Amtseid als Christ und die Bergpredigt?
Schalömchen zusammen.
Wie denkt ihr über den Amtseid/-Schwur mit der Ergänzung "so wahr mir Gott helfe" in Verbindung mit der Bergpredigt "vom Schwören" (Mt 5, 33-37)?
Und wie seht ihr das Thema in Bezug auf die USA, wo zum Teil sogar auf die Bibel geschworen wird?
Schon mal Dank für Eure Antworten und eine gesegnete Zeit wünsche ich Euch,
Markus
@markus0916 Wie denkt ihr über den Amtseid/-Schwur mit der Ergänzung "so wahr mir Gott helfe"
Das sind so Floskeln, um den Leuten zu zeigen, zu welcher Gruppe man gehört. Wenn man mal genauer hindenkt, ergibt die Formel auch überhaupt keinen Sinn: So wahr? Was soll das heißen? Etwa: "Ich streng mich an, falls Gott mir dabei hilft!" ? Ja und was, wenn dann einer im Amt versagt? Wird das dann Gott in die Schuhe geschoben, der laut Eid doch gefälligst hätte helfen sollen? Oder wird hier behauptet, das, was man da schwöre, sei ebenso wahr wie der Umstand, dass Gott hilft? Und was, wenn Gott überhaupt nicht hilft, beispielsweise, weil der den Amtsinhaber für inkompetent hält und möchte, dass der möglichst schnell wieder sein Amt verliert?
Naja - Floskel halt... Was hältst Du übrigens davon, wenn die Leute beim Beten ihre Hände falten? Auch fragwürdig, weil's ursprünglich eine aus dem - Achtung, Kalauer! - Lehenswesen entlehnte Geste ist? Da schworen die Lehnsmänner ihren Lehnsherren Treue - die Geste gegenüber Gott wurde also einer Geste gegenüber Menschen abgeschaut...
Und wie seht ihr das Thema in Bezug auf die USA, wo zum Teil sogar auf die Bibel geschworen wird?
M.A.n. könnte man sich das ganze Geschwöre sparen. Aber wenn sich Gesellschaften für ihre Institutionen vereinbaren, dass da von Amtsträgern oder Angeklagten oder Zeugen vor Gericht spezielle Versprechen (die zu brechen dann häufig auch extra streng sanktioniert wird) abgelegt werden müssen, dann schaut man halt, wie man die in irgendeine Ritual-Form kleidet. Da weiss dann jeder: "Der Fritz hat die Hand auf die Bibel gelegt, als er beteuerte, nicht aus dem Marmeladenglas genascht zu haben. Falls sich herausstellt, dass doch er es war, der da mit dem Finger... Dann zack! Zehn Jahre Knast ohne Bewährung, weil unter Eid gelogen!"
Da geht's also nicht um die Bibel, sondern um die heilige Rechtsordnung! Dass die Bibel ein Heiliges Buch sei, ist ja gewissermaßen auch eine nachträgliche Festlegung mancher Christen - Jesus selbst kannte keine Bibel, auf die hätte geschworen werden können...
Jesus selbst kannte keine Bibel, auf die hätte geschworen werden können...
Er kannte hagia graphe, also heilige Schriften, alias »Gesetz, Propheten und Schriften«.
Ich finde die Frage auch sehr spannend, ich habe da auch meine Probleme mit, aber es geht eigentlich um die Aussage, dass man von vornherein die Wahrheit sagen soll.
Denn wenn ich es erst machen würde wenn ich es schwöre bei der Bibel oder den anderen in der Stelle der Bibel genannten Stellen, dann ist doch alles nichts wert.
Also sage die Wahrheit von vorneherein.
Würde ich schwören, wenn ich es vor Gericht müsste?
Nein ich würde es darauf ankommen lassen was dann wohl passiert.
Mein liebster Satz im Amtsdeutsch:
Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen,von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Erster Satz der Präambel des GG.
Jedes Mal ein Hochgenuss…und kein übernommenes Relikt, das einfach so dahergeplappert wird, sondern jedes Mal wenn ich es lese, bin ich begeistert über diesen erhabenen Gedanken, der eine neue Ära einleitet.
Und ich finde, würde der Gottesbezug fehlen, wäre es unvollständig.
