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Theologie

Von ganz schön schwierig bis ganz schön praktisch
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Das ist eine Frage, die sich hier eigentlich ständig aus fast allen Diskussionen ergibt... einerseits heisst es, dass Gott "allmächtig" sei, und das bedeutet: Nichts geschieht ohne seinen Willen, und alles was geschieht, entspricht seinem Willen - sonst würde es ja nicht geschehen.

Andererseits heisst es immer wieder: Gott will dies nicht, Gott will das nicht. Gott will, dass wir frei sind, und dann eben auch die Konsequenzen tragen. Auch dann, wenn er diese Konsequenzen gar nicht wünscht - obwohl er sie doch selber festgelegt hat.

Es ist auch erstaunlich, was in Diskussionen immer wieder an Aussagen kommen... Gott "kann dies nicht, weil...", Gott "wünscht nicht, dass...", Gott "will, dass es anders ist..." - alles Dinge, die im Grunde aussagen: Gott ist gar nicht allmächtig.

Oder aber, als Konsequenz: Gott ist allmächtig - und deshalb ist alles ganz genau so, wie er es will.

Das erlebe ich in der christlichen Lehre aber praktisch gar nicht (Bei den Juden ist das wohl wieder ein wenig anders). Denn da heisst es immer wieder:

"Gott ist allmächtig, und er will nicht, dass dieses oder jenes geschieht oder dass die Welt so ist, wie sie ist!"

 

Das erscheint mir allerdings absurd. Wie seht ihr das? Ist Gottes Allmacht überhaupt begründbar bzw. mit der christlichen Lehre zu vereinen?

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Vor 18 Minuten

Dieses Thema kam kürzlich hier in einem anderen Thread auf, und wenn man über "Freiheit im Christentum" redet, dann muss man natürlich fragen, was "Freiheit" eigentlich überhaupt bedeutet. Und das kann sehr verschieden sein.

Für die meisten bedeutet "Freiheit" wohl so viel: "Ich kann tun, was ich will". Für den einen ist das Reisefreiheit, für den anderen die Freiheit der Rede. Viele meinen damit vor allem die eigene Freiheit... Faschisten wünschen sich allerdings die Freiheit, andere unterdrücken zu dürfen, wieder andere wünschen sich ein Land, das "frei" von Menschen ist, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, andere verstehen darunter Reichtum, etliche auch sexuelle Freiheiten... der Möglichkeiten sind da viele.

Ich möchte mich hier mal auf einen bestimmten Gegensatz konzentrieren, der wohl für das Christentum prängend ist. Denn das Christentum wird von vielen Menschen - häufig durchaus zu recht - als einengend und unfrei wahrgenommen. "Christentum" bedeutet für viele Menschen Beschränkungen und Verbote... dies ist schlecht, das ist "Sünde", alles ist verboten. Und etliche Threads hier im Forum in der Form: "Darf man als Christ dieses oder jenes tun...?" scheinen das auch zu bestätigen.

Häufig steht dabei eine generelle Lustfeindlichkeit des Christentums im Zentrum, wobei die Sexualität natürlich eine sehr große Rolle spielt. Kein Sex vor der Ehe, keine Selbstbefriedigung, kein Fremdgehen, keine lüsternen Blicke oder Fantasien... alles ist verboten und eingeschränkt. Manchmal sogar bis hin zu bestimmten Praktiken in der Ehe. Hinzu kommen auch andere Dinge wie Völlerei, Gier und anderes... manche mögen sagen: Alles was Spaß macht ist nicht erlaubt.

Folglich gibt es Tendenzen, die "Freiheit" als etwas betrachten, das dem christlichen Glauben entgegensteht. Warum soll man erwachsene Menschen nicht tun lassen, was sie wollen? Wenn sie sich sexuell austoben wollen... bitte sehr, ist doch nichts dabei, solange alle einverstanden sind! Sollen die Leute doch machen was sie wollen, wer will sich da von irgendwelchen Vorschriften irgendwas verbieten lassen...? Wer Spaß an Orgien hat, welcher Art auch immer... bitte sehr, Freiheit ist angesagt!

Interessanterweise hat Paulus den Begriff der "Freiheit" ganz anders aufgefasst, und das finde ich tatsächlich spannend. Denn Paulus betrachtete jene Leute, die sich ganz ihren Trieben hingaben, als "unfrei". Denn sie waren ja Sklaven des Fleisches, also ihrer Triebe, hatten ihr Leben nicht unter Kontrolle, gaben sich Dingen hin, die ihnen letztlich schadeten.

"Freiheit" bedeutete für Paulus, sich nicht von seinen Trieben beherrschen zu lassen, sondern die Kontrolle dem "Geist" zu übergeben - und nicht dem "Fleisch". 

Paulus hat den Begriff der "Freiheit" also quasi ins Gegenteil verkehrt: "Freiheit" bedeutete nicht, seinen Trieben jederzeit folgen zu können - sondern genau das eben nicht zu tun... bzw. nicht tun zu müssen!

Allerdings besteht der Verdacht, dass Paulus hier möglicherweise zu weit ging. Denn er hat ja auch die Ehelosigkeit propagiert, und das mit der Bemerkung, dass jene, die es halt sonst nicht aushalten, durchaus heiraten mögen... es aber besser sei, es nicht zu tun.

Hier zeigt sich wohl auch die Lustfeindlichkeit, die man dem Christentum oft vorwirft, in dem es nicht nur darum geht, die fleischlichen Gelüste zu kontrollieren - sondern sie vollkommen zu unterdrücken oder sogar zu negieren.

Damit geht der Glaube aber meiner Ansicht nach zu weit, weil das letztlich eine Selbstverleugnung bedeutet. Den Ansatz, die eigenen Triebe zu kontrollieren kann ich noch mitgehen... alles zu leugnen und zu unterdrücken hat aber nichts mehr mit "Freiheit" zu tun, meiner Ansicht nach.

Wichtig finde ich jedenfalls, die unterschiedlichen Vorstellungen von "Freiheit" zu berücksichtigen... und die Frage zu bedenken, wie viel "Freiheit" (in deren Vorstellung) man anderen Menschen zugestehen kann.

Wie sehr ihr das?

Ist Christentum mit "Freiheit" vereinbar... oder ist es eher eine Einschränkung...?

 

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Vor 6 Stunden

Hallo alle zusammen, wie kriegt ihr eigentlich Paulus und Jesus nach den Synoptikern zusammen? Ich bin hier gescheitert.

Liebe Grüße.

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Juli 27

Hallo zusammen.

habe mir Gedanken über folgenden hypothetischen Fall gemacht" "Das Christentum ist nicht die zu der Person, zu deren Charakter, passende Religion." Konkrete Begründungen können z.B. sein: Die Person ist z.B. zu "weltlich", hat zu sehr Angst vor Krankheiten/Tod, bemisst dem irdischen Leben viel zu hohe Bedeutung bei & ist mehr individualistisch unterwegs anstatt gemeinschaftlich. 

Mich bringt dieses Gedankenspiel sehr zum Nachdenken... Ob es gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele spirituelle Alternativen gibt, viele Menschen vom Glauben an Jesus vielleicht abhält, da sie sich denken "ich passe sowieso nicht in das Bild eines Christen", "schaffe nicht die christlichen Werte auch zu leben" usw...

Freue mich auf Meinungen. 

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Juli 25

An Jesus glauben, ihm folgen, Gott in ihm sehen - ja, darum geht es in unserem christlichen Glauben.

Aber dieser Glaube und das Bekenntnis zu ihm steht in Frage – und die heißt: Hat die frühe Christenheit (das NT, die Evangelien, die frühe Kirche) Jesus von Nazareth erst nachträglich und verfälschend zu etwas gemacht (zum alleinigen Heiland & Retter der Welt), was er ursprünglich gar nicht war und sein wollte? Oder haben sie ihn - nachösterlich - erst richtig erkannt und angemessen bekannt., als das was er tatsächlich war, ist & bleibt, und was sich mit ihm offenbart hat?

Im Verständnis unseres Glaubens an Jesus Christus und im Streit um sein Verstehen gibt es oft nur eine "Entweder-Oder"-Alternative: Entweder NUR und AUSSCHLIESSLICH das Bekenntnis zu ihm - oder das Ein-geständnis und die Verwerfung, dass der Glaube an ihn (als den Christus) Verfälschung, Missverstehen und ein Konstrukt ist.

Es gibt, denke ich, noch eine andere Möglichkeit: Sie besteht schlichtweg darin, dass jede brennende Liebe und jede befreiende, beglückende und ehrliche Erfahrung ihren Ausdruck sucht. So weiß ein Verliebter definitiv, dass das Objekt seiner Liebe der/die "Schönste, Beste und Tollste" auf dieser Erde und seit Menschengedenken ist. Niemand verdenkt ihm/ihr diese Liebesbezeugung und einzigartige Bindung. Und es ist nicht die Unwahrheit, sondern Erfahrung, ehrliches Bekenntnis, leidenschaftliches Empfinden.

Objektiv geht es auch nicht darum, Jemandem diese Liebe auszureden oder mieszumachen. Er/sie teilt es mit der Welt. Aber die Verhältnissetzung dieses absoluten Bekenntnisses relatviert sich natürlich, ohne dass die Liebe, die Beziehung und die Erfahrung damit geschmälert oder getrübt wird.


Im 20./21. Jhdt ist die Geschichte, das Welterkennen und unser Wissen aber nun über die Jahrhunderte unvergleichlich zu früheren Zeiten gewachsen und ein anderes. Horizonte der Wahrnehmung sind unvergleichlich geweitet. Das gilt auch für die Geschichtswissenschaft (historisch-kritisches Forschen & Verstehen in allen Bereichen), Religions- und Kulturgeschichte, Religionspsychologie und Religions-Soziologie ... Und davon betroffen ist definitiv auch das Verständnis der Bibel (in ihrer Entstehung und historischen Einordnung, in ihrer traditions- uns literargeschichtlichen Erforschung) und das heute vorhandene global-wahrnehmende, inter-religiöse Wissen.

In all dem kann ich, wenn ich ehrlich bleibe und mich nicht verschließe, bleibende Wahrheiten und Bezüge nicht mehr verabsolutieren, sondern darf sie in ein verstehendes Verhältnis setzen zu Dingen, die die Menschen früherer Zeiten nicht wissen und sehen konnten.

Wenn ich in dieser Gegebenheit der Neuzeit & Gegenwart Christ bin und Christ bleibe, muss ich mich deshalb nicht in die "Entweder-Oder"-Alternative von "Jesus-Wahrheit oder garnix" begeben, sondern glaube mich durch ihn und zu ihm „gottnah & geliebt“, glaube an die Substanz seiner Mission (der heilenden & vergebenden, zu Liebe & Gerechtigkeit rufenden Reich-Gottesbotschaft) und finde zugleich Wahrheiten, Befreiungserfahrungen, Liebe, Erkenntnis und Gerechtigkeit auch außerhalb meiner Christusverbundenheit und außerhalb von Kirche & Christentum.

Die oft so verhärtete Alternative, dass Jesus entweder in trennender Ausschließlichkeit geglaubt werden muss ODER dass der gläubige Jesus-Bezug letztlich aufs Ganze eine Fälschung, Irrung und Illusion ist, ist also mMn nicht zwingend.

L'Chaim

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Juli 24

Die Eucharistie: Eine persönlich theologische Betrachtung

Liebe Brüder und Schwestern, in diesem Beitrag möchte ich gern einige Gedanken und meine theologische Position zum Thema „Eucharistie“ teilen. Vielleicht dient dieser Beitrag dazu, dem einen oder anderen einige Gedankenimpulse zu vermitteln, die für die jeweilige Glaubensüberzeugung nützlich sind.

Wenn ich mich an die 1980er Jahre zurückerinnere, dann war meine erste Erfahrung mit der Eucharistiefeier zugleich eine ziemlich traurige. Der Grund dafür war, dass ich an ihr nicht teilnehmen durfte. Als ungetauftes Kind besuchte ich damals eine römisch-katholische Schuleinrichtung mit angeschlossener Kirche und Gemeinde und wurde in diesem Umfeld religiös sozialisiert. Obwohl ich teils am Gemeindeleben teilnahm, blieb ich während der Eucharistie ausgeschlossen. Für ein Kind entsteht dadurch zwangsläufig das Gefühl, nicht vollständig zur Gemeinschaft zu gehören. Heute blicke ich mit einem anderen Verständnis auf diese Zeit zurück. Rückblickend bin ich meinen Eltern sogar dankbar, dass sie mich nicht bereits als Säugling taufen ließen. Dadurch erhielt ich später die Möglichkeit, mich aus eigener Überzeugung und nach einer persönlichen Bekehrung bewusst für die Glaubenstaufe zu entscheiden. Die Eucharistie blieb für mich dennoch lange mit den Eindrücken meiner Kindheit verbunden. Erst als ich begann, mich intensiver mit christlicher Theologie und Philosophie auseinanderzusetzen, erkannte ich ihre tiefgreifende geistliche und heilsgeschichtliche Bedeutung.

 

Ein historischer Blick …
Eine bewährte Methode theologischer und philosophischer Forschung besteht darin, zunächst die historischen Ursprünge eines Themas zu untersuchen. Genau diesen Weg bin ich auch bei der Eucharistie gegangen. Dabei interessierte mich vor allem, welches Verständnis die früheste christliche Kirche, die Nazarenergemeinde, die aus der Jerusalemer Urgemeinde des 1. Jahrhunderts hervorging, von dieser Handlung hatte.

Historisch betrachtet musste ich feststellen, dass die katholische Kirche nach meiner Überzeugung auch in dieser Frage schrittweise von der ursprünglichen Lehre der Urgemeinde abgewichen ist. Tatsächlich sprechen zahlreiche historische Zeugnisse dafür, dass die Apostel, Jünger und ersten Christen die sogenannte Agape feierten. Dabei handelte es sich um ein gemeinsames Liebesmahl, bei dem sich die Gläubigen in Hausgemeinden versammelten, gemeinsam aßen und tranken, Gemeinschaft pflegten und zugleich des Messias gedachten. Das Brechen des Brotes und das Trinken aus dem Kelch waren dabei fester Bestandteil dieses gemeinschaftlichen Mahles.

In diesem Zusammenhang gehörte das Brotbrechen, das heute häufig isoliert als Eucharistie oder Abendmahl gefeiert wird, ursprünglich untrennbar zur Agape. Diese Verbindung verdeutlicht den gemeinschaftlichen Charakter des frühen Christentums. Auch die Apostelgeschichte beschreibt diesen Zusammenhang Apostelgeschichte 2,42. Ebenso heißt es: „Sie brachen das Brot hier und dort in den Häusern und nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens zu sich.“ Apostelgeschichte 2,46.

Der Grund, weshalb die katholische Kirche das Brotbrechen schrittweise aus der Agape herauslöste und daraus eine eigenständige Abendmahlsliturgie entwickelte, wird gewöhnlich mit den Missständen begründet, die Paulus in 1. Korinther 11,17–34 anspricht. Die liturgische Trennung wird somit als notwendige Antwort auf die dort beschriebenen Probleme verstanden.

Historisch ergibt sich jedoch ein anderer Befund. Paulus fordert an keiner Stelle die Abschaffung des Liebesmahls. Vielmehr kritisiert er den unwürdigen Umgang damit und ruft die Gemeinde zu Ordnung, Rücksichtnahme und gegenseitiger Liebe auf. Gerade deshalb erscheint mir ein Blick auf die orientalisch-orthodoxen Kirchen besonders interessant. Diese standen den heidnischen Einflüssen des römischen Westreiches weitgehend fern und bewahrten nach meiner Einschätzung zahlreiche Elemente der ursprünglichen christlichen Tradition.

An dieser Stelle wird vermutlich auch meine eigene Position deutlich. Als großer Freund der restauratorischen Bestrebungen und als Pasagianer begrüße ich es sehr, dass sich heute wieder zunehmend Gemeinden darum bemühen, das isolierte Abendmahl zugunsten des ursprünglichen Liebesmahls neu zu entdecken. Dahinter erkenne ich eine berechtigte Sehnsucht nach den Wurzeln des Christentums, nach einem ursprünglichen und möglichst unverfälschten Glauben, der noch nicht von späteren heidnischen Einflüssen geprägt war.

 

Der Stellenwert eines Sakraments
Betrachtet man die biblischen Grundlagen der Eucharistie, wird deutlich, dass es sich um weit mehr als eine bloße symbolische Handlung handelt. Die Einsetzungsberichte finden sich in Matthäus 26,26–29Markus 14,22–25, Lukas 22,15–20 sowie in 1. Korinther 11,17–34. Bereits diese Texte verleihen der Eucharistie einen außergewöhnlich hohen Stellenwert.

Den eigentlichen theologischen Schlüssel sehe ich jedoch in Johannes 6,51–56. Gerade diese Verse stellen sowohl philosophisch als auch theologisch eine enorme Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund kann ich den berühmten Abendmahlsstreit der Reformationszeit durchaus nachvollziehen.

Bemerkenswert erscheint mir insbesondere die Wortwahl Jesu. In vielen modernen deutschen Bibelübersetzungen wird die sprachliche Schärfe seiner Aussagen erheblich abgeschwächt.

Im griechischen Urtext verwendet Jesus nicht das gewöhnliche Verb esthíō (ἐσθίω), das allgemein „essen“ bedeutet und im Neuen Testament häufig vorkommt. Stattdessen benutzt er bewusst das Verb trōgein (τρώγειν), das ursprünglich „zerkauen“, „nagen“ oder „zerbeißen“ beschreibt und in der antiken Sprache teilweise sogar mit dem animalischen Zerreißen und fressen rohen Fleisches durch Tiere verbunden und verstanden wurde.

Hinzu kommt, dass Jesus diese Form im Präsens verwendet, wodurch eine fortdauernde oder wiederkehrende Handlung beschrieben wird. Gerade diese ungewöhnliche Wortwahl erklärt, weshalb viele seiner Zuhörer schockiert reagierten. Johannes berichtet ausdrücklich: „Diese Rede ist hart; wer kann sie hören?“ Johannes 6,60.

