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Vom Friedhof zurück ins Leben ...

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AWHler
 AWHler
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Beiträge : 1324

Gestern waren meine Frau und ich bei einer Trauerfeier und Beisetzung. Ein Pfarrkollege, mit dem ich vor über 30 Jahren meine Berufsanfangsjahre geteilt und zusammengearbeitet habe, ist recht plötzlich verstorben, mit 68 Jahren ...

Die Trauerfeier war sehr berührend und persönlich, auch das Wiedersehen mit seiner Frau.

Nun habe ich in meinen fast 40 Berufsjahren bestimmt (mal hochgerechnet) 1500 plus Beerdigungen, Trauerfeiern und Beisetzungen vollzogen, die letzte vor 1 1/2 Jahren - und nun saß ich selbst bei den Trauernden, erlebte die Pfarrerin (die es gut gemacht hat) und sah mich selbst nochmal "da vorne" auf der Kanzel und dann am Grab stehend mit Talar & Beffchen.

Es war mir vor dem Verlassen des Friedhofs wichtig, der Pfarrerin ein kurzes Danke zu sagen ... so wie ich selbst es immer wieder auch wohltuend erlebt habe, wenn Menschen nach der Grablegung freundlich zunickend oder mit einem Danke an mir vorbei gingen oder auf mich zukamen. Denn bis zum Schluss denkst Du: "Hoffentlich war ich als Pfarrer nahe und wohltuend und hilfreich mit dem, was die Trauernden gerade erlebt und von mir gehört haben!"

Meine Frage - im Nachklang zu gestern - ist: Was habt Ihr selbst, beim Verlassen des Friedhofs zurück ins Leben, für Erfahrungen? Welche Nachklänge habt Ihr schon mitgenommen, wenn Ihr wieder eingetaucht seid ins Leben und in den Verkehr da draußen außerhalb des Friedhofs? Und wie habt Ihr Trauerfeiern - inhaltlich und von denen die sie gemacht haben - schon erlebt?

Ich bin neugierig, denn Beerdigungen sind ja wichtige "Schnittstellen" in unser aller Leben.

L'Chaim

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Beiträge : 29979

@awhler 

Also ich habe zum Tod ein äußerst entspanntes Verhältnis. Das ist für mich wie in den Park gehen. Kein Alltag, aber so eine Art Wochenendspaziergang. Menschen sterben nun einmal und für Christen hat der Tod ja eh meist seinen Schrecken verloren. Trauerfeiern sind also bei mir immer ziemlich fröhliche Angelegenheiten, die ich gern als Anlass nehme, meinen Kindern hinterher neue Bauelemente meines von mir gewünschten Mausoleums mitzuteilen. 

😋

Es ist also gar kein "Zurück ins Leben", sondern ganz normaler Bestandteil im Leben.

Ich war bisher nur auf einer einzigen Trauerfeier, die keine christliche war, sondern dort war ein weltlicher Trauerredner. Also die war wirklich traurig: "Ja, sie ist jetzt tot. Und ihr werdet damit leben müssen. Sie kommt nie wieder zurück", so in etwa. "Haltet sie fest in euren Erinnerungen" usw. usf. 

Auf der letzten Beerdigung war ich vom Pastor besonders beeindruckt. Ich hatte mit ihm zuvor im Gespräch zwei Stunden oder so gesprochen und er hat dann in den vielleicht zehn Minuten Trauerrede so viel eigene wunderbare Worte reingelegt, dass ich wirklich beeindruckt war. Also was ich relativ nüchtern und sachlich erzählt habe, hat er in einen dicken trostreichen Wattebausch verpackt. Auch mit viel Humor dazu. Das was richtig klasse.

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AWHler
 AWHler
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Beiträge : 1324
Veröffentlicht von: @plueschmors

Ich hatte mit ihm zuvor im Gespräch zwei Stunden oder so gesprochen und er hat dann in den vielleicht zehn Minuten Trauerrede so viel eigene wunderbare Worte reingelegt, dass ich wirklich beeindruckt war. Also was ich relativ nüchtern und sachlich erzählt habe, hat er in einen dicken trostreichen Wattebausch verpackt. Auch mit viel Humor dazu. Das was richtig klasse.

