Kurzgeschichte - Der alte Mann
Ich habe eine Kurzgeschichte verfasst und würde gerne eure Meinung dazu hören.
Es ist ein langer und steiler Weg der vor dem alten Mann liegt. Sein Zelt und all die Menschen welche ihn sein Leben lang begleitet haben liegen hinter ihm im Lager. Vor ihm windet sich der Weg den Hang hinauf, zum Gipfel von wo er endlich das sehen kann worauf er ein Leben lang gewartet hat. Er ist nun eine schon eine Weile unterwegs, er hat es abgelehnt, dass ihn jemand begleitet, es ist sein Weg, den er mit keinem aus dem Lager teilen will. Die Stimmen und Geräusche aus dem Lager sind nicht mehr zu hören. Nur noch die Wildnis um ihn herum. Er hat keine Verpflegung mitgenommen und bereut dies nun, langsam wird er durstig und hungrig. Als er diesen Gedanken realisiert muss der alte Mann schmunzeln, er schmunzelt, weil dieser Gedanken ihn im Frust und Freude, aber auch etwas Traurigkeit auslöst. Der alte Mann vermisst seinen Freund, den einzigen Freund mit dem er diesen Weg gehen würde, wenn er denn hier wäre. Er weiss, dass er wohl irgendwo oben auf dem Gipfel auf ihn wartet. So viel hat er ihm gesagt. Dennoch dieser Weg wäre so viel einfacher mit ihm. Das Lager ist im Talgrund und als sich der alte Mann am frühen Morgen auf den Weg gemacht hat, verbarg sich die Sonne noch hinter den Hügeln. Nun steht sie schon eine Handbreit über den hügeligen Horizont, und seine Füsse tragen den alten Mann immer weiter, wie sie es schon sein ganzes Leben lang gemacht haben, sie kannten nichts anderes als immer weiter.
Der Weg macht eine scharfe Biegung und offenbart einen jungen Mann der auf einem Stein sitzt; «Hallo Mein Freund.» sagt dieser. War vorhin nur ein leichtes Schmunzeln auf dem Gesicht des alten Mannes zu sehen, breitet sich nun ein freudiges Strahlen über sein Gesicht aus. «Hallo.» platzt es förmlich aus dem alten Mann heraus, mehr ein erstaunter Ausruf als eine Begrüssung. «Ich dachte ich sehe dich erst auf dem Gipfel.» - «Du bist hungrig und durstig, also bin ich dir entgegengekommen und hab dir was zum Essen und zum Trinken mitgebracht» der junge Mann deutet auf den Platz neben ihm und der alte Mann setzt sich. Der junge Mann bringt frisches Brot und kühles Wasser zum Trinken hervor, und beide geniessen eine kleine Pause. «Wirst du den Rest des Weges mit mir gehen?» - «Ja.» antwortet der junge Mann, «Ich möchte dich auf diesem Weg begleiten.» - «Das letzte Mal als wir gesprochen haben, hast du mir gesagt, dass du mir noch einiges zeigen willst.» hackt der alte Mann nach. «Ja, dass auch.» der junge Mann pausiert und schaut dem alten Mann in die Augen. «Du sollst sehen wie ich mein Versprechen einhalte.» Beide genehmigen sich noch einen letzten Bissen Brot und einen Schluck Wasser und machen sich auf, den Rest zum Gipfel in Angriff zu nehmen. Der Weg ist gleich etwas leichter, der Tag etwas Heller und die Natur um ihn herum noch etwas Lebendiger und der alte Mann strahlt förmlich, nur weil sein Freund nun bei ihm ist.
Der junge Mann könnte der Enkel des alten sein, doch wer die Beiden bei ihrem Gespräch betrachtet könnte meinen die Rollen seien Vertauscht, und der junge sei der Vater des alten. Was einem Beobachter aber schnell klar werden würde, das sind zwei Freunde deren Freundschaft innig und intim ist. Zwei Freund die schon viel miteinander erlebt haben. Und wer das Gesagte hören würde, der würde einem Gespräch zuhören in dem es um Politik, um Vergangenes und Zukünftiges, um Gott und die Welt aber vor allem immer wieder um Herzensangelegenheiten gehen, um die Dinge welche man normalerweise nicht ausspricht aber jeden beschäftigen. Es ist die Art von Konversation die einem in der Seel gut tut. Wie ein warmer Sommerregen nach einem langen heissen Tag, vor dem man nicht davonrennt, sondern stehenbleibt und das Gesicht zum Himmel richtet um die Tropfen auf dem Gesicht zu spüren.
Genauso fühlt sich der alte Mann, gesund und wohl, zuhause und am Ziel seines Lebens angekommen. Je näher die beiden dem Gipfel kommen desto öfter hält der junge an und Zeigt dem alten etwas in der Ferne. Und jedes Mal, wenn der Junge dies macht, fällt dem Alten ein weiterer Stein vom Herzen. Schliesslich kommen beide auf dem Gipfel an. Hier setzen sie sich auf einen Stein, wieder bringt der Junge frisches kühles Wasser und frisches Brot zum Essen hervor und wieder geniessen beide diese gemeinsame Pause.
