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Ewigkeit wahrnehmen

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Seidenlaubenvogel
Themenstarter
Beiträge : 2172

Hallo liebe alle,

Ewigkeit ist für mich ganz offensichtlich bereits jetzt; aber auch etwas, auf das wir zugehen und wo im weiteren langfristig alles ganz anders sein wird.

Was habt ihr für Vorstellungen von Ewigkeit - jetzt wie langfristig?
Welche Aussagen der Bibel begleiten euch dabei?

Ich freue mich auf eure Eindrücke und Austausch.

LG von Seidenlaubenvogel

Antwort
40 Antworten
Lucan-7
Beiträge : 27355

@seidenlaubenvogel 

Wir hatten das Thema hier ja schon mal vor nicht allzu langer Zeit... ich finde es sehr schwer, mir da irgendwas Sinnvolles vorzustellen, auch und gerade dann, wenn ich davon ausgehe, dass mit "Ewigkeit" nicht einfach nur "mathematische Unendlichkeit" gemeint ist, sondern noch etwas Anderes.

Aber selbst wenn man sich da etwas Konkretes vorstellen kann, ist die nächste Schwierigkeit, das ganze dann auch noch in verständliche Worte zu fassen.

Ich will damit nicht sagen, dass das Thema sinnlos wäre - ganz im Gegenteil begrüße ich es ja immer sehr, wenn solche Begriffe wie "Ewigkeit" mal genauer erläutert werden, damit es nicht einfach nur leere Phrasen sind... aber ich denke, dass das schon eine ziemliche Herausforderung ist, auch für Gläubige, die ständig von diesen Dingen reden. 

Ich bin mal gespannt 😉 

lucan-7 antworten
27 Antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2172

@lucan-7 

 

Wir hatten das Thema hier ja schon mal vor nicht allzu langer Zeit...

Oha, das war wohl auch von mir initiiert - ich vergaß. Mir ist das Thema nur letzte Woche und heute begegnet. Da dachte ich, nimm es auch hier mit hinein.

 

seidenlaubenvogel antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 12 Monaten

Beiträge : 389

@seidenlaubenvogel 
Ewigkeit für alle verständlich zu definieren ist nicht leicht, eine Ewigkeit zu beschreiben, in der ich vielleicht eines Tages leben (?) bzw. sein (?) "darf"/ "soll"/ "muss" oder einfach "werde" erscheint mir noch schwerer. 

So kann und will ich mir gar nicht mit meinem heutigen Wissen und Verständnis vorstellen, ob "ewiges Leben" überhaupt  erstrebenswert ist, denn es könnte ja "ewige Langeweile und Eintönigkeit" bedeuten. 
Am ehesten mag ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass Ewigkeit bzw. Ewiges Leben für die Betroffenen schlicht und einfach ein Leben "im Hier und Jetzt" bedeutet, wo der Moment der entscheidende Faktor ist, die Vergangenheit keine Rolle spielt und die Zukunft keine Probleme bietet. 

Aber das sind sehr persönliche Überlegungen, zutreffend für diesen Moment - und morgen werde ich vielleicht ganz anders darüber denken.

bepe0905 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@bepe0905 

"dass Ewigkeit bzw. Ewiges Leben für die Betroffenen schlicht und einfach ein Leben "im Hier und Jetzt" bedeutet, wo der Moment der entscheidende Faktor ist, die Vergangenheit keine Rolle spielt und die Zukunft keine Probleme bietet"

Gute Idee.

queequeg antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 12 Monaten

Beiträge : 389

@queequeg 
Tja.... mit zunehmendem Alter kommt man manchmal zu solchen "philosophischen Überlegungen"  🧐  😉  😇

bepe0905 antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2172

@bepe0905 

dass Ewigkeit bzw. Ewiges Leben für die Betroffenen schlicht und einfach ein Leben "im Hier und Jetzt" bedeutet, wo der Moment der entscheidende Faktor ist, die Vergangenheit keine Rolle spielt und die Zukunft keine Probleme bietet. 

