Wenn die Eltern älter werden ...
Beim Stöbern im Forum 'Familie & Partnerschaft' hab ich viele Überschriften gefunden - aber keine passende.
Deshalb dieser Thread - falls Interesse an einem Austausch besteht.
Ist mir auch schon aufgefallen, denn ich hätte schon manchmal gern Austausch mit anderen, wie sie mit ihren älter werdenden Eltern klarkommen.
falls Interesse an einem Austausch besteht.
An welche Art von Austausch hast du da gedacht...?
Es geht doch wohl darum, dass Dinge schwieriger werden im Alter... in diesem Fall der Eltern.
Also nach dem Motto: Die Zeiten ändern sich, wenn man bei Besuchen der Eltern Latexhandschuhe statt Blumen mitbringt.
Veröffentlicht von: @lucan-7falls Interesse an einem Austausch besteht.
An welche Art von Austausch hast du da gedacht...?
Ich hab da gar keine bestimmte Vorstellung. Kann ja sein, dass hier niemand über dieses Thema reden will.
Es geht doch wohl darum, dass Dinge schwieriger werden im Alter... in diesem Fall der Eltern.
Also nach dem Motto:
Die Zeiten ändern sich, wenn man bei Besuchen der Eltern Latexhandschuhe statt Blumen mitbringt.
Ich bring weder Latexhandschuhe noch Blumen mit.
Ich hab da gar keine bestimmte Vorstellung. Kann ja sein, dass hier niemand über dieses Thema reden will.
Kommt halt drauf an. Ich könnte da ein paar Erfahrungen beisteuern.
Etwa, dass man nie vom besten Fall ausgehen sollte, sondern immer vom Schlechtesten. Wenn es besispielsweise darum geht, Vermögen rechtzeitig auf die Kinder zu übertragen, damit es der Staat nicht beschlagnahmen kann, wenn es darum geht, wer für die Pflege zahlen muss.
Denn wenn den pflegebedürftigen Eltern ihr Haus noch gehört, dann wird es zwangsweise verkauft werden, um sie noch so lange wie möglich am Leben zu erhalten, damit irgendwelche Pflegeeinrichtungen sehr viel Geld dafür kassieren können, eine Person einfach nur lebendig zu halten... egal in welchem Zustand. Und dann ist das Haus plötzlich weg... auch wenn die Eltern das niemals gewollt hätten, weil sie das doch ihren Kindern hinterlassen wollten.
Hätten sie rechtzeitig das Haus überschrieben, dann könnte der Staat es nicht einfach wegnehmen... dann würde der Staat für die Pflege zahlen müssen, und es wäre eher im Sinne der Eltern gelaufen.
Und falls das jetzt so klingt, als wäre das genau meine Situation... nein, ist es nicht. Aber was ich weiß ist, dass man zur Vorsorge für das Alter gar nicht früh genug beginnen kann, um die Dinge in seinem Sinne zu regeln. Und man sollte da auch unangenehmen Möglichkeiten nicht ausweichen.
Demenz beispielsweise kann jeden treffen, jederzeit. Es bedeutet: "Du bist tot! - Aber nicht sofort, sondern ganz langsam. Sehr langsam. Du stirbst, aber nicht sofort, sondern über 5, 10, 15 Jahre. Stück für Stück verlierst du die Fähigkeit, zu denken, dich zu bewegen, dich zu erinnern. Und irgendwann reduzieren sich alle Körperfunktionen darauf, irgendwas zu essen, zu verdauen und auszuscheiden. Wobei man selbst weder in Lage ist, sich Essen zuzubereiten noch auf Toilette zu gehen... diese Dinge müssen dann andere Leute übernehmen. Aber man ist halt noch am Leben, immerhin. Wofür auch immer.
Tja, wofür diese drastische Schilderung...? Wie gesagt, zur Vorbereitung... wir gehen diesen Dingen ja gerne aus dem Weg. Wird schon gutgehen, das Alter, irgendwie.
Nach dem was ich gelesen habe geht es allerdings nur für 20% von uns gut... nur einem Fünftel aller Menschen ist es vergönnt, im vollem geistigem Vermögen alt zu werden. Der Rest wird tatterig, trottelig, vergesslich, dement oder sonstwie beeinträchtigt sein... in einer Weise, die vom Rest der Welt nicht mehr ernst genommen werden wird.
Schöne Aussichten... ein hohes Alter mag prinzipiell erstrebenswert erscheinen.
Aber nicht um jeden Preis.
Das ist tatsächlich schon fast seltsam, dass es dazu noch keinen Thread gibt, schließlich wird das Thema einige hier beschäftigen.
Uns beispielsweise sehr:
Die Situation: Mein Mann und ich leben mit meinen Eltern und unseren gemeinsamen Kindern in einem Haus. Meine Eltern sind über 80, und um deren Situation kurz und knapp auf den Punkt zu bringen: Meine Mutter sieht's nicht und mein Vater blickt's nicht.
Auch wenn bei meinem Vater die Diagnose noch nicht offiziell sind, leidet er wohl unter Demenz. Routinesachen wie Frühstück machen kann er, komplexere Sachen überfordern ihn. Nach einem multiplen Organversagen vor fast 10 Jahren ist er auch gesundheitlich angeschlagen, ist immunsupprimiert etc.
