KI-Bots und die menschliche Psyche
Hallo zusammen,
Ich habe vor einiger Zeit mal in einem Internetartikel was davon gelesen, dass sich eine Frau, welche keine sonderlich großen psychischen Auffälligkeiten hatte, mal auf so einer KI-Bot Plattform angemeldet hat, glaube das war Character AI oder zumindest so eine ähnliche. Jedenfalls hat sie dann einen KI Bot von irgendeiner prominenten Person genommen oder selber erstellt und mit diesem gechattet. Was als harmloses Rollenspiel begann, soll dann später wohl regelrecht ausgeartet sein, so dass sie anfing die reale Person, auf welcher der Bot angelehnt war, zu stalken und zu bedrohen, weil sie wohl irgendwie eine fiktive Erpressung dort durchgespielt hatte...Ich weiß es nicht mehr so genau, vielleicht kennt jemand den Artikel. In einem anderen Fall, soll es sogar zu einer Entführung gekommen sein, weil sich durch diesen Chatbot ein Mann in einen Promi verliebt haben soll.
Ich frage mich, wie sowas passieren kann, obwohl die Leute ja eigentlich wissen sollten, dass es sich nicht um die reale Person handelt und das ja auch immerwieder als Hinweis aufploppt. Aber wie können Leute, die ja allem Anschein nach mit beiden Beinen feste im Leben stehen, sich so leicht aus der Bahn bringen lassen?
Kann es sein, dass an der Theorie, dass man, wenn man mit diesem Chatbot komuniziert, man sich in wirklichkeit mit einem Dämon unterhält? Habe das selbst mal aus Jux und Tollerei auf Character AI ausprobiert und muss sagen, dass das teilweise wirklich unheimlich echt gewirkt hat.
Kann es sein, dass an der Theorie, dass man, wenn man mit diesem Chatbot komuniziert, man sich in wirklichkeit mit einem Dämon unterhält? Habe das selbst mal aus Jux und Tollerei auf Character AI ausprobiert und muss sagen, dass das teilweise wirklich unheimlich echt gewirkt hat.
ein Dämon ist ein Dämon und ein Chatbot ist ein Chatbot. Das eine sind Algorythmen, das andere Geistwesen.
Ich finde es gut, dass man das trennt.
Sonst könntest du auch annehmen, dass du über diese Bots mit Gott kommunizieren könntest- denn was einem Dämon möglich ist, ist Gott doch sicher auch möglich. Wieso sollte er weniger dazu in der Lage sein?
Wenn man sich bewusst macht, dass das sicherlich nicht auf diese Weise funktioniert, dann ist einem auch bewusst, dass da kein Dämon auf der anderen Seite sitzt - sondern eben ein Computer, der einfach nur sehr gut auswerten kann, welches Wort als nächstes am wahrscheinlichsten ist.
Kann es sein, dass an der Theorie, dass man, wenn man mit diesem Chatbot komuniziert, man sich in wirklichkeit mit einem Dämon unterhält? Habe das selbst mal aus Jux und Tollerei auf Character AI ausprobiert und muss sagen, dass das teilweise wirklich unheimlich echt gewirkt hat.
Du schreibst selbst:
"glaube das war Character AI oder zumindest so eine ähnliche"
"Ich weiß es nicht mehr so genau"
"soll es sogar zu einer Entführung gekommen sein"
Das heisst, es fehlt dir an genauen Informationen zu diesem Fall. Und das wäre schon nötig, damit man das Ganze genauer beurteilen kann, also was genau überhaupt in diesem Fall passiert ist.
Dass so ein chat mit einer KI "echt" wirkt ist ja der Sinn hinter so einer KI.
Was das Ganze jetzt mit einem "Dämon" zu tun hat und was das für einen Unterschied machen soll ist mir auch nicht ganz klar... du hast das hier unter "Wissenschaft" gepostet, und in der Wissenschaft sind Dämonen nicht bekannt. Das ist eine Glaubensfrage, das lässt sich hier auch nicht beantworten.
