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(Sind) Gedanken *sind* Frei!(?)

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Arcangel
Themenstarter
Beiträge : 6387

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Denken. Dabei sind einige Fragen aufgelaufen. Woher kommen Gedanken? Sind sie ein biochemischer Prozess meines Gehirns oder steckt da mehr dahinter? Sind alle meine Gedanken, die ich denke von mir oder gibt es da Externen Input? Wie beobachte ich meine Gedanken? Wie beeinflusse ich Meine Gedanken? 

Ein deterministischer naturalistischer Ansatz führt in dieser Frage zwangsläufig dazu das wir schuldunfähig sind, und das ein Gott, der uns für unser Verhalten zur Rechenschaft zieht, ein herzloser Tyrann ist, der diese Welt zum Scheitern verurteilt geschaffen hat. 

Selbstredend das dies nicht meine Ansicht ist. Diese Sicht möchte deshalb aus dieser Diskussion ausblenden, da diese Konversation für nicht im Geringsten als gewinnbringend erachte. 

Ich bin eher an der Diskussion über das antike Verständnis, welches auch heute noch die orthodoxe Theologie, Liturgie und monastische Praxis prägt. 

Grob zusammengefasst, ist unser Hirn ein Sinnesorgan, welches Gedanken "empfängt", das, was das 'ich' ausmacht, ist dabei nicht die Summe der Gedanken, sondern etwas, dass auf diese Gedanken reagiert. Dies Spiegelt sich im antiken Konzept des Daimon wieder welcher Inspiration und Wissen gibt. Dieser Gedanken ist mir erst vor Kurzen in dem Film Die Poesie des Unendlichen (Originaltitel: The Man Who Knew Infinity) begegnet dort macht Srinivasa Ramanujan einige bemerkenswerte Aussagen:

S. Ramanujan: Don't you see? An equation has no meaning to me... unless it expresses a thought of God. 

S. Ramanujan: You wanted to know how I get my ideas. God speaks to me. They appear in my thoughts, sometimes I wake up with them. 

S. Ramanujan: Verstehst du denn nicht? Eine Gleichung hat für mich keine Bedeutung … es sei denn, sie drückt einen Gedanken Gottes aus.

S. Ramanujan: Du wolltest wissen, wie ich auf meine Ideen komme. Gott spricht zu mir. Sie tauchen in meinen Gedanken auf, manchmal wache ich mit ihnen auf.

Aussagen die sein atheistischer Mentor natürlich nicht akzeptieren kann. (Der Film beruht auf einer wahren Geschichte und ist durchaus sehenswert) 

Aber zurück zum Denken, unser Verstand ist demnach empfänglich für Wissen, welches von Göttern kommt. Gedanken sind demnach etwas das wir beobachten akzeptieren oder verwerfen können. Dieses antike Verständnis liegt wohl auch vor, wenn Paulus sowas hier schreibt. 

2.Kor 10,4-5 Die Waffen, die wir bei unserem Feldzug einsetzen, sind nicht irdisch, aber sie haben durch Gott die Macht, Festungen zu schleifen; mit ihnen reißen wir alle hohen Gedankengebäude nieder, die sich gegen die Erkenntnis Gottes auftürmen. Wir nehmen alles Denken gefangen, sodass es Christus gehorcht;

In der orthodoxen Theologie gibt es das Konzept, das ein Gläubiger nicht den Gedanken ausgeliefert ist, sondern das jeder lernen kann Gedanken bei Seite zu legen, und anderen Gedanken Raum zu geben. Eben weil Gedanken wahrgenommen werden und nicht (zwingend) teil der eigenen Persönlichkeit sind. Dabei wird der Gläubige ermutigt seine eigenen Gedanken zu beobachten und zu beurteilen. Etwas was ja auch in anderen Religionen praktiziert wird. Die Kulmination dieses theologischen Gedanken findet sich im Jesusgebet wieder, welches dann in den Hesychasmus mündet. Es ist die meditative Fokussierung der Gedanken und das Füllen der einzelnen Wörter mit den Herzensanliegen. 

Herr Jesus Christus, erbarme dich unser
Herr Jesus Christus, erbarme dich seiner
Herr Jesus Christus, erbarme dich ihrer
Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner

Mit einem Atemzug zwischen jedem Wort. Ich mag daran das es sowohl Führgebet, Meditation als auch persönliche Begegnung mit dem Herrn in einem ist. Wie man die Pronomen füllt oder welche man Verwendet ist jedem selber überlassen.  

Aber dies ist nur ein Beispiel dafür wie aus diesem antiken Verständnis eine Glaubenspraxis wurde. 

Zum Schluss noch ein Zitat, dem ich begegnet bin. 

Gedanken können das Problem des Denkens nicht lösen, da sie der Ursache des Problems sind. 

Die eigenen Gedanken beobachten und gefangen nehmen. Oder wie ein Philosoph schrieb.

Lass dich nicht von denen Gedanken verarschen. 

Habt ihr euch damit schon mal beschäftigt? Was praktiziert ihr? 

Antwort
35 Antworten
Stern
 Stern
Beiträge : 3209

@arcangel 

Die Gedanken empfinde ich als einen Teil meiner Persönlichkeit, genauso wie meine Gefühle. Auch wenn nichts davon dauerhaft ist, so bezieht es sich doch auf das „ich“, mit dem ich mich zurechtfinde. Selbst wenn es „nur“ biochemische Prozess sind, so bilden sie doch ua die Grundlage für meine Handlungen und sind -vor allem-veränderbar und beeinflussbar.

Wie, das weiss ich nicht, aber ich habe festgestellt, dass es zwei Modi gibt:

Dauerschleife, also laufen auf bekannten Bahnen (darauf bezieht sich wohl der Spruch, dass Probleme nicht durch das Denken gelöst werden können, durch die das Problem erst entstanden ist)

oder

„offenes Denken“.

In diesem Modus verlässt man seine gewohnten Gedanken, lässt sie bewusst ruhen, um eben etwas neues denken zu können. Das ist für mich der Punkt, an dem ich mich auf Gott einlasse und mich auch darauf verlasse, dass ich aus dem Geist Gottes neue Impulse bekomme. Weil ich zB vorher darum gebeten habe. 

Ja, das war jetzt mal so die Kurzversion…mit der aber eigentlich auch alles diesbezüglich schon grob gesagt ist.
 

 

 

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