Hier auf dem Gipfel sieht der alte Mann nun endlich, dass worauf er so lange gewartet hat. Die Weitsicht an diesem Tag ist unglaublich, der alte kann sich nicht erinnern je in seinem Leben so einen klaren Himmel gesehen zu haben. Im Westen liegt das Land von dem der Junge die ganze Zeit gesprochen hat. Der junge Mann erklärt dem Alten was alles in diesem Land geschehen wird, und welche Pläne er hat und was er schlussendlich tun muss um diese Pläne Wirklichkeit werden zu lassen. Der Alte hört dem Jungen gespannt zu und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Der Alte wünschte sich er könnte all das noch miterleben, aber er ist schon sehr alt und all die Pläne des Jungen liegen in einer Zukunft die er nicht mehr erleben wird. Als ob der Junge die Gedanken des Alten gehört hätte. «Du wirst diese Zukunft sehen!» der Junge zeigt mit seinem Finger in den Norden «Wenn du genauso schaust, siehst du dort ganz im Norden einen Berg. Siehst du ihn?» der Alte kann weit weg den Umriss eines Berges ausmachen und nickt «Eines Tages werde ich mit Freunden auf eben diesen Berg dort steigen, an dem Tag wirst du auf dem Gipfel dort auf mich warten.» Der alte Mann schaut den Jungen verwirrt an. Der Junge lacht, und zwinkert dem Alten zu «Du wirst schon sehen.» Für einige Zeit bleiben die beiden Sitzen, es geht ein leichter Wind und der Ort hier im Schatten einiger Bäume ist ideal die Mittagshitze zu überstehen. Der Junge hat offensichtlich auch noch Früchte etwas Fleisch und Wein mitgebracht die sie hier zusammen geniessen.
Die Sonne ist schon weitergewandert und die Schatten sind schon deutlich länger geworden. Da wenden sich der Junge zum Alten «Es ist an der Zeit.» Wortlos steht der Alte auf und beide machen sich auf den Weg. Ihr Weg führt sie auf wieder ins Tal aber nicht zurück woher sie kamen. Diesmal gehen sie Wortlos nebeneinander her. Aber dieses Stille nebeneinander hergehen ist für den Alten genauso wohltuend wie das lange Gespräch welches er und der Junge beim Aufstieg geführt haben.
Schliesslich kommen die beiden an einen Ort den nichts Aussergewöhnliches auszeichnet. «Wir sind da.» Sagt der Junge. «Hier?» - «Ja.» Der alte Mann schaut sich um. Gedanken die er nicht denken will schiessen ihm durch den Kopf. Wie schon zuvor, als ob der Junge die Gedanken des Alten lesen kann, sagt dieser. «Ich werde mich erinnern. Dieser Ort wird mir wichtig sein.» Der junge Mann setzt sich unter einen Baum, «Komm.» der Alte setzt sich neben ihn. «Komm» der junge Mann streckt seine Arme aus, der alte Mann zögert ein wenig, aber dann legt er seinen Kopf auf die Brust des Jungen und lässt sich in seine Arme fallen. Schliesslich küsst der Junge den Alten und dieser Stirbt. «Danke mein Freund.» Flüstert der Junge dem Alten ins Ohr, und legt den leblosen Körper des Alten behutsam hin. Er holt die Schaufel die er sich bereitgelegt hat und beginnt ein Grab für seinen Freund auszuheben. Er ist einige Zeit damit beschäftigt, aber schliesslich ist das Grab bereit, und der Junge Mann legt den Alten in das Grab. Er schüttet das Grab so zu das keiner auf die Idee kommen würde, dass hier jemand begraben ist. Als der junge Mann fertig ist mit seiner Arbeit, macht er sich auf, zurück zu seinem Vater.
5.Mose 34,1-6
Meine Meinung: Erst einmal gut, dass Du keine KI zur Hilfe genommen hast. 🙂 Darüber hinaus zurück gefragt: Mit welchem Teil der Geschichte bist Du am zufriedensten, an welchen Stellen fragst Du Dich am stärksten ob, bzw. wie man sie besser hätte gestalten können?
Wer ist Dein Zielpublikum und warum meinst Du, dass sich dieses Zielpublikum für die Geschichte begeistern könnte?
Mit welchem Teil der Geschichte bist Du am zufriedensten, an welchen Stellen fragst Du Dich am stärksten ob, bzw. wie man sie besser hätte gestalten können?
Mir Persönlich gefällt der Schuss am besten da ich dort die Emotion die mich bewegt hat die Geschichte zu schreiben am klarsten durchkommt, gleichzeitig frage ich mich, ob ich diese auch wirklich herübergebracht habe. Die Emotionen, die mich bewegt haben, sind Innigkeit, Geborgenheit und Hoffnung.
Wer ist Dein Zielpublikum und warum meinst Du, dass sich dieses Zielpublikum für die Geschichte begeistern könnte?
Mein Zielpublikum ist der Bibelleser der einfach über solche Verse hinweg liest, oder einfach nur die theologische Komponente solcher Verse betrachtet, sich aber nie die Zeit nimmt mal das Kopfkino anzuwerfen und sich auszumalen wie das den nun vonstattengegangen sein könnte. Aber es hat auch eine theologische Aussage darin die Hoffentlich für Christen im Verlauf des Textes offensichtlich wird.
PS: Ich geniesse es selber zu schreiben, und irgendwie habe ich das Gefühl, das es noch wichtig wird solche Fähigkeiten zu kultivieren.
Mir Persönlich gefällt der Schuss am besten da ich dort die Emotion die mich bewegt hat die Geschichte zu schreiben am klarsten durchkommt, gleichzeitig frage ich mich, ob ich diese auch wirklich herübergebracht habe. Die Emotionen, die mich bewegt haben, sind Innigkeit, Geborgenheit und Hoffnung.
Für mich auf jeden Fall.
Eine Erinnerung stand sofort auf: "Du hast einen Freund!" flüsterte damals der Heilige Geist, als ich über eine Herausforderung nachdachte. Dieser Freund geht in deiner Geschichte mit und genau diese Atmosphäre entfaltete sich.
"Du hast einen Freund!" pure Aussage..... ohne Bedingung war der Zuspruch. Eindrücklich und ermutigend.
Veröffentlicht von: @arcangelMein Zielpublikum ist der Bibelleser der einfach über solche Verse hinweg liest, oder einfach nur die theologische Komponente solcher Verse betrachtet, sich aber nie die Zeit nimmt mal das Kopfkino anzuwerfen und sich auszumalen wie das den nun vonstattengegangen sein könnte.