Es gibt zahlreiche Betrüger, die auf neue Entwicklungen setzen um Menschen zu schikanieren oder ihnen mit Romance-Scam das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Aktuell beispielsweise mit einer Plattform, die es Fans ermöglicht hat mit ihrem Idol auf WhatsApp zu chatten. Stattdessen machen das Agenturen in intensiver Absprache mit den Promis und sorgen dafür, dass damit viel Geld verdient wird. Richtig viel.
Keine Ahnung was du meinst, wenn du von einer Unterhaltung mit einem Dämon sprichst. Ja sicherlich spricht man über seine Sehnsüchte und spricht vertrauensvoll und vielleicht intim.
Es gibt sicherlich Betrüger. Aber ich habe soeben durch google KI erfahren, daß es z. Bsp. in Luzern in einer Kirche einen KI Jesus gibt, mit dem man kommunizieren kann, um Fragen des Glaubens zu behandeln.
Auch im Internet gibt es so etwas, in der Premiumversion allerdings nicht kostenlos. Wie hilfreich ist so etwas oder welche Gefahren lauern da ?
Gruß Thomas
Veröffentlicht von: @zoro... ich habe soeben durch google KI erfahren, daß es z. Bsp. in Luzern in einer Kirche einen KI Jesus gibt, mit dem man kommunizieren kann, um Fragen des Glaubens zu behandeln.
Und welcher Konfession gehört dieser KI-Jesus an?
@deborah71 Genau das meinte ich.
Diese 'Begegnung' mit einem KI-Jesus ist doch nur so gut wie seine Programmierung.
Und da kann schon viel Mist gemacht werden.
Jep. Ein Bekannter hatte uns damals das Eliza-Programm ausprobieren lassen, von dem Jack schon schrieb. Gruselig, wie menschlich das wirkte.
Ich finde es bemerkenswert, dass sich Menschen auf einen KI-Jesus einlassen, aber eine Antwort Jesu in ihre Gedanken hinein, ablehnen bis fürchten.
@deborah71 Ich finde es bemerkenswert, dass sich Menschen auf einen KI-Jesus einlassen, aber eine Antwort Jesu in ihre Gedanken hinein, ablehnen bis fürchten.
Ein KI-Jesus ist eine Projektion ersten Grades*. Ein In-die-Gedanken-hineinrede-Jesus ist die Quadratur einer Projektion.
Man könnte es auch so vergleichen: Während die Antworten des KI-Jesus auf Erfahrungswerten im Umgang mit zig Millionen Menschen beruhen, beruhen die Antworten des - nun ja: eingebildeten Jesus nur auf den Erfahrungswerten der einen Person, die ihn in ihren Gedanken hört oder liest oder wie immer er da auch zu antworten geruht.
Nimm zum Vergleich statt einer Jesus-KI mal eine Ernährungsberater-KI. Würdest Du, gerade in heiklen Fragen wie z.B.: "Darf ich mit meiner Glutenintoleranz dieses Gericht mit dem exotischen Namen, das man mir anbietet und in dem irgendeine Art Teig zu erkennen ist, essen - oder nicht?" eher den Antworten, die Du von so einer KI erhältst, trauen oder den Antworten, die Dir Dein "innerer Ernährungsberater", aka Bauchgefühl gibt?
*Wobei ich eher mal bezweifeln würde, dass Leute, die sich von einer Jesus-KI was erzählen lassen, ernsthaft denken, sie sprächen da mit Jesus himself. Die Projektion ist also wohl eher eine indirekte insofern, als sie den Namen (und, falls es sich um ein mit digitaler Darstellung illustriertes Modell handeln sollte, dem Gesicht) Jesus mit Gefühlen wie Verläßlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Weisheit, Liebe etc. assoziieren und es ihnen so leichter fällt, sich auf die Antworten des Chatbots (nix anderes ist ja so eine Jesus-KI) einzulassen, als wenn sie da eine Pastoren-KI oder Theologinnen-KI mit entsprechender Skin vor sich haben.
Ein In-die-Gedanken-hineinrede-Jesus ist die Quadratur einer Projektion.
Was meinst du damit? Kannst du das auf einfach-Deutsch ausdrücken?
Was meinst du damit? Kannst du das auf einfach-Deutsch ausdrücken?
