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Subjektiv>< Objektiv?

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AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 1150

Kommunikation - zumal in einem Internet-Forum, wo man sich nicht persönlich kennt, aber sich u.U. schnell ein Bild von Jemandem macht und ihn ggf. in eine Schublade steckt - ist wohl kein einfach Ding.

Ich bin nicht frei davon, Ihr seid es nicht ... und schnell verhakt und ent-zweit es sich.

Interessant, wer wem oder wer wem nicht einen Response gibt und welche Koalitionen in Angriff und Verteidigung sich bilden und ggf. auch verfestigen.

So habe ich die letzten Tage manchen Strang hier verfolgt ("Universalismus", "Nicht-Christen verloren?") und auch die Vorwürfe gelesen, wer was wo bei wem "stehenlassen" soll oder wo es legitim, richtig und gut ist, zu widersprechen und dagegen zu halten.

Ich selbst bin ja in den vergangenen Wochen und Monaten ein Teil von diesem "Hin & Her" geworden und habe mich munter beteiligt ...

Die Frage, die mir nun doch kommt, ist die nach dem Verhältnis von Subjektivität und Objektivität. Und damit will ich jetzt keine große und spitzfindige Diskussion über die Begriffe - sondern ich meine damit; dass beide "Ebenen" hier ständig verwechselt werden bzw. die Verhältnissetzung unklar ist.

Konkret: Jemand postet etwas, was ihm wichtig ist und er teilen möchte (so wie ich es eben auch tue) - nun kann der Andere damit übereinstimmen oder anderer Meinung sein (und natürlich auch indifferent sein oder es nicht von Interesse finden). Soweit, so gut. Schwierig wird es, wenn das "Subjektive" den Anspruch erhebt, "mehr" zu sein und damit Grund gegeben scheint, dem Anderen von einem (vermeintlich) "objektiven" Standpunkt aus widersprechen, ihn korrigieren, ja auch ihn belehren zu müssen im Sinne einer "Rechtgläubigkeit".

Besonders schwierig wird es dadurch, dass es dem/derjenigen, der sich berufen fühlt zum Widerspruch, zum Korrigieren und zur Belehrung ja (im Selbstverständnis und in der Selbstwahrnehmung) gar nicht um den eigenen Standpunkt, die eigene Meinung und Selbstbehauptung geht, sondern um Statements, die sich auf "Gott selbst" berufen --- allerdings mit der Überzeugung, das rechte, richtige, einzige und normative Verständnis der Bibel zu vertreten ... Das es aber tatsächlich NICHT gibt, wie die Konfessionen, Erfahrungen, theologischen Sichtweisen und  Interpretationen (von Anfang an und durch die Zeiten) zeigen.

Wenn wir (auch ich !) also unsere Subjektivität mehr im Blick haben, es konseqenter & bescheidener  als eigene Ansicht (ohne weiteren Anspruch) rüberbringen und auf allzuviel "objektive Behauptungen" verzichten, wäre manches einfacher.

Was meint ihr?

L'Chaim

Antwort
43 Antworten
Lucan-7
Beiträge : 26928

@awhler 

Was meint ihr?

Spontan würde ich sagen, dass es gar keine "objektive" Bibelinterpretation gibt...

Wie weit würdest du denn bezüglich "objektiver" Aussagen gehen? Das, was unstrittig in den überlieferten Originaltexten steht (Also die einzelnen Worte) dürfte wohl "objektiv" sein.

Aber schon bei der Übersetzung geht es ja los... wo willst du da die Grenze setzen?

lucan-7 antworten


Deborah71
Beiträge : 27234

@awhler 

Jeder von uns hier hat seine eigene Geschichte im Hintergrund, die wir nicht wirklich kennen und die der andere für sich selbst vllt nicht in der Tiefe kennt. 

Da treffen dann objektive Sachaussagen (immer noch Stückwerk)  auf emotionale Inhalte und die äußere Reaktion wird evtl. unverständlich. 

Oder,  eine subjektive Erfahrung, die sich immer wieder bewahrheitet hat, wird zur faktischen Gewissheit, die ein anderer so nicht nachvollziehen kann, weil er auf einem anderen Weg-, Wachstums- und Heilungsabschnitt unterwegs ist. 

Und die eingeschränkten Ausdrucksmöglichkeiten, d.h. die fehlende Körpersprache bringt ihre eigenen Schwierigkeiten in der schriftlichen Kommunikation mit sich. Das können auch die Smileys nicht völlig ausgleichen. 

Da hilft wohl Geduld, Nachfragen, Tempo senken,  mal die Tastatur oder das Tablett umdrehen......  durchatmen. 

deborah71 antworten
1 Antwort
hundemann
(@hundemann)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 236

und da finde ich gegenseitige Annahme und Wertschätzung, Gebet für den anderen Menschen,

ganz arg wichtig. Mehr Brücken bauen, und weniger Mauern. 

Oft geht es mir persönlich so, das ich immer recht haben möchte. Das ich meinen Glauben

verteidigen muss, es mir gar nicht mehr so um Gott geht, sondern um meine eigene Ehre.

Ich kann nicht die ganze Welt retten, aber ich kann durch Christus ein Beispiel

Seiner Liebe sein. Die Welt eines anderen Menschen heller machen, durch ein Lächeln,

ein Kompliment, eine Wertschätzung, eine Tasse virtuellen Kaffee.......................

