Depressionen und Glaube
Wie vertragen sich meine Depressionen mit meinem Glauben? Sollte ich nicht mit der Hilfe Gottes und Jesus sorglos und fröhlich sein?
Liebe Kaffitta,
ich sag mal, schrittweise den Druckberg abtragen... sich kein schlechtes Gewissen machen lassen, dass man nicht wie andere einfach funktioniert...
Eine Depression beeinträchtigt Geist, Seele und Körper auf unterschiedliche Art und Weise und diese wirken dann auch noch aufeinander. Was also können einzelne Belange sein:
Dein Körper braucht normalerweise medikamentöse Hilfe, um das Stoffechselungleichgewicht zu mindern. Das wiederum hilft der Seele nicht so sehr im Dunkeln zu sitzen.
Zum Geist des Menschen gibt es eine Schriftstelle, die die angebrochene Identität als geknicktes Rohr bezeichnet und den gedimmten Lebensgeist als glimmenden Docht. Diese Schriftstelle kommt zweimal in der Bibel vor (ist Gott also wichtig) und sie enthält eine starke Verheißung der Unterstützung und des Aufbaus.
Jes 42,3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.
Mt 12,20 das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht zum Sieg führt;
Beide Stellen können Zuversicht wecken, sagen aber gleichzeitig, dass es ein Prozess der Besserung ist, bis die Stabilität und die innere Kraft wieder aufgebaut sind (in den Worten Treue und im zweiten Vers das Wort bis). Jesus geht die ganze Zeit mit und wirkt mit.
Im Praktischen, da schließe ich mich den Aussagen von Nela an: nicht zu fröhlicher Lobpreismusik zwingen, denn das verursacht zusätzlichen Schmerz. Und wenn in deinem Umfeld jemand ist, der mit Händeauflegen begleitend für Heilung mit dir betet: Kein Handauflegen auf den Kopf. Der Druck wird üblicherweise als sehr bedrängend empfunden und schließt die Empfangsbereitschaft für ein Wirken Jesu in dem Moment. Paulus war auch mindestens einmal an dem Punkt, dass er sterben wollte.... so wie sie ihm zugesetzt hatten... Niemand hat ihn dafür verurteilt. Hundemann hat da auch gute Worte zu.
Jesus ermutigt, mit ihm alles anzugehen.... Schritt für Schritt.... und mit fachlicher Unterstützung.
@caffita Diese Glaubenssätze, man muss als Christ immer happy, immer positiv, immer perfekt drauf sein sind m.M. nach absolut nicht tragbar.
Wir sind & bleiben Menschen, mit allem, was dazu gehört...
Auch mit allen "schwachen" & verletzlichen Seiten...
Und man sollte sich bitte nie etwas anderes einreden lassen.
Nachtrag zu den Depressionen: Das ist eh nochmal ein anderes Thema. Depressionen sind eine Krankheit.
Warum sollten Menschen nicht krank werden können/dürfen.
Deine beiden posts hier haben mir eine Vorlage geliefert zu einer neuen Frage, nachdem Depression als Krankheit anerkannt ist:
Warum dürfen Menschen nicht zu besserer Gesundheit, zu besserem Wohlbefinden kommen dürfen?
Dafür macht man doch Therapie, Seelsorge und medikamentöse Unterstützung.
Warum dürfen Menschen nicht zu besserer Gesundheit, zu besserem Wohlbefinden kommen dürfen?
Dürfen sie, aber nicht mit der Brechstange!
Da bin ich ganz deiner Meinung. Der Bericht von Nela beschreibt sehr gut, welchen Schaden eine "Brechstange" der einen Seite anrichtet. Es gibt genauso die andere Seite....
Ich habe beide Extrempunkte erlebt.... und knacke da noch dran.
Volle Zustimmung! Depressionen wegedrücken zu wollen, verschlimmert alles. Ich bin bipolar, und habe immer wieder Tiefphasen. Sobald mir bewusst wird, dass ich unbewusst dagegen ankämpfe und damit aufhöre, ist die Talsohle überschritten und es geht wieder bergauf. Es gibt ja inzwischen den Ausdruck "Toxische Positivität". SVor 30 Jahren bin ich auch darauf hereingefallen. Eine Kollegin hatte mir dann das Buch "Positiv Denken macht krank" empfohlen. Nach der Lektüre ist mir eine zentnerschwere Last von den Schultern gefallen. Ich habe jetzt eine andere Art von positivem Denken: ich versuche immer das Gute im Schlimmen zu finden.
liebe Mariposa 22,
ja es stimmt, aus jeder Depression darf man etwas lernen. Das siehst du aber erst nach der Phase der
Depression. Leben ist Lernen. Mir wurde durch meine Depression immer mehr bewusster, das der Sinn
meines Lebens nicht meine Leistung für Gott ist, sondern meine Beziehung. Das Glücklichsein meiner
Seele. Meine erste Sorge sollte nicht den Gedanken gelten, wie viel ich im Dienst für Gott geben kann,
wie viel Anerkennung und Wertschätzung ich dafür bekomme, sondern wie ich meine Seele mit
Gottes Liebe füllen kann. Wenn ich zufrieden bin, glücklich und erfüllt, habe ich weniger Beziehungsprobleme
mit mir selbst und anderen Menschen. Dann können mich Menschen auch mal gern haben, oder nicht.