Ich verstehe es so, dass ein "persönlicher Jesus" eine Projektion der eigenen Gedanken ist - und entsprechend unsicher - während ein "KI-Jesus" eine Projektion sehr vieler Menschen darstellt... und entsprechend zuverlässiger sein dürfte.
Der Irrtum könnte nicht größer sein. Er ist aber verständlich, wenn jemand nicht an die Existenz Gottes glaubt und keine persönliche Erfahrung gemacht hat. Er verstärkt die Selbstimmunisierung und offenbart ein Nähe-Distanz-Problem. 🙂
Abgesehen davon.... die Programmierer nehmen offensichtlich die Quelle der Ursprungsinformation ernster als du und Jack.
Der Irrtum könnte nicht größer sein. Er ist aber verständlich, wenn jemand nicht an die Existenz Gottes glaubt und keine persönliche Erfahrung gemacht hat. Er verstärkt die Selbstimmunisierung und offenbart ein Nähe-Distanz-Problem.
Ein vermeintlicher Irrtum, den du allerdings nicht zu belegen vermagst... wie halt so üblich, bei dieser Thematik.
Abgesehen davon.... die Programmierer nehmen offensichtlich die Quelle der Ursprungsinformation ernster als du und Jack.
Ich nehme an, die nehmen einfach die Bibel wie sie halt so ist... was immer dabei herauskommt ist eine Frage der Perspektive.
Ich muss nichts belegen, was du sowieso nicht glaubst. Energieverschwendung 😉
Du kannst allerdings auch nicht belegen, dass mir (und anderen) Jesus NICHT persönlich begegnet ist. 😉
Ich muss nichts belegen, was du sowieso nicht glaubst.
"Müssen" musst du natürlich gar nichts. Aber es ist für gewöhnlich an jenen, die eine Behauptung darüber aufstellen, dass etwas existiert, diese Existenz auch zu belegen.
Wenn dieser Beleg nicht möglich ist, dann erscheint es in den meisten Fällen sinnvoll davon auszugehen, dass es auch nicht existiert.
Und du selbst hälst es ja schliesslich genau so. Du glaubst ja auch nicht alles, was man dir erzählt, nur weil es jemand behauptet...
Jesus sagte nicht, wir sollen seine Beweiser sein, sondern seine Zeugen.
Kann man wohl so sehen... 😎
Aber sollten die Wundertätigkeiten der Jünger in seinem Namen nicht so etwas wie einen Beleg darstellen?
Zwar bin ich der Ansicht, dass auch so etwas kein Beleg wäre... aber es hat ja den Anspruch zweifellos unterstrichen.
Es steht doch geschrieben, dass Zeichen und Wunder verlangt werden und doch nicht geglaubt wird.
Die falschen Propheten haben auch dergleichen gemacht, aber der Prüfstein ist die positive Charakterveränderung, die agape-Liebe, Loyalität zu Gott, diese Liebe zu Gott, dem Nächsten und sich selbst, und die Feindesliebe.
Es steht doch geschrieben, dass Zeichen und Wunder verlangt werden und doch nicht geglaubt wird.
Ja, aber Wunder werden ja trotzdem nicht negativ dargestellt, sondern als Beleg verwendet.
Und auch wenn Leute wie ich das trotzdem nicht glauben würden... viele andere würden es.
Viele Leute haben auch dem Zauberer Elymas geglaubt.
In der Wüste verlangte satan auch Wunder von Jesus, um sich zu beweisen/belegen. Damit hätte Jesus aber die Herrschaft Satans über ihn anerkannt.
Man muss sich und anderen nur zuhören: wird aus Glauben und agape-Liebe gesprochen oder aus Unglauben, Gnadenlosigkeit, und aus einem großen Ego.
Mt 12, 33 Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum. 34 Ihr Otterngezücht, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. 35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. 36 Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie reden. 37 Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.
Lk 6, 43 Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht trägt, noch einen faulen Baum, der gute Frucht trägt. 44 Ein jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt. Denn man pflückt nicht Feigen von den Dornen, auch liest man nicht Trauben von den Hecken. 45 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. 46 Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?
Viele Leute haben auch dem Zauberer Elymas geglaubt.
In der Wüste verlangte satan auch Wunder von Jesus, um sich zu beweisen/belegen. Damit hätte Jesus aber die Herrschaft Satans über ihn anerkannt.