Schön formuliert. Und spiegelt auch wieder, dass für die Ewigkeit das „Wie“ entscheidender ist als das „Was“. Vielleicht werden wir sie alle auch individuell anders erleben… 

 

 

seidenlaubenvogel antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3510
Veröffentlicht von: @seidenlaubenvogel

Vielleicht werden wir sie alle auch individuell anders erleben…  

Davon geh ich aus. 
Das fängt ja mit der dann zu hörenden Musik an - was für den Einen wunderbare Klänge sind, ist für den Anderen Ohrenqual. 
Und Straßen aus Gold sind in meiner Vorstellung auch ein bissel zu viel Prunk ... 
Wichtiger als 'was' und 'wie' ist für mich 'DASS'.

chai antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2172

@chai Und vom „dass“ bin ich überzeugt. Das erlebe ich ja bereits jetzt. 

seidenlaubenvogel antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2172

Ja, hier hatte ich das schon mal angestoßen. Danke für die Erinnerung, @lucan-7.

seidenlaubenvogel antworten
Herbert52
(@herbert)
Beigetreten : Vor 9 Monaten

Beiträge : 158

@lucan-7

Aber selbst wenn man sich da etwas Konkretes vorstellen kann, ist die nächste Schwierigkeit, das ganze dann auch noch in verständliche Worte zu fassen.

Ich glaube das Verstehen von Ewigkeit ist ein längerer Prozess, bei dem Worte nur bedingt helfen. Ein erste Schritt ist sich die Frage zu beantworten, ob es überhaupt ein Leben nach dem Tod gibt. Wenn man diese Frage mit ´Ja`  beantwortet und dann auch für sich die Konsequenzen daraus zieht, dann hat man einen ersten Schritt zum Verstehen getan.

Was könnten Konsequenzen aus einer Bejahung sein? Für mich konkret, dass ich in der Bewertung aktueller Lebenssituationen und Überlegungen meinen Zeithorizont ändere. D.h. in bestimmten Entscheidungen nicht nur daran denke, was aus jetziger Sicht sinnvoll wäre sondern frage, wohin bringt mich dieses oder jenes in Bezug auf das Leben nach dem Tod.  

herbert antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27355

@herbert 

Ein erste Schritt ist sich die Frage zu beantworten, ob es überhaupt ein Leben nach dem Tod gibt. Wenn man diese Frage mit ´Ja`  beantwortet und dann auch für sich die Konsequenzen daraus zieht, dann hat man einen ersten Schritt zum Verstehen getan.

Ich glaube nicht, dass es da etwas zu "verstehen" gibt... es geht hier doch wohl eher um Sehnsucht, Wünsche und Fantasie...

 

lucan-7 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@lucan-7 

"es geht hier doch wohl eher um Sehnsucht, Wünsche und Fantasie..."

Das denke ich ja auch. Aber dass es hier eine Fülle irrationaler Vorstellungen gibt, beweist ja nicht, dass es manches davon nicht doch gibt.

queequeg antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@herbert 

"in bestimmten Entscheidungen nicht nur daran denke, was aus jetziger Sicht sinnvoll wäre sondern frage, wohin bringt mich dieses oder jenes in Bezug auf das Leben nach dem Tod."

Ich habe heute Abend von einer Frau gehört, die seit vielen Jahren gläubig ist und insbesondere glaubt, dass es ein "Leben nach dem Tod" gibt, in das Gott jeden Gläubigen einlädt. Gleichzeitig glaubt sie aber auch mit großer Angst, dass Gott sie später nicht ins Himmelreich lässt, weil sie in ihrem Leben gezeigt hat, dass sie dessen nicht Wert ist - vor allem, weil sie einige moralisch fragwürdige getan hatte.

Jedem anderen mit solchen Problemen sagt sie mit Überzeugung, dass doch Jesus genau dafür gestorben ist und der Mensch deshalb keine Angst haben müsste, aber für sich selbst lässt sie das nicht gelten.

Nach allem, was ich von ihr weiß, hat sie eine klassische Angstneurose, die psychoanalytisch hätte behandelt werden müssten. Aber stattdessen hat sie Hilfe bei etlichen Menschen anderer Gemeinden gesucht, die ihr so ziemliche alle genau das gesagt hatten, was sie selbst auch anderen gesagt hätte. Das Ergebnis war Null.

