Trinität
Da Du geschrieben hast, dass viele Menschen die Trinität nicht verstehen, dachte ich mir, wir öffnen dazu mal einen Thread.
Meiner Meinung nach wird durch westliche Christen das Trinitätsmodell deshalb nicht verstanden, weil es die römische Kirche verkompliziert hat. Es wurde auch das Glaubensbekenntnis der Christen eigenmächtig verändert, einer der Hauptgründe, warum es den Bruch zwischen Katholizismus und Orthodoxie gibt. Ironischerweise hat auch der Protestantismus dieses von Rom veränderte Glaubensbekenntnis unkritisch übernommen.
Die klassische Trinität:
Der Vater ist der Schöpfer, der Ursprung von allem.
Der Vater zeugt den Sohn, den Erlöser.
Der Vater haucht den Geist, der uns heiligt.
Das ist die klassische Trinität und biblisch für die meisten Christen nachvollziehbar.
Das ursprüngliche Nizänische Glaubensbekenntnis bekennt zum Geist:
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
Die katholische Kirche hat später das Glaubensbekenntnis verändert:
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
Man nennt es Filioque-Streit. Filioque heißt eben "und (aus) dem Sohn".
Die katholische Kirche definiert die Trinität durch Relationen.
Daraus entsteht folgendes Problem:
Wenn der Geist als Liebesverhältnis zwischen Vater und Sohn von beiden ausgeht, wird der Geist nur dieses Verhältnis, aber er ist nicht im eigenen Sinn Person, sondern nur Relation.
Die Trinität besagt, dass alle 3 Personen 1 Gott sind. Im Wesen teilen sie alle das gleiche, weil sie alle Gott sind. In den Personen unterscheiden sie sich. Das römische Modell zerstört diese innere Einheit:
Denn wenn nicht mehr nur der Vater der Ursprungs des Geistes ist, sondern auch der Sohn, wird der Vater als Ursprung und Schöpfer relativiert. Die Orthodoxen sagen: die Monarchie des Vaters wird beschädigt, wenn der Sohn auf einmal Eigenschaften bekommt, die nur zum Vater gehören.
Wenn der Sohn und der Vater gemeinsam den Geist erschaffen, haben sie etwas gemeinsam in ihrem Wesen, das aber der Geist nicht hat. Damit hätten Vater und Sohn ein gemeinsames Wesen, das der Geist nicht teilt. Dabei wäre der Geist eines anderen Wesens als Vater und Sohn, der Geist wäre nicht mehr vollkommen Gott. Es gäbe also innerhalb der Dreifaltigkeit ein weiteres Wesen, das Vater und Sohn teilen, das aber den Geist ausschließt.
Deswegen zerstört die römische Trinitätsvorstellung im Grunde die Trinität wie sie ursprünglich verstanden wurde. Diese ganzen Relationsmodelle sind tief philosophisch und entziehen sich dem Verständnis der meisten Christen und widersprechen auch der Bibel.
Das ist eine gute Idee, kerygma, dann transferiere ich meine ursprüngliche Antwort hierher:
…..
Ok. Wie würdest du denn - jenseits dogmatischer Feinheiten - einem Muslim, einem Heranwachsenden oder jemandem, der vom Christentum „völlig unbeleckt“ ist (dem man auch nicht erst die - aus deiner Perspektive - Irrlehren biblisch widerlegen müsste), die Trinität Gottes erklären und zwar so, dass er nicht nur intellektuell gefordert, sondern dass er von der Vorstellung eines trinitarischen Gottes wirklich berührt ist. Denn darum geht es doch letztlich!?
Veröffentlicht von: @holger-fOk. Wie würdest du denn - jenseits dogmatischer Feinheiten - einem Muslim, einem Heranwachsenden oder jemandem, der vom Christentum „völlig unbeleckt“ ist (dem man auch nicht erst die - aus deiner Perspektive - Irrlehren biblisch widerlegen müsste), die Trinität Gottes erklären und zwar so, dass er nicht nur intellektuell gefordert, sondern dass er von der Vorstellung eines trinitarischen Gottes wirklich berührt ist. Denn darum geht es doch letztlich!?
Einem Muslim gegenüber würde ich das Thema Geschichtlichkeit des Koran ansprechen.