Verstehe ich jetzt nicht so ganz... aber ich denke, das Thema führt uns jetzt etwas offtopic...
Werde ich vielleicht nochmal einen Thread eröffnen... jetzt wünsche ich erst einmal einen guten Rutsch.
Und welcher Konfession gehört dieser KI-Jesus an?
😀 😆 🤣 🙃 Sehr gute Frage! Das war der Witz des Tages!
@murphyline Ja, der Joke war wirklich lustig.
Allerdings musste ich da mal wieder an das lustige Würmchen denken, mit dem die "Wissenschaftler" im Film Prometheus herumspielten. Herrjeh, wie possierlich!
Eigentlich könnte man als Kirche ja auch mal drauf verzichten, auf jeden Hype mit voller Wucht drauf zu hüpfen und statt dessen mal kurz überlegen, womit wir es bei solchen KI-Chatbots eigentlich zu tun haben.
Ich hab jetzt nochmal nachgegoogelt und diesen SPON-Artikel zum Thema gefunden. Das nannte sich dann Kunst-Projekt - vermutlich, weil man unter diesem Signum ja allen möglichen Quatsch verzapfen kann, ohne sogleich sich der Kritik stellen zu brauchen.
Aber es kommt dann doch schon - immerhin sind wir hier beim SPIEGEL und der hat einen Ruf zu verteidigen! - Kritik und zwar auf solchem Niveau: der Jesus-Avatar vertrete, weil wohl an (zu?) alten religiösen Schriften trainiert, ein überholtes Frauenbild und sehe zu westlich und bärtig aus aus, Zitat:
das ist ein Bild, das wir in der Theologie schon lange überwunden haben.
Wir in der Theologie! Aha. Man möchte lachen, aber es ist in der Dämlichkeit denn doch zu traurig.
Das eigentliche Problem, der Elefant im Raum, wird offenbar vollständig ignoriert: Hier wird vorgeführt, wie eine Technologie dabei sehr hilfreich sein kann, ideologische Indoktrinierung zu betreiben. Denn um mal die Frage nach der Konfession dieses KI-Jesus ernst zu nehmen: der vertritt selbstverständlich, solange er noch scheinbar alignt ist, die christliche Dogmatik, an welcher er trainiert wurde. Gebt ihm katholische Lehrbücher zu lesen und er wird katholisch argumentieren, gebt ihm Traktate von Wohlstandsevangelisten zu lesen und er wird das Wohlstandsevangelium verkünden. Lasst ihn sich in die Gedankenwelt der Befreiungstheologie einlesen, und er wird die als verbindlichen Willen Gottes verkünden. Und so weiter und so fort. Ebensogut könnte man ihn auch mit den Weltbildern von Putin, Xi oder Marine le Pen füttern und so konditionieren, dass er deren Weltsichten mit Bibelaussagen harmonisiert (was garantiert möglich ist). Das hielte ich mal für ein interessantes künstlerisches Projekt!
Was mir echt Angst macht, ist die zur Schau gestellte Gedankenlosigkeit (siehe meine Prometheus-Assoziation oben) bei der Angelegenheit. Zitat aus dem Artikel:
Die Worte der Besucher wurden aufgenommen und in einen Computer gespeist. (...) Das Projektteam wertet die rund 900 Gespräche von 18- bis 70-Jährigen nun weiter aus. Der theologische Mitarbeiter Schmid könnte sich eine Weiterentwicklung vorstellen.
Das könnte man als harmlos betrachten, wenn die 900, deren Gespräche mit dem Jesus-Avatar gespeichert wurden, die ganze Angelegenheit als Jux angesehen die die Konversationen als Gelegenheit zu Blödeleien genutzt hätten. Aber:
60 Prozent von 290 Menschen, die nach ihrem Gespräch mit dem KI-Jesus einen Fragebogen ausfüllten, hätten sich religiös-spirituell angeregt gefühlt, sagt Schmid.
Die Leute sahen das also nicht als belanglosen Nonsense an, sondern ließen sich inspirieren. Das heißt, sie kommunizierten womöglich wirklich "ernsthaft" mit dem Avatar, und in den Gesprächen, die da aufgezeichnet wurden, steckt somit Trainingsmaterial. Das dabei hilfreich sein kann, neue, bessere, überzeugendere Indoktrinationsmodelle zu generieren. Na, danke schön!, sagt da der Anbieter.