Nach meinem Verständnis wählte Jesus seine Worte daher wesentlich konkreter, als dies heute vielfach angenommen wird. So provokant diese Aussage zunächst erscheinen mag, spricht er von einer realen sakramentalen Teilhabe an seinem Leib und Blut. Gerade deshalb besitzt die Eucharistie für mich einen realen, physischen und sakramentalen Charakter. In diesem Zusammenhang erscheint sie mir, ebenso wie die Taufe, als heilsrelevantes Sakrament. Unterstützt wird dieses Verständnis durch Jesu Worte im Johannes 6,54.

Um den Anstoß dieser Aussagen sprachlich zu entschärfen, etablierte sich später der Begriff Theophagie, der den Gedanken einer sakramentalen Gottesaufnahme beschreibt und die Assoziation eines wörtlichen Kannibalismus vermeiden soll.

Christus bewirkt durch die Wandlung von Brot und Wein eine Form geistlicher Teilhabe, die sich religionsphilosophisch mit Vorstellungen eines inkorporierenden Kannibalismus vergleichen lässt, wie sie auch aus verschiedenen antiken Religionen und Naturvölkern bekannt sind, etwa im Dionysoskult oder bei den Azteken. Durch das Essen seines Fleisches und das Trinken seines Blutes, wobei das Blut nach 3. Mose 17,14 als Träger des Lebens gilt, schenkt Christus den Gläubigen Anteil an seinem Heil und an seinem göttlichen Leben. Auch Petrus spricht davon, dass Gläubige „Anteil an der göttlichen Natur“ erhalten 2. Petrus 1,4. Ist man mutig, könnte man es mit einer Form der Homöopathiemagie vergleichen. In Naturvölkern ist diese spirituelle Praxis bekannt. (nur als Vergleich zur Vorstellung)

Gerade deshalb halte ich die Eucharistie für einen unverzichtbaren Bestandteil des christlichen Glaubens. Umso mehr erschreckt mich die Entwicklung in manchen protestantischen Gemeinden, in denen ihre Bedeutung zunehmend relativiert wird und sie oftmals nur noch als symbolisches Erinnerungsmahl im Sinne des Memorialismus verstanden wird.

Diese Erfahrung machte ich auch in meiner letzten Baptistengemeinde. Dort wurde zwar angekündigt, die Eucharistie einmal im Monat zu feiern, tatsächlich verging jedoch mehr als ein halbes Jahr, ohne dass überhaupt eine Eucharistie stattfand. Für mich war dies nur schwer nachvollziehbar.

Selbst Martin Luther, dessen Abendmahlsverständnis sich deutlich von meinem unterscheidet, betrachtete die Eucharistie als einen unverzichtbaren Mittelpunkt christlichen Gottesdienstes. Umso mehr hat mich erstaunt, dass sie in manchen Gemeinden heute nur noch eine nebensächliche Rolle spielt. Nach meinem Verständnis wird dadurch die zentrale Bedeutung dessen verkannt, was Christus selbst eingesetzt hat mit den Worten: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Lukas 22,19; 1. Korinther 11,24–25.

 

Zwischen Transsubstantiation und Konsubstantiation
Wenn ich die Eindeutigkeit der Worte Jesu sowie die religionsgeschichtlichen Hintergründe und kulturhistorischen Parallelen betrachte, dann habe ich persönlich keinen Zweifel daran, den Worten des Messias zu vertrauen: Brot und Wein wandeln sich tatsächlich. Aus diesem Grund vertrete ich grundsätzlich die katholische Lehre der Transsubstantiation.

Um dieses Mysterium für mich philosophisch besser einordnen zu können, habe ich im Laufe meines Glaubensweges eine eigene Begrifflichkeit entwickelt. Ich würde sagen, dass Brot und Wein während der Eucharistie hinsichtlich ihrer äußeren Erscheinung und ihrer materiellen Beschaffenheit unverändert bleiben. Mit den Einsetzungsworten Christi werden sie jedoch auf transzendente Weise mit den wahren Bestandteilen des heiligen Leibes und Blutes Christi „bereichert“ oder „angereichert“.

Diese Bestandteile verstehe ich dabei nicht als etwas, das äußerlich auf dem Brot oder Wein liegt, sondern als etwas, das sich im Brot im Anschluss befindet. Als Vergleich denke ich hierbei an Lebensmittel, deren Vitamine oder Mineralstoffe weder sichtbar noch unmittelbar schmeckbar sind und dennoch real vorhanden sind. Aus diesem Grund erscheint es mir sogar sinnvoller, wie in der frühen Kirche ungesäuertes Fladenbrot mit einer porösen Struktur zu verwenden, wie es beispielsweise in der äthiopisch-orthodoxen Kirche bis heute üblich ist, anstatt der heute gebräuchlichen nahezu porenlosen Hostie. Dies ist selbstverständlich keine dogmatische Notwendigkeit, sondern eine persönliche Überlegung, die sich aus meinem Verständnis der Eucharistie ergibt.

 

Die Gegenwartsform Christi
Gerade an diesem Punkt hatte ich lange Zeit die größten theologischen Schwierigkeiten und teilweise beschäftigen sie mich bis heute.

Die römisch-katholische Kirche lehrt, dass Christus während der Eucharistiefeier real, wahrhaft und wesentlich gegenwärtig ist, obwohl diese Gegenwart den menschlichen Sinnen verborgen bleibt. Diese Lehre der Realpräsenz wird innerhalb der katholischen Dogmatik als selbstverständlich vorausgesetzt.

Mein persönliches Problem besteht jedoch darin, dass ich in der Heiligen Schrift keine ausdrückliche Aussage finde, welche diese konkrete Form der leiblichen Gegenwart eindeutig beschreibt. Deshalb erscheint mir die klassische Vorstellung einer notwendigen leiblichen Realpräsenz nicht zwingend. Ebenso wenig überzeugt mich die Position Ulrich Zwinglis, der das Abendmahl im Wesentlichen als Erinnerungsmahl verstand und die Gegenwart Christi vor allem symbolisch im Herzen der Gläubigen verortete. Auch dieses Verständnis erscheint mir den neutestamentlichen Aussagen nicht vollständig gerecht zu werden.

Am ehesten finde ich mich deshalb in der Position Johannes Calvins wieder, der von einer pneumatischen Präsenz Christi sprach. Dabei handelt es sich nach meinem Verständnis nicht lediglich um eine abstrakte spirituelle Wirkung, sondern um eine reale geistige Gegenwart Christi in personaler Form.

Ich gehe deshalb davon aus, dass Christus während der Eucharistie in seinem verherrlichten geistigen Leib gegenwärtig ist, nicht amorph oder unpersönlich, sondern durchaus gestalthaft und personal aber nicht real.

Philosophisch begründe ich diese Sichtweise damit, dass ich eine gleichzeitige leibliche Multipräsenz Jesu für problematisch halte. Das Neue Testament bezeugt, dass der auferstandene Christus zur Rechten des Vaters sitzt Markus 16,19; Hebräer 1,3; Apostelgeschichte 7,55–56. Daraus ergibt sich für mich die Frage, wie sein verherrlichter Leib gleichzeitig in unzähligen Eucharistiefeiern weltweit physisch gegenwärtig sein soll.

Darüber hinaus sehe ich eine weitere Schwierigkeit. Würde man von einer uneingeschränkten leiblichen Multipräsenz Christi ausgehen, könnte dies philosophisch die Einmaligkeit seines Kreuzestodes relativieren. Schließlich betont die Heilige Schrift ausdrücklich, dass Christus „ein für alle Mal“ geopfert wurde Hebräer 10,10–14. Ebenso finde ich im gesamten Neuen Testament keinen Hinweis darauf, dass Jesus während seines irdischen Wirkens jemals Bilokation oder Multipräsenz praktiziert hätte.

Katholische Theologen entgegnen an dieser Stelle häufig, dass die leibliche Gegenwart Christi notwendig sei, weil ansonsten nicht sichergestellt werden könne, dass sich Brot und Wein tatsächlich in den Leib und das Blut Christi verwandeln und nicht in irgendein anderes Fleisch. Diese Argumentation überzeugt mich persönlich jedoch nicht vollständig. Denn wenn Christus in seinem verherrlichten geistigen Leib real gegenwärtig ist, weshalb sollte er dann nicht ebenso die Wandlung von Brot und Wein bewirken können? Schließlich handelt es sich dennoch um Christus selbst.

Im Gegenteil erscheint mir diese Vorstellung sogar plausibler. Ein Geist ist nicht an räumliche Nähe gebunden und muss deshalb nicht unmittelbar neben dem Altar stehen, um zu wirken. Die sakramentale Wandlung verstehe ich daher als einen geistigen und transzendenten Vorgang, der nicht mechanisch oder physiologisch vermittelt wird, sondern allein durch die göttliche Wirkkraft Christi geschieht. In gewisser Weise ließe sich dies mit dem Wirken des Heiligen Geistes vergleichen, der gleichzeitig an unzähligen Orten gegenwärtig sein und handeln kann Psalm 139,7–10.

Deshalb erschließt sich mir die zwingende Notwendigkeit einer leiblichen Realpräsenz nicht. Nach meinem Verständnis wäre die Eucharistie ebenso vollständig begründet, wenn Christus in pneumatischer Weise real gegenwärtig wäre.

 

Meine Position zum Laienkelch
Auch hinsichtlich des Laienkelches vertrete ich eine klare Position. Hier schließe ich mich ausdrücklich Jan Hus an und lehne die Beschlüsse des Konzils von Konstanz sowie des Konzils von Trient bezüglich der Einschränkung des Kelches für die Laien ab.

Nach meinem Verständnis spricht bereits der Einsetzungsbericht Jesu eindeutig dafür. Christus sagt: „Trinkt alle daraus.“ Matthäus 26,27. Ebenso berichtet Paulus es im 1. Korinther 11,26. Der Kelch ist nach meinem Verständnis daher allen Gläubigen gegeben und nicht ausschließlich dem geweihten Klerus vorbehalten.

In diesem Zusammenhang halte ich die Öffnung durch das Zweite Vatikanische Konzil für einen Schritt in die richtige Richtung. Dennoch sehe ich weiterhin einen deutlichen Abstand zur ursprünglichen Praxis der frühen Kirche. Persönlich würde ich mir wünschen, dass sich Rom noch stärker an der Lehre und Liturgie der orientalisch-orthodoxen Kirchen orientiert, da ich dort viele Elemente der ursprünglichen christlichen Tradition bewahrt sehe.

 

Zusammenfassende Gedanken
Für mich gehört die Eucharistie zu den bedeutendsten und tiefsten geistlichen Handlungen des christlichen Glaubens. Sie ist weit mehr als eine liturgische Zeremonie oder eine bloße Erinnerung an das letzte Mahl Jesu. Vielmehr sehe ich in ihr ein reales Handeln Gottes am Menschen. Nicht wir Menschen bewirken das Sakrament, sondern Gott selbst handelt an uns durch seine Gnade.

Gerade deshalb empfinde ich es als bedauerlich, wenn die Eucharistie innerhalb mancher Gemeinden nur noch eine untergeordnete Rolle spielt oder ausschließlich symbolisch verstanden wird. Nach meinem Verständnis wird dadurch ihre tiefgreifende sakramentale Dimension nicht mehr vollständig erfasst.

Mit diesem Beitrag wollte ich meine persönlichen theologischen und philosophischen Überlegungen zur Eucharistie mit euch teilen. Mich interessiert nun sehr, wie ihr diese Gedanken bewertet.

Sind meine Überlegungen aus eurer Sicht nachvollziehbar oder seht ihr entscheidende Punkte anders? Habt ihr euch selbst bereits intensiver mit der Eucharistie beschäftigt? Welche Bedeutung hat sie für euren Glauben? Ist sie für euch ein zentrales Sakrament und besitzt sie nach eurem Verständnis Heilsrelevanz, oder versteht ihr sie eher als Gedächtnismahl?

LG. Marco 😊 

 

70
373
Juli 22

Inwieweit spielt die Angst vor Gott tatsächlich - bewusst oder unbewusst - auch bei Christen noch eine bleibende (den Glauben grundierende bzw. ihn erhaltende) Rolle? 

Ich kenne Menschen, die ihren Glauben längst aufgegeben hätten, weil sie ehrlicherweise an dem Punkt waren, dass er sie nicht mehr trägt, ihnen weder seelisch noch intellektuell eine stimmige Lebensgrundlage schenkt und ein "Freischwimmen" ins Offene für sie dran wäre - aber aus einer tiefsitzenden Angst, sie würden damit doch einer Verdammnis anheimfallen, bleiben sie in dem, was lebensmäßig längst nicht mehr für sie stimmt.

Ich nenne es eine metaphysische Angst, die sie gefangen hält ... ggü. Gott, der als "Angst-Gott" wieder auftaucht und bleibend im Hintergrund lauert, sobald sie "auszubrechen" drohen mit Lebens- und Erkenntnisschritten, die ihre bisherigen Selbstverständlichkeiten des Glaubens und der Gottesbeziehung in Frage stellen.

Ich habe auch erlebt, dass gestandene, treue und gewissenhafte Christenmenschen schwer und nicht im Frieden mit Gott ihren letzten Weg gegangen sind ...  

Wo und wie - und bitte, antwortet jetzt nicht mit Glaubens-Richtigkeiten, Bibelversen und Belehrungen 😉 - kennt Ihr selber, wenn Ihr tief in Euch hineinhorcht und ehrlich seid, eine ANGST VOR GOTT ... ?

L'Chaim

51
211
Juli 22

Hallo allerseits, ich überprüfe gerade oben angegebene Kernlehre der Reformation. Mein Problem ist jedoch, das ich in der Kirchengeschichte sowohl des Ostens als auch Westens bisher hierzu keine Bestätigung gefunden habe - eher das Gegenteil, nämlich die Lehre Glaube und Werk gehören notwendig zusammen und Glaube allein reiche eben nicht zur Rettung aus. Deshalb wollte ich fragen, ob ihr entsprechende Werke einzelner Kirchenväter kennt, die dieses Dogma bestätigen? Liebe Grüße.

131
334
Juli 22

Hallo zusammen,

 

Dass Gott in der Bibel AT straft, ist mir bekannt.

Was mir aber letztens aufgefallen ist, ist dass Jesus nie von Strafe gesprochen hat. Sehr ihr das auch so oder interpretiere ich da was? 

Es gibt Konsequenzen von etwas, auch bei Jesus, also zB im Sinne von nicht ausreichend vorbereitet sein oder keinen Glauben haben  oder ähnliches. Aber nie straft er. Und da wir ja Gott in ihm sehen, würde das ja heissen, dass Gott auch nie straft. 

Kann ich jetzt also getrost alle jene Stellen ignorieren, die von Strafe reden? Ich meine schon…

Was meint ihr?

165
1,087
Juli 20

Hallo!

Hatte das schon unter "Authentisch Christsein" gepostet, aber von der Herangehensweise passt es vielleicht hier besser?

Was haltet ihr von der These "für 'Reich Gottes' (dessen Ausbreitung Jesus' größtes Anliegen war, wenn man die Evangelien und das "Vater Unser" betrachtet?) kann man an den meisten Stellen 'Geist-Reich Gottes' also 'die Herrschaft von Gottes Geist' einsetzen"?

--> Es geht mir einfach um vielleicht heutzutage "fassbarere" Wörter für das, was er im Kern gemeint haben mag. 

Und dazugehörig: wenn er von "Gerechtigkeit"/Gerechtigkeit Gottes, oft im selben Atemzug damit spricht: Könnte er in dem Zusammenhang meinen (und man deshalb dafür einsetzen): "(völlige) Übereinstimmung mit dem, wie der Geist Gottes ist und was er macht und will = "Übernommensein" vom Geist (Gottes)"?
(Natürlich müsste man dazu erstmal den "Geist Gottes" gut kennen und in einer ganz engen persönlichen Verbindung mit ihm sein, aber das ist eine andere Frage.)

 

Mich interessieren vor allem auch theologisch/sprach-/kulturwissenschaftlich fundierte Antworten. Aber rein für mich selbst zur Einordnung bzw. zum Verständnis, was Jesus gemeint hat und wonach ich also mein Leben als das Wichtigste ausrichten soll.

Ich habe kein einheitliches theologisches Forum gefunden, in dem ich diese Frage an dezidierte christl. Wissenschaftler hätte stellen können, deshalb frage ich hier. Tipps für eine solche Anlaufstelle aber auch sehr willkommen! Oder vielleicht ist jemand hier selbst dort Mitglied und würde die Frage dort für mich stellen & berichten.

 

Notiz: Mir war lange nicht bewusst, dass die Evangelikalen in den USA sich genau auf den Terminus von Jesus ("Reich Gottes") beziehen, wenn sie immer von der Etablierung des "Kingdom of God" sprechen. Dieses Verständnis wäre m.E. einfach komplett dem entgegengesetzt und darüber bin ich auf die Idee gekommen, dass anscheinend christenweit gar kein einheitliches Verständnis darüber herrscht, was hier eigentlich ausgebreitet werden soll (bzw. auf welche Art: ein "weltliches" Reich oder einfach die Dominanz von Gottes Wesen und Geist (durch die Gläubigen) auf dieser Erde)...

 

Danke Euch!