Denn nach muslimischer Auffassung befindet sich der Koran im Himmel. Er ist das Wort Gottes. Ich würde einem Muslim erklären, dass das Wort Gottes für uns identisch ist mit Gott und für uns in Jesus Christus Fleisch wurde (Joh 1,14).
Ich würde ihn auch fragen, wie es sein kann, dass das Wort mit Allah Eigenschaften teilt - zum Beispiel ewige Existenz hat - und trotzdem von Allah getrennt und dass ich das mit einem monotheistischen Gedanken nicht zusammen bringen kann, außer dass ich eine gewisse Einheit und Trennung zusammendenke. "Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst." (Joh 1,1)
Ein Muslim würde Allah und Koran trennen - aber er kann vielleicht nachvollziehen, dass ich Gott und sein Wort als das gleiche ansehe.
Alles weitere baut darauf auf.
@holger-f In Sure 43,3-4 steht „Wir haben ihn zu einem arabischen Koran gemacht, auf dass ihr verständig werdet. Und er ist bei Uns in der Urschrift (Umm al-kitâb) gewiss erhaben und weise.“
Ich weiß nicht, ob es noch eindeutigere Stellen gibt, aber ich kann mich erinnern, dass es innerhalb der islamischen Theologie diese Diskussion gab, die sich um die Frage der göttlichen Eigenschaften des Koran dreht. Die Diskussion hatte mich zu dem Gedanken gebracht, dass Muslime eigentlich an eine Binität glauben müssten, wenn sie das Verhältnis von Wort (Koran) und Gott konsequent durchdenken.
Bei Heranwachsenden, von welchem Alter sprichst Du? Jüngere Muslime sind oft viel fitter mit der Dogmenentwicklung und den Konzilen als viele Christen. Da hilft eigentlich nur, einen eigenen Zugang zu finden oder historisch fit zu werden.
Ansonsten hätte ich noch ein Todschlagargument für die lateinische Trinitätsauffassung, aber das geb ich Dir noch nicht 😋
Bei den Muslimen hatte ich die „jungen, fitten“ vor Augen, die sich im Internet tummeln und oft zur Belustigung der muslimischen Zuhörer/ Zuschauer „ahnungslose“ Christen vorführen.
Aber ich meinte auch junge Christen (ca. 15 aufwärts), die so langsam aufwachen und anfangen, sich Gedanken zu machen.
Und deren ersten Gedanken wäre - wie sich das ja auch dogmengeschichtlich entwickelt hat - z.B. die Frage wie dieser Mensch Jesus, über den man in der Kirche so nette Geschichten gehört hat, Gott sein kann. Und eben die Frage, wieso „irgendwie alles“ Gott ist: Der Schöpfer ist Gott, Jesus ist Gott und was soll da noch der Heilige Geist? Ist das nicht nur eine Umschreibung für das Gute, für gute Gedanken etc.
Hi,
das Gott nicht statisch - sondern eigentlich "Beziehung" ist. Beziehungen und Relationen finden sich überall in der Schöpfung.
Ein Gott der keine Liebe hätte wäre undenkbar und ein Gott der liebe hat aber nur eine Person wäre, wäre abhängig von seiner Schöpfung (eine Liebe ohne ein Gegenüber wäre ja unvollkommen und kann ein Gegenüber nicht ersetzen). Ich Glaube Thomas von Aquin hatte das aufgegriffen?
Ist aber etwas philosophisches.
Veröffentlicht von: @holger-fDie biblische Begründung der katholischen Kirche für den Zusatz „und dem Sohn“ (Filioque) ist nämlich gut nachvollziehbar: Zwar geht der Geist laut Joh 15,26 vom Vater aus, doch Jesus bezeichnet ihn im selben Vers als den Geist, „den ich euch vom Vater senden werde“. Zudem haucht Jesus die Jünger an, um ihnen den Geist zu schenken (Joh 20,22), und die Schrift spricht explizit vom „Geist Christi“ (Röm 8,9; Gal 4,6).
