Umgang mit Homosexuellen in freien Gemeinden
Meines Wissens gilt für die evangelische Allianz: Liebe den Sünder, aber nicht die Sünde. Weshalb das Ausleben von Homosexualität als falsch gesehen wird. Entsprechende Stellen werden dann wörtlich und nicht historisch-kritisch gelesen.
Wie ist das in eurer Gemeinde?
Veröffentlicht von: @studierzimmerLiebe den Sünder, aber nicht die Sünde.
Ich denke, dass diese Formel zur Frage der Homosexualität gegenwärtig gern implizit genutzt wird. Vermutlich, weil dieses Thema gerne polarisierend und spaltend genutzt wird. Ich kenne von der Evangelischen Allianz in keiner Erklärung, oder ähnlichem, diese Aussage. Ich kenne diesen hier:
Die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis ist mit dem Willen
Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar (3. Mose 18, 22; 20,
13; Römer 1, 24 – 27; 1. Korinther 6, 9; 1. Timotheus 1, 10).https://www.ead.de/fileadmin/DEA_Allgemein/Stellungnahmen/Ehe_als_gute_Stiftung_Gotler ikirchtes.pdf
Im Grunde bleibt der Evangelischen Allianz nichts anderes übrig, als so eine Schlussfolgerung, den der Anspruch ist das was die Bibel sagt, und keine abstrahierte Auslegung der Schrift. Das können sie auch, den es gibt genug Menschen, die so glauben und so glauben dürfen. Egal ob man es richtig findet, oder nicht.
Veröffentlicht von: @studierzimmerWie ist das in eurer Gemeinde?
Ich habe schon lange nur einen eingeschränkten Kontakt zur Freikirche. in den Social Media habe ich nicht selten Freikirchler als progressiv erlebt. In den meisten Fällen glaube ich ihnen mittlerweile nicht. Ich habe in der Vergangenheit im Süden und im Norden Freikirchler kennengelernt und die große Gemeinsamkeit war, neben Christus, dass sie konservativ waren. Manchmal habe ich meine Zweifel, ob es sich um Freikirchler handelt. Es sind zum Beispiel die, die ich zehn Finger Aktivisten am Küchentisch nenne. Man kann mit dem Thema so schön polarisieren ..., aber gut.
Ich habe in der Vergangenheit kaum Homosexuelle kennengerlernt., k Das liegt wohl daran, dass gediegene Homosexuelle kaum vorhanden waren. Menschen mit einer homosexuellen Episode gab es eher. Das war allerdings kein durchgängiges Thema. Ich denke, dass diese Themen, wie Homosexualität, Diverse, eh heißer gehandelt wird, als es diese überhaupt gibt. Nicht nur in den Freikirchen, sondern auch außerhalb der Tür. Ich kannte nur einen, der offen Homosexuell und in einer Freikirche war. Das war ein belgischer Baptistenpfarrer, der in Paris ein Homozentrum unterhielt. Das war aber eine Ausnahme. Ich denke, dass die Menschen in freien Gemeinden nicht anders sind als bei allen andere Menschen auch. Es ist kaum ein Thema für sie. Vielleicht haben sie ein feineres Gefühl, wenn man ihnen von außen vorschreiben will, wie sie darüber denken sollen.
Im letzten Jahr wollte die Freikirchen ein Richtlinienpapier, über den Umgang mit Homos, erarbeiten. Soweit ich es mitbekam, war es eine Aufforderung zu mehr Toleranz. Wohl nicht im Sinne von LGBTQ-Aktivisten. Seit dieser Zeit habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Daran haben sie aus meiner Sicht auch gut getan. Stell die vor, was wäre, wenn sie mit ihrer Absicht die Richtlinien veröffentlicht worden wären. Dann wäre doch vermutlich eine Dikredierungskampagne gelaufen, wie es der Martinigemeinde in Bremen ergeht. So wichtig ist das Thema nun wirklich nicht.
Zugegebenermaßen nicht freie Gemeinde, sondern altkatholische Gemeinde:
Homosexuelle Paare sind vollständig akzeptiert, ohne Einschränkung. Es gibt auch schon länger spezielle Segensfeiern für homosexuelle Paare. Ob dies 1:1 mit der heterosexuellen Ehe gleichzusetzen ist, darüber wird theologisch noch gestritten, aber nichtsdestotrotz fühlen sich Homosexuelle bei uns sehr wohl.
Es wird kein Grund gesehen, einen einzelnen Satz aus dem Buch Levitikus, das ansonsten wesentlich detaillierter auf Opfervorschriften, an die wir und heute eh nicht mehr halten, eingeht, zum Maßstab des gesamten Bibelverständnisses zu machen.