Aber es hat auch eine theologische Aussage darin die Hoffentlich für Christen im Verlauf des Textes offensichtlich wird.
Mich persönlich sprechen solche Geschichten mehr an als einige dieser Wortglaubereien, die gerade an anderen Stellen geführt werden.
Ich versuche mal, im Gegensatz zu anderen hier, den Text unter meinem üblichen literatur-kritischen Blick zu betrachten, da Du ihn ja nicht in "Bibelstellen" oder "Mit Gott erlebt" etc. veröffentlicht hast, sondern hier im Kunst&Kultur-Unterforum.
Generell habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn jemand sich eine Stelle aus der Weltliteratur nimmt und die "ausarbeitet". Das berühmteste Beispiel für sowas ist ja Thomas Mann mit seinem Roman "Joseph und seine Brüder", den ich zufälligerweise in diesen Wochen (ich nehme mir Zeit dabei... 😉 ) als Hörbuch mit reintue. Bei dem bin ich hochbegeistert und habe eine Wahnsinnsfreude daran, mitzuerleben, wie da eine ziemlich lahme Geschichte zu einem tiefsinnigen, psychologische Feinheiten auslotenden und sprachlich funkelnden Kunstwerk umgestaltet wird. Als ich nun Deine Geschichte las, kam mir ein Gedanke hinsichtlich meiner eigenen Freude an Thomas Manns Roman: Würde ich den genau so gut finden, wenn ich vorher nicht schon die darin nacherzählte Geschichte gekannt hätte? Da werde ich gerade etwas unsicher...
Denn: Obwohl ich beim Lesen Deiner Geschichte eine Ahnung hatte, wohin die Reise ging, und dass der "junge Mann" darin irgendwie sowas wie Jesus/ein Engel/Gott sein solle, brachte mich erst die genaue "Quellenangabe" am Ende drauf, um was es da ging: nicht um eine Geschichte, die Du Dir ausgedacht hast, sondern um eine Nacherzählung, Ausgestaltung einer längst vorhandenen Geschichte. Und also eher um so etwas wie eine Interpretation als um einen Plot. Hätte ich Deinen Text anders gelesen, wenn ich von Anfang an gewußt hätte, worüber mich ein Blick auf sein Ende schnell in Kenntnis gesetzt hätte?
Mir Persönlich gefällt der Schuss am besten da ich dort die Emotion die mich bewegt hat die Geschichte zu schreiben am klarsten durchkommt, gleichzeitig frage ich mich, ob ich diese auch wirklich herübergebracht habe.
Ich kann ja nur von mir reden: mir kommt der Text so vor, als würde er nur auf diese eine - hhmm - Pointe hin zusteuern. Und zwar - Achtung, nun kommt der "Handwerker" in mir zum Vorschein, der sehr streng kritisiert, wenn's um die Ausführung geht! - ziemlich blindlings und ohne sich um psychologische Plausibilitäten zu kümmern. Das Problem ist hier, dass Du versuchst, irgendwie Spannung aufzubauen, als wenn der Leser rätseln solle, um wen es sich bei dem jungen Mann dreht.
Du schreibst da z.B:
Der junge Mann könnte der Enkel des alten sein, doch wer die Beiden bei ihrem Gespräch betrachtet könnte meinen die Rollen seien Vertauscht, und der junge sei der Vater des alten.
Könnte?! Was ist das für eine Perspektive? Die eines auktorialen Erzählers kann es nicht sein, denn der weiß ja, über wen er da erzählt. Die des Bibelkenners auch nicht. Denn auch der weiß ja, um was es geht. Also wird hier ein Geheimnis angedeutet, dass keins ist. Die Leser können also höchstens rätseln: meint der Autor es so, wie ich es hier vermute?
Man könnte ein Geheimnis draus machen, man könnte die Geschichte (vielleicht) so erzählen, dass nicht zu schnell zu klar wäre, worauf's hinausläuft. Aber dazu müsstest Du Dir als Autor ganz klare Beschränkungen auferlegen hinsichtlich der Erzählperspektive: es müsste allein aus der Sicht des alten Mannes (Moses) erzählt werden. Und das müsste in jedem einzelnen Satz, jedem Detail durchgehalten werden.
Spannend (für Leser, die herausfinden möchten, was da eigentlich gerade passiert) würde es übrigens erst dann, wenn der Alte Mann selbst in gewisser Weise unwissend durch die Geschichte ginge. Dafür ist aber das Setting unpassend. Denn Moses "kennt" Gott ja, weiß, auch ausweislich Deines Textes, wer der junge Mann ist, schließlich sind sie miteinander "befreundet"... Da passiert eigentlich nix Unvorhergesehenes. Insbesondere ist Gott nicht das, was er eigentlich ist, bzw. in einer spannenden, packenden Geschichte wäre - das Andere, der Andere, das Unbegreifliche, Erschütternde, Überwältigende...
Am Schluss wird dann den letzten begriffsstutzigen Lesern mit
Als der junge Mann fertig ist mit seiner Arbeit, macht er sich auf, zurück zu seinem Vater.