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Juli 09
Hallo Ihr Lieben, Das ist eine provokante Überschrift. Ich will Euch gleich meine Antwort vorweg geben: Nein, das ist er nicht. Jedenfalls nicht der Gott, an den ich glaube. Ich komme auf das Thema, weil in einem anderen Beitrag jemand die Überschrift in "kein MOnster" geändert hat. Das Thema liegt scheinbar vielen auf der Seele: Warum hat Gott die Ausrottung so vieler Volker durch das Volk Israel befohlen, die im verheißenen Land wohnten? Selbst Gott legte Hand an. Sein Engel tötete in einer Nacht 185000 Mann der Armee der Assyrer, Jeremia 37:36. Mit solchen Berichten wird Gott JHWH immer wieder als blutrünstiger Rachegott dargestellt. Ist er das wirklich? Hatte es damit zu tun, daß alle diese ausgerotteten Völker grausigste Opferzeremonien 'pflegten'? Dazu gehörten vor allem Kinderopfer. Und diese opferten sie nicht dem Gott JHWH, sondern dem Baal. Nebenbei bemerkt, wird 'Baal' auch nur die Bedeutung von Herr, Meister, Besitzer, Ehemann, König oder Gott. Baal war ein Titel, der für jeden Gott verwendet werden konnte. Quelle:Wikipedia Die Baalsanbeter ließen ihre Kinder durchs Feuer gehen. Und wurden deswegen von der Bildfläche entfernt. So schlussfolgere ich. Aber wie passt es, daß Gottes Volk, das Volk Israel, das später aus den Israeliten im Norden und den Judäern im Süden bestand, ebenso Kinder opferten 2.Könige 16:2,3 2.Könige 23:10 Jeremia 32:35 und dafür lediglich die Schelte von Propheten bekamen, obwohl Gott ihnen in seinem Gesetz 3.Mose 18:21 5.Mose 18:10 solches verbot? SEIN Volk rottete JHWH nicht aus. SEIN Volk bestrafte und ermahnte er lediglich. Hätte ER das nicht auch mit den anderen Völkern tun können, anstatt sie auszurotten? Zum Verständnis dessen, was im AT aufgeschrieben wurde, mag das Buch "Tagebuch der Menschheit" von Schaik und Michel etwas Erhellung beitragen. Und BITTE: jede/jeder hat seine eigene Meinung, die darf er/sie gerne äußern. Wenn Ihr unterschiedlicher Meinung seid, respektiert Euch und antwortet bitte freundlich. Ein Disput sollte in diesem Forum freundlich ausgetragen werden. (Siehe Galater, Frucht des Geistes) Jede/Jeder sei willkommen, seinen Beitrag zu schreiben. Wenn Ihr Quellen für Eure Meinung/Behauptung habt, schreibt sie bitte dazu, das macht es leichter, darauf zu antworten.
218
2,508
Juli 09

Zur Übersetzung von ἁμαρτία (hamartia) und ἁμαρτάνειν (hamartanein) im sogenannten Neuen Testament

Warum die Wiedergabe mit „Sünde” eine semantische Verzerrung darstellt und warum „Verfehlung” der nüchternere, präzisere Ausdruck ist.

Sünde ist eine kirchengeschichtlich aufgeladene Schuldkategorie, ein juridisch gefärbter Zustandsbegriff, dessen versprochene Auflösung sich systembedingt in endloser Wiederholung verliert: der Vergebung folgt der nächste Fall, der nächste Beichtgang, das nächste Sakrament.

Was sich als Heilsangebot ausgibt, erweist sich der Sache nach als Dauerverwaltung eines Mangels.

Wenige theologische Begriffe haben die abendländischen religiösen Gemeinschaften und institutionellen Einrichtungen so tief geprägt (und zugleich so nachhaltig verzerrt) wie eben dieses Wort. Es ist zum semantischen Zentralgestirn ganzer dogmatischer Systeme geworden, hat Bußpraxis, Ablasswesen, Beichtordnung und Erbsündenlehre umkreist und sich dabei so weit von seinem griechischen und hebräischen Ausgangswort entfernt, daß heutige Leser des deutschen Bibeltextes bei „Sünde” nahezu reflexhaft an Schuld, Gesetzesübertretung und moralische Befleckung denken, selten jedoch an das, was im Grundtext eigentlich gesagt wird.

Im Zentrum der Frage stehen das griechische Substantiv ἁμαρτία (hamartia) und das zugehörige Verb ἁμαρτάνειν (hamartanein), die im Neuen Testament an theologisch entscheidenden Stellen begegnen und im Hintergrund das hebräische חטא (chata) der hebräischen Schriften, das in der Septuaginta fast durchgängig mit ἁμαρτία wiedergegeben wird

Die folgende Abhandlung untersucht, warum die herkömmliche Übersetzung mit „Sünde” weder philologisch noch sachlich angemessen ist, und argumentiert, daß die nüchterne Wiedergabe mit „Verfehlung” im Bedarfsfall durch „(Ziel-) Verfehlung” als erklärende Präzisierung ergänzt, das Bedeutungszentrum des Grundtextes deutlich genauer trifft.

I. Wortwörtliche Bedeutung: ἁμαρτία ist „Verfehlung”


ἁμαρτία ist ein Substantiv, gebildet aus dem Verbalstamm ἁμαρτ- und der Endung -ία, die im Griechischen häufig abstrakte Substantive bildet (vergleichbar deutschen Bildungen auf „-ung” oder „-heit”). Wortwörtlich bedeutet ἁμαρτία daher: „Verfehlung”, im konkreten Sinn von „das Nicht-Treffen” oder „das Fehlgehen”. Das zugrunde liegende Verb ἁμαρτάνειν trägt die Bedeutungen „verfehlen”, „nicht treffen”, „fehlgehen”, „den Punkt nicht erreichen” oder (kontextabhängig) „das Ziel verfehlen”. Daraus ergeben sich für ἁμαρτία wortnahe Wiedergaben wie „das Verfehlen” (als Vorgang), „die Verfehlung” (als Ergebnis) oder „das Nicht-Treffen” (als Zustand gegenüber einem verfehlten Bezugspunkt).
Eine kleine, aber instruktive philologische Beobachtung: Das α- am Wortanfang ist kein Alpha privativum, also keine Verneinungs-Vorsilbe (wie in „a-moralisch” oder „a-typisch”), sondern gehört zum Stamm selbst. Die Verfehlung wird nicht durch eine Vorsilbe „nicht-” gebildet, sondern liegt im Verb ἁμαρτάνειν unmittelbar.
Für den weiteren Argumentationsgang ist entscheidend, daß eine wortwörtliche Übersetzung nicht „Sünde”, nicht „Schuld” und nicht „Übertretung” ergibt, sondern zunächst schlicht „Verfehlung”. Erst wenn der im Verb mitgedachte Bezugspunkt ausdrücklich genannt werden soll, entsteht die erklärende Präzisierung „(Ziel-) Verfehlung”. Wichtig ist hier eine morphologische Klarstellung: ἁμαρτία setzt sich nicht transparent aus heute noch erkennbaren Wortteilen für „Ziel” und „Verfehlung” zusammen; das Wort enthält kein eigenes griechisches Lexem für „Ziel”. Das „Ziel” steckt vielmehr in der Bedeutung des Verbs ἁμαρτάνειν, sofern dieses im Sinne von „ein Ziel verfehlen” gebraucht wird. „(Ziel-) Verfehlung” ist also eine sinnnahe und in vielen Kontexten erhellende Wiedergabe, aber morphologisch nicht wörtlich. Wörtlich am nächsten ist und bleibt: Verfehlung.

II. Die Bildlogik: Verfehlen eines Bezugspunkts


Das Verb ἁμαρτάνειν kann in einer seiner konkreten klassischen Verwendungen das Verfehlen eines Ziels bezeichnen, beim Bogenschuß ebenso wie beim Wurf oder bei jeder anderen Form des gerichteten Tuns. Bei Homer, in der griechischen Tragödie und in Aristoteles’ Poetik, wo die ἁμαρτία des tragischen Helden den fatalen Fehlgriff bezeichnet, der den Untergang einleitet, ist die Bildlogik des Verfehlens noch deutlich präsent. In der klassisch-griechischen Verwendung ist ἁμαρτία dabei zunächst moralisch neutral: ein objektives Fehlgehen, kein primär schuldhafter Akt.
Hier ist allerdings methodische Vorsicht geboten. Aus dem Befund, daß für das Verb ἁμαρτάνειν „ein Ziel verfehlen” als konkreter Sinn belegt ist, folgt nicht, daß im Substantiv ἁμαρτία im Neuen Testament durchgehend eine aktive Bogen- oder Schützenmetapher mitschwingt. Lexikalisch ist ἁμαρτία in der gräzistischen Belegbreite eher allgemein „Fehler”, „Fehlhandlung”, „Verfehlung”; in religiöser und neutestamentlicher Verwendung tritt der ethische Sinn deutlich hervor. Die Bogen- oder Pfeilmetapher ist daher als anschauliche Veranschaulichung der Grundvorstellung legitim, sie ist aber kein durchgängig mitlaufender Wortbestandteil und sollte philologisch nicht so behandelt werden, als sei sie es.
Das hebräische Pendant חטא (chata) trägt eine vergleichbare Bildlogik. Auch dieses Verb bedeutet zunächst und buchstäblich: „verfehlen”. Ein aufschlußreicher Beleg ist Richter 20,16: Dort wird von Schleuderern berichtet, die einen Stein „auf ein Haar” schleudern und „nicht חטא“, also nicht verfehlen. Die Stelle ist als Beispiel für den konkreten, unmetaphorischen Gebrauch des Wortes hervorragend geeignet; es geht hier ausdrücklich nicht um Bogenschützen, sondern um Schleuderer, was die These einer ausschließlich auf den Bogen bezogenen Grundmetapher zusätzlich relativiert. Die Wortbildung trägt vielmehr die allgemeinere Vorstellung: zielen und nicht treffen. Erst durch metaphorische Übertragung wird der Begriff theologisch gefüllt: das Verfehlen des göttlichen Maßstabs, das Verfehlen der Beziehung, in der der Mensch stehen soll.
Daß die Septuaginta-Übersetzer im 3. und 2. Jahrhundert vor der Zerstörung des zweiten Tempels חטא mit ἁμαρτία wiedergaben, war kein Zufall, sondern philologisch konsequent: zwei Sprachen, dieselbe Grundvorstellung des Fehlgehens, dieselbe Offenheit für metaphorische Vertiefung.

III. Wie aus dem Verfehlen das deutsche Wort „Sünde” wurde


Die entscheidende Verschiebung geschieht in zwei Schritten. Zunächst über die lateinische Tradition: Vetus Latina und Vulgata übersetzten ἁμαρτία mit peccatum, das im klassischen Latein zwar zunächst breit „Fehltritt”, „Versehen”, „Vergehen” bedeutete, in der kirchenlateinischen Verwendung aber eine massive Verengung erfuhr; vom Versehen zum Vergehen, vom Fehltritt zum schuldhaften Bruch des göttlichen Gesetzes, schließlich zur juridisch-sakramental verhandelten Größe, die mit peccatum mortale, peccatum veniale und peccatum originale ein ganzes System dogmatischer Kategorien aufspannte.
Der zweite Schritt vollzieht sich im Deutschen, und hier wird die etymologische Spurensuche besonders aufschlußreich. Das deutsche Wort „Sünde” ist durch kirchliche Dogmatik, Bußpraxis und Schuldvorstellungen stark aufgeladen; etymologisch wird es mit althochdeutsch sunta und mittelhochdeutsch sünde verbunden. In etymologischen Darstellungen (etwa bei Grimm und Kluge-Seebold) wird eine Herleitung aus einer germanischen Wurzel diskutiert, die mit „seiend, wahr” zusammenhängt; die Nähe zum altnordischen sannr („wahr”; auch „schuldig”) und zum lateinischen sons („schuldig”) wird in diesem Zusammenhang regelmäßig genannt. Diese Herleitung ist in der Forschung nicht unumstritten und hier nicht als gesicherte Endaussage zu verstehen, aber sie weist in eine bemerkenswerte Richtung: „Sünde” hat im Deutschen, anders als ἁμαρτία im Griechischen, eine forensisch-juridische Färbung schon im sprachlichen Vorfeld. Was etymologisch durchschimmert, ist nicht das Bild des Verfehlens, sondern die Vorstellung der erwiesenen Tatschuld.
Das Resultat ist eine Übersetzung, in der vom griechischen Original kaum noch etwas durchscheint. Wer im Deutschen „Sünde” hört, denkt an Schuld, Strafe, Beichte, Befleckung, Erbsünde, Sündenfall, Sündenstrafe, Sündenbock, ein institutionell, moralisch und juridisch geprägtes Bedeutungsfeld. Was er nicht hört, ist das, worauf der Grundtext zielt: das nüchterne Faktum eines Verfehlens.

IV. Die etablierten Alternativen und ihre Grenzen


Neuere Bibelübersetzungen haben den Verzerrungseffekt erkannt und Alternativen versucht.
Das Wort „Übertretung” verschiebt den Fokus erneut ins Juridische: man übertritt eine Linie, ein Gebot, ein Gesetz. Das Bild des Verfehlens verschwindet vollständig; an seine Stelle tritt das räumliche Bild des Schwellenüberschreitens. Das paßt gelegentlich zu παράβασις (parabasis) oder παράπτωμα (paraptoma), nicht aber als Standardwiedergabe von ἁμαρτία.
Das Wort „Schuld” ist die theologisch gewichtigste, aber zugleich die weitestgehende Verschiebung: Hier wird das Verfehlen eines Bezugspunkts durch den juristischen Schuldzustand ersetzt, also gerade durch jene Bedeutung, die das deutsche Wort „Sünde” schon mitbringt. Es ist der Tautologie-Effekt: das eine wird durch das andere erklärt, ohne daß zur Sache vorgedrungen würde.
Das Wort „Verfehlung” schließlich ist die nächste und nüchternste Wiedergabe und sollte als Grundübersetzung gewählt werden, gerade weil sie den semantischen Kern von ἁμαρτία wiedergibt, ohne den Inhalt der jeweiligen Verfehlung vorwegzunehmen. Der oft erhobene Einwand, das Ziel bleibe bei „Verfehlung” unsichtbar, ist sachlich gerade kein Mangel, sondern die korrekte philologische Repräsentation: ἁμαρτία benennt zunächst nichts anderes als den Sachverhalt des Fehlgehens. Was genau verfehlt wird, Treue, Glaube, Gesetz, Liebe, Gerechtigkeit, die Bestimmung zum Ebenbild Gottes, die Gemeinschaft mit dem Vater, ergibt sich aus dem jeweiligen Textzusammenhang. Das deutsche „Sünde” macht dagegen aus der Verfehlung schon vor jeder Kontextprüfung eine Schuldkategorie.

V. „(Ziel-) Verfehlung” als Auslegungshilfe, nicht als Standardübersetzung


Wo der biblische Kontext es nahelegt, ist „(Ziel-) Verfehlung” eine wertvolle erklärende Wiedergabe. Sie hat drei Vorzüge:
— Sie macht den Aspekt des Verfehlens unübersehbar.
— Sie verhindert, daß der Leser sofort und reflexhaft an die kirchliche Schuldmechanik denkt.
— Sie zwingt zur Frage: Welches Ziel wird verfehlt? (und damit zur Auslegungsarbeit, die die Übersetzung mit „Sünde” seit Jahrhunderten vermeintlich erspart).
Zugleich hat das Wort spürbare Nachteile: Es klingt im Deutschen technisch-abstrakt, und das Verb „ziel-verfehlen” wirkt sprachlich künstlich und wäre für eine Bibelübersetzung in der Fläche stilistisch schwer tragbar. „(Ziel-) Verfehlung” eignet sich daher nicht als durchgängige Standardwiedergabe, sondern als erklärende Präzisierung, als hermeneutische Hilfe und als didaktischer Ausdruck, überall dort, wo das Fehlgehen gegenüber einer von Gott her gesetzten Bestimmung im Vordergrund steht.

VI. Zwei neutestamentliche Prüfsteine
Römer 3,23. Der Vers lautet sinngemäß: „Alle haben verfehlt und ermangeln / bleiben zurück hinter der Herrlichkeit Gottes.” Die Formulierung paßt sehr gut zu einer „(Ziel-) Verfehlungs”-Lesart und ist einer der starken Texte für den Gedanken, daß die Menschen hinter einem von Gott her gesetzten Maß zurückbleiben. Sie beweist aber nicht, daß ἁμαρτία hier primär als Bogenschußmetapher gemeint ist; das Bild liegt im Bereich der nahegelegten Veranschaulichung, nicht im Bereich des philologisch zwingend Mitgemeinten. Auch die Wendung „Herrlichkeit Gottes” ist exegetisch umstritten: vertreten werden u. a. die Lesarten „Gottes Herrlichkeit nicht widerspiegeln”, „nicht an der von Gott gemeinten Herrlichkeit teilhaben” und „hinter Gottes Standard zurückbleiben”. Was alle drei Lesarten gemeinsam haben, ist gerade die Grundvorstellung des Zurückbleibens hinter einem Bezugspunkt, und damit die Strukturlogik, die im griechischen Wort selbst angelegt ist.
1Johannes 3,4. Der Vers stellt eine Identifikation auf, die als scheinbarer Einwand gegen die hier vorgeschlagene Lesart wirken könnte: ἡ ἁμαρτία ἐστὶν ἡ ἀνομία, daß ist: „die Verfehlung ist die Gesetzlosigkeit”. Damit wird ἁμαρτία unmittelbar mit ἀνομία verbunden, also mit Normwidrigkeit gegenüber dem Gesetz. Bei genauerem Hinsehen verschärft die Stelle aber gerade die Frage, statt sie zu schließen: Welches Gesetz ist gemeint? Und für wen gilt es? Wer will dieses Gesetz halten, und wer kann es halten? Der Verfasser des ersten Johannesbriefes setzt ein Gesetzesverständnis voraus, das im Kontext des Werkes eng mit dem Gebot der gegenseitigen Liebe verbunden ist (vgl. 1 Johannes 3,11.23), nicht ein abstrakter, juristisch verwalteter Strafkodex. Und Paulus’ Antwort auf eben dieselbe Frage ist hochkomplex: Er schreibt zugleich, daß durch das Gesetz die Erkenntnis der ἁμαρτία (Verfehlung) komme (Römer 3,20), daß das Gesetz heilig (d.i. abgesondert für…) sei (Römer 7,12), und daß dennoch niemand durch Werke des Gesetzes gerechtfertigt werde (Galeter 2,16). Eine Übersetzung mit dem schon vorbelasteten Wort „Sünde” suggeriert eine Eindeutigkeit der „Schuld vor dem Gesetz”, die der neutestamentliche Befund gerade nicht hergibt. „Verfehlung” hält die Frage offen und verlangt vom Leser, sie aus dem jeweiligen Textzusammenhang zu beantworten.

