Folge von Corona
Es ist ja nicht mehr so aktuell, aber damals - eine Zeit nach den aktuellen Infektionen - haben viele über Folgen geklagt, die oft von Ärzten nicht ernst genommen wurden.
Durch Zufall habe ich jetzt von einer Erkrankung erfahren, die häufig nach Infektionen - besonders nach Corona - auftritt: ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom). Vor allem steht hier eine chronische Erschöpfung und und Schwäche im Vordergrunde, aber auch noch eine Reihe anderer Symptome. Wichtig zu wissen ist, dass Fitnessübungen oder Physiotherapie nicht helfen, also nichts aufbauen, sondern im Gegenteil den Zustand noch verschlimmern.
Leider kennen viele Ärzte diese Erkrankung nicht und können sie so auch nicht diagnostizieren und versuchen allenfalls Therapien, die ebenfalls alles nur noch schlimmer machen.
Die Erkrankung ist z.Z. mit nichts heilbar. Helfen, wenn auch wenig, kann nur "Pacing", die Organisation des Energiemanagements des Lebensalltages, die schwere Handlungen (nach subjektiver Einschätzung) ausschließt.
Ich habe selbst jemanden in meinem Bekanntenkreis, die das seit ihrer Corona Infektion hat. Ist ganz ganz schwierig, aber sie geht da wirklich bewundernswert mit um. Ist noch eine junge Frau. In späteren Stadien steigt wohl auch der Wunsch, sich selbst zu töten. Weil viele es einfach nicht mehr aushalten können, sagt sie.
Zwei andere Bekannte hatten das vor Jahren nach zeckenbissen bekommen. Das Schlimme damals war, nicht ernstgenommen zu werden. Zumindest ist es seit den vielen Fällen nach Coronainfektionen etwas mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt und die Symptome werden inzwischen ernster genommen.
Ich meine mich zu erinnern, dass da oft auch noch Schmerzen zukämen.
Als ob diese zunehmende Erschöpfung und schwäche noch nicht schlimm genug wären
"oft auch noch Schmerzen"
Ja, das ist eine außerordentlich "bunte" Krankheit mit Beteilung so ziemlich aller Körperfunktionen, den intellektuellen Fähigkeiten (Vergesslichkeit, Verständnis von Situationen) und seelischen Empfindungen (vor allem Depressionen).
Wobei ich denke, dass vieles an Depression durch die zunehmende Erschöpfung und die zunehmende Unfähigkeit seinen Alltag zu bewältigen, ausgelöst wird.
Man kann nicht nur körperlich nicht mehr, irgendwann packt man es auch psychisch nicht mehr, auch diese Kraft versagt irgendwann.
Freunde treffen, soziale Kontakte pflegen, wird ebenso weniger wie die Fähigkeit, seinen hobbies nachzugehen. Zumindest, wenn es etwas mehr Aufwand braucht. Beides Dinge, die der Psyche gut tun.
Es gibt kaum eine andere Krankheit, die derart umfassend in das ganze Leben eingreift. Dabei sind gerade Freunde und soziale Kontakte so wichtig.
Ich frage mich, was Leute machen, die keine Angehörigen haben, diesich um sie kümmern.
Es gibt ein paar Menschen, die würden dir, was die wichtigkeit von sozialen Kontakten angeht, deutlich widersprechen. 😉
Allerdings meistens, weil das für sie angstbesetzt ist. Oft auch, weil sie anders denken, fühlen und handeln und sich unsicher in ihren Verhaltensweisen in Gemeinschaft mit nondivergenten Personen fühlen.
"nach zeckenbissen"
Ja, es gibt viele Auslösesituationen für diese Krankheit, Infektionen sind nur besonders typisch. Aber es können auch alle möglichen Überforderungen auslösend wirken. Das Gemeinsame dürfte wohl sein, dass durch welche Einflüsse auch immer, der Körper mit all seinen Funktionen überlastet wurde. Vielleicht wurden dann alle Energiereserven aufgebraucht und es gab kein "Material" für einen Wiederaufbau.
Früher gab es ja Gemeindeschwestern, die hilfreich waren. Hab ich schon Jahrzehnte nicht mehr gesehen.
In zwei Wochen treffe ich bei unserem Männer-Kochen unseren Pfarrer. Da werde ich ihn mal fragen, was die Gemeinde tut oder tun kann, wenn es Menschen mit solch einer Krankheit oder einer anderen gibt.
Gute Idee 👍
Und vielleicht könnt ihr ja auch zusammen was überlegen. Es scheint dir ja auf dem Herzen zu liegen und dem sollte man dann auch nachgehen.
In den 70ern hab ich als Kind auch noch eine aktive Gemeindeschwester in unserem Dorf erlebt.
Aber waren das nicht immer Diakonissen? Denen fehlt auch der Nachwuchs für die Fülle der Aufgaben.
Früher hat die Nachbarschaft auch noch mehr geholfen. Zumindest kurzfristig. Da gab es aber auch weniger Zerstreuung nach Feierabend, selten arbeiteten beide Eltern, Kinder wurden seltener herumkutschiert, man hatte mehr Zeit.
"genug Krankheit in der Vergangenheit"
Allerdings. Aber vermutlich haben einige - zumindest 3 kurz hintereinander erfolgte schwere Operationen - im Sinne von Energiecrash mit dazu beigetragen.
@jack-black
Kannste wohl sagen. Fast alle Alltagstätigkeiten sind nicht mehr möglich. Die 14 Stufen in den Keller gehen und vor allem wieder rauf ist wie eine Bergbesteigung. Wenn ich dann wieder oben bin, ist nicht nur die Energie, sondern auch der Sauerstoff verbraucht und ich muss schnell an den Schlauch der Sauerstoffmaschine.
Aber das ist ja nicht nur ein Problem für mich, sondern vor allem für meine Frau, die jetzt alles übernehmen muss, vor allem, mich 1- 2 mal am Tage irgendwo hinfahren. Das ist für sie eine fast genauso schwerwiegende Einschränkung wie für mich.
Aber meinen Humor habe ich trotzdem nicht verloren und immer noch Freude am Leben.
Corona hat die Nervenbahnen teilweise ganz schön durcheinander gebracht. Das Bekannteste waren ja Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Wobei ich bei mir festgestellt hatte, dass ich das Glycerin in der Seife zwar riechen konnte, aber die ätherischen Öle darin waren kaum wahrnehmbar.
Eine andere Bekannte sprach davon, dass sie es plötzlich nicht mehr aushielt mit etwas leichteren Schuhen über Metallgitter oder Kopfsteinpflaster zu gehen. Eine enorme Überempfindlichkeit.
Als ob da plötzlich vieles falsch verdrahtet war. Und ihr Arzt meinte, dass das zu der Zeit wohl einige ähnlich erlebt hätten.
Und bei einigen hat der reset dann wohl das System gecrasht. Soll nicht flapsig klingen, ich versuche bloß eine( für mich) nachvollziehbare Analogie zu formulieren
"Falsch verdrahtet' trifft es ganz gut."
Verdrahtet würde ich das nicht nennen. Das erinnert zu sehr an Fehlfunktionen des Gehirns. Das ist es aber hier nicht. Die ME... hat zwar auch Auswirkungen auf das Gehirn, ist aber wesentlich eine Ganzkörpererkrankung, bei der auch immunologische Besonderheiten und das Herz-Kreislauf-System eine Rolle spielen.