überdeutlich gemacht, dass der "junge Mann" in der Geschichte Jesus sein soll. Davon lesen wir im Pentateuch nix, das ist also Deine Interpretation dessen, wie Moses Gott erfahren haben könnte. Und das ist eigentlich ein interessanter Gedanke: In welcher Form könnte Gott sich dem Moses des Alten Testaments gezeigt haben, damit nicht Furcht oder unverständliches Staunen, sondern Vertrauen und Befriedung als Gefühl in jenem herrschen konnten: war da die Menschenform nicht womöglich die einzig praktisch mögliche?! (Nebenbemerkung: so, wie ja "höhere Wesen" in Erzählungen auffällig oft sich zu einem menschenähnlichen Aussehen herablassen, man denke an die Ausserirdischen, denen Jodie Foster in "Contact" begegnet und die dafür das Aussehen ihres verstorbenen Vaters einnehmen. Oder an die KI, die am Ende der Matrix-Trilogie mit einem Baby-Face zu Neo redet. Oder all die menschengesichtigen Götter, die wir aus unzähligen religiösen Zusammenhängen kennen. Aus der Perspektive hoch überlegener Intelligenter Wesen ergibt es vermutlich Sinn, sich rein optisch auf menschliches Niveau herabzulassen, um den Menschen überhaupt Kommunikation mit ihnen zu ermöglichen. So ähnlich, wie sich Erwachsene, wenn sie "vernünftig" mit Kindern reden möchten, auch am besten in die Knie gehen sollten, um einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen oder doch zu suggerieren.)
Aber obwohl das ein interessanter Gedanke ist - er taugt m.A.n. nicht als tragfähige Grundlage einer Geschichte wie der hier.
Die keine wirkliche Geschichte ist, weil der Protagonist in ihr keine Entwicklung durchmacht, vor keinerlei Herausforderungen gestellt wird usw.. Es handelt sich hier um eine etwas länger ausformulierte Behauptung, die sich so zusammenfassen lässt: Moses wurde am Ende seines Lebens Christ, er starb ähnlich in den Armen Jesu, wie Winnetou in den Armen von Old Shatterhand starb: voll angekommen im "richtigen" Glauben an den Heiland, in der "richtigen Perspektive" auf Gott. Bei Karl May fand ich das schon als jugendlicher Leser unglaublich kitschig, umso kitschiger, als Winnetou, so mich meine Erinnerung nicht trügt, auch mit seinem letzten Atemzug immer noch "Scharlih" statt "Charlie" flüstern musste. Tränendrüsendrückerei hasste ich damals schon...
Hier, in Deiner Geschichte, predigst Du mit dieser "Interpretation" der Originalszene. Eine echte Emotion kommt bei mir zumindest nicht rüber, ich kann nicht "nachfühlen", was der alte Mann fühlt, sondern nur ungefähr intellektuell nachvollziehen, was Du, der Autor, als Message rüberbringen willst: Jesus ist Gott und Gott ist Jesus und das war schon immer so und deswegen hat Moses schon Gott als Jesus kennengelernt*. Aber damit werde ich ja nicht von der Geschichte gepackt, sondern fühle mich lediglich als jemand, der belehrt werden soll; kurz und hart formuliert: bepredigt.
Ich hab länger drüber nachgedacht, wie eine "bessere" Version dieser Geschichte aussehen könnte. Und bin zu dem Schluß gekommen, dass zwar der eine oder andere erzähltechnische Schnitzer da ausgebessert werden könnte, dass aber insgesamt diese kleine Begebenheit einfach keine gute Geschichte abgibt: Weil eine Emotion, ebenso wie eine Pointe allein, schlicht noch keine Geschichte ergeben kann. Wenn wir uns die Geschichte von Gott und Moses anschauen, wie sie in der Bibel erzählt wird, so entwickelt die sich. Die beiden (bzw. mindestens Moses) erleben da nicht nur etwas - sie agieren auch. Da gibt es Herausforderungen, die gemanagt werden müssen: raus aus der Sklaverei, raus aus dem dem Einflussbereich des Pharaoh, ab durch die Wüste bis in's "gelobte Land..." Es passiert etwas. Ob die zwei tatsächlich Freunde sind, darüber lässt sich streiten (ich würde es eher bestreiten) - aber immerhin gibt es da ein spezielles persönliches Verhältnis, das sich erzählen, statt nur behaupten lässt.
Die Freundschaft, die zwischen dem alten und dem jungen Mann in Deinem Text "thematisiert" wird, bleibt reine Behauptung, sie passiert nicht. Falls da etwas Interessantes, die Beziehung Prägendes, passierte, passierte es vorher. Alles, was in diesem Text statt findet, ist das Ende. Das Ende von etwas, dass der "normale" Leser nicht kennt, worüber er nix weiß, das ihn nichts angeht und das ihn daher auch nicht sonderlich berühren kann.
Nun ist allerdings der "normale" Leser nicht Dein Zielpublikum, sondern Du benennst es ja klar:
Mein Zielpublikum ist der Bibelleser
Soweit, so okay. Da könnte man dann also meine eben erhobenen Einwände vom Tisch fegen: Leute, die nicht eh schon den Bibeltext und somit die Story der Beziehung zwischen Gott und Moses kennen, sind auch nicht adressiert.
Allerdings präzisierst Du ja noch:
(...) der einfach über solche Verse hinweg liest, oder einfach nur die theologische Komponente solcher Verse betrachtet, sich aber nie die Zeit nimmt mal das Kopfkino anzuwerfen und sich auszumalen wie das den nun vonstattengegangen sein könnte.
Und mit dieser Präzisierung gehst Du eine Selbstverpflichtung ein, nämlich die des "sehenden Schreibens". Du übernimmst hier sozusagen die Aufgabe für die Leser, das Kopfkino anzuwerfen, sich also drauf einzulassen, die Szene so, wie sie sich hätte abspielen können, vorzustellen. Wenn das der Anspruch ist, dann gehört zu dem als allererstes, auf der einen Seite steteotype Redewendungen wegzulassen und andererseits nach größtmöglichem Realismus zu streben. Da gebe ich mal zwei beliebige Beispiele aus Deinem Text, wie Du diesem Anspruch nicht genügst.
Stereotype Redewendung:
Der Weg macht eine scharfe Biegung und offenbart einen jungen Mann der auf einem Stein sitzt; «Hallo Mein Freund.» sagt dieser.
