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Blinder Glaube

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MAUTZ
 MAUTZ
Themenstarter
Beiträge : 14

Hallo,

ich frage mich immer wieder wie ich an Gott glauben kann ohne ihn wirklich zu kennen. Es wird soviel erzählt und gepredigt, und es steht soviel in der Bibel wo rein aus meiner Lebenserfahrung keinen Sinn ergibt und einfach auch nicht stimmen zu scheint.

Das folgende sind einfach meine Einschätzungen, vielleicht ein bisschen Grob formuliert, aber es bedrückt mich schon.

Es wäre schön, wenn mir jemand ein paar Antworten, oder Gedankenanstöße hat (gerne auch nur zu einem Punkt)

Vielen Dank

1. Gott hat einen Guten Plan für mein Leben.

Das hört man ja immer wieder und ich habe auch lange Zeit fest darauf vertraut. Aber schaut man sich die Welt an scheint es unmöglich dass es für jeden Menschen einen Plan gibt, geschweige denn einen guten. Menschen werden geboren und leiden Jahrelang bis sie dann durch Hunger, Gewalt, o.ä. qualvoll sterben. Diese Menschen haben keine Chance jemals am Leben teilzunehmen. Das ist einfach Faktisch nicht GUT, und jemand der ein solchen Plan für jemand aufstellt soll so wunderbar und liebevoll sein? Natürlich werden wir auf der Erde nie verstehen was Gott vorhat, aber wie kann von mir erwartet werden an das Gegenteil der Realität zu glauben?

2. Gott ist gut, liebevoll, perfekt.

Gott wird oft als perfekt und unendlich liebevoll beschrieben. Das Leben gibt mir aber ehrlicherweise mehr das Gefühl dass er rücksichtslos, egoistisch und fahrlässig ist. Gott hat uns geschaffen, alles was hier auf der Erde passiert ist in seiner Verantwortung. Klar erschaffen wir Menschen viel Leid durch unseren freien Willen. Dennoch kommt alles aus der Schöpfung. Es steht alles in seiner Verantwortung. Nun scheint er die Verantwortung einfach auf uns übertragen zu haben, im Zuge der Sünde. Ein Mitspracherecht hatten die Menschen nicht. Wir haben auch keine Wahl ob wir geboren werden wollen oder nicht. Ich wurde quasi in ein System geboren wo von Grund auf alles geregelt ist, wo ich Leid erfahre, Probleme bekomme usw. Das ist egoistisch und rücksichtslos aus meiner Sicht, ganz egal ob es aus Liebe geschieht. Und wenn ich mich nicht an diese Regeln halte, brenne ich in der Hölle? Des weiteren bringt Gott in der Bibel zahlreiche Menschen um, quält sie sogar. Der Gott der jeden Menschen lieb hat und 99 Schafe verlässt um das 1e zu finden bringt einfach ein paar Menschen um. Teilweise um zu zeigen wie Stark und mächtig er ist (Gott bringt den Pharao im Mose-Buch dazu ihm hinterher zu jagen damit er Ihn und die ganzen anderen Ägypter umbringen kann, damit seine Macht gezeigt wird) So So viele Dinge sprechen für mich gegen die Liebe und einen Perfekten Gott. Es ist mir unmöglich zu glauben dass jemand der so etwas tut perfekt ist, oder uns liebt. Wie kann ich glauben das Gott mich liebt und Gut ist, wenn die Realität und selbst die Bibel das Gegenteil zeigen.

