Theoretisches Vermögen - keinerlei Hilfe in Notlage!
Ich möchte mal mein Leid klagen, und aufzeigen wie asiozial mMn nach unser Sozialstaat ist!
Innerhalb des letzten Jahren sind sowohl meine Mutter als auch mein Bruder verstorben und ich erhalte keine aufstockenden Leistungen und Hilfen zur Pflege oder Geld für Betreuung mehr. Ich erhalte EM-Rente, die meine Fixkosten Gott sei Dank abdeckt und ich hab wenige Rücklagen. Niemand hat mich gefrag ob und wie viele ich habe. Der Erbschein zieht sich und meine Rücklagen schrumpfen und es ist allen scheißegal, weil "theoretisch sind Sie ja vermögend!", ja praktisch aber noch nicht!
Hätte ich diese Rücklagen, die ja im Sozialleistungsbezug nicht einfach aufzubauen sind, nicht, hätte ich jetzt ein großes Problem!
Hallo 😊
Ich bin neu im Forum, habe schon länger viel mitgelesen und mich über wertvolle Beiträge gefreut. Bei diesem Thema würde ich gern einsteigen, weil es mich auch beschäftigt. Theoretisch und beruflich etwas mehr als persönlich - da habe ich (noch?) Glück.
Da Armut und die Armenfürsorge historisch eng mit dem Christentum verbunden sind, finde ich es auch auf der Ebene interessant, das Thema in diesem Forum zu besprechen - wobei ich die Not von Samira damit nicht verdrängen möchte.
@Samira-Jessica , ja, dieses Leid kannst Du wohl klagen. Und nun hast Du noch Glück, weil Du irgendwie (wie hast Du da geschafft?) Rücklagen aufbauen konntest (Hut ab), und weil Du vielleicht zumindest ab und an noch mit Hoffnung nach vorne auf bessere Zeiten (ich wünsche Dir, sie mögen bald kommen) blicken kannst. Aber heute ist das eine schlimme Situation für Dich, nervenzehrend und ungewiss. Ungewissheit ist ein Stressor, der grade bei Krankheiten (bei der EM-Rente würde ich diese mal vermuten) absolut dysfunktional wirkt.
Das trifft extrem viele Menschen - die, die im SGB II (Bürgergeld/Grundsicherung) sind noch umso mehr, weil da neben der ohnehin materiell extrem engen Situation noch die dauernde Sanktionsdrohung obendrauf kommt. Dass Kinder in Deutschland immer schlechter versorgt sind (neue Studie von Unicef kam in dieser Woche raus und da stehen wir erbärmlich da), dass sie sich immer kränker fühlen hat auch damit zu tun. Sie spüren die Sorgen ihrer Eltern (je größer die Familie desto höher das Armutsrisiko, von Alleinerziehenden ganz zu schweigen) - auch wenn diese häufig (allen Vorurteilen zum Trotz) alles tun, um die Sorgen vor den Kindern zu verbergen.
In der historischen Armutsforschung wird unter anderem der Weg aufgezeigt, in dem Armut von der Idealisierung (bis in 13. Jahrhundert, da spielen die christlichen Orden und die alten Kirchenväter wie Johannes Chrysostomos eine große Rolle) zur Dämonisierung der Armen (das Ende 13./Anfang 14. Jahrhundert da los und ereilte auch das sich wandelnde Christentum) führte. Wurden Arme Menschen zunächst noch in die „würdigen“ und „unwürdig“ Armen aufgeteilt, erscheinen heute alle Unwürdig zu sein.
Die Mütter, die Witwen, die Kranken und Alten, sie zählten zumindest noch bis ins 16. Jahrhundert (danach kam der Merkantilismus, das wurde in Sachen Arbeitszwang auch für Mütter und Kinder ziemlich bitter) als würdig arm und hatten zumindest theologisch ein unangefochtenes Recht darauf versorgt zu werden - heute werden sie in einen Topf mit den (vermeintlich) Gesunden geworfen, die als faul und kriminell gelten (und das doch selten sind). Die Marginalisierung der „würdig Armen“ ist das schäbigste, was die heutige Zeit - und leider auch die Christdemokraten - hervorbringen, und das wird mit der „neuen Grundsicherung“, die im Dezember verabschiedet wird einen traurigen nächsten Höhepunkt erreichen. Alleinerziehende werden in alle Härten gezwungen werden, sobald ihre Kinder EIN Jahr alt sind. Andere haben kaum noch eine Chance, sich zu verteidigen oder zu rechtfertigen oder als Mensch (und nicht als Maschine, die einen Dienst zu leisten hat - wobei selbst die besser gepflegt wird) vorzusprechen und aufrichtig gehört zu werden.
Mit Blick auf die Zukunft schwant einem da nichts Gutes. @Samira-Jessica, Dir wünsche ich, dass es für Dich selber bald besser wird. Wenn Du ganz konkrete Fragen hast, kann ich evtl. unterstützen.
@ina_4321 Danke für deinen Beitrag. Ja, es sieht alles sehr düster aus, ich bin auch jedes Mal froh, eigentlich aus den Sozialleistungen außer der EM-Rente raus zu sein, wenn ich wieder lese, was kommt!
Gerade kann ich nur einigermaßen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, weil ich davon ausgehe, dass alles eigentlich sehr bald geregelt sein müsste.
Guten Abend, das tut mir sehr Leid. Ich hoffe es klärt sich.
Der Staat ist schon noch sozial, aber leider nicht von "Herzen"
Er gibt gefühlt lieber 1000€ aus damit jemand jaa keine 100€ zuviel bekommt. Jaaa nicht zuviel geben. Ein wirklich durch und durch sozialer Staat würde anders herum an die Sache gehen.
Mein Vater war vor ca. 28 Jahren unverschuldet Arbeitslos, 3 kleine Kinder und eine schwer kranke Ehefrau Zuhause (mehrmals die Woche Notarzt auf der Matte). Dann starb der Schwiegervater, er musste nebenher Renovieren und zur Oma ziehen die allein in einem Haus lebte. In dem Durcheinander vergaß er ein paar Wochen, sich umzumelden. Aus dem wurde ihm dann ein Strick gedreht, der ihn Zigtausende Euro kostete. Das war sehr bitter, kurz darauf hatte er zwar einen Job, aber 20 Mark die Stunde....
Ist es dir recht, wenn ich für dich nach Lk 18,7-8 bete, dass Gott dir Recht schafft vor den Widersachern und Widerständen?
Er hat versprochen, dass er seinen Zeitplan umsetzen wird.
@deborah71 Dein Gebet hat Früchte getragen!
Ich hab heute einen Anruf bekommen, dass ich morgen kurzfristig in eine Klinik aufgenommen werden kann!
Meine Versorgung ist zwar durch Essen auf Rädern wieder (mega lecker) gewährleistet aber der Klinikaufenthalt macht jetzt nicht nur psychisch natürlich was aus, weil ich jetzt endlich nach langen Jahren im Grunde gar keiner Hilfe Traumatas aufarbeiten kann, sondern auch finanziell, weil man ja in einer Klinik viel weniger Ausgaben hat.
Gott bei der Arbeit sind gute Nachrichten 🙂
Ist dir das ein Anreiz, auch nach den Verheißungen der Schrift beten zu lernen?