VII. Das eigentliche Problem der Standardübersetzung „Sünde”


Der Befund läßt sich knapp zusammenfassen: In Bibelübersetzungen wird ἁμαρτία sehr häufig institutionell-religiös als „Sünde” mit dem ganzen Schuldkomplex wiedergegeben, obwohl der griechische Kontext oft nur von einem Verfehlen (etwa im Sinne eines verfehlten Ziels) spricht. Damit trägt die Übersetzung etwas in den Text hinein, was im Wort selbst nicht steht: eine spätere institutionell-kirchlich und dogmatische Schuldsemantik, die als Auslegung in bezeichneten Kreisen legitim sein mag, als Wiedergabe aber präjudiziert, was sich allein aus dem Kontext klären sollte.
Die wortwörtliche Übersetzung zeigt dies unmißverständlich: „Sünde” gibt nicht die elementare Grundbedeutung von ἁμαρτία wieder, sondern eine traditionsgeschichtlich verdichtete, religiös-institutionell geprägte Auslegung des Bedeutungsfeldes und diese Auslegung wird, sobald sie in Übersetzungen den Status der Standardwiedergabe erhält, im Bewußtsein der Leser zur scheinbar selbstverständlichen Bedeutung des Wortes.

VIII. Objektive Qualität vor traditioneller Naivität


Die wortwörtliche Übersetzung von ἁμαρτία ist nicht „Sünde”, nicht „Schuld” und nicht „Übertretung”, sondern schlicht: Verfehlung. Diese Wiedergabe ist gegenüber „Sünde” die präzisere Grundübersetzung, weil sie den semantischen Kern des griechischen Wortes wiedergibt, ohne den Inhalt der jeweiligen Verfehlung vorwegzunehmen. Erst der Kontext zeigt, worin die Verfehlung im einzelnen besteht: Untreue, Unglaube, Gesetzlosigkeit, Gewalt, Götzendienst, Lieblosigkeit, Trennung von der Gemeinschaft mit Gott oder Verfehlen der göttlichen Bestimmung.
„(Ziel-) Verfehlung” und in zurückhaltender Verwendung auch das Verb „ziel-verfehlen”, ist als erklärende Auslegungshilfe wertvoll: dort, wo das Fehlgehen gegenüber einer von Gott her gesetzten Bestimmung in den Blick treten soll. Als durchgängige Standardübersetzung trägt das Kompositum jedoch eine Spezifizierung in den Text ein, die das griechische Wort an dieser Stelle gar nicht von sich aus mitbringt; es eignet sich daher als Präzisierung, nicht als Ersatz.
„Sünde” hingegen ist als Standardübersetzung irreführend, weil sie eine spätere institutionell-kirchlich und dogmatische Schuldsemantik in den Text einträgt und in dieser Schuldsemantik bleibt der Mensch dauerhaft gefangen, denn das System, das die Sünde verwaltet, lebt von ihrem Fortbestand.
„Verfehlung” als Grundübersetzung hält (wie das griechische Grundtextwort) den Begriff offen und erlaubt dem jeweiligen biblischen Zusammenhang, seine eigene Stimme zu finden. Damit wird sichtbar, was die institutionelle Übersetzungstradition systematisch verdeckt: daß die biblische Rede vom Fehlgehen des Menschen nicht bei einer Schuldverwaltung endet, sondern bei der Frage anfängt, was ist es, hinter dem zurückgeblieben wird, und wer ist es, dem gegenüber das Ziel verfehlt wurde?
Diese Frage offenzuhalten (und gerade nicht durch ein vorbelastetes Wort vorzeitig zu beantworten) ist die eigentliche Aufgabe einer Bibelübersetzung, die der Sache dienen will und nicht der Tradition.

Holger T. Schubert

40
401
Juli 03


Hallo zusammen

In letzter Zeit bin ich in Diskussionen immer mal wieder über das Thema Hölle gestolpert. Ich bin mir selbst bei diesem Thema etwas unschlüssig, deshalb möchte ich gerne drei Theorien diskutieren. Bei allen drei Theorien gibt es Argumente dafür und dagegen, mache überzeugender als andere, aber alles in allem genug, um keine abschliessende Aussage zu machen, wie dies aussehen wird. Ich bin überzeugt, dass wenn es um Eschatologie geht, dies bewusst unklar ist. Genauso wie das Messiasgeheimnis im AT erst im Rückblick klar wird, genauso denke ich, dass eschatologische Fragen erst im Rückblick Sinn machen. 

Hier die drei Theorien. 

Vollständige Vernichtung von allem, was nicht im Buch des Lebens steht. 

Offenbarung 20
14 Der Tod und die Unterwelt aber wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod: der Feuersee.
15 Wer nicht im Buch des Lebens verzeichnet war, wurde in den Feuersee geworfen.

Ewige Qualen im Feuersee

Offenbarung 20
10 Und der Teufel, ihr Verführer, wurde in den See von brennendem Schwefel geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind. Tag und Nacht werden sie gequält, in alle Ewigkeit.

Leben in der neuen Schöpfung, aber getrennt von Gott und seiner Herrlichkeit. 

Offenbarung 22
14 Selig, die ihre Gewänder waschen: Sie haben Anteil am Baum des Lebens und sie werden durch die Tore in die Stadt eintreten können.
15 Draußen bleiben die Hunde und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.

Wie gesagt, ich bin (biblischen) Argumenten für und gegen jede dieser Positionen begegnet. 

Meine Frage ist, wo landet ihr und warum? 

 

990
8,382
Juni 26

Liebe alle,

meine Überschrift ist rein sachlich gewählt. 😉

Im Thread „Hölle“ trat ein Aspekt auf, den ich gerne weiterverfolgen möchte:

Wo kommt unsere Seele her und wie geht es ihr/ mit mir weiter? 

Ein Nebenthema, das sich da für mich anschließt: Was macht eigentlich „mein Ich“ aus?

 

Wenn ihr den Zusammenhang nachlesen möchtet:

Über Präexistenz der Seele, Kreatianismus der Seele und Traduzianismus der Seele

Der Beitrag, auf den ich mich beziehe.

Und hier meine vielen Fragen

 

LG Seidenlaubenvogel 

23
207
Juni 24

Da wir gerade bei John Lennox sind.

Hier ein äusserst wertvoller Ausschnitt aus einem Vortrag zum Thema was das Wort Tag in Genesis meint. Und da man mittlerweile eine Deutsche Synchronisation einschalten kann habe ich auch keine bedenken dies hier zu posten. 

Den ganzen Vortrag könnt ihr hier hören.

Besonders interessant für alle die an einer Siebentages-Schöpfung festhalten. 

9
69
Juni 23

Der Sonntag "Trinitatis" (Das Bekenntnis zum Drei-EINEN-Gott) berührt (dogmengeschichtlich & theologisch) auch die Frage, WIE Jesus und das "Gott in ihm" zu verstehen ist ... "Wahrer Gott UND wahrer Mensch" ist der Versuch, ein Paradox und zugleich eine Wahrheit und ein Mysterium des Glaubens zu benennen, besser zu umkreisen und zu ahnen ...

Gestern kam mir dieses Gebet ... L'Chaim

HERR JESUS

und in Dir

GROSSES DU

ABBA VATER

ICH und DER VATER sind EINS

Wer MICH sieht, sieht den VATER

hast Du gesagt

...

Deine MENSCHWERDUNG, GOTT

sehen und beten wir an

DEIN GESICHT

DEINE STIMME

gehen in EINS

für den Kopf:

Gott, der aus sich heraus

menschlich in die Welt kommt

und in Einheit mit sich selbst war, ist und bleibt

vollzieht und offenbart

sein tatsächliches Mensch-Sein

im betenden Vater-Sohn-Verhältnis

bis zur Zerrissenheit am Kreuz

österlich aber

das Paradox

in sich selbst und für uns

aufhebend

für Herz & Seele:

JESUS – ABBA VATER

vor DIR

zu DIR

in DIR

BIN ICH

 

165
891
Juni 19

Auf evangelisch.de habe ich diesen, wie ich finde, interessanten Beitrag gefunden.

Werden wir bei der Auferstehung wie Zombies sein?

Eine Leserin fragt etwas, über das wohl viele Christen gelegentlich nachdenken, in einer plakativen Form.

Helena Malsy gibt darauf eine meiner Meinung nach gute Antwort.

Was haltet ihr davon?

18
129
Juni 10

Heute ist - nachpfingstlich - der sog. Sonntag Trinitatis im Kirchenjahr. Er regt mich immer wieder an, zu fragen, was es damit auf sich hat.

Die größte Herausforderung für Theologie & Glaubensvermittlung sind und bleiben für mich dabei unsere Kinder. Was ich ihnen nicht – zumindest ansatzweise und richtungsweisend– vermitteln kann, von Gott, Mensch und Leben, das taugt (so meine Behauptung) auch nicht für tausend kluge Bücher oder akademische Diskurse. Eine solche Herausforderung ist die sog. Trinität – Gott als Vater, Sohn und Geist. Was ist das und was soll das sein?

Tatsächlich kam irgendwann mal der Protest:“Bitte erzähl mir nicht noch einmal, Gott sei zwei Männer und ein Vogel!“ …Vater – Sohn – und der Heiliger Geist in Form einer Taube … Was soll das?

In meinen Erklärungsversuchen sage ich Kindern und Jugendlichen zum Beispiel: Denkt an Wasser: Ihr könnt drin schwimmen, es trinken, damit duschen. Ihr könnt drauf Schlittschuh fahren oder es mit drei Kugeln genießen – Erdbeer, Vanille, Schokolade. Oder ihr schwitzt mittendrin und dampfend in der Sauna oder sucht Eure Hand vor Augen, wenn ihr hineingeratet. Das EINE Element – aber erfahren in drei Zustandsformen – flüssig, gefroren, verdampfend. Auch der EINE Gott, die EINE göttliche Wirklichkeit – in DREI Erfahrungsweisen, dreimal anders gesehen und erlebt.

Als göttliche Wirklichkeit und Ur-Grund alles Lebens. In Jesus, leibhaftig, „unter uns“ und „Gesicht zeigend“ inkarniert („Mensch geworden“).Über alle Zeiten, Grenzen und Gräben hinweg „im Geist“ weiterwirkend und präsent in der Welt, in und unter uns.

Darüber hinaus beschäftigt mich aber seit Jahren noch etwas Weiterführendes an der Trinität und an der Drei-Dimensionalität Gottes. Denn auch in der Welt der Religion, der Religionen, und im Bereich der Spiritualität und Mystik, gilt es eine Antwort zu finden auf die Frage, wie von Gott, der göttlichen Wirklichkeit, gedacht, geredet und geglaubt sein will und darf. Tatsache ist: Der Osten trifft auf den Westen, Gebet auf Meditation und Kontemplation, personale Gottesrede auf transpersonale Vorstellung, Kirchenglaube und Katechismus auf das weite Feld der Mystik, Martin Luther auf Meister Eckkart …

Das klingt jetzt schon wieder ansatzweise kompliziert. Aber gemeint ist: Wie BEGRENZT oder wie OFFEN und WEIT ist unsere Gottesvorstellung, unsere Beziehung zum Göttlichen? ... Vielleicht hilft an dieser Stelle der Verstehens-Suche auch die Vorstellung von den drei Gesichtern Gottes:

  1. Gott, oder die Göttliche Wirklichkeit, in Welt, Natur und Schöpfung – Gottes lebens-grundierende, schöpferische und lebenserhaltende Präsenz in Allem, was ist und lebt … in Sonne und Regen, Luft und Winden, meinem Herzschlag und Atmen, in Blume und Stein, Sang und Klang, was immer auch meine fünf Sinne berühren und erreichen. Praktisch heißt das: Praxis Pietatis praktizierte Frömmigkeit – als Achtsamkeit, Empfänglichkeit, Stillwerden, Genießen, Sinne öffnen, Feiern …

  2. Gott als das Große Du – wie wir es kennen und praktizieren – im Gebet und im Gottesdienst. Gott, von dem wir uns angeredet wissen und angeredet erfahren, ins Gegenüber gestellt, Gott – grammatikalisch – in der 2. Person -. Gott – personal – Er zu mir und ich zu ihm, im Reden und Hören. Unsere gewohnte, praktizierte Form des Glaubens und Denkens – Als Christen, Juden und auch Muslime. Wohl wissend um seine darüber hinausgehende und alles übersteigende Trans-Personalität.

  3. Und schließlich: Das dritte, mögliche Gesicht Gottes in mir, in der 1. Person, im Ich und Ich-Sagen. --- Denn wer – was - bin ich? Was sagt und denkt und fühlt da, wenn ein „Ich“ sich „als Ich“ wahrnimmt? Gott in mir und ich in Gott? Darf ich sagen „Gott“ ist auch ich, das „Ich bin“ in mir, mein tieferes, eigentliches Selbst? Gilt nur für Jesus „Ich und der Vater sind ein. Wer mich sieht, sieht den Vater.“?

    Entsetzt sagen mag mancher denken: Um Himmels willen! Da sei Gott vor! Der Abstand muss gewahrt sein! Gott als Gegenüber ja – Gott im „Ich sagen“, nein, weil ein Aufheben der Grenze. Und doch gibt es auch im Judentum wie im Islam und in unserem christlichen Glauben den Zugang der Mystik – nicht als Gotteslästerung und Häresie, sondern als Erfahrung und als Zeugnis innerer Gottesliebe und Gottesbegegnung.

    Die drei Gesichter Gottes jedenfalls faszinieren mich. Die drei Dimensionen göttlicher Wirklichkeit. Und ‚zwei Männer und ein Vogel‘ locken mich weiterhin zum tieferen Verstehen.

    Was denkt Ihr?

    L'Chaim

59
339
Juni 09

Für alle die es interessiert:

Joshua 11,16-22 So nahm Josua dieses ganze Land, das Gebirge, den ganzen Süden, das ganze Land Goschen, die Niederung und die Steppe, das Gebirge Israel und seine Niederung, von dem kahlen Gebirge, das gegen Seïr ansteigt, bis Baal-Gad in der Talebene des Libanon, am Fuße des Berges Hermon. Und alle ihre Könige nahm er gefangen, erschlug sie und tötete sie. Lange Zeit führte Josua mit all diesen Königen Krieg. Es gab keine Stadt, die sich den Söhnen Israel friedlich ergab, außer den Hewitern, die in Gibeon wohnten, alles nahmen sie im Kampf ein. Denn vom HERRN kam es, dass sie ihr Herz verstockten, zum Krieg mit Israel, damit an ihnen der Bann vollstreckt wurde, ohne dass ihnen Gnade widerfuhr, sondern dass sie vernichtet wurden, wie der HERR dem Mose befohlen hatte.  Zu jener Zeit kam Josua und rottete die Enakiter aus von dem Gebirge, von Hebron, von Debir, von Anab und von dem ganzen Gebirge Juda und von dem ganzen Gebirge Israel: Mitsamt ihren Städten vollstreckte Josua an ihnen den Bann. Es blieben keine Enakiter im Land der Söhne Israel übrig. Nur in Gaza, in Gat und in Aschdod blieben sie übrig.

Für viele sind diese Texte schwerverdaulich und belastend. Und ehrlich gesagt sind sie das auch, wenn man der Meinung ist, hier ginge es um Menschen. Und darin liegt das Problem bei der Beurteilung dieser Texte.  

Es ist mag vielleicht für manche überraschend klingen, aber die biblischen Autoren gingen tatsächlich davon aus, dass es Götter gibt und das YHWH real ist.  

Vor diesem Hintergrund, im Lavant fand eine gewaltsame Verdrängung der lokalen Bevölkerung durch die Hebräer statt. Der Lavant war damals ägyptische Provinz und Korrespondenz deuten auf so viel hin.  Nur der Umfang und Zeitpunkt dieses Prozesses korreliert nur begrenzt mit der biblischen Überlieferung. Also kurz gesagt, dass was 5.Mose, Joshua und 1 und 2 Chroniken überliefern ist in diesem Umfang so nie passiert. Diese Bücher sind dann auch in retrospektive entstanden, denn dass der Autor mit einem zeitlichen Abstand auf die Ereignisse zurückschaut wird aus Stellen wie diesen hier offensichtlich.

Joshua 7,26 Dann errichteten sie einen grossen Steinhaufen über ihm, der dort ist bis auf den heutigen Tag. Und der HERR liess ab von seinem glühenden Zorn. Daher heisst jener Ort Tal Achor, bis auf den heutigen Tag.

Aber eigentlich ist es doch unwichtig, ob diese Ereignisse genauso stattgefunden haben, es ändert doch nichts daran, dass Gott hier als jemand der Gestellt wird der Genozid anordnet. Dies ist moralisch verwerflich weshalb, das Bild des liebenden Gottes einfach nicht stimmen kann.

Nun aber kommt aber das Weltbild der biblischen Autoren zum tragen und welche Botschaft sie mit diesem Bericht weitergeben wollen.

Die Schlüsselverse befinden sich in Joshua 11, 21-22

Zu jener Zeit kam Josua und rottete die Enakiter aus von dem Gebirge, von Hebron, von Debir, von Anab und von dem ganzen Gebirge Juda und von dem ganzen Gebirge Israel: Mitsamt ihren Städten vollstreckte Josua an ihnen den Bann. Es blieben keine Enakiter im Land der Söhne Israel übrig. Nur in Gaza, in Gat und in Aschdod blieben sie übrig.

Die Enakiter (oder Anakiter) sind hier der entscheidende Faktor. Wer Joshua Verstehen will, muss wissen, wer oder besser was die Enakiter waren.

5.Mose 2,10-11 Einst haben die Emiter darin gewohnt, ein grosses, zahlreiches und hochgewachsenes Volk wie die Enakiter. Sie zählen zu den Refaitern, wie die Enakiter; die Moabiter aber nennen sie Emiter.

20 Auch dieses wird zum Land der Refaiter gerechnet. Einst haben Refaiter darin gewohnt, die Ammoniter aber nennen sie Samsummiter.

