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Sünde anderes Gedacht, Theosis / Dämonosis

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Arcangel
Themenstarter
Beiträge : 6471

In unserer westlich katholische/reformatorisch geprägten Theologie. Denken wir beim Thema Sünde in den Kategorien Schuld, Verdammung und Vergebung. 

Der orthodoxe Gedanke kennt dies auch aber es ist nicht der Fokus, der Fokus liegt darauf, was Sünde respektive Gerechtigkeit mit einer Person macht. 

Wer im willen Gottes geht, der wird immer mehr dem Sohn gleich, mit dem Resultat der Theosis.
Wer sündigt, wird immer mehr dem Vater der Sünde gleich, mit dem Resultat der Dämonosis (dies ist kein offizieller Begriff).

Sünde wird also weniger mit Strafe und Gericht in Verbindung gebracht, sondern mit dem Prozess, der darin endet, sich vollkommen von Gott entfernt zu haben und ganz dem Bösen anzugehören. 

 

Was denkt ihr darüber? 

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21 Antworten
Tatokala
Beiträge : 4715

@arcangel 

sondern mit dem Prozess, der darin endet, sich vollkommen von Gott entfernt zu haben

Klingt irgendwie nach einem konstruktiveren Ansatz.

tatokala antworten
1 Antwort
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6471

@tatokala 

Ja ich finde diese Sichtweise auch wesentlich sympathischer. Nicht der von Geburt an komplett verlorene und korrupte Mensch, sondern, der in eine korrupte Welt hineingeborene Mensch, der ohne die gnädige Zuwendung Gottes selbst korrupt wird. 

arcangel antworten


Claudius
Beiträge : 96

@arcangel Also ich denke das die westliche Theologie auf einem juristischem Verständnis von Sünde basiert. Dies bedeutet, Sünde ist Verstoß gegen göttliches Gesetz, was göttliche Ahndung als Sühnung nach sich zieht. Aus dem kollektiv betrachteten Verständnis der Gesetzesübertretung von Adam und Eva wird nun zusätzlich eine Kollektivbestrafung abgeleitet mit folgender Konsequenz:

1. Katholizismus: Der Mensch ist zum guten in der Lage, neigt aber aufgrund von Erbschuld zum bösen und bedarf daher kollektiv transformativer Umkehr resultierend eingeschränkter Veranlagung, damit sich die Menschheit positiv entwickelt und als Grundlage individueller Rechtfertigung vor Gott.

2. Protestantismus: Die Erbsünde ist eine vollkommene, kollektive Verderbnis menschlicher Natur, welche allein durch Generalerlassung Gottes getilgt werden kann. Es gibt keine Rechtfertigung des Menschen.

Gemeinsamkeit: Tod und Auferstehung Jesu werden als Sühnung erwähnter Erbsünde verstanden. Mit folgender Konsequenz:

1. Katholizismus: Durch Umkehr, Buße, Wiedergutmachung und Akzeptanz von Opfertod samt Auferstehung Jesu, anchließende Taufe mit Wasser und Geist wird aus göttlicher Gnade und Bestärkung innerhalb dieses Prozesses heraus der Mensch von Gott liebevoll gerechtfertigt, indem er oder sie sozusagen geistige Transformation in die Natur Jesu erfährt, insofern der Gläubige im Rahmen katholischer Eucharistie Jesus real transfiguriertes Fleisch und Blut Jesu beständig konsumiert. Ich glaube, der Grundgedanke hierbei ist in etwa: Du bist oder wirst, was du isst.

2. Protestantismus: Durch Annahme des rechten Glaubens und Bekenntnis der wahren Glaubensdogmen wird jeder bekennende Mensch vor dem protestantischem Gott (oder Jesus, dem das Gericht überantwortet wird) im Endgericht ohne jedes eigene Zutun begnadigt. Eine Transformation der menschlichen Natur findet nicht statt. Dies vollzieht sich eventuell so: Anstelle des sündhaften Menschen tritt der verherrlichte Mensch Jesus vor Gericht, sozusagen bezeugend per Existenz, das der protestantische Gott selbst mit seiner Inkarnation die Folgen der Erbsünde für die gesamte Menschheit durchgemacht habe. Der sein eigenes Urteil damit eigenst tragende Gott kann nun dem Menschen ihre Erbschuld erlassen, ohne eigene Gerechtigkeit dabei zu kompromittieren. Mit anderen Worten: Der liebende aber gerechte Gott des Protestantismus muss seine eigene Gesetzlichkeit durch stellvertretende Selbstsühnung als Mensch überlisten um die Menschheit vor dem Herrscher dieser Welt, dem Teufel zu retten, welcher die Menschheit fest in seiner Gewalt hielt. Da Gott nicht sterben kann ist mit Tod und Auferstehung des inkarnierten Gottmenschen Jesus die Bande dieser Herrschaft und damit des Todes selbst überwunden. Der Mensch braucht dieses Gnadengeschenk nur noch annehmen.

Wie nun der völlig verderbte Mensch hierzu allerdings in der Lage sein soll, bleibt wohl auf ewig protestantisches Mysterium...

claudius antworten
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