Genau. Jesus sendet den Geist vom Vater aus. Der Ursprung im Vater ist damit klar. Die katholische Kirche hat dem ursprünglichen Glaubensbekenntnis, dass der Geist vom Vater ausgeht, zugestimmt, ebenfalls war klar in den Canones geregelt, dass niemand ein Glaubensbekenntnis außerhalb eines ökumenisches Konzils ändern darf.
Der Eindruck, dass die katholische Kirche eine eigene Sichtweise hatte, ist daher historisch für mich nicht nachzuvollziehen. Außerdem ist die Sendung des Geistes, die Du hier anführst, explizit die zeitliche Sendung des Geistes, was in einem anderen Bereich agiert.
Veröffentlicht von: @holger-fDa nun alles, was der Vater hat, auch dem Sohn gehört (Joh 16,15), geht der Geist für die klassische katholische Theologie aus der ewigen Gemeinschaft und Liebe von Vater und Sohn hervor.
Ich verweise nochmal darauf, dass das klassische katholische Lehramt das Glaubensbekenntnis mit abgesegnet hat.
Joh 16,15 würde, wenn ich Deiner Argumentation folge, auf eine vollständige Identität von dem Sohn und dem Vater, auch in ihrer Hypostase hinauslaufen.
Aber diese Ansicht wird auch nicht von der katholischen Theologie vertreten. Hier besteht Einigkeit, dass durch diesen Vers ausgesagt werden soll, dass der Sohn sein Gottsein vollständig vom Vater her hat.
Wenn aber den Geist zu hauchen eine Fähigkeit ist, die dem Wesen Gottes zugeschrieben werden muss und nicht der Person des Vaters, würde sich der Geist selbst hauchen. Denn auch diese Fähigkeit müsste der Geist, da er im vollen Sinne das Gottsein hat, sein Eigen nennen, sofern die Fähigkeit der Geisthauchung dem Wesen zugeschrieben wird. Das funktioniert nicht.
Du rutschst sonst in das angeführte Dilemma, dass Vater und Sohn vollkommen Gott sind, aber der Geist nicht mehr Gott ist, weil Gott den Geist hauchen müsste. Den Geist haucht aber die Hypostase des Vaters, nicht das gemeinsame Gottsein.
Veröffentlicht von: @holger-fZudem wird der Vorwurf nicht von „allen“ traditionellen Kirchen erhoben: Die gesamten protestantischen und anglikanischen Kirchen des Westens teilen den katholischen Zusatz im Glaubensbekenntnis bis heute!
Protestantische Kirchen sind keine traditionellen Kirchen. Zumal die Protestanten ökumenische Konzile nicht als verbindlich anerkennt - anders als die orthodoxen und katholischen Kirchen. Wenn katholische Kirche gegen einen Konzilsbeschluss verstößt, den sie selbst als verbindlich anerkannt hat, ist das anders einzuordnen als wenn Kirchen dagegen verstoßen, die diese Konzile nicht als verbindlich anerkennt.
Der Lutherische Weltbund spricht sich im übrigen dafür aus, dass Filioque - dass sie lediglich als Teil der lateinischen Tradition übernommen haben - wieder zu streichen und auch Rom verzichtet auf das Filioque im ökumenischen Dialog. Selbst Kardinal Kurt Koch hat gesagt, dass es für Katholiken auch ohne Filioque geht.
Daran sieht man doch recht deutlich, dass es auch aus lateinischer Sicht nicht ein wirklich zu verteidigendes Glaubensgut ist, sondern die Problematik gesehen wird.
Wenn aber das Filioque gestrichen wird, hat das eben auch Auswirkungen auf das Trinitätsverständnis und vielleicht würde sich dann auch bei den Lateinern die Erkenntnis durchsetzen, dass das ursprüngliche trinitarische Modell das richtige ist.
Deswegen zerstört die römische Trinitätsvorstellung im Grunde die Trinität wie sie ursprünglich verstanden wurde.
Wo liegt der Ursprung der Trinität? Und wie wurde es dort Trinität verstanden?
Bereits das Judentum in der zwischentestamentlichen Zeit hatte ein Binitäres Gottes Verständnis. Es war bekannt unter dem Begriff zwei Mächte im Himmel. Dazu ein oft zitiertes Buch das ich empfehlen kann "Two Powers in Heaven" von Rabbi Alen F. Segal. Diese orthodoxe jüdische Lehrmeinung wurde mit dem Aufkommen einer jüdischen Sekte ab dem 1 Jhr als Häresie verurteilt und verworfen.