3. Gebet

Ich habe lange Zeit regelmäßig gebetet. Mittlerweile sehe ich keinen Grund mehr dafür. Ich weis nicht wie oft ein Gebet von mir offensichtlich erhört wurde. Ich meine wenn ich dafür bete das meine Klausur gut wird und sie gut wird muss das ja nicht heißen das sie ohne beten nicht gut geworden wäre. Es passieren sicher auch gute Dinge per "Zufall". Wie dem auch sei, man betet für so viele Dinge und scheinbar hat es keine Auswirkung. ich rede nicht von Gebeten wie mache das ich morgen reich werde. Ich rede von Gebeten wie heile mich, nimm das Leid von mir weg, zeige mir deinen Weg, mach bitte dass das Leben nichtmehr so schwer ist. Wenn man auf diese Gebete über Jahre keine Rückmeldung bekommt, es immer noch schlimmer wird, verstehe ich nicht, warum wo das Gebet seinen Sinn hat. Wenn Gottes Plan anders ist und er sowieso macht was er will, brauche ich auch nicht beten. So wie es in der Bibel steht "Bitten, und er wird euch geben. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, und es wird die Tür geöffnet" ist das für mich komplett falsch. Es stimmt einfach nicht. Ich kann bitten soviel ich will, suchen soviel ich will und klopfen soviel ich will. Es passiert nichts. 

4. Was glaubt man? Was interpretiert man?

In Predigten werden ganz oft, Texte aus der Bibel als Grundlage verwendet. Diese werden dann interpretiert, ein bisschen verändert, ein Teil wird verwendet, ein widersprüchlicher Teil einfach weggelassen. Die einen Sagen die Bibel muss man in die heutige Zeit übertragen, die anderen sagen die Bibel ist das Wort Gottes und genau so gültig. Wie genau soll ich mir aus diesem ganzen heruminterpretiere und diesen ganzen Meinungen einen Glauben Bilden? Ich kenne Gott rein aus der Bibel und der Interpretation von anderen Menschen. Sind die Interpretationen richtig? Sind sie falsch? Ist die Bibel genau so richtig? Muss die Bibel auf die heutige Zeit übertragen werden, was eigentlich auch Interpretation ist? Muss ich alles glauben was in der Bibel steht? Gott ist Gott, und keine Interpretation. Ich möchte Ihn kennenlernen, weis aber nie was stimmt und was nicht. Ich weis nicht wie er ist, wie er sich verhält, was er gut findet was er schlecht findet. Ich muss doch jemanden richtig kennen und das auch gut heißen, damit ich an jemanden glauben kann und ihm nachfolgen kann.

 

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25 Antworten
1 Antwort
van Hagen
(@van-hagen)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 53
Veröffentlicht von: @mautz

.. ich frage mich immer wieder wie ich an Gott glauben kann ohne ihn wirklich zu kennen. ...

Glauben und glauben sind so wenig dasselbe wie Gott und Gott. Man lasse sich von demselben Wort nicht täuschen, denn was ihnen an Bedeutung zugemessen wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Als "Gott" nennt der Mensch das höchst Ehrwürdige, an das er in seinem Inneren aufsehen kann, was natürlich von Mensch zu Mensch ein unterschiedliches Niveau annimmt, das sich durch Erfahrungen und Erkenntnisse im Laufe des Lebens verändern kann. Hier kommen wir vom Glauben zur Erkenntnis. Der Glaube kann naiv sein oder ein intuitives Gespür aufweisen, letzteres führt dazu, ein Gefühl zu entwickeln, die Dinge zu erforschen: Ich glaube, was ich erkannt habe!

Man lasse sich nicht unter Druck setzen, tüchtig glauben zu sollen. Ein Gott bzw. eine Gottesvorstellung, die so tut, um nur so in den Himmel zu kommen, macht den Menschen unfrei.

van-hagen antworten
Seidenlaubenvogel
Beiträge : 2325

@mautz

Hallo Mautz, haben dir die bisherigen Antworten eine „gute Spur“ gelegt, um von deiner Seite weiterhin an Gott festzuhalten und vertrauensvoll weitere Schritte im Glauben zu gehen?

Und liest du im Forum noch mit?

