Born again DYLAN
Im Anschluss an das kurze Geplauder im "Personen-Rate"-Thread, biete ich dann doch hier eine Fortführung an.
Es geht um BOB DYLAN ... nicht nur, aber auch um seine "Born Again"-Phase 1979-82, seine damalige Hinwendung zum evangelikal geprägten christlichen Glauben und seine drei Alben "Slow Train Coming", "Saved" und Shot of Love".
Viele wissen um diese biografische und künstlerische Phase/Seite von Mr. Zimmerman garnicht ... vielleicht macht es ja neugierig bzw. ist Anlass, sich auf das Thema DYLAN mal einzulassen und ggf. sein künstlerisches Universum mal ein bisschen anzupieksen 😉
Hier drei Appetizer aus der oben genannten Phase - ich halte sie für absolut hörenswert, musikalisch und von der Botschaft her:
https://www.youtube.com/watch?v=1-CffhydlDo
https://www.youtube.com/watch?v=Up84Vd_jsz0
https://www.youtube.com/watch?v=h9FIGeIlFBo
Leider gibt es keine Pics dazu, aber alle drei Clips liefern die Texte - beim dritten Song spürt man in den letzten 1 1/2 Minuten (das Harmonika-Spiel, die gesteigerte Dynamik) wohl die Power und Leidenschaft, die Dylan da an- und vorantreibt ... und das war wirklich echt und herzergreifend.
Soviel mal (für's Erste?)
L'Chaim
Veröffentlicht von: @awhler… vielleicht macht es ja neugierig bzw. ist Anlass, sich auf das Thema DYLAN mal einzulassen […]
Als bekennender Liebhaber der klassischen Musik spricht mich Bob Dylan nicht wirklich an. Solltest Du mal Interesse haben die Stilrichtung zu wechseln, weißt Du jetzt mit wem Du über klassische Musik ausgiebig philosophieren kannst. 👋🏻😉
Ein interessantes Thema: Unsere biografischen Bezüge zur Musik bzw. zum Musik-Universum.
Nur soviel: Von Elternhaus und Schule habe ich nichts mitbekommen bzgl. Klassischer Musik - das war alles schulisch-verlangweilt 😉 und generationsmäßig ein Sprungbrett für Absatzbewegungen Richtung ROCK (in allen Schattierungen von Hard-, Blues- bis Progrock) oder verträumte us-amerikanische WESTCOAST-Seligkeiten (CSN, Jackson Browne, Joni Mitchell, James Taylor u.a.).
Erst spät habe ich dann den JAZZ entdeckt (weniger des traditionellen), sd. Jazz-Rock und die wunderbaren Sachen von ECM, ein Label, dessen Fan ich geblieben bin - z.B. Eberhard Weber sehr zugetan ... und darüber dann auch mittlerweile hier und da Klassik (ohne groß ein Kenner zu sein) ... z.B. Shostakovich, Takemitsi, Rautavaara
Zeitgenössisch bin ich angefixt durch einen Freund (Musikpädagoge & Schlagwerker) von Steve Reich, Phlipp Glass und John Cage (in dessen Wohnung in NY wir mal waren, in der Begegnung mit Merce Cunningham, seinem Lebenspartner, 2002 ... und Laura Kuhn, die Verwalterinn des JC-Trustes war mal Gast in "meiner" W'taler Kirche zu einer Begegnung und musikalischen Aufführung eines Cage-Stückes ... aber da bin ich schon mitten im Plaudern)
Soweit mal ... L'Chaim
@awhler https://www.youtube.com/watch?v=vWwgrjjIMXA&list=RDvWwgrjjIMXA&start_radio=1
oh Bob Dylan.......mein Lieblingslied nach wie vor Blowin in the wind....
Habe das Lied auch schon auf Straßen gesungen, da kannst du deinen ganzen Lebensfrust,
Enttäuschungen raus singen. Und noch handgemachte Musik, ohne KI .................
Leider kann ich seit meiner OP an der Halswirbelsäule keine Gitarre mehr spielen, aber noch
Mundharmonika, Bluesharp ..........
Aber das Lied ist hochaktuell..........
Bin mit dieser Musik als Altöko aufgewachsen, andere sind eher mit klassischer Musik aufgewachsen,
und heute höre ich auch mal gerne klassische Musik. Hund auch.....der mag eher die leisen Töne........
liebe Grüße,
"Blowin in the wind....