Das ist schön zu lesen ...

Er hatte zugehört - und ein Gespür gehabt, was draus zu machen.

Ich empfand gerade Kasualien (Taufe, Trauung, Beerdigung) im volkskirchlichen Kontext immer wieder als große Herausforderung und Chance, das Evangelium zur Sprache zu bringen und es hoffentlich so zu machen, dass auch die Kirchen- und Glaubensfernen unter den Anwesenden sich nicht in ihrer Abwendung von Kirche & Glauben durch eine "schlechte Darbietung" wieder mal bestätigt sehen in ihrer Haltung ...

Wo's gelingt und gelungen ist, hat es auch mich immer wieder bekräftigt.

L'Chaim

awhler antworten
Martha
 Martha
Beiträge : 1273

@awhler 

Was habt Ihr selbst, beim Verlassen des Friedhofs zurück ins Leben, für Erfahrungen? Welche Nachklänge habt Ihr schon mitgenommen, wenn Ihr wieder eingetaucht seid ins Leben und in den Verkehr da draußen außerhalb des Friedhofs?

Nach einer Teilnahme an einer säkularen Beerdigung mit eingekauftem Trauerredner, der mit maskenartigem Gesicht monoton Worte der Erinnerung vor sich hinsprach,

suchte ich bei einsetzendem Nieselregen unangenehm berührt zwischen den Gräbern den Ausgang des Gottesackers - 

als auf einmal von rechts wie aus einer Hecke springend ein Priester in violettem Gewand unter einem grossen weißen Regenschirm behenden Schrittes meinen Weg kreuzte.

(Er kam offenbar von einer anderen Beerdigung und wollte schnell nach Hause.)

Die Art, wie er sich bewegte, hatte so 'was Leichtes, Hoffnungfrohes, etwas von Auferstehungsfreude. Und ich dachte bei mir: ja, so muss es sein!

 

martha antworten
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AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1324
Veröffentlicht von: @martha

@awhler 

als auf einmal von rechts wie aus einer Hecke springend ein Priester in violettem Gewand unter einem grossen weißen Regenschirm behenden Schrittes meinen Weg kreuzte.

😉

Eine nachträgliche "Erscheinung", die Dir das zuvor so trostlos Erlebte etwas relatviert hat - schöne Sache!

L'Chaim

awhler antworten


BrunoSchulz
Beiträge : 19

Neulich sagte mir ein 20-Jähriger Mann, oder besser gesagt, fragte er mich:

„...... denkst du in deinem hohen Alter kurz vor 90 nicht ständig über den Tod nach? Denkst du nicht darüber nach, dass du bald sterben wirst?

Das muss schrecklich sein! Ich tue das nie – ich muss es nicht, im Gegensatz zu dir.“

 

Nun, nicht sehr charmant, aber egal. Zumindest ja, ich tue es. Andere wahrscheinlich nicht.

 

Aber tatsächlich habe ich mich immer an den Tod erinnert, weil mein Vater das auch tat. Immer wenn jemand starb, sagte er uns Kindern, dass der Verstorbene nicht tot sei, sondern jetzt Gott sehe und entweder das ewige Leben oder den zweiten Tod erwarte.

Er wiederholte immer, dass es keinen Grund gebe, den Tod zu fürchten, denn wenn man an Gott glaube, werde das Leben nach dem Tod unbeschreiblich großartig und freudig sein.

 

Mein Vater lebte tatsächlich nach den Worten des Paulus in 2 Kor 5,8 "den Leib verlassen, bedeutet Gott sehen" und sagte uns das oft genug, z. B. wenn wir Leichen sahen, was er oft mit uns auf Friedhof-Leichenhallen tat. So seltsam das auch mit Kindern klingen mag. Aber nachdem wir im Krieg hier und da ohnehin einige Tote gesehen hatten, erschreckte uns das überhaupt nicht.

 

Fromme alte Illustrationen in alten Gebetbüchern zeigen oft, wie ein Engel die Seele eines Verstorbenen zu Gott führt. Da nimmt ein Engel die Seele aus dem Mund eines Verstorbenen.