Alles Gute auf deinem Weg wünscht dir Seidenlaubenvogel

seidenlaubenvogel antworten
3 Antworten
MAUTZ
 MAUTZ
(@mautz)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 14

@seidenlaubenvogel Hey Seidenlaubenvogel, hab erst jetzt mal wieder reingeschaut. Tatsächlich wird es gefühlt immer schlimmer, und ich werde immer wütender auf Gott. Die Antworten sind gut gemeint und sind bestimmt nicht falsch oderso. Dennoch stellt mich bis jetzt nichts so richtig zufrieden, bzw. meine Zweifel und Klagen finden immer einen Weg hindurch.

mautz antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2325

@mautz Hallo Mautz, bist du wütend auf Gott, weil du unzufrieden mit deinem/ dem Leben bist oder weil Gott und Sein Wirken dir in deinem Leben und generell "nicht gut genug" erscheint? Oder beides?

Wenn Zweifel und Klagen stärker als der Glauben (das Vertrauen) sind, darf das sein. Gott hält das aus und Er verurteilt dich dafür auch nicht. Für dich gilt es auch sie auszuhalten und - das wünsche ich dir - sie zu überwinden. Wie? Ich sehe v.a. zwei sehr konträre  Möglichkeiten: 1) Geh dem auf den Grund, was dich umtreibt. Finde möglichst viel zu der Thematik heraus und setze dich damit auseinander. 2) Blende aus, was dich umtreibt. Lass es stehen. Suche, wähle bewusst einen Fokus, der dich weiterbringt, anstatt dich selbst mit Fragen und Zweifeln zu zermürben.

Zu 1) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Themen danach (also nach intensiver Beschäftigung und erfolgreicher Auseinandersetzung) oft nicht mehr interessant für mich waren - obwohl sie mich im "ungelösten Zustand" regelrecht gepiesackt hatten.

Zu 2) Ich erlebe das v.a. im Berufsleben. Es hilft nicht immer weiter zu erklären/ klarzustellen/ wechselseitig nachzuvollziehen/ "alles aufzudröseln"/ ... Wo will ich hin und wie gelingt mir das? Auseinandersetzung (wie 1)) kann ein Weg sein, der mir grundsätzlich am besten taugt. Ich lerne aber, es geht auch anders. So wie ich dich wahrnehme würde ich empfehlen, die Psalmen zu lesen und wünsche dir, dass dich dies aufrichten wird. Du bist nicht allein damit, dass die Dinge scheinbar falsch laufen. Und ich bin mir sicher, dass sich dein Blatt (und zunächst vielleicht nur der Blick darauf) wenden wird.

Sei gesegnet und nimm diesen Segen wahr - auch das wünsche ich dir!

seidenlaubenvogel antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 892

@seidenlaubenvogel 

Zu 1) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Themen danach (also nach intensiver Beschäftigung und erfolgreicher Auseinandersetzung) oft nicht mehr interessant für mich waren - obwohl sie mich im "ungelösten Zustand" regelrecht gepiesackt hatten.

Das kenn ich und hab ich auch erst mit Traumathemen hinter mir bzw. erlebt, die mich 10 Jahre (untherapiert weil "bekommste nicht, war ja nicht lebensbedrohlich") ... zerstören wollten (danke Gott, dass du mich als Frühchen schon als Kämpferin auf die Welt gebracht hast und das ganze Gift, dass durch den Rauch in meinen Körper gelangte, unschädlich gemacht hast, und jetzt auch das seelische Gift!)-

So, geht es mir immer, wenn mich etwas belastete; ich muss es verstehen, verstehen warum und wie etwas passiert ist, und dann löst sich die Unruhe, der Zorn, die Angst .. alles Negative, was damit verbunden war, einfach auf und ich werde davon befreit.

Ich habe keine Ahnung warum oder wie aber ist es nicht faszinierend?

samira-jessica antworten


Samira-Jessica
Beiträge : 892

2. Gott ist gut, liebevoll, perfekt.

Gott wird oft als perfekt und unendlich liebevoll beschrieben. Das Leben gibt mir aber ehrlicherweise mehr das Gefühl dass er rücksichtslos, egoistisch und fahrlässig ist. Gott hat uns geschaffen, alles was hier auf der Erde passiert ist in seiner Verantwortung. Klar erschaffen wir Menschen viel Leid durch unseren freien Willen. Dennoch kommt alles aus der Schöpfung. Es steht alles in seiner Verantwortung. Nun scheint er die Verantwortung einfach auf uns übertragen zu haben, im Zuge der Sünde. Ein Mitspracherecht hatten die Menschen nicht. Wir haben auch keine Wahl ob wir geboren werden wollen oder nicht.

