Ist es der Glaube, der Berge versetzt?
Moin,
kann mir da jemand "auf die Sprünge" helfen?
Da ich kein Abitur habe, aber bitte auf "Normalo-Ebene" herablassend antworten, wenn man da informierter ist 😉
Meine These ist:
1.
Es ist allein der Glaube, welcher wirksam wirkliche Wirklichkeit schafft.
Je mehr dasselbe glauben umso wirksamer.
Es geht also nie um Wahrheit, sondern um Wirksamkeit von Wirklichkeit.
2.
Das Entscheidende ist dabei also gar nicht, ob das stimmt, was man glaubt, sondern dass es mehrheitlich geglaubt wird.
3.
Gehen die Erkenntnisse der Quantenphysik exakt in diese Richtung oder verstehe ich da was falsch?
Ich freue mich auf glaubwürdige Antworten.
Erwartungsvolle Grüße
Johannes
@johannes 3.
Gehen die Erkenntnisse der Quantenphysik exakt in diese Richtung oder verstehe ich da was falsch?
Letzteres.
Magst du begründen, was ich falsch daran verstehe, dass es die Beobachtung ist, die wirksam wirkende Wirklichkeit erzeugt?
@johannes Ich insistere hinsichtlich "selbst erfüllende Prophezeiung" mittels "Schrödingers Katze".
Magst du begründen, was ich falsch daran verstehe
Um mit Cain zu sprechen: "Klick!"
Aaaalso... Was viele nicht wissen und manche auch nicht glauben wollen: Schrödinger hatte eine Nichte, deren Name Schrada zugegebenermaßen etwas ausgefallen und auf die Vorliebe ihrer Eltern für Alliterationen zurückzuführen war. Sie wurde von allen, die sie kannten, stets nur "die schöne Schrödinger" genannt, was nicht so sehr mit einer weitverbreiteten Vorliebe für Alliterationen zusammenhing, sondern damit, dass Schrada wirklich schön war. Woher ich das weiß? Alle, die sie kannten, waren von ihrer Schönheit überzeugt; und wenn Geschmacksurteile von sämtlichen Leuten geteilt werden, da drücken sie eine ästhetische Tatsache aus. Schrada war also per kollektivem Glauben an ihre Schönheit wirklich schön: die Wirksamkeit ihrer Schönheit bestand in ihrer Wirkung auf die anderen, insbesondere natürlich die armen Wichte, deren verliebte Herzen den Weg von Schradas Stöckelschuhen pflasterten.
Schrada war aber nicht nur wirklich schön, sondern sie war auch wirklich klug. Ach was sage ich klug: Sie war die Allerklügste weit und breit, so klug, dass man sie schon in jungen Jahren als altklug zu bezeichnen pflegte. Insbesondere hatte sie das Mathematiker- und Physikergen, das in der Familie lag, gewissermaßen schon zum Frühstück mit goldenen Löffeln aus der Muttermilch gefressen, Onkel Erwin musste ihr, schon bevor sie auch nur dada sagen konnte, abends immer aus seinen "Beiträgen zur Feldtheorie", den Vorlesungsmanuskripten zur "Wellenmechanik" und schließlich aus "Struktur der Raum-Zeit" vorlesen, anders ließ sich die schon als Säugling ausnehmend schöne Schrada nicht zum Einschlafen bewegen.
Es versteht sich von selbst und ist, wie die Dothraki zu sagen pflegen, bekannt, dass Schrada schon als kleines Mädchen, aufgrund ihrer enervierenden Hochbegabung vom Schulbesuch absentiert, ihre wissenschaftlichen Studien daheim in ihrem nicht so sehr rosa als vielmehr schwarzweiß eingerichteten Kinderzimmer betrieb, dabei manchmal herzallerliebst am Gummi ihres Bleistifts nuckelnd, während ihr Blick wie abwesend durch das Fenster in den Garten wanderte und auf den Äpfeln beim Herunterplumpsen von dem Baum, den eine Urgroßtante mütterlicherseits mal, als deren Großvater Isaac in London ihn hatte ausreissen lassen, um mehr Platz für die königliche Münze zu schaffen, mittels aufwendigen Schifftransports direkt nach Wien gebracht und dort fürsorglich wieder angegossen hatte, zu ruhen kam.
