Wiederbegegnung
Gibt es auf christlicher Basis noch andere Vorstellungen als die, dass man nach seinem irdischen Leben im Himmelreich dort den Menschen begegnet, die man auch früher kannte?
Ich weiß nicht, ob ich "im Himmel" tatsächlich den Menschen begegnen möchte, "die man auch früher kannte" 😉
Erinnert mich an eine Anekdote, wo eine Frau den großen Theologen Karl Barth fragte: "Werde ich im Himmel einmal all meine Lieben wiedersehen?" Und die Antwort war: "Ja, aber die Anderen auch!" ...
Doch im Ernst: Ich glaube die Frage ist sehr menschlich-irdisch (und damit begrenzt und adäquat) gestellt. In Matthäus 22,23 ff. zeigt Jesus den Fragestellern (Wer wird mit wem in Himmel sein?) auf, dass ihre Frage der zukünftigen "himmlischen Realität" nicht gerecht wird und eine absurde, fehlgehende Frage ist ...
Ich persönlich glaube, dass all unsere raum-zeitlich-begrenzten Subjektivitäten und Individualitäten in der "Glückseligkeit" (Gott alles in Allem) keine Dimension mehr ist, die greift. Das können wir uns insofern nicht vorstellen, als dass wir "höchstes Glück & Vollendung" eben nur irdisch-personal denken können - und nicht geringer oder anders.
"Was kommt danach? Oft stelle ich mir vor, mein Ego werde sich alsdann in Gottes Ewigkeit verlieren, vielleicht sogar auflösen.'Was immer zu Gott kommt, entfällt sich selbst'(Meister Eckart) ... Ein Glaube, der auf das eigene Weiterleben nach dem Tod fokussiert ist, bleibt heillos egozentriert." (Kurt Marti) ...
L'Chaim
"@awhler: all unsere raum-zeitlich-begrenzten Subjektivitäten und Individualitäten in der "Glückseligkeit" (Gott alles in Allem) keine Dimension mehr ist, die greift. Das können wir uns insofern nicht vorstellen, als dass wir "höchstes Glück & Vollendung" eben nur irdisch-personal denken können - und nicht geringer oder anders."
Das denke ich auch. Wenn es etwas nach dem Leben gibt, dann ist es mit unserem Vokabular und mit unseren Vorstellungen nicht beschreibbar.
"mein Ego werde sich alsdann in Gottes Ewigkeit verlieren, vielleicht sogar auflösen.'Was immer zu Gott kommt, entfällt sich selbst'(Meister Eckart)"
Ja, gute Formulierung, kann ich was mit anfangen.
Sehr guter Beitrag, ganz besonders:
Ich persönlich glaube, dass all unsere raum-zeitlich-begrenzten Subjektivitäten und Individualitäten in der "Glückseligkeit" (Gott alles in Allem) keine Dimension mehr ist, die greift. (... )
Oft stelle ich mir vor, mein Ego werde sich alsdann in Gottes Ewigkeit verlieren, vielleicht sogar auflösen.
Was immer zu Gott kommt, entfällt sich selbst ...
Ein Glaube, der auf das eigene Weiterleben nach dem Tod fokussiert ist, bleibt heillos egozentriert ...
da kann ich jedem Satz voll und ganz zustimmen, obwohl ???
Lassen wir uns doch überraschen!
LiGrü rundum
Dschordsch
"@awhler: Sehr guter Beitrag, ganz besonders:
Ich persönlich glaube, dass all unsere raum-zeitlich-begrenzten Subjektivitäten und Individualitäten in der "Glückseligkeit" (Gott alles in Allem) keine Dimension mehr ist, die greift. (... )
Oft stelle ich mir vor, mein Ego werde sich alsdann in Gottes Ewigkeit verlieren, vielleicht sogar auflösen.
Was immer zu Gott kommt, entfällt sich selbst ...
Ein Glaube, der auf das eigene Weiterleben nach dem Tod fokussiert ist, bleibt heillos egozentriert ."
Das meine ich genau wie Du. Aber eine Differenzierung oder Verdeutlichung möchte ich doch noch vornehmen.
Das der Mensch in dieser Vorstellung von einem Leben nach dem Tod sein eigenes Heil und von mir aus auch sein Vergnügen sucht, würde ich nicht kritisieren. Wenn man das biblische Verständnis als Hintergrund nimmt, hat Gott den Menschen ja nicht erschaffen, weil ihm langweilig war, sondern zu dessen eigener Freude. Deshalb ja auch dieser schön Garten Eden.