Dass man trotzdem bei einem Amtseid auf Gott sogar schwört (wie zB die Pfalz) finde ich, naja, im religiösen Kontext deplaziert. Aber man muss auch dazu sagen, dass die Amtsträger bei religiösen Vorbehalten „ich gelobe“ sagen dürfen/können. Und damit sind sie ja schon aus dem Schneider.
Ein Gelöbnis, das Amt mit Gottes Hilfe und dem nötigen Ernst und der nötigen Hingabe zu führen, ist ja irgendwie doch angemessen an die damit verbundene Verantwortung.
Jemand der keinen religiösen Bezug hat, wird wiederum mit dem Wort schwören kein Problem haben und erkennt aber vielleicht trotzdem den Ernst des Amtseides an. Was ja dem Dienst hinreichend wäre.
Der Amtseid wird ja vom Arbeitgeber gefordert. Da kommst du wohl schlecht drumherum.
Der Bezug aus der Präambel 'so wahr mir Gott helfe' aus dem Herzen gesprochen, empfinde ich hier als Anerkennung, dass man als Mensch Hilfe braucht und sie auch von allerhöchster Ebene erbittet. Gleichzeitig bezeugt man eine Verantwortlichkeit Gott gegenüber und ehrt ihn als oberste Instanz. So ist die Präambel gemeint.
Möglicherweise setzt das auch einen Schutzmechanismus in Gang gegen Machtgelüste.
Neben der Bergpredigt ist mir noch Phil 2,12-13 eingefallen: Zusammenarbeit mit Gott.
Das Verbot zu Schwören in der Bergpredigt dreht sich eher um Bekräftigungen für die der Bezug zu Gott, zur Erde, .. usw. hergestellt wird, um sich glaubwürdiger zu machen. Das ist eine ganz andere Ebene und geht in Richtung Mißbrauch des Namens.
Wenn ein Eid gefordert wird, sollte man ihn auch leisten.
Mt 26,63 Aber Jesus schwieg. Der Oberste Priester sagte: »Ich nehme von dir einen Eid bei dem lebendigen Gott und fordere dich auf, uns zu sagen: Bist du Christus, der versprochene Retter, der Sohn Gottes?« 64 Jesus antwortete: »Ja! Aber ich sage euch, von jetzt an gilt: Ihr werdet den Menschensohn sehen, wie er an der rechten Seite des Allmächtigen sitzt und auf den Wolken des Himmels kommt!«
Nach den damaligen Gepflogenheit war die Antwort Jesu ein Eid, und Jesus hat Nichts getan, um auch nur anzudeuten, dass das kein Eid sein soll. Wenn Jesus vor Gericht schwört, können wir das auch, und einen Amtseid würde ich in die gleiche Kategorie einordnen.
Was Anderes ist so was wie »Bei Gott, das war unbeschreiblich …« oder »Das stimmt, ich schwöre es dir!« Darauf bezieht sich Mt 5, 33-37.
@hkmwk Wenn Jesus vor Gericht schwört, können wir das auch,
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wenn Jesus über's Wasser läuft - können "wir" das dann auch?
Jesus hat Nichts getan, um auch nur anzudeuten, dass das kein Eid sein soll.
Jesus antwortet in der Szene auf eine Frage. Seine Antwort wirkt auf mich keineswegs formelhaft und in ihr ist auch keine Bestätigung enthalten, dass er sie als Eid meint. Nur, weil ihn der Hohepriester zu irgendwas auffordert, ist er - insbesondere, falls es sich bei ihm tatsächlich um Gottes Sohn und damit ja wohl ranghöchste Autorität auf Erden handeln sollte - keineswegs verpflichtet, dem auch Folge zu leisten.
(...) einen Amtseid würde ich in die gleiche Kategorie einordnen.
Einen Amtseid in die gleiche Kategorie mit einer Auskunft und Ankündigung* Jesu, nach welcher er auf den Wolken des Himmels kommen werde, zu stecken, finde ich schon - nun ja.. dialektisch ambitioniert. 😀
*Nebenbei: 2000 Jahre später wird immer noch drauf gewartet; und so ließe sich vermuten, dass womöglich diese Ankündigung gar nicht von Jesus/Gott selbst, der ja immerhin seinen Zeitplan gekannt haben dürfte, formuliert wurde, sondern von jemandem, der sich die Szene halt ausdachte und überlegte, welche eindrucksvollen Sentenzen Jesus so von sich gegeben haben könnte...