Wege machen keine Biegungen und offenbaren nichts. Wir als Leser sehen hier nichts an Details, wir bekommen einen rein inhaltlichen Situationsbericht. Weder wissen wir, ob der Weg empor führt oder hinab, wir wissen nicht, ob der junge Mann vorher durch Objekte wie Büsche, eine Felswand oder einen Baumstamm verborgen wurde, oder ob nur der Wanderer bis eben, der Wegführung gemäß, schlicht in eine andere Richtung schaute. Was kann man hinter dem jungen Mann sehen? Einen Berghang? Eine Schlucht? Ein Werbeplakat? Die von der immer noch im Aufgehen begriffenen Sonne rosagold gefärbten Cirruswölkchen eines wenig Niederschlag verheißenden Tages? Schaut der junge Mann in Richtung des Wanderers, oder sitzt er mit dem Rücken zu ihm? Das würde einen großen Unterschied ausmachen hinsichtlich seiner Begrüßung: Erkennt er den Wanderer, weil er ihn sieht, oder weiß er, auch ohne hinschauen zu müssen, dass es sich um seinen Freund handelt?
Fehlender Realismus:
Er hat keine Verpflegung mitgenommen und bereut dies nun, langsam wird er durstig und hungrig.
Ein alter Mann, der schon viel erlebt hat, sich also auskennt in der Welt, und der sich auf einen Weg macht, dessen Länge er aufgrund seiner Lebenserfahrung abschätzen können müsste, läuft ohne Verpflegung los? Und bereut dies schon, als die Sonne mal gerade "eine Hand breit über dem Horizont" steht, was bedeutet, dass der Vormittag noch nicht wirklich vorangeschritten ist? Ist er dement? Ein Depp? Entweder, er hat keine Verpflegung mitgenommen, weil er sich sicher war, dass sein ominöser Freund ihm schon entgegenkommen und was zu Futtern mitbringen werde - dann braucht er das Versäumnis, sich selbst keine Verpflegung mitgenommen zu haben, nicht bereuen. Oder aber er rannte schnurstracks ins Verderben. Übrigens würde sich lange vor dem Hunger der Durst bemerkbar machen, wie jeder Wanderer, der mal ohne Verpflegung ein bisserl durch die Wüste marschierte, weiß.
Diese beiden Beispiele habe ich mir jetzt herausgegriffen, ich könnte noch etliche weitere nennen, aber es geht mir hier um's Prinzip des Kopfkinos, d.h. das sehenden Erzählens/Schreibens. Wer sehend schreibt, kümmert sich nicht drum, wo die Geschichte am Ende hin soll. Er wartet nicht oder freut sich gar auf die Pointe, auf das, worauf die Sache zulaufen soll. Er ist kein Kind am Heiligabend-Nachmittag, das endlich, endlich, endlich die Geschenke auspacken möchte. Sondern er schaut sich um: was passiert da gerade, wie passiert er es? Wie genau passiert es? Er bleibt mit dem Erzählen ganz im Augenblick und ohne Absicht.
Bei Deinem Text hingegen kommt es mir so vor, als würdest Du eigentlich nur zu dem Ende kommen wollen, zu jener Auflösung des Rätsels, wo dann Jesus zu seinem Vater zurück geht - zu Deiner Message. Bis zu ihr hin wirkt der ganze Text ein wenig - nun ja, lieblos und unaufmerksam. Obwohl der alte Mann Moses die Hauptfigur der Geschichte ist, spielt er keine eigene Rolle, sondern dient nur als Demonstrationsobjekt. Ihm geschieht, was passiert. Er handelt nicht, sondern wird von Gott/Jesus informiert, belehrt, behandelt. Wie ein kleines, unmündiges Kind darf er nur fragen und bekommt dann Antworten, die er nur halb versteht, so, wie er was zu Essen und zu Trinken hingestellt bekommt. Und dann stirbt er und wird begraben.
Er tut nix, oder nur Dummes - wie das Loslatschen ohne Trinkflasche.
Du erzählst nicht von dem alten Mann. Du erzählst von Gott und wie Du Dir den vorstellst (als Jesus). Das hat meiner Ansicht nach mit "Kopfkino" nicht viel zu tun und ist nicht im herkömmlichen Sinn eine Geschichte.
Ich bin ja beruflich Maler/Illustrator. Als solcher meine ich: das, was Du hier "rüberbringen" möchtest, eine bestimmte Emotion, würde vermutlich mit einem guten Bild deutlicher und angemessener transportiert, als mit einer (Film-) Geschichte . Ohne dass ich jetzt die geringste Vorstellung davon hätte, wie so ein Bild aussehen müsste. 😉
*Was impliziert, dass Moses von den Juden von damals bis heute nie richtig gesehen wurde. Aber ich vermute, diese Implikation war Dir beim Schreiben der Geschichte nicht so weit vorn bewußt.
Vielen Dank für dein ausführliches Feedback es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand die Zeit nimmt und so ausführlich kommentiert. Ich werde meine Geschichte mit dem im Kopf nochmals durchgehen.
@jack-black Ich hab damals in Deutsch nicht so ganz aufgepasst, aber soweit ich mich entsinnen kann, ist eine Kurzgeschichte kein Roman. Von daher denke ich, dass es einfach eine Szenenbeschreibung ist.
Und ich hab nicht gespickt, aber mir kam schon bei den ersten Sätzen die Ahnung, dass es um Mose auf seinem letzten Weg gehen könnte.
(Ich müsste den Text nochmal so genau lesen wie Du es wohl getan hast - bei einigen Punkten dachte ich auch, dass man es etwas anders schreiben könnte, aber atmosphärisch fand ich die Szenenbeschreibung nicht schlecht. Wie schon erwähnt - es gab einem in dürren Worten beschriebenen biblischen Geschehen ein menschliches Gesicht.)