Refaiter wird von anderen Bibelübersetzungen mit Riesen übersetzt. Aus der Bibel erfahren wir nicht viel über diese Riesen, ausser dass sie Halbgötter waren die durch die Verbindungen von Gottessöhnen und Menschen entstanden. 1. Mose 6,1-4

Halbgötter welche auf der Erde Wandeln waren in der Antike ein weitverbreitetes Motiv. So gab es auch in der babylonischen Mythologie solche Halbgötter/Riesen, der Begriff Refaim ist Etymologisch mit dem entsprechenden Sumerischen Begriff verwand. In der babylonischen Mythologie, waren diese Riesen gewalttätig, und menschenfeindlich. In der israelitischen Mythologie (Buch der Riesen) werden sie als Ursprung aller Gewalt, Götzendienstes und Perversität beschrieben.

Der Kampf Joshuas, so wie ihn die biblischen Autoren beschrieben haben, war also kein Kampf gegen Menschen, sondern gegen das personifizierte Böse, gegen Mächte und Gewallten, die sie aus dem Land vertreiben sollten.

Auch David hatte später noch mit Riesen zu tun, Goliat sollte jedem bekannt sein, aber auch hier 2.Samuel 21,15-22

Neben den hier erwähnten Verbindungen gibt es auch einige andere, welche die Landnahme in den direkten Bezug zur babylonischen Mythologie stellen und dadurch diese Berichte als eine Schlacht gegen das Menschenfeindliche und Böse darstellt. Für eine antike Hörerschaft dessen Weltbild von Mythologien und dem übernatürliche Geprägt war und als normal empfunden wurde. Sind die Wortspiele und Anspielungen auf babylonische, ägyptische und assyrische Mythen offensichtlich, und wurden auch als solches verstanden. Sachliche Geschichtsschreibung so wie wir es heute Verstehen fand damals schlicht und ergreifend nicht statt, jede Kultur hat seine Geschichte mythisch verklärt. Das Judentum war damals keine Ausnahme.

Ziel der Landnahme ist also nicht die Vertreibung von Menschen (andere Texte machen klar das Fremde willkommen sind), sondern die Reinigung des Landes vom Bösen. Ein Kampf gegen Fremde Götter und deren Einfluss im verheissenen Land. Aber Ultimativ des Scheiterns Joshua, der es nicht geschafft hat, alles Böse zu vernichten, was der Grund dafür, war das, Israel als Gottes Volk gescheitert ist. Das Vollenden dieser Arbeit blieb dem ultimativen Joshua vorbehalten. Joshua lehrt uns, dass es einzig Gott ist, der das Böse überwinden kann. Und das ein physischer Kampf gegen das Böse aussichtslos ist. 

184
527
Juni 08
Hallo liebe Community! Mich beschäftigt eine Frage nun schon eine Weile. Ich hoffe, hier eventuell Antworten zu bekommen. Weiss jemand, ob es korrekt ist, dass Jesus am Kreuz gestorben ist, weil er uns mit seinem Blut von Lucifer und dem Satanismus quasi zurück gekauft hat, da in der spirituellen Welt Blut die höchste Währung ist? Vielen Dank für Antworten :).
13
222
Juni 02

 Ich möchte wieder einmal einige Gedanken hier im Forum spiegeln. Und zwar geht es um die beiden Schöpfungsberichte in der Genesis. Einmal als Gott Himmel und Erde schuf und einmal als Gott Erde und Himmel schuf. Gen 2,4.

Nach dem Gott die Welt samt allen Lebewesen bis und mit Mensch am 6 Tag geschaffen hatte, war diese Schöpfung am 7 Tag vollendet. Das war die Erschaffung von Himmel und Erde. Ab Gen 2,4 folgt nun nicht Schöpfung von Erde und Himmel.

Ich denke nicht das die Umkehr der beiden Wörter hier ein Zufall ist, der Autor will hier etwas aussagen. Während es von Gen 1,1-2,3 um die Erschaffung der Welt geht. Schaft Gott ab Vers 4 einen Garten in eben dieser Welt. Das Paradies, das ab Vers 4 erschaffen wird, ist nur ein Teil der Welt, lokal und beschränkt, mit klaren Grenzen. Gott wandelt dort umher und hat Gemeinschaft mit den Menschen. Es ist quasi Gottes Garten hier auf der Erde dort, wo er Gemeinschaft mit den Menschen hat. Dort ist das Leben (Baum des Lebens) und dort ist die Erkenntnis (Baum der Erkenntnis) zu Hause.

Der Baum des Lebens ist hier den Menschen zugänglich, und wird es nach dem Fall erst wieder im himmlischen Jerusalem werden.  

Hier nun meine Gedanken:

Gott schafft zuerst die Welt und besiedelt diese Menschen. (ich bin hier ganz der Meinung, dass dies durch Evolutionäre Prozesse geschah) dann als die Zeit reif ist, erschafft Gott einen Garten und Schaft sich zwei Menschen, die seinen Willen hier in dieser von Ihm geschaffenen Welt tun sollen.

Ich sehe hier die Parallelen mit Israel, welches er sich geschaffen hat und später den Leib Christi auf Erden.

Gott schafft sich ein Geschöpf, Volk, Gemeinde welches seinen Willen in der Welt ausführen soll, Gott hat Gemeinschaft mit diesem Geschöpf, Volk, Gemeinde.

Für mich ist der zweite Schöpfungsbericht kein Bericht über die Erschaffung der Welt, sondern ein Bericht darüber, wie Gott sein Zuhause (Garten) hier in der Welt eingerichtet hat und wie er zwei Menschen schuf, um mit ihm in seiner Welt zu handeln.

Als Adam und Eva aus dem Paradies geworfen wurden, war die Welt bereits mit anderen Menschen besiedelt. Mit diesen beiden kam die Sünde in die Welt.

51
1,775
Juni 01

Jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden ...“ (Apg.2,6)

Zur Pfingstgeschichte gehört das Sprachwunder.

Aus allen Himmelsrichtungen kamen sie, zum jüdischen Fest nach Jerusalem - und die Volksgruppen, Nationalitäten und Beheimatungen werden drei Verse lang (Apg. 2,9-11) aufgelistet.

Und dann passiert es, dass ein jeder die Nachfolger Jesu das Evangelium „in seiner eigenen Sprache“ hört … Zu Recht heißt es, als Reaktion: „Sie verwunderten sich und sprachen: „Sind diese, die da reden, nicht alle Galiläer? Wieso hören wir sie dann jeder in unserer eigenen Sprache, in der wir geboren wurden?“ (Apg. 2,7f.).

Mir scheint an diesem Sprachwunder bzw. Sprachgeschehen wichtig, dass es nicht heißt: Sie verstanden alle die Sprache der Galiläer, sondern sie verstanden es in ihrer eigenen Sprache – und das im Plural, denn die sprachlichen, kulturellen und geistigen Beheimatungen sind ja mit der Aufzählung der Hörenden sehr vielfältig.

Man kann über diese Nuance leicht hinweg lesen und einfach sagen: Sie alle verstanden das Evangelium von Jesus, und das Sprachwunder bestand darin, dass die Menschen es hören können. Aber ich denke, die Bedeutung geht tiefer. Dass ein jeglicher es in seiner eigenen Sprache versteht, in der er geboren wurde, gilt es genauer zu verstehen. Und ich versuche es.

Sprache – das ist ja viel mehr als nur Verbalisierung und Kommunikation mit Worten und Begriffen. Sprache ist eine bestimmte Art von Denken und Wahrnehmen, von Lebensdeutung und Weltwahrnehmung, ja, von Fühlen und Empfinden.

Sprache hat ihr Koordinatensystem immer in einer konkreten Beheimatung – geographisch, geistig, kulturell.

Und was Menschen trennt und u.U. am Verstehen und am Miteinander hindert, sind eben nicht nur aus dem Mund kommende Laute und Töne, sprachlich-verbal unterschiedliche Artikulationen und Benennungen – sondern es sind Lebens- und Verstehens-Welten. Sprichst Du meine Sprache nicht, dann sag ich: Ich versteh Dich nicht. Wo Du herkommst, wie Du denkst und fühlst, was Dich bewegt, welche Vorstellungen Du hast usw. Die Suche nach einer „gemeinsamen Sprache“ ist deshalb immer wieder ein Thema – das Thema der Verständigung und des Sich-verständlich-Machens.

Dies gilt auch für den Bereich Religion & Spiritualität.Und für das Verstehen der biblischen Botschaft, für das Evangelium, den christlichen Glauben.

Sind diese, die da reden, nicht alle Galiläer?“ heißt es.Und das bedeutet: Sie reden in ihrer Sprache, die ihnen eigen und die ihnen gegeben ist. Verstanden werden sie aber in Sprachen, die ihnen fremd und nicht die ihren sind.

Bede Griffiths, ein Benediktiner, der nach Indien ging und dort als Christ mit der indischen Kultur in Berührung kam, schreibt: „Beschränkung ist jeder menschlichen Sprache eigen … Das gilt auch für die Sprache der Bibel. Die Bibel entwickelte sich in der semitischen Welt des Mittleren Ostens, die von der Welt des alten Indien und Fernen Ostens sehr verschieden ist. Sie hat ihre eigenen Bilder, Begriffe und Symbole, die aus der einzigartigen Erfahrung des israelitischen Volkes kommen. Die Bibel ist das Wort Gottes, doch sie ist das Wort Gottes in menschliche Worte gekleidet mit den unvermeidlichen Beschränkungen, die allen menschlichen Worten anhaften.“

Und an anderer Stelle lesen wir, bezüglich der Entwicklung und Ausbreitung des Christentums: „Das Christentum war ursprünglich eine östliche Religion, doch richtete es sich von Anfang an vornehmlich nach Westen. Vorwiegend der heilige Paulus brachte es nach Kleinasien, Griechenland und Rom, und wenig später kam es nach Mittel- und Nordeuropa und schließlich nach Amerika. Das Ergebnis war eine westliche Religion, obwohl sein Ursprung im Osten deutlich blieb. Seine Theologie ist griechisch, seine Organisation römisch und der kulturelle Ausdruck europäisch.“ (Bede Griffiths. Die Hochzeit von Ost und West. Otto Müller-Verlag, Salzburg 1983).

Griffiths schreibt dies als Katholik, in der ihm gegebenen neuen Kontextualisierung in Indien und im Rahmen seiner damit gegebenen Verortung. Aber er benennt wohl etwas, was unmittelbar mit dem Sprachwunder und Sprachgeschehen von Pfingsten zu tun hat.

Aber wir können zunächst erst einmal bei uns selbst bleiben, denn schon innerhalb des Christentums, innerhalb von Kirche und Konfessionen, unter uns Christen verschiedenster Beheimatung und Verortung, ist die Sprache ja oft schon und immer wieder ein Verständigungsproblem.

Wir möchten, dass die jeweils Anderen „unsere Sprache“ des Glaubens und der Glaubens-Beheimatung teilen, weil wir sie für biblisch, glaubens-gemäß und richtig halten. Wer den Glauben nicht in gleicher Weise versteht und artikuliert, wir wir es kennen und gewohnt sind, ist und bleibt uns fremd. Unter Umständen sprechen wir ihm sogar den „rechten“, richtigen Glauben ab – weil wir ihn nicht für biblisch halten.

Doch wenn es bloß so eindeutig wäre!

Warum versteht ihr MEINE Bibel nicht?“ heißt der Titel eines Buches, in dem sich die unterschiedlichen Zugänge und Lesarten zur Bibel darstellen und artikulieren. Und wer diese Pluralität nicht akzeptieren kann, der tut es aus der (von der Realität allerdings widerlegten) Vorstellung, dass es nur EINE „richtige“ Lesart und damit sprachliche Verständigung und Artikulation geben kann bzw. geben sollte – nämlich die der Bibel selbst. Doch da sind wir eben wieder bei dem, was Bede Griffiths so richtig benennt: Dass die Bibel selbst ihre historisch-kulturelle Sprache und Beheimatung hat – in einer bunten, vielfältigen Welt voller anderer „Lebens-Welten.“

Doch noch nochmal zurück zur Pfingstgeschichte. Sie verwunderten sich aber und sprachen: 'Sind diese, die da reden, nicht alle Galiläer? Wieso hören wir sie dann jeder in unserer eigenen Sprache, in der wir geboren wurden?'“ Fakt ist, dass das Evangelium von der suchenden, heilenden, zurechtbringenden Liebe Gottes und von Jesus, seinem Kreuz und seiner Auferweckung, sich auf dieser Welt immer und an vielen Orten in einer „Inkulturation“ zeigt und entfaltet. D.h. Kirche und Glaube „versteht sich“ und wird verstanden immer in konkreten kulturellen und geistigen Kontexten.

Dies ist mir - um nur ein Beispiel zu geben - begegnet bei Katsumi Takizawa – einem Schüler des evangelisch-reformierten Theologen Karl Barth. Sein kultureller und geistiger Hintergrund war der Buddhismus japanischer Prägung. Aber die Begegnung mit der christlichen Botschaft ließ ihn konvertieren.Er ließ sich taufen, nahm das Evangelium an – und bemühte sich fortan als Christ gewissenhaft und leidenschaftlich um eine „japanische Theologie“.

So verstand er die biblische Botschaft als Zeugnis des „Immanuel“, als das von Ewigkeit her gegebene und präsente „Gott für und mit uns“ - angefangen von Gottes schon bezeugter Zuwendung zu Adam und Eva, als er den Vertriebenen „Felle“ machte, oder Kain mit einem Zeichen vor endloser Vergeltung schützte – bis hin zur Versöhnung der Welt mit sich selbst in Christus. Dieses „Ur-Faktum“ verstand er als das primäre Immanuel, das von Anfang an in der Welt war und bleibt – das „Heil in Christus“, das er ja angenommen hatte, ordnete er diesem Ur-Faktum zu und verstand es nicht erst als grundlegend neues, „heils-schaffendes“ Ereignis, sondern als Ausdruck, Zeichen und Offenbarung des schon von Ewigkeit her zu glaubenden „Gott mit und für uns“ ….

Ich kann es nur andeuten und nicht weiter vertiefen – auch die Diskussion darüber hier nicht wiedergeben.

Es geht mir einzig und allein – im Licht von Pfingsten und des Sprachwunders – darum, dass das Evangelium in unterschiedlichen Sprachen verstanden wurde und weiterhin verstanden wird.Bei Takizawa mit einer „japanischen Theologie“, bei anderen mit einer indischen, afrikanischen oder europäischen Theologie … ja auch kontextuell z.B. mit einer befreiungstheologischen, feministischen oder tiefenpsychologischen Sicht-, Zugangs- und Ausdrucksweise.

Was aber mag dies alles nun für uns bedeuten? Was heißt es praktisch für unseren Glauben? Für unser Miteinander innerhalb der Kirche und im Blick auf die Welt?

Ich denke:

  • Es ist richtig und gut, wenn wir in einer bestimmten „Glaubens-Sprache“ unser Zuhause haben – sie ist Ausdruck unserer Beheimatung, in der wir Sicherheit, Gemeinschaft, Kraft und Trost erfahren.

  • Es ist aber auch möglich und gut, im Laufe des Lebens und auf dem eigenen Glaubensweg als Christ zwei- oder gar mehrsprachig zu werden. Wir werden dabei immer eine eigene Heimatsprache behalten, in der wir „geboren“ wurden, die zu uns gehört und die wir behalten. Und wir werden die andere Sprache wohl auch nicht so beherrschen wie unsere mitgegebene Muttersprache.

  • Und es mag sein, dass wir andere Sprachen doch, trotz Bemühen, nicht wirklich verstehen, dass sie uns nicht zugänglich sind und fremd bleiben. Vielleicht sind wir auch nicht besonders sprachbegabt. Oder haben kein weiteres Interesse, andere Sprachen kennenzulernen und uns mit ihnen zu beschäftigen. Auch das kann o.k. Sein – aber dann sollten wir zumindest anerkennen und Respekt davor haben, dass es andere Sprachen gibt und dass Andere sich anders artikulieren.

  • All dies zu sehen und zu beherzigen, ist mMn, eine gute „Frucht des Heiligen Geistes“, der sogar unsere Dialekte, Versprecher und Mundarten versteht und übersetzen kann ... Oder unser hilfloses Stammeln und Lallen.

L'Chaim

49
295
Juni 01

Zunächst und vorweg: Die Welt, in der wir leben, und das derzeitige Weltgetriebe, all die Zerstörung, Gewalt und Unvernunft, setzt uns allen wohl sehr zu und was derzeitig passiert, „schreit zum Himmel“. Und über alle Grenzen und Gräben hinweg, brauchen wir Menschen einander in unserer globalisierten Welt mehr und mehr - zum Guten, um nicht in Verzweiflung, Resignation und Zynismus zu verfallen. Lasst es uns suchen, immer und immer wieder! Das Verbindende tut not und das darin liegende Verheißungsvolle suchen und ersehnen wir – in einer Weltentwicklung, in der das Trennende, das Gegeneinander und zerstörerische Konfrontationen immer mehr an Fahrt gewinnt – politisch, gesellschaftlich, kulturell und konfessionell.

In all das hinein hören wir auch in diesem Jahr wieder die Pfingstgeschichte von der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Nachfolger Jesu, damals in Jerusalem, und vom Wirken dieses Geistes, der auf sie kommt und sie erfüllt. Und es bleibt die Frage, damals wie heute: Wie können wir den Heiligen Geist verstehen? Was ist er? Was ist gemeint, wenn von seinem Wirken die Rede ist?

Es gibt, um es vorweg zu sagen, ein meiner Meinung nach viel zu beschränktes Verstehen der Pfingstgeschichte, wenn man das Kommen und Wirken des Geistes begrenzt auf die Kirche und ihre Entstehung, so sehr uns die Geschichte von Pfingsten erst einmal biblisch begegnet und sich neutestamentlich verortet.

Oder anders ausgedrückt: Der Geist, der sich zum Pfingsten offenbart, gehört nicht den Christen, gehört nicht der Kirche, lässt sich nicht begrenzen und einfangen und reduzieren auf den Radius des Christentums und auf die christliche Konfession. Der Geist Gottes gehört nicht einer beschränkten Gruppe von Menschen, einer Religion, einer Glaubensgemeinschaft.

