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Job - Innerlich gekündigt

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Meriadoc
Themenstarter
Beiträge : 990

Hi,

 

leider hat auch mich dieses "Virus" angesteckt. Meine Arbeit erfüllt mich nicht, das aufstehen und die Rituale nerven mich. Meine Arbeitsleistung lässt nach und ich hab Minusstunden die mich auch noch Nerven.

 

Habe noch 7 Jahre  und darf dann mit 67 in die Rente. Es sei, der gottlose Vater Staat verdonnert mich zu arbeiten bis ich  70 Jahre alt bin.

 

Wie durchhalten?

Antwort
39 Antworten
BePe0905
Beiträge : 630

@meriadoc 

Hallo Meriadoc, 

solcher Phasen, wo man den "ganzen Bettel am liebsten hinschmeißen" möchte, kennt wohl jeder Mensch.

Ich habe dies auch erlebt, allerdings eher selten. In den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit konnte ich ständig Neues dazulernen und mich weiterentwickeln, aber auch mein Umfeld war spannend und herausfordernd.
Allerdings ging mein erster Arbeitgeber (wo ich zuvor auch meine Ausbildung gemacht hatte) Mitte der 70er Jahre Konkurs und ich musste mir eine neue Stelle suchen. Blöde nur, dass damals die erste größere Wirtschaftskrise seit der "Aufbaujahre") war und ich nebenher noch studierte. Und der Konzern, wo ich dann landete, war hinsichtlich Organisation und Verwaltung eine mittlere Katastrophe. Glück jedoch, dass ich schon nach einem Vierteljahr etwas Neues fand, wo ich dann 10 Jahre blieb und nicht nur ständig weiter aufsteigen konnte, sondern auch interessante Projekte leitete. Aber nach 10 Jahren gings mir ähnlich wie dir - ich musste raus. 

Die nächste Firma bot eine spannende Aufgabe, gutes Gehalt in einem innovativen Umfeld. Blöde auch hier, dass sie nach zwei Jahren verkauft wurde und danach alles anders war. Und ich hatte das Gefühl, vor einer Mauer gelandet zu sein mit der Perspektive, entweder die nächsten 20 Jahre irgendwelche langweiligen Aufgaben zu erledigen oder wieder was Neues zu suchen. Aber wenn man dann noch Verantwortung für Familie hat und somit in den Entscheidungen nicht ganz frei ist, dann kommt man sich vor, wie in einem Hamsterrad gefangen zu sein....

Also sortierte ich wieder die Stellenangebote in den Zeitungen (Internet war damals noch nicht soweit...) und fand dann eine tolle Führungsaufgabe, die allerdings mit einem Ortswechsel verbunden war. Und wiederum blöde, dass auch hier zwischen "Schein und Sein" ein Riesenunterschied war. Nicht nur ein ziemlich chaotischer Chef, der weder delegieren noch Verantwortung abgeben konnte, eine gleichermaßen chaotische wie eingebildete Branche und dann auch noch (auf Grund des Standortes) eine Fernbeziehung, die meine Frau, die Kinder (und mich selbst) immer mehr belastete. 

Das war dann der letzte Impuls, der mich in die berufliche Selbständigkeit (als Personalberater) trieb - und als solcher war ich dann die nächsten 30 Jahre glücklich und ziemlich erfolgreich. Und wenn mir nicht Corona den Spaß an der Arbeit etwas vermiest hätte, dann wäre ich heute noch beruflich aktiv. 

Im Nachhinein stelle ich fest, dass in meinem Berufsleben manches völlig anders gelaufen ist, als ich es mir eigentlich vorgestellt hatte. Denn immer wieder durchkreuzten Ereignisse von Außen meine Pläne und forderten neue Entscheidungen. Und immer war der "Sprung" in eine neue Aufgabe mit einem Risiko verbunden, was mich manchmal erst zögern lies (besonders wegen der Familie).
Im Nachhinein stelle ich aber fest, dass es insgesamt nicht nur eine spannende, sondern auch positive Entwicklung war, denn ohne die (auch negativen) Erfahrungen der vorherigen Positionen wäre ich nicht in der Lage gewesen, den Anforderungen späterer Aufgaben gerecht zu werden. 

Ich will dich jetzt nicht zu unbedachten Schritten animieren, denn dazu weiß ich zu wenig über dich, deinen Beruf und deine Situation. Und manchmal ist derjenige der Stärkere, der in einem wenig langweiligen oder öden Umfeld aushält als derjenige, der gleich etwas Neues sucht. Denn letzteres ist oft nichts anderes als Flucht. Eigentlich rate ich Leuten in deiner Situation gern, sich im bestehenden Beruf und Unternehmen umzusehen, ob sich da interessante Projekte und herausfordernde Aufgaben anbieten, die man übernehmen kann. Also Gespräche mit den Vorgesetzten suchen und zeigen, dass man mehr machen möchte als Routine. Und dann auch alle Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung nutzen - auch dann, wenn man sie (vielleicht aus Altersgründen oder fehlender Perspektive) eigentlich gar nicht mehr benötigt. 

Und wenn sich beruflich wirklich nichts mehr bewegen lässt - vielleicht bietet sich ein Ehrenamt an - oder ein spannendes Hobby. 
Denn Unzufriedenheit im Job ist oft auch eine Folge von zu wenig inspirierenden Kontakten und Begegnungen im Privatleben. 

Wie schon geschrieben - das sind sehr allgemeine Ratschläge, aber im Moment fällt mir da nichts Konkreteres ein. 

Vorerst liebe Grüße, 
halte den Nacken steif und den Kopf oben
wünscht dir 
Dschordsch

bepe0905 antworten


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