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Die Übersetzung von Verheißungen - ist die Verwendung von Futur (grammatikalische Zeit) angemessen?


GoodFruit
Themenstarter
Beiträge : 2602

Hallo Community!

Hier ein zweites Wort, das mir vor hebräisch denkendem Hintergrund klärungsbedürftig erscheint:

"Du wirst ..." finden wir oft in Bibelübersetzungen:

https://www.csv-bibel.de/suche/Du%20wirst

Wenn ich dann in diese Bibelstellen hineingehe, muss ich feststellen, dass es für das "wirst" kein Wort im griechischen oder hebräischen hinterlegt ist. Da steht im Deutschen etwas, was im Originaltext nicht vorhanden ist.

Ich denke, dass die Logik folgende ist: Verheißungen reflektieren auf die Zukunft - und dafür hat das Deutsche eine Zeitform - warum die also nicht einfach nehmen?

Aber ist das wirklich so gemeint, oder haben da von griechischem Denken geschulte und beeinflusste Übersetzer etwas hineininterpretiert, das uns vom Kern der Aussage vielleicht sogar wegbringt. Vielleicht würde Futur II das noch einigermaßen fassen - aber selbst das steht da nicht.

Wenn ich dann diese Dinge nicht mehr als zukünftig, sondern als real existierend betrachte, kommen sie mir viel näher. Zweifel (na, schaun mer mal, ob das so wird ...) verschwinden. Die Verheißung ist real und ich fühle regelrecht ihre unmittelbare Wirkung auf mich.

Wird hier dem Wort Gottes etwas an Power genommen?

Das Gleiche habe ich heute im Gottesdienst erlebt, als wir im Lobpreis waren. Da gab es Liedzeilen wie "Du wirst immer mit mir sein ..." - sinngemäß - ich will hier nur ein Beispiel für die Verwendung von Futur geben. Ich konnte da gar nicht mehr mitsingen, habe innerlich "Du bist immer bei mir" gesungen, was wieder viel unmittelbarer und mächtiger auf mich wirkte.

Was meint Ihr? Verwässern wir das Wort Gottes durch die Verwendung von Futur in der Übersetzung?

Ich stell das hier mal zur Diskussion.

 

Viele Grüße

GoodFruit

 

Antwort
4 Antworten
Deborah71
Beiträge : 22983

@goodfruit 

das Wort "wirst" ist die Zeitform "Unvollendet"/Imperfect und in dem Verb enthalten im Hebräischen. Da fehlt nichts, ausser, dass du die Sprachen nicht kannst.

Am Beispiel in 1. Mose 3, 15 Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen.

ich werde setzen =  aschiyt  > (aleph - schin - yod - tav)  

Verb Grundform = schin - yod - tav)

 aleph = präfix ich - 1. Person singular im Unvollendet/Imperfect

 

er wird zermalmen = yeschuphkha > (yod-schin- waw- peh + suffix 2. Person singular khaf)

Verb Grundform = schin - waw - peh

yod = er - präfix 3. Person singular im Unvollendet/Imperfect

 

du wirst zermalmen = t'schuphnu > (tav-schin-waw-peh + suffix 3. Person singular nu)

Verb Grundform = schin - waw - peh

t' (tav) = du - präfix 2. Person singular im Unvollendet/Imperfect

deborah71 antworten
3 Antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 22983

Ergänzung: Futur I und Futur II ist ein lateinisches System. 

Im Hebräischen z.B. gibt es nur Perfekt = vollendet und Imperfekt = Unvollendet.

Das ist anfangs schwierig, wenn man die Sprache lernt und wie ich aus der lateinischen Grammatik gekommen war.

Perfekt kann übersetzt werden: es war, ist gewesen, es war gewesen...

Imperfekt: es wird sein, ich wünsche, man möge .....

deborah71 antworten
GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2602

@deborah71 Dann ist es also so, dass, wo wir im Deutschen eine Futur Form haben, im Originaltext eine unvollendete Handlung steht? Dann hätte ich das auch verstanden.

goodfruit antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 22983

@goodfruit 

Ja genau. 🙂

deborah71 antworten


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