Um das besser zu verstehen, ist es mMn nötig und durch und durch biblisch, die Frage nach dem Geist Gottes nicht mit Pfingsten zu beginnen zu lassen, sondern mit dem Anfang anzufangen, denn der Geist Gottes hatte nicht zu Pfingsten seinen „ersten großen Auftritt“!

Vielmehr ist der Geist Gottes „der Atem Gottes“ (hebr. Ruach), der alles belebt, ins Leben ruft, erhält. Es ist der Geist, der „am Anfang“ (wie uns in der Genesis erzählt wird) alles Leben hervor bringt, das Chaos („Tohuwabohu“) ordnet und formt. Es ist Gottes Präsenz und Immanenz in allem, was lebt, die göttliche Wirk-lichkeit, die sich ununterbrochen zeigt im Guten und Schönen, im Verbindung und Wachstum, in Harmonie und Lebens-Entfaltung zeigt – und all dies nährt.

In diesem Sinne ist der Geist Gottes in der Welt und im Leben präsent, wirkend und vorhanden. Er ist da. Er kam und er kommt - immer wieder neu und beständig. Aber das Kommen des Geistes, des Heiligen Geistes, welches der Geist Gottes ist (und kein anderer oder zusätzlich oder vorher nicht vorhandener) wird reduziert und begrenzt, wenn wir ihn nur „christlich“ verstehen, domestizieren und für Kirche und Christentum okkupieren.

Wie der Wind, weht Gottes Geist, wo er will.Und Du kannst, im Bild gesprochen, nicht eine „handvoll Wind“ greifen, festhalten und begrenzen.

Er ist wie Feuer, der – und gerade das wird an der Pfingstgeschichte anschaulich - grenzübergreifend, Gräben überbrückend, Mauern überspringend be-geistert.Ein Feuer, dass verbrennt, was trennt. Ein Feuer, in dem nicht weiter Bestand hat, was zuvor als unüberwindbar galt.

Doch – stop! - was ist mit Jesus, mit seiner Person, seinem Wirken?Ist es nicht der Geist, der Jesus groß macht?Der das erettende Evangelium in die Köpfen und Herzen bringt? Ist Pfingsten nicht doch der „Geburtstag der Kirche“?

Ja, der Geist Gottes, der zu Pfingsten über seine Anhänger, Freunde und Freundinnen, seine Nachfolger kommt und ansteckend erscheint, ist der Geist Jesu, den er selbst zuvor verheißen hat. Aber dieser Geist ist eben kein „Sondergeist“, kein eigenes Gebilde oder Gewächs, keine neue Erscheinung – sondern eben der Lebensgeist, der (biblisch gesprochen) von Beginn der Schöpfung an in der Welt ist, Gottes Geist, die göttliche Lebens-Energie in allem, was Leben erhält, fördert, heilt, wachsen lässt und verbindet.

Zu Pfingsten, um den biblischen und neutestamentlichen Faden aufzugreifen, begegnen uns die Anhänger und Nachfolger Jesu empfänglich, offen und bereit für diesen Geist-Empfang – vorbereitet durch Jesus selbst, der Träger und Offenbarer dieses Geistes war. Sie wurden, nach allem, was sie zuvor zweifeln, leiden, verwirrt und frustriert sein ließ, von diesem Geist neu erfüllt. Ihnen wuchs Kraft und Autorität und Wirksamkeit zu, durch diesen Geist. Aber sie wurden nicht dazu berufen, nun eine eigene Religion und Kirche, gar ein Christentum, in die Welt zu setzen. Sie wurden nicht dazu berufen, einen exklusiven Club der Gläubigen zu inszenieren. Und sie bekamen nicht die Vollmacht, Grenzen zu setzen und wiederum Mauern zu errichten.

Dies wird doch eindrücklich auch von Petrus in seiner Pfingstpredigt so benannt, wenn er den Propheten Joel zitiert: „Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da werde ich ausgießen von meinem Geist auf ALLES Fleisch, und eure Söhne und Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen und eure Ältesten werden Träume haben, ja auch über meine Knechte und Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen ...“ (Acta 2, 17f.).

Nichts anderes bedeutet dies, als dass der Geist Gottes nicht nur auf eine Gruppe von Auserwählten kommt und zu ihrem trennenden Merkmal wird, sondern dass der Geist Gottes in seinem Wirken radikal „inklusiv“ ist und Barrieren niederreißt.Männer und Frauen, Alte und Junge, auch keine hierarchische, soziale Trennung mehr zu Knechten und Mägden. Gottes Geist erscheint noch einmal mit Macht und erfasst und ergreift, auf ansteckende Weise, die Freunde Jesu.Und die, die mit ihren verschiedenen Sprachen, unterschiedlichen Beheimatungen und Verwurzelungen und den daraus resultierenden Trennungen, plötzlich verständig und verbunden werden – durch eben diesen Geist Gottes, der der Geist Jesu ist und bleibt.

Petrus, der die Pfingstpredigt hält, erlebte ja selbst diesen Prozess der verbindenden Grenzüberschreitungen durch Gottes Geist: War er zunächst der Überzeugung, dass die Sache mit Jesus und seiner Mission eine rein jüdische Angelegenheit ist, so erkannte in einem visionären Erleben (Acta 10), dass das Evangelium von der Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus offenbart hat, global und all-umfassend für alle Menschen und die ganze Welt gilt.

Wenn wir also die Pfingstgeschichte in diesem Jahr 2026 und in unserer Welt, die das Glauben, Hoffen & Lieben so anfrisst und infrage stellt, wieder hören, dann widerspricht sie allen derzeit so um sich greifenden Ideologien und Kräften, seien sie säkular, weltlich oder religiös und konfessionell, die das Verbindende und Heilende infrage stellen. Und sie beruft uns als Christen und als Kirche in der Welt, so mein Eingangsgedanke, zu sehen, wie sehr wir Menschen einander brauchen – um gemeinsam der Resignation, dem Fatalismus und auch dem Zynismus zu widerstehen.

Der Geist Gottes steht dafür – er trennt nicht, sondern er verbindet. Er ist nicht christliches Eigentum – sondern er ruft uns als Christen zu einer Empfänglichkeit und Offenheit, wie sie die Jünger, 50 Tage nach dem Ostermysterium der Auferweckung Jesu, hatten.

L'Chaim

27
241
Mai 24

https://www.jesus.ch/magazin/spiritualitaet/259907-der_koran_fordert_auf_die_bibel_zu_lesen.html

 

 

 

Hi, habe einen Artikel aus Jesus.ch gefunden. In diesem Artikel wird behauptet, im Koran stünde die Auifforderung die Bibel zu lesen. 

Hier die entsprechende Sure

Sure 3:3 sagt Allah:

„Die Tawrat und das Injil wurden herabgesandt.“

In Sure 5:47 steht auch:

„Lasst die Leute des Injil nach dem richten, was Allah in ihm offenbart hat.“

Und Sure 5:68 besagt:

„O Leute der Schrift, ihr steht auf nichts, bis ihr die Tawrat und das Injil und das, was euch von eurem Herrn offenbart wurde, aufrecht haltet.“

 

 

Dann reden Muslime und Christen doch vom selben Gott. 

 

Oder ist das Tawrat (Buch) was ganz anderes als die Thora ?

 

Und Injil??

 

(Indschīl (arabisch إنجيل, DMG inǧīl [ɪnˈʤiːl], in anderen Umschriften Injil oder Indjil) ist ein arabischer Ausdruck für das griechische εὐαγγέλιον, eu-angelion (Evangelium) und bezieht sich auf die durch Jesus von Nazaret überlieferte Offenbarung.) Aus Wikipedia

 

M.

 

 

35
316
Mai 05


Auch wenn diese Thema schon einen breiten Raum hier im Forum einnimmt (z.B. Christsein & Gesellschaft / Wissenschaft / Kriterien für Wunder ...), würde ich dieses Theman gern weiter diskutieren. Konkreter Anlass für mich ist der Post von @tojak https://forum.jesus.de/community/bibel-bibelstellen/was-stimmt-was-in-der-bibel-steht-und-was-nicht/paged/3/ vom 4. Februar 2026 18:03. Sein Post steht u.a. im Kontext der Diskussion um die in der Bibel berichteten Wunder, wie die Verwandlung von Wasser in Wein (Joh.2). tojak schreibt:

Ich erlebe es regelmäßig, dass Gläubige und Theologen gern sofort zur Relativitätstheorie und Quantenphysik springen möchten, wenn es um Bibelstellen vs. Physik geht. Dabei reicht Mittelstufen-Schulphysik völlig, um zu zeigen, dass manche Bibelstellen im Widerspruch zu gesichterten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Daran ändern auch neuere Erkenntnisse aus komplexeren Physik nichts.

Vorweg finde ich es erstmal wichtig herauszustellen, dass wir es nicht nur mit den beiden Themen a) Naturwissenschaft (NW) und b) Glaube zu tun haben, sondern als drittes c) die Erkenntnistheorie, quasi als übergeordnete Klammer mitzudenken ist. Spätestens seit Kant ist klar, dass a) und b) zwei Aussagenbereiche sind, die primäre nicht durch ihren Gegenstand hier - Natur und dort Wunder – bestimmt sind, sondern durch die Methoden, durch die jeweils in diesen Bereichen Erkenntnisse gewonnen werden. Als weitere, die aus meiner Sicht eigentliche sinnstiftende Ebene kommt die heilsgeschichtliche Betrachtung hinzu. Durch sie lässt sich ein Zusammenhang zwischen den drei Themenbereichen herstellen. Der lautet aus meiner Sicht, dass Gott die Naturwissenschaft zulässt, weil ein besseres Verständnis der Natur hilft (heidnischen) Aberglauben abzulegen und das Leben der Menschen erleichtert wird durch Anwendung entsprechender Erkenntnis zur Entwicklung effizienterer Produktionsmitteln und -weisen. Diese tendenzielle Befreiung des Zwangs zur Arbeit hat ihrerseits das heilsgeschichtliche Ziel, mehr Zeit und Muße für die Heiligung des Sabbat als dem eigentliche irdischen Lebensziel zu gewinnen. Heiligung des Sabbat beschränkt sich keineswegs auf den Sonntag, sondern meint die dem Menschen gegebene freie Zeit – ohne Zwang für sein Lebensunterhalt sorgen zu müssen – über die er entscheiden muss, wie er sie verbringen will. Zum Lobe Gottes etc. oder um sich in seiner ´Freizeit` an die materielle Welt zu binden.

Das Wesen der NW ist, dass sie Aussagen über die empirische-materielle Welt macht, insofern diese messbar ist, was heißt durch mathematische Verfahren beschrieben werden kann. Mit der Messbarkeit ist die Abhängigkeit der Erkenntnis von den menschlichen Sinnesorganen gegeben. Auch wenn diese durch technische Hilfen ´verbessert` werden, ändert das grundsätzlich nichts daran, dass wir auf die fünf Sinne angewiesen sind, die, wie auch Messinstrumente nur in Abhängig von Raum und Zeit (d.h. nicht-relativistisch) existieren. Grundsätzlich gehört zur NW die Möglichkeit dazu, Aussagen durch Experimente zu validieren. In wie weit die Mathematik es erlaubt, nw. Erkenntnisse von der sinnlichen Wahrnehmung zu lösen ist eine andere Frage. Was die Mathematik aber gezeigt hat, dass ihre Beweiskraft nicht von empirischen Erfahrungen abhängt (etwa aus der Kunst des Zählens), sondern von den Axiomen, die sich selbst gibt. Damit muss man sich auch klar machen, dass die Naturwissenschaften letztlich keine rein empirisch Wissenschaft ist, sondern auf eine metaphysische Grundlegung angewiesen ist. Dass scheint mit wichtig zu sein, um der Vorstellung Einhalt zu gebieten, die NW, ins besonders die Physik käme zu absoluten Erkenntnissen. Dem ist nicht so. Physikalische Theorien haben a) immer nur eine begrenzte Aussagekraft, die sich aus den Voraussetzungen ergeben, die sie sich selbst geben. Wenn also Theologen, zugegebener Maß vielleicht etwas unbeholfen, auf die Quantenphysik etc. verweisen, rechtfertigen sie weniger ihre eigenen Standpunkt, sondern ermahnen die Naturwissenschaftler, sich vor dem Hochmut zu bewahren, mit ihren Erklärungen an die Stelle Gottes treten zu können (ausführlicher z.B. in Paradoxien der Kosmologie, http://www.tydecks.info/online/themen_kosmologie_paradoxien.html, Beitrag für das Philosophische Colloquium der Akademie 55plus Darmstadt am 15.12.2014, Zugriff 25.4.26)

Das Wesen des Glaubens ist es, Tatsachen anzuerkennen, die nicht durch die Methoden der Naturwissenschaft erkannt werden können. An die Stelle mathematischer Verfahren tritt die Offenbarung. So wie die Logik für die Mathematik, fungiert die biblische Hermeneutik für die Glaubenstatsachen als Bezugs- und Reflektionswissenschaft. Im Bezug zur Welt unterscheiden sich NW und Glaube u.a. darin, dass NW Erklärungen produziert (Kausalzusammenhänge beschreibt), während der Glaube den Weg zu Sinn und Bedeutung weist, also auf die lebens- und handlungspraktische Relevanz von Erkenntnis, u.a. unter anderen auch von nw. Erklärungen verweist (das wäre u.a. unter dem Stichwort ´naturalistischer Fehlschluss zu thematisieren).

Die Bezugswissenschaft der bibl. Hermeneutik, also für Generierung von Sinn und Bedeutung, ist die Heilsgeschichte, die wiederrum ein anderer Name für die in der Welt verwirklichte Liebe Gottes ist. Die Liebe wie Gott sie versteht ist somit die letzte und höchste Instanz der Erkenntnis und das letzte Evidenzkriterium.

Vor diesem Hintergrund erschließt sich mir der Bericht über die Verwandlung von Wasser in Wein wie folgt: Dass sich Wasser in Wein verwandelt kann, ist eine Tatsache, die jeder Winzer bestätigen kann. Dazu bedarf es üblicherweise eines bestimmten Stoffwechsels, sowohl in der Rebe wie nachher im Gärfass. Nüchtern betrachtet ist Stoffwechsel die Verwandlung von Molekülen durch Zufuhr von (Sonnen)Energie. Noch abstrakter; Stoffwechsel ist gezielte Arbeit gegen die Entropie. Entropie ist die destruktive Tendenz der Materie, sich selbst zu vernichten, wenn nicht ein ordnende Kraft gezielt dagegen anarbeitet (vgl. den Beginn des Schöpfungsbericht 1.Mos. 1 ff). Gegen Entropie heißt, dass das Programm für eine höhere Ordnung in der Welt sorgt. Gezielt heißt, es gibt ein Programm gibt, das sich hier als genetisches des Weinstocks manifestiert. Das Programm selbst entspringt der Liebe des Schöpfergottes. Und die Energie, die das Programm belebt ist der Geist der von Gott ausgeht.

Jesus lehrt, dass man die Natur durch den Geist beeinflussen kann (Mt.21,21 f): "Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur vollbringen, was am Feigenbaum geschehen ist; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: >Erhebe dich und stürze dich ins Meer!<, so wird es geschehen; und alles, was ihr im Gebet gläubig erbittet, werdet ihr erhalten." Tatsächlich ist es ja so, dass im Verlauf der Erdgeschichte die Berge zum Teil tatsächlich an Masse verloren haben und ein Teil davon ins Meer gelangt ist. Klar, dass ist nicht die Bedeutung der Aussage. Aber es geht darum, dass sich der Glaube, wenn er in anschaulichen Bildern geschildert wird, auf reale Prozesse bezieht, durch die das oben beschriebene Programm erkennbar wird (so z.B. die Gleichnisse vom Samen). Jesus meint damit also nicht, man könne die Gesetze der Physik beeinflussen.

Allerdings muss man auch sehen, dass das, was wir als physikalische Gesetz kennen, mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Insofern bin ich eher zurückhaltend, wenn es um die Frage geht, was möglich ist und was nicht. Man muss sich eingestehen, dass wir aufgrund unsere menschliche Beschränktheit weit davon entfernt sind, die Kräfte der Natur, d.h. den Geist der wirkt, zu verstehen. Ich stelle mir gerade vor, Kopernikus wurde heute im Fernsehen eine Sendung über den aktuellen Stand der Astrophysik sehen. Ich glaube, der würde aufs erste wohl alles für Schwindel halten.

Allerdings würde er sich wahrscheinlich sehr schnell in diese Denkweise einarbeiten können - und zwar weshalb: weil er neben seinem Wissen auch den festen Glauben hat, dass das, was er herausgefunden hat, richtig ist. Und dieser Glaube, ich gehe davon aus, dass er den dann ins Heute mitbringt, würde ihn befähigen die moderne Astrophysik zu verstehen. 

Übertragen sehe ich die Sache so: Gott hat die Naturgesetze geschaffen aus seinem Geist der Liebe und Wahrheit. Liebe bedeutet, dass die Naturgesetze die materielle Lebensbedingungen schaffen, was das Gute - Lebensspende für die Schöpfung - bedeuten. Wahrheit bedeutet, dass die Gesetz unumstößlich sind für die, die in der materiellen Schöpfung leben. Damit will ich andeuten, dass es fraglich ist, ob im Himmel, dem Reich Gottes diese Gesetze noch relevant sind. Geht man davon aus, dass die Bestimmung des Menschen das Himmelreich ist, heißt das, dass er sein diesbezüglich irdische Denken überwinden muss um Gott richtig zu verstehen. Mit anderen Worten, wenn es einem Menschen gelingt seinen Glauben zu entwickeln und zu festigen, dann kann er auch bei sich und anderen Veränderungen bewirken, die der Versetzung eines Berges gleichkommen, nämlich im übertragen Sinne.