Nun in dieser Sicht gibt es zwei YHWH welche am deutlichsten in Daniel 7 zur Geltung kommen. Da ist YHWH der uralte auf dem Thron und das ist YHWH der Menschensohn, der auf der Wolke daherkommt. Auch bei Mose findet man diese zwei Mächte, da ist YHWH dessen Herrlichkeit Mose nur von hinten betrachten kann, weil er sonst stirbt, und da ist YHWH der mit Mose von Angesicht zu Angesicht wie ein Freund spricht. Auch Hesekiel ist interessant, bei der Tempelvision, da ist es YHWH der Hesekiel durch den Tempel führt. Während gleichzeitig die Herrlichkeit YHWH aus dem Tempel zu Hesekiel spricht. Auch bei Gideon findet man die Szene bei der YHWH Gideon verlässt aber YHWH immer noch neben Gideon steht. usw.
Was diese Beiden YHWH's unterscheidet ist, der eine ist herrlich, unnahbar, gewaltig, unbegreiflich und tödlich für alles nicht heilige, der andere ist nahbar, physisch präsent, und begreiflich (wörtlich und im übertragenen Sinne), aber beide sind YHWH Stellen die im AT auf YHWH bezogen sind, bezieht Jesus im NT auf sich.
YWHW ist alles in allem, herrlich und gewöhnlich, geistlich und menschlich, begreiflich und unbegreiflich, unnahbar fern und zum Greifen nahe, er ist der Sendende und der Gesandte, der Herr und Diener, der Hirte und das Lamm und der Löwe, der Vater und der Sohn und der Geist, der Gebende und der Empfangene, er ist der Heilige, der die Sünde auf sich nahm.
YHWH kann gleichzeitig Hesekiel an der Hand nehmen und ihn durch den Tempel Führen, während sein Geist den Tempel erfüllt und seine Herrlichkeit aus dem Osten durch das Tor in den Tempel kommt und aus dem Tempel zu Hesekiel spricht.
YHWH kann gleichzeitig, nicht mit dem Volk Israel durch die Wüste ziehen und vor dem Volk Israel in der Wolke herziehen.
Wir sehen YHWH den Sohn auf der Erde zu YHWH dem Vater beten und kommen zum Schluss, dass müssen zwei sein, weil unser primitives Primaten Hirn nicht begreifen kann das YHWH eben gleichzeitig der Redende und der Hörende sein kann.
Aus menschlicher Sicht macht es durchaus Sinn, dass wir von drei Personen "Hypostasen" sprechen, denn so erleben wir YHWH. Aber es ist eben nur unsere Erlebniswelt unsere Sicht der Dinge, es ist ein Modell, und wie alle Modelle beschreibt es nur Aspekte der Realität bildet die Realität aber nicht ab.
Deshalb halte ich alle Trinitätsmodelle für inkorrekt, aber dennoch hilfreich. YHWH begegnet uns in diesen drei Personen, es ist deshalb vollkommen ok, wenn wir in dieser Weise von YHWH sprechen.
Aus diesem Grund verurteile ich weder einen Arianismus, noch einen Subordinatianismus, denn alle sind Modelle um etwas zu veranschaulichen, wovon die Bibel spricht, aber weder diese zwei noch das katholische oder das orthodoxe Modell bildet die Realität ab die YHWH ist.
YHWH ist der Freund, der uns bei der Hand nimmt, YHWH ist der Heilige, bei dessen Anblick wir sterben müssen und dessen Nähe wir nicht ertragen und YHWH ist der Geist, der in uns wohnt.
YHWH ist alles in allem.
Amen
Sorry für die Wand von Text.