Ablehnen würde ich aber die Vorstellung, dass Gott selbst und natürlich das Leben nach dem Tod dem Muster von Menschen bzw. dem heutigen Leben folgt. Da halte ich allerdings den Wunsch für den Vater des Gedankens.
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@queequeg wie es genau aussehen wird, wissen wir natürlich nicht, ich denke, da darf unsere Phantasie sich alles vorstellen, aber der Gedanke "ich löse mich auf ins große Ganze" ist jedenfalls nicht christlich.
Und die Bewahrung der Person ist auch keine Egozentrik, sondern Geschenk Gottes, der ein persönlicher Gott ist und die Beziehung zu uns haben möchte, und uns nicht einfach nur in sich verschlingen will in die Anonymität.
Manche deuten Paulus' Worte "dass Gott sei alles in allem" auf diese Weise, aber das meint was anderes. Es meint, dass Gott dann in uns allen lebt und wirkt, und wir dementsprechend leben, was man von dieser Welt jetzt definitiv noch nicht behaupten kann. Es ist kein pantheistischer Vers, sondern ein theokratischer.
Die Selbstauflösung wäre kein Sieg über den Tod, von dem die Bibel spricht, sondern dessen absoluter Sieg.
Es ist nachvollziehbar, dass Menschen angesichts dieses Lebens und ihres Soseins in diesem Leben wünschen, ganz zu verschwinden. Aber der christliche Glaube widerspricht dem.
Meine Frage war ja, ob es auf christlicher Grundlage noch andere Vorstellungen gibt als die übliche, dass wir dann in einer Welt leben, die genau ist wie die, die wir kennen, nur eben in allen Belangen, vor allem den ethischen, viel besser.
"kann Dir keiner sagen, ob es dann so sein wird"
Natürlich nicht. Ich will ja auch keine Wahrheiten wissen, die an jedem Ort, zu jeder Zeit und für jeden gültig sind, sondern nur, welche Vorstellungen einzelne Menschen haben.
Im Detail wird sicher fast jeder eigene Vorstellungen haben. Aber im groben Raster werden es dann doch nicht so viele sein. Z.B.:
haben die Menschen dort einen einen materiellen Körper wie hier
sehen sie dann auch so aus wie hier
sind sie immer noch Männer oder Frauen oder unisex
erleben sie dann auch Zeit
Wenn man auf all das eine Antwort hat, gibt es kaum noch Fragen von Gewicht.
Wenn man sie verneint, wäre aber dann die Frage, ob es andere Vorstellungen oder Denkmodelle gibt, die passender sind.
Erinnert mich an eine Anekdote, wo eine Frau den großen Theologen Karl Barth fragte: "Werde ich im Himmel einmal all meine Lieben wiedersehen?" Und die Antwort war: "Ja, aber die Anderen auch!" ...
😆 😀 🤣 Der ist super, den merke ich mir!
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Und der unten ist sehr weise, den merke ich mir auch!
Ein Glaube, der auf das eigene Weiterleben nach dem Tod fokussiert ist, bleibt heillos egozentriert." (Kurt Marti)
auf christlicher Basis
Tja, spannend.
Jesus sagte zu den Sadduzäern, dass wir im Himmel "Körper wie Engel" und weltliche Dinge, wie z.B. die Ehe, keine Bedeutung haben werden.
Und Johannes, der Seher der Offenbarung, beschreibt einen neuen Himmel u eine neue Erde nochmal viel facettenreicher.
Da werden nur Auserwählte sein, vor denen sich keiner fürchten muss, ihnen nach dem Tod evtl. wieder begegnen zu müssen...
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Beides vllt nicht trostbringend für Menschen, die an der Schwelle des Todes stehen und sich auf eine Familienzusammenführung freuen. Denn beim ersteren läuft man Gefahr, niemanden wiederzuerkennen. Und beim letzteren kann man sich nicht sicher sein, dass man mit dabei sein darf.
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Ich komme am besten mit dem Gleichnis vom Hochzeitsmahl zurecht, wie Jesus bei Matthäus das Himmelreich beschreibt.
Da trifft man sich an einer großen Tafel: geladene Gäste und hinzugekommene Gäste (weil ursprünglich geladene abgesagt haben).
Und wer irrtümlich gekommen ist, wird am fehlenden Hochzeitskleid erkannt und wieder weggeschickt.
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Dieses Gleichnis vom Himmelreich beginnt übrigens bereits auf Erden.
"@chai: Ich mach mir da gar keine allzugroßen Vorstellungen."
So geht es mir auch. Aber ich habe noch vor wenigen Wochen von einer Tochter, deren Mutter gestorben ist, gehört, wie froh sie ist, dass sie ihr bald wieder begegnen wird.