Wenn Jesus über's Wasser läuft …
Also das von dir? Ein Kategorienfehler, denn einen Eid abzuleiten ist keine Wundertat.
Wir sollen Jesus nachfolgen, also Ihn als Vorbild nehmen. Und da Er ohne Sünde war, kann es keine Sünde sein, vor Gericht den geforderten Eid zu leisten.
Jesus antwortet in der Szene auf eine Frage
Die Frage ist eingebettet in eine »Beschwörung« (so Lutherbibel, in der GNB steht ausdrücklich, dass Er damit unter Eid steht).
Du musste Jesus nichts tun, das hat der Hohepriester mit seiner Aufforderung getan. Um nicht unter Eid zu stehen, hätte Jesus was machen müssen … hat Er aber nicht.
@hkmwk Ein Kategorienfehler, denn einen Eid abzuleiten ist keine Wundertat.
Hab ich auch nicht behauptet. Aber wenn Jesus - also Gott - im Namen Gottes schwört, tut er etwas, dass nur er vermag: als Gott schwören. So, wie auch nur er über das Wasser zu laufen (Wunder wirken) vermag.
Wir sollen Jesus nachfolgen, also Ihn als Vorbild nehmen.
Ja, das ist diese Crux mit der doppelten oder gleich dreifachen Wesenhaftigkeit Jesu. Wenn's in das argumentatorische Kalkül passt, wird die geforderte Nachfolge angeführt im Sinne einer Nachahmung dessen, was der Mensch Jesu tat. Aber wer sagt denn, dass Jesus an der Stelle, wo der mit dem Hohepriester redet, als Mensch und nicht als Gott redet? Immerhin macht er da ja Ankündigungen darüber, wie er als Gott zukünftig zu handeln vorhabe. Woher kommen die, wenn nicht vom göttlichen Drittel? Aber na gut, wenn's so in der GNB steht, dann lässt sich Jesus an der Stelle beschwören vom Priester, welcher also die Vollmacht für so eine Beschwörung hat. 🙂
Um nicht unter Eid zu stehen, hätte Jesus was machen müssen…
Ersetze "Jesus" durch "Gott"... 😉
Aber wenn Jesus - also Gott
Du vergisst die Inkarnation. Jesus war nicht ein als Mensch »verkleideter« Gott, Er ist völlig Mensch geworden, wie wir, nur ohne Sünde. Auch Seine Wunder konnte Er nur in Abhängigkeit vom Vater tun.
Aber wer sagt denn, dass Jesus an der Stelle, wo der mit dem Hohepriester redet, als Mensch und nicht als Gott redet?
Es ist immer irgendwie beides.
Aber du hast immer noch nicht die Unterscheidung bemerkt, auf die versuchte hinzuweisen: Was Jesus kann (weil Er als Gottes Sohn die »Vollmacht« dazu hatte) und wir nicht, und was Jesus als etwas tat, was im Prinzip jeder Mensch kann (z.B. vor Gericht schwören, oder am Sonnenstand die Uhrzeit erkennen …).
Immerhin macht er da ja Ankündigungen darüber, wie er als Gott zukünftig zu handeln vorhabe.
Klar, diese Ankündigung könne wir nicht geben 😉 aber es ging ja nur um den Eid.
Aber na gut, wenn's so in der GNB steht, dann lässt sich Jesus an der Stelle beschwören vom Priester, welcher also die Vollmacht für so eine Beschwörung hat. 🙂
Du erwähnst die GNB, aber beziehst dich dann auf den Wortlaut von Luther. »Beschwören« ist bei Luther an dieser Stelle: Jemanden unter Eid stellen (so die GNB).
Ersetze "Jesus" durch "Gott"... 😉
Macht doch keinen Unterschied. Einen Eid leisten und hinterher sagen»das habe ich nicht als Eid gemeint« geht nun mal nicht. Da müsste jemand schon sagen: Moment, ich werde keinen Eid schwören … oder was Vergleichbares.