@arcangel Ich stimme dir da durchaus zu, dass es viele Vorlagen gibt, die am Ende in das Motiv eingeflossen sind. Aber neben diesen - ich nenne sie mal so abstrakten Mythen - hat sich eben Gott ganz konkret entschieden, als geschichtliches Moment in die Endlichkeit hineinzubrechen und dem Menschen nah zu sein. Aus einer geschichtlich machbaren Erfahrung entstehen Beziehungen, in denen sich Gott zeigt. Da aber Gott kein Maskenspieler ist, begegnet er uns in dieser Erfahrung ganz selbst. Gott ist auch niemand, der jemand anderen anstelle seiner schickt, weshalb wir wissen, dass er ganz persönlich zu uns tritt und sich uns zuwendet. Die Trinität beschreibt Gott als Gemeinschaft, weshalb sich verwirklicht, was die Bibel sagt "Gott ist die Liebe".
Deine Darstellung, wie sich Gott uns zeigt und uns begegnet, ist Deine Interpretation seines Wesens.
Ich denke, Gott hat sich uns in der Bibel offenbart, in persönlicher Ansprache. Dort finden wir somit auch die Aussagen zu seinem Wesen, seinem Plan und zu allen Lebensfragen, die uns Menschen "etwas angehen".
In der Bibel - und meines Wissens auch nicht in anderen alten Schriften, deren Inhalt als "von Gott stammend" verstanden werden könnten - finden sich von Gott selbst oder von Jesus (das Wort) Aussagen oder Hinweise zur Trinität .
Die Taufformel „… und des Heiligen Geistes“ war den Urchristen unbekannt. Die sogenannte Trinitätslehre ist in der Bibel nicht enthalten, sondern wurde nachträglich auf Konzilien entwickelt. Die Formulierung, dass Gott in drei Personen existiere, ist erst im vierten und fünften Jahrhundert nach Christus zum Vokabular christlicher Theologie hinzugekommen.
In der Bibel heißt es, nach seiner Taufe durch Johannes: „Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück“. Diese Formulierung sollte „Trinitäts-Gläubige“ stutzig machen.
Nach der Taufe am Jordan stiegen nicht zwei Individuen aus dem Fluss, sondern Jesus allein, "voll des Heiligen Geistes". - Jesus empfing mit der Taufe den Heiligen Geist Gottes, der ihn ab diesem Moment befähigte, Wunder zu bewirken.
(Wäre der Geist Gottes eine Person, wäre Gott bei dieser Prozedur im Jordan quasi selbst getauft worden, in seinem eigenen Namen! Logisch denken zu können, ist eine uns von Gott geschenkte Fähigkeit; ich schalte sie in meinem Gottglauben nicht "ab". Sie hilft mir vielmehr, das Geschrieben kritisch auf "glaubhaft" zu überprüfen.)
Der Heilige Geist ist keine (dritte) Person oder Wesenheit, sondern er ist die Kraft Gottes. - (Zum Verständnis neuzeitlich erklärt: Die Elektrizität ist die Energie aus einem Kraftwerk, sie ist weder das E-Werk noch ein Teil davon.)
@wolfram Die Taufformel findet sich bereits in der frühesten Gemeindeordnung, der sog. Didache. Davon abgesehen ist das Argument vermeintlich nachträglicher Einfügungen bei der Bibel schwer anzuwenden, auch wenn man es zum Beispiel aus muslimischen Kreisen immer wieder hört. Die Evangelien wurden nach den Apostelbriefen geschrieben. Sie dienten der Verkündigung von Jesu, seinen Taten und dem, was er mitgeteilt hat, und wurden ungefähr ab 70 n. Chr. geschrieben. Du könntest natürlich von vorn herein behaupten, die Evangelienschreiber hätten etwas reingeschrieben, was sie sich ausgedacht haben, dann stellt sich aber die Frage nach Deinem christlichen Fundament, zumal die Kanonisierung der Bibel einige Zeit gedauert hat, d.h. worauf Du Dich stützt, ist das, was "die Kirche" zusammengestellt hat.
Das NT der „Ur-Bibel“ wurde in griechischer Sprache verfasst. 50 – 65 Jahre n. Chr. entstanden die ersten Texte von Paulus, die Evangelien folgten 70 – 100 Jahre n. Chr. Im Jahr 367 n. Chr. wurde erstmalig eine Auflistung bzw. die Vorstellung aller Schriften bekanntgemacht, die bis heute das NT bilden.