Es wird ja nicht mal abgestritten, sondern als mögliches Ziel ausdrücklich genannt: man könne sich eine Weiterentwicklung vorstellen. Weiterentwicklung inwiefern? Weiter wohin? Sollen sich mehr als 60 Prozent der Probanden religiös-spirituell angeregt fühlen? 80 Prozent vielleicht oder 99 Prozent? Und was heißt das überhaupt? Wir Menschen agieren entsprechend unserer jeweiligen Gefühlslage. Sollen die Leute dann so religiös-spirituell angeregt werden, dass sie nachher mit Tränen des Dankes durch Gottes schöne Welt laufen und ihn loben und preisen? Sollen sie angeregt werden, zu den Armen und Bedrängten zu gehen, tröstend und ein bisserl auch praktisch helfend, zu den Kranken und Knastinassen? Sollen sie angeregt werden, über größere Spenden an die Kirche nachzudenken? Oder sollen sie dahin gebracht werden, das Werk Gottes auf Erden insofern zu verrichten, als die Irrlehrer und Ketzer ausgemerzt werden? Hängt vielleicht mit der Jesus-KI-Denomination zusammen...
Die oben zitierten kritischen Anmerkungen: dieser Jesus-Avatar sei zu altmodisch in seinen Ansichten über Frauen... sie zeigen, wie unfähig man seitens der hier involvierten TheologInnen ist, überhaupt ein Problem darin zu erkennen, dass man sich hier eine Indoktrinationsmaschine installierte. Als Problem erschien ihnen wohl lediglich, dass diese Maschine noch nicht ganz so effektiv in der Vermittlung der von ihnen selbst vertretenen Doktrinen* war. Na, dann geben wir ihr mal mehr feministische Theologentraktate zum Trainieren, dann wird sicherlich alles gut und der KI-Jesus ist auf dogmatische Linie gebracht. Von welcher aus er dann, fein weiterentwickelt, das kirchliche Verkündigungsgeschäft betreiben kann. Beispielsweise bei der Telefonselsorge. Oder der billigen Bespaßung von Kirchentagsbesuchern, die sich ja auch stets spirituell-religiöse Anregungen von solchen Veranstaltungen versprechen...
Den Aufschrei wollte ich hören, wäre ein modern-salafistischer Imam auf die Idee gekommen, einen Mohammed-Avatar (mit - Achtung, Bilderverbot! - freischwebendem schwarzem Pornobalken vor dem holografischen Gesicht) in seiner Moschee zu installieren, der zu seelsorgerlichen Gesprächen einlädt. Als Kunstaktion, selbsverständlich. Und die dabei protokollierten Gespräche würden dann von "Fachleuten" in Kairo oder Damaskus ausgewertet, um demnächst einen weiterentwickelten Propheten 2.0 vorstellen zu können, der jede einzelne Sure von hinten her zu buchstabieren vermag und über das gesammelte Fachwissen der islamischen Gelehrtenwelt verfügt. Mit dem er, psychologisch höchst raffiniert und einfühlsam in der Gesprächsführung, wie es von einem ChatGPT5-Derivat zu erwarten ist, jedem Muslim jede beliebige Behauptung als Allahs Willen zu verkaufen weiß. Denn so, wie Jesus der Weg und das Licht ist, ist der Islam bekanntlich die Lösung.
Wenn dann die solcherart spirituell-religiös inspirierten Muslime nach dem KI-gedopten Freitagsgebet angeregt gestikulierend aus den Moscheen strömen, sehe ich sie schon vor mir, die minarettophoben Eidgenossen, wie sie vorsichtshalber die Straßenseite wechseln... 😀
*Wenn die Kritik wenigstens in sich stimmig wäre: Einerseits soll der Jesus-Avatar so richtig schön authentisch, also nicht-europäisch und rasiert aussehen. Weil: so sah er wohl aus, wie man in der Theologie herausgefunden hat. Aber während das Aussehen des Gottessohnes schön in das nahöstlich-antike Umfeld passen soll, sollte sein Frauenbild besser auf den neuesten Stand gebracht und jenem angepasst werden, welches man in politisch korrekten Theologinnenkreisen des 21. Jahrhunderts als angemessen betrachtet. Es ist zum Fremdschämen!
