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Theologie

Von ganz schön schwierig bis ganz schön praktisch
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Die Frage nach dem Schicksal von Menschen anderer Religionen bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen Absolutheitsanspruch und universell gedachter Barmherzigkeit Gottes. 
 
(A) Im Judentum steht mW. allein das ethische Handeln im Vordergrund. Von Nichtjuden wird kein Übertritt gefordert. Sie müssen stattdessen eine universale Ethik befolgen (Verbot von Mord, Diebstahl und Götzendienst, Pflicht zur Einrichtung eines Rechtssystems). Laut Talmud haben die Gerechten aller Völker Anteil an der kommenden Welt. Eine ewige Verdammnis im Sinne einer Hölle existiert nicht…
 
(B) Die katholische Kirche hält daran fest, dass das Heil durch Jesus Christus und seine Kirche vermittelt wird. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird ausdrücklich gesagt, dass Menschen, die ohne eigene Schuld den christlichen Glauben nicht kennen, aber aufrichtig nach der Wahrheit suchen (Stimme ihres Gewissens) durch die göttliche Gnade gerettet werden können…
 
(C) Der Protestantismus teilt sich mangels eines zentralen Lehramts in zwei Hauptströmungen auf.
a) Die Landeskirchen (EKD) überlassen das Schicksal Andersgläubiger unter Verweis auf die Gnade Gottes der göttlichen Liebe.
b) Der konservativ-evangelikale Zweig beharrt darauf, dass der persönliche Glaube an Jesu Christi der einzige Weg zur Rettung ist.
 
(D) Der Islam knüpft das Heil an den reinen Monotheismus. Da der Islam als vollendete Offenbarung durch den Propheten Mohammed gilt, führt die bewusste Ablehnung dieser Botschaft zum Ausschluss vom Paradies. Für Menschen, die unverschuldet nie von der islamischen Botschaft gehört haben, sieht die Theologie im Jenseits jedoch eine „gerechte Sonderprüfung“ durch Gott vor.
 
 
1. Sind diese monotheistischen Sichtweisen richtig wiedergegeben? Welche Gesichtspunkte fehlen ggf.?
2. Ergibt sich nicht immer, dass das Heil Andersgläubiger in den monotheistischen Religionen nie ausgeschlossen wird?
3. Man wird immer in eine Religion hineingeboren. Kann man dann überhaupt „das Falsche“ glauben?
 
 
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Vor 1 Tag

Im Video „Ich war überzeugt: Das Papsttum ist unbiblisch…“ erläutert Sebastian Sch., warum er das Papsttum für biblisch hält. Das könnte eine gute Diskussionsgrundlage sein. 😀

https://youtu.be/abOpGuizT18?is=3H3qylK4cD2MrhRD


Inhaltlich lässt sich die Argumentationsstruktur ungefähr so zusammenfassen:

A) DAS FUNDAMENT IM DAVIDISCHEN KÖNIGREICH: Jesus kommt gemäß den Verheißungen an Maria aus dem Haus Davids und gründet ein strukturiertes Königreich. Im alttestamentlichen Muster des davidischen Reiches, wie es in Jesaja 22 dargestellt wird, besaß der königliche Vorsteher den Schlüssel des Hauses, um das Reich in Stellvertretung des Königs zu verwalten.

B) DIE NAMENSÄNDERUNG UND DER FELS: In Matthäus 16 ändert Jesus Simons Namen zu Petrus. Diese Namensänderung markiert in der Heilsgeschichte einen bleibenden Auftrag, da die Kirche auf diesem Felsen errichtet und vor dem Untergang geschützt wird.

C) DIE ÜBERTRAGUNG DER SCHLÜSSELGEWALT: In direkter Parallele zu den Prophezeiungen aus Jesaja 22 überträgt Jesus in Matthäus 16 die Schlüsselgewalt und die Vollmacht zum Binden und Lösen an Petrus. Dies bedeutete im jüdischen Kontext des ersten Jahrhunderts eine rechtlich und theologisch verbindliche Autorität zur Gesetzesauslegung.

D) DER SCHUTZ VOR IRRTUM: Die Zusage in Matthäus 16, dass irdische Entscheidungen des Petrus im Himmel Gültigkeit besitzen, impliziert den göttlichen Schutz vor einer Fehlleitung der Gesamtkirche. Die spätere Lehre der päpstlichen Unfehlbarkeit entfaltet somit das, was in dieser Zusage Christi bereits angelegt war.

E) DER AUFTRAG ZUM LEITEN UND DIENEN: In Lukas 22 verbietet Jesus Führung nicht grundsätzlich, sondern definiert Autorität im Reich Gottes neu als Dienst Unmittelbar danach erhält Petrus den spezifischen Auftrag, seine Brüder im Glauben zu stärken.

F) DIE BESTÄTIGUNG ALS HIRTE: Nach der Auferstehung fordert Jesus Petrus in Johannes 21 zu einem dreifachen Liebesbekenntnis auf, um seine dreifache Verleugnung zu heilen. Mit den Worten, er solle seine Lämmer und Schafe weiden, wird Petrus als leitender Hirte und Verwalter der Herde Christi eingesetzt.

 

I. Wer würde Sebastian mit welchen Argumenten widersprechen?
II. Wer hat weitere Argument für die Sichtweise von Sebastian?

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Vor 1 Tag

Im Nicäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis bekennen Christen den Glauben an den Schöpfer „der sichtbaren und der unsichtbaren Welt“. Zur unsichtbaren Welt gehören zweifelsohne die Engel, deren Wirken sich wie ein roter Faden durch die Heilsgeschichte zieht. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament haben sie eine fundamentale Bedeutung. Im AT führen sie Abraham, weisen Mose den Weg, retten Daniel aus der Löwengrube uvam. 

Im NT begleiten sie alle Wendepunkte im Leben Jesu: Sie verkünden Maria die Geburt, besingen Weihnachten vor den Hirten, stärken Jesus in Getsemani und bezeugen am Ostermorgen die Auferstehung. Dass der Glaube an Engel real ist, bekräftigt Jesus im Matthäusevangelium mit Blick auf die Schutzengel: 

„Seht zu, dass ihr keines von diesen Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters“ (Mt 18,10).

Diese biblische Gewissheit war mir immer präsent durch F. M. Bartholdys Oratorium „Elias“, das auch den Psalm 91,11-12 vertont: 

„Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Die Reformation scheint noch einen Blick für die Engel gehabt zu haben, wie ich Luthers Morgen- und Abendsegen entnehme („Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.“) Auch der evangelische Michaelistag am 29. September zeigt noch etwas von der Bedeutung der Engel. Katholizismus und die Orthodoxie entfalten jedoch eine ungleich größere spirituelle Dimension der Engelwelt…

Im Katholizismus sind Engel Akteure der himmlischen Liturgie (Offenbarung des Johannes). Sie begleiten die Sterbenden, tragen die Gebete der Gläubigen vor Gottes Altar und werden von vielen Katholiken im täglichen Gebet („Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein“) als persönliche Fürsprecher und Begleiter angerufen.

Auch in der Orthodoxie wird die unsichtbare Welt deutlich: Engel sind hier Bestandteil des „kosmischen“ Gottesdienstes. Im „Cherubim-Hymnus“ (dem zentralen orthodoxen Gesang vor dem Großen Einzug der Gaben) vereinen sich die Gläubigen mystisch mit den „himmlischen Heerscharen“ der Engel. Ikonen zeigen sie als Diener des Pantokrators, und jeder Montag im orthodoxen Wochenkreis ist liturgisch ganz den Engeln gewidmet…

 

Vielleicht ist es ertragreich, über die Realität und die christliche Bedeutung von Engeln in den verschiedenen Konfessionen zu sprechen:

 

1 Welche Rolle spielt das Gebet um Engelsschutz bzw. der Schutzengel im eigenen Leben?

2 Trennt das unterschiedliche Verständnis von Engeln die Konfessionen oder verbindet es sie?

3 Wie viel Raum darf das „Geheimnisvolle“ und die unsichtbare Welt im „modernen“ Glauben noch haben?

 

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Vor 2 Tagen

Ich hatte hier gelesen, die Stellung des Papstes samt Anspruch wäre abzulehnen, da Matthäus 23:9 aussage, das man niemanden Vater nennen solle. Ich möchte hierauf etwas detaillierter eingehen:

Matthäus 23:9, Nestle 1902:
καὶ πατέρα μὴ καλέσητε ὑμῶν ἐπὶ τῆς γῆς· εἷς γάρ ἐστιν ὑμῶν ὁ Πατὴρ ὁ οὐράνιος

Matthäus 23:9, Peshitta:
waḇā lā teqron ləḵon barᶜā ḥaḏ ū gēr ᵓaḇūḵon dəḇašmayyā

Für den Koiné griechischen Ausgangstext nach Nestle ist zur Beurteilung das Wort patera (πατέρα) entscheidend, welches sowohl als Akkusativ Singular als auch mit Patēr (Πατὴρ) als allgemeiner Nominativ verwandt wurde. Letztere Form ist durch seinen Bezug zum Himmel eindeutig als Gottesbezeichnung identifizierbar (daher Groß geschrieben), ersterer nicht. Warum? Offensichtlich, weil mit dem Wort als Nominativ im Satz ein Abstammungsverhältnis ausgedrückt wird oder es sich um eine ehrende Titulierung handelt - Griechischer Lexika gemäß kann beides zutreffen. Beide Begriffe sind nun allerdings im griechischen Vers semantisch auf die Begründung bezogen, das nur einer der Vater im Himmel sei und beide Formen demnach zu vermeiden wären. Dies wiederum ist etwas merkwürdig, da nun jede ehrende Bezeichnung des eigenen Vaters quasi den Status der Gotteslästerung zukäme. Spätestens an diesem Punkt müsste man also nachdenklich werden...

Wie ist das gemeint?

Dies klärt sich, durch heranziehen seines aramäischen Äquivalents, denn hier tauchen plötzlich zwei unterschiedliche Varietäten für Vater auf, die jeweils mit unterschiedlicher Bedeutung verwandt wurden: (Aḇā) und (Aḇū). Erstere ist heilige Ersatzbezeichnung für das Tetragramm, welche Yeshua wählte um den Gottesnamen nicht aussprechen zu müssen. Diese spezielle Koseform betont als ehrende Titulierung den familiär fürsorglich-liebenswürdig sich aufopfernden, jedoch auch autoritären Aspekt göttlichen Heilswirkens (im biblischen Hebräisch als Eifer Gottes ausgedrückt). Kein aramäisch sprechender Christ würde je auch nur auf die Idee kommen dieses Wort als Ansprache für irgend einen Menschen zu verwenden und sei es der Oberpatriarch von sonstwoher! Das zweite Wort meint den leiblichen Vater und wurde bzw. wird (etwa im Judentum) darüber hinaus auch bis heute als ehrende Bezeichnung sowohl für Männer als auch Frauen verwandt. Eine Tochter, die sich beispielsweise energisch für bessere Essgewohnheiten ihrer Mutter einsetzt und dahingehend argumentiert (orientalisches Temperament) kann von ihrer Mutter durchaus liebevoll als 'mein Väterchen' Bezeichnung finden. Da wir jetzt über beide Bedeutungen einigermaßen Bescheid wissen ergibt wörtlich orientierte Übersetzung folgenden Sinn:

Und nicht werdet ihr Euch das Väterchen (Aḇā) nennen wie rufen im Land: - Eins [die Zahl Eins, hier im Sinne von exklusiv allein] ist Er für Euch: Euer Vater in den Himmeln.

Hieraus wird deutlich, das es Yeshua nicht um die ehrenvolle Titulierung von Menschen als Vater ging, sondern um den Schutz einer Gottesbezeichnung, die im Aramäisch seines Umfeldes regulär als Koseform gängig war, nun aber im Rahmen seiner Verkündigung wegen seines Gottesbezugs nicht weiter verwandt werden durfte!

Die griechische Überlieferung verschleiert diesen Zusammenhang, da beide aramäischen Begriffe durch das selbe Wort Übersetzung fanden und die Bedeutungsverschiebung durch Varianten ausgehend von einer Wortwurzel in der griechischen Grammatik nicht vorhanden ist. Dies macht es den westlichen Übersetzern schwer, textgetreu zu übertragen.

Wenn evangelische oder gar evangelikale Christen also den Anspruch des Papstes kritisieren (und hier gäbe es anhand der Kirchenväter viel zu schreiben), sollten sie sich besser auf andere Verse beziehen.

Danke fürs lesen.

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Vor 2 Tagen

Hi,

 

wenn Menschen erkennen, man hat gesündigt empfängt man Vergebung.

 

Aber haben auch Sünden doch bleibende Konsequenzen und das ein Leben lang?

 

Bei König David sah man das auch. Ihm wurde seine Schuld vergeben, doch starb das Kind und mit seiner Familie lief es auch nicht rund.

 

Ich kannte eine Frau, die war Christin und lebte mit einem Christen nicht verheiratet zusammen und doch trieb sie 2x ab. Heute lebt sie in Somalia und hilft Schwangere und Mütter. Ja, das erfüllt sie sehr. Und doch sehnt sie sich heute nach einem Mann und Kinder. Weint sehr oft das ihr das verwehrt bleibt und ist jetzt 50 Jahre alt. Sie weint dann sehr, wenn Freundinnen berichten von ihrem Mann und Heirat oder Kinder. 

 

Leider lief mein Christenleben auch nicht so toll. Ich lies mich auf Affären mit verheiratete ein. Natürlich brachte ich es vor Gott und beichtete es und empfing Vergebung. Aber diese innere Einsamkeit ist für mich immer wieder eine echte Belastung. Sind das die Konsequenzen? Wie lebt man mit solchen Belastungen. Wollte das eigentlich anonym schreiben, aber ich finde diese Funktion hier nicht. Also stehe ich dazu.