Diese Chronologie hat nicht die Kirche zusammengestellt, sie ist das Ergebnis der Geschichts- und Bibelforschung. Und wie ich bereits geschrieben habe, finden sich in der "Ur-Bibel", konkret im NT, keine Hinweise auf die Trinität. Bekanntlich ist dieser Teil der Bibel eine Text-Sammlung, deren Inhalt und Umfang in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung auf Konzilien (der Ur-Katholischen Kirche) definiert wurde. Die dort Versammelten entschieden per Abstimmung, welche der vorhandenen Schriften (und welche ausdrücklich nicht) übernommen wurden. Menschen(!) haben die Trinität erfunden.
Mein Hinweis auf die Taufe Jesu, dass - wenn der Heilige Geist eine dritte Person Gottes wäre - dann zwei Personen aus dem Jordan hätten steigen müssen - wird "gerne" überlesen. Entweder der Heilige Geist ist eine Person oder er ist eine (heilige) Kraft. Entweder oder, und nicht einmal so und einmal so.
Für mich ist das sonnenklar: was Jesus nicht gesagt und gelehrt hat, hat für mich im Zweifelsfall keine Relevanz. Jeder muss das allein entscheiden, wie er es versteht, wenn es ihm nicht bereits von Kindesbeinen "eingetrichtert" wurde und er aus der lieben Gewohnheit so glaubt , wie er glauben will.
(Zu den Synoptikern sagt die Bibelforschung, dass sie Jesus persönlich nicht gekannt haben. Wären "ihre" Evangelien inhaltlich zuverlässig, dürften wir darin keine widersprüchlichen Beschreibungen finden. Aber das ist eine "andere Baustelle".)
@wolfram Mich irritiert zugegebenermaßen, dass jemand, der hier mit Bibel- und Geschichtsforschung argumentiert, mit einem neuzeitlichen Personenbegriff daherkommt, der niemals Teil des trinitarischen Verständnisses war. Offensichtlich ist unser Forschungsinteresse manchmal auch begrenzt und möchte nur auf eine eigene Wahrheit hinarbeiten. Ich bin sicher, Du findest ausreichend Informationen im Netz 👍
Es geht m. E. nicht darum, was uns "irritiert", sondern darum, was wir "zum Thema" in der Bibel lesen können. - Dabei gilt für mich(!) im Zweifelsfall ausschließlich das, was Jesus "zum Thema" gesagt hat - und zwar in der bestmöglichen Übersetzung seiner Worte.
Den "ewig Gestrigen" will ich helfen, ihren Glauben in Sachen 'Trinität' auch hiermit zu prüfen:
Joh. 1
Das Wort (Jesus) war von Anfang an bei Gott und war selbst Gott. Durch dieses Wort wurde die Welt erschaffen. In Jesus ist das göttliche Wort Fleisch und Mensch geworden, um sich den Menschen zu offenbaren.
Auch hier ist von einer weiteren Person(!) "Heiliger Geist" nicht die Rede!
Was "braucht's" noch mehr, um zu "erkennen"?
Beim Lesen (und glauben der Ausssagen im) NT muss grundsätzlich im "Hinterkopf" nie vergessen werden, dass dieser Teil der Bibel - anders als das AT - ausschließlich ein "Menschenwerk" ist.
Den "ewig Gestrigen" will ich helfen, ihren Glauben in Sachen 'Trinität' auch hiermit zu prüfen:
Joh. 1
Das Wort (Jesus) war von Anfang an bei Gott und war selbst Gott. Durch dieses Wort wurde die Welt erschaffen. In Jesus ist das göttliche Wort Fleisch und Mensch geworden, um sich den Menschen zu offenbaren.Auch hier ist von einer weiteren Person(!) "Heiliger Geist" nicht die Rede!
Was "braucht's" noch mehr, um zu "erkennen"?
Lies bitte mal 1. Mose 1, 1+2, dort ist vom Heiligen Geist geschrieben.
Veröffentlicht von: @wolframDen "ewig Gestrigen" will ich helfen, ...
Unabhängig von Deiner Aussage zum Thema - es ist immer wieder schön, wenn einer kommt und im Rundumschlag alle, die etwas anders sehen als er selber, als 'ewig Gestrig' bezeichnet.
