Mittelalter-Markt
...vielleicht denkst Du anders und das ist okay....aber ich finde die Thematik des Mittelalter und die Möglichkeiten sich auf
einem Mittelaltermarkt mit dem Thema zu beschäftigen und in diese Zeit und Welt einzutauchen ist eine Form der Kunst.
Deshalb wollte ich fragen, ob hier jemand ist, der auch dieser Kunst frönt. Hast Du vielleicht Freude Dich darüber auszutauschen?
Herzliche Grüße und Gott segne Euch!
Nach meiner Erfahrung gibt es Mittelaltermärkte – und Mittelaltermärkte.
Die einen schwelgen gern in der Historie, frönen alten Handwerkskünsten und Kräftekämpfen,
lauschen der Musik von Laute und Dudelsack und genießen dazu deftige Kost aus Eisentöpfen oder von Grillspießen – begleitet von einem Becher Met.
Die anderen vermischen das Ganze mit Fantasy-Elementen, feiern unter dem Deckmantel des Mittelalters pseudo-spirituelle Rituale mit heidnischem oder esoterischem Hintergrund, inszenieren Endzeitästhetik oder greifen teils zu Elementen, die dem Okkultismus entlehnt sind.
Mit dem ersten habe ich Sympathien – das zweite meide ich bewusst und konsequent.
Die anderen vermischen das Ganze mit Fantasy-Elementen, feiern unter dem Deckmantel des Mittelalters pseudo-spirituelle Rituale mit heidnischem oder esoterischem Hintergrund, inszenieren Endzeitästhetik oder greifen teils zu Elementen, die dem Okkultismus entlehnt sind.
Das ist alles zu finden, wenn es aber ausdrücklich als "Fantasy" deklariert ist, dann wird es auch nicht ernst genommen, sondern dient nur der Ausgestaltung.
Aber die Übergänge sind da fließend, das stimmt. "Echte" Mittelaltermärkte gibt es praktisch nicht, das wäre wohl auch für die meisten Leute uninteressant. Aber es gibt zumindest Märkte, die über Historie informieren und altes Handwerk vorstellen und das Ganze schon etwas ernst nehmen.
Meistens ist es aber wohl eine Mischung aus allem...
Die anderen vermischen das Ganze mit Fantasy-Elementen, feiern unter dem Deckmantel des Mittelalters pseudo-spirituelle Rituale mit heidnischem oder esoterischem Hintergrund,
Fantasy-Elemente findest Du in jedem Mittelalter-Markt, weil ein 'echter' einfach nur langweilig wäre: Wer will denn bitte schön dort Hühner oder Kleinvieh aus keinesfalls tierschutzgerechter Haltung kaufen und sich von irgendeinem Pfuscher die Warzen behandeln lassen? 😀
Diese Märkte sind ein Spiel mit den ahistorischen Erwartungen der Besucher. Mit ganz viel Glück werden Handwerkstechniken gezeigt, die dann aber meist auch eher (frühe) Neuzeit denn Mittelalter sind.
Spirituelles und Heidnisches dagegen war dem Mittelalter nie fremd. Ich brauche das nicht, aber vermutlich passt es besser zum Mittelalter-Markt als das Pseudo-Mittelhochdeutsch.
@mrorleander Und spätestens beim Essen hört der Spaß am Spectaculum auf.
Solche Märkte sind mal nett (in einer der umliegenden Gemeinden finden regelmäßig derartige Veranstaltungen statt), und auch reichlich teuer, aber - nun ja - Spectaculum halt.
Man reist ein bissel in vergangene Zeiten und ist froh, wenn man nach dem Wochenende wieder auf ein normales Klo und unter die Dusche kann.
@bahari88 Bei einem Mittelaltermarkt bei der Turmhügelburg Lütjenburg vor vielen Jahren spielte ich mal mit dem Gedanken, dort mitzumachen. Die haben eine Kapelle und es fehlte definitiv eine Verkäuferin für Kerzen, Weihrauch, Heiligenbildchen, Reliquien und andere Devotionalien.
Den ersten Mittelaltermarkt habe ich Anfang der 80ger besucht, damals noch sehr ambitioniert und mehr auf Vorführung und Authenzitität beruhend, als auf Kommerz. In der Zwischenzeit sind die meisten Mittelatermärkte zu Verkaufsveranstaltungen in mittelalterlicher Verkleidung verkommen und ich habe kein Interesse mehr daran.
...Anfang der 80ger besucht, damals noch sehr ambitioniert und mehr auf Vorführung und Authenzitität beruhend, als auf Kommerz. In der Zwischenzeit sind die meisten Mittelatermärkte zu Verkaufsveranstaltungen in mittelalterlicher Verkleidung verkommen...
Sehe ich genauso.
Mittelaltermärkte sind inzwischen zu einem (mehr oder weniger) florierenden Geschäftsmodell verkommen, Authentizität scheint da meistens eher hinderlich zu sein.
