Mögliche Beihilfe z...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Mögliche Beihilfe zur Frühabtreibung in der Pflege durch Austeilen der Pille

Seite 2 / 2

Wamba
 Wamba
Themenstarter
Beiträge : 3

Hallo, ich arbeite auf einer Onkologie und da ist es üblich, dass junge Patientinnen mal für einen Zeitraum die Pille nehmen müssen während eines Zeitraums, wo sie Chemotherapie bekommen müssen. Ich als Pflege soll den Patienten die Medikamente zuteilen. Jetzt ist es so: an sich hat die Pille, wie ich es verstehe, keine direkt schädliche Wirkung auf eine befruchtete Eizelle. Meines Verständnisses nach (und auch die Biologie hat dieses Verständnis) beginnt menschliches Leben ab dem Zeitpunkt der Befruchtung; demnach ist das töten einer befruchteten Eizelle mit dem beenden eines schützenswerten und wertvollem Menschenleben gleichzusetzen. Zwar hat die Pille keine direkt schädliche Auswirkung auf die Eizelle, wohl aber eine Auswirkung auf dessen Einnistung in die Gebärmutter. Ich frage mich: wenn die Pille theoretisch dazu beitragen würde, dass eine befruchtete Eizelle sich nicht in die Gebärmutter einnisten kann und deswegen stirbt, verhelfe ich dann, wenn ich sie einer Patientin austeile, zu einem Mord, zu einer Frühabtreibung? Wenn ja, wie sollte man mit solchen Situationen umgehen, wo es unsicher ist, ob man theoretisch ein Menschenleben dadurch gefährdet? Wenn mir eine Patientin sagt, dass sie die Pille mal nicht eingenommen hat und sie hatte in dem Zeitraum Geschlechtsverkehr, dann gibt es meines Verständnisses nach die Möglichkeit einer Befruchtung. Zwar ist die je nachdem, wie lange die Einnahme schon war etc. nicht immer gleich die Chance, aber sie besteht; sollte man pauschal dann sagen, man verweigert die Gabe? Meine Befürchtung ist, dass die Ärzte die Einnahme befürworten würden und ich wäre rechtlich nicht geschützt durch einen Gewissenskonflikt. Wenn ich für sowas meinen Beruf verlieren sollte, dann sei es so, besser das, als ein Menschenleben zu nehmen, ich frage mich nur, gibt es eine weisere Lösung? Mir ist das ziemlich unklar, was in bestimmten Fällen klug wäre bzw. mir fehlt der Frieden durch mangelndes Wissen teilweise.

Antwort
35 Antworten
Queequeg
Beiträge : 7878

@wamba 

Wichtig ist abgesehen von allem anderen, dass Du Dich nicht genötigt oder sogar gezwungen siehst, etwas zu tun, was Du nicht willst. 

Sollte doch so eine Forderung bestehen, dürftest Du und müsstest wahrschein die Konsequenzen und kündigen.

Ich habe das mal in einem umgekehrten Fall mitbekommen. Da war der Klinikarzt bereit, eine Abtreibung zu machen, aber die Klinik hat ihm das untersagt. Er hat gekündigt und ist in eine andere Klinik gegangen.

queequeg antworten


JohnnyD
Beiträge : 1788

@wamba 

Du hast recht. Auch das indirekte Töten von Menschen ist verboten. Bei geborenen Menschen sprechen wir von Aussetzung, § 221 StGB.
Freilich fangen juristische Grenzen der Abtreibung bei dieser Pille noch nicht an; das ist aber nur eine Festlegung, die für eine Gesellschaft hinreichend feststellbar und durchsetzbar zu sein scheint. Moralisch kann man selbst wesentlich restriktiver sein.

Dein eigenes Gewissen solltest du ernst nehmen. Das bist du dir selbst schuldig. Arbeitsabläufe lassen sich so organisieren, dass werder Gewissen noch Patientenwohl verletzt werden. Das kann ein Kollege übernehmen oder man überlässt die Pille der Patientin zur Selbsteinnahme.

johnnyd antworten
Eowen
 Eowen
Beiträge : 42

@wamba auch wenn ich die Lösung nicht habe, ich verstehe dich, das würde mich auch belasten. 🌼 🌺
  

eowen antworten


DerElch
Beiträge : 2199

@wamba 

Also wenn dein Gewissen so eng ist, musst du wohl kündigen. Die Frage ist nur was du stattdessen machst, es gibt nämlich nur sehr wenige Jobs in der man nicht potentiell lebensgefährdend unterwegs ist. Mit dem Auto sollte man dann auch nicht zur Arbeit fahren.