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Okt. 12

So gerne ich die Bibel studiere und darüber diskutiere, so sind mir doch die Grenzen des eigenen „Lesens“ bewusst. Dazu zehn kurze Überlegungen:

  1. In den ersten 1500 Jahren der Kirchengeschichte besaßen die wenigsten Menschen eine eigene Bibel oder konnten lesen. Dennoch hatten sie einen festen Glauben, denn dieser entsteht primär durch das Hören der mündlichen Verkündigung: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm 10,17).
  2. Die biblischen Texte wurden für das gemeinsame Hören und Erleben im Gottesdienst verfasst, nicht für die Privatlektüre zu Hause: „Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
  3. Ohne die Auslegung durch die Gemeinschaft und fundierte Begleitung führt das alleinige Lesen schnell zu Missverständnissen und Fehlern: „Dabei müsst ihr vor allem bedenken, dass keine Prophetie der Schrift eine Sache privater Auslegung ist“ (2. Petr 1,20).
  4. Christus wird für den Einzelnen vor allem im gemeinsamen Sakrament erfahrbar, was das gedankliche Studium von Texten weit übertrifft: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Kor 10,16).
  5. Gott schenkt seine Gegenwart und Erkenntnis dort, wo Menschen zusammenkommen, und nicht dem einsamen Leser: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
  6. Am Ende zählt für die Rettung nicht das theoretische Textwissen, sondern das praktische Tun und die gelebte Nächstenliebe im Alltag: „Werdet aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22).
  7. Die Kirche und ihre lebendige Gemeinschaft waren zuerst da und haben die Bibel überhaupt erst zusammengestellt; die tragende Säule der Wahrheit ist daher die Gemeinschaft: „...die Kirche des lebendigen Gottes, Säule und Fundament der Wahrheit“ (1. Tim 3,15).
  8. Gott offenbart sich dem Gläubigen direkt im Mitmenschen, besonders im Bedürftigen, was jede theoretische Textarbeit im stillen Kämmerlein ersetzt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
  9. Ein rein intellektuelles Aneignen von Schriftwissen ohne geistliche Einbindung in das Miteinander führt oft zu Hochmut statt zu echtem Glauben: „Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf“ (1. Kor 8,1).
  10. Jesus selbst hat seinen Jüngern keine Bücher hinterlassen, sondern den Heiligen Geist, der die Gemeinschaft der Glaubenden auch ohne geschriebenes Wort leitet und erinnert: „Der Tröster, der Heilige Geist [...] der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26).

Geht es euch ähnlich?

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Okt. 11

@holger-f


Da Du geschrieben hast, dass viele Menschen die Trinität nicht verstehen, dachte ich mir, wir öffnen dazu mal einen Thread.

Meiner Meinung nach wird durch westliche Christen das Trinitätsmodell deshalb nicht verstanden, weil es die römische Kirche verkompliziert hat.  Es wurde auch das Glaubensbekenntnis der Christen eigenmächtig verändert, einer der Hauptgründe, warum es den Bruch zwischen Katholizismus und Orthodoxie gibt. Ironischerweise hat auch der Protestantismus dieses von Rom veränderte Glaubensbekenntnis unkritisch übernommen.

Die klassische Trinität:

Der Vater ist der Schöpfer, der Ursprung von allem.

Der Vater zeugt den Sohn, den Erlöser.

Der Vater haucht den Geist, der uns heiligt.

Das ist die klassische Trinität und biblisch für die meisten Christen nachvollziehbar.

Das ursprüngliche Nizänische Glaubensbekenntnis bekennt zum Geist:

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,

 

Die katholische Kirche hat später das Glaubensbekenntnis verändert:

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,

 

Man nennt es Filioque-Streit. Filioque heißt eben "und (aus) dem Sohn".

Die katholische Kirche definiert die Trinität durch Relationen.

Daraus entsteht folgendes Problem:

Wenn der Geist als Liebesverhältnis zwischen Vater und Sohn von beiden ausgeht, wird der Geist nur dieses Verhältnis, aber er ist nicht im eigenen Sinn Person, sondern nur Relation.

Die Trinität besagt, dass alle 3 Personen 1 Gott sind. Im Wesen teilen sie alle das gleiche, weil sie alle Gott sind. In den Personen unterscheiden sie sich. Das römische Modell zerstört diese innere Einheit:

Denn wenn nicht mehr nur der Vater der Ursprungs des Geistes ist, sondern auch der Sohn, wird der Vater als Ursprung und Schöpfer relativiert. Die Orthodoxen sagen: die Monarchie des Vaters wird beschädigt, wenn der Sohn auf einmal Eigenschaften bekommt, die nur zum Vater gehören.

Wenn der Sohn und der Vater gemeinsam den Geist erschaffen, haben sie etwas gemeinsam in ihrem Wesen, das aber der Geist nicht hat. Damit hätten Vater und Sohn ein gemeinsames Wesen, das der Geist nicht teilt. Dabei wäre der Geist eines anderen Wesens als Vater und Sohn, der Geist wäre nicht mehr vollkommen Gott. Es gäbe also innerhalb der Dreifaltigkeit ein weiteres Wesen, das Vater und Sohn teilen, das aber den Geist ausschließt.

Deswegen zerstört die römische Trinitätsvorstellung im Grunde die Trinität wie sie ursprünglich verstanden wurde. Diese ganzen Relationsmodelle sind tief philosophisch und entziehen sich dem Verständnis der meisten Christen und widersprechen auch der Bibel.

 

 

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Okt. 09

Mir fällt gelegentlich auf, dass wir wissenschaftliche Erkenntnis wie dogmatische Wahrheiten behandeln, hingegen dogmatische Wahrheiten für revidierbar halten. Aus meiner Sicht ist es genau umgekehrt: Wissenschaftliche Erkenntnisse verstehen sich nicht als dogmatische Wahrheit und sind falsifizierbar, dogmatische Wahrheiten sind - unabhängig von ihren geschichtlich gewachsenen Formeln und menschlichen Prägungen - hingegen unumstößlich.

Da ich heute schon ein Lexikon zur Hand hatte, wo es um ein anderes Thema ging, möchte ich aus diesem etwas zitieren, was diesen Sachverhalt gut beschreibt: "Die Frage ist jedoch, ob sie damit eine Offenbarungswahrheit bezeugen oder ob sie eine feststehende Offenbarungswahrheit ... von einer unzulänglichen naturwissenschaftlichen Anschauung aus unzutreffend interpretieren." (Ott, Grundriss der Dogmatik, S. 238).

Unter dem zunehmenden Einfluss des Rationalismus und Atheismus neigen Christen manchmal dazu, ihre eigenen Glaubenswahrheiten abzuschwächen (alles nicht so gemeint) und den (aktuellen) wissenschaftlichen Stand als Letzterkenntnis einzustufen. Damit meine ich nicht, wissenschaftliche Erkenntnisse abzulehnen, sondern anzuerkennen, dass wir im Zuge wissenschaftlicher Einsichten zukünftig noch bessere Zugänge zu bestimmten Glaubenswahrheiten bekommen können ohne jedoch ihren Wahrheitsgehalt aufzugeben.

Dieser Ansätz wäre auch ein ganz anderer als zu sagen, dass sich die Wissenschaft geirrt habe.

 

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Okt. 09

Vor der Reformation und in den „Großkirchen“ (Katholische Kirche, Orthodoxe Kirchen, Evangelische Kirche) wird die Wiederkunft Christi als ein einziges Ereignis verstanden, nämlich als sichtbare Wiederkunft zum Jüngsten Gericht am Ende der Zeiten. 

Demgegenüber behauptet die im 19. Jahrhundert entstandene sog. „Entrückungslehre“, dass gläubige Christen noch vor den apokalyptischen Plagen unsichtbar in den Himmel evakuiert („entrückt“) werden. Diese Aufteilung der Endzeit in zwei Phasen widerspricht der klassischen Theologie, was die folgenden Thesen verdeutlichen sollen…

A) MODERNES THEOLOGISCHES KONSTRUKT

Die Lehre der geheimen Entrückung ist keine Lehre des Urchristentums, sondern eine theologische Idee des 19. Jahrhunderts, die maßgeblich von John Nelson Darby geprägt wurde…

B) BRUCH MIT DER KIRCHENGESCHICHTE

Weder die frühen Kirchenväter noch die Reformatoren wie Martin Luther oder Johannes Calvin kannten oder lehrten ein solches Szenario; traditionelle Kirchen lehnen diese Lehre bis heute ab…

C) EXEGETISCHE WILLKÜR

Die Theorie basiert auf der Methode, dass vereinzelte Bibelverse isoliert und ohne Rücksicht auf ihren historischen und literarischen Kontext uminterpretiert werden…

D) FEHLINTERPRETATION VON PAULUS

Kernstellen wie 1. Thessalonicher 4 beschreiben nach historisch-kritischer Exegese das antike Bild eines feierlichen Empfangs der sichtbaren (!) Wiederkunft Christi und keine geheime „Evakuierungs-Aktion“…

E) KÜNSTLICHE ZWEIPHASEN-LEHRE

Die Aufteilung der Wiederkunft Christi in zwei getrennte Ereignisse – erst eine unsichtbare Entrückung der Gemeinde und Jahre später ein sichtbares Gericht – entbehrt einer soliden biblischen Grundlage…

F) EGOISTISCHE RETTUNGS-THEOLOGIE

Das Konzept reduziert die christliche Hoffnung auf das eigene Entkommen und spaltet die Menschheit elitär in Auserwählte und leidende Zurückgelassene…

G) GEISTLICHE WELTFLUCHT

Wer glaubt, vor den globalen Katastrophen übernatürlich gerettet zu werden, verliert die Motivation, sich im Hier und Jetzt aktiv für Dinge wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen…

H) GEISTLICHER MISSBRAUCH

In fundamentalistischen Kreisen wird die Angst, bei der Entrückung zurückgelassen zu werden, oft als Machtinstrument zur Manipulation und Kontrolle von Gläubigen genutzt…

J) GEOPOLITISCHER FATALISMUS

Durch die Brille dieser Endzeit-Theorie werden Kriege und Krisen (insbesondere im Nahen Osten) nicht als Katastrophen bekämpft, sondern als notwendige, positive „Vorboten“ der eigenen Erlösung begrüßt…

K) VERFEHLUNG DES CHRISTLICHEN AUFTRAGS

Statt Verantwortung für die Schöpfung und den Nächsten zu übernehmen, fördert die Entrückungslehre eine Passivität, die dem biblischen Auftrag zur Gestaltung der Welt widerspricht…


Ich hätte gerne Zustimmung zu diesen Thesen. ☺️ Oder Widerspruch… 😉

(Bis vor 30 Jahren gehörte ich selbst einer Freikirche an, die dies vertrat und immer noch vertritt…)

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Okt. 08

Der Engel YHWH's, ist YHWH selbst, ist die zweite Person der Trinität, ist Jesus. Wer die alttestamentlichen Stellen liest, der wird schnell feststellen, dass YHWH und der Engel YHWH's deckungsgleich sind. 

Es war Jesus der das Gesetz an Mose übermittelt hat. Der Vermittler in Galater ist Gott selbst und es gibt nur einen Vermittler zwischen den Menschen und Gott und das ist Jesus. 

Ihr habt das Gesetz durch Vermittlung von Engeln erhalten – und doch nicht befolgt!“
Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), Apg 7,52–53.

Denn schon das Gesetz, das durch Engel verkündet wurde, war verbindlich, und wer es übertrat oder nicht darauf hören wollte, erhielt die verdiente Strafe.
Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), Hebr 2,2.

Doch was für einen Sinn hat nun das Gesetz? Es wurde hinzugefügt, um dessen Übertretungen zu erkennen, und zwar so lange, bis der Nachkomme da ist, dem die Zusage gilt. Damals wurde es durch Engel erlassen und durch einen Vermittler überbracht. Wenn aber nur einer handelt, braucht es keinen Vermittler. Und Gott ist dieser Eine.
Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), Gal 3,19–20.

Soweit nun die Basis, und unbestritten. (Zumindest für die meisten, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben.)

Nun kommt aber diese Stelle hier, bei dem es dem Übersetzer offensichtlich zu viel wurde. 

In dieser Nacht tötete ein Engel Jahwes im Lager der Assyrer 185.000 Mann. Am nächsten Morgen war alles mit Leichen übersät
Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), 2. Kön 19,35.
Elberfelder übersetzt hier korrekt
Und es geschah in jener Nacht, da ging der Engel des Herrn aus und schlug im Lager der Assyrer 185.000 Mann. Und als man frühmorgens aufstand, siehe, da waren sie allesamt Leichname
Die Heilige Schrift. Aus dem Grundtext übersetzt. Elberfelder Übersetzung. Edition CSV Hückeswagen, 7. Auflage (Hückeswagen: Christliche Schriftenverbreitung, 2015), 2. Kön 19,35.
Offensichtlich, konnte sich der Übersetzer der Neuen evangelischen Übersetzung nicht dazu durchringen, so zu übersetzen, wie dies der Text verlangt. Und wie er es andernorts, z.b. 2 Kö 1,15 auch getan hat.
Da sagte der Engel Jahwes zu Elija: „Geh mit ihm hinunter! Du musst dich nicht vor dem König fürchten.“
Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), 2. Kön 1,15.
 