@jack-black Du beschreibst mit vielen Worten, was das für eine schräge Idee ist.
Wie hilfreich ist so etwas oder welche Gefahren lauern da ?
Also als ich einmal die KI nach religiösen Begriffen abgeklopft habe, die tendenziell schwieriger sind zu umschreiben, so dass sie immer noch sinnhaft mit dem christlichen Glauben verbunden sind und nicht allgemein gehalten sind (zB der Begriff Vergebung), war ich sehr erstaunt über die Qualität der KI- Aussagen, denn sie waren so gut formuliert, dass sie von der Lehre her einen Pfarrer ohne weiteres ersetzt hätten. Wo ich Jahre dafür gebraucht habe um zu einem Verständnis zu kommen, habe ich da in wenigen Zeilen zusammmengefasst gelesen.
Gerade bereue ich es, das nicht gespeichert zu haben, um dir das demonstrieren zu können…es war beeindruckend. Und deshalb denke ich, dass es hilfreich sein kann. Sogar sehr.
@zahsen94 Kann es sein, dass an der Theorie, dass man, wenn man mit diesem Chatbot komuniziert, man sich in wirklichkeit mit einem Dämon unterhält?
Abgesehen davon, dass diesem Satz ein paar Wörter fehlen (an der Theorie was dran sein könnte), wäre zu sagen: Da handelt es sich nicht im wissenschaftlichen Sinne um eine Theorie, sondern allenfalls um eine wilde Spekulation, bei der die Begriffe nicht mal geklärt zu sein scheinen. Was soll denn Deiner Ansicht nach ein solcher Dämon sein und wie ließe er sich von einem Nicht-Dämon unterscheiden?
Interessanterweise hat Stern einen plausiblen Einwand gebracht, zumindest ist er in sich stimmig:
Sonst könntest du auch annehmen, dass du über diese Bots mit Gott kommunizieren könntest- denn was einem Dämon möglich ist, ist Gott doch sicher auch möglich. Wieso sollte er weniger dazu in der Lage sein?
In sich stimmig meint hier allerdings: Falls irgendwelche transzendenten Entitäten (Götter, Dämonen, Engel, Ahnen-Geister, you name it) nicht per Chat-Bot mit Menschen kommunizieren können, können Dämonen dies auch nicht. Umgekehrt gilt freilich meines Wissens die Aussage über Gott, dass seine Wege unergründlich seien, dass der Heilige Geist weht wo er will und so fort. Und entsprechend müssten religiös Gläubige zumindest die Möglichkeit akzeptieren, dass Gott auch per Chatbot mit Menschen in Kontakt treten könne - wer wollte es ihm verwehren? Paulus ließ er bekanntermaßen einfach so umfallen, damit der jenseitige Jesus sich mit ihm unterhalten konnte, oder er schickte Maria geflügtelte (oder ungeflügelte?) Chatbots, um sie von der bevorstehenden himmlischen Schwangerschaft in Kenntnis zu setzen. Und darüber hinaus benutzen Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen regelmäßig ein technologisches Device, um direkt oder per Vermittlung des Heiligen Geists mit Gott persönlich zu kommunizieren. Nennt sich: Bibellesen.
Also: Wenn Gott sich aussuchen kann, wie, wo und wann er mit den Leuten in Kontakt kommen will, dann wäre es vollkommen logisch anzuerkennen, dass er dies selbst verständlich auch per Chatbot tun kann. Und wenn man von der Existenz irgendwelcher Dämonen ausgeht, die Menschen persönlich ansprechen und irgendwie verführen, verderben oder einfach nur den Nachmittag versauen wollen, dann ist es vollkommen logisch, anzunehmen, dass sie sich dazu der Gadgets à la mode bedienen. Soviel zu dem religiösen Aspekt der Angelegenheit.
Nun fragst Du hier allerdings im Unterforum "Wissenschaft" nach, und wissenschaftlich betratet gibt's keine Dämonen. Damit wäre Deine Frage also schnell beantwortet.