Doch wir haben weiterhin mit dem freien Willen das Mitspracherecht selbst Verantwortung zu tragen oder uns von Gott führen zu lassen (=Verantwortung abgeben). Beim Sündenfall haben Adam und Eva entschieden, nicht auf Gott zu vertrauen und ihm die Verantwortung zu überlassen, sondern selbst zu entscheiden und die Folge daraus ist, dass wir jetzt selbst die Verantwortung für alles tragen müssen. Nicht Gott hat sie uns aufgebürdet, wir haben sie ... ihm weggenommen.

Ich wurde quasi in ein System geboren wo von Grund auf alles geregelt ist, wo ich Leid erfahre, Probleme bekomme usw. Das ist egoistisch und rücksichtslos aus meiner Sicht, ganz egal ob es aus Liebe geschieht. Und wenn ich mich nicht an diese Regeln halte, brenne ich in der Hölle? 

Das System, die Regeln, das Leid und die Probleme stammen ja von den Menschen, nicht von Gott. Wir können für uns selbst entscheiden, inwieweit wir das mitmachen, an uns ran lassen .... 
Und wenn du auf die Gebote anspielst ... das sind ja im Grunde Dinge, die - denke ich - jeder von sich aus im Grunde so halten möchte. Sie sind für ein fruchtbares Leben mit Gott.

Des weiteren bringt Gott in der Bibel zahlreiche Menschen um, quält sie sogar. Der Gott der jeden Menschen lieb hat und 99 Schafe verlässt um das 1e zu finden bringt einfach ein paar Menschen um. Teilweise um zu zeigen wie Stark und mächtig er ist (Gott bringt den Pharao im Mose-Buch dazu ihm hinterher zu jagen damit er Ihn und die ganzen anderen Ägypter umbringen kann, damit seine Macht gezeigt wird)

Gott tötet nicht Menschen, er tötet, was nicht Leben zerstört und wenn die Menschen daran festhalten, sterben sie mit.

Gott tötet nicht den Pharao.

Gott beendet den Weg, der Israel versklavt hat.

Der Pharao stirbt, weil er an diesem Weg festhält.  

(Copilot)

samira-jessica antworten
2 Antworten
MAUTZ
 MAUTZ
(@mautz)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 14

@samira-jessica Danke für deine Antwort.

Das mit dem Freien Willen ist für mich viel mehr Schein als sein. Alles was wir tun oder möchte, die Person die wir sind - das können wir nicht frei entscheiden. Wir sein ein Produkt von unserer Erziehung, den Erfahrungen die wir machen, Unseren Freunden, wie man uns behandelt und so weiter. Unser Sinn, unser Wille vom Beginn unseres Lebens manipuliert. Natürlich von Menschen aber einen komplett Freien Willen wird dem einzelnen Menschen aus meiner Sicht eher nicht geschenkt.

Zum Punkt mit dem Pharao. In meiner Bibel steht es wenn ich mich recht erinnere so, dass der Pharao sagt okay ihr könnt gehen, ich will euch nicht länger als Sklaven halten. Dann ändert Gott selbst die Meinung des Pharaos, damit er alle umbringen kann und so zeigen kann wie Stark er ist. Muss man hier wieder interpretieren oder es sich irgendwie zurechtlegen damit das dann doch nicht so böse ist? Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung...

mautz antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 892

@mautz Autsch, du klingst beinahe noch verzweifelter als Lucan.

