Der Glaube - zwischen Sollen, Können & Wollen
Ich lese gerade das Buch "Prüft alles, behaltet das Gute" von Georg Schwikart (Freiburg i.B., 2015), in dem er sich mit Glaubenspluralismus, "Synkretismus" und den Fundamenten/Verbindlichkeiten des eigenen christlichen Glaubens in der Begegnung mit anderen Weltanschauungen & Religionen beschäftigt.
Im Zusammenhang mit dem Konzil von Nizäa (325), wo es vor allem um die Frage der göttlichen/menschlichen Natur Christi ging und um das Verhältnis des Sohnes zum Vater, schreibt er." In Mehrheitsbeschlüssen, manchmal nach leidenschaftlichen Debatten und auch durch manipulative Versammlungsleitung hebeigeführt" kam es zu Konzilsentscheidungen, die als "geoffenbarte Wahrheit des Glaubens" fortan zu gelten hatte und "unter Kämpfen, Intrigen und unzähligen Spaltungen" entwickelte sich in dieser frühen Kirchenzeit (nach der Konstantinischen Wende, in der das Christentum zur einzig erlaubten Religion im Römischen Reich wurde) das Dogma von den zwei Naturen Christi (wahrer Gott-wahrer Mensch) und das sog. Trinitäts-Dogma ... "Es waren Antwortversuche, die dem Glauben an den EINEN Gott treu bleiben und sich gleichzeitig der hellenistischen Philosophie öffnen wollten." --- Soviel zum Kontext.
In diesem Zusammenhang stellt sich bis heute wohl - im Blick auf Bibel, Dogmengeschichte, Kirchenlehre, Glaubensstreitigkeiten, Theologie und die vielen Konfessionen - eine spannende Frage, nämlich die nach dem, was wir bzw. was Menschen (damals wie heute und über die Zeit) glauben SOLLEN, glauben KÖNNEN und glauben WOLLEN.
Mit dem einfachen Rückgriff auf die Schrift, die Bibel als "Gottes Wort", oder dem bloßen Verweis auf 1. Korinther 3,11 ("Einen anderen Grund kann niemand legen ...") ist es eben nicht getan, wie es ja auch Jesus.de als Kommunikationsforum unter Christinnen und Christen nicht ohne Spannungen wiederspiegelt. Und erst recht stellt sich die Frage in unserer Zeit und "post-christlichen" Gesellschaft, wo Traditionsabbrüche, der Wegfall von "Zuchtmitteln" (Ketzer werden nicht mehr verbrannt), Globalisierung, Religionsvielfalt, Autoritätsverfall und Individualismus das Spannungsfeld "Sollen - Können - Wollen" als solches "spannend" machen 😉
Menschen leuchtet es nicht mehr einfach ein, wenn sie - und sei es noch so freundlich mit der Ergänzung "dürfen" - vor der Aufforderung oder Einladung stehen, etwas glauben ZU SOLLEN, was ihnen als "Glaubensbekenntnis" vorgegeben begegnet oder gar gefordert wird.
Menschen sagen - und das nicht als faule Ausrede - ich KANN es NICHT glauben (was mir als Glaubensangebot inhaltlich begegnet).
Und Menschen nehmen sich die Freiheit - durchaus mit Argumenten - zu sagen: Ich WILL es nicht glauben - weil andere Weltanschauungen, Erfahrungen, Einsichten und Erkenntnisse mich vom WOLLEN abhalten.
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Was meint Ihr zu dieser Trias von "Sollen-Können-Wollen"?
Ich denke die Gewichtung und Deutung dieser drei Aspekte macht die Glaubensfrage lebendig, spannend und bunt. Und sie ist mir eine Threaderöffnung wert.
L'Chaim
das Dogma von den zwei Naturen Christi (wahrer Gott-wahrer Mensch) und das sog. Trinitäts-Dogma .
Was lässt sich dazu in der Schrift finden?
a) zwei Naturen: menschliche Mutter und göttlicher Vater (Überschattung durch den Heiligen Geist). Kann ein natürlicher Mensch auf dem Wasser laufen?
b) Trinität: wo werden alle drei Personen in Verbindung erwähnt?
> bei der Taufe Jesu: Jesus taucht aus dem Wasser auf, der Heilige Geist kommt in sichtbarer Gestalt auf ihn, der Vater spricht hörbar;
> bei den Aufgaben des Heiligen Geistes: Joh 16, 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.
Joh 16, 7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.