Die "ewig Gestrigen" sind für mich diejenigen Mitmenschen, die nicht bereit sich, sich mit (für sie) neuen Gedanken sachlich(!) und ergebnisoffen zu beschäftigen. - Ich sollte vielleicht ergänzen: können. - Die Threads hier belegen diese Unfähigkeit doch "sehr schön": Schublade auf, Schublade zu.
In der Bibel ist diese Situation als ein Zeichen der „Endzeit“ vorhergesagt. Es waren Jesus und die Synoptiker, die uns haben wissen lassen, dass "die Wahrheit" erst "kurz vor seinem Wiederkommen" erkannt bzw. publik wird. Wenn im Johannes-Evangelium berichtet wird, dass Jesus sagte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“, kann die Folgerung für Wahrheitsliebende nur sein, herauszufinden was Jesus wirklich gesagt hat. - Das ist in den letzten Jahrzehnten gelungen.
Es ist deshalb völlig unwichtig, was wer bisher glaubt (zu wissen).
Jesus Christus hat für die Zeit seiner prophezeiten Rückkehr von einer "kleinen Herde" gesprochen, d. h. von Menschen, die in ihrem bisherigen Leben seine Worte beachtet haben – und auf ihn warten. (Sie werden als tauglich erachtet, dem Sohn Gottes bei seiner erforderlichen "Reparatur" unseres Planeten nützlich zu sein.) Heute leben ca. 2,5 Milliarden Christen auf der Erde, die in ihrem Glauben voller Überzeugung der Lehre ihrer Kirche(n) folgen und die Riten ihrer Glaubensgemeinschaft praktizieren und so ihr persönliches 'Heil' erhoffen. - Die "mathematische Differenz" zwischen einer 'kleinen Herde' und den '2,5 Mrd. Christen' ist auch des Nachdenkens wert!
Jesus war kein bequemer Gesprächspartner; er ist dem Streit nicht ausgewichen; im Gegenteil, er hat ihn provoziert - bei seinen Kontakten mit den "ewig Gestrigen" seiner Zeit.
Beim Lesen (und glauben der Ausssagen im) NT muss grundsätzlich im "Hinterkopf" nie vergessen werden, dass dieser Teil der Bibel - anders als das AT - ausschließlich ein "Menschenwerk" ist.
Magst du einen Luftballon?
Das NT der „Ur-Bibel“ wurde in griechischer Sprache verfasst.
Welche Ur-Bibel? Der Kanon der biblischen Schriften, den wir hier im westlichen Kulturkreis benutzen (es gibt ja mehrere Kanons), besteht aus einer Reihe von Briefen und Evangelien, von denen es mehrere Versionen gibt. Die Zusammenstellung des Kanons war ein mehrere Jahrhunderte andauernder Prozess. An dessen Ende sich hier im Westen ein Kanon durchgesetzt hat.
Und wie ich bereits geschrieben habe, finden sich in der "Ur-Bibel", konkret im NT, keine Hinweise auf die Trinität.
Du scheinst aber deine Bibel nicht wirklich gut zu kennen. Jesus selbst bezeichnet sich mehrfach und implizit als YHWH. Die alttestamentlichen Parallelen sind offensichtlich.
Ausserdem besass bereits das Judentum in der zwischentestamentlichen Zeit ein binitäres Gottesverständnis. Das Konzept eines unsichtbaren und unnahbaren auf der einen und des sichtbaren und nahbaren YHWH auf der anderen Seite war schon lange etabliert, bevor Jesus die Welt als Baby betrat.
Menschen(!) haben die Trinität erfunden.
Historischer und faktischer Blödsinn. Das Einzige, was neu ist, ist der Begriff selbst. Das Konzept aber des Mehrfaltigen Gottes findet sich von Beginn weg in der Bibel. Wenn man bereit ist, den Aussagen der Bibel Glauben zu schenken, dann wird es sehr schnell klar, dass die Trinität keine Erfindung von Menschen im 4 Jhr war.
Mein Hinweis auf die Taufe Jesu, dass - wenn der Heilige Geist eine dritte Person Gottes wäre - dann zwei Personen aus dem Jordan hätten steigen müssen - wird "gerne" überlesen. Entweder der Heilige Geist ist eine Person oder er ist eine (heilige) Kraft. Entweder oder, und nicht einmal so und einmal so.