@chai Ich hab damals in Deutsch nicht so ganz aufgepasst,
Mit sowas prahlt man nicht! 🧐
(...) aber soweit ich mich entsinnen kann, ist eine Kurzgeschichte kein Roman.
Ergibt Sinn. Vermutlich daher stammen die zwei unterschiedlichen Bezeichnungen... 😀
Von daher denke ich, dass es einfach eine Szenenbeschreibung ist.
Meinst Du mit "es" den Text von Arcangel? Oder sind wir immer noch bei der Einordnung der Bezeichnung "Kurzgeschichte"?
Falls letzteres: nach meinem Verständnis nach ist eine Kurzgeschichte etwas anderes als eine Szenenbeschreibung. Ob man allgemein unter einer "Szenenbeschreibung" überhaupt, analog zur Kurzgeschichte, etwas versteht, das als Literaturwerk durchgeht, weiß ich nicht, es erscheint mir aber fraglich. Szenenbeschreibungen kenne ich aus Drehbüchern, oder als Bestandteileteile von Theaterstücken oder von (Kritiker-) Berichten über Filme, Theaterstücke oder Literaturwerke.
Falls ersteres: In Arcangels Text ist ja schon sowas wie Handlung enthalten. Da wäre dann, wenn man ein der Szenenbeschreibung ähnlich nüchternes Wort suchen würde, vielleicht: "Handlungsbeschreibung" oder "Bericht" angemessen. Nur dass, wie wir beide, wenn wir besser im Deutschunterricht aufgepasst hätten, wüssten, man klassischerweise bei Berichten nur nüchterne, um Objektivität bemühte Beschreibung erwartet. Während in Arcangels Text ja zumindest teilweise eindeutig die subjektive Perspektive von Moses dominiert.
Ganz ehrlich: ich vermag den Text nicht sauber einer bestimmten Literaturgattung zuzuordnen - weswegen ich ihn halt nur "Text" nenne. 😀
Meinem Verständnis des Begriffs "Kurzgeschichte" entsprechend, sollte in dieser etwas Besonderes, im Sinne von: Unvorhergesehenes, geschehen, dass den Protagonisten (nur in seltenen Fällen gibt's da mehr als nur einen von der Sorte) irgendwie verändert. Er kommt anders aus der Geschichte hervor, als er hinein geriet, irgendetwas in oder an ihm wird durch das besondere Ereignis infrage gestellt. Er verändert sich.
Das passiert in Arcangels Text nicht. Na klar: am Ende ist Moses tot - und das ist gemessen daran, dass er am Anfang noch lebte, schon irgendwie eine Veränderung. 😀 Aber nun ja: sterben müssen wir alle mal, da ist nix Besonderes dran. Die Veränderung des Protagonisten, wie ich sie von einer Kurzgeschichte erwarte, ist dann doch etwas anderes, Bedeutsameres, als nur die Einstellung des Stoffwechsels.
Würde ich nach einer Episode aus Moses Leben (wie es in der Bibel erzählt wird) suchen, aus der sich eine Kurzgeschichte stricken ließe, so würde sich mir die Sache mit dem brennenden Busch aufdrängen, aus dem jemand zu sprechen beginnt. Das wäre eine besondere, unvorhergesehene Begebenheit, die plötzlich in den Alltag des Protagonisten einbricht und ihn zwingt, darauf zu reagieren. Die Art und Weise, wie er auf sie reagiert, kann dann dem Leser/Zuschauer etwas darüber zeigen, was für ein Mensch dieser Moses ist.
So funktionieren meinem Verständnis nach Kurzgeschichten. Im Gegensatz zu Romanen brauchen sie kein "befriedigendes Ende", an dem keine Fragen mehr offen bleiben. Sie können (und sollten) ihre Protagonisten in deren weiteres Leben entlassen, das ebenso offen ist wie zu Anfang. Nur auf eine andere Art und Weise.
Hier allerdings ist eine solche Offenheit nicht gegeben: Moses ist tot, Weiteres wird ihm nicht mehr begegnen, ganz im Gegenteil: Wie wir aus der Bibel "wissen", wird Gott ihn sogar an unbekannter Stelle begraben, es werden also nicht mal irgendwelche Fans an sein Grab reisen und dort Blumen ablegen können wie z.B. auf dem von Jim Morrison. Weniger "offen" kann eine Geschichte für ihren Protagonisten gar nicht enden.
(...) es gab einem in dürren Worten beschriebenen biblischen Geschehen ein menschliches Gesicht.
Das ist doch ein schönes Lob! 🙂
Ganz ehrlich: ich vermag den Text nicht sauber einer bestimmten Literaturgattung zuzuordnen - weswegen ich ihn halt nur "Text" nenne.
Epilog?
Die Geschichte von Mose ist vor bei, die Zweifel, die Wendungen, die Spannungsbögen, die Offenbarungen alles vorbei. Nur noch Mose und sein Freund.
@arcangel Im Rahmen eines Romans wäre das tatsächlich die passendste Bezeichnung.
Veröffentlicht von: @jack-black@chai Ich hab damals in Deutsch nicht so ganz aufgepasst,
Mit sowas prahlt man nicht! 🧐
Irgendwann musste es ja mal raus 😏
(...) aber soweit ich mich entsinnen kann, ist eine Kurzgeschichte kein Roman.
Ergibt Sinn. Vermutlich daher stammen die zwei unterschiedlichen Bezeichnungen... 😀
Vermutlich 😀
Von daher denke ich, dass es einfach eine Szenenbeschreibung ist.
Meinst Du mit "es" den Text von Arcangel? Oder sind wir immer noch bei der Einordnung der Bezeichnung "Kurzgeschichte"?