Da wir ja in einer Welt des Glaubens leben 😉 :
Ich glaube daran, dass wir uns alle wiedersehen, wenn wir bei Christus sind und ich glaube einige Geschichten von Menschen, die wiedergekommen sind, die berichten, dass alle um die 30 Jahre alt waren und auch ihre Großeltern "automatisch" wiedererkannten. Weil ich glaube, dass wir mit dem Herzen sehen werden, weil alles Liebe ist ...
Ich glaube, dass es eine Welt ist, die wir uns heute noch nicht oder nur im Ansatz eines Hauches vorstellen können, wenn alles nur noch Liebe ist, wahre Liebe, die nichts mit Sexualität zu tun hat, mit Anziehungskräften, mit allem, was hier auf Erden Leid verursacht (Neid, Hass, Missgunst etc.). Es ist eine Welt, in der es keinen Mangel mehr gibt, weil es die Welt von Christus, unserem Herrn sein wird. Da er dann jedes Herz ausfüllt, wird es diese Dinge (Neid, Hass, Missgunst etc.) nicht mehr geben.
Ja, ich glaube an eine riiiesige Hochzeit, ein riiiesiges Fest, wo jeder von jedem gar nicht genug bekommen kann, wo wir alle fröhlich sind, lachen, tanzen, uns freuen - aneinander, miteinander an Gott ...
@neubaugoere ... das mit dem 'alle um die 30 Jahre alt sein ...' ist ein interessanter Gedankengang.
Ich hab mir nämlich auch schon überlegt, in welcher Entwicklungsstufe sich die Himmelsbewohner befinden werden.
Ich dachte bisher immer an das Alter, das Jesus hatte, als er "tätig wurde".
Genesis 9, 29 ... Genesis 25,7 ....
Wow - das wird ein Retro-Fest ... "Hey, Alter, bist Du's wirklich?" 😉
L'Chaim
Da es dann auch keine Scham mehr gibt ... gab es ja bei Adam u Eva auch nicht, erst nach dem Sündenfall ...
Da aber geschrieben steht, dass wir neue Kleider bekommen und dies auch aus einigen Berichten hervorgeht von Menschen, die wiedergekommen sind, gehe ich nicht davon aus, dass es quasi die alten Zeiten geben wird.
Wenn die Menschen so sind wie hier, sind es doch die alten Zeiten. Und wenn sie sich nicht schämen, wieso brauchen sie dann Kleider - hatte sie doch vor dem Sündenfall auch nicht gebraucht.
Was weiß denn ich? Frag (du) doch den großen Meister? 🙂
Es steht geschrieben, dass Jesus mit einer neuen Welt kommt ...
Und von brauchen hat niemand was gesagt. Das hast du resümiert. Ich habe nur festgestellt, dass geschrieben steht, dass wir neue Kleider bekommen, weiß, um genau zu sein, ich meine, es war irgendwo in den Offenbarungen. Dort lässt sich auch entnehmen, dass wir eine Stimme haben und offenbar reden können ...
WARUM das so ist, steht nirgendwo. Da denkt sich dann jeder seinen eigenen Teil oder lässt es einfach sein. 🙂
Oder hast du noch andere Fakten aus der Schrift? Wir können sie hier gerne zusammentragen. *vorschlage*
Um zu meiner Ausgangsfrage zurückzukommen, meinst Du, dass sich Menschen aus dem Diesseits in dem dortigen Jenseits begegnen und eine ebensolche Gemeinschaft bilden, wie wir sie kennen - nur eben ohne all die Fehler und Unzulänglichkeiten, denen wir ausgesetzt sind.
Veröffentlicht von: @queequegGibt es auf christlicher Basis noch andere Vorstellungen als die, dass man nach seinem irdischen Leben im Himmelreich dort den Menschen begegnet, die man auch früher kannte?
Ist das nicht ne Suggestivfrage? - Fantasie ist etwas, das wir vom Schöpfer erhalten haben. Bei manch einem blüht sie mehr, bei manch einem weniger, aber hoffentlich am "Gerüst" der Schrift entlang ... 🙂
Was ist daran suggestiv? So wie beschrieben, habe ich es oft gehört und auch hier oft gelesen.
Und weshalb fragst du dann? Willst du wissen, ob es eine "kirchenoffizielle Verlautbarung" gibt?
Ich frage, weil es mich interessiert, was und wie das ein Mensch sieht bzw. welche Verschiedenheit es gibt oder auch nicht. Kirchliche Verlautbarung kenne ich genug, aber die interessieren mich nicht.