Ich finde deine Überlegungen wahnsinnig akademisch. Die Patientinnen in der Onko sind in aller Regel mündige Personen, die die notwendigen Therapiemassnahmen je nach Arzt oder Ärztin mehr oder minder ausführlich besprochen und entschieden haben. Es liegt gar keine Notwendigkeit darin, dass du dir da eine wie auch immer geartete Verantwortung aneignest.

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Befürchtung dass sich ein befruchtetes Ei aufgrund der Pilleneinnahme nicht einnisten kann auch Realität wird, ist sehr klein. Zum einen ist je nach Präperat die vorrangige Wirkung, den Eisprung zu verhindern und zum anderen behaupte ich, dass man mit einer lebensbedrohlichen Krankheit und einer Chemotherapie sowieso keine besonders ausgeprägte Libido hat. 

 

derelch antworten
8 Antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 5292
Veröffentlicht von: @derelch

Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Befürchtung dass sich ein befruchtetes Ei aufgrund der Pilleneinnahme nicht einnisten kann auch Realität wird, ist sehr klein. Zum einen ist je nach Präperat die vorrangige Wirkung, den Eisprung zu verhindern und zum anderen behaupte ich, dass man mit einer lebensbedrohlichen Krankheit und einer Chemotherapie sowieso keine besonders ausgeprägte Libido hat. 

Danke für diese Zusammenfassung 

chai antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7878

@derelch 

"mündige Personen, die die notwendigen Therapiemassnahmen je nach Arzt oder Ärztin mehr oder minder ausführlich besprochen und entschieden"

Wohl überwiegend, aber durchaus nicht immer. Ich hatte im Laufe meiner Tätigkeit 2 Frauen mit einer chronischen Psycho, die zwar in der Alltagsroutine zurecht kamen, aber zu differenzierten Überlegungen nicht in der Lage waren.

"mit einer lebensbedrohlichen Krankheit und einer Chemotherapie sowieso keine besonders ausgeprägte Libido hat."

Auch hier muss ich etwas einschränken. Deine Einschätzung mag für die Frau gelten, aber gibt da a noch einen Mann. Und der sieht die Welt möglicherweise ganz anders.

queequeg antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 5292

@queequeg Aber auch dann ist es nicht in der Verantwortung vom Pflegepersonal.

chai antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7878

@chai 

Nein, natürlich nicht.

queequeg antworten
DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2199

@queequeg 

Wohl überwiegend, aber durchaus nicht immer. Ich hatte im Laufe meiner Tätigkeit 2 Frauen mit einer chronischen Psycho, die zwar in der Alltagsroutine zurecht kamen, aber zu differenzierten Überlegungen nicht in der Lage waren.

Auch die entscheiden irgendwas und werden nicht einfach zwangsmedikamentiert.

Deine Einschätzung mag für die Frau gelten, aber gibt da a noch einen Mann. Und der sieht die Welt möglicherweise ganz anders.

Du hast schon mal jemand mit Chemo gesehen?  Und somit beziehe ich mich nicht auf Haare ab. Das ist längst nicht immer so. Aber spurlos vorbei.

Man muss schon ganz schön krank im Kopf sein, wenn man sich da als Mann nicht im Griff hat. 

derelch antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7878

@derelch 

Ich hab nicht behauptet, dass Männer nicht krank im Kopf sein können.

Der Mann einer Patientin hatte besonders gerne Verkehr, wenn sie einen epileptischen Anfall hatte. Deshalb hatte er eine Stroboskoplampe gekauft, um einen solchen jederzeit auslösen zu lösen.

Krank genug im Kopf - der Mann?

queequeg antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 4755

@queequeg Ich würde mal mutmaßen, die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz solcher Vorgehensweisen ist seit den fünfziger, sechziger, siebziger Jahren... bis heute, nochmal stark gesunken. 

lg Tatokala

tatokala antworten
DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2199

@queequeg 

Krank genug im Kopf - der Mann?