Siehste, hätte ich besser aufgepasst, wüsste ich auch die richtige Bezeichnung.
Ich meinte den Text von Arcangel.
Nur dass, wie wir beide, wenn wir besser im Deutschunterricht aufgepasst hätten, ...
Was, Du auch???
Ganz ehrlich: ich vermag den Text nicht sauber einer bestimmten Literaturgattung zuzuordnen - weswegen ich ihn halt nur "Text" nenne. 😀
Ok, von mir aus auch einfach Text.
Meinem Verständnis des Begriffs "Kurzgeschichte" entsprechend, sollte in dieser etwas Besonderes, im Sinne von: Unvorhergesehenes, geschehen, dass den Protagonisten (nur in seltenen Fällen gibt's da mehr als nur einen von der Sorte) irgendwie verändert. Er kommt anders aus der Geschichte hervor, als er hinein geriet, irgendetwas in oder an ihm wird durch das besondere Ereignis infrage gestellt. Er verändert sich.
Das passiert in Arcangels Text nicht. Na klar: am Ende ist Moses tot - und das ist gemessen daran, dass er am Anfang noch lebte, schon irgendwie eine Veränderung. 😀 Aber nun ja: sterben müssen wir alle mal, da ist nix Besonderes dran. Die Veränderung des Protagonisten, wie ich sie von einer Kurzgeschichte erwarte, ist dann doch etwas anderes, Bedeutsameres, als nur die Einstellung des Stoffwechsels.
Ich denke, die Veränderung geschieht in Mose.
Es ist ihm beim Losgehen schon klar, dass das sein letzter Weg sein wird. Deshalb nimmt er kein Proviant mit.
Und doch merkt er irgendwann, dass es halt doch besser wäre, was zum Essen und Trinken dabeizuhaben.
Auch wenn der Kopf weiß, dass dies sein letzter Weg ist, wird ihm auf diesem Weg mulmig - ganz menschlich halt.
Und in diese Situation hinein geschieht die Begegnung mit dem jungen (jung aussehenden?) Mann, der sich als fürsorglich für den erweist, der sein Leben lang Verantwortung getragen hat. Durch diese spürbare Fürsorge und durch die Gespräche, die vermutlich weit in die Zukunft gehen, wird ihm vieles klarer und er kann dann - ganz am Ende - recht getrost loslassen.
Wie wir aus der Bibel "wissen", wird Gott ihn sogar an unbekannter Stelle begraben, ...
Auch das ist geschehen.
... es werden also nicht mal irgendwelche Fans an sein Grab reisen und dort Blumen ablegen können wie z.B. auf dem von Jim Morrison.
Israel zog dann ja auch weiter.
(...) es gab einem in dürren Worten beschriebenen biblischen Geschehen ein menschliches Gesicht.
Das ist doch ein schönes Lob! 🙂
Sollte es auch sein.
Würde ich nach einer Episode aus Moses Leben (wie es in der Bibel erzählt wird) suchen, aus der sich eine Kurzgeschichte stricken ließe, so würde sich mir die Sache mit dem brennenden Busch aufdrängen, aus dem jemand zu sprechen beginnt. Das wäre eine besondere, unvorhergesehene Begebenheit, die plötzlich in den Alltag des Protagonisten einbricht und ihn zwingt, darauf zu reagieren.
Vielleicht bietet sich ja genau dieser Bezug auch für die vorliegende Geschichte an.
Mit dem brennenden Dornbusch beginnt die Geschichte, also der Dienst Moses für Gott. Und seitdem kannte er praktisch nichts Anderes.
Hier endet das nun, sein Dienst wird nicht mehr benötigt. Denn eine weitere Aufgabe bekommt er ja in dieser Geschichte nicht mehr zugeteilt.
Aber er wird eben auch nicht einfach entlassen: "So, hier haste dein Kündigungsschreiben, jetzt kannste in Ruhe sterben...", Nein, er wird begleitet, Fragen werden beantwortet, Dinge geklärt, es ist Zeit für Gespräche, die es vorher, als er noch seine Aufgabe hatte, nicht geben konnte. Hatte Moses seine ganze Zeit zuvor für den Dienst an Gott geopfert ist es jetzt Gott, der sich Zeit für ihn nimmt.
Da könnte man doch was draus machen... irgendwie noch einen Busch einbauen, der aber nicht brennt (Und ohne dass der Bezug zu offensichtlich wird).
Die Einstiegsstimmung erinnert mich an Jonathan Cahn, Der Lehrer und sein Schüler
Der Höhenweg.... an Hannah Hurnard: Er wird mich über die Höhen führen (Frauen ansprechend)
Aufgebaut wie ein Roman über Propheten, wie bei Hermann Koch, so könnte es gewesen sein.
Jesus, sein Freund... bei ihm bis an das Ende seiner persönlichen Welt für Moses. Eine Beziehung, die hält und hält, was sie verspricht. Das Wiedersehen in der Ewigkeit.
scm hat das Andachtsbuch https://www.scm-shop.de/der-lehrer-und-sein-schueler.html mit Leseprobe
Ich lese aus dieser Geschichte heraus, wie Du deinen Glauben und Glaubensweg (hier-jetzt, zurückblickend und nach vorne schauend) reflektierst und empfindest ... gut so.
Das Literarkritische, Sprachliche und Darstellende ist mir - als Leser - dabei nicht wichtig.
Weiterdenkend weckt die Kurzgeschichte in mir die Frage, ob im Gespräch des Alten mit dem Jungen auch ein Austausch darüber stattfand, ob und wie ER andere auf ihren Wegen, Bergumkreisungen und Bergbesteigungsversuchen wahrgenommen hat ... und ihnen auch "entgegenkommend" oder sie mit dem Blick der Liebe und Annahme zugetan war/ist???
