 

deborah71 antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3547

@deborah71 

Das ist aufzugeben, denn Jesus weiß definitiv besser, was gut für den Menschen ist. 

Ja. Jesus Gebote gehören für mich zur Nachfolge dazu. Wenn ich sie nicht mag, brauch ich nicht nachzufolgen. Aber wenn ich nachfolgen will, dann sind sie Anhaltspunkte und meinen eigenen Leitlinien übergeordnet. Dann zählen meine quasi nicht mehr. So verstehe ich Selbstverleugnung schon. 

stern antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1677

@stern nunja manches kann schwer zu mögen sein .... Es gibt da Dinge die sind im Grunde gegen die Seele. 

Aber ändert nichts es ist so wie du sagst.

kappa antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7756

@deborah71 

Wenn ich also morgen früh entweder Weizenmischbrot oder Knäckebrot essen kann, soll ich nicht nach meinem aktuellen Geschmack gehen, sondern Jesus fragen, was jetzt gut für mich ist?

queequeg antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1677

@queequeg nein. Dreh und Angelpunkt ist die Liebe.

Welches Brot ich esse hat damit wenig zu tun.

kappa antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7756

@kappa 

Das Beispiel mit der Frühstücksentscheidung zeigt die Struktur der ganz überwiegenden Alltagskonflikte. 

queequeg antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2455

@queequeg 

Ja, diese Seite unseres menschlichen Daseins kenne und befürworte ich auch. Gestalttherapeutisch und seelsorglich habe ich viele Menschen in dieser Richtung wahrgenommen und versucht, ihnen eine Hilfe zu sein.

Aber es ist wohl - wie das Leben selbst - dialektisch.

Damit meine ich: Man muss wohl erstmal (in der biografischen Entwicklung) ein "Ich" haben, um in der Welt zu funktionieren UND zugleich muss (wird und darf) man erkennen, dass die Lebenserfüllung und Lebensfindung, von der Jesus und die Mystiker (auch die christlichen) sprechen nicht in der "Blase" einer EGO-Füllung liegt - sondern letzt-endlich in der Entdeckung eines anderen "Ich", das den "alten Adam" (und natürlich auch die "alte Eva") transzendiert ... 

Richard Rohr hat dazu viel Gutes geschrieben (z.B. "Befreiung vom Ego") ---  und das beste Buch, das ich dazu kenne ist "Identität und Befreiung. In Gestalttherapie, Zen und christlicher Spiritualität" vom Ludwig Frambach.

https://claudius.de/products/befreiung-vom-ego

https://www.amazon.de/Identit%C3%A4t-Befreiung-Gestalttherapie-christlicher-Spiritualit%C3%A4t/dp/3928632108

L'Chaim

awhler antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7756

@awhler 

Ich stimme Dir hier vollkommen zu.

Die meisten Menschen unterscheiden nicht zwischen "Egoismus" und "Egozentrik". Das Problem ist nicht das "Ego", sonders das, was dem folgt. Für den Egozentriker gilt nur, was er selbst denkt. Der Egoist geht wohl von sich aus, versteht sich aber als Teil einer Gemeinschaft und zieht daher auch die Interessen anderer mit in Betracht.

queequeg antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7756

@awhler 

kennst Du die "Schlüsselmethode" von Karl Frielingsdorf.

 

queequeg antworten


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