Trotz der Unterschiede zwischen den dargestellten Ereignissen und den diesen wohl nahe kommenden tatsächlichen, bin ich ziemlich zuversichtlich, dass das Geschehen im Evangelium verstanden wird, wo Jesus oft über den Tod spricht wie in Johanne 11,16: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

 

In zwanglosen Gesprächen über Glaubensfragen sollten wir auch betonen, dass die Idee der Reinkarnation, wie sie vom Buddhismus gelehrt wird, der sich heutzutage in vielen Köpfen verbreitet, nichtig und bedeutungslos ist. Sie lehnt Jesus Christus ab und steht in völligem Widerspruch zu Seiner Lehre. Reinkarnation war zu Zeiten der Lehre Jesu ebenso wenig Teil des jüdischen Glaubens wie zu Zeiten Moses. Jesus lehrte im Gegensatz dazu beispielsweise im Gespräch mit Nikodemus, dass wer durch das Wasser der Taufe im Geist geboren wird, Geist hervorbringt, während bloßes Fleisch nur Fleisch schafft. Es ist der Heilige Geist, der Geist erzeugt, um in den Wohnungen Christi weiterzuleben, die Jesus für uns im Himmel vorbereitet hat lt. Johannes 14.

Wiedergeboren zu werden, wie Jesus es Nikodemus in Johannes 3,3 erklärt, hat nichts mit Reinkarnation zu tun, sondern es ist das „von oben“ Geborenwerden aus dem Heiligen Geist.

 

Unter anderem fragte mich dieser etwa 20-jährige Mann, der mir gelegentlich mit dem Computer hilft, nach meinen Gedanken zum Alter. Zugegebenermaßen mehr als in jüngeren Tagen, antwortete ich, dass ich heute öfter über den Tod nachdenke als vor 60 oder 70 Jahren. Doch obwohl ich mein ganzes Leben lang über den Tod nachgedacht habe, hat er mich nie erschreckt, weder in meiner Kindheit oder Jugend, noch heute.

 

Wie Millionen anderer wahrhaft Gläubiger habe ich keine Angst vor dem Tod - den Übergang zu Gott den ich bald erleben werde, denn ich kenne und vertraue auf Jesu Worte in Johannes 11,25: „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“

 

Bekannte fragten mich oft, ob ich an den Himmel glaube und ob ich denke, dass ich unmittelbar nach dem Tod dorthin kommen werde. Ich antwortete immer ernsthaft: „Ja, das glaube ich!“ Ja, natürlich! Auf jeden Fall! Keine Frage!

Und wirklich: Ich bin so froh, dass ich das auch gesagt und ausgesprochen habe.

Gemäß 2. Korinther 5,8 wird wie gesagt jeder, der im Glauben an Christus stirbt, in den Himmel aufgenommen, denn den Körper zu verlassen bedeutet, bei Gott zu Hause zu sein.

 

Wenn wir über all das nachdenken und nachsinnen, was wir aus der Bibel hören, bleibt kein Raum für Zweifel oder Angst vor dem Tod. Schließlich ist die Frage, ob man im Himmel ist oder nicht, wie ein mathematisches Rätsel. Das Ergebnis ist von vornherein klar. Um das einzig richtige Ergebnis zu erhalten, müssen wir einfach die richtigen Zahlen bzw. Überlegungen in die richtige Reihenfolge bringen und die richtigen Vorzeichen hintereinander setzen. Dann plötzlich: Hurra! Das Ergebnis liegt klar und deutlich vor unseren Augen und unserem Verstand.

 

Ja, Hurra! Denn es gibt Freude, weil die Frucht des Geistes Freude ist (Gal 5,22).

Der heilige Petrus schrieb in 1 Petrus 1,8: Obwohl ihr ihn nicht gesehen habt, glaubt ihr an ihn und seid erfüllt von einer unaussprechlichen und herrlichen Freude.

 

Lasst uns also an Weihnachten mit den Engeln jubeln:

Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis

 

Frohen Advent und schöne Weihnachten

Euer

Bruno

brunoschulz antworten
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Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 9 Monaten

Beiträge : 1928

@brunoschulz 

Lieber Bruno,

Dir auch gesegnete und frohe Weihnachten und vielen Dank für deinen sehr berührenden und ernsthaften Text! 