Dass einige dieser Märkte aber trotzdem gut gemacht sind und informativ sein können spricht nicht dagegen, scheint mir aber eher die Ausnahme zu sein.
@chai Ich finde, sie sind kommerzialisiert. Leute machen in erster Linie Geld damit. In den 90gern erinner ich mich noch an einen Besenmacher, der sein Handwerk zeigte oder einen Wachstockgießer. Es gab Bettler oder Mönche und Priester, die auf der Straße predigten, Bader, die "Zähne zogen". Auf einem Plöner Mittelaltermarkt zog eine Prozession mit Selbstgeißelung zur Verhinderung der Pest über den Markt.
Gut, er kostete Eintritt für das schauspielerische Talent der Gruppen.
Aber heute? Bratwurst, Kettenanhänger, "Gewandungsstände" mit Chemiegefärbter Kleidung aus Kunstfasern, überteuerte "Zaubertränke" in bauchigen Glasflaschen, bestenfalls ein Korbflechter - das ist einfach nur albern und hat auch nichts mehr mit Mittelalter zu tun.
@murphyline es gibt auf jeden Fall eine Flut an "Verkaufsangeboten" und doch trotzdem hat die ganze Atmosphäre, auf den richtigen Märkten doch etwas für sich. Und man kann wirklich interessante Handwerke sehen und Teileise auch erleben wie z.B. Schuhe entstehen, wie Stoffe gefärbt werden oder ähnliches. Und oftmals findet es ja auch in der Nähe oder Gegend von Burgen und Schlössern und man kann diese besichtigen.
Mit der Zeit hat sich vieles verändert und doch kann eine Reise auf einen Mittelaltermarkt auch viele besondere Momente innehaben.
Aber letztendlich ist es wohl mit jeder Form von Kunst oder Hobby, es gibt Sympathien oder auch nicht und das ist doch auch gut so! Wir sind alle verschieden.
@bahari88 Die Mittelalter-Einführungsvorlesung von Prof. Dr. Stuart Jenks könnte Dich da vielleicht interessieren. Ich bin vor ein paar Tagen auf sie gestoßen und finde sie bisher (inzwischen bei Teil 4 angelangt) höchst informativ und spannend.
Sie ist kostenfrei auf YT zu sehen, ich verlinke mal auf den ersten Teil: Klick mich!
p.s.: Man merkt, dass sie schon vor einiger Zeit gehalten wurde, vermutlich als die Griechenland-Krise gerade unsere Schlagzeilen beherrschte... Aber naja - soooo viel sollte sich seither nicht am Mittelalter geändert haben. 😀
@jack-black hei lustig, die höre ich gerade auch! 🙂 Bin allerdings erst bei Teil 2.
@bahari88 Ich war einmal auf einem, den fand ich aber recht langweilig.. Er war mir irgendwie zu unauthentisch. Gibt mit Sicherheit aber auch tolle Mittelalter - Märkte. Einen auf einem alten Schloss, einer Burg oder an einem Waldrand z.B. fände ich großartig!
Einen auf einem alten Schloss, einer Burg oder an einem Waldrand z.B. fände ich großartig!
Was jetzt aber auch nicht gerade authentisch wäre. 😀
@derelch Das nicht 😆 Aber es wäre zumindest noch etwas atmosphärischer, als die Location, wo ich war 😉 🤣
Also ich besuche seit etwa 20 Jahren regelmäßig solche Märkte, vor allem natürlich das MPS, welches als Leitspruch ehrlicherweise aber auch "nicht authentisch, aber phantastisch" führt, aber auch kleinere Märkte oder Wikingerfeste. Früher noch in Öjendorf, wo man wirklich Mühe hatte, alle Angebote an einem Wochenende zu schaffen. Trotzdem hatte es damals mehr Flair, weil mehr Tanz, Konzerte, Theater usw. geboten wurde. Die Marktstände besuchte man nur dazwischen. Heute ist es andersrum. Nur noch wenig Tanz, Konzerte (kostet heute oft auch extra) und Theater, dafür umso mehr Kommerz. Schade.
Ich finde aber den Versuch der Menschen im Zeltlager immer so rührend, zu einer vermeintlich besseren Lebensform zurückzufinden. Und die Leute sind in der Regel alle sehr nett und entspannt auf solchen Veranstaltungen. Sind ja auch immer viele Metal-Fans dabei, die Hippies der Gegenwart. Darum gehe ich da immer noch gern mit der Familie hin.
Bewundernswert finde ich auch die Recken in voller Ritterrüstung oder kunstreichster Ork-Montur bei arg hochsommerlichen Temperaturen. Wer einen Hauch vom echten Mittelalter erleben will, der möge ihnen dann abends beim Ablegen der schweren Hüllen behilflich sein...
😆
Und sonst ist es halt ein schöner Zirkus, der einen Moment die Welt da draußen vergessen läßt. Mehr erwarte ich auch nicht mehr.