Du definierst also, wie Gott zu funktionieren hat. Lies mal Richter, Kapitel 6., da wird dein Entweder-oder ganz schnell an seine Grenzen stossen.
Da ist es der Engel YHWH's der mit Gideon spricht, dann im nächsten Vers ist es YHWH selbst, der mit Gideon spricht, (ja was den nun?). Dann bittet Gideon, dass er YHWH eine Gabe darbringen will, (also Gideon adressiert hier YHWH selbst). Gideon geht also, bereitet das Essen vor und bringt es dem Engel YHWH's (ja was denn nun, bringt Gideon YHWH eine Gabe dar oder dem Engel YHWH's). Dann berührt der Engel YHWH's die Gabe und alles verbrennt, und dann verschwindet der Engel YHWH's. Und was macht Gideon? Er dreht sich zu YHWH um und ruft.
22 Als nun Gideon sah, dass es der Engel des HERRN (YHWH) gewesen war, sagte er: Ach, Herr und GOTT, ich habe den Engel des HERRN (YHWH) von Angesicht zu Angesicht gesehen. 23 Der HERR (YHWH) erwiderte ihm: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben.
Da dreht sich also Gideon zu YHWH um und ist erschrocken, weil er den Engel YHWH's gesehen hat.
Dreht man sich erschrocken zu Gott (YHWH) um, weil man einen Engel gesehen hat? Ernsthaft?
Du hast hier zwei Figuren in dieser Szene und beide sind YHWH.
Wie zuvor erwähnt, die Idee des Mehrfaltigen Gottes war lange, bevor Jesus auf die Erde kam, etabliert. Es wurde nur von den Juden als Häresie verurteilt, weil sie Probleme mit einer Sekte bekommen haben.
Für mich ist das sonnenklar: was Jesus nicht gesagt und gelehrt hat, hat für mich im Zweifelsfall keine Relevanz.
Das ist auch gut so, aber das, was Jesus gesagt hat, sollte für dich von äusserster Relevanz sein. In Johannes 10, 1–20 zitiert Jesus aus Hesekiel 34, und wenn du das Kapitel aufmerksam liest, dann ist in diesem Kapitel YHWH selbst der gute Hirte. Hesekiel sagt in diesem Kapitel aber noch mehr: Dort ist YHWH derjenige, der den guten Hirten sendet, aber gleichzeitig ist YHWH der gute Hirte, (ja was denn nun? Senden Gott einen guten Hirten oder ist er es selbst?)
Sorry, wer die Bibel ernst nimmt und nicht nur ein paar losgelöste neutestamentliche Verse liest, der kommt nicht darum herum, YHWH als binitär, ja sogar trinitär zu verstehen. Ich kann dir noch’ne ganze Einkaufsliste solcher Beispiele bringen. Jesus ist nicht explizit, weil er es nicht sein muss. Es war Usus zu der Zeit, dass man YHWH zumindest binitär verstand. Es ging dann auch Jesus und den neutestamentlichen Autoren nicht darum, eine Trinität zu argumentieren, sondern darum, dass es eben Jesus ist, der dieser Engel YHWH's, also YHWH selbst ist.
Jeder muss das allein entscheiden, wie er es versteht, wenn es ihm nicht bereits von Kindesbeinen "eingetrichtert" wurde und er aus der lieben Gewohnheit so glaubt , wie er glauben will.
Es geht nicht darum, was einem eingetrichtert wurde. Ich habe mich erst mit 17 bekehrt. Es geht darum, was das biblische Zeugnis effektiv sagt und das, was man gerne hätte, was es sagt.
(Zu den Synoptikern sagt die Bibelforschung, dass sie Jesus persönlich nicht gekannt haben. Wären "ihre" Evangelien inhaltlich zuverlässig, dürften wir darin keine widersprüchlichen Beschreibungen finden. Aber das ist eine "andere Baustelle".)
Keiner der Evangelisten hat eine chronologische Vita von Jesus geschrieben, sondern sie haben eine theologische Vita von Jesus geschrieben. Genauso wie die Bücher Jesaja, Jeremia oder Hesekiel nicht chronologisch sind. Oder der alttestamentliche Kanon selbst nicht chronologisch ist.