Klingt jetzt vielleicht etwas blumig, kitschig, aber dafür beten, gute Worte zu finden,

den richtigen Ton.......

Natürlich hat Christus in Seinen Beziehungen oft knallhart reagiert. Aber oft gegen

die Pharisäer und Schriftgelehrten, die zu frommen.......die alles besser wussten.

Nein, Diskussion ist wichtig, aber auch Diskussion mit Wertschätzung.

Weil Menschen einen anderen Lebenshintergrund haben, unterschiedliche Lebensgeschichten....

 Versuchen zu verstehen, warum ein Mensch so denkt, handelt, reagiert, schreibt.....

Oft komme ich da selbst an meine Grenzen, und halte mich dann lieber zurück.......

Weil mein Reden, oft auch nur Stückwerk ist...

 

liebe Grüße, von dir darf ich viel lernen, gerade was die Bibelauslegung betrifft, Danke!

hundemann antworten
NeuesLeben
Beiträge : 147

Was ein schöner Faden, danke! Ich selbst habe gestern erkennen müssen dass ich in einem Faden viel zu subjektiv geworden bin. Ich habe Aussagen überzogen gelesen und andere Ansichten als Affront gesehen. Im Nachhinein fühle ich mich wirklich affig. Weil ich so gar nicht sein will. Ich habe mich da verrannt. Den Austausch als Ventil genommen. Das tut mir leid. Ich möchte mich wieder auf Verständigung hier besinnen. Wir interpretieren die Bibel oft anders und sie muss interpretiert werden. Ich will mich dabei in mehr Demut und Respekt üben

seramis1 antworten
3 Antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 18326

@seramis1 

Ineressant. Als Ventil wofür?

neubaugoere antworten
NeuesLeben
(@seramis1)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 147

@neubaugoere das möchte ich nicht hier diskutieren.

seramis1 antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 4050

@seramis1 

Den Austausch als Ventil genommen.

Finde ich nicht per se schlecht. Es kann ja auch was produktives bei herauskommen, wenn man sich in ein Thema hereinsteigert, um sich von einem anderen abzulenken.

lg Tatokala

tatokala antworten


neubaugoere
Beiträge : 18326
Veröffentlicht von: @awhler

und schnell verhakt und ent-zweit es sich.

Ja, und Ent-Zweiung ist nicht in Gottes Sinne. Also gilt für uns alle: Augen auf! 🙂 Und mal zurücktreten, Luft holen ...

neubaugoere antworten
Herbert52
Beiträge : 140

@awhler

Ich finde prima, dass Du dieses Thema anspricht. Ich teile deine Beobachtungen. Der Aspekt Subjektivität versus Objektivität und den verwechselten „Ebenen" schein mir weniger das eigentliche Problem, sondern die Auswirkung des zweiten – das mit der ´Berufung` zu sein.

Ich erlebe das Problem so, etwas wird ausgesagt und behauptet, aber keine bzw. keine nachvollziehbare Begründung angeführt. Dadurch entsteht ein dogmatischer Beigeschmack, der nicht gerade den Austausch fördert. Das sind für mich die Situationen von denen Du schreibst: Besonders schwierig wird es dadurch, dass es dem/derjenigen, der sich berufen fühlt zum Widerspruch, zum Korrigieren und zur Belehrung ja (im Selbstverständnis und in der Selbstwahrnehmung) gar nicht um den eigenen Standpunkt, sondern um Statements, die sich auf "Gott selbst" berufen --- allerdings mit der Überzeugung, das rechte, richtige, einzige und normative Verständnis der Bibel zu vertreten ... Das es aber tatsächlich NICHT gibt, wie die Konfessionen, Erfahrungen, theologischen Sichtweisen und  Interpretationen (von Anfang an und durch die Zeiten) zeigen.

 

Darin sind ja zwei Behauptungen enthalten, die genau das Problem wiederspiegeln:

  1. Sie vertreten keinen eigenen Standpunkt sondern geben Statements Was ist der Unterschied? In Deinem Text scheint mir >Statements< negativ konnotiert zu >Standpunkt<. Wenn man es eng auslegt, kann man vermuten, dass ein Statement mit weniger Authentizität vorgetragen wird als ein eigener Standpunkt und daher erstere weniger wahrhaftig erscheint,

Ich glaube, so mancher Diskutant befinden sich deshalb in einer Zwickmühle. Er will einerseits authentisch seinen Glaubensstandpunkt bekunden, anderseits soll dieser auch einen Anspruch auf allgemeingültige Wahrheit erfüllen, weil er dass, was er sagt, auch für wahr hält. Oft ist es ja so: jemand glaubt bzw. hat sich ggf. mühsam zu einem Glauben / Standpunkt durchgearbeitet und hält nun emotional, vielleicht sogar ängstlich, daran fest. Das ist verständlich. Ich finde daher die Haltung von @hundemann wegweisend, der erst mal von gegenseitiger Annahme und Wertschätzung, Gebet für den anderen Menschen etc. ausgeht, der sich und anderen zugesteht, den eigenen Glauben verteidigen zu wollen. Dabei weist er auf einen zentralen Punkt hin: Christus [hat] in Seinen Beziehungen oft knallhart reagiert. Aber oft gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten, .......