Natürlich können wir all das frei entscheiden. Die Erfahrungen nicht immer, aber wir können frei entscheiden, was wir damit machen. Die Erziehung, wie man uns behandelt und unsere Umgang .... ja, das alles beeinflusst uns. Aber wir können selbst frei entscheiden inwieweit wir diesen Einfluss zulassen. Ja, er wird manipuliert, aber wenn wir erkennen, dass wir im Grunde frei sind und uns (trotz der Konsequenzen!) dagegen entscheiden können, erkennen wir erst, wie frei wir eigentlich wirklich sind! Das hab ich, wenn auch bitter, erfahren dürfen!

samira-jessica antworten
Herbert52
Beiträge : 246

@mautz 

Hallo Mauz,

Du bist mit Deinen Fragen und Zweifeln nicht allein. Wie Du siehst, hast Du schon viele hilfreiche und geschwisterliche Antworten bekommen und man kann sich fragen, ob diese nicht ein Ausdruck und ein Ergebnis des Willen Gottes ist, um sowohl Dir persönlich als auch uns allen zu helfen ein Licht zu geben. Mit anderen Worten, hier kann man Gott in den Antworten der Geschwister wiederfinden. Die sind vielfältig, teils widersprechend,  das alles gehört zu Gott. Letztlich ist der Gemeinsame Nenner und der Beweis für die Anwesenheit Gottes im Forum, dass alle aus ihrer Liebe heraus antworten. Keiner will (rät) dir Böses, keine will Dich verführen, alle wollen Deine Hoffnung stärken.

… und es steht soviel in der Bibel wo rein aus meiner Lebenserfahrung keinen Sinn ergibt und einfach auch nicht stimmen zu scheint.

Dass ist ja die Theo-Logik: du erfährst das, was du aufgrund Deine Lebensentscheidung erfahren willst. Hast Du Dich für den Weg des Glaubens entschieden, der erfährst u.a., dass was Du hier in Forum liest. Würdest Du Dich für anderen Weg entscheiden (z.B. Wie kann ich meine Persönlichkeit optimieren?), dann würdest Du andere Erfahrung machen. Dass Du Dich entschieden hast, ist dein freier Wille, was nicht ausschließt, dass der durch einige Umstände in die eine oder andere Richtung beeinflusst wird. Aber auch diese Einflüsse hast du zugelassen oder abgewehrt.  

  1. Gott hat einen Guten Plan für mein Leben.

Das Wesen der Theo-Logik, also der Weg um Gott und Gottes Liebe besser zu verstehen, ist, dass man diesen scheinbar einfachen Satz nicht von unten, sondern von oben her, aus der Sicht Gottes und Gottes Geist zu verstehen sucht: „… wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch.“ (Joh.3,31, vgl. auch Joh.8,23)). Die Schwierigkeit beginnt mit dem ´Guten`. Woran erkennt man, dass etwas gut ist? Am Gefühl, des es einem Bedürfnis / Mangel entspricht, sich bequem, sicher, angstreduzierend etc. anfühlt. Im Chat hat schon jemand berichtet, dass sich eine Situation, die sich zunächst schlecht anfühlten im Nachhinein als positiv erwiesen hat. Ich selbst habe das auch mehrfach so erlebt. Die Frage ist, definierst Du ´gut` nach Deinem ´Gutdünken` oder suchst Du in der Offenbarung nach entsprechenden Merkmalen. Und es ist eine Frage des Zeitpunktes, zu dem man Bilanz zieht. Wenn ´Leben` nur die Erdenzeit umfasst, fällt jede Bilanz / Bewertung völlig anders aus, als wenn das Leben nach dem Tod mit einbezogen wird.

 Plan: ´Plan` spricht das theo-logische Problem der Vorherbestimmung etc. an. Sicher hat Gott einen Plan und ich glaube, dass das Leben, das man führt, diesem Plan im Prinzip entspricht. Abweichungen aufgrund freier Entscheidung sind eingeplant, weshalb Gott bei denen, die ihr Herz dem ´Plan` Gott unterordnen wollen, Zeichen / Anlass für Korrekturen schafft. Anlass: die Freiheit, die in einem Anlass (ob angenehm oder unangenehm) verborgene Ansprache Gottes so oder so auszulegen, bleibt natürlich voll erhalten. Auch hier kann man das Forum als einen Ort auffassen, an dem Gott Zeichen setzt, das für den einen dieses und für den anderen jenes bedeutet.