Habe das Lied auch schon auf Straßen gesungen"
Ach, du auch? Das war auch in meinem Repertoire in meiner Straßensängerzeit...
Veröffentlicht von: @frosch80Das war auch in meinem Repertoire in meiner Straßensängerzeit...
Interessant, wer sich hier alles so "auf der Straße rumgetrieben hat" 😉 ... Vielleicht hab ich ja zu im Vorbeigehen bzw. Stehenbleiben mal anerkennend was in den Hut oder das Körbchen geschmissen.
Selber Gitarre zu spielen, das war für mich beruflich immer wieder ein "Plus" ... mit den Konfis, im KiGa und KiGo, bei Familiengottesdiensten - und "Blowing in the Wind" war neben "Let it be" im KU bei den Jugendlichen sehr beliebt. Aber auf die Straßen & Plätze hab' ich es nie geschafft.
Das erinnert mich aber daran, dass ich bei meinen New York - Besuchen immer wieder mal gestaunt habe, welche Talente und guten Musiker hier und da (in der Subway oder an Straßenecken) ihr Bestes gegeben haben ... und wieviele Musiker in Vergangenheit & Gegenwart das Zeug (gehabt) hätten, ebenfalls berühmt zu werden - wie eben Dylan, der auch so klein und unbedeutend anfing ...
L'Chaim
@awhler Ich finde deshalb das ziemlich kurios, weil er damit ja der christliche Vorzeigemusiker schlechthin. Aber offenbar totgeschwiegen, gerade weil das nur eine Phase war. Die achtziger Jahre kamen erst noch und waren auch eine Hoch-zeit von christlich-konservativer, moralkeuleschwingender Literatur, (zumindest meinem Gefühl nach). Ich denke da an ein Buch zum Thema "Rockmusik - eine kritische Analyse" von 1988 - was ich hier zu stehen habe und auch irgendwann mal gelesen mit dem Fazit, daß man über manches darin heute maximal müde lächeln würde... es ist aber schon lange her, um jetzt Beispiele zu bringen, müsste ich mich wieder ausführlicher damit befassen...
Jedenfalls wurden in der Literatur nur christliche Erfolgsgeschichten zugelassen, was anderes gabs nicht und Punkt.
Bob Dylan, Jude, hat sich nie negativ zu seinem Glauben an Christus geäußert. Aber er
wurde ruhiger, wie auch ich nach den Anfangszeiten ruhiger wurde. Wenn du frisch verliebt bist,
bist du auch hin-und hergerissen.
Ich kann ihm glauben...das er ein Kind Gottes ist, und ich hoffe ihn, im Himmel wieder zu sehen.
Früher wurdest schon als charismatisch verschrien, wenn du beim Gottesdienst geklatscht hast.
Selbst glaube ich, das nicht alle Musik gut ist, darüber darf ich auch beten, Gott fragen.......
liebe Grüße,
Dylan hat seine "fromme Phase" in der Folgezeit, bis heute, nie verleugnet, sd. sie eher integriert. Es gibt da gläubige Basics, die auch heute immer noch bei ihm vorhanden sind ... "It's a part of me now / it's been cherished and saved", sagt und singt er darüber ("Es ist und bleibt ein Teil von mir, bewahrt und gehütet").
Missionarisch ist er nicht mehr unterwegs - Zitat von ihm: "Jesus hat auch nur 3 Jahre gepredigt!" 😉 ... Abstürze hat er in den 80ern auch gehabt ... Aber Fundamente des Glaubens schimmern bei ihm bis in die aktuellen Sachen immer wieder durch.
L'Chaim
Dylan war wohl ziemlich verletzt darüber, wie sehr man sich nach seiner Hinwendung zu Jesus und seinem Bekenntnis zu ihm, auf ihn gestürzt hatte. Danach ist er leiser geworden.
Zumindest hat es mal ein ERF Moderator vor einiger Zeit so ausgedrückt.
Abgewandt hat er sich nie und es finden sich auch heute immer wieder Hinweise. Wie du schon geschrieben hast.
Ich freue mich, dass er in Jesus den Maschiach gefunden hat.