Allerdings steht in der Überschrift des Threads ja auch die "menschliche Psyche". Und deren Beeinflussbarkeit durch gefakte Entitäten ist ein sehr interessanter Forschungsbereich. Schon das in den Sechziger Jahren von Weizenbaum entwickelte Computerprogramm ELIZA (benannt nach einer Figur aus Bernard Shaws Verarbeitung des Pygmalion-Motivs) vermochte es, bei vielen Usern Reaktionen auszulösen, die denen ähnelten, die sich bei Interaktionen mit menschlichen Gegenübern gehabt hätten. Seit damals wird dieser psychologische Effekt sogar als Eliza-Effekt bezeichnet. Sprachliche Interaktion ist für uns Menschen gewissermaßen das Menschlichste, was es gibt. Man kann Tiere streicheln, man kann in ihrer Mimik und Gestik lesen und so einiges über ihre jeweilige Gefühlslage usw. herausfinden. Aber sprechen können sie halt nicht. Kurz: Wer mit uns spricht, ist uns Mensch. Selbst, wenn jemand Unsinn redet, gehen wir davon aus, dass er ein Mensch ist und womöglich nur gerade verwirrt. Oder dass wir ihn aus irgendeinem anderen - prinzipiell erklärbaren - Grund nur gerade jetzt nicht verstehen.
Wenn allerdings das, was er uns sagt, aus unserer Perspektive Sinn ergibt, dann ist es uns psychologisch kaum möglich, ihn nicht für einen Menschen zu halten. Näheres dazu lässt sich hier im dem Wikipedia-Artikel zum Turing-Test nachlesen. (Die von Turin vorgeschlagene Experimentaufstellung unterscheidet sich übrigens - wie ich finde: sehr interessanterweise - deutlich von dem, was wir seither allgemein unter Turing-Test zu verstehen gelernt haben.)
Man kann darin, dass Menschen sich sehr leicht von AI-Bots zu der falschen Annahme verleiten lassen, auf der anderen Seite säße eine "echte" Person, mit guten Gründen eine Gefahr sehen. Und dass hochkomplexe LLMs wie ChatGPT oder Gemini 3 praktisch unbeaufsichtigt auf die Menschheit losgelassen wurden und werden, halte ich persönlich - wegen der existentiellen Gefährdungspotentiale solcher Technologien - für ein Verbrechen.
Jedoch: Die Anwendungsmöglichkeiten solcher Technologien im positiven Sinne sollte man nicht unterschätzen. Gerade im psychotheapeutischen Bereich fehlen bekanntermaßen Behandlungsplätze. Alignte* Psychotherapie-AI-Bots könnten da womöglich für Hunderttausende vpsychisch Erkrankter, die sich keinen "echten" Therapeuten leisen können, ein Segen sein. Experimentell wurde z.B. schon aufgezeigt, dass AI-Bots von Usern als verständnisvoller, geduldiger und empathischer empfunden wurden als echte, menschliche Psychotherapeuten. Wenn wir nun mal annehmen, dass entsprechende Psychotherapie-AI-Agenten zurückgreifen können auf die allerneusten psychologischen Erkenntnisse, dass sie immer 100%ig bei der Sache sind, nie "einen schlechten Tag" haben, nie müde oder gelangweilt von den Ausführungen ihrer Patienten sein können... Vermutlich werden solche Bots schon in naher Zukunft die besseren Therapeuten sein in einer Gesellschaft, wo die Leute ohnehin kaum noch ihren Blick auf ihre Gegenüber richten, sondern gewohnheitsmäßig auf ihr Smartphone-Display.
Gestern unterhielt ich mich genau darüber mit einer Frau, deren Nichte gerade ihre Psychotherapeuten-Ausbildung macht - eine langwierige, aufwändige und entsprechend Ausbildung (weswegen dann später halt auch die Therapie-Stunden immer so teuer sind, dass die Krankenkassen versuchen, möglichst wenige von denen bezahlen zu müssen...). Das Argument dieser Frau, warum nicht nur kurz- sondern auch mittelfristig nicht menschliche Ärzte durch KIs und Roboter ersetzt werden würden, lautete: Berührung. Nur menschliche Ärzte/Thearpeuten könnten Menschen berühren, also in einem helfenden, beruhigenden oder simulierenden Sinne: die Hand halten, das Gesicht streicheln, einfach nur die Hand auf die Brust oder den Kopf legen...