Viele Grüße 

⭐️

 

stern antworten
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Beiträge : 29979

@awhler 

 

Hallo L’Chaim,

danke für dieses Thema. 

Ich finde Deinen Anspruch sehr schön und human - in der heutigen Zeit, in der es sogar so eine Art McBestattungen gibt (so schnell und günstig so viele Bestattungen wie nur möglich zu absolvieren) finde ich den Gedanken sehr tröstlich, dass es PfarrerInnen gibt, denen an der Trauergemeinde liegt und die um ihren Einfluss auf die Trauerphase wissen.

Ich habe leider durchwachsene Erinnerungen an Beerdigungen.

Meine frühste Erinnerung betrifft die Beerdigung einer Großtante, die ich sehr lieb hatte und die für meine Mutter eine wichtige Person war. Nach ihrem Tod mussten (!) wir Kinder den Leichnam „besuchen“. Ich habe das als damals vielleicht 6jährige als etwas ganz schreckliches erlebt. Die Beerdigung war natürlich nicht kindgerecht, trotzdem „mussten“ wir mitgehen und in meiner heutigen Erinnerung (irgendwas um die 35 Jahre später) sehe ich vor allem meine Mutter, die schrecklich weinte und voller Verzweiflung am Grab stand.

Von der Beerdigung meiner Oma bleiben mir heute zwei Dinge in Erinnerung, die die Bestattungszeremonie betreffen. Das eine sind die Worte des Pfarrers, der mit den Worten „und damit (Name) in den Himmel kommt, gebt nun für die Kollekte der Kirche“ den Gottesdienst schloss. Für mich bedeutete das in dem Moment, mich innerlich von dem Geschehen zu distanzieren, anstatt mich der Trauerzeremonie hingeben zu können. Und dann erinnere ich mich an meinen Opa, der, als der Sarg in die Erde gelassen wurde, einfach nur hilflos schrie und an eine Tante, die ebenso hilflos zu ihm sagte „komm, wir gehen jetzt Kaffee trinken und Kuchen essen, dann ist das auch wieder gut“. 

Aber ich erinnere mich auch an meine späteren Besuche am Grab, von denen ich jedes Mal mit Fülle gegangen bin. Das ist erstaunlich, denn bei beinahe jedem Besuch kam bislang (zufällig) jemand zu mir, der zwar nicht mich, aber meine Großeltern (inzwischen liegt auch der Opa dort) kannte und von ihnen erzählt. Das empfinde ich als hilfreich. Und vielleicht wäre auch das ein Schatz, der in Gemeinden liegen kann, in denen sich die Menschen kennen: Nämlich zu gedenken und zu erinnern - und das vielleicht nicht nur am Tag der Beerdigung.

Als meine Mutter unerwartet starb, sagten mir viele aus meinem Umfeld „die Zeit bis zur Beerdigung wird Dir später wie ein Film vorkommen, die wesentliche Trauer kommt danach“ - und das habe ich genau so erlebt. Die Pfarrerin tat ihr Bestes, auch mit Hausbesuchen, aber für mich (persönlich) war ihre Arbeit offensichtlich methodisch geleitet und weniger aus tiefer Anteilnahme - was ich nicht negativ bewerten möchte, da ich mir diese Begleitung von Menschen in Trauer extrem anspruchsvoll vorstelle und es legitim ist, sich abzugrenzen und den Raum zu finden, in dem man diese Arbeit leisten kann.

Meine Erwartung an sie hatte sich schon in den Vorbesuchen abgeschwächt, bzw. habe ich mich hier bereits distanziert. Es ging darum, dass wir als Familie den Leichnam meiner Mutter vor der Einäscherung nochmal besuchen konnten, bzw. sollten. Ich sagte, dass ich mich da rausnehmen möchte, weil es mir nicht helfen wird. Die Pfarrerin hatte dafür kein Verständnis und wollte mich mit den Worten „aber das wird Ihnen gut tun, machen Sie das!“ dazu drängen, über diese Grenze zu gehen.