 …für mein Leben: Auch hier sollte man sich klar machen, welche Vorstellungen man mit der Formulierung eigentlich verbindet. Umfasst ´Leben` nur die Zeit der irdischen Existenz oder das Leben darüber hinaus, das Leben nach dem Tod. Nach meiner Erfahrung entstehen viele Glaubensprobleme allein dadurch, dass man sein Leben in den Grenzen der irdischen Zeit sieht und keinen Zusammenhang mit dem Leben danach herstellt. Die Zusammenhänge können dabei total unterschiedlich sein. Siehe das Gleichnis von Lazarus, der nach einem beschissenen Leben (nach irdischen Maßstab) von Abrahams Schoß aus auf den Reichen schaut, dem es zu Lebzeiten (irdischen) immer gut ging, jetzt aber im ´Himmel` schlecht (wobei er in seinen Klagen die irdischen Maßstäbe mitgenommen hat).

Dann das Wörtchen ´mein`: natürlich sagt jeder, ich führe mein Leben. Das ist die irdische Sicht und in sofern völlig berechtig, weil jeder in seinem Leben seine Entscheidungen fällt. Von oben hier sieht es aber anders aus: das Leben ist erst einmal ein Gnadengeschenk und Gott bleibt dessen Eigentümer. Das Geschenk ist ein Aufgabe oder Bestimmung (Talente), die der Herr seinen ´Knechten` zur sinnvollen Bewahrung gegeben hat. Bewahren heißt, das Geschenk des Lebens, dass die Liebe ist, zu vermehren. ´mein Leben` bedeutet von oben gesehen auch das Leben in der Gemeinschaft. Dahinter steckt die Frage, in wie weit in ´mein` Selbstbezogenheit oder Solidarität, Nächstenliebe etc. Platz hat.  

 

  1. Gott ist gut, liebevoll, perfekt.

Auch hier gilt das oben gesagte. „liebevoll“ was heißt das? Menschlich fühlte sich liebevoll zugleich gut an und gut ist, was als gut empfunden, erleben wird (siehe oben). Jeder weiß aus Erziehungssituation, dass sich die Liebe der Eltern nicht immer gut anfühlen muss, z.B. wenn etwas verboten wird. Es gibt das Gleichnis vom Verloren Sohn (vgl. Lk.15,11 ff). War es liebevoll vom Vater, den Sohn das Erbe auszuzahlen und ihn in sein Unglück laufen zu lassen, ihn ein sündiges und leidvolles Leben zu ermöglichen? Gerade im AT gibt es Hinweise darauf, das Liebe wie Gott sie versteht, mit der Liebe wie Menschen sie verstehen wenig gemein hat.

 Gott hat uns geschaffen, alles was hier auf der Erde passiert ist in seiner Verantwortung. Klar erschaffen wir Menschen viel Leid durch unseren freien Willen. … Es steht alles in seiner Verantwortung. Nun scheint er die Verantwortung einfach auf uns übertragen zu haben, im Zuge der Sünde. Ich finde, Du hast die Zusammenhänge richtig erfasst. Es ist nicht immer leicht Verantwortung zu tragen.

 Wir haben auch keine Wahl ob wir geboren werden wollen oder nicht. Das war früher auch eines meiner Argumenten gegen den Christlichen Glauben, bis mir klar wurde, dass dieser Satz gar keinen Sinn macht. Denn wenn ich nicht geboren wäre, würde die Frage erst gar nicht formulierbar sein. Ich möchte die etwas kühne Behauptung aufstellen, dass du geboren werden wolltest, um dich mit diesen Frage zu plagen. Dass Dir das vorher nicht bewusst war, spielt keine Rolle. Entscheidende ist doch, du hast die ´Plagen` der Fragen angenommen hast.