Der Übersetzer war sich wohl bewusst, was dies bedeutete. Denn wenn der Engel Jahwes, Jesus ist, dann war es Jesus, der die Assyrer hier getötet hat. 
Offensichtlich passt das nicht in das Bild von Jesus, welches der Übersetzer hat. 
Passt dieser Gedanke in dein Bild, das du von Jesus hast? 

 

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Okt. 06

Hallo, bei uns weniger bekannt (Bakker eher): Beide sind diese Monat verstorben, Bakker wurde durch Skandale und seine Televvangelisation bekannt, zuletzt sah ich noch was von ihm kurz wie er Prepperfood verkaufte. Gortner war als Kind schon Prediger, wandte sich ab, machte 1972 einen Film darüber und später arbeitete er als Schauspieler.

Falls es jemand interessiert 🙂

@ga2 😘 

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Okt. 06

Wurde darüber schon diskutiert?

Das Buch Henoch steht nicht in der traditionellen westlichen Bibel, weil es bei der Festlegung des biblischen Kanons sowohl vom Judentum als auch von der frühen christlichen Kirche als „nicht-kanonisch“ (apokryph) eingestuft wurde.

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Okt. 02


Hallo zusammen

In letzter Zeit bin ich in Diskussionen immer mal wieder über das Thema Hölle gestolpert. Ich bin mir selbst bei diesem Thema etwas unschlüssig, deshalb möchte ich gerne drei Theorien diskutieren. Bei allen drei Theorien gibt es Argumente dafür und dagegen, mache überzeugender als andere, aber alles in allem genug, um keine abschliessende Aussage zu machen, wie dies aussehen wird. Ich bin überzeugt, dass wenn es um Eschatologie geht, dies bewusst unklar ist. Genauso wie das Messiasgeheimnis im AT erst im Rückblick klar wird, genauso denke ich, dass eschatologische Fragen erst im Rückblick Sinn machen. 

Hier die drei Theorien. 

Vollständige Vernichtung von allem, was nicht im Buch des Lebens steht. 

Offenbarung 20
14 Der Tod und die Unterwelt aber wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod: der Feuersee.
15 Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen.

Ewige Qualen im Feuersee

Offenbarung 20
10 Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie gequält, in alle Ewigkeit.

Leben in der neuen Schöpfung, aber getrennt von Gott und seiner Herrlichkeit. 

Offenbarung 22
14 Selig, die ihre Gewänder waschen: Sie haben Anteil am Baum des Lebens und sie werden durch die Tore in die Stadt eintreten können.
15 Draußen bleiben die Hunde und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.

Wie gesagt, ich bin (biblischen) Argumenten für und gegen jede dieser Positionen begegnet. 

Meine Frage ist, wo landet ihr und warum? 

 

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9,200
Okt. 01

Wohnort Gottes

Ich habe gerade einen Beitrag über Multiversen gesehen, in dem auch ein Zusammenhang dieser Theorie mit den Vorstellungen der (christlichen) Religion angesprochen wurde. Das möchte ich jetzt aber nicht thematisieren, weil es mir einfach zu schwer ist.
Aber es hat mich an eine Frage erinnert, die ich schon seit Jahren immer wieder mal habe: Wo lebt Gott?

Eine solche Frage stellt sich nur, wenn man davon ausgeht, dass sein Sein auch dem entspricht, wie er in der Bibel beschrieben wird: mit einer Reihe körperlicher und geistig-seelischer Eigenarten, die genau denen von Menschen entsprechen. Dann müsste er auch einen Wohnort haben, irgendwo außerhalb unseres Universums.

Geht man aber davon aus, dass er „irgendwie“ anders ist, besteht dazu keine Notwendigkeit. Dann wäre aber auch die Frage nach seinem Wohnort ohne Sinn und seine biblischen Beschreibungen höchst zweifelhaft.

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Sep. 30
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beschäftige mich aktuell mit der Entstehung des frühen Christentums und der Entwicklung des Christusglaubens. Zu diesem Themenkomplex habe ich zwei Fragen an Sie, die das Verhältnis von theologischer Forschung und kirchlicher Verkündigung betreffen:
  1. Zum aktuellen Forschungsstand: In der neutestamentlichen Wissenschaft (u. a. durch die Arbeiten von Larry Hurtado, Richard Bauckham und Martin Hengel) gilt das alte evolutionäre Modell – wonach sich der Glaube an Jesu Gottheitsstatus erst über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg im hellenistischen Umfeld entwickelt hat – als überholt. Stattdessen wird von einer „Early High Christology“ ausgegangen: Bereits in den Jahren 30–40 n. Chr., lange vor den ersten Schriften des Neuen Testaments, wurde Jesus in den jüdischen Gemeinde als göttlich angebetet und das Abendmahl als Feier seiner Auferstehung und Gegenwart als Sättigungsmahl gefeiert. Ist diese Ablösung des Evolutionsmodells hin zur „Early High Christology“ im aktuellen wissenschaftlichen Konsens der evangelischen Theologie so anerkannt?
  2. Zur kirchlichen Praxis: Wenn die Forschung zeigt, dass die hohe Christologie und die Anbetung Jesu auf die frühesten Augenzeugen (Jahre 30–40) zurückgehen und nicht das Produkt einer langen Kirchen- und Dogmengeschichte sind – warum wird in den Predigten und der Erwachsenenbildung der evangelischen Landeskirchen oft gefühlt immer noch das alte „Evolutionsmodell“ transportiert? Warum wird den Gemeinden nicht offensiver vermittelt, dass der christliche Glaube historisch extrem nah an den ersten Zeugen von Tod und Auferstehung ansetzt, anstatt den Eindruck zu erwecken, Jesus sei erst nachträglich zum Mythos erhoben worden?
Ich freue mich auf Ihre theologische Einschätzung und eine spannende Antwort. Danke dafür im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen, Bernd Isenbeck
26
201
Sep. 30

An anderer Stelle wurde das Calvinistische „Einmal gerettet, immer gerettet“ (100%ige Heilssicherheit) diskutiert und mit dem Katholizismus verglichen. Da mir eine 100%ige Heilssicherheit nicht so recht einleuchten wollte, habe ich mit jemandem gesprochen, der das als „Calvins Hütchenspieler-Trick“ bezeichnet und mir das am Beispiel eines Mörders erklärt hat. Daraufhin habe ich noch etwas weiter recherchiert…

Beide daraus entstandenen Texte „Calvins Hütchenspieler-Trick“ und „Harmonisierung von calv. und kath. Heilsvorstellung“ würde ich gerne zur Diskussion stellen und zwar hinsichtlich der Frage, ob diese Sichtweisen - vereinfacht zwar - im Grunde richtig wiedergegeben sind und was ggf. grundsätzlich anders gesehen werden könnte/ müsste/ sollte. 

Es geht also darum zu verdeutlichen, dass einerseits die vermeintliche Überlegenheit einer als 100%ig gedachten Heilszusage zu relativieren ist und andererseits sich beide Heils-Ansichten viel näher sind als im ersten Moment sichtbar.


(I) Calvins „Hütchenspieler-Trick“

Das Calvinistische „Einmal gerettet, immer gerettet“ ist ein theologischer Hütchenspieler-Trick! Das lässt sich leicht zeigen.

Nehmen wir an, ein bekehrter Calvinst begeht einen Mord. Kommt dieser Mörder in den Himmel? Nein, auch nach Calvinistischem Denken kommt der Mörder nicht in den Himmel, sondern in die Hölle. Trotzdem gilt „Einmal gerettet, immer gerettet“. Wie kann das sein? 

Ganz einfach. Calvinisten sagen, der Mörder war gar nicht bekehrt, er hat sich seine Bekehrung nur „eingebildet“ (Scheinbekehrung). Um „Einmal gerettet, immer gerettet“ als theologische Prämisse zu retten, wird die vorherige Bekehrung des Mörders einfach als „Scheinbekehrung“ uminterpretiert! 

Das ist der klassische Hütchenspieler-Trick. Vor den Augen der Zuschauer verwandelt sich die unverlierbare Errettung (die 100%ige Heilssicherheit) des Mörder - simsalabim - in eine Scheinbekehrung. 

Man sagt ihm also einfach: Errettet? Pustekuchen! Du warst nie errettet! Dasselbe gilt für alle Ehebrecher, Diebe, Räuber, Betrüger, Meineidige, Verleumder, Denunzianten, Unterdrücker, Gotteslästerer, Götzenanbeter, Totenschänder, Hochmütige, Neidische, Geizige, Habsüchtige, Maßlose, Verräter…

Aus ihrem unverlierbaren Heil, der 100%ig sicheren Errettung, wird durch ihre Tat der absolute Heilsverlust, eine 0%sichere Errettung.

(II) Harmonisierung von calv. und kath. Heilsvorstellung

Der Calvinist stellt niemals das theologische Konstrukt einer unfehlbare Errettung nach eindeutiger Bekehrung in Frage, sondern - im Falle von sündhaftem Verhalten - die Realität seiner Bekehrung (war es vielleicht eine Scheinbekehrung?). Heilstheoretisch läuft es im Ergebnis auf dasselbe hinaus…

Der Katholik erfreut sich an seiner begründeten Hoffnung auf das ewige Heil, weiß aber um die Möglichkeit, durch schwere Sünde aus diesem Stand der Gnade zu fallen und er kennt den Weg der Reue und Buße, diesen notwendigen Stand der Gnade wiederzuerlangen.

Unsicherheit hinsichtlich des ewigen Heils gibt es bei beiden.

Der Katholik wird sich vielleicht fragen, ob eine begangene Sünde „schon“ eine schwere Sünde ist, die dazu führt aus dem Stand der Gnade zu fallen. Der Calvinist verlagert das Problem, indem er bei jedem möglichen sündigen Verhalten seine Bekehrung in Frage stellt.

In beiden Fällen gibt es deshalb im Prinzip denselben Effekt: man achtet genau darauf, was man tut, möglicherweise sehr akribisch, um daraus ein möglichst präzises Werkzeug zu entwickeln, mit dem man ermitteln kann, ob man das ewige Leben wirklich hat oder…

A) durch schwere Sünde aus dem Stand der Gnade gefallen ist (Katholik)

B) durch Sünde deutlich wird, dass die Bekehrung nicht echt war.

Der psychologische Effekt ist allerdings unterschiedlich und durch Max Weber beschrieben (protestantische Arbeitsethik)

A) der Katholik ist per se entlastet, da er ja weiß, dass bei sündhaftem Verhalten sakramentale Werkzeuge zur Verfügung stehen, dies vor Gott wieder in Ordnung zu bringen.

B) der Protestant dagegen müsste sich, wenn er aufgrund seines sündhaften Verhaltens sich seiner Bekehrung nicht sicher ist, selbst immer wieder neu bekehren.

Wenn wir also fragen, wo - psychologisch betrachtet - die größere „Sicherheit des Glaubens“ vorhanden ist, würde ich sagen beim Katholiken, nach dem Sakrament der Beichte sagt ihm die Kirche, dass die Dinge vor Gott zu 100% wieder in Ordnung gebracht sind.

Da es diese Zusicherung im Calvinismuss nicht geben kann, muss er sich im Zweifelsfall selbst zerfleischen und immer wieder neu bekehren, im Grunde sich immer wieder das Heil ein-reden.

Das „Ein-Reden des Heils“ übernimmt im Katholizismus die Kirche, bzw. geschieht durch den verbindlichen Gnaden-Zuspruch eines bevollmächtigen Priesters. Im Calvinismus kann dies nur durch Selbst-Einredung erfolgen… Erstaunlicherweise bestätigt die Psychologie, dass der katholische Weg der effektivere ist.

 

 

 
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1,035
Sep. 25

Anstelle einer Erörterung reichen denke ich zwei Zitate:

„Bemühe dich, in deine innere Kammer hineinzugehen, und du wirst die himmlische Kammer sehen. Denn die eine und die andere sind eins, und durch ein einziges Tor betrittst du beide. Die Leiter zu diesem Königreich ist in deiner Seele verborgen. Tauche ein in dich selbst, weg von der Sünde, und dort wirst du die Stufen finden, auf denen du aufsteigen kannst.“

            Isaak von Ninive

„…Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch“.

                 Yešū’(a)

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111
Sep. 21

Im Rahmen eines anderen Threads kamen wir auf das Thema Rosenkranzbeten zu sprechen. Längst nicht alle Katholiken tun das und viele, gerade evangelikale Christen nehmen Anstoß daran. Der regelmäßige Einwand ist, das Rosenkranzbeten stelle die Gottesmutter Maria in den Vordergrund und lasse ihren Sohn gleichsam „blass“ aussehen, nicht „zur Sprache kommen“, verdränge ihn.

Somit würden Katholiken den Fokus von Jesus Christus Weg auf seine Mutter hin verschieben. Wäre dem so, könnte ich die evangelikalen Vorbehalte und geistlichen Warnungen verstehen. Nur, ist das wirklich so?

Da ich denke, dass das ein eigenständiges Thema sein könnte, hier meine an anderer Stelle erstellte Replik zu diesem Thema:

 

Nehmen wir an, jemand betete einmal am Tag den Rosenkranz (so wie ich es tue und nur empfehlen kann), dann hat er 

# 53 mal die Gottesmutter gegrüßt

# 50 mal Jesus hinsichtlich eines bestimmten „Geheimnisses“ angesprochen

# 3 mal Jesus gebeten, in ihm den Glauben zu vermehren, die Hoffnung zu stärken und die Liebe zu entzünden

# 5 mal das Vaterunser gesprochen

# 5 mal Jesus im dreieinigen Gott angebetet (Ehre sei dem Vater…)

# 5 mal ausdrücklich Jesus um die „Verzeihung der Sünden“ gebeten

# 12 wichtige Punkte des christlichen Jesus-Bekenntnisses bekräftigt (im Apostolicum)

# 2 mal durch Kreuzzeichen Jesus im dreieinigen Gott „körperlich“ unterstrichen.

 

Nimmt man dann noch hinzu, dass ein sich lediglich wiederholender, „formelhafter“ Mariengruß (Lk 1, 28 + 42)

a) anders zu gewichten ist als die Anbetung Gottes im Vaterunser,

b) deutlich weniger stark ins Gewicht fällt als die innige Bitte um Vergebung der Sünden durch Jesus

c) und anders zu bewerten ist als das variierende Erinnern und Bekräftigen der Christusgeheimnisse

dann komme ich zu dem Schluss, dass das Rosenkranzgebet objektiv ein Jesusgebet ist, das lediglich „durch die Brille“ seiner Mutter hindurch gesprochen wird.