Veröffentlicht von: @ga2Dylan war wohl ziemlich verletzt darüber, wie sehr man sich nach seiner Hinwendung zu Jesus und seinem Bekenntnis zu ihm, auf ihn gestürzt hatte.
Es gibt einen Song auf dem "SHOT OF LOVE"-Album (1981), der diese Verletztheit wiederspiegelt, "Property of Jesus" (Eigentum Jesu). Dylan singt hier bekennend, aber von außen in der 3. Person, über sich - und der Song zeigt als Gegenreaktion und stimmungsmäßig eine betrübte, aber auch zynische, trotzige und angriffige Haltung ... "You've got something better / you've got a heart of stone" (Du fühlst dich auf der sicheren Seite / aber in Wahrheit hast Du ein Herz aus Stein!"
Interessant finde ich, dass in dem Song Form und Inhalt gut zueinander passen, denn musikalisch ist es eine rohe, aggressive, ungeschliffene und vorantreibende Darbietung ... mMn großartig ... und jede Textzeile ist von Gewicht und mündet immer wieder in dem Bekenntnis, Eigentum Jesu zu sein.
https://www.youtube.com/watch?v=a0aTceGHeLc
L'Chaim
Also "totgeschwiegen" wurde seine evangelikale Phase nicht - im Gegenteil: Sie zog riesige Kreise, sorgte weltweit für ein "Dylan-Bashing", fand sehr viel Aufmerksamkeit ... danach und bis heute findet sie weiter Beachtung, allerdings milde, mit dem Abstand von Kritikern als eine "Phase" betrachtet (wie andere bei ihm auch), musikalisch und im Blick auf die us-amerkanische Musikgeschichte sogar gewürdigt, denn "Gospel" gehört zum "American Songbook" ja dazu wie RocknRoll, Blues, Soul, Country etc.
Vor ein paar Jahren kam sogar eine offizielle, großartige, würdigende CD- und Buchbox heraus "BOB DYLAN - TROUBLE NO MORE" mit 9 CDs und zwei tollen Text- und Fotobüchern in einem Schuber (volle Empfehlung von mir für Interessierte):
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Bootleg_Series_Vol._13:_Trouble_No_More_1979%E2%80%931981 (hier leider ein englischer Link, aber das www bietet ja mehr zur Recherche)
L'Chaim
Veröffentlicht von: @tatokala@awhler Ich finde deshalb das ziemlich kurios, weil er damit ja der christliche Vorzeigemusiker schlechthin.
Aber offenbar totgeschwiegen, gerade weil das nur eine Phase war.
Ich hatte da so eine Phase, wo ich viel Evangeliums-Rundfunk hörte.
Und da wurde Bob Dylan (und auch Cliff Richards) nicht totgeschwiegen.
Der eine war halt eher so zottelig und der andere eher Typ Schwiegermutter.
Die achtziger Jahre kamen erst noch und waren auch eine Hoch-zeit von christlich-konservativer, moralkeuleschwingender Literatur, (zumindest meinem Gefühl nach).
Ich denke da an ein Buch zum Thema "Rockmusik - eine kritische Analyse" von 1988 - was ich hier zu stehen habe und auch irgendwann mal gelesen mit dem Fazit, daß man über manches darin heute maximal müde lächeln würde... es ist aber schon lange her, um jetzt Beispiele zu bringen, müsste ich mich wieder ausführlicher damit befassen...
So ein Buch hatten wir auch - da wurde so ziemlich alles zerrupft, was wir gern hörten.
Klar, es gab Titel von den Stones und von AC/DC, die hatten 'böse Worte' im Titel - da war's klar, dass das nicht gut ist.
Unvergessen die heftige Kritik an den Eagles und ihrem Hit 'Hotel California', das wohl ganz schlimm war, wenn man die Platte (ja, damals gab's noch Schall-platten und Schall-platten-spieler) rückwärts abspielte. Wir kamen irgendwann zum Ergebnis, dass man schon ganz schön schräg drauf sein muss, wenn man Schallplatten rüückwärts abspielt und dann die Texte analysiert. Ändert nichts daran, dass der Titel für mich 'verbrannt' ist.
Ich hab das Buch dann auf die Seite gelegt, bevor ich erfahren habe, welche meiner damaligen Lieblinslieder noch irgendwie 'böse' sind.