Nun ist sie über 80, hat immer noch die gleiche Angst wie seit Jahren und kann jetzt nicht mehr therapiert werden. Und keiner der früheren Ratgeber hat sie auf die Notwendigkeit einer Therapie hingewiesen.

queequeg antworten
Herbert52
(@herbert)
Beigetreten : Vor 9 Monaten

Beiträge : 158

@queequeg 

Angstneurose kann sein .... Ich denke, dass sie ein Opfer des falsch verstandenen Christentums ist, dass die beiden große Kirchen seit 2000 /600 Jahre erzeugen.

Allein schon die Vorstellung, dass das Himmelreich ein Ort ist, vor dem Petrus als Wächter steht selektiert .... zeigt, die Spuren des falschen Christentums. Um zu verstehen, was die Frau umtreibt kann es vielleich helfen mal in einem Katechismus von 1900 oder früher zu lesen. Da kann man die Quellen der Angstneurose entdecken.

herbert antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@herbert 

Der Katholik Frielingsdorf hat zu dem Thema "krankmachende Gottesbilder" einige lesenswerte Bücher geschrieben.

queequeg antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2172

@queequeg 

Hmm, da ist sicher etwas schief gelaufen. Das kann aber auch damit zu tun haben, wie die Frau sich geäußert hat - also inwieweit ihre Angst für den anderen präsent war. Bist du der Ansicht, dass alles therapiert werden kann? Also, kannst du garantieren, dass bei ihr Therapie Erfolg gehabt hätte? Und warum ist das mit über 80 Jahre nicht mehr möglich?

Dein Beispiel ist ein trauriges Beispiel, wie sich eine Vorstellung von Ewigkeit verstörend auf die Gegenwart ausüben kann. Und es zeigt auf, wie wichtig es ist, dass wir, wenn wir helfen, immer im Blick haben sollten, wie weit (insbesondere auch wie wenig weit) unsere Unterstützung reicht und wie wichtig es ist, gegebenenfalls auf weitere/ andere Spezialisten zu verweisen. Insgesamt gesehen hat sich an der Stelle aber doch viel getan, dachte ich.

Siehst du an der Stelle (Einbeziehung von Psychiatrie/ Psychotherapie) generell nicht eine Verbesserung - also dass es normaler wird, fachliche Angebote in Anspruch zu nehmen?

seidenlaubenvogel antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@seidenlaubenvogel 

Dass da etwas schief gelaufen ist, kann man so sagen. Aber das verharmlost den Sachverhalt dann doch etwas. Solche Ereignisse sind mir nicht selten begegnet -nicht nur bei über 80-Jährigen und nicht nur vor Jahrzehnten. Das Problem ist, dass die „Berater“ überwiegend meinen, mit der richtigen Auswahl biblischer Sprüche oder Vorstellungen etwas verändern zu können. Dabei ist meine Erfahrung, dass derjenige, der um Hilfe bitte, alle die Sätze und Vorstellungen längst selbst kennt. Auch die Frau in meinem Beispiel hatte so etwas ja jedem gesagt, der danach gefragt hat.

Natürlich kann ich nicht garantieren, dass jede Therapie erfolgreich ist. Das ist bei seelischen Krankheiten nicht anders als bei körperlichen.

Eine psychoanalytisch orientiert Psychotherapie - wovon ich ausgehe - sollte nicht lange nach dem 60. Lebensjahr durchgeführt werden, weil sie doch relativ belastend sein kann und man das dem Klienten nicht zumuten kann und will. Darüber hinaus ändert sie ziemlich im Leben des Menschen und man kann davon ausgehen, dass ein alter Mensch überhaupt nicht dazu in der Lage ist. Versucht man es trotzdem, wird die Therapie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit scheitern und dem Menschen geht es schlechter als zuvor.

Sicher hat sich gegenüber z.B. den 70-er Jahren viel getan - jedenfalls bei der evangelischen Kirche. Was die freien Gemeinden angeht, bin ich da nicht so sicher.