Ich war zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise schon 30 Jahre alt und konnte für mich trotz aller familiärer und sonstwie Widerstände meine Grenze - die nicht nur aus meiner Erfahrung als Kind resultiert - halten. Aber auch das führte dazu, mich der Trauer eben nicht hingeben, sondern mich in erster Linie schützen/abgrenzen zu müssen. Die Pfarrerin hat das natürlich gut gemeint. Aus meiner heutigen Sicht (etwas über 10 Jahre später) war es die richtige Entscheidung, den Leichnam nicht zu besuchen und ich würde dazu raten, solche Grenzen in der Trauerbegleitung zu achten und ein Nein unmittelbar zu akzeptieren.

Meine Erinnerung an diese Beerdigung betreffen bis heute weniger die Worte der Pfarrerin - von der ich mich eben bis dahin bereits innerlich abgegrenzt hatte, sondern die Erinnerung an ein mit der Familie befreundetes Mädchen, damals 2 Jahre, das während der Zeremonie am Grab auf dem Rasen drumherum Gänseblümchen pflückte, zu einem „Blumenstrauß“ band und meiner Mutter ins Grab warf.

Vielleicht habe ich dadurch ein wenig Frieden mit meiner eigenen Erfahrung als Kind auf der Beerdigung meiner Tante schließen können.

Die richtige Trauerarbeit begann nach der Beerdigung und ich habe viele Jahre gebraucht, um den Tod meiner Mutter in mein Leben  integrieren und realisieren zu können.

Liebe Grüße

Ina

 

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4 Antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 3818

@ina_4321 Die Beerdigung meines Vaters ist fast 30 Jahre her und ich erinnere mich noch an sehr viele Einzelheiten und doch an nicht viel. Z.B. an den evangelischen Pfarrer, der in unserer Gemeinschaft als etwas ... lau ... galt und der doch so gute Worte fand. Dann an die Beerdigung von Mamas zweitem Mann, der im Prinzip die Ansprache für seine Beerdigung selber geschrieben hatte und die unser ehemaliger Gemeinschaftspastor ganz in seinem Sinne weitergab. 
Vor dem, was noch kommt, graut mir.

chai antworten
Gelöschtes Profil
(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 29979

@chai 

Es ist eine Begabung und womöglich auch noch eine Raum-Zeit-Geschichte, um an solchen "Anlässen" gute Worte im richtigen Ton zu finden. Wenn dann alles passt, ist es ein Geschenk. Für die, die die Worte empfangen und vielleicht auch für den, der sie ausspricht. Und ein solches Geschenk wünsche ich Dir wiederholt für alles, was noch kommt. 

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AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1324

@ina_4321 

Gute Worte im richtigen Ton, ja ... Mit entscheidend ist immer wieder, ob und inwieweit der pastoral-seelsorgliche Kontakt im Vorfeld einer Trauerfeier/Beisetzung 'gelingt' - und da ist das Zuhören und Aufnehmen und Eingehen auf die Zurückbleibenden ganz entscheidend.

Ich selber habe bei Beerdigungen, als Teil der Trauergemeinde, die ganze Bandbreite erlebt - von sehr einfühsamen und persönlichen Ansprachen bis hin zum rituellen Vollzug, wo das Persönliche keine große Rolle spielte, und man den Eindruck hatte, das in einer 0815-Vorlage des Agierenden (fast) nur der Name ausgetauscht wurde und ansonsten ein Ritus abgespult wurde, der beim letzten Mal und beim nächsten Mal genauso zu hören sein wird.

In der kommenden Woche werde ich nun - nach 1 1/2 Jahren und i.R. - wieder eine Beisetzung und Trauerfeier haben, aus meiner alten Gemeinde, und von einer Familie, wo ich (wenn es bei dem Mann soweit ist, Pflegefall seit 3 Jahren) die Beerdigung in persönlicher Verbundenheit zugesagt habe. Zuletzt waren wir, am Bett im Altenheim, mit Frau und Tochter und zur Diamantenen Hochzeit, beieinander - und nun ist der Tod, bei aller Trauer, auch eine Erlösung.

Da ich den Thread eröffnet habe: Danke für alle Beiträge ... und noch ein Text, den ich häufig (als grundsätzliche Besinnung) in meine Trauerfeiern eingebaut habe ... Er ist von mir, in der vorletzten Strophe  in Anlehnung an ein Gedicht von Schalom Ben-Chorin:

 

Was sind wir, Gott, mit unserem Leben

auf dieser Erde?

