"Zufällige" Begegnungen
Manchmal erlebt man Merkwürdiges. Ich sitze mit meiner Frau in der Kaffee-Ecke des Supermarktes, da kommt ein alter, gebeugter Mann an uns vorbei und will offenbar an den nächsten Tisch. Im Vorbeigehen sagt er guten Morgen und wir erwidern das. Er sitzt mir gegenüber und nimmt mit Mimik und Gestik Kontakt zu mir auf. Zum Reden ist die Distanz zu groß.
Das konnte aber aufgenommen werden, als wir aufgestanden sind, um das Kaffee zu verlassen. Wir kamen an ihm vorbei und bei dieser Gelegenheit habe ich ihm bestätigt, dass es doch schön ist, wenn man einen Platz hat, zu dem man immer kommen kann. Daraus entwickelte sich ein sehr kurzes aber intensives Gespräch.
"Leben, du umarmendes, reiches, warmes gesegnetes Wort." (Carl Gustav Verner von Heidenstam; Zitat in "Zeichen am Weg" von Dag Hammarskjöld) Nie zuvor habe ich dieses von Hammarskjöld aufgenommene Zitat so gut verstanden wie in den letzten Jahren. Und Begegnung wie oben beschrieben, bestätigen mich immer wieder.
Meine letzte 'zufällige' Begegnung war vor ein paar Tagen in der Deko-Ecke vom Drogeriemarkt.
Da kaufte ein Mann elektrische Kerzen, wir kamen ins Plaudern; ich erfuhr, dass sie für seine demente Mama sind, damit sie ein bissel Freude in ihr Dasein kriegt. Tja, und dann entstand ein Gespräch über alte Eltern - nichts Besonderes, aber es verbindet.
Sehr viele 'zufällige' Begegnungen entstanden schon in Wartezimmern oder -fluren von Arztpraxen oder Krankenhäusern; da hat freut sich fast jedes über ein Gespräch.
Manchmal ist's ja auch von Vorteil, wenn man den Gesprächspartner nicht näher kennt und auch nicht wieder trifft.
So geht es mir manchmal bei den seltenen Eisenbahnfahrten und relativ häufig auch beim Einkaufen, vor allem wenn ich einer Schlange vor einer Theke oder an der Kasse stehe. Dabei habe ich dann oft den Eindruck, dass der Mensch vor mir nur wenig Möglichkeiten zum Gespräch hat und irgendwie einsam ist. Vor einiger Zeit sagte mir z.B. eine ältere Frau, dass zwar zu Hause ihr Mann warte, der aber so dement ist, dass sie mit ihm kaum reden kann. Es sind auch tatsächlich überwiegend ältere Menschen, mit denen ich in solchen Kontakt komme und merkwürdigerweise Kinder und dann allerdings auch häufig mit den Müttern oder seltener Vätern.
@queequeg Ich hab vorhin noch eine Geschichte geschrieben, aber dann ist wohl das System abgestürzt ...
Ich stell mich beim Einkaufen ja immer an der Schlange vor der besetzten Kasse an - die SB-Kassen mag ich einfach nicht. Und irgendwie gibt's ganz viele Menschen, die lieber an der Kasse 'mit Mensch' stehen und wenn da jemand was entsprechendes sagt, kommt man auch leicht ins Gespräch.
Oder wenn man mit Hund unterwegs ist - ging uns grad heut wieder so. Wir waren im Handwerkerladen und ratzfatz hat er Freundschaft mit einem LKW-Fahrer geschlossen. Hinterher fragt mich meine Tochter, warum uns ständig Lebebnsgeschichten erzählt werden. Tja, wahrscheinlich deshalb, weil wir nicht aufhören, zuzuhören ...