Aber klar, eine Einbeziehung von Psychiatrie/Psychotherapie wäre eigentlich fast immer sinnvoll.

queequeg antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2172

@queequeg 

Verharmlosen wollte ich mit meiner Wortwahl nichts. Und - was du beschreibst, kann ich alles nachvollziehen. Danke für die Erläuterungen. Nur - ergänzen muss ich leider auch, dass Vertreter von Psychotherapie/ Psychiatrie leider auch in Verhalten/ Behandlung gut daneben liegen können. Auch das gilt für alle Fachbereiche… Wir sind alle nur Menschen. Da gehört Fehlbehandlung und auch Versagen leider teils dazu. Nur verheerend ist es, wenn sich das massiv auf Leben/ Gesundheit auswirkt. Aufklärung und Bewusstsein, dass es für psychische Krankheiten Fachleute gibt, ist das eine - das andere ist dann aber auch die Kompetenz der Fachleute…

Natürlich kann ich nicht garantieren, dass jede Therapie erfolgreich ist. Das ist bei seelischen Krankheiten nicht anders als bei körperlichen.

Bei psychischen Krankheiten scheint mir nur das persönliche Zusammenspiel von Patient und Therapeuten entscheidender als bei körperlichen Krankheiten - also wie man sich öffnet, aufeinander einlässt, ... Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass Psychologen/ Psychiater auch über das hinweghören, was ich geäußert habe oder Schwerpunkte gewählt haben, die nicht Teil meiner Problematik waren. Sprich, wenn Spezialisten nicht in der Lage sind angemessen zu reagieren, dann darf man es Seelsorgern/ kirchlichen Laien zugestehen, dass sie die Brisanz/ Dramatik evtl. nicht  erkennen.

Ein anderer Punkt ist, wenn per se ausgeschlossen wird, dass es für psychische Krankheiten (medizinische) Fachleute gibt. Das sehe ich aber in mir bekannten Gemeinden nicht so.

Für die Frau, die du beschrieben hast, tut mir ihr Erleben sehr leid. Mit Angstneurosen kenne ich mich nicht aus. Ist es dann so, dass diese Angst nicht stets präsent ist? Oder anders gefragt, wie äußert sich solche Angst im Alltag? Warum frage ich? … wenn jemand selbst nicht in der Lage ist, sich fachliche Hilfe zu holen - wie/ woran kann ein Umfeld erkennen, das dies nötig ist? Und - ich vermute leider fast, dass es eben nicht Ignoranz war sondern, dass das Ausmaß des Leids für die „kirchliche Begleitung“ nicht erkennbar war.

seidenlaubenvogel antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@seidenlaubenvogel 

"Vertreter von Psychotherapie/ Psychiatrie leider auch in Verhalten/ Behandlung gut daneben liegen können"

Leider ist das so - Psychotherapeuten sind halt auch Menschen, von denen einige Fehler machen und andere völlig ungeeignet für ihren Beruf sind. Ich könnte Lieder im Kanon davon singen. Aber ich denke, dass die meisten gut und hilfreich sind. Mich wundert nur manchmal, wie lange mancher bei einem offenbar unkompetenten Therapeuten ausgehalten hat.

"Bei psychischen Krankheiten scheint mir nur das persönliche Zusammenspiel von Patient und Therapeuten entscheidender als bei körperlichen Krankheiten"

Ob das hier entscheidender ist, will ich nicht beurteilen, aber es der Dreh- und Angelpunkt überhaupt. Entscheidend, hilfreich und gesund machend ist nicht irgendeine Methode sondern die therapeutische Beziehung, die beide einzugehen imstande sind.

Psychische Krankheiten zu erkennen ist nicht immer leicht. Die haben haben ja nicht etwas Ungewöhnliches an sich, was sie sofort von anderen unterscheidet. Bei psychisch Kranken ist eigentlich alles ganz normal, bis auf die Tatsache, das irgendein Anteil ihrer seelischen Möglichkeiten auf die Anforderungen des Lebens übermäßig oder zu wenig ausgeprägt ist.

Bei einer Angstneurose ist es verhältnismäßig einfach, weil die Angst so elementar gespürt wird, dass sie fast den ganzen Tag in jeder Situation erlebt und auch geäußert wird.

 

 

queequeg antworten
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 1368

@queequeg 

Mich wundert nur manchmal, wie lange mancher bei einem offenbar unkompetenten Therapeuten ausgehalten hat.

Mich wundert es eher weniger.