Und was sind wir am Ende gewesen?

 

Was ist uns geglückt,

was war Lieben & Lachen, Freude & Heiterkeit?

Und was war dunkel und rätselhaft,

missglückt & eine Last?

 

Wofür sind wir dankbar?

Und was hätten wir uns hier und da auch anders gewünscht?

 

Welche Träume haben wir geträumt?

Welche Lasten getragen?

 

Und was wissen wir am Ende voneinander?

Warum sind wir so, wie wir sind?

Und warum so geworden?

 

Ja, Gott,

wir fragen uns, woher wir kommen

und fragen uns, wohin wir gehn

wir sind von deiner großen Hand genommen

Wir sind die Frage

Du bist das Verstehn

 

Bist der, den wir schon hier

den Ew’gen nennen

als Zuflucht und als HERRN bekennen

an Gräbern

und um Weitergehn …

 

L.Chaim

awhler antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 471

@awhler 

... die ganze Bandbreite erlebt - von sehr einfühlsamen und persönlichen Ansprachen bis hin zum rituellen Vollzug, wo das Persönliche keine große Rolle spielte, und man den Eindruck hatte, das in einer 0815-Vorlage des Agierenden (fast) nur der Name ausgetauscht wurde und ansonsten ein Ritus abgespult wurde, der beim letzten Mal und beim nächsten Mal genauso zu hören sein wird.

Ja, letzteres habe ich als Teil der Trauergemeinde zweimal selbst erlebt, als ein Trauerredner die Ansprache bei der Beisetzung des Onkels meiner Frau hielt. Peinlicherweise war sie in weiten Teilen identisch mit der Rede, die er ein halbes Jahr zuvor hielt, als die Frau dieses Onkels beigesetzt wurde. 

Gute Worte im richtigen Ton, ja ... Mit entscheidend ist immer wieder, ob und inwieweit der pastoral-seelsorgliche Kontakt im Vorfeld einer Trauerfeier/Beisetzung 'gelingt' - und da ist das Zuhören und Aufnehmen und Eingehen auf die Zurückbleibenden ganz entscheidend.

Beerdigungen müssen keinesfalls immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Je besser man den Verstorbenen und sein Lebensumfeld kennt, desto individueller kann man die Feier gestalten (nicht nur die Ansprache). Aber leider kennen die Pfarrer heutzutage nur die wenigsten Gemeindeglieder und deren Angehörigen so gut (was aber nicht die Schuld der Pfarrer ist), dass es eine wirklich persönliche Feier wird, die auch der Trauergemeinde in guter Erinnerung bleibt.

Konsequenterweise hatten wir im vergangenen Jahr die Beisetzung meines Schwagers selbst geplant (meine Frau, einer meiner Schwiegersöhne und ich sind Prädikanten) und die Feier ohne Pfarrer gestaltet.

Mein Schwager (der jüngere Bruder meiner Frau) war kein Kirchgänger, hatte aber eine sehr innige persönliche Beziehung zu Jesus, was seinem Glauben manchmal etwas "skurile Züge" verlieh. Bei seiner Beisetzung in einem Friedwald war gefühlt das halbe Dorf anwesend, selbstverständlich alle seine Kumpels, die man wohlmeinend sowohl als gleichermaßen "kirchenfremd" wie auch "trinkfest" ansehen darf.

Gemäß dem Wunsch meines Schwagers spielten wir zur Einleitung einige Hardrock-Songs ab, vom eigentlich gewünschten "Highway to Hell" spielten wir aber nur einige Takte an 😱.

Und nach einer sehr persönlichen Ansprache folgten (mit Gitarrenbegleitung) christliche Lieder 😌, wobei sich fast alle Anwesenden Mühe gaben, kräftig mitzusingen, wie sie auch beim Vaterunser fast alle mitbeteten.

Hinterher sagten mir mehrere Teilnehmer, dass dies die persönlichste und beste Bestattung gewesen sei (einer meinte, die "geilste Beerdigung"), die sie jemals erlebt hätten und besonders der abschließende Segen (in den ich die ganze Trauergemeinde einschloss) hatte sie tief bewegt 😇.

bepe0905 antworten


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