@blackhole hi, also gerade die Altkatholische Kirche bezieht sich doch auch auf die Bedeutung der Tradition im Gegensatz zum Protestantismus?
Eigentlich war diese eher strenge Sichtweise immer das, was von der alten Kirche an fortlaufend geglaubt wurde. Müsste doch auch mehr als eine Bibelstelle sein wo darauf hindeutet?
Eine weitere Stelle bezieht sich bei Paulus auf die Gesellschaft in der griechisch geprägten Umgebung in der er aufwuchs, ist also ebenfalls nicht allgemeingültig zu sehen.
Mehr ist tatsächlich nicht zu finden. Erst recht nicht im Evangelium.
Von welchem Familienbild leitet man für heute gültige Normen ab?
Besser nicht vom Familienbild, das zur Zeit Jesu üblich war. Schließlich war dieses davon geprägt, daß die Frauen noch auf Gedeih und Verderb von den Männern abhängig waren. Und der Mann die Frau auch nichtigem Anlass verstoßen konnte.
@blackhole Das ist richtig. Homosexualität war mit Lustknaben verbunden. Luther spricht auch von "Knabenschändern" statt Homosexualität. Es war mit Prostitution und oft Ehebruch verbunden. Eine homosexuelle Ehe wie wir sie heute kennen, gab es nicht. Wäre auch zur Familienabsicherung undenkbar gewesen. Wir leben in ganz anderen Zeiten alleine materiell. Aber das wird oft ignoriert. Wenn man nicht im historischen Kontext liest. Sondern Sätze einfach überträgt.
@studierzimmer Ich finde das ist etwas arg schnell abgeurteilt.
Die Theologie in der katholischen Kirche macht seit etwa 2000 Jahren nichts anderes um den Glauben durch die Zeiten zu bewahren und knüpft bei der Auslegung an Traditionelle Linien an.
In jüngerer Zeit gibt es Theologien die sich vielleicht dem Zeitgeist anpasst, aber kontrâr zu dem stehen was Christen seit jeher ursprünglich glaubten.
Aber der Dreh und Angelpunkt der traditionellen Theologie (die auch die Altkatholische Kirche für sich beanspruchte zur Gründung Ihrer selbst, oder irre ich mich da?) ist die Auslegung der Schriften im Lichte der Tradition und Geschichte.
Es gibt umgekehrt in der Schrift oder Tradition eben nichts, was für diese neue Sichtweise spricht.
@blackhole Danke für deine Erfahrung und Antwort. Die katholische Kirche hat ja mit der Segnung von Geschiedenenen und Homosexuellen (beides wohl ähnliche Sünde aus ihrer Sicht) auch einen Wandel hingelegt.
Ob deine Gemeinde da besonders ist oder die Katholiken in Deutschland allgemein so denken. Kannst du wahrscheinlich nicht sagen?
Und falls hier Leser denken, es geht um meine eigenen Gefühle: Scheut euch nicht. Ich bin heterosexuell. Aber mein Kind könnte homosexuell werden. Ich habe homosexuelle Freunde. Deshalb interessiert es mich. Sollte uns alle.
Jesus sagt wir sollen nicht urteilen. Wer bin ich anderen vorzuschreiben dass sie keusch leben müssen? Wer bin ich anderen zu sagen wer zusammen leben darf und wer nicht. Aber genau das tut die ev. Allianz und mit ihr die meisten Mitgliedsgemeinden. Das ist für mich nicht mit Jesus Botschaft vereinbar. Und ich finde es spannend zu erfahren wie es die meisten Gemeinden halten
@studierzimmer Guten Abend,
Woher hast Du denn, das man im Zuge des Glaubens keine klaren Werte oder Richtlinien übermitteln darf?
Ich finde es gut, sich selbst nicht über andere zu stellen, den anderen anzunehmen und zu ihm zu stehen.
Aber das die Christenheit generell keine Strukturen haben soll, passt nicht so recht mit der Schrift und nicht mit der Tradition (was die Christen seit der Zeit nach den Aposteln glaubten) überein.
Grüße Edd
@studierzimmer Also das die Kirche letztlich Regeln vorgibt- das tat sie am Anfang mit 4 Dingen bei den Heidenchristen
Das war eine Entwicklung, aber die Binde und Lösegewalt hat Jesus seinen Aposteln ganz klar mitgegeben.
Homos geht es in allen Gemeinden nicht einfach, egal ob Freikirche, Katholisch, Evangelisch. Und auch Transmenschen. Leider!