Gehen wir zum `Weinwunder`  zurück. Neben der Auffassung, dass tatsächlich eine substanzielle Verwandlung stattgefunden hat kann man sich auch vorstellen, dass alle Hochzeitsgäste von der Anwesenheit Jesus derartig ´beeindruckt` waren, dass sie das Wasser als Wein geschmeckt haben. Und zwar nicht im Sinne einer Art ´Massenhysterie`, sondern als Wirkung des Geist der Liebe Jesus des Herrn, die denjenigen die das Wunder mitbekommen, etwas zu denken geben soll oder mit andere Worten, das sich Jesus dort, offenbart. Zu bedenken ist, dass diese nach dem Joh. Evg. der erste öffentliche Auftritt nach der Taufe durch Johannes ist. Ich will damit aufzeigen, dass die generelle Botschaft der Wunder die ist, menschliches Denken von den physikalischen Gesetzen, d.h. von den Bedingungen irdischen Denkens zu befreien, um so frei für eigentliche das Verständnis der Offenbarung zu machen. D.h. hießt, man muss sich jetzt noch darüber nachdenken, warum das Wunder auf einer Hochzeit stattfindet. Hochzeit ist ein Liebesbündnis und es liegt nahe, dass Gott die Menschen, die sich auf so ein Liebesbündnis untereinander einlassen dazu eingeladen sind, ein analoges Bündnis mit ihm einzugehen. So antwortet Jesus seiner Mutter, als sie ihn darum bat, ob er nicht für neuen Wein sorgen könne, zuerst einmal mit den Worten (Joh.2,4): ""Laß mich nur gewähren, Frau! Meine Stunde ist noch nicht gekommen."" Die Antwort ist ja seltsam. Es sei denn Jesus bezieht die von Ihm erwartete Verwandlung in Wein auf sich selbst: aus dem lebendigen Wasser seine Lebens und seiner Lehre geht am Ende eine geistliche Transformation hervor. Die, die von dem Wasser kosten das Jesus bereitet (nämlich seine frohe Botschaft) werden darin den wahren Wert (Wein = geistige Getränk) erkennen. "So machte Jesus zu Kana in Galiläa den Anfang mit seinen Zeichen. Er offenbarte dadurch seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn".

17
175
Apr. 29

Gestern im Hauskreis.

 

Jemand sagte:

 

Gott hatte den ursprünglichen Plan, dass die Menschen ewig lebten.

 

Okay, aber irgendwie schwierig.

 

Im Wort stand, Gott wusste vor Anbeginn, dass es so nicht sein wird. 

 

Wie hätte, wenn alles gut wäre und ideal, dieses "ewige" Leben von Adam und Eva ausgesehen....mitsamt der Kinder. und Nachkommen? Die Erde wäre heute massiv überbevölkert. Oder nicht? Oder wäre es wie bei Henoch, immer wieder werden Menschen entrückt, so das ein stabiles Gleichgewicht entstanden hätte.

Aber wenn Gott auch vorher wusste, der Mensch wird sündigen, dann musste er ja zwangsläufig sie ja körperlich sterben lassen. Er reduzierte ja sogar das Alter. 

Wie passt das zusammen? Vor allem einem, dessen Pläne sich ständig änderten. 

51
232
Apr. 20
In der modernen Bibelwissenschaft wird der stellvertretende Sühnetod Christi häufig angezweifelt. Begründet wird das mit dem Gottesbild: Gott brauche kein Opfer, um vergeben zu können. Und bei uns ist das auch so: wir vergeben auch, ohne dass jemand ein Opfer dafür bringt. Mir scheint dem ein Missverständnis vorzuliegen: Gott wird als Empfänger des Opfers gesehen. Mir ist aber nicht bewusst, dass Gott irgendwo als Empfänger dieses Opfers bezeichnet würde. Stattdessen bezeichnet die Bibel Gott als den Geber des Opfers:
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
Wenn Gott aber der Geber des Opfers ist, wer ist dann der Empfänger? Ich starte unter diesem Post verschiedene Threads zu den möglichen Antworten. Ich freue ich auf Eure Beiträge. Nachtrag vom 07.03.2019 09:00:46 Ich finde keine der unten genannten Möglichkeiten befriedigend. Hat jemand bessere Vorschläge?
159
2,153
Apr. 11

Vier Begriffe die in Diskussionen gerne in den Mixer geworfen werden und als Einheitsbrei serviert werden. 

Auserwählung hat nichts mit Berufung hat nichts mit Erlösung hat nichts mit Errettung zu tun. 

Das Volk Israel, ist auserwählt, wurde aus der Sklaverei gerettet, und ist dazu Berufen eine Heilige Nation von Priestern zu sein. Dennoch hat all dies nichts mit Erlösung zu tun. 

3
152
Apr. 10

Warum das Wort „Buße“ in deutschen Bibel-Übersetzungen eine semantische Verzerrung darstellt.

Buße ist das auferlegte Quantum eines Gegenwertes, mit der Erwartungshaltung einer vorgeschriebenen Neuorientierung.

Zur Übersetzung von μετάνοια (Substantiv: metanoia) und μετανοεν (Verb: metanoein) im sog. Neuen Testament.

Die Übersetzung biblischer Schlüsselbegriffe ist nicht nur eine philologische, sondern auch eine objektive Aufgabe. Wenige Schlüsselwörter haben die traditionell-abendländische Theologie und kirchliche Praxis so geprägt wie das Wort „Buße“.

Besonders aktuell könnten sich im 20. Jahrhundert kritische Stimmen äußern, die die Übersetzungstradition als irreführend und sprachlich unangemessen betrachten. Im Zentrum steht das griechische Wort μετάνοια (Substantiv) sowie das Verb μετανοεν, wie er im sogenannten Neuen Testament an entscheidenden Stellen begegnet.

Die folgende Abhandlung untersucht, warum die herkömmliche Wiedergabe mit „Buße“ bzw. „Buße tun“ weder philologisch noch semantisch adäquat ist, und argumentiert, daß die Übersetzung mit „Umsinnung“ bzw. „umsinnen“ eine größere Präzision bietet als die im Deutschen etablierte Wahl „Buße“ und seltener, aber näher am Sinn: „Umkehr“ oder „Umdenken“.

Das Substantiv μετάνοια (metanoia) ist ein zusammengesetztes Wort aus μετά- („nach, hinter, über … hinaus, in veränderter Relation zu“) und νος („Sinn, Verstand, Bewusstsein“). Das zugehörige Verb μετανοεν (metanoein) bedeutet in seiner Grundbedeutung: „einen anderen Sinn annehmen“, „den Sinn ändern“, „umsinnen“.

Im hellenistischen Sprachgebrauch bezeichnet μετάνοια primär eine Änderung der inneren Haltung, des Denkens oder der Sichtweise. Der Begriff verweist nicht primär auf äußere Akte der Reue, des Rituals oder der Genugtuung, sondern auf einen kognitiv-existentiellen Wandel und bedeutet Veränderung im Denksinn und dem damit verbundenen Wandel.

Im NT wird dieser semantische Kern beibehalten, jedoch theologisch gefüllt: Die μετάνοια ist eine Neuausrichtung des Sinnes angesichts der Offenbarung (Enthüllung) Gottes in Christus, zum Beispiel innerhalb der vier Berichte (Evangelien) und des damit verbundenen, verheißenen, aber auch anbrechenden Königreiches Gottes.

Die Übersetzung „Buße“ ist eine Folge der lateinischen Bibeltradition. Hier spielte die Vulgata mit „paenitentia“ (übersetzt mit „Buße“) eine zentrale Rolle. Paenitentia bedeutete im klassischen Latein „Reue, Schmerz, Gewissensbiss“, erhielt jedoch in kirchenlateinischer Verwendung eine engere sakramentale Prägung: „Bußsakrament“, „Kirchenbuße“, „Bußübungen“.

In der Folge wurde im Deutschen „Buße“ mit einem stark moralisch-juridischen und rituellen Bedeutungsfeld verknüpft. Es bringt Vorstellungen in Praxis von Sündenbekenntnis, Strafe, Genugtuung und Wiedergutmachung. Damit verschiebt sich der Fokus von der im NT intendierten Sinnesänderung zu einem institutionalisierten Akt der Reue und Sühne.

Philologisch ist dies problematisch, da μετάνοια in den Grundtexten der Bibel (innerhalb der Ausgangssprache) weder eine strafrechtliche Konnotation noch eine kultisch-sakramentale Handlung impliziert. Objektiv ist es ebenso problematisch, weil dadurch eine bestimmte kirchengeschichtliche Deutung (Bußpraxis) an den Text herangetragen wird, die nicht aus dem Text selbst erwächst.

Neuere Bibelübersetzungen versuchen, durch die Wahl von „Umkehr“ oder „Umdenken“ eine Distanz zur „Buße“-Tradition zu schaffen. Beide Lösungen sind Verbesserungen, bleiben jedoch unpräzise:

Umkehr“ legt den Schwerpunkt auf eine äußere Richtungsänderung, fast im wörtlich-räumlichen Sinn. Zwar transportiert es die Idee der Hinwendung zu Gott, aber es unterschlägt den kognitiven Aspekt, den das griechische Grundtextwort durch das Element νος („Sinn, Verstand, Bewusstsein“) betont.

Umdenken“ rückt stärker die mentale Dimension ins Zentrum, droht jedoch in eine rein intellektualistische Deutung zu kippen. Es kann den existenziellen, lebensverändernden Charakter der Umsinnung (μετάνοια) abschwächen, indem es lediglich eine gedankliche Neubewertung suggeriert.

Das Deutsche verfügt mit „Sinn“ über eine semantische Nähe zum griechischen νος. Das Substantiv „Umsinnung“ und das Verb „umsinnen“ bilden diese Nähe direkt und ohne Umweg ab.

Philologisch: „Umsinnung“ reflektiert exakt die Grundstruktur von μετά-νοια: ein neues, anderes Sinnen. Es wahrt damit die Spannung von kognitiver und existenzieller Dimension. „Sinn“ umfasst im Deutschen ebenso wie νος nicht nur rationales Denken, sondern auch Gesinnung, Haltung und Orientierung.

Abwendung von der Ballastladung des Wortes „Buße“, aber auch ohne die Verkürzungen von „Umkehr“ und „Umdenken“, hin zu einer objektiven Neubewertung, macht das Verständnis biblischer Zusammenhänge verständlicher und schließt vermeintliche Missverständnisse aus.

Die Diskussion um die angemessene Übersetzung von μετάνοια und μετανοεν zeigt, dass die überlieferte Wiedergabe mit „Buße“ philologisch und objektiv inadäquat ist. Sie spiegelt mehr die kirchengeschichtliche und damit traditionelle Entwicklung als den neutestamentlichen Sinngehalt wider.

Die Alternativen „Umkehr“ und „Umdenken“ markieren zwar Fortschritte, bleiben jedoch partiell verkürzt. Die Übersetzung „Umsinnung“ bzw. „umsinnen“ erweist sich als die präziseste Lösung, da sie sowohl den sprachlichen Aufbau als auch die inhaltliche Dimension des griechischen Grundtextes erfasst.

Die Frage, ob im Rahmen der Bibelübersetzung der Begriff „Buße“ oder „Buße tun“ verwendet wird, erweist sich letztlich als nachrangig. Von zentraler Bedeutung ist vielmehr die Rekonstruktion des ursprünglichen Sinngehalts, der in der neutestamentlichen μετάνοια liegt: nicht in der Bestätigung traditioneller und institutioneller Verständnisse und Praktiken, sondern in einer radikalen Umsinnung im Angesicht der unterschiedlichen Botschaften innerhalb der heilsgeschichtlichen Entwicklung. Ist es daher nicht diese ursprüngliche Dimension, die für das objektive Verständnis biblischer Zusammenhänge entscheidend ist?

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Apr. 07

Hallo Zusammen,

Ich weiß, das ist so ziemlich das klassische Thema wenn es darum geht, ob wir glauben oder nicht. Ich würde die Frage doch ganz gerne stellen, da ich, seit ich hierüber nachdenke, echt mit meinem Glauben zu kämpfen habe.

Es geht mir darum: wie kann Gott fair sein? Die Frage basiert auf mehreren Gedankengängen:

1)Wir reden oft von Gottes Plan. Davon, dass er alles bereits für uns vorgeplant hat. Im Zuge dessen danken wir ihm wegen vielem: für das Essen auf meinem Tisch, für Klamotten in meinem Schrank,…Wir danken also Gott für all das. Das Gute kommt also von Gott. Doch geschieht uns etwas Schlechtes, dann ist es nie Gott. Seltsam, oder? Geschieht uns etwas Gutes, dann hat der gute Gott für uns gesorgt, passiert uns etwas Schlechtes, dann war das der böse Satan/ein böser Dämon, der uns Unrecht getan hat/uns dazu verleitet hat. Aber wir können doch nicht einfach nur die Guten Dinge aus unserem Leben rauspicken und sie Gott zuschreiben und alles andere Böse/nicht so Gute dem Satan oder dem menschlichen Fleisch. Entweder muss doch Gott für alles verantwortlich sein (also auch für das Leid), oder für gar nichts (dann aber auch nicht für das Gute)
Hier argumentieren jetzt viele Christen, dass es durchaus so ist, dass nur das Gute von Gott (Gott=Gut) kommt, da Gott einfach Gut ist und das Böse ja die Abwesenheit des Guten (Böse≠Gott) ist, Schlechtes/Böses also immer dann passiert, wenn man in der Abwesenheit von Gott ist. Das Böse/Schlechte kommt also immer aus dem eigenen Fleisch/dem Antichristen/Freien Wille heraus. Eigentlich ganz simpel. Bis hierhin kann ich sogar noch mitgehen. 
Doch nun sehen wir uns mal ein Schwerbehindertes Kind an, dass in extremer Armut in einem Slum geboren wird. Irgendwie nicht so gerecht. Bereits in der Bibel ist zu finden: „Du hast mich gebildet im Mutterleib“ (Psalm 139, 13-16). Gott hat also das Kind schwerbehindert geschaffen. Kein Antichrist, kein menschliches Fleisch, Gott hat das Kind behindert gemacht. Einem Kind so eine Last aufzuerlegen ist für mich alles, aber nicht gut, barmherzig oder eine sonstige positive Eigenschaft, die man Gott ja so gerne zuspricht. Das ist ganz offen gesagt für mich pur böse. Und klar, für alles hier auf der Erde sind wir verantwortlich. Wenn ich jemanden beleidige, dann war es ich, dann kam es aus meinem Fleisch heraus. Aber in dieser Stelle steht ja ganz klar, dass Gott für die Schaffung des Kindes verantwortlich ist, sein Plan (um wieder auf den Anfang zurückzukommen) ist also, dass das Kind schwerbehindert in eine extremst arme Gesellschaft geboren wird. Mega gerecht

2)So, mein zweiter Punkt knüpft direkt an den Ersten an und ist auch um einiges kürzer. Hier gehe ich ein wenig von der Gerechtigkeit weg und hin zur Fairness. Ganz einfach formuliert: Angenommen, wir leben nach dem Plan Gottes (und mindestens die Geburtsumstände müssen von ihm ausgehen, das liegt ja nicht in unserer Hand, in welche Gesellschaft und mit welchen angeborenen Krankheiten wir geboren werden). Wie fair ist es jetzt, dass Kinder auf der Straße geboren werden, eventuell sogar angeborene Krankheiten und ich (vermutlich auch du) in einem behüteten Elternhaus mit gutem Essen, guten Klamotten und einem sicheren Dach über dem Kopf aufwachsen darf? Also das ist ja mal anders als fair. Und da frage ich mich ganz einfach: Wieso? Wenn wir doch wirklich alle gleich viel Wert sind vor Gott, wieso spiegelt sich das dann nicht in unserer Schöpfung wieder?

Zuerst einmal vielen Dank, dass du all das wirklich zu Ende gelesen hast. Ich würde dich nur bitten, wenn du auf diese Frage antwortest, keine einfache Leier wie „Das ist alles Gottes Plan, den verstehen wir nur noch nicht“ zu nutzen. Ich glaube das ist auch respektlos als privilegierte Christen aus einem wohlhabenden Land heraus die Probleme von zb Kinderarbeitern in Afrika klein oder als „von Gott gerecht“ zu reden. 

Lg und noch schöne Ostertage

 

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Apr. 07

Auseinandersetzung mit der Bedeutung und Verwendung der zentralen Begriffe ‚αἰών‘ (aiṓn) und ‚αἰώνιος‘ (aiṓnios) im ursprünglichen biblischen Grundtext.

(Manchmal und an manchen Bibelstellen mit „Ewigkeit“, bzw. „ewig“ übersetzt)

 

In der antiken griechischen Sprache, besonders auch im Judentum (gegenwärtig damaligen Zeit:) des Zweiten Tempels und im sogenannten Neuen Testament, wurde „αἰών“ (aiṓn) oft verwendet, um auf bestimmte Zeitalter (wie das (damals) jetzige Zeitalter vs. das kommende) zu verweisen.

In diesem Rahmen bezeichnet das davon abgeleitete Adjektiv „αἰώνιος“ (aiṓnios) die Qualität und Bestimmung eines Zeitalters (z.B. eines zukünftigen Zeitalters), was den Zusammenhang an einigen Stellen in der Bibel eine ganz bestimmte, sowie homogene Bedeutung gibt und das Vorkommen dieser beiden Wörter innerhalb des Grundtextes objektiv darstellt. Natürlich könnte man aus Neutralität eine Transliteration vorziehen und hätte immer noch ein besseres Ergebnis erzielt als sich auf das subjektiv geprägte Verständnis der bekannten Bibelübersetzer einzulassen, die ja unterschiedlichste Bedeutungen, an unterschiedlichen Stellen, zueinander unterschiedlich übersetzen.

 

Zu prüfen ist an allen Stellen, der inhaltliche Bezug bei gleichbleibender Bedeutung in der Verwendung von:

 

  • αἰών (aiṓn) = Substantiv: „Zeitalter“.
  • αἰώνιος (aiṓnios) = Adjektiv: „zeitalterlich“ (weil „zum Zeitalter gehörend“, da es sich auf αἰών (aiṓn) bezieht, z.B. das Leben oder die Strafe, die zum kommenden Zeitalter gehören

(Innerhalb dieser objektiven Untersuchung wird man auf keinen einzigen Widerstand stoßen, ausgenommen dem der Tradition)

 

Ein Prüfen aller Stellen (Vorkommen) als Vergleich mit dem Wort „Ewigkeit“ und „ewig“ (inkl. Singular und Pluralform) wird an den meisten Stellen in Sinnlosigkeit enden.