 

Hinzu kommt, dass durch die regelmäßig gebeteten, im deutschsprachigen Bereich verbreiteten fünf (nicht nur vier) Rosenkränze zweimal die Woche das vollständige Evangelium „durchgebetet“ wird und zwar wie folgt inhaltlich fokussiert:

1 Menschwerdung Gottes in Jesus (5 freudenreiche Jesus-Geheimnisse)

2 Öffentliches Wirken Jesu (5 lichtreiche Jesus-Geheimnisse)

3 Leiden und Sterben Jesu (5 schmerzreiche Jesus-Geheimnisse)

4 Auferstehung und Verherrlichung Jesu (5 glorreiche Jesus-Geheimnisse)

5 Vollendung der Welt in Jesus Christus (5 trostreiche Geheimnisse)

 

Mir ist in 40 Jahren keine protestantische Gebetsform begegnet, die all das „leistet“, was das Rosenkranzbeten zu leisten in der Lage ist. Deshalb bete ich ihn gern.

Ob und in welcher Weise bestimmte Gebetsformen und Frömmigkeitssübungen einer Gotteserfahrung dienlich oder eher abträglich sind, hängt von so vielen Faktoren ab, dass ich noch nie Gebetsformen anderer Konfessionen negativ beurteilt habe, sondern immer noch interessiert zur Kenntnis nehme und schaue, ob sie mir selbst guttun und weiterhelfen.

Lustigerweise waren es gerade die vehementen evangelikalen Vorbehalte gegen das Rosenkranzbeten, die vor ca. fünf Jahren mein Interesse für diese Gebetsart geweckt haben.

Ebenso bemerkenswert finde ich es im Nachhinein, dass es gerade meine muslimischen Schüler und Bekannten waren, von denen ich an den Wert eines regelmäigen Gebetslebens erinnert wurde…

243
1,134
Sep. 20

Ich Teile nicht gerne Videos aber bei diesem mache ich mal eine Ausnahme. 

Es geht um drei Deutungsweisen der Flut Geschichte. Ich mag diesen Kanal, weil er die starken Argumente aller Positionen aufgreift und präsentiert, aber auch die jeweiligen Gegenargumente liefert. Gebt den Argumenten mal den Raum darüber nachzudenken. Ich bin gespannt, ob sich eure Sicht ändert oder wo ihr landet. 

a) globale Flut
b) lokale Flut
c) eine chiastische Erzählung

Das Original ist auf Englisch aber deutsche Untertitel oder KI generierte deutsche Synchronisation können eingestellt werden. 

Die beängstigende Wahrheit über die Sintflut, über die NIEMAND spricht...

12
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Sep. 15

In unserer westlich katholische/reformatorisch geprägten Theologie. Denken wir beim Thema Sünde in den Kategorien Schuld, Verdammung und Vergebung. 

Der orthodoxe Gedanke kennt dies auch aber es ist nicht der Fokus, der Fokus liegt darauf, was Sünde respektive Gerechtigkeit mit einer Person macht. 

Wer im willen Gottes geht, der wird immer mehr dem Sohn gleich, mit dem Resultat der Theosis.
Wer sündigt, wird immer mehr dem Vater der Sünde gleich, mit dem Resultat der Dämonosis (dies ist kein offizieller Begriff).

Sünde wird also weniger mit Strafe und Gericht in Verbindung gebracht, sondern mit dem Prozess, der darin endet, sich vollkommen von Gott entfernt zu haben und ganz dem Bösen anzugehören. 

 

Was denkt ihr darüber? 

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72
Sep. 09

Das ist eine Frage, die sich hier eigentlich ständig aus fast allen Diskussionen ergibt... einerseits heisst es, dass Gott "allmächtig" sei, und das bedeutet: Nichts geschieht ohne seinen Willen, und alles was geschieht, entspricht seinem Willen - sonst würde es ja nicht geschehen.

Andererseits heisst es immer wieder: Gott will dies nicht, Gott will das nicht. Gott will, dass wir frei sind, und dann eben auch die Konsequenzen tragen. Auch dann, wenn er diese Konsequenzen gar nicht wünscht - obwohl er sie doch selber festgelegt hat.

Es ist auch erstaunlich, was in Diskussionen immer wieder an Aussagen kommen... Gott "kann dies nicht, weil...", Gott "wünscht nicht, dass...", Gott "will, dass es anders ist..." - alles Dinge, die im Grunde aussagen: Gott ist gar nicht allmächtig.

Oder aber, als Konsequenz: Gott ist allmächtig - und deshalb ist alles ganz genau so, wie er es will.

Das erlebe ich in der christlichen Lehre aber praktisch gar nicht (Bei den Juden ist das wohl wieder ein wenig anders). Denn da heisst es immer wieder:

"Gott ist allmächtig, und er will nicht, dass dieses oder jenes geschieht oder dass die Welt so ist, wie sie ist!"

 

Das erscheint mir allerdings absurd. Wie seht ihr das? Ist Gottes Allmacht überhaupt begründbar bzw. mit der christlichen Lehre zu vereinen?

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1,061
Sep. 04

Die Gesamtproblematik von „Heiliger Schrift und kirchliche Lehre“ dreht sich mE um die Frage, wo die letztgültige Autorität des Glaubens verortet ist.

Da die Bibel kein systematisches Lehrbuch, sondern ein vielstimmiges Zeugnis ist, erfordert sie eine Instanz der Auslegung. Zwei unvereinbare (?) Systeme der Autoritätsbegründung stehen sich dabei gegenüber: 

 

(1) Interpretations-Dilemma (Protestantismus): Das Prinzip „Sola Scriptura“ setzt das geschriebene Wort als Letztinstanz und vertraut auf die Klarheit des Textes. 

Da jedoch ein verbindlicher „Schiedsrichter“ fehlt und jeder Gläubige die Bibel selbst auslegt, führt dieser Ansatz zwangsläufig zu innerprotestantischen Widersprüchen und einer Zersplitterung der Lehren.

 

(2) Kontinuitäts-Prinzip (Katholizismus): Der katholische Ansatz gründet auf der Annahme, dass Jesus Christus die Vollmacht zur Lehre und Leitung direkt an die Apostel und deren Nachfolger (das Lehramt) übertragen hat. 

Diese Vollmacht existierte vor den Texten. Die Heilige Schrift begründet das Lehramt daher nicht, sondern bezeugt und bestätigt dessen göttliche Einsetzung im Nachhinein.

 

Unauflösbare (?) Differenz: Aus dieser Vollmacht heraus entfaltet die katholische Tradition Lehren (wie Mariendogmen), die im Bibeltext nur als Samenkorn angelegt sind, vom Lehramt aber als verbindlich erklärt werden. 

Für Protestanten hingegen bleibt jede Lehre illegitim, die sich nicht direkt aus dem Wortlaut der Schrift herleiten lässt – sie lehnen eine personelle, vom Text unabhängige Vollmacht ab.

 

Im Kern geht es also um die Frage: Bezeugt die Bibel eine von Christus eingesetzte, lebendige Lehrautorität der Kirche, oder ist die Bibel selbst die einzige und direkt zugängliche Autorität für den Gläubigen?

 

 

Was mich beschäftigt:

A) Ist die Problemanalyse richtig?

B) Ist diese Differenz unauflösbar?

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Sep. 04

Die Eucharistie: Eine persönlich theologische Betrachtung

Liebe Brüder und Schwestern, in diesem Beitrag möchte ich gern einige Gedanken und meine theologische Position zum Thema „Eucharistie“ teilen. Vielleicht dient dieser Beitrag dazu, dem einen oder anderen einige Gedankenimpulse zu vermitteln, die für die jeweilige Glaubensüberzeugung nützlich sind.

Wenn ich mich an die 1980er Jahre zurückerinnere, dann war meine erste Erfahrung mit der Eucharistiefeier zugleich eine ziemlich traurige. Der Grund dafür war, dass ich an ihr nicht teilnehmen durfte. Als ungetauftes Kind besuchte ich damals eine römisch-katholische Schuleinrichtung mit angeschlossener Kirche und Gemeinde und wurde in diesem Umfeld religiös sozialisiert. Obwohl ich teils am Gemeindeleben teilnahm, blieb ich während der Eucharistie ausgeschlossen. Für ein Kind entsteht dadurch zwangsläufig das Gefühl, nicht vollständig zur Gemeinschaft zu gehören. Heute blicke ich mit einem anderen Verständnis auf diese Zeit zurück. Rückblickend bin ich meinen Eltern sogar dankbar, dass sie mich nicht bereits als Säugling taufen ließen. Dadurch erhielt ich später die Möglichkeit, mich aus eigener Überzeugung und nach einer persönlichen Bekehrung bewusst für die Glaubenstaufe zu entscheiden. Die Eucharistie blieb für mich dennoch lange mit den Eindrücken meiner Kindheit verbunden. Erst als ich begann, mich intensiver mit christlicher Theologie und Philosophie auseinanderzusetzen, erkannte ich ihre tiefgreifende geistliche und heilsgeschichtliche Bedeutung.

 

Ein historischer Blick …
Eine bewährte Methode theologischer und philosophischer Forschung besteht darin, zunächst die historischen Ursprünge eines Themas zu untersuchen. Genau diesen Weg bin ich auch bei der Eucharistie gegangen. Dabei interessierte mich vor allem, welches Verständnis die früheste christliche Kirche, die Nazarenergemeinde, die aus der Jerusalemer Urgemeinde des 1. Jahrhunderts hervorging, von dieser Handlung hatte.

Historisch betrachtet musste ich feststellen, dass die katholische Kirche nach meiner Überzeugung auch in dieser Frage schrittweise von der ursprünglichen Lehre der Urgemeinde abgewichen ist. Tatsächlich sprechen zahlreiche historische Zeugnisse dafür, dass die Apostel, Jünger und ersten Christen die sogenannte Agape feierten. Dabei handelte es sich um ein gemeinsames Liebesmahl, bei dem sich die Gläubigen in Hausgemeinden versammelten, gemeinsam aßen und tranken, Gemeinschaft pflegten und zugleich des Messias gedachten. Das Brechen des Brotes und das Trinken aus dem Kelch waren dabei fester Bestandteil dieses gemeinschaftlichen Mahles.

In diesem Zusammenhang gehörte das Brotbrechen, das heute häufig isoliert als Eucharistie oder Abendmahl gefeiert wird, ursprünglich untrennbar zur Agape. Diese Verbindung verdeutlicht den gemeinschaftlichen Charakter des frühen Christentums. Auch die Apostelgeschichte beschreibt diesen Zusammenhang Apostelgeschichte 2,42. Ebenso heißt es: „Sie brachen das Brot hier und dort in den Häusern und nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens zu sich.“ Apostelgeschichte 2,46.

Der Grund, weshalb die katholische Kirche das Brotbrechen schrittweise aus der Agape herauslöste und daraus eine eigenständige Abendmahlsliturgie entwickelte, wird gewöhnlich mit den Missständen begründet, die Paulus in 1. Korinther 11,17–34 anspricht. Die liturgische Trennung wird somit als notwendige Antwort auf die dort beschriebenen Probleme verstanden.

Historisch ergibt sich jedoch ein anderer Befund. Paulus fordert an keiner Stelle die Abschaffung des Liebesmahls. Vielmehr kritisiert er den unwürdigen Umgang damit und ruft die Gemeinde zu Ordnung, Rücksichtnahme und gegenseitiger Liebe auf. Gerade deshalb erscheint mir ein Blick auf die orientalisch-orthodoxen Kirchen besonders interessant. Diese standen den heidnischen Einflüssen des römischen Westreiches weitgehend fern und bewahrten nach meiner Einschätzung zahlreiche Elemente der ursprünglichen christlichen Tradition.

An dieser Stelle wird vermutlich auch meine eigene Position deutlich. Als großer Freund der restauratorischen Bestrebungen und als Pasagianer begrüße ich es sehr, dass sich heute wieder zunehmend Gemeinden darum bemühen, das isolierte Abendmahl zugunsten des ursprünglichen Liebesmahls neu zu entdecken. Dahinter erkenne ich eine berechtigte Sehnsucht nach den Wurzeln des Christentums, nach einem ursprünglichen und möglichst unverfälschten Glauben, der noch nicht von späteren heidnischen Einflüssen geprägt war.

 

Der Stellenwert eines Sakraments
Betrachtet man die biblischen Grundlagen der Eucharistie, wird deutlich, dass es sich um weit mehr als eine bloße symbolische Handlung handelt. Die Einsetzungsberichte finden sich in Matthäus 26,26–29, Markus 14,22–25, Lukas 22,15–20 sowie in 1. Korinther 11,17–34. Bereits diese Texte verleihen der Eucharistie einen außergewöhnlich hohen Stellenwert.