Meine Mutter ist geistig noch fit, sieht aber aufgrund einer Makuladegeneration sehr schlecht, und der Zustand meines Vaters belastet sie natürlich auch sehr.
Heißt: Sie brauchen Unterstützung. Sie werden von uns bekocht, zu diversen Terminen und zum Einkaufen gefahren, wir erledigen den Schreibkram, etc.
Als wir jetzt in den Urlaub fuhren, übernahmen unsere Kinder diese Aufgaben. Bis auf eine Woche, als mein Mann meine Eltern und seine Mutter abholte und sie eine Woche an unserem Urlaubsort verbrachten. Ergebnis: Mein Vater stürzte, brach sich den Unterarm, und wir kamen in den unfreiwilligen Genuss, die Notaufnahme im Krankenhaus vor Ort eingehend zu besichtigen. Sightseeing mal anders. Ein Großteil der Zeit, in der meine Eltern da waren, drehte sich damit um meinen Vater und darum, wie man dafür sorgt, dass meine Schwiegermutter trotzdem auf ihre Kosten kommt.
Das ist nicht immer einfach. Nicht nur wegen des Organisationsaufwandes, oder der mental load, sondern auch, weil meine Mutter die Neigung hat, unsere Lebensführung zu kommentieren oder weil es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, welche Aufgaben wann und wie zu erledigen sind. Unerfreuliche Diskussionen sind da zwar nicht an der Tagesordnung, kommen aber durchaus vor.
Da würde mich ein Austausch, wie es da anderen geht, durchaus interessieren.
@lucan-7 Ich bin nicht Alescha - mir geht's einfach um das allgemeine Zusammenleben.
Konkret fiel mir die Tage auf, dass sich vieles um die Versorgung, um Organisatorisches etc. dreht, aber wenn man's eilig hat, kommt das 'Zeit-schenken', was mir im Prinzip sehr wichtig ist, etwas zu kurz.
(Meine Mama ist fast 90 Jahre alt, seit einigen Jahren verwitwet, hat all ihre Kinder hier, die sich auch regelmäßig um sie kümmern (ich selber komm täglich mindestens zwei mal zu ihr, aber manchmal halt nur kurz) und leidet doch unter Einsamkeit - während wir sagen, sie hat das 'De-luxe-Programm' mit täglichen Besuchen und allen Kindern vor Ort. Ändert aber nix dran, dass sie sich abends vor ihrem Fernseher allein fühlt)
Schade. Aber Du wirst ja wissen, das Menschen beim Älter werden oftmals merkwürdig werden und Situationen nicht richtig einschätzen. Die Erkenntnis hilft zwar nicht, aber kann helfen, die Reaktionen des älteren Menschen besser einzuschätzen.
Auch. Ja.
Aber auch, wie man mit dem mental load umgeht.
Nicht nur im Alltag, wir hatten schon mehr als einmal den Fall, dass während unserer Abwesenheit ein "Kümmer-Fall" eingetreten ist. Diesmal eben sogar vor Ort im Urlaub. Wie geht man damit um, dass man irgendwie nie mal "abschalten" kann, sondern selbst im Urlaub aus der Distanz noch "kümmern" muss.
Nicht nur im Alltag, wir hatten schon mehr als einmal den Fall, dass während unserer Abwesenheit ein "Kümmer-Fall" eingetreten ist. Diesmal eben sogar vor Ort im Urlaub. Wie geht man damit um, dass man irgendwie nie mal "abschalten" kann, sondern selbst im Urlaub aus der Distanz noch "kümmern" muss.
Da ist natürlich die Frage, inwieweit man sich kümmern "muss"... geht es da nur um irgendwelche Forderungen, weil irgendwer sich einsam fühlt... oder muss man sich kümmern, weil jemand sonst die nächsten Tage nicht überleben würde...?
Ich will diese emotionale Komponente nicht kleinreden, weil ich weiss dass das auch sehr belastend sein kann... aber das sind halt em Ende doch zwei sehr verschiedene Situationen.
Veröffentlicht von: @lucan-7Ich will diese emotionale Komponente nicht kleinreden, weil ich weiss dass das auch sehr belastend sein kann...
aber das sind halt em Ende doch zwei sehr verschiedene Situationen.
Ich denke, das geht Hand in Hand.
Wenn die Oma sich einsam fühlt, merkt sie ihre körperlichen Gebrechen noch ein bissel mehr.
In unserem Fall kann (theoretisch) schon jedes mal wegfahren - es sind ja immer noch ein paar da.
Aber kürzlich war meine Schwester in Urlaub, da hab ich dann ständig gehört, wie sie die vermisst.
Wenn wir in ein paar Wochen einige Tage wegfahren, wird meine Schwester hören, wie sie sich freut, wenn ich endlichendlichendlich wiederkomme ...
Und ich merke, dass es uns gut tut, ab und zu mal ein paar Tage Abstand zu haben.
Und wir wissen alle, dass eine Veränderung nicht in eine gute Richtung geht.