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Apr. 04

In der Diskussion ob Nicht-Christen für immer in die Hölle kommen (und wie diese denn definiert wird), hat Lucan das Thema Gottes Gerechtigkeit aufgegriffen und ich finde es eignet sich wunderbar für einen ganz eigenen Thread.

Ich finde, dass Lucan das Thema auch ausreichend "eröffnet hat", weshalb ich nichts weiter dazu schreibe, und nur meine Zustimmung zu seinen Gedanken ausdrücke, weil ich dieselben immer wieder habe, wenn ich an die Sündenfälle etc. denke.

Veröffentlicht von: @lucan-7

[...] Es ging nicht um unsere Vorstellungen von Gott, sondern was es für Konsequenzen hätte, wenn Gottes Vorstellung von "Gerechtigkeit" fundamental anders wäre als unsere, sei es nun in wesentlichen Teilen oder sogar im Ganzen.

Denn ich höre von Christen immer wieder, dass ja Gott darüber bestimmen können, was "gut" ist oder "gerecht".

Nun, sicher, das kann er wohl. Aber für uns ergibt das nur dann einen Sinn, wenn wir hier zu einer Übereinstimmung mit Gott kommen. Und das bedeutet auch, falls wir selbst zu beschränkt dafür sind: Wir würden mit Gott übereinstimmen, wenn wir die Sache in ihrer Gesamtheit überschauen könnten.

Sollte Gott hier aber wirklich fundamental anders urteilen als wir selbst - dann wäre es auch nicht mehr sinnvoll, ihm zu folgen. Denn je nachdem wie weit diese Abweichung geht wäre er für uns ein ungerechter, möglicherweise sogar bösartiger Gott.

Es ergibt also nur dann Sinn, wenn wirklich zutrifft, was gleich zu beginn in der Bibel steht: Dass Gott uns nach seinem Bilde schuf, wir also ähnliche Vorstellungen von Moral und Gerechtigkeit haben (Auch wenn es da kulturell bedingt Abweichungen unter den Menschen gibt).

Wenn das aber so ist - dann finde ich diese Gerechtigkeit in der Bibel nicht wieder. Denn mir erscheint Gottes Handeln höchst ungerecht.

Das war, zumindest von meiner Seite aus, das Problem hier.

 

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März 23
Hallo an alle Leser, die sich die Zeit nehmen mein ersten Beitrag hier zu lesen. Gott hat mich ermutigt, mir die Zeit zu nehmen euch diese Worte zu schreiben. Auf das Ergebnis bin ich bereits gespannt. Mich interessiert eure Meinung zu dem Thema Vergebung. Eigentlich sollten wir uns als Christen mit diesem Thema bestens auskennen. Meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass die Menschen sehr unterschiedliche Meinungen und Denkweisen dazu haben. Manche sagen, dass jeder Mensch (ausnahmslos) letztendlich zu Gott kommen wird (Stichwort: Allversöhnungslehre). Manche sagen, dass Gott dir die Sünden vergibt, sofern du Sie Gott bekennst. (1. Johannes 9 Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.) Manche sagen, dass Gott wie ein grenzenlos liebender Vater ist und dir vergibt, egal wie du dich verhalten hast, solang du zum Vater zurückkehrst (Gleichnis vom verlorenen Sohn: Lukas 15,11-32) Manche sagen, dass du deinem Nächsten nur vergeben brauchst, wenn er es auch bereut und zu dir kommt. (Lukas 17,3-4: Nehmt euch also in Acht! Wenn dein Bruder Schuld auf sich geladen hat, dann weise ihn zurecht. Bereut er sein Handeln, dann vergib ihm! Und wenn er dir siebenmal am Tag Unrecht tut und dich immer wieder um Vergebung bittet: Vergib ihm!) Diese Liste könnte man sicherlich noch eine Weile weiterführen. In vielen Fällen ist es so, dass die persönlichen Erfahrungen die Meinung zu diesem Thema stark prägen. Hierzu ein Beispiel: Manche haben vielleicht in den Medien verfolgen können, wie die Menschen auf die Predigt von Pfarrers Ulrich Zurkuhlen (79) reagiert haben, als er um Vergebung für die Priester bittet. Dieser Pfarrer darf u.a. nicht mehr predigen. Wer großes Leid erfahren hat denkt anders über dieses Thema als jemand, der noch wenig Leid widerfahren ist. Bevor Ihr weiterlest, solltet Ihr wissen, dass ich zu der erst genannten Gruppe von Menschen gehöre. Ich beschreibe also nicht die Kälte, während ich vor dem warmen Kamin sitze. Es ist fast schon erschreckend leicht, dass Thema Vergebung in der Bibel falsch zu verstehen oder auszulegen. Das liegt daran, dass man es nur ganzheitlich im Kontext der ganzen Bibel ansatzweise verstehen kann. Betrachtet man z.B. nur die bisher genannten Bibelverse zum Thema Vergebung, so könnte man leicht Irrlehren verfassen. Ähnlich wie es der Teufel tat (Mat. 4,1-10). Der Teufel reißt Bibelverse aus dem Kontext, um zu verwirren. Jesus hat das erkannt, mit ergänzenden Bibelversen geantwortet und die Wahrheit aufgedeckt. Ich will aber an dieser Stelle nicht zu sehr abschweifen und zum Punkt kommen: Glaubst du Gott vergibt dir bedingungslos deine Sünden, wenn du Sie Ihm bekennst? Beantworte bitte diese Frage. Mich interessiert es wirklich, wie viele an dieser Stelle diese Frage mit „Ja“ beantworten. Meine Antwort ist nämlich „Nein“. Im Grunde ist es noch nicht mal meine persönliche Meinung dazu. Es sind die Worte Jesu, die dies eindeutig sagen. Es sind Worte die wir nicht gerne hören oder lesen. Es sind u.a. diese Worte vom Vaterunser, welche die meisten auswendig können. Dabei geht es darum wie wir zu unserem Vater Beten sollten. Matthäus 6, 5-15 […] Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben. Jesus war es bewusst, dass das Thema Vergebung tiefer thematisiert werden muss, damit es die Menschen verstehen. Gott vergibt dir nicht, wenn du nicht bereit bist zu vergeben! Bittet lest dazu noch: Markus 11, 20-25 Matthäus 18, 21-35 Was hat es also für Auswirkungen auf dein Leben, wenn du anderen Menschen nicht vergibst und somit Gott dir deine Verfehlungen nicht vergibt? Kein Mensch hat das Recht von dir zu verlangen, dass du anderen vergibst. Doch Gott ermutigt dich dazu. Auch wenn dies in Manchen Fällen unmenschlich und unmöglich erscheint. Ein kluger Mann sagte mal: „Es ist nicht schwer Christ zu sein. Es ist unmöglich.“ Von uns selbst aus, können wir es nicht schaffen. Nur Mithilfe des heilige Geistes, der in uns ist, wird uns möglich, dass unmöglich zu tun.
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März 20

Hallo liebes Forum,

ich habe einen theologischen Text geschrieben, von dem ich nicht so richtig weiß, was ich damit machen soll. 
Was haltet Ihr davon und was sind eure Meinungen dazu?

Ab hier der Text:

Gottes Spielplatz – und die richtigen Fragen

Fragen sind Wegweiser auf dem Pfad des Glaubens.

Fragen wie z. B.: „Gibt es einen Gott? Wie können wir Ihn heutzutage finden und was hat er für mich getan?“. „Wer war Jesus und wofür stand er ein?“

Wenn man diese Fragen niemals stellt, bekommt man darauf vielleicht auch keine Antworten. Aber für jeden von uns ist es sehr wichtig, genau diese Fragen zu stellen und sie zu klären. Denn wenn wir auf diese Fragen wahrhaftige Antworten finden, helfen sie uns dabei, auf den guten Pfad zurückzukommen, wenn wir von ihm abgewichen sind.

In der Bibel heißt es: „Wir haben erkannt, dass Gott uns liebt, und wir vertrauen fest auf diese Liebe. Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ [1.Johannes 4,16; HFA].

Doch wer fragt heute noch nach Gott und seiner Liebe? Wenn man gesund ist, alles Notwendige zum Leben hat und sich mit seinem Besitz von der breiten Masse abhebt, dann ist doch alles Prima. Ist das nicht ein ausreichender Beweis für Gottes Liebe?

Aber was würde das über Gottes Liebe aussagen? Liebt Gott die Menschen, die alles Notwendige haben, mehr als solche, die es nicht besitzen? Warum ist der eine mit Krankheit geschlagen, der andere aber nicht? Warum wohnt jemand in einer 35 m² Wohnung und ein anderer in einer Villa? Warum können manche Menschen drei Mal im Jahr in den Urlaub fahren und andere können sich das schon seit Jahrzehnten nicht mehr leisten?

Diese Ungerechtigkeit legt eine allzu menschliche Frage nahe: „Warum ist Gott ungerecht?“.
Darauf mag ich gern eine Gegenfrage stellen – nämlich: „Ist Gott wirklich ungerecht?“

Stellen wir uns dazu einmal einen Spielplatz vor. Auf diesem können wir unserer Fantasie freien Lauf lassen. Es macht keinen Unterschied, ob ich mir das vorhandene Klettergerüst als Piratenschiff oder als Unterseebot vorstelle. Wenn ich will das es so ist, dann wird es auch so sein.

Doch man spielt nicht allein auf diesem Spielplatz. Es gibt viele Kinder, die dort Ihre Fantasie ausleben möchten. Da kann es vorkommen, dass der eine etwas mag, was dem anderen nicht gefällt – und umgekehrt. Und dann haben wir ein Dilemma. Denn wie kann man das Zusammenspielen für alle fair gestalten?

Bei einem Spielplatz ist es so, dass die Grundregeln auf einem Verbotsschild stehen, welches in der Nähe zu finden ist. Du sollst nicht Rauchen, du sollst deinen Müll entsorgen, du sollst dort keinen Alkohol trinken. Und so weiter. Aber Kinder verstehen dieses Schild noch nicht. Dafür braucht es Eltern. Die Eltern sorgen dafür, dass die Regeln des Schildes eingehalten werden. Darüber hinaus erklären die Eltern den Kindern alles, was für ein friedliches Zusammenspielen notwendig ist. Es wird beigebracht, dass man kein Spielzeug wegnehmen darf. Aber auch, dass das Teilen von Spielzeug wichtig ist. Es gibt Eltern die einen Imbiss vorbereiten und fremde Kinder dazu einladen. Solche Geschehnisse sind alltäglich und auf den Spielplätzen in der ganzen Welt zu finden.

Genauso ist es auch in unserer Gemeinschaft.

Der Spielplatz steht dabei repräsentativ für die Erde, auf der wir uns alle bewegen. Auf dieser würden wir gerne all unsere Fantasien in die Wirklichkeit umsetzen, doch wir teilen uns die Umgebung mit allen anderen. Das Dilemma, das dabei entsteht, ist dasselbe, wie auf dem zuvor beschriebenen Spielplatz. Meinungsverschiedenheiten machen das zusammenspielen schwierig. Ohne grundlegende Spielregeln, an die sich jeder hält, gibt es Unfrieden und bisweilen chaotische Zustände.

Jeder kennt das. Deshalb hat Gott uns, mit der Bibel, sein Wort geschenkt. Und eben dieses Wort steht stellvertretend für das Verbotsschild auf dem Spielplatz. Dort ist alles Grundsätzliche niedergeschrieben, was für jeden auf der Erde gilt. Direkt danach kommen die Eltern, welche sinnbildlich für unsere Geistlichen stehen. Sie betrachten die Welt aus der Sicht Gottes. Sie kennen den Inhalt des Verbotsschildes und erklären alles so, dass ein friedliches zusammenspielen möglich wird. Sie versorgen uns mit geistiger Speise und lassen dabei keinen aus. Egal ob es um das eigene Kind geht, oder ein fremdes.

Streitigkeiten kann es im Großen wie im Kleinen geben. Ob zwischen Kindern auf dem Spielplatz, oder unter uns auf dieser Erde, das beschriebene Gleichnis macht es deutlich. Ohne das Verbotsschild und die Eltern geht es nicht gut. Beide zusammen, Verbotsschild wie Eltern, zeugen von Reife, Weitblick und Güte, um das wilde Treiben auf dem Spielplatz in die richtigen Bahnen zu lenken. Um also die Meinungsverschiedenheiten in dieser Welt einander anzunähern und die Streitigkeiten zu beruhigen, braucht es Geistliche, die uns das Wort Gottes näherbringen. Aber auch Kinder, die lernbereit und wissbegierig sind.

Lasst uns also Kinder Gottes werden, die die richtigen Fragen stellen, die seine Gebote befolgen und unsere Welt zu einem besseren Ort machen.

Um Gott gerecht zu werden, sollten wir also die folgenden Spielplatzregeln wieder in unsere Herzen schreiben bzw. sie schreiben lassen.

  1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
  2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
  3. Du sollst den Feiertag heiligen.
  4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
  5. Du sollst nicht töten.
  6. Du sollst nicht ehebrechen.
  7. Du sollst nicht stehlen.
  8. Du sollst nicht falsch Zeugnis gegen deinen Nächsten reden.
  9. Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten.
  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Und darüber hinaus sollten wir beachten, was Jesus uns gelehrt hat.

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand. Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‹ Alle anderen Gebote und alle Forderungen der Propheten sind in diesen beiden Geboten enthalten.

Kommen wir diesen Spielplatzregeln nach, rücken wir einen umfassenden Frieden in nur allzu greifbare Nähe. Wir sollten uns als Erstes selbst überprüfen und uns folgendes fragen: „Entspricht meine Fantasie den eben aufgeführten Geboten?“. Falls dies nicht der Fall ist, sollten wir dieser Fantasie nicht nachgeben und wer von dem rechten Pfad abweicht, sollte für Zurechtweisungen ein offenes Ohr haben.

Aktuell erscheint es so, dass wir in einer Zeit leben, in der Gott uns weitestgehend gewähren lässt. Wir können jede Fantasie in die Tat umsetzen. Die Spielplatzregeln haben wir vergessen und auf unsere Eltern hören wir auch nicht mehr. Deshalb gibt es Unfrieden und Streit zwischen uns. Lasst uns also neu besinnen, der Wahrheit folgen und Gott alle Ehre geben. So kann das Himmelreich schon zur Lebzeit unter uns real werden.

In Jesu Namen bete ich dafür, Amen.

5
239
März 15

Christliche Filme zeigen oft, dass alle, die das Malzeichen des Tieres nicht angenommen haben, getötet werden. Das ist eine symbolische Wahrheit. Die Umstände sind wahr, aber sie haben die wahre Bedeutung aufgrund einiger fehlgeschlagener Interpretationen verfehlt. Alle, die das Malzeichen nicht angenommen haben, werden getötet, dieser Teil ist wahr, aber diejenigen, die das Malzeichen nicht angenommen haben, sind Hamas. Das Malzeichen wurde bei den Wahlen zum Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde vergeben, die von Hamas boykottiert wurden. Hamas hat das Malzeichen nie erhalten. Filme zeigen gerne alle Menschen als dem Malzeichen unterworfen. Dieser Teil ist falsch. Es betrifft nur jene Palästinenser, die das Malzeichen nicht genommen haben, und nicht die ganze Welt. Es ist nur Hamas. Das macht das Malzeichen zu dem, was der Buchstabe anzeigt. Es war die unauslöschliche Tintenmarke, die denen gegeben wurde, die bei den palästinensischen Wahlen gewählt haben.

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März 10

Die vor-österliche Zeit bringt mich in diesen Tagen dazu, schon ein bisschen hinauszublicken über Karfreitag und Ostern - nämlich auf Pfingsten (die "Ausgießung des Geistes") hin, sprich: Auf die Bedeutung, das Wirken und das Verstehen des Heiligen Geistes, Geist Gottes, dem Geist des Lebens.

Wenn es ein "Anwehen des Geistes" gibt, hatte ich heute in der Morgendämmerung das Gefühl, dem war so - und zwar berührt von der Frage, ob es einen Schlüssel und eine Brücke gibt, die meine/unsere christliche Grundierung und Fundierung verbindet und verbinden kann mit einer Offenheit, Liberalität und Gotteserfahrung, die der Welt gegenüber neugierig, anerkennend, lernbereit und aufgeschlossen bleibt.

Der GEIST GOTTES scheint mir Schlüssel und Brücke dafür zu sein.

Wenn es so ist, greift ein Glaube zu kurz, wenn der Heilige Geist nur in christlicher Abgrenzung wahrgenommen, behauptet und verstanden wird - also ein exklusiv-fundamentalistisches Verständnis des Heiligen Geistes, das Gottes Geist allein, ausschließlich und beschränkt glaubensmäßig bei sich selbst sieht. Und dass nicht sieht, WO und WIE Gottes Geist (und damit Gott selbst und  Christus) auch außerhalb unserer Grenzziehungen in Welt, Kultur, Religion(en), sozialen und politischen Kontexten wirksam ist ...

Das Buch, das gerade lese: "Der Geist des Lebens. Eine ganzheitliche Pneumatologie" von Jürgen Moltmann (München 1991)

Im Vorwort schreibt er: "Ich gehe davon aus, dass Christi Wirken nicht ohne das Wirken des Geistes ist. auf das es zielt, das aber das Wirken des Geistes vom Wirken Christi unterscheidbar bleibt und nicht in ihm aufgeht. Das Wirken des Geistes Gottes geht, wie das Alte Testament zeigt, dem Wirken Christi voran; es geht, worauf das Neue Testament hinweist, über das Wirken Christi hinaus ... Das Wirken des lebendigmachenden und lebensbejahenden Geistes Gottes ist universal und in allem wiederzuerkennen, das dem Leben dient und seiner Zerstörung wehrt. Dieses Wirken des Geistes ersetzt das Wirken Christi nicht, sondern macht es universal relevant."

Spannend, angefixt, neugierig setze ich es mal als Impuls hier rein.

L'Chaim

 

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März 03


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