Den eigentlichen theologischen Schlüssel sehe ich jedoch in Johannes 6,51–56. Gerade diese Verse stellen sowohl philosophisch als auch theologisch eine enorme Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund kann ich den berühmten Abendmahlsstreit der Reformationszeit durchaus nachvollziehen.

Bemerkenswert erscheint mir insbesondere die Wortwahl Jesu. In vielen modernen deutschen Bibelübersetzungen wird die sprachliche Schärfe seiner Aussagen erheblich abgeschwächt.

Im griechischen Urtext verwendet Jesus nicht das gewöhnliche Verb esthíō (ἐσθίω), das allgemein „essen“ bedeutet und im Neuen Testament häufig vorkommt. Stattdessen benutzt er bewusst das Verb trōgein (τρώγειν), das ursprünglich „zerkauen“, „nagen“ oder „zerbeißen“ beschreibt und in der antiken Sprache teilweise sogar mit dem animalischen Zerreißen und fressen rohen Fleisches durch Tiere verbunden und verstanden wurde.

Hinzu kommt, dass Jesus diese Form im Präsens verwendet, wodurch eine fortdauernde oder wiederkehrende Handlung beschrieben wird. Gerade diese ungewöhnliche Wortwahl erklärt, weshalb viele seiner Zuhörer schockiert reagierten. Johannes berichtet ausdrücklich: „Diese Rede ist hart; wer kann sie hören?“ Johannes 6,60.

Nach meinem Verständnis wählte Jesus seine Worte daher wesentlich konkreter, als dies heute vielfach angenommen wird. So provokant diese Aussage zunächst erscheinen mag, spricht er von einer realen sakramentalen Teilhabe an seinem Leib und Blut. Gerade deshalb besitzt die Eucharistie für mich einen realen, physischen und sakramentalen Charakter. In diesem Zusammenhang erscheint sie mir, ebenso wie die Taufe, als heilsrelevantes Sakrament. Unterstützt wird dieses Verständnis durch Jesu Worte im Johannes 6,54.

Um den Anstoß dieser Aussagen sprachlich zu entschärfen, etablierte sich später der Begriff Theophagie, der den Gedanken einer sakramentalen Gottesaufnahme beschreibt und die Assoziation eines wörtlichen Kannibalismus vermeiden soll.

Christus bewirkt durch die Wandlung von Brot und Wein eine Form geistlicher Teilhabe, die sich religionsphilosophisch mit Vorstellungen eines inkorporierenden Kannibalismus vergleichen lässt, wie sie auch aus verschiedenen antiken Religionen und Naturvölkern bekannt sind, etwa im Dionysoskult oder bei den Azteken. Durch das Essen seines Fleisches und das Trinken seines Blutes, wobei das Blut nach 3. Mose 17,14 als Träger des Lebens gilt, schenkt Christus den Gläubigen Anteil an seinem Heil und an seinem göttlichen Leben. Auch Petrus spricht davon, dass Gläubige „Anteil an der göttlichen Natur“ erhalten 2. Petrus 1,4. Ist man mutig, könnte man es mit einer Form der Homöopathiemagie vergleichen. In Naturvölkern ist diese spirituelle Praxis bekannt. (nur als Vergleich zur Vorstellung)

Gerade deshalb halte ich die Eucharistie für einen unverzichtbaren Bestandteil des christlichen Glaubens. Umso mehr erschreckt mich die Entwicklung in manchen protestantischen Gemeinden, in denen ihre Bedeutung zunehmend relativiert wird und sie oftmals nur noch als symbolisches Erinnerungsmahl im Sinne des Memorialismus verstanden wird.

Diese Erfahrung machte ich auch in meiner letzten Baptistengemeinde. Dort wurde zwar angekündigt, die Eucharistie einmal im Monat zu feiern, tatsächlich verging jedoch mehr als ein halbes Jahr, ohne dass überhaupt eine Eucharistie stattfand. Für mich war dies nur schwer nachvollziehbar.

Selbst Martin Luther, dessen Abendmahlsverständnis sich deutlich von meinem unterscheidet, betrachtete die Eucharistie als einen unverzichtbaren Mittelpunkt christlichen Gottesdienstes. Umso mehr hat mich erstaunt, dass sie in manchen Gemeinden heute nur noch eine nebensächliche Rolle spielt. Nach meinem Verständnis wird dadurch die zentrale Bedeutung dessen verkannt, was Christus selbst eingesetzt hat mit den Worten: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Lukas 22,19; 1. Korinther 11,24–25.

 

Zwischen Transsubstantiation und Konsubstantiation
Wenn ich die Eindeutigkeit der Worte Jesu sowie die religionsgeschichtlichen Hintergründe und kulturhistorischen Parallelen betrachte, dann habe ich persönlich keinen Zweifel daran, den Worten des Messias zu vertrauen: Brot und Wein wandeln sich tatsächlich. Aus diesem Grund vertrete ich grundsätzlich die katholische Lehre der Transsubstantiation.

Um dieses Mysterium für mich philosophisch besser einordnen zu können, habe ich im Laufe meines Glaubensweges eine eigene Begrifflichkeit entwickelt. Ich würde sagen, dass Brot und Wein während der Eucharistie hinsichtlich ihrer äußeren Erscheinung und ihrer materiellen Beschaffenheit unverändert bleiben. Mit den Einsetzungsworten Christi werden sie jedoch auf transzendente Weise mit den wahren Bestandteilen des heiligen Leibes und Blutes Christi „bereichert“ oder „angereichert“.

Diese Bestandteile verstehe ich dabei nicht als etwas, das äußerlich auf dem Brot oder Wein liegt, sondern als etwas, das sich im Brot im Anschluss befindet. Als Vergleich denke ich hierbei an Lebensmittel, deren Vitamine oder Mineralstoffe weder sichtbar noch unmittelbar schmeckbar sind und dennoch real vorhanden sind. Aus diesem Grund erscheint es mir sogar sinnvoller, wie in der frühen Kirche ungesäuertes Fladenbrot mit einer porösen Struktur zu verwenden, wie es beispielsweise in der äthiopisch-orthodoxen Kirche bis heute üblich ist, anstatt der heute gebräuchlichen nahezu porenlosen Hostie. Dies ist selbstverständlich keine dogmatische Notwendigkeit, sondern eine persönliche Überlegung, die sich aus meinem Verständnis der Eucharistie ergibt.

 

Die Gegenwartsform Christi
Gerade an diesem Punkt hatte ich lange Zeit die größten theologischen Schwierigkeiten und teilweise beschäftigen sie mich bis heute.

Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass Christus während der Eucharistiefeier real, wahrhaft und wesentlich gegenwärtig ist, obwohl diese Gegenwart den menschlichen Sinnen verborgen bleibt. Diese Lehre der Realpräsenz wird innerhalb der katholischen Dogmatik als selbstverständlich vorausgesetzt.

Mein persönliches Problem besteht jedoch darin, dass ich in der Heiligen Schrift keine ausdrückliche Aussage finde, welche diese konkrete Form der leiblichen Gegenwart eindeutig beschreibt. Deshalb erscheint mir die klassische Vorstellung einer notwendigen leiblichen Realpräsenz nicht zwingend. Ebenso wenig überzeugt mich die Position Ulrich Zwinglis, der das Abendmahl im Wesentlichen als Erinnerungsmahl verstand und die Gegenwart Christi vor allem symbolisch im Herzen der Gläubigen verortete. Auch dieses Verständnis erscheint mir den neutestamentlichen Aussagen nicht vollständig gerecht zu werden.

Am ehesten finde ich mich deshalb in der Position Johannes Calvins wieder, der von einer pneumatischen Präsenz Christi sprach. Dabei handelt es sich nach meinem Verständnis nicht lediglich um eine abstrakte spirituelle Wirkung, sondern um eine reale geistige Gegenwart Christi in personaler Form.

Ich gehe deshalb davon aus, dass Christus während der Eucharistie in seinem verherrlichten geistigen Leib gegenwärtig ist, nicht amorph oder unpersönlich, sondern durchaus gestalthaft und personal aber nicht real.

Philosophisch begründe ich diese Sichtweise damit, dass ich eine gleichzeitige leibliche Multipräsenz Jesu für problematisch halte. Das Neue Testament bezeugt, dass der auferstandene Christus zur Rechten des Vaters sitzt Markus 16,19; Hebräer 1,3; Apostelgeschichte 7,55–56. Daraus ergibt sich für mich die Frage, wie sein verherrlichter Leib gleichzeitig in unzähligen Eucharistiefeiern weltweit physisch gegenwärtig sein soll.

Darüber hinaus sehe ich eine weitere Schwierigkeit. Würde man von einer uneingeschränkten leiblichen Multipräsenz Christi ausgehen, könnte dies philosophisch die Einmaligkeit seines Kreuzestodes relativieren. Schließlich betont die Heilige Schrift ausdrücklich, dass Christus „ein für alle Mal“ geopfert wurde Hebräer 10,10–14. Ebenso finde ich im gesamten Neuen Testament keinen Hinweis darauf, dass Jesus während seines irdischen Wirkens jemals Bilokation oder Multipräsenz praktiziert hätte.

Katholische Theologen entgegnen an dieser Stelle häufig, dass die leibliche Gegenwart Christi notwendig sei, weil ansonsten nicht sichergestellt werden könne, dass sich Brot und Wein tatsächlich in den Leib und das Blut Christi verwandeln und nicht in irgendein anderes Fleisch. Diese Argumentation überzeugt mich persönlich jedoch nicht vollständig. Denn wenn Christus in seinem verherrlichten geistigen Leib real gegenwärtig ist, weshalb sollte er dann nicht ebenso die Wandlung von Brot und Wein bewirken können? Schließlich handelt es sich dennoch um Christus selbst.

Im Gegenteil erscheint mir diese Vorstellung sogar plausibler. Ein Geist ist nicht an räumliche Nähe gebunden und muss deshalb nicht unmittelbar neben dem Altar stehen, um zu wirken. Die sakramentale Wandlung verstehe ich daher als einen geistigen und transzendenten Vorgang, der nicht mechanisch oder physiologisch vermittelt wird, sondern allein durch die göttliche Wirkkraft Christi geschieht. In gewisser Weise ließe sich dies mit dem Wirken des Heiligen Geistes vergleichen, der gleichzeitig an unzähligen Orten gegenwärtig sein und handeln kann Psalm 139,7–10.

Deshalb erschließt sich mir die zwingende Notwendigkeit einer leiblichen Realpräsenz nicht. Nach meinem Verständnis wäre die Eucharistie ebenso vollständig begründet, wenn Christus in pneumatischer Weise real gegenwärtig wäre.

 

Meine Position zum Laienkelch
Auch hinsichtlich des Laienkelches vertrete ich eine klare Position. Hier schließe ich mich ausdrücklich Jan Hus an und lehne die Beschlüsse des Konzils von Konstanz sowie des Konzils von Trient bezüglich der Einschränkung des Kelches für die Laien ab.

Nach meinem Verständnis spricht bereits der Einsetzungsbericht Jesu eindeutig dafür. Christus sagt: „Trinkt alle daraus.“ Matthäus 26,27. Ebenso berichtet Paulus es im 1. Korinther 11,26. Der Kelch ist nach meinem Verständnis daher allen Gläubigen gegeben und nicht ausschließlich dem geweihten Klerus vorbehalten.

In diesem Zusammenhang halte ich die Öffnung durch das Zweite Vatikanische Konzil für einen Schritt in die richtige Richtung. Dennoch sehe ich weiterhin einen deutlichen Abstand zur ursprünglichen Praxis der frühen Kirche. Persönlich würde ich mir wünschen, dass sich Rom noch stärker an der Lehre und Liturgie der orientalisch-orthodoxen Kirchen orientiert, da ich dort viele Elemente der ursprünglichen christlichen Tradition bewahrt sehe.

 

Zusammenfassende Gedanken
Für mich gehört die Eucharistie zu den bedeutendsten und tiefsten geistlichen Handlungen des christlichen Glaubens. Sie ist weit mehr als eine liturgische Zeremonie oder eine bloße Erinnerung an das letzte Mahl Jesu. Vielmehr sehe ich in ihr ein reales Handeln Gottes am Menschen. Nicht wir Menschen bewirken das Sakrament, sondern Gott selbst handelt an uns durch seine Gnade.

Gerade deshalb empfinde ich es als bedauerlich, wenn die Eucharistie innerhalb mancher Gemeinden nur noch eine untergeordnete Rolle spielt oder ausschließlich symbolisch verstanden wird. Nach meinem Verständnis wird dadurch ihre tiefgreifende sakramentale Dimension nicht mehr vollständig erfasst.

Mit diesem Beitrag wollte ich meine persönlichen theologischen und philosophischen Überlegungen zur Eucharistie mit euch teilen. Mich interessiert nun sehr, wie ihr diese Gedanken bewertet.

Sind meine Überlegungen aus eurer Sicht nachvollziehbar oder seht ihr entscheidende Punkte anders? Habt ihr euch selbst bereits intensiver mit der Eucharistie beschäftigt? Welche Bedeutung hat sie für euren Glauben? Ist sie für euch ein zentrales Sakrament und besitzt sie nach eurem Verständnis Heilsrelevanz, oder versteht ihr sie eher als Gedächtnismahl?

LG. Marco 😊 

 

91
609
Sep. 02

Liebe Forums-Mitglieder,

ich bin neu hier und gespannt, ob interessante Diskussionen zustande kommen. Aktuell interessiert mich der Zusammenhang zwischen Sündenstrafe, Gnadenschatz der Heiligen und Ablass in der Katholischen Kirche. Ich sehe das so:


Aus kirchlicher Sicht lässt sich das Zusammenspiel von Sündenstrafe, dem Gnadenschatz der Heiligen und dem Ablass an einer Analogie verdeutlichen, denn zugegebenermaßen ergibt sich diese in 2000 Jahren entfaltete Gnadenlehre nicht direkt aus dem Bibeltext; sie entfaltet ihn jedoch folgerichtig, wozu die Kirche nach katholischer und orthodoxer Sicht durch den Heiligen Geist autorisiert ist.

