Heimliches weinen bei der Arbeit - wie emotional stärker werden?
Hallo liebe Leute,
ich habe seit vielen Jahren eigentlich eine recht schöne Arbeit im Kundendienst (per Telefon und Internet), doch heute ist wieder etwas sehr merkwürdiges passiert. Obwohl ich auf meinem Gebiet als recht kompetent und redegewandt gelte, hat mich heute eine Kundin (zum Glück nach dem Gespräch) wiederholt zum weinen gebracht. Eine weitere Kundin danach hat mir in einer anderen Sache ebenfalls noch einmal einen verbalen Nachschlag gegeben. *autsch*🤕
Dabei konnte ich die erste Kundin gut verstehen. Niemand zahlt überraschend gerne mehr oder etwas obendrauf aber jede Hilfe (von höheren Instanzen) wurden rigoros abgeblockt. Ich streite mich auch nicht mit Kunden, sondern mag ja wirklich gerne helfen.
Fing ich an etwas zu sagen, wurde ich unterbrochen. Irgendwie hat diese Frau es geschafft "Knöpfe" bei mir zu drücken, so dass ich mich ganz klein und hilflos fühlte. Ich fing an sogar an zu zittern, verhaspelte mich, schliesslich fing ich sogar auch noch an zu stottern.
Wie peinlich...😓
Nach dem Gespräch war ich total aufgelöst.
Es häuft sich mit den Jahren langsam - manchmal habe ich den Eindruck, manche möchten auch gar keine Hilfe.
Und ich scheine immer dünnhäutiger zu werden? 😭
Aber die Frage ist, wie kann ich emotionaler stärker werden? 👍
Was kann ich tun, dass mich derartige Situationen nicht mehr so komplett runterreissen?
Es ist heute Vormittag passiert und es lässt sich auch nun am Vorabend nicht mehr abschütteln.
Kennt jemand solche stressigen Situationen in der Arbeitswelt?
Wie geht ihr damit um und viel interessanter wäre es - wie seid ihr emotional stärker geworden?
Freue mich über jeden geteilten Gedanken.😪
Hi,
in erster Linie bist du hier deinem Arbeitgeber verantwortlich. Wenn Kunden dies und das nicht passen, kannst du das so nehmen....aber nicht bei Beleidigungen und anderes. Ich persönlich bleibe bei Beleidigungen sachlich und bitte dem Anrufer das zu unterlassen. Tut er das nicht, wünsche ich einen guten Tag und lege auf.
Dann wenn Feierabend hast, dann hast du Feierabend. Sobald dein Arbeitsplatz verlassen hast, bleibt es dort, verfolgt es dich, schüttle es ab und sage NEIN.
Ich trenne Arbeit und Privates strikt.
Im HomeOffice kann man das auch.
Lerne von Joyce Meyer ;-)....genieße das Leben
@meriadoc
Ja, so halte ich es normalerweise auch so und ich kann in der Regel auch gut abschalten.
Doch dieser Vorfall hat mich extrem aus der Bahn geworfen.
Ich hoffe, dass diese Fälle Einzelfälle bleiben und ich mit der Zeit stärker.😊
Jeden Morgen höre ich mir übrgens die Morgenandacht von Joyce an.
Mag ich.❤️
@brunnenbank liebe Brunnenbank
Welch feinen Nick hast du!
Erinnert er mich doch an ein Gemälde von Sieger Köder.
Kennst du ihn und seine Bilder?
Ich liebe von ihm besonders das Bild von der Frau am Brunnen.
Eine Frage fällt mir zu deiner Threaderöffnung ein:
Kann es sein, dass du sehr erschöpft bist und dringend eine Auszeit brauchst?
Sei herzlich gegrüßt und schau bitte gut nach dir
Inge
@irrwisch
Hallo Inge. Danke für deinen Beitrag und schön zu hören, dass dir mein Nick so gut gefällt.
Er ist mehr inspiriert durch die biblische Geschichte mit der Frau, die Jesus am Brunnen getroffen hat.
Ich kann mich sehr mit ihr identifizieren. Glaube auch, dass diese Geschichte durchaus etwas mit mir als Person zu tun hat
und davon lernen kann.
Nun hast du mich aber auch neugierig gemacht mit den Gemälden
von Sieger Köder und werde mich gleich mal online umschauen, um mehr zu erfahren.
Es freut mich, dass nun ein (für mich) ursprünglich schlimmes Thema mir nun so viel positive Gedankenanstösse gibt.
Auch wenn diese mit der Ausgangsgeschichte nichts mehr zu tun haben.
Noch ein Beweis, dass aus einer schlimmen Sache etwas Gutes wachsen kann.🤗
Guten Abend @brunnenbank,
Es gibt hier aus Jesus.de Beiträge, die lese ich, beantworte sie und dann vergesse ich sie, bis jemand mir antwortet. Und dann gibt es Beiträge wie Deinen, den ich lese, danach das Handy weglegen muss oder den Rechner abschalten muss, ehe ich den Beitrag wieder öffne, erneut durchlese und mir die Beantwortung schwer fällt. Warum? Weil ich genau weiß, wie sich so etwas anfühlt.