Wie sie da also nuckelte und den Äpfeln beim Plumpsen zuschaute, glaubte sie einmal, während sie gerade an ihrer Habilitationsschrift über den "Ferntransport von Gneiss-Formationen im Megatonnenbereich per Quantenfluktuationsparallelisierung" schrieb, das laute Miauen ihrer Katze Mia (woher dieser Name stammte, darüber hüllen sich die Historiker in Schweigen) zu vernehmen. Hatte etwa Onkel Erwin das arme Tier schon wieder in eine seiner perfiden Tötungsmaschinen gesteckt? Jetzt vernahm Schrada ein lautes Schreien, schrieb noch kurz den Absatz zu Ende und eilte dann in des Onkels Labor um den dort, wie sie fest zu wissen glaubte, erschlafften und leblosen Leib der bis zum Tode hin vergifteten Mia wenigstens noch mit der gebotenen Würde zu bergen und unter Newtons Baum einer feierlichen Beisetzungszeremonie zuführen zu können.
Wie groß war die Freude doch, als sie, auf dem Weg zum Labor, an den Küchenräumen vorbeilief und dort, durch eine buntgescheckte Bewegung im peripheren Gesichtsbereich bewogen, ihrer geliebten Mia angesichtig wurde, welche gerade sich an den von der sorglosen Küchenhilfe (man bekommt ja kein ordentliches Personal mehr, heute nicht und damals auch schon nicht und überhaupt genaugenommen nie, seit das Klagen darüber in Mode kam!) zum Abtropfen in das Sieb über der Spüle viel zu niedrig gehängten Knurrhahnfilets delectierte.
"Mia!", rief die Schöne Schrödinger, "Meine Mischimuschi-Mia, Du lebst! Eben noch glaubte ich dich gestorben, nun aber weiß ich's besser! Denn während eben ich nur eine - freilich unschön-gruselige Überzeugung hegte, so ist die Überzeugung, die ich nun hege, nicht nur schön und freudig, sondern darüber hinaus auch noch wahr und begründet!"
Diese Worte sprach sie, weil sie selbstredend, soviel ist laut den alten Khalesi der Dothraki bekannt, schon all die Standardwerke zur klassischen Erkenntnistheorie auswendig gelernt hatte, in denen der Begriff des Wissens zur praktischeren Handhabung hinreichend präzise definiert wird. Und dass sie sich das alles gut gemerkt hatte, wollte sie ihre eben noch totgeglaubte und nun umso euphorischer geliebte Schmusekatze wissen lassen, denn auf Mias Meinung legte sie besonderen Wert.
Sie schnappte sich das Tier - ob des leichten Fisch-Odeurs, dass es im Rahmen seines Raubzuges angenommen hatte, herzallerliebst das Stupsnäschen kraus ziehend - drückte es mit einer gewissen Festigkeit an die unter fröhlichem Herzschlag bebende Kinderbrust - so, dass Mia ihre Krallen nicht wirksam zur Verteidigung wider die Liebkosung einsetzen konnte - und eilte zurück in ihr Studier- und Kinderzimmer, um eine gerade neu in ihr geronnene Eingebung, ein raffiniertes Kalkül infinitesimaler Art, flugs zu Papier zu bringen, auf dass die Habilitationsschrift alles je Dagewesene in den Schatten stellen möge.
So kam es dann auch. In diesem potentiell epochemachenden Werk wies die Schöne Schrada auf die siebzehnte Nachkommastelle nach, wieviele Multiversen benötigt würden, um die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses, bei welchem ein Berg allein durch Parallelisierung aller in ihm enthaltenen Quantenfluktuationen um eine Distanz von mehr als zwanzig Metern versetzt wird, gegen 1 streben zu lassen.