 

Wenn ein Junge das Fenster einer Nachbarin zertrümmert, vergibt sie ihm zwar sofort, doch das Fenster bleibt kaputt. Dies spiegelt die zeitliche Sündenstrafe wider: Gottes Vergebung tilgt die Schuld, löscht aber nicht die Schadensfolgen in der Seele. 

 

So verkündet der Prophet Nathan König David zwar Gottes Vergebung („Der HERR hat deine Sünde weggenommen“), kündigt aber dennoch zeitliche Konsequenzen zur Bereinigung des Schadens an (2. Samuel 12,13-14).

 

Weil der Junge mit der Reparatur überfordert ist, helfen ihm seine älteren Brüder. Dies entspricht den Verdiensten der Heiligen: Sie sind keine Erlöser, sondern vollendete Geschwister. Da alle Christen einen einzigen Leib bilden, gilt nämlich das Solidaritätsprinzip: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“ (1. Korinther 12,26). Die Früchte ihrer Liebe kommen dem gesamten Organismus zugute.

 

Der Ablass ist der Akt, in dem die Kirche dem umkehrenden Sünder diese „Gnadenschätze“ im Gebet zuwendet, damit die Seele schneller heilt. Sie nutzt dabei die von Christus übertragene Vollmacht: „Was ihr auf Erden lösen werdet, das soll auch im Himmel gelöst sein“ (Matthäus 18,18). 

 

Ein Ablass ist somit kein „billiger“ Freikauf, sondern die biblisch begründete Zusage göttlicher Hilfe durch den Dienst der Kirche.

 

LG Holger F.

30
278
Sep. 01


Dieses Thema kam kürzlich hier in einem anderen Thread auf, und wenn man über "Freiheit im Christentum" redet, dann muss man natürlich fragen, was "Freiheit" eigentlich überhaupt bedeutet. Und das kann sehr verschieden sein.

Für die meisten bedeutet "Freiheit" wohl so viel: "Ich kann tun, was ich will". Für den einen ist das Reisefreiheit, für den anderen die Freiheit der Rede. Viele meinen damit vor allem die eigene Freiheit... Faschisten wünschen sich allerdings die Freiheit, andere unterdrücken zu dürfen, wieder andere wünschen sich ein Land, das "frei" von Menschen ist, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, andere verstehen darunter Reichtum, etliche auch sexuelle Freiheiten... der Möglichkeiten sind da viele.

Ich möchte mich hier mal auf einen bestimmten Gegensatz konzentrieren, der wohl für das Christentum prängend ist. Denn das Christentum wird von vielen Menschen - häufig durchaus zu recht - als einengend und unfrei wahrgenommen. "Christentum" bedeutet für viele Menschen Beschränkungen und Verbote... dies ist schlecht, das ist "Sünde", alles ist verboten. Und etliche Threads hier im Forum in der Form: "Darf man als Christ dieses oder jenes tun...?" scheinen das auch zu bestätigen.

Häufig steht dabei eine generelle Lustfeindlichkeit des Christentums im Zentrum, wobei die Sexualität natürlich eine sehr große Rolle spielt. Kein Sex vor der Ehe, keine Selbstbefriedigung, kein Fremdgehen, keine lüsternen Blicke oder Fantasien... alles ist verboten und eingeschränkt. Manchmal sogar bis hin zu bestimmten Praktiken in der Ehe. Hinzu kommen auch andere Dinge wie Völlerei, Gier und anderes... manche mögen sagen: Alles was Spaß macht ist nicht erlaubt.

Folglich gibt es Tendenzen, die "Freiheit" als etwas betrachten, das dem christlichen Glauben entgegensteht. Warum soll man erwachsene Menschen nicht tun lassen, was sie wollen? Wenn sie sich sexuell austoben wollen... bitte sehr, ist doch nichts dabei, solange alle einverstanden sind! Sollen die Leute doch machen was sie wollen, wer will sich da von irgendwelchen Vorschriften irgendwas verbieten lassen...? Wer Spaß an Orgien hat, welcher Art auch immer... bitte sehr, Freiheit ist angesagt!

Interessanterweise hat Paulus den Begriff der "Freiheit" ganz anders aufgefasst, und das finde ich tatsächlich spannend. Denn Paulus betrachtete jene Leute, die sich ganz ihren Trieben hingaben, als "unfrei". Denn sie waren ja Sklaven des Fleisches, also ihrer Triebe, hatten ihr Leben nicht unter Kontrolle, gaben sich Dingen hin, die ihnen letztlich schadeten.

"Freiheit" bedeutete für Paulus, sich nicht von seinen Trieben beherrschen zu lassen, sondern die Kontrolle dem "Geist" zu übergeben - und nicht dem "Fleisch". 

Paulus hat den Begriff der "Freiheit" also quasi ins Gegenteil verkehrt: "Freiheit" bedeutete nicht, seinen Trieben jederzeit folgen zu können - sondern genau das eben nicht zu tun... bzw. nicht tun zu müssen!

Allerdings besteht der Verdacht, dass Paulus hier möglicherweise zu weit ging. Denn er hat ja auch die Ehelosigkeit propagiert, und das mit der Bemerkung, dass jene, die es halt sonst nicht aushalten, durchaus heiraten mögen... es aber besser sei, es nicht zu tun.

Hier zeigt sich wohl auch die Lustfeindlichkeit, die man dem Christentum oft vorwirft, in dem es nicht nur darum geht, die fleischlichen Gelüste zu kontrollieren - sondern sie vollkommen zu unterdrücken oder sogar zu negieren.

Damit geht der Glaube aber meiner Ansicht nach zu weit, weil das letztlich eine Selbstverleugnung bedeutet. Den Ansatz, die eigenen Triebe zu kontrollieren kann ich noch mitgehen... alles zu leugnen und zu unterdrücken hat aber nichts mehr mit "Freiheit" zu tun, meiner Ansicht nach.

Wichtig finde ich jedenfalls, die unterschiedlichen Vorstellungen von "Freiheit" zu berücksichtigen... und die Frage zu bedenken, wie viel "Freiheit" (in deren Vorstellung) man anderen Menschen zugestehen kann.

Wie sehr ihr das?

Ist Christentum mit "Freiheit" vereinbar... oder ist es eher eine Einschränkung...?

 

530
3,247
Aug. 15

Hallo alle zusammen, wie kriegt ihr eigentlich Paulus und Jesus nach den Synoptikern zusammen? Ich bin hier gescheitert.

Liebe Grüße.

10
139
Juli 27

Hallo zusammen.

habe mir Gedanken über folgenden hypothetischen Fall gemacht" "Das Christentum ist nicht die zu der Person, zu deren Charakter, passende Religion." Konkrete Begründungen können z.B. sein: Die Person ist z.B. zu "weltlich", hat zu sehr Angst vor Krankheiten/Tod, bemisst dem irdischen Leben viel zu hohe Bedeutung bei & ist mehr individualistisch unterwegs anstatt gemeinschaftlich. 

Mich bringt dieses Gedankenspiel sehr zum Nachdenken... Ob es gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele spirituelle Alternativen gibt, viele Menschen vom Glauben an Jesus vielleicht abhält, da sie sich denken "ich passe sowieso nicht in das Bild eines Christen", "schaffe nicht die christlichen Werte auch zu leben" usw...

Freue mich auf Meinungen. 

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241
Juli 25

An Jesus glauben, ihm folgen, Gott in ihm sehen - ja, darum geht es in unserem christlichen Glauben.

Aber dieser Glaube und das Bekenntnis zu ihm steht in Frage – und die heißt: Hat die frühe Christenheit (das NT, die Evangelien, die frühe Kirche) Jesus von Nazareth erst nachträglich und verfälschend zu etwas gemacht (zum alleinigen Heiland & Retter der Welt), was er ursprünglich gar nicht war und sein wollte? Oder haben sie ihn - nachösterlich - erst richtig erkannt und angemessen bekannt., als das was er tatsächlich war, ist & bleibt, und was sich mit ihm offenbart hat?

Im Verständnis unseres Glaubens an Jesus Christus und im Streit um sein Verstehen gibt es oft nur eine "Entweder-Oder"-Alternative: Entweder NUR und AUSSCHLIESSLICH das Bekenntnis zu ihm - oder das Ein-geständnis und die Verwerfung, dass der Glaube an ihn (als den Christus) Verfälschung, Missverstehen und ein Konstrukt ist.

Es gibt, denke ich, noch eine andere Möglichkeit: Sie besteht schlichtweg darin, dass jede brennende Liebe und jede befreiende, beglückende und ehrliche Erfahrung ihren Ausdruck sucht. So weiß ein Verliebter definitiv, dass das Objekt seiner Liebe der/die "Schönste, Beste und Tollste" auf dieser Erde und seit Menschengedenken ist. Niemand verdenkt ihm/ihr diese Liebesbezeugung und einzigartige Bindung. Und es ist nicht die Unwahrheit, sondern Erfahrung, ehrliches Bekenntnis, leidenschaftliches Empfinden.

Objektiv geht es auch nicht darum, Jemandem diese Liebe auszureden oder mieszumachen. Er/sie teilt es mit der Welt. Aber die Verhältnissetzung dieses absoluten Bekenntnisses relatviert sich natürlich, ohne dass die Liebe, die Beziehung und die Erfahrung damit geschmälert oder getrübt wird.


Im 20./21. Jhdt ist die Geschichte, das Welterkennen und unser Wissen aber nun über die Jahrhunderte unvergleichlich zu früheren Zeiten gewachsen und ein anderes. Horizonte der Wahrnehmung sind unvergleichlich geweitet. Das gilt auch für die Geschichtswissenschaft (historisch-kritisches Forschen & Verstehen in allen Bereichen), Religions- und Kulturgeschichte, Religionspsychologie und Religions-Soziologie ... Und davon betroffen ist definitiv auch das Verständnis der Bibel (in ihrer Entstehung und historischen Einordnung, in ihrer traditions- uns literargeschichtlichen Erforschung) und das heute vorhandene global-wahrnehmende, inter-religiöse Wissen.

In all dem kann ich, wenn ich ehrlich bleibe und mich nicht verschließe, bleibende Wahrheiten und Bezüge nicht mehr verabsolutieren, sondern darf sie in ein verstehendes Verhältnis setzen zu Dingen, die die Menschen früherer Zeiten nicht wissen und sehen konnten.

Wenn ich in dieser Gegebenheit der Neuzeit & Gegenwart Christ bin und Christ bleibe, muss ich mich deshalb nicht in die "Entweder-Oder"-Alternative von "Jesus-Wahrheit oder garnix" begeben, sondern glaube mich durch ihn und zu ihm „gottnah & geliebt“, glaube an die Substanz seiner Mission (der heilenden & vergebenden, zu Liebe & Gerechtigkeit rufenden Reich-Gottesbotschaft) und finde zugleich Wahrheiten, Befreiungserfahrungen, Liebe, Erkenntnis und Gerechtigkeit auch außerhalb meiner Christusverbundenheit und außerhalb von Kirche & Christentum.

Die oft so verhärtete Alternative, dass Jesus entweder in trennender Ausschließlichkeit geglaubt werden muss ODER dass der gläubige Jesus-Bezug letztlich aufs Ganze eine Fälschung, Irrung und Illusion ist, ist also mMn nicht zwingend.

L'Chaim

310
1,444
Juli 24

Inwieweit spielt die Angst vor Gott tatsächlich - bewusst oder unbewusst - auch bei Christen noch eine bleibende (den Glauben grundierende bzw. ihn erhaltende) Rolle? 

Ich kenne Menschen, die ihren Glauben längst aufgegeben hätten, weil sie ehrlicherweise an dem Punkt waren, dass er sie nicht mehr trägt, ihnen weder seelisch noch intellektuell eine stimmige Lebensgrundlage schenkt und ein "Freischwimmen" ins Offene für sie dran wäre - aber aus einer tiefsitzenden Angst, sie würden damit doch einer Verdammnis anheimfallen, bleiben sie in dem, was lebensmäßig längst nicht mehr für sie stimmt.

Ich nenne es eine metaphysische Angst, die sie gefangen hält ... ggü. Gott, der als "Angst-Gott" wieder auftaucht und bleibend im Hintergrund lauert, sobald sie "auszubrechen" drohen mit Lebens- und Erkenntnisschritten, die ihre bisherigen Selbstverständlichkeiten des Glaubens und der Gottesbeziehung in Frage stellen.

Ich habe auch erlebt, dass gestandene, treue und gewissenhafte Christenmenschen schwer und nicht im Frieden mit Gott ihren letzten Weg gegangen sind ...  

Wo und wie - und bitte, antwortet jetzt nicht mit Glaubens-Richtigkeiten, Bibelversen und Belehrungen 😉 - kennt Ihr selber, wenn Ihr tief in Euch hineinhorcht und ehrlich seid, eine ANGST VOR GOTT ... ?

L'Chaim

51
304
Juli 22

Hallo allerseits, ich überprüfe gerade oben angegebene Kernlehre der Reformation. Mein Problem ist jedoch, das ich in der Kirchengeschichte sowohl des Ostens als auch Westens bisher hierzu keine Bestätigung gefunden habe - eher das Gegenteil, nämlich die Lehre Glaube und Werk gehören notwendig zusammen und Glaube allein reiche eben nicht zur Rettung aus. Deshalb wollte ich fragen, ob ihr entsprechende Werke einzelner Kirchenväter kennt, die dieses Dogma bestätigen? Liebe Grüße.