Je mehr ich von der Liebe Gottes verstehe, begreife, was ER sagt. Je mehr ich Gottes liebevolles
Vaterherz kennen lernen darf, desto mehr darf ich Gott auch genießen.
Auch wenn ich manchmal denke, wenn Gott soviel Macht hätte, müsste Er doch auch mehr für
Menschen mit Depression tun......
Aber Gottes Macht erweist sich, das ER schwach wird. ER kennt das Leid, ER hat es selbst durchlebt,
bis an das bittere Ende. Gott ist da, auch wo kein Mensch mehr folgen möchte.
Und geht mit uns bis in den Tod. Und ER hebt uns selbst nach dem Tod wieder raus..............
ja es stimmt, aus jeder Depression darf man etwas lernen.
Interessant, dass du DARF schreibst. Ich sehe die Möglichkeiten, die sich sogar aus der leidvollen Erfahrung einer Depression ergeben, als Angebot Gottes an. Und wenn ich sie erkenne, KANN ich was lernen, zum Teil lerne ich was draus, ob ich will oder nicht. Daher verwirrt mich dein DARF etwas.
Manchmal lerne ich ganz profane und praktische Dinge in der Depression, wie ich im Alltag damit klar komme, z.B.. Manchmal sind es aber grundlegende Lerneinheiten, die Einfluss auf meine Persönlichkeit haben.
Generell gilt für mich: was einen nicht umbringt, macht einen stärker.
liebe Mariposa,
Danke für deine Antwort. Wenn ich schreibe, ich darf etwas lernen, nehme ich da für mich den
"Druck raus." Ich muss.....................................................................................................
Weil ich den Druck in meiner Depression kenne. Das andere Menschen und auch ich selbst, mehr
erwarten als ich kann. Worte haben Macht. Manchmal reicht eine kleine Äußerung, um unser
Selbstbild negativ zu beeinflussen. Wenn du schon von Kind auf mehr negative Worte, wie positive
Worte über dich hören musstest. Negative Worte, Bilder, setzen sich in unserem Unterbewusstsein
fest. Deshalb sind gerade mehr Menschen traurig, so viele negative Worte aus den Medien,
Nachrichten, Kriegsbilder.....................................................................................
Wie anders klingen die Worte die uns unser liebevoller Vater zu uns spricht. Sie sind ermutigend,
aufbauend, voll Verständnis und Wertschätzung. Wir dürfen sie als Wahrheit aufnehmen, die
uns gilt, den verinnerlichten Lügen unseres Lebens entgegen setzen, "du kannst nichts, du
bist nichts, zu nichts fähig.........
Aber das ist ein Prozess, geht nicht von heute auf morgen. Das hat Seine Zeit, braucht Seine
Zeit.........
Deshalb finde ich es hilfreich, negativen Stimmen in uns, immer wieder Gottes leben spendende
Worte entgegen zu setzen. Wie, du bist kostbar, wertvoll, schön in Gottes Augen, Gott schenkt
uns alles was wir zum Leben brauchen, ER schenkt uns immer wieder Seine Kraft der Liebe,
Wertschätzung und Annahme, ER sorgt sich um uns.
Aber auch kritische Worte in Liebe gesagt, von Gott, anderen Menschen tun uns gut.
"Was mich noch umbringt, macht uns nur noch stärker" ist auch ein gutes Wort.
Aber das würde ich jetzt nie zu einem Menschen sagen, der mitten in einer schweren
Depression steckt. Ein gutes Wort, zur rechten Zeit.....................................
Oder einfach nur mal Quatsch machen und lachten, über die dümmsten Dinge,
kann auch mal helfen..................
liebe Grüße,
@caffita Depression und Glaube schließen sich nicht gegenseitig aus. Viele große Persönlichkeiten der Kirchengeschichte, wie Martin Luther oder Mutter Teresa, kämpften mit Depressionen. Gott verspricht uns kein sorgenfreies Leben, sondern seine Begleitung in allen Lebenslagen. Jesus selbst erlebte Momente tiefer Traurigkeit und Verzweiflung. Ihr Glaube kann Ihnen Kraft und Hoffnung geben, aber er ist kein Allheilmittel gegen psychische Erkrankungen. Suchen Sie sich professionelle Hilfe und betrachten Sie dies als Teil Ihres Weges mit Gott. Ihre Depression macht Sie nicht zu einem schlechteren Christen. Gott liebt Sie bedingungslos, in guten wie in schweren Zeiten.
@amateurlektor Vielen lieben Dank! Ich habe Hilfe gesucht und bekommen. Empfehle ich auch anderen Betroffenen.