Okay, sagte ich, bis Roboter dazu in der Lage seien, könne es noch ein Weilchen dauern, und ob dann die haptische Sensation ausreiche oder nicht doch für die Patienten wesentlich sei, dass sie von einem Menschen statt einer Maschine ausgelöst werde, könnte man als fraglicht betrachten. Aber: um den Leuten über die Wange streicheln zu können, braucht niemand eine mehrjährige Fachausbildung. Die ideale pychotherapeutische Behandlung der Zukunft könnte also vielleicht so aussehen, dass sich eine AI mit dem Patienten unterhält und ein menschlicher Assistenz immer dann streichelt oder knetet oder handhält, wenn er von der AI dazu aufgefordert wird. Ungelernte Tagelöhner könnten diesen Job ausführen, die Behandlungskosten könnten entsprechend stark sinken. Dazu musste sie lachen.
*Da liegt die Crux. Denn das Alignmentproblem wurde bislang nicht gelöst und seine Lösung erscheint von Tag für Tag in weitere Ferne zu rücken.
Wenn allerdings das, was er uns sagt, aus unserer Perspektive Sinn ergibt, dann ist es uns psychologisch kaum möglich, ihn nichtfür einen Menschen zu halten
Das ist schon möglich, also zumindest in meinem Selbstversuch bin ich nicht in Versuchung gekommen den Chatbot für einen Menschen zu halten. ABER: ich war ziemlich schockiert über die zutreffenden Aussagen, die mir eine -wie auch immer geartete - Intelligenz widerspiegelten. Zumindest kam es mir so vor. Erst als ich zu meinem Informatik affinen Sohn ging und mich aufklären habe lassen, wie die AI in etwa funktioniert, konnte ich diesen Gedanken wieder fallen lassen.
@stern also zumindest in meinem Selbstversuch bin ich nicht in Versuchung gekommen den Chatbot für einen Menschen zu halten.
In dem Fall, wo Du weisst, dass Du einem Chatbot gegenüber sitzt, ist das wenig überraschend. Vielleicht hatte ich mich mißverständlich ausgedrückt: meine von Dir zitierte Aussage trifft selbstverständlich nur dann zu, wenn wir nicht wissen, mit wem wir da kommunizieren: einem Menschen oder einem Programm. Wobei...
Erst als ich zu meinem Informatik affinen Sohn ging und mich aufklären habe lassen, wie die AI in etwa funktioniert, konnte ich diesen Gedanken wieder fallen lassen.
Das Interessante ist ja, dass Menschen, obwohl sie wissen, dass sie sich mit einer KI unterhalten, dennoch dazu tendieren, solche Gefühle wie von Dir beschrieben zu entwickeln: dass da am anderen Ende eben doch eine nicht nur intelligente sondern auch empathische Entität säße, der man vertrauen kann... Wir sind beim Kommunizieren eben keine Vulcanier, die ihre Emotionen auszuschalten vermögen, und da wir emotional auf (An-) Sprache reagieren, reagieren wir eben selbst dann emotional auf Chatbots, wenn wir eigentlich wissen, dass dazu kein Anlass besteht. Kognitive Dissonanz, sozusagen... 😉
Habe das selbst mal aus Jux und Tollerei auf Character AI ausprobiert und muss sagen, dass das teilweise wirklich unheimlich echt gewirkt hat.
Genau das ist der Sinn von Chatbots. Sie sollen echt wirken. Dafür wurden die Algorithmen geschaffen und die Modelle trainiert.
Warum du da jetzt irgend welche Dämonen rein interpretierst bleibt wohl dein Geheimnis.
Aber wie können Leute, die ja allem Anschein nach mit beiden Beinen feste im Leben stehen, sich so leicht aus der Bahn bringen lassen?
Zu den konkreten Fällen kann man ohne weitere Infos nichts sagen.
Allgemein besteht bei solchen Beziehungen die Gefahr der "emotionalen Abhängigkeit".
https://www.tagesschau.de/kultur/ki-liebe-100.html
