Pädagogen für Erwachsene mit Behinderung(?)
Ich erlebe seit ich aus der Förderschule raus bin, nur noch Betreuung im pädagogischen Sinne und bin eigentlich nur noch genervt davon.
Ich habe eine Körperbehindung, mit der bestimmte Sachen einfach nicht möglich sind bzw. schlicht zu anstrengend. Da hilft auch nicht jahrelanges "anleiten" oder "wir machen es zusammen". Wenn ich trotzdem die Hälfte mit-machen muss, bin ich trotzdem erschöpft danach. OK, zusammen ist schon entlastender, aber nicht viel, finde ich, weil ich dabei trotzdem genauso lange stehen oder gehen muss. Wenn ich das gesagt habe, kam nur "dafür sind wir nicht zuständig, da muss wieder eine anderen Dienstleistung dazugeholt werden."
Jetzt habe ich Pflegegrad 1 und bekomme sogesehen keine Betreuung mehr, sondern Pflege. (Ich blick eh nicht durch die ganzen verschiedenen Zuständigkeiten durch. ...) Das ist komplett was Anderes! Die entlasten mich wirklich, da ist kein "och, nicht zustänidig, och nur zusammen", und das macht so viel aus!
Ich verstehe nicht, warum Erwachsene mit Behinderung pädagogische Betreuung bekommen oder brauchen sollen. Gut, bei geistig Behinderten sehe ich noch ... irgendwo einen Sinn, aber rein körperlich Behinderte ... Was soll das? Ich kann nur für mich sprechen; ich war in der Förderschule, jetzt als Erwachsenen brauche und möchte ich keine Erziehung mehr!
Vielleicht habt ihr eine Idee, warum man denkt, wir geistig fitten Behinderten hätten das nötig?
Ich lebe in einer Behinderteneinrichtung. Und wir haben ein Bezugsbetreuersystem. 17 Jahre begleitete mich ein Behindertenpädagoge. Der Schwerpunkt lag auf Begleitung. Urlaubsbegleitung, Freizeitassistenz. Unterstützung bei amtlichen Papierkram, Feedbackgespräche bzgl persönlicher Ziele. Ich schätze diese Begleitung wirklich sehr. Inzwischen ist er in Rente und ich habe nun eine DGKP-Pflegerin, von mir selbst aus dem Pflegeteam gewählt.
Ich bin körperbehindert und habe mitunter depressive Phasen.
Die offizielle Bezeichnung von "geistig Behinderten" nennt man bei uns in Österreich "intellektuell Beeinträchtigte". Ob diese Bezeichnung korrekter ist? Der Bedarf an Hilfeleistung wird mMn sowieso hinterherhinken. Wir müssen aufhören, Behinderungsformen in Schubladen zu stecken.
Ich habe Pflegestufe 3 (seit 23 Jahren), bräuchte eigentlich inzwischen die 5 - von 7 möglichen. Aber keine Chance, weil hier eh Personal rund um die Uhr da ist., Dass der Hilfsbedarf bei allen mehr wird und Zugleich Personal eingespart, macht die Situation sehr angespannt und unzufrieden auf beiden Seiten. Oft darf für bestimmte Pflegetätigkeiten nur bestimmte Zeit gebraucht werden.
Ich wünsche dir positive Erfahrungen
@mmieks Erlebst du deine Betreuung als ausreichend auf deine Bedürfnisse bzw. Bedarfe ausgerichtet?
@samira-jessica ehrlich gesagt: Für die Grundbedürfnisse ist gesorgt. Aber Leben besteht halt mehr als aus Pflege. Ich hatte nie geglaubt, einmal feststellen zu müssen; Früher war vieles besser. Vor allem individuelle Bedürfnisse haben lange Wartezeiten - oder fallen aus der Angebotspalette.
Und bestimmte Sachen will ich nicht an ehrenamtliche MA delegieren. Mir hilft jedoch ein gut vernetzter Freundeskreis, wichtiges zu kompensieren.
Ohne Anspruch auf Richtigkeit: Ich könnte mir das von dem pädagogischen Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ herleiten. In der Betreuung würde es dann um „Selbstermächtigung“ und „Empowerment“ gehen, in der Pflege würde man hingegen nicht davon ausgehen, solche „Ressourcen“ noch wecken zu können.
In solche Grundsätze, Konzepte und Methoden fließen die individuellen Erfahrungen der betroffenen Menschen kaum ein, das ist oft ein Problem. Die Fachkraft handelt dann u.U. standardisiert ohne daran zu denken, dass der Mensch, der vor ihr sitzt wahrscheinlich sehr gut einschätzen kann, was geht und was nicht - und viel über sich und die eigenen Möglichkeiten/Grenzen weiß. Manchmal fehlt auch schlicht die Zeit, sich wirklich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen um individuelle Hilfe zu ermöglichen.
Das als eine mögliche Erklärung.