Jedenfalls wurden in der Literatur nur christliche Erfolgsgeschichten zugelassen, was anderes gabs nicht und Punkt.
Du meinst, wenn jemand sich bekehrte, dass dann alles 'gut' wurde?
Und genau hier begann die fromme Szene, die zunächst Dylan's Bekehrung abgefeiert und ihn vereinnahmt hat, sich wieder von Dylan zu distanzieren ... und er selbst ebenfalls ggü. einer Frömmigkeits-Enge & einer Projektion auf ihn als Vorzeige-Missionar, von der er sich wieder befreien musste.
Weil eben nicht "alles gut" wurde ... eine nun folgende beiseitige Entfremdung, da er doch nicht in der evangelikalen Spur blieb, Abstürze hatte, sich Neuem zuwandte und sich nochmal zum "Jokerman" machte 😉
Ein super Stück, auf dem auch wieder Mark Knopfler (Dire Straits) in die Saiten griff
https://www.youtube.com/watch?v=1XSvsFgvWr0
L'Chaim
@chai Vielleicht habe ich auch nicht soviel Ahnung von Technik, aber ich habe mich immer gefragt, wie man das hinkriegt mit dem Rückwärtsabspielen ...? Brauch man da irgendwelche Ausrüstung? Mit meiner Stereoanlage konnte man keine kassetten rückwärts spielen...
Nun ja, im Studio ist das Rückwärts-Abspulen von Bändern ja kein Problem, vielleicht hat man das zu Hause auch mit umgedreht eingesetzten Tonband-Spulen machen können ... oder einfach auf dem Plattenteller mit der Hand an bestimmten Stellen gegen den Dreh.
Wie auch immer ist das Ganze wohl ein ziemlicher Humbug, der hier und da (Eagles, Led Zep, Beatles u.a.) verbreitet wurde ... ist wohl so, wie in die Wolken gucken und etwas sehen, was "genau so" aussieht.
Erinnert mich an diese Pink Floyd-Geschichte zu "Another Brick in the Wall", wo der Kinderchor - wenn man einmal drauf hingewiesen wurde - an einer Stelle "Hol` ihn, hol` ihn unter's Dach" singt - und dies mit dem vermeintlichen Erhängen des Tontechnikers auf dem Dachboden des Studios verknüpft wird (eine frei erfundene Geschichte, die aber schön gruselig ist ... und von da an, hörst Du den Kinderchor an einer Stelle GENAU DIES singen) 😉
Doch zurück zu Dylan ... Hier ein weiteres schönes, sehr intimes Stück aus seiner Born-Again-Phase, das er heute noch ab und zu singt - mit Bezug auf Matthäus 10,29:
https://www.youtube.com/watch?v=x9gC-L766Tc
L'Chaim
"jedes Körnchen Sand." Kriemhild
.......die deutsche Version, die ich selbst auch gut finde.
Ja im christlichen Bereich war es in manchen Gemeinden sehr eng.
Mir hat mal jemand gesagt, einen Hund zu haben sei Sünde, weil
man dann weniger Zeit für Gott hat.....
Da kann ich verstehen, das heute manche Menschen in keine
christliche Gemeinde mehr gehen.........
Aber vielleicht ist heute, was früher zu eng war, es zu offen, zu weit....
liebe Grüße,
Veröffentlicht von: @hundemann"jedes Körnchen Sand." Kriemhild
.......die deutsche Version, die ich selbst auch gut finde.
Die hat mir auch gut gefallen.
(Wobei ich unter dem Namen Kriemhild eher eine Sängerin erwartet hätte)
Ja im christlichen Bereich war es in manchen Gemeinden sehr eng.
Mir hat mal jemand gesagt, einen Hund zu haben sei Sünde, weil
man dann weniger Zeit für Gott hat.....
Ach du liebe Zeit ...
Da kann ich verstehen, das heute manche Menschen in keine
christliche Gemeinde mehr gehen.........
Egal, ob's um Hund oder Katz geht - in christlichen Gemeinden menschelt es manchmal auch gewaltig.
Und manchmal tritt man dann besser den Rückzug an.
Aber vielleicht ist heute, was früher zu eng war, es zu offen, zu weit....
Keine Ahnung. Ich komme aus der Enge und freu mich schon über Weite.