Wenn man es erstmal geschafft hat, alle Hürden zu überwinden und tatsächlich einen Therapeuten mit freien Terminen gefunden hat, der auch erreichbar ist und man dazu selbst noch so gestrickt ist, dass man sich ständig in Frage stellt bzw. sich allein die Schuld gibt für alles mögliche, einen geringen Selbstwert hat, den Therapeuten als jemanden sieht, der „das“ Wissen hat im Gegensatz zu einem selbst, harrt man eher aus, hält aus. Man möchte ja gesund werden, will diesmal durchhalten, will vertrauen.

 

ga2 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@ga2 

Ja, so wird es wohl sein. Und das ist natürlich vor allem bei dem Klientel eines Therapeuten, das ja ohnehin schon große Schwierigkeiten hat, sein Leben so auf die Reihe zu kriegen, dass es Freude macht.

queequeg antworten
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 1368

@queequeg 

Ich würde dich als Fachmann gerne mal fragen, ob es auch möglich ist, dass ein Therapeut, der selber Probleme hat, auf den Patienten überträgt oder ob ein bestimmtes Verhalten der Versuch sein kann, eine Übertragung beim Klienten auszulösen?

ga2 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@ga2 

Das ist eine schwierige Frage, weil die Beantwortung viel von den Grundlagen seelischen Geschehens und dem therapeutischen Umgang damit voraussetzt. Ich will versuchen, es möglichst kurz zu machen.

Jeder Mensch hat so ziemlich alle Ereignisse seines Lebens und seine emotionalen Antworten - oder Fragen - darauf gespeichert. Und zwar an einem Ort bzw. in Art von neuronalen Verbindungen im Hirn, die selbsttätig wirksam werden und nicht willentlich abgerufen werden können.

Zu den wichtigsten Verknüpfungen gehören seit frühester Kindheit die Beziehungen zu Personen, besonders natürlich den Eltern. An jeden Menschen, dem man später begegnet, legt man als Maßstab das an, was man früher lebt hat. Je nach damaliger und heutiger Konstellation der Umstände des Erlebens, sind die Wirkungen heute mehr oder weniger gravierend.

Mit anderen Worten: Im therapeutischen Prozess "überträgt" der Patient eine Fülle von Erwartungen an den Therapeuten. Hatte er einen abweisenden, unverständigen Vater, wird er im Therapeuten auch so einen Menschen vermuten und wenn das nicht offensichtlich der Fall ist, danach oder seine Ablehnung provozieren.

Das Therapeutische in einer Behandlung liegt nun darin, dass der Therapeut diese Rolle nicht übernimmt oder sozusagen mit ihr arbeitet. Was natürlich voraussetzt, dass er sie erkennt. Insofern kann dann auch durchaus mal provozierend sein, wenn sich der Patient aus lauter Angst vor dessen Reaktionen überhaupt nicht aus seinem Schneckenhaus wagt.

Der Patient merkt von dem ganzen Manöver nichts, außer einer unerklärlichen Angst und meint, die Therapie geht schief. Das tut sie aber gerade nicht.

Das gleiche Problem ergibt sich aber auch in umgekehrter Richtung. Der Therapeut hat ja auch allerhand erlebt, auch natürlich Frustrationen. Und die, bzw. seine Gefühle, die er damals hatte, leben ja auch noch in ihm. Also überträgt er sie auf den Patienten und erwartet, ohne es zu wissen, von Patienten, dass der sich der Übertragung gemäß verhält.

Aus diesem Grund müssen tiefenpsychologisch ausgebildete Therapeuten eine ziemlich intensive eigene Behandlung durchmachen, bevor sie selbst behandeln dürfen. Und sie müssen sich immer wieder fragen, was in der Therapie gerade abläuft.

Abgesehen davon kann natürlich auch ein Therapeut Probleme haben, die er selbst ebenso wenig behandeln kann, wie seine Patienten.

queequeg antworten
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 1368

@queequeg 

Ok, danke.

Ist es weise, wenn ein Therapeut beim ersten Gespräch seinem Patienten, der versucht, seine  komplizierte Familiengeschichte halbwegs stringent darzulegen (weil er selbst Schwierigkeiten hat, da durchzublicken und darin Ursachen sieht, die er zwar nicht genau versteht, das aber lösen möchte), am Ende sagt, für ihn klinge dieser Patient wie ein verwöhntes kleines Kind?