Ähnlich wie Du arbeite ich auch in einem Bereich mit sehr viel telefonischem Kundenkontakt - und das seit fast anderthalb Jahrzehnten. Dadurch, dass ich im Finanzdienstleistungsbereich arbeite, habe ich eines gelernt: In Zeiten, in denen die wirtschaft schwächelt und Existenzen bedroht sind, werden Kundengespräche anstrengender. In meinem speziellen Fall eskalierte ein Kundengespräch bis hin zu der direkten Drohung des Anrufers: "Ich werde machen, dass Du kein Leben mehr haben wirst" - dieses Telefonat war eines der wenigen, wo ich das Gespräch abbrach und auch keine weiteren Gespräche des Kunden mehr annahm. Dass sich dann meine Führungskraft auf die Seite des Kunden gestellt hatte war letzten Endes der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Diagnose Burnout.
Davor fing es ganz ähnlich an: ich wurde dünnhäutiger, hatte plötzlich Nerven wie Zahnseide, hab im Materialienlager geflennt wie ein Schosshund. Das Problem war auch, dass diese Gefühle nicht beim Ausstempeln abgegeben wurden, sondern mit nach Hause gebracht wurden - und das Private dann noch oben drauf kam, aber das ist eine andere Seite der Medallie.
Warum schildere ich das hier eigentlich? Zum einen, um zu vermitteln, dass ich genau verstehe, was du fühlst, aber was viel wichtiger ist: Ich hab in all meinen Jahren eines gelernt: Das Dünnhäutiger werden und das Flennen auf der Arbeit ist kein Anzeichen dafür, dass man emotional schwach wäre und man an sich arbeiten muss, um emotional stärker zu werden. Klar, manche Führungskräfte probagieren dies offenkundig, und manche Unternehmenskultur fördert diese Denkweise (manch einer spricht hier gerne von Resilienz, als wäre dies das alles lösende Zauberwort), aber aus meiner Sicht ist das glatt gelogen. Stattdessen ist es ein Warnsignal: Irgendwas ist gerade einfach too much. Das Fass ist voll.
Auch das Zittrig werden und Stottern während eines konfliktgeladenen Gespräches ist kein Anzeichen der Schwäche. Hier reagiert das Nervensystem auf etwas und löst den "Kampf-oder-Flucht"-Reflex aus, den jeder Mensch in sich hat.
Ein Punkt, der mir besonders auffällt, ist die Stärke, die in Deinen Zeilen erkennbar ist. Du sagst eigentlich - ohne diesen Satz direkt auszusprechen - dass Du Hilfe brauchst. Auch das ist keine Schwäche. Zu sagen: "Ich brauche Hilfe!" bedeutet nicht: "Ich gebe auf!" sondern: "Ich weigere mich, aufzugeben!" Und das ist Stärke, die man auch Tapferkeit nennt.
Um meine Worte bis hierin mal zusammenzufassen: Du bist nicht schwach. Eher das Gegenteil.
Ich würde Dir daher raten, zu versuchen, nicht allein daran zu arbeiten, "härter" zu werden, sondern zu schauen, was dir wieder Kraft gibt. Sprich mit einer vertrauten Kollegin oder Führungskraft,, vielleicht auch einem engen Glaubensbruder oder Schwester, wenn solche Gespräche sich häufen. Nimm dir nach besonders heftigen Telefonaten bewusst ein paar Minuten zum Runterkommen. Und wenn du merkst, dass das inzwischen öfter passiert oder auch außerhalb der Arbeit anhält, würde ich das mit dem Hausarzt besprechen – einfach, um Burnout, Angst oder andere Belastungsreaktionen früh abzuklären.
Liebe Grüße,
Mr.K
@mr-k
woah....und ich danke dir sehr für deine offenen Worte und dass du dir überhaupt die Zeit genommen hast, in meinem Thread so ehrlich und ausführlich auszupacken.
Ehrlich, dass dir die Rückendeckung durch die Führungskräfte fehlten macht mich sehr betroffen.😵
Unglaublich! Dann darf ich mich ja glücklich schätzen, dass meine Vorgesetzten zumindest hinter mir stehen bzw. beigestanden haben und sich der Sache nach ein paar Tagen (nach meinem Bitten) noch einmal angenommen haben.
Ich denke auch, dass das Klima unter den Menschen rauher wird und bin froh und dankbar (noch) die Kraft zu haben, es "anders" zu machen. Danke auch für den Einwurf, dass ich nicht Resilienz aufbauen muss und "härter" werden soll.
Zur Zeit bin ich einfach nur dankbar, dass diese Gespräche wirklich "Einzelfälle" sind und mein Fall wohl eine Kombination von besonderer eigenen Sensibilität und unangenehmsten Triggern war. Denn mir fallen rückblickend echt fiese Begebenheiten von früher in meinem eigenen Leben wieder auf, wo diese Gefühle und Emotionen ebenfalls so derbe in mir hoch kamen. *autsch!*
Gut ist, dass wenn man im Glauben ist nie wirklich alleine dasteht.
Auch wenn ich in der größten Not nicht wirklich klar denken kann/konnte.
Und inzwischen ist auch so viel Gutes passiert.
Ich werde also "tapfer" (danke) weitermachen, daran wachsen und wenn es wieder wirklich schlimm werden sollte mir auch Hilfe suchen und nicht alles erdulden. 🙂
Ehrlich, dass dir die Rückendeckung durch die Führungskräfte fehlten macht mich sehr betroffen.😵
Das braucht es nicht. Wurde dann zu der Motivation, mich zur Betriebsratswahl aufstellen zu lassen - und mir 48 % aller Stimmen in dieses Gremium gewählt zu werden.
Jetzt bin ich der Betriebsrat, der den Führungskräften gerne am unangenehmsten wird, wenn es um Disziplinarmaßnahmen geht...