131
408
Juli 22

Hallo zusammen,

 

Dass Gott in der Bibel AT straft, ist mir bekannt.

Was mir aber letztens aufgefallen ist, ist dass Jesus nie von Strafe gesprochen hat. Sehr ihr das auch so oder interpretiere ich da was? 

Es gibt Konsequenzen von etwas, auch bei Jesus, also zB im Sinne von nicht ausreichend vorbereitet sein oder keinen Glauben haben  oder ähnliches. Aber nie straft er. Und da wir ja Gott in ihm sehen, würde das ja heissen, dass Gott auch nie straft. 

Kann ich jetzt also getrost alle jene Stellen ignorieren, die von Strafe reden? Ich meine schon…

Was meint ihr?

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1,205
Juli 20

Hallo!

Hatte das schon unter "Authentisch Christsein" gepostet, aber von der Herangehensweise passt es vielleicht hier besser?

Was haltet ihr von der These "für 'Reich Gottes' (dessen Ausbreitung Jesus' größtes Anliegen war, wenn man die Evangelien und das "Vater Unser" betrachtet?) kann man an den meisten Stellen 'Geist-Reich Gottes' also 'die Herrschaft von Gottes Geist' einsetzen"?

--> Es geht mir einfach um vielleicht heutzutage "fassbarere" Wörter für das, was er im Kern gemeint haben mag. 

Und dazugehörig: wenn er von "Gerechtigkeit"/Gerechtigkeit Gottes, oft im selben Atemzug damit spricht: Könnte er in dem Zusammenhang meinen (und man deshalb dafür einsetzen): "(völlige) Übereinstimmung mit dem, wie der Geist Gottes ist und was er macht und will = "Übernommensein" vom Geist (Gottes)"?
(Natürlich müsste man dazu erstmal den "Geist Gottes" gut kennen und in einer ganz engen persönlichen Verbindung mit ihm sein, aber das ist eine andere Frage.)

 

Mich interessieren vor allem auch theologisch/sprach-/kulturwissenschaftlich fundierte Antworten. Aber rein für mich selbst zur Einordnung bzw. zum Verständnis, was Jesus gemeint hat und wonach ich also mein Leben als das Wichtigste ausrichten soll.

Ich habe kein einheitliches theologisches Forum gefunden, in dem ich diese Frage an dezidierte christl. Wissenschaftler hätte stellen können, deshalb frage ich hier. Tipps für eine solche Anlaufstelle aber auch sehr willkommen! Oder vielleicht ist jemand hier selbst dort Mitglied und würde die Frage dort für mich stellen & berichten.

 

Notiz: Mir war lange nicht bewusst, dass die Evangelikalen in den USA sich genau auf den Terminus von Jesus ("Reich Gottes") beziehen, wenn sie immer von der Etablierung des "Kingdom of God" sprechen. Dieses Verständnis wäre m.E. einfach komplett dem entgegengesetzt und darüber bin ich auf die Idee gekommen, dass anscheinend christenweit gar kein einheitliches Verständnis darüber herrscht, was hier eigentlich ausgebreitet werden soll (bzw. auf welche Art: ein "weltliches" Reich oder einfach die Dominanz von Gottes Wesen und Geist (durch die Gläubigen) auf dieser Erde)...

 

Danke Euch!

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104
Juli 09
Hallo Ihr Lieben, Das ist eine provokante Überschrift. Ich will Euch gleich meine Antwort vorweg geben: Nein, das ist er nicht. Jedenfalls nicht der Gott, an den ich glaube. Ich komme auf das Thema, weil in einem anderen Beitrag jemand die Überschrift in "kein MOnster" geändert hat. Das Thema liegt scheinbar vielen auf der Seele: Warum hat Gott die Ausrottung so vieler Volker durch das Volk Israel befohlen, die im verheißenen Land wohnten? Selbst Gott legte Hand an. Sein Engel tötete in einer Nacht 185000 Mann der Armee der Assyrer, Jeremia 37:36. Mit solchen Berichten wird Gott JHWH immer wieder als blutrünstiger Rachegott dargestellt. Ist er das wirklich? Hatte es damit zu tun, daß alle diese ausgerotteten Völker grausigste Opferzeremonien 'pflegten'? Dazu gehörten vor allem Kinderopfer. Und diese opferten sie nicht dem Gott JHWH, sondern dem Baal. Nebenbei bemerkt, wird 'Baal' auch nur die Bedeutung von Herr, Meister, Besitzer, Ehemann, König oder Gott. Baal war ein Titel, der für jeden Gott verwendet werden konnte. Quelle:Wikipedia Die Baalsanbeter ließen ihre Kinder durchs Feuer gehen. Und wurden deswegen von der Bildfläche entfernt. So schlussfolgere ich. Aber wie passt es, daß Gottes Volk, das Volk Israel, das später aus den Israeliten im Norden und den Judäern im Süden bestand, ebenso Kinder opferten 2.Könige 16:2,3 2.Könige 23:10 Jeremia 32:35 und dafür lediglich die Schelte von Propheten bekamen, obwohl Gott ihnen in seinem Gesetz 3.Mose 18:21 5.Mose 18:10 solches verbot? SEIN Volk rottete JHWH nicht aus. SEIN Volk bestrafte und ermahnte er lediglich. Hätte ER das nicht auch mit den anderen Völkern tun können, anstatt sie auszurotten? Zum Verständnis dessen, was im AT aufgeschrieben wurde, mag das Buch "Tagebuch der Menschheit" von Schaik und Michel etwas Erhellung beitragen. Und BITTE: jede/jeder hat seine eigene Meinung, die darf er/sie gerne äußern. Wenn Ihr unterschiedlicher Meinung seid, respektiert Euch und antwortet bitte freundlich. Ein Disput sollte in diesem Forum freundlich ausgetragen werden. (Siehe Galater, Frucht des Geistes) Jede/Jeder sei willkommen, seinen Beitrag zu schreiben. Wenn Ihr Quellen für Eure Meinung/Behauptung habt, schreibt sie bitte dazu, das macht es leichter, darauf zu antworten.
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2,646
Juli 09

Zur Übersetzung von ἁμαρτία (hamartia) und ἁμαρτάνειν (hamartanein) im sogenannten Neuen Testament

Warum die Wiedergabe mit „Sünde” eine semantische Verzerrung darstellt und warum „Verfehlung” der nüchternere, präzisere Ausdruck ist.

Sünde ist eine kirchengeschichtlich aufgeladene Schuldkategorie, ein juridisch gefärbter Zustandsbegriff, dessen versprochene Auflösung sich systembedingt in endloser Wiederholung verliert: der Vergebung folgt der nächste Fall, der nächste Beichtgang, das nächste Sakrament.

Was sich als Heilsangebot ausgibt, erweist sich der Sache nach als Dauerverwaltung eines Mangels.

Wenige theologische Begriffe haben die abendländischen religiösen Gemeinschaften und institutionellen Einrichtungen so tief geprägt (und zugleich so nachhaltig verzerrt) wie eben dieses Wort. Es ist zum semantischen Zentralgestirn ganzer dogmatischer Systeme geworden, hat Bußpraxis, Ablasswesen, Beichtordnung und Erbsündenlehre umkreist und sich dabei so weit von seinem griechischen und hebräischen Ausgangswort entfernt, daß heutige Leser des deutschen Bibeltextes bei „Sünde” nahezu reflexhaft an Schuld, Gesetzesübertretung und moralische Befleckung denken, selten jedoch an das, was im Grundtext eigentlich gesagt wird.

Im Zentrum der Frage stehen das griechische Substantiv ἁμαρτία (hamartia) und das zugehörige Verb ἁμαρτάνειν (hamartanein), die im Neuen Testament an theologisch entscheidenden Stellen begegnen und im Hintergrund das hebräische חטא (chata) der hebräischen Schriften, das in der Septuaginta fast durchgängig mit ἁμαρτία wiedergegeben wird

Die folgende Abhandlung untersucht, warum die herkömmliche Übersetzung mit „Sünde” weder philologisch noch sachlich angemessen ist, und argumentiert, daß die nüchterne Wiedergabe mit „Verfehlung” im Bedarfsfall durch „(Ziel-) Verfehlung” als erklärende Präzisierung ergänzt, das Bedeutungszentrum des Grundtextes deutlich genauer trifft.

I. Wortwörtliche Bedeutung: ἁμαρτία ist „Verfehlung”


ἁμαρτία ist ein Substantiv, gebildet aus dem Verbalstamm ἁμαρτ- und der Endung -ία, die im Griechischen häufig abstrakte Substantive bildet (vergleichbar deutschen Bildungen auf „-ung” oder „-heit”). Wortwörtlich bedeutet ἁμαρτία daher: „Verfehlung”, im konkreten Sinn von „das Nicht-Treffen” oder „das Fehlgehen”. Das zugrunde liegende Verb ἁμαρτάνειν trägt die Bedeutungen „verfehlen”, „nicht treffen”, „fehlgehen”, „den Punkt nicht erreichen” oder (kontextabhängig) „das Ziel verfehlen”. Daraus ergeben sich für ἁμαρτία wortnahe Wiedergaben wie „das Verfehlen” (als Vorgang), „die Verfehlung” (als Ergebnis) oder „das Nicht-Treffen” (als Zustand gegenüber einem verfehlten Bezugspunkt).
Eine kleine, aber instruktive philologische Beobachtung: Das α- am Wortanfang ist kein Alpha privativum, also keine Verneinungs-Vorsilbe (wie in „a-moralisch” oder „a-typisch”), sondern gehört zum Stamm selbst. Die Verfehlung wird nicht durch eine Vorsilbe „nicht-” gebildet, sondern liegt im Verb ἁμαρτάνειν unmittelbar.
Für den weiteren Argumentationsgang ist entscheidend, daß eine wortwörtliche Übersetzung nicht „Sünde”, nicht „Schuld” und nicht „Übertretung” ergibt, sondern zunächst schlicht „Verfehlung”. Erst wenn der im Verb mitgedachte Bezugspunkt ausdrücklich genannt werden soll, entsteht die erklärende Präzisierung „(Ziel-) Verfehlung”. Wichtig ist hier eine morphologische Klarstellung: ἁμαρτία setzt sich nicht transparent aus heute noch erkennbaren Wortteilen für „Ziel” und „Verfehlung” zusammen; das Wort enthält kein eigenes griechisches Lexem für „Ziel”. Das „Ziel” steckt vielmehr in der Bedeutung des Verbs ἁμαρτάνειν, sofern dieses im Sinne von „ein Ziel verfehlen” gebraucht wird. „(Ziel-) Verfehlung” ist also eine sinnnahe und in vielen Kontexten erhellende Wiedergabe, aber morphologisch nicht wörtlich. Wörtlich am nächsten ist und bleibt: Verfehlung.

II. Die Bildlogik: Verfehlen eines Bezugspunkts


Das Verb ἁμαρτάνειν kann in einer seiner konkreten klassischen Verwendungen das Verfehlen eines Ziels bezeichnen, beim Bogenschuß ebenso wie beim Wurf oder bei jeder anderen Form des gerichteten Tuns. Bei Homer, in der griechischen Tragödie und in Aristoteles’ Poetik, wo die ἁμαρτία des tragischen Helden den fatalen Fehlgriff bezeichnet, der den Untergang einleitet, ist die Bildlogik des Verfehlens noch deutlich präsent. In der klassisch-griechischen Verwendung ist ἁμαρτία dabei zunächst moralisch neutral: ein objektives Fehlgehen, kein primär schuldhafter Akt.
Hier ist allerdings methodische Vorsicht geboten. Aus dem Befund, daß für das Verb ἁμαρτάνειν „ein Ziel verfehlen” als konkreter Sinn belegt ist, folgt nicht, daß im Substantiv ἁμαρτία im Neuen Testament durchgehend eine aktive Bogen- oder Schützenmetapher mitschwingt. Lexikalisch ist ἁμαρτία in der gräzistischen Belegbreite eher allgemein „Fehler”, „Fehlhandlung”, „Verfehlung”; in religiöser und neutestamentlicher Verwendung tritt der ethische Sinn deutlich hervor. Die Bogen- oder Pfeilmetapher ist daher als anschauliche Veranschaulichung der Grundvorstellung legitim, sie ist aber kein durchgängig mitlaufender Wortbestandteil und sollte philologisch nicht so behandelt werden, als sei sie es.
Das hebräische Pendant חטא (chata) trägt eine vergleichbare Bildlogik. Auch dieses Verb bedeutet zunächst und buchstäblich: „verfehlen”. Ein aufschlußreicher Beleg ist Richter 20,16: Dort wird von Schleuderern berichtet, die einen Stein „auf ein Haar” schleudern und „nicht חטא“, also nicht verfehlen. Die Stelle ist als Beispiel für den konkreten, unmetaphorischen Gebrauch des Wortes hervorragend geeignet; es geht hier ausdrücklich nicht um Bogenschützen, sondern um Schleuderer, was die These einer ausschließlich auf den Bogen bezogenen Grundmetapher zusätzlich relativiert. Die Wortbildung trägt vielmehr die allgemeinere Vorstellung: zielen und nicht treffen. Erst durch metaphorische Übertragung wird der Begriff theologisch gefüllt: das Verfehlen des göttlichen Maßstabs, das Verfehlen der Beziehung, in der der Mensch stehen soll.
Daß die Septuaginta-Übersetzer im 3. und 2. Jahrhundert vor der Zerstörung des zweiten Tempels חטא mit ἁμαρτία wiedergaben, war kein Zufall, sondern philologisch konsequent: zwei Sprachen, dieselbe Grundvorstellung des Fehlgehens, dieselbe Offenheit für metaphorische Vertiefung.