Danke jedenfalls für diese Kurzgeschichte, mit der Du dich selbst (so denke ich) hier transparent machst.
L'Chaim
In meiner ersten Version hatte ich noch dritte involviert Verabschiedung Stabübergabe und deren Weg. Ich hab mich dann aber entschieden mich alleine auf den Alten und seinen Freund zu fokussieren. Und rein gefühlsmässig ist das besser so.
Schliesslich küsst der Junge den Alten und dieser Stirbt. «Danke mein Freund.» Flüstert der Junge dem Alten ins Ohr, und legt den leblosen Körper des Alten behutsam hin.
Irgendwie stört mich der Umstand das sich der Junge erst nach dem Tod bedankt. Deshalb drehe ich die Reihenfolge um.
«Danke mein Freund.», flüstert der Junge dem Alten zu, ein Ausdruck der Erleichterung und Freude huscht über das Gesicht des Alten. Der Junge küsst den Alten, und dann ist der Alte Tod. Behutsam legt der Junge den alten hin.
Ich habe dabei C.S.Lewis Worte aus "Weight of Glory" im Ohr. "Vom Schöpfer des Universums gekannt und gewürdigt zu sein" Paraphrasiert.
Ich will hier nicht mit Jack konkurrieren, der solche Texte vermutlich weit besser interpretieren und kritisieren kann als ich... da mich aber ein Bekannter, der gerne Geschichten schreibt, auch immer mal wieder um meine Meinung bittet fühle ich mich hier auch berufen, das ganze mal etwas laienhaft zu kommentieren...
Zunächst: Selbst ohne etwas vom Inhalt zu wissen war mir die Geschichte von Anfang an klar. Der alte Mann, der Berg, ein "Freund"... was erwartet wohl einen "alten Mann", warum gibt er sich mit einem "jungen Freund" ab, warum wird der "junge Freund" nicht weiter beschrieben? Hat der keine Geschichte zu erzählen, was er auf dem Berg zu suchen hat...?
Nein, der ist einfach da... und er bietet Nahrung und Erkenntnis. Das lässt nicht mehr viel Raum für Vermutungen, worum es geht.
Lediglich der letzte Satz "Er geht zu seinem Vater" lässt einen kurz innehalten... und dann mit einem "Ach so..." die Sache beenden.
Was ich, ähnlich wie Jack, hier vermisse ist ein Spannungsbogen. Es ist keine Geschichte, sondern das Ende einer Geschichte, in dem der Leser nur noch erfährt, wie die Sache ausgeht... aber die Höhepunkte liegen irgendwo in der Vergangenheit.
Was hätte ich nun spannender gefunden?
Das Szenario selbst ist ja gar nicht schlecht. Die Situation ist gut beschrieben, die Metaphern passen und sind stimmungsvoll. Da lässt sich was draus machen.
Was mir irgendwie fehlt ist das menschliche... die Zweifel, die Unsicherheit. Da ist ein "alter Mann", der Zeit seines Lebens ein Führer war. Einer, der immer genau wusste, was zu tun war. Nicht aus eigener Entscheidung... sondern weil da immer jemand war, der ihm sagte, was er als nächstes zu tun hat. Und das tat er dann auch.
Und jetzt ist er am Ende seines Weges. Nie hatte er einen Zweifel, dass das, was er tat auch das Richtige war. Aber jetzt ist das vorbei. Was würde jetzt passieren? Wird er sich rechtfertigen müssen? Hat er wirklich immer das Richtige getan? War er gut genug?
Jetzt, so ganz ohne sein Volk, das er viele Jahre geführt hat, ist er plötzlich ganz allein. Er fühlt sich regelrecht nackt. Jetzt ist da nur noch der Alte selbst... und "ER". Eine völlig neue Situation.
Denn bisher galt alles Streben nur dem "Volk". Dafür hat er sich aufgerieben, dafür hat er gelebt. Nie an sich selbst gedacht, immer nur den Willen von jemand Anderem ausgeführt.
Und jetzt? Jetzt ist er allein, auf seinem letzten Weg. Was würde ihn erwarten, jetzt, wo er keine Aufgabe mehr hat? Jetzt, wo er all die Fragen stellen kann, für die er zuvor nie Zeit hatte? Was waren das überhaupt für Fragen? Etliches hat er schon wieder vergessen...
Aber als er dann seinen "Freund" trifft, da ist alles anders... und er ist beruhigt. Und er bekommt Antworten.
Das wäre so in etwa die Richtung, in die ich hier gehen würde... nur so als Vorschlag.
Danke für dein Feedback,
Was ich, ähnlich wie Jack, hier vermisse ist ein Spannungsbogen.
Ja das ist auch etwas, mit dem ich nicht zufrieden bin. Mein Gedanke ist, das Mose ja nicht das erste Mal auf einen Berg geht, um Gott zu begegnen. In all diesen Bergbesteigungen wartete Gott auf dem Gipfel auf ihn wo er dann all die Instruktionen für das Volk bekommen hat. Aber dies ist eine andere Reise, es geht nicht mehr um Gesetzgebung und Leiterschaft es ist sein persönlicher letzter Weg deshalb begleitet ihn Gott diesmal. Aber wie setze ich dies, um ohne gleich von Beginn weg die Identität preis zu geben? Mose hat ja eine Geschichte hinter sich, welche in den meisten in groben Zügen bekannt ist. Dies ist der Epilog dieser Geschichte.
Was würde jetzt passieren? Wird er sich rechtfertigen müssen? Hat er wirklich immer das Richtige getan? War er gut genug?
Ja den Gedanken habe ich auch bewegt. Deshalb habe ich auch das Ende etwas angepasst, wo sich Jesus bei Moses bedankt und dadurch Erleichterung und Freude in Mose auslöst, diese Szene hat noch Luft nach oben.