Nicht krank genug für den Knast. 

Aber ganz ehrlich ... ich finde nicht, dass man eine hypothetische Debatte an einzelnen Kriminellen ausrichten muss.

derelch antworten
Herbert52
Beiträge : 252

@wamba 

Da ich selber als Krankenpfleger gearbeitet habe, kann ich Dein moralisches Dilemma gut nachvollziehen. Ich würde zunächst einmal herausstellen, dass die Patientin im Zusammenhang mit der ärztliche Beratung diese Entscheidung getroffen hat. Damit ist klar, dass Du keine Verantwortung trägst. Das Argument der Mittäterschaft würde ich klar zurückweisen. Wir leben in einer arbeitsteiligen und hierarchischen Gesellschaft und wenn man die Frage der Mitwirkung bei Mord so weit ausdehnt, ist ein Funktionieren der Gesellschaft nicht mehr gewährleistet. Die Mitwirkung bei der Verhinderung einer Befruchtung ist keineswegs mit der eines Soldaten zu vergleichen. Auch nicht mit der Mitarbeit in einem Rüstungsbetrieb.

Gott belässt die Verantwortung zunächst bei der Frau. Und wenn diese in Ansehung der bevorstehenden Chemotherapie Geschlechtsverkehr hat, wohl wissend um das Risiko einer Schwangerschaft und des Risikos der Chemotherapie, dann würde ich sagen, wird Gott sie in die Pflicht nehmen. 

Die Verhütung einer Schwangerschaft unter Chemotherapie ist sicher unbestritten sinnvoll und notwendig. Wenn die betroffene Frau die Verhütung auf natürlichen Weg (Enthaltsamkeit) nicht geregelt bekommt, ist das zunächst ihr und das Problem ihres Partners. Sofern sie dich da nicht um Rat fragen, hast Du damit nichts zu tun. Es ist aus meiner Sicht auch nicht angebracht, sich ungefragt aufzudrängen.

Ich sehe eigentliche einen anderen Aspekt im Vordergrund, nämlich dass Du auf der Arbeit mit Deinen Gedanken und Vorbehalten allein gelassen wirst. Eigentlich sollte es ein Ethikkommission oder ähnliche geben, an die Du ggf. wenden können müsstest.

Unabhängig davon gibt es noch einen weiteren Aspekt, nämlich den, dass Du ja nicht gezwungen bist, dort zu arbeiten. Ich fände es legitim zu sagen, dass du Dir eine Tätigkeit aussucht, dir die diese Konflikte erspart. Anderseits vermutet ich, dass eine Pflegefachkraft mit Deiner moralischen Sensibilität dort sicher gute Arbeit leisten kann, weil die psychosoziale und spirituelle Betreuung von Frauen (und ihren Familien) nicht einfach ist. Vielleicht hilft es dir, wenn du die innere Überzeugung gewinnst, dass Gott Dich genau aus diesem Grund dort hin gestellt hat, primär nicht um Konflikte auszuhalten, sondern um über das rein Medizinische hinaus den Frauen zu helfen.

herbert antworten


Chai
 Chai
Beiträge : 5292

Die Diskussion über Pille und / oder Spirale als 'Frühabtreibung' ist ja jetzt wirklich nicht neu. 
Und man kann da durchaus geteilter Meinung sein. Wobei die allgemeine Sichtweise wohl die ist, dass die genannten Mittel eine Schwangerschaft verhindern und somit nicht als 'Abtreibung' betrachtet werden. Das ist auch meine Ansicht. 

Hier kommen noch die Aspekte Krebs / Chemo / Zellschädigung dazu. 
Und der Gedanke, dass eine Frau, die mit einer schweren Krankheit und entsprechenden Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Krankheit zu tun hat und körperlich und sicher auch seelisch mit einer Schwangerschaft mit einem Kind, das möglicherweise krank auf die Welt kommt, noch mehr belastet wäre. Von daher halte ich eine sichere Verhütung einfach für geboten. 

chai antworten
Seite 2 / 2
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?