III. Wie aus dem Verfehlen das deutsche Wort „Sünde” wurde


Die entscheidende Verschiebung geschieht in zwei Schritten. Zunächst über die lateinische Tradition: Vetus Latina und Vulgata übersetzten ἁμαρτία mit peccatum, das im klassischen Latein zwar zunächst breit „Fehltritt”, „Versehen”, „Vergehen” bedeutete, in der kirchenlateinischen Verwendung aber eine massive Verengung erfuhr; vom Versehen zum Vergehen, vom Fehltritt zum schuldhaften Bruch des göttlichen Gesetzes, schließlich zur juridisch-sakramental verhandelten Größe, die mit peccatum mortale, peccatum veniale und peccatum originale ein ganzes System dogmatischer Kategorien aufspannte.
Der zweite Schritt vollzieht sich im Deutschen, und hier wird die etymologische Spurensuche besonders aufschlußreich. Das deutsche Wort „Sünde” ist durch kirchliche Dogmatik, Bußpraxis und Schuldvorstellungen stark aufgeladen; etymologisch wird es mit althochdeutsch sunta und mittelhochdeutsch sünde verbunden. In etymologischen Darstellungen (etwa bei Grimm und Kluge-Seebold) wird eine Herleitung aus einer germanischen Wurzel diskutiert, die mit „seiend, wahr” zusammenhängt; die Nähe zum altnordischen sannr („wahr”; auch „schuldig”) und zum lateinischen sons („schuldig”) wird in diesem Zusammenhang regelmäßig genannt. Diese Herleitung ist in der Forschung nicht unumstritten und hier nicht als gesicherte Endaussage zu verstehen, aber sie weist in eine bemerkenswerte Richtung: „Sünde” hat im Deutschen, anders als ἁμαρτία im Griechischen, eine forensisch-juridische Färbung schon im sprachlichen Vorfeld. Was etymologisch durchschimmert, ist nicht das Bild des Verfehlens, sondern die Vorstellung der erwiesenen Tatschuld.
Das Resultat ist eine Übersetzung, in der vom griechischen Original kaum noch etwas durchscheint. Wer im Deutschen „Sünde” hört, denkt an Schuld, Strafe, Beichte, Befleckung, Erbsünde, Sündenfall, Sündenstrafe, Sündenbock, ein institutionell, moralisch und juridisch geprägtes Bedeutungsfeld. Was er nicht hört, ist das, worauf der Grundtext zielt: das nüchterne Faktum eines Verfehlens.

IV. Die etablierten Alternativen und ihre Grenzen


Neuere Bibelübersetzungen haben den Verzerrungseffekt erkannt und Alternativen versucht.
Das Wort „Übertretung” verschiebt den Fokus erneut ins Juridische: man übertritt eine Linie, ein Gebot, ein Gesetz. Das Bild des Verfehlens verschwindet vollständig; an seine Stelle tritt das räumliche Bild des Schwellenüberschreitens. Das paßt gelegentlich zu παράβασις (parabasis) oder παράπτωμα (paraptoma), nicht aber als Standardwiedergabe von ἁμαρτία.
Das Wort „Schuld” ist die theologisch gewichtigste, aber zugleich die weitestgehende Verschiebung: Hier wird das Verfehlen eines Bezugspunkts durch den juristischen Schuldzustand ersetzt, also gerade durch jene Bedeutung, die das deutsche Wort „Sünde” schon mitbringt. Es ist der Tautologie-Effekt: das eine wird durch das andere erklärt, ohne daß zur Sache vorgedrungen würde.
Das Wort „Verfehlung” schließlich ist die nächste und nüchternste Wiedergabe und sollte als Grundübersetzung gewählt werden, gerade weil sie den semantischen Kern von ἁμαρτία wiedergibt, ohne den Inhalt der jeweiligen Verfehlung vorwegzunehmen. Der oft erhobene Einwand, das Ziel bleibe bei „Verfehlung” unsichtbar, ist sachlich gerade kein Mangel, sondern die korrekte philologische Repräsentation: ἁμαρτία benennt zunächst nichts anderes als den Sachverhalt des Fehlgehens. Was genau verfehlt wird, Treue, Glaube, Gesetz, Liebe, Gerechtigkeit, die Bestimmung zum Ebenbild Gottes, die Gemeinschaft mit dem Vater, ergibt sich aus dem jeweiligen Textzusammenhang. Das deutsche „Sünde” macht dagegen aus der Verfehlung schon vor jeder Kontextprüfung eine Schuldkategorie.

V. „(Ziel-) Verfehlung” als Auslegungshilfe, nicht als Standardübersetzung


Wo der biblische Kontext es nahelegt, ist „(Ziel-) Verfehlung” eine wertvolle erklärende Wiedergabe. Sie hat drei Vorzüge:
— Sie macht den Aspekt des Verfehlens unübersehbar.
— Sie verhindert, daß der Leser sofort und reflexhaft an die kirchliche Schuldmechanik denkt.
— Sie zwingt zur Frage: Welches Ziel wird verfehlt? (und damit zur Auslegungsarbeit, die die Übersetzung mit „Sünde” seit Jahrhunderten vermeintlich erspart).
Zugleich hat das Wort spürbare Nachteile: Es klingt im Deutschen technisch-abstrakt, und das Verb „ziel-verfehlen” wirkt sprachlich künstlich und wäre für eine Bibelübersetzung in der Fläche stilistisch schwer tragbar. „(Ziel-) Verfehlung” eignet sich daher nicht als durchgängige Standardwiedergabe, sondern als erklärende Präzisierung, als hermeneutische Hilfe und als didaktischer Ausdruck, überall dort, wo das Fehlgehen gegenüber einer von Gott her gesetzten Bestimmung im Vordergrund steht.

VI. Zwei neutestamentliche Prüfsteine
Römer 3,23. Der Vers lautet sinngemäß: „Alle haben verfehlt und ermangeln / bleiben zurück hinter der Herrlichkeit Gottes.” Die Formulierung paßt sehr gut zu einer „(Ziel-) Verfehlungs”-Lesart und ist einer der starken Texte für den Gedanken, daß die Menschen hinter einem von Gott her gesetzten Maß zurückbleiben. Sie beweist aber nicht, daß ἁμαρτία hier primär als Bogenschußmetapher gemeint ist; das Bild liegt im Bereich der nahegelegten Veranschaulichung, nicht im Bereich des philologisch zwingend Mitgemeinten. Auch die Wendung „Herrlichkeit Gottes” ist exegetisch umstritten: vertreten werden u. a. die Lesarten „Gottes Herrlichkeit nicht widerspiegeln”, „nicht an der von Gott gemeinten Herrlichkeit teilhaben” und „hinter Gottes Standard zurückbleiben”. Was alle drei Lesarten gemeinsam haben, ist gerade die Grundvorstellung des Zurückbleibens hinter einem Bezugspunkt, und damit die Strukturlogik, die im griechischen Wort selbst angelegt ist.
1Johannes 3,4. Der Vers stellt eine Identifikation auf, die als scheinbarer Einwand gegen die hier vorgeschlagene Lesart wirken könnte: ἡ ἁμαρτία ἐστὶν ἡ ἀνομία, daß ist: „die Verfehlung ist die Gesetzlosigkeit”. Damit wird ἁμαρτία unmittelbar mit ἀνομία verbunden, also mit Normwidrigkeit gegenüber dem Gesetz. Bei genauerem Hinsehen verschärft die Stelle aber gerade die Frage, statt sie zu schließen: Welches Gesetz ist gemeint? Und für wen gilt es? Wer will dieses Gesetz halten, und wer kann es halten? Der Verfasser des ersten Johannesbriefes setzt ein Gesetzesverständnis voraus, das im Kontext des Werkes eng mit dem Gebot der gegenseitigen Liebe verbunden ist (vgl. 1 Johannes 3,11.23), nicht ein abstrakter, juristisch verwalteter Strafkodex. Und Paulus’ Antwort auf eben dieselbe Frage ist hochkomplex: Er schreibt zugleich, daß durch das Gesetz die Erkenntnis der ἁμαρτία (Verfehlung) komme (Römer 3,20), daß das Gesetz heilig (d.i. abgesondert für…) sei (Römer 7,12), und daß dennoch niemand durch Werke des Gesetzes gerechtfertigt werde (Galeter 2,16). Eine Übersetzung mit dem schon vorbelasteten Wort „Sünde” suggeriert eine Eindeutigkeit der „Schuld vor dem Gesetz”, die der neutestamentliche Befund gerade nicht hergibt. „Verfehlung” hält die Frage offen und verlangt vom Leser, sie aus dem jeweiligen Textzusammenhang zu beantworten.

VII. Das eigentliche Problem der Standardübersetzung „Sünde”


Der Befund läßt sich knapp zusammenfassen: In Bibelübersetzungen wird ἁμαρτία sehr häufig institutionell-religiös als „Sünde” mit dem ganzen Schuldkomplex wiedergegeben, obwohl der griechische Kontext oft nur von einem Verfehlen (etwa im Sinne eines verfehlten Ziels) spricht. Damit trägt die Übersetzung etwas in den Text hinein, was im Wort selbst nicht steht: eine spätere institutionell-kirchlich und dogmatische Schuldsemantik, die als Auslegung in bezeichneten Kreisen legitim sein mag, als Wiedergabe aber präjudiziert, was sich allein aus dem Kontext klären sollte.
Die wortwörtliche Übersetzung zeigt dies unmißverständlich: „Sünde” gibt nicht die elementare Grundbedeutung von ἁμαρτία wieder, sondern eine traditionsgeschichtlich verdichtete, religiös-institutionell geprägte Auslegung des Bedeutungsfeldes und diese Auslegung wird, sobald sie in Übersetzungen den Status der Standardwiedergabe erhält, im Bewußtsein der Leser zur scheinbar selbstverständlichen Bedeutung des Wortes.

VIII. Objektive Qualität vor traditioneller Naivität


Die wortwörtliche Übersetzung von ἁμαρτία ist nicht „Sünde”, nicht „Schuld” und nicht „Übertretung”, sondern schlicht: Verfehlung. Diese Wiedergabe ist gegenüber „Sünde” die präzisere Grundübersetzung, weil sie den semantischen Kern des griechischen Wortes wiedergibt, ohne den Inhalt der jeweiligen Verfehlung vorwegzunehmen. Erst der Kontext zeigt, worin die Verfehlung im einzelnen besteht: Untreue, Unglaube, Gesetzlosigkeit, Gewalt, Götzendienst, Lieblosigkeit, Trennung von der Gemeinschaft mit Gott oder Verfehlen der göttlichen Bestimmung.
„(Ziel-) Verfehlung” und in zurückhaltender Verwendung auch das Verb „ziel-verfehlen”, ist als erklärende Auslegungshilfe wertvoll: dort, wo das Fehlgehen gegenüber einer von Gott her gesetzten Bestimmung in den Blick treten soll. Als durchgängige Standardübersetzung trägt das Kompositum jedoch eine Spezifizierung in den Text ein, die das griechische Wort an dieser Stelle gar nicht von sich aus mitbringt; es eignet sich daher als Präzisierung, nicht als Ersatz.
„Sünde” hingegen ist als Standardübersetzung irreführend, weil sie eine spätere institutionell-kirchlich und dogmatische Schuldsemantik in den Text einträgt und in dieser Schuldsemantik bleibt der Mensch dauerhaft gefangen, denn das System, das die Sünde verwaltet, lebt von ihrem Fortbestand.
„Verfehlung” als Grundübersetzung hält (wie das griechische Grundtextwort) den Begriff offen und erlaubt dem jeweiligen biblischen Zusammenhang, seine eigene Stimme zu finden. Damit wird sichtbar, was die institutionelle Übersetzungstradition systematisch verdeckt: daß die biblische Rede vom Fehlgehen des Menschen nicht bei einer Schuldverwaltung endet, sondern bei der Frage anfängt, was ist es, hinter dem zurückgeblieben wird, und wer ist es, dem gegenüber das Ziel verfehlt wurde?
Diese Frage offenzuhalten (und gerade nicht durch ein vorbelastetes Wort vorzeitig zu beantworten) ist die eigentliche Aufgabe einer Bibelübersetzung, die der Sache dienen will und nicht der Tradition.

Holger T. Schubert

40
418
Juli 03

Liebe alle,

meine Überschrift ist rein sachlich gewählt. 😉

Im Thread „Hölle“ trat ein Aspekt auf, den ich gerne weiterverfolgen möchte:

Wo kommt unsere Seele her und wie geht es ihr/ mit mir weiter? 

Ein Nebenthema, das sich da für mich anschließt: Was macht eigentlich „mein Ich“ aus?

 

Wenn ihr den Zusammenhang nachlesen möchtet:

Über Präexistenz der Seele, Kreatianismus der Seele und Traduzianismus der Seele

Der Beitrag, auf den ich mich beziehe.

Und hier meine vielen Fragen

 

LG Seidenlaubenvogel 

23
231
Juni 24

Da wir gerade bei John Lennox sind.

Hier ein äusserst wertvoller Ausschnitt aus einem Vortrag zum Thema was das Wort Tag in Genesis meint. Und da man mittlerweile eine Deutsche Synchronisation einschalten kann habe ich auch keine bedenken dies hier zu posten. 

Den ganzen Vortrag könnt ihr hier hören.

Besonders interessant für alle die an einer Siebentages-Schöpfung festhalten. 

9
89
Juni 23


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