Des weiteren bringt Gott in der Bibel zahlreiche Menschen um, quält sie sogar. Das ist ein hermeneutisches Problem, was auf die Eigenart der Offenbarung zurückzuführen ist, die auf die mythischen Weltvorstellung der Menschen jener Zeit Rücksicht genommen hat. D.h. die Bibel spricht vorwiegen in einer bildlichen Sprache. Wenn dort steht, dass Gott dieses oder jenes getan hat, hat das verschiedenen Bedeutungsebenen. Einmal die, die Du oben angesprochen hast, Gott trägt die letzte Verantwortung. Ansonsten ist so, dass negative Ereignisse immer im Zusammenhang mit negativen, gottfernen, sündigen Verhalten stehen und die daraus resultierenden Folgen, z.B. dass sich die Menschen gegenseitig bekriegen, dann Gott zugeschrieben werden. Die Verlierer interpretieren das als Zorn oder Strafe Gottes, die Sieger als Segen. Lange Rede kurzer Sinn: ich glaube es sind immer die Menschen selbst, die sich Leid zufügen und Gott lässt es zu, damit die Menschheit endlich kapiert, dass ihr Weg der falsche ist, bzw. was an ihrem Weg falsch ist.

Ich rede von Gebeten wie heile mich, nimm das Leid von mir weg, zeige mir deinen Weg, mach bitte dass das Leben nichtmehr so schwer ist. Wenn man auf diese Gebete über Jahre keine Rückmeldung bekommt, es immer noch schlimmer wird, verstehe ich nicht, warum wo das Gebet seinen Sinn hat. Auch diese Phänomen ist mir nur zugut bekannt. Was aber heißt den ´beten`  im biblischen Sinne. Am wenigsten ist damit das Hersagen eines Textes gemeint. Sicher gehört dazu die Zwiesprache mit Gott, die für mich immer ein Moment ist, wo ich mir selbst gegenüber versuche, absolut ehrlich zu sein und manchmal auch entsprechende Konsequenzen gezogen habe, die mein Leben verändert haben. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass dich Gott erhört hat und u.a. anderen dich hierher geleitet hat.  

  1. Was glaubt man? Was interpretiert man?

Was du beschreibt ist letztlich der Weg den alle gehen müssen. Und keiner kann Dir deine Fragen und Antworten abnehmen, allenfalls Anregungen geben.

Ich muss doch jemanden richtig kennen und das auch gut heißen, damit ich an jemanden glauben kann und ihm nachfolgen kann. Fühlt sich verständlich an, ist aber genau umgekehrt. Schau Dir das Leben Jesus des Herrn an. Wie viele haben seine Wunder gesehen, wieviel haben sein Worte gehört, d.h. sie haben ihn gekannt  und doch nicht erkannt.  

Ich möchte Ihn kennenlernen, weis aber nie was stimmt und was nicht. Ich weis nicht wie er ist, wie er sich verhält, was er gut findet was er schlecht findet. Deshalb ist ja Jesus der Herr auf die Welt gekommen, um Dir diese Fragen zu beantworten. Aus meiner Sicht führt die Interpretation des Evangeliums als Text, selbst wenn er ´richtig` gedeutet wird, allenfalls nicht mal zur Hälfte der Wahrheit. Jesus sagt ganz klar: der Weg zu Gott führt über die Nachfolge. Einen anderen sicheren Weg um Gott kennen zu lernen, gibt es nicht. Der Austausch hier ist ein winziger Teil davon.

Ich hoffen ich konnte Dir ein wenig Mut machen. So wie es ist, mit allen Zweifeln, ist es gut, und dieses Gute beinhaltet den Stachel, es nicht dabei zu belassen, sondern weiter zu machen.

herbert antworten
1 Antwort
MAUTZ
 MAUTZ
(@mautz)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 14

@herbert Hallo Herbert,

vielen Dank für deine Antwort, da waren ein paar sehr schöne Gedankenanstöße mit dabei!

mautz antworten


Bereaner
Beiträge : 1
Guten Abend Mautz,
Veröffentlicht von: @mautz

Ich bin überfordert damit, herauszufinden wie ich Gott annehmen kann und an ihn glauben kann während mein Kopf sagt das Gott nicht so ist wie man es sagt.

Ich würde dir gerne mal die Fragen stellen: Weißt du, denn was die Grundlage des Glaubens ist?

bereaner antworten
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