Provoziert dieser Therapeut da? Gleich beim ersten Termin? Ist das nicht ein großes Risiko, wenn man das bei jemandem macht, der das erste Mal da ist? 

Woher will er wissen, dass so ein Verhalten nicht unüberschaubare Reaktionen auslöst? 

Oder hat der Therapeut da selbst übertragen?

Im Patienten hatte dieses Verhalten damals enorme Wut ausgelöst, weil er sich komplett verarscht vorkam, das mit dieser „Einschätzung“ war wohl nur der krönende Abschluss. Und ich kann ihn gut verstehen. Es gab anscheinend auch merkwürdige Fragen, zu seinem Familienstand.

Ich hörte nur, dass dieser Mensch sich auf dem Heimweg mit dem Auto gerade noch so zusammen reißen konnte, nicht vor Wut irgendwo gegen zu fahren.  

Gut fand er allerdings später, dass er überhaupt wieder etwas stark fühlte. Er ging auch noch zum nächsten Termin, auch weil er nicht sofort aufgeben wollte. Allerdings kam es danach seitens des Therapeuten zu keinen weiteren Termine und der Patient bekam ein dreiviertel Jahr später seitens der Praxis nur eine Liste mit zugelassenen Therapeuten, um sich jemand neues zu suchen.

Er hatte dann versucht, einen neuen Therapeuten zu finden, dabei dann so Sachen erlebt, dass man bei einem immer nur im Zeitraum zwischen zehn vor und der vollen Stunde jemanden ans Telefon zwecks Terminvereinbarung kriegen konnte, man keine neuen Patienten aufnahm oder die Praxen dermaßen abseits von öffentlichen Verkehrsmitteln lagen, dass man ein Auto oder zuverlässige Fahrdienste brauchte.

Ich frage mich immer, wie jemand, der schon kaum Energie für die einfachsten alltäglichen Angelegenheiten hat, alleine auf Therapeutensuche gehen soll? Häufig sind solche Menschen dann ja auch isoliert, was Unterstützung durch andere angeht. 
Obwohl das inzwischen etwas besser läuft, was die Unterstützung angeht. Da geben Fachärzte in unserer Region inzwischen wenigstens Flyer für Selbsthilfevereine mit. Ich denke, dass das als Anlaufstelle hilfreich sein kann.

 

ga2 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@ga2 

„Ist es weise, wenn ein Therapeut beim ersten Gespräch seinem Patienten, …, am Ende sagt, für ihn klinge dieser Patient wie ein verwöhntes kleines Kind?“

Psychotherapie hat nicht wie andere medizinischen Disziplinen einen Werkzeugkoffer, in dem definierte Werkzeuge samt Gebrauchsanleitung liegen. Wen ein Patient oder einer Patientin mit einem Problem „A“ zu ihm kommt, dann hat er nicht 2 oder 3 Lösungen dafür, wie ein Arzt, zu dem jemand mit einem Beinbruch kommt, sondern „a1“ bis „ax“ Lösungen.

Insofern ist Psychotherapie auch kein „Handwerk“, sondern „Kunst“. Tatsächlich ist das Gefühl des Therapeuten gegenüber dem Patienten viel entscheidender als sein Gedanken, die er sich macht. Die braucht er allerdings zur Kontrolle der Gefühle.

Auf den ersten Blick erscheint die Reaktion des Therapeuten arg daneben. Aber wir wissen nicht, was er  damit auslösen wollte oder ob damit irgendeinem Ärger Luft machen wollte.

Ich kann für mich nur sagen, dass ich so nicht reagieren würde. Eine ähnliche Situation habe ich mit einem Patienten erlebt, der sofort, als er ins Zimmer kam, noch bevor ich etwas sagen konnte, meinte, er käme nur, weil seit Jahren Schmerzen in der Wirbelsäule und die Orthopäden und Chirurgen nicht wüssten, was er hat und ihn zur mir geschickt hätte, er aber von „Rumwursteln in der Vergangenheit“ nichts hielte.

Ich hab ihm gesagt, dass er von mir aus ja nicht kommen müsste, er aber ein Stunden ausprobieren könnte, wie es ging. Wenn er dann doch einen Sinn darin sähe, könnten wir weiter machen, sonst dann eben beenden.

Es lief dann so, dass er 3 Jahre Therapie gemacht hat, wobei schon nach dem ersten Vierteljahr von Schmerzen keine Rede mehr war.

Hätte ich ihm anfangs gesagt, dass seine Beschwerden auch Ausdruck seelischer Unstimmigkeiten sein können, wäre er sicher nicht geblieben.

Es ist ganz schlecht, wenn ein Therapeut meint, etwas, was den Patienten betrifft, besser zu wissen. Das führt fast immer zur Abwehr. Eine meiner Patientinnen kam von einer anderen Therapeutin, weil sie es da nicht mehr ausgehalten hat. Die Therapeutin hatte ihr nach wenigen Stunden gesagt, dass sie als Kind missbraucht worden sei. Sie hatte das verneint, weil es so etwas nicht gab. In der nächsten Stunde war das wieder Thema und sie sagte wieder, dass es so etwas in ihrer Kindheit nicht gab. Daraufhin ist die Therapeutin wütend aufgestanden, hat mit dem Fuß auf den Boden gestampft und gesagt, „sie sind doch missbraucht worden“. Dazu kann es kommen, wenn ein Therapeut meint, schlauer zu sein als der Patient.

queequeg antworten
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 1368

@queequeg 

Danke nochmal, werde das mal bei Gelegenheit so weitergeben. Meine persönliche Meinung als Laie war, dass ein Therapeut wenigstens bei den ersten Gesprächen etwas vorsichtiger und beobachtender sein sollte. 

Von einer „ähnlichen“ Situation mit dem Thema Missbrauch habe ich auch schon mal gehört.
Eine junge Frau hatte s. Gewalt im Bekanntenkreis erfahren und die Therapeutin versuchte ihr einzureden, sie hätte bereits zuhause Missbrauch erfahren. Was definitiv nicht so war. Allerdings hatte ihre Mutter früher solche Erfahrungen, diese aber ziemlich gut verarbeitet. Die Therapeutin hatte die Familie direkt bezichtigt und nicht davon abgelassen und damit nicht nur der jungen Frau geschadet, wenn auch ihr am meisten. Die Gewalterfahrung im Bekanntenkreis konnte sie dort nicht verarbeiten, leider. 

ga2 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3510

@ga2 Ich muss ehrlich sagen, dass ich dieser Zunft recht skeptisch gegenüberstehe. 
Eben weil ich (als Begleitung) auch schon solche 'Ungeschicklichkeiten' beobachten konnte. 
Da wurden bei den ersten Begegnungen schon Behauptungen in den Raum gestellt, die am Ende einfach Fehldiagnosen waren - eben weil man das, was letztendlich die Ursache war, erstmal ausgeschlossen hat.

chai antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7419

@ga2 

So etwas gibt es leider und nicht selten ist es eine Odyssee, bis man überhaupt einen Therapeuten gefunden hat. Und wenn der oder die so gestrickt ist wie in den Beispielen, ist es umso schlimmer.

Es entschuldigt nichts, kann aber vielleicht etwas erklären: Ich habe oben schon gesagt, dass natürlich auch jeder therapeutische Mensch seine Erfahrungen mit in die Therapie nimmt und die dann auf den Patienten überträgt. Er versucht dann, diese - z.B. Traumatisierungen - stellvertretend durch den Patienten bei sich zu heilen. 

Um so etwas zu verhindern, muss jeder - tiefenpsychologische - Therapeut eine mindestens 3-jährige Ausbildung machen, zu der vor allem jede Menge Selbsterfahrung und eine eigene 3-jährige analytische Therapie gehört.

 

queequeg antworten


Mariposa22
Beiträge : 1157

@seidenlaubenvogel 

 

Ich habe gerade keine direkte Antwort auf die Frage, wie ich mir die Ewigkeit vorstelle, aber mir fällt zu dem Thema folgendes ein:

Es gibt ja diesen Spruch, dass man so leben sollte, als wäre es der letzte Tag im Leben. Ich kann damit gar nichts anfangen. Ich finde, man sollte so leben, als hätte man noch die ganze Ewigkeit vor sich. Das macht mehr Sinn, denn es nimmt Druck raus, was erreichen zu müssen und man hat alle Zeit der Welt, sich mit sich selbst so ins Reine zu kommen, dass man es in Ewigkeit mit sich aushalten kann.

mariposa22 antworten
2 Antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 245

@mariposa22 

man hat alle Zeit der Welt, sich mit sich selbst so ins Reine zu kommen, dass man es in Ewigkeit mit sich aushalten kann.

Darum gehts. Ich weiß nicht mehr wo, aber vor einigen Jahren hab ich das gelesen. Die Welt ist nicht unser Zuhause, wir sind hier um uns für das Leben in der Ewigkeit danach vorbereiten zu können. Das finde ich sehr spannend-

samira-jessica antworten
Blackhole
(@blackhole)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1255

@samira-jessica Das mag für die Menschen ein Trost gewesen sein, die früher unter den damals ganz schlechten Lebensbedingungen litten. Jetzt um die Jahreszeit hatten die Leute alle Hunger, weil die Wintervorräte leer waren, und es bis zur nächsten Ernte noch ewig dauerte. Und ständig starben die Kinder an lächerlichen Infektionen.
Ich kann damit nichts anfangen. Ich freue mich lieber, erstmal hier zu sein. Ich möchte hier noch einiges erleben und sehen und wenn möglich das eine oder andere positive bewirken.

blackhole antworten
Blackhole
Beiträge : 1255

@seidenlaubenvogel Ganz ehrlich?
Keine konkreten. Ich habe ein schlechtes Zeitgefühl, jedenfalls für lange Zeiträume. Ich tu mich schon schwer, Zeiträume länger als 14 Tage einzuschätzen. Daß ich Ende Mai in Urlaub fahren will, fällt mir gerantiert wieder eine Woche vorher ein.

Ein bischen fürchte ich mich sogar vor der Ewigkeit, weil ich Langeweile befürchte.

Aber im Prinzip habe ich Vertrauen in die Fairness Gottes, d.h. daß Er einen Platz für alle dort hat, die im großen und ganzen anständig waren, also keine schweren Verbrecher.
Wir sind alle keine Engel und Heiligen, die eine oder andere Sünde begehen wir alle.
Die wenigsten Menschen sind aber wirklich verdorben.

Ich bin mal gespannt, was Gott für mich vorgesehen hat. Aber vertrauend auf Seine Fairness und der Tatsache, daß ich keinen Völkermord begangen habe, kein Entwicklungsland zugrundegerichtet habe und nur als ich keine andere Wahl hatte in der Öl- und Gas-Branche gearbeitet habe, wird es nichts sein, was ich nicht ertragen könnte.

blackhole antworten
1 Antwort
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 2172

@blackhole 

Langeweile in Ewigkeit bei Gott, der unsere Welt und uns so vielfältig geschaffen hat - unwahrscheinlich. Was das Zeitgefühl anbelangt - ich gehe davon aus, dass es das nicht mehr so gibt, wie wir es hier erleben.

 

seidenlaubenvogel antworten


Herbert52
Beiträge : 158

Ich möchte allen einen herzlichen Ostergruß senden und mich mit euch freuen, dass Jesus auferstanden ist.

Wir allen haben und diskutieren hier viele Fragen, auf die wir keine definitive Antwort erhalten. Auch wenn es manchmal unbefriedigend ist, so ist es doch gut und richtig es tun. Eine ´Antwort` auf alle Fragen ist in gewisserweise die Auferstehung Jesu`, die zumindest eines klar macht, dass der physische Tod nicht das Ende des Lebens ist. Was uns danach erwartet? Dass, was uns erwartet, muss in irgendeiner Weise in Beziehung mit dem jetzigen Leben stehen, weil dieses sonst unsinnig erscheint. Der Unterschied zu hier ist, dass man die Fragen und Interessen aus seinem Leben Diesseits mit ins Jenseits nimmt und unter hoffentlich bessere Bedingung an einer befriedigende Antwort  arbeit kann. Daher: was immer auch sein wird. Es ist auf keinen Fall langweilig.

Frohe Ostern

herbert antworten
Ihsan
 Ihsan
Beiträge : 61

@seidenlaubenvogel die Zeit ist etwas göttliches, darum können wir es nicht ganz erfassen.

ihsan antworten


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