Leider - und so geht es ja allzuoft in der Welt, wenn Genies ihrer Zeit zu weit voraus eilen - fand sich an keiner der wesentlich mehr als zwei TUs, denen Schrada in fester Zuversicht (auch eine Form des Glaubens...) auf eine baldige wohldotierte Dozentenstelle eine Kopie ihrer Schrift zukommen ließ, auch nur eine einzige Physik-Koryphäe, in deren Vermögen es gestanden hätte, wenigstens das Vorwort mit der Einführung in die Problemstellung weiter als bis zum fünfzehnten Absatz nachzuvollziehen. Mit großem Bedauern und ausdrücklich den besten Erfolgswünschen für ihre weitere Karriere wurden Schrada ihre Einreichungen zurückgesendet, in irgendeinem Regal für die spätere Archivierung zwischengelagert und dann leider, im legendären Jahr der Großen Wiener Toiletten- und Wischpapierknappheit von einem Zimmermädchen zweckentfremdet, um Mias Hinterlassenschaften (das arme Tier war in die Tage gekommen und neigte zum Ende hin unter Inkontinenz in beiderlei - fester und flüssiger - Form...) auf den Perserteppichen und Eisbärfellen zu entfernen.
Am Ende stand die Sache so: Schrödingers Katze starb, schon nicht mehr bei allerbesten Kräften und ihres Geruchsinns verlustig gegangen, beim Verschlucken eines After-Eight-Plätzchens, dessen Minz-Geruch sie getäuscht und das dann in der falschen, nämlich der Luftröhre gelandet war. Zwar überlebte sie Onkel Erwin und entging all dessen hinterhältigen Tötungsmaschinen und Teilchenbeschleunigern, aber die schöne Schrada, deren Liebe zu Mia in dem Maße nachließ, wie deren Fell immer mehr ausdünnte und seine Haare überall, wo man sie nicht haben mochte, verteilte, überlebte sie freilich nicht. Schrada Schrödinger ging unbeirrt ihren Weg, zertrat dabei die liebeskranken Herzen der aussichtsreichsten jungen, gutaussehenden und wohlsituierten Herren der Wiener Hautevolee en gros mit ihren Stöckelschuhen, erfand, statt der akademischen die unternehmerische Laufbahn einschlagend, das Perpetuum mobile, ließ es in nach Transnistrien ausgelagerten Fertigungsstätten im Akkord fertigen, umging per pfiffigen Ideen hinsichtlich intransparenter Firmenbeteiligungsmodelle sämtlichea Monopolgesetze und verdiente sich so ein goldenes Näschen.
Das ist bekannt. Und wer es nicht wissen kann, der muss es glauben.
@johannes
Es ist allein der Glaube, welcher wirksam wirkliche Wirklichkeit schafft.
Je mehr dasselbe glauben umso wirksamer.
Es geht also nie um Wahrheit, sondern um Wirksamkeit von Wirklichkeit.
Ich denke, die Wirklichkeit ist einfach da. Wir sind in ihr, ein Teil von ihr, daher können wir niemals den Gesamtüberblick haben. Das was du subjektiv als Wirklichkeit empfindest, hat wohl eher mit Erfahrung als mit Glauben zu tun. Der Glaube, der Berge versetzen kann, kann als Vertrauen übersetzt werden. "Ich glaube an dich" im Sinne von "ich vertraue dir" und nicht "ich glaube an deine Existenz".
Das Entscheidende ist dabei also gar nicht, ob das stimmt, was man glaubt, sondern dass es mehrheitlich geglaubt wird.
Entscheidend für was? Wenn es darum geht, Ideen durchzusetzen, dann ja. Leider. Kritiker haben es da schwer.
Gehen die Erkenntnisse der Quantenphysik exakt in diese Richtung oder verstehe ich da was falsch?
Mit Quantenphysik kenne ich mich nicht aus. Aber Leute, die es tun, sagen es nervt sie, dass Quantenphysik für esoterisches Gedankengut herhalten soll. Das hätte damit gar nichts zu tun
Veröffentlicht von: @mariposa22Der Glaube, der Berge versetzen kann, kann als Vertrauen übersetzt werden. "Ich glaube an dich" im Sinne von "ich vertraue dir" und nicht "ich glaube an deine Existenz".
Dieser Satz spricht mir aus dem Herzen.
Das ist wohl der Punkt.
"Vertrauen" ist das richtige Wort.
Dann ist es zu "Gottvertrauen", also Gott vertrauen, nur noch ein Gedankensprung.
Danke für den Denkstupser.