(Nicht) Können und/oder Wollen?
Ich poste es mal hier in der Rubrik "Authentisch Christsein" ...
Seit Langem beschäftigt mich - im Blick auf den Glauben, aber auch im Blick auf unser Menschsein und auf unser menschliches Miteinander grundsätzlich - die Frage nach dem "Wollen" und dem "Können".
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"Ich kann das nicht!, sagt Jemand --- und hört: "Du willst es ja gar nicht! Und Du könntest, wenn Du wolltest!"
"Ich will es nicht!", sagt eine Stimme --- und die Antwort? "Aber Du könntest es ... und dann würdest Du etwas Wunderbares/Gutes erfahren!"
"Ich will es so sehr! ... Aber ich kann es einfach nicht!", sagt Jemand --- und tatsächlich und ehrlich gelingt es ihm/ihr nicht.
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Hinter diesem Widerstreit von (Nicht-) Wollen & Können stecken wohl viele Fragen:
Wie groß oder oder wie gering sind unsere Kompetenzen und unsere Grenzen? Wie selbst-bestimmt sind wir tatsächlich (nicht)? Wie sehr oder wie wenig sind wir "Herr/Frau im eigenen Haus" oder werden durch sovieles (auch unbewusst) gesteuert und gelenkt (wie Freud & Co es ja thematisiert haben)?
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Philipper 2,13 heißt es ja: "Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen." --- Und jedesmal denke ich: Mag sein, hier und da, aber faktisch und allgemeingültig kann es als Ansage nicht verstanden werden. Denn es ist wohl viel komplizierter mit dem Wollen und Vollbringen (Können) in unserem Menschsein und auch in unserem Glauben.
"Herr, schenk mir das Wollen & Vollbringen!" ... ? ... Das setzt ja schon ein eigenes Wollen voraus, oder? 😉
Was meint Ihr?
L'Chaim
Veröffentlicht von: @stern…es ist dann immer noch mein Wille, ich will nämlich dann das übergeordnete Ziel, das meinem primären Willen gegenläufig ist…
Genau. Vermutlich meinst Du mit "primärem Willen" jene Impulse, die über uns kommen wie über Tiere.
Darin: Impulskontrolle über uns selbst, d.h. über unse Verhalten zu gewinnen, besteht übrigens m.A.n. das Projekt der Zivilisation.
Es ist eine Mischung aus beidem. Tagtägliche Entscheidungen sind frei und ermöglichen es, Menschen für ihre Handlungen zur Rechenschaft zu ziehen. Moralisches Handeln ist nur in Freiheit möglich. Die andere Beobachtung betrifft die Unfreiheit unserer Entscheidungen, die unsere grundsätzliche Lebensrichtung betreffen. In diesem Bereich sind wir oft nicht frei. Viele Menschen würden behaupten, Einsichten oder Erkenntnisse gehabt zu haben, die ihrem Leben eine Richtung gaben. Hier gibt es selten eine freie Entscheidung. Hinter meine Erkenntnis Gottes, der in Jesus Christus Mensch wurde, kann ich nicht zurück.
Veröffentlicht von: @sternJa, wie Awhler schon sagte: Gott schenkt das Wollen UND das Vollbringen.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…
Was meinst du eigentlich dazu, Awhler?
Also dazu, dass Gott beides schenkt.
Dass das eigene Wollen ausreichend sein muss?
Zunächst: Ich habe den Anschluss und Überblick der Postings hier nicht parat, sorry 😉
Grundsätzlich war/ist mein Ausgangsposting skeptisch gemeint - d.h. das Zueinander von Wollen und Vollbringen bleibt für mich, auch von Gott her gedacht, kompliziert, wie ich ja geschrieben habe.
Wenn Gott grundsätzlich auch das "Wollen" (in uns Menschen) vollbringt (schafft, bewirkt, auslöst) - woher kommt dann der Unwille (eines Menschen) bzw. muss der Mensch nicht "wollen", dass Gott das "Wollen" in ihm schafft? Da wird's irgendwie unstimmig und absurd.
Und wenn man sagt: "Ich muss das Heil wollen" (sprich den Schritt einer Bekehrung und Heilsannahme) - was ist dann mit Menschen, die es nicht wollen? Warumwieso "vollbringt" Gott in diesen Menschen (die laut evangelikaler Heilslehre dann "ewig verloren gehen") nicht das "Wollen" in ihnen?
Und wenn ich als Christ ehrlich und von Herzen Gott in allem gehorchen, seine Gebote halten, das Böse in mir überwinden will (also den eigenen oder von Gott bewirkten Willen habe) - es aber NICHT schaffe, das auch tatsächlich zu leben und zu tun ... was heißt dann, dass Gott doch das "Vollbringen" schafft, was ja faktisch immer wieder nicht der Fall ist.
Ja, es kann sein, dass Gott in bestimmten Dingen hier und da das "Wollen und Vollbringen" schafft und man sagt: "Ja, dafür bin ich dankbar! Das rechne ich Gott zu! Das durfte ich so erfahren!" --- ABER als grundsätzlich,allgemein erfahrbare Aussage, die ich hören soll oder anderen zuspreche, kann ich es nicht bestätigen.
Ich muss schon etwas selber wollen. Was aber, wenn nicht?
L'Chaim
@awhler Der Satz, dass das 'Wollen' zum 'Vollbringen' führt, hat mich auch schon stolpern lassen.
Es gibt Dinge, da erkennt man eine Notwendigkeit - manchmal kommt auch ein kleines bisschen 'Wollen' dazu, aber irgendwie kriegt man's halt trotzdem nicht vollbracht. Und bei anderen sieht's u.U. so 'einfach' aus.
Wenn Gott grundsätzlich auch das "Wollen" (in uns Menschen) vollbringt (schafft, bewirkt, auslöst) - woher kommt dann der Unwille (eines Menschen) bzw. muss der Mensch nicht "wollen", dass Gott das "Wollen" in ihm schafft?
Ich denke schon, dass der Mensch wollen muss, dass Gott ihn verändert.
Bei Jesus lese ich immer wieder, dass er die Menschen gefragt hat: Was willst du, dass ich dir tue? Ich denke, man muss wissen, was man will, in welche Richtung es gehen soll..
Und wenn du Jesus als Herrn hast, dann musst/ willst/sollst du ja alles so machen, wie er es vorgeschlagen hat. Und ist so manches dabei, was einem schwerfallen dürfte…
Ich muss schon etwas selber wollen. Was aber, wenn nicht?
Wenn du selber willst und versuchst es auch immer wieder - weil du weisst, dass Jesus diesbezüglich ein Gebot abgegeben hat- dann zählt auch ein gescheiterter Versuch, oder?
Wenn du machen willst was dein Herr sagt, aber zu schwach dazu bist, müsstest du ja rein theoretisch annehmen, dass die dir gegebene Last zu schwer ist…aber das glaube ich nicht. Also liegt der Gedanke nahe, dass ein anderer Wille noch mit ihm Spiel ist, nämlich deiner, der etwas anderes will. Da willst du also nicht das, was Jesus will.
In so einem Fall hilft nur, sich zu entscheiden: welcher Wille soll gelten? Meiner oder Jesus‘?
Und wenn du Jesus als Herrn hast, dann musst/ willst/sollst du ja alles so machen, wie er es vorgeschlagen hat. Und ist so manches dabei, was einem schwerfallen dürfte…
Hier würde ich das musst und sollst weglassen, weil man ja freiwillig, aus sich heraus, Jesus annimmt, und das auch so gewollt ist, glaube ich.
Wenn du machen willst was dein Herr sagt, aber zu schwach dazu bist, müsstest du ja rein theoretisch annehmen, dass die dir gegebene Last zu schwer ist…aber das glaube ich nicht. Also liegt der Gedanke nahe, dass ein anderer Wille noch mit ihm Spiel ist, nämlich deiner, der etwas anderes will. Da willst du also nicht das, was Jesus will.
In 1. Kor. 10;13 steht, dass Gott uns nichts aufbürdet, das unsere Kräfte übersteigt. Und Psalm 55;22 sagt, dass er unsere Last tragen wird, wenn wir sie an ihn abgeben.
Oh, ich hätte nicht nur den ersten Satz lesen sollen xD
Hm, ja ich denke auch, dass dann ein anderer Wille, meiner oder der eines anderen, den guten Gottes oder Jesus´(noch) stärker ist.
Ich hab die interessante Erfahrung gemacht, dass diese "eigenen, 'falschen'" mit der Zeit verschwinden,... bei mir durch Einsicht, das das, was ich ursprünglich wollte, mich langsfristig zerstört hätte.
Ich hab die interessante Erfahrung gemacht, dass diese "eigenen, 'falschen'" mit der Zeit verschwinden,... bei mir durch Einsicht, das das, was ich ursprünglich wollte, mich langsfristig zerstört hätte.
Das kann ich nachvollziehen.
Aber nicht immer hilft die Einsicht, manchmal will man trotzdem noch das „falsche“ oder das „eigene“ und es ist ein Ringen zwischen dem was man weiss und dem was man will… zB bei mir: obwohl ich überzeugt bin, dass Gottes Wille immer besser ist als meiner und ich verstehe (wenn ich die Bibel lese) dass Gott Scheidung hasst und Jesus auch nicht will, dass einen Frau ihren Mann verlässt. Und wenn doch (weil sie es untragbar findet) dann soll sie alleine bleiben. Ich weiss also, was Gottes Wille ist (denn es steht ja da und ich glaube es auch, also für mich ergibt das Sinn, nicht nur für früher und damals sondern auch für heute), aber ich will es nicht immer . Eigentlich würde ich manchmal auch lieber machen, was ich will…ich tue es nur nicht, weil ich Jesus als Herrn habe.
Veröffentlicht von: @samira-jessicaIch hab die mal recherchiert, es gibt ja innere und äußere, und beide kann man sehr wohl verändern, sodass sie einen nicht mehr bestimmen:
Äußere Einflüsse:
Von äußeren Faktoren kann man sich weitgehend lösen. Man kann Grenzen setzen, Erwartungen zurückweisen, Rollen verlassen, Situationen verändern. Äußere Determination ist formbar, weil sie außerhalb von dir liegt.
Innere Einflüsse:
Von inneren Faktoren kann man sich ebenfalls lösen – durch Bewusstwerden, Durchdringung (hindurchgehen) und Umstrukturierung.
Automatismen, Prägungen, emotionale Reflexe und alte Muster verlieren ihre Macht, wenn du sie erkennst, neu bewertest und anders regulierst. Biologische und tiefe emotionale Grundlagen bleiben, aber sie können integriert und transformiert werden.
Nichts ist starr festgelegt und bestimmt, man kann (und sollte, imho) sich davon lösen.
Mir ist was aufgefallen, ich hab die körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen vergessen?
Daran hab ich nicht gedacht, weil - um mal beim beruflichen zu bleiben - für mich im Grunde möglich wäre, was ich will (simple Buchhaltung), wenn nicht der "innere - mein eigener" Fakter der Langsamkeit und schnelleren Erschöpfung sowie Trauma wäre sowie der äußere Unwille, Geduld mit mir zu haben. Aber wenn ich jetzt unbedingt eine körperliche Arbeit machen wollen würde, könnte ich es trotzdem nicht.
Oder - frage ich mich hier gerade - wäre das auch eine Frage der Unterstützung von außen? Privat sieht man, dass es MmB ... ka ... z.B. möglich gemacht werden kann zu laufen, mit entsprechender Hilfe und Hilfsmitteln, die ansonsten von sich aus nur im Rollstuhl sitzen können.
Ich erlaube mir mal einen neuen Strang dazu zu machen, weils untergangen ist, ich es aber nicht uninteressant in dem Kontext finde.
@awhler In Römer 7,19 schreibt der Apostel Paulus "Wenn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." C.S. Lews schrieb sinngemäß in einem seiner Bücher, dass die Besonderheit unserer Spezies ist, dass wir uns ständig moralische Richtlinien geben, an die wir uns am Ende nicht halten. Ich freue mich schon auf die reichhaltigen Vorsätze für das nächste Jahr. Die Fitnessstudios werden am Anfang des Jahres wieder voll werden. "Ich kann nichts von mir selbst tun; so wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat." (Joh 5,30).
Kommt halt darauf an wie unseren νοῦς (Verstand) funktioniert. Ich habe hier mal das griechische Wort benutzt, weil ich mal die Antike Vorstellung hier etwas reflektieren möchte.
Schopenhauer hat ja bereits geschrieben: "Der Mensch kann zwar tun, was er will. Er kann aber nicht wollen, was er will."
Schopenhauer ist damit eigentlich ganz auf der Linie antiker Vorstellungen. Der Mensch generiert keinen Gedanken oder Willen in sich, sondern er empfängt diesen. Das Gehirn ist quasi ein Sinnesorgan, dass Gedanken wahrnimmt, genauso wie das Auge einfach nur Sinneseindrücke wahrnimmt aber nicht selber generiert. Der Mensch ist dabei schlicht der Empfänger von daimonischen Gedanken (Achtung nicht Dämonischen) je nachdem welchem Daimon (zum Beispiel der Muse) man sich verschreibt, empfängt man die entsprechenden Gedanken. Adolf Schlatter hatte zwar eine andere Vorstellung aber seine Aussage passt auch in dieses Modell.
Zitat sinngemäss. "Der Mensch kann nun Menschliches Wollen hervorbringen erst, wenn der Geist Gottes in einem Menschen wirkt ein Geistliches Wollen hinzu. So hat der Mensch nun zwei Wollungen in sich, das menschliche und das Geistliche. Es liegt am Menschen sich zu entscheiden."
Wenn wir unseren Verstand als Empfänger geistlicher Inspiration verstehen, dann wird es klar, dass wir zwar keinen Einfluss darauf haben, was wir Empfangen, aber wir haben einen Einfluss darauf worauf wir uns konzentrieren. Genauso wenig wie das Auge einen Einfluss darauf hat, was es sieht, aber einen Einfluss darauf hat in welche Richtung es schaut. Nach dieser Vorstellung hat Schopenhauer recht, wir können nicht wollen was wir wollen, aber nach dieser Vorstellung können wir uns auf ein anderes Wollen ausrichten. Die Geister dieser Welt präsentieren ihr Wollen wörtlich und im übertragenen Sinne, auf grossen leuchtenden und blickenden Bildschirmen die unsere Aufmerksamkeit binden. Das Wollen Gottes ist die leise und unaufdringlich. Um sein Wollen wahrzunehmen, müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf gezielt und bewusst auf dieses richten.
Auch wenn ich Probleme mit diesem Modell habe ist die daraus resultierende Applikation doch durchaus sinnvoll. In der Orthodoxie wird dies unter anderem durch Hesychasmus angestrebt. Die Konzentration auf einen Gedanken, wodurch der Krawall anderer Gedanken verstummt. Man muss nicht gleich in Kloster gehen und Hesychast werden (diese Mönchsbewegung hat ja auch sehr skurriles hervorgebracht), aber der zu grundlegende Mechanismus, dass man sich durch systematische Meditation offen für den Willen Gottes macht sollte mMn. Bestandteil eines jeden christlichen Lebens sein.
Wenn sich der göttliche Wille nämlich erst einmal festgesetzt und Wurzeln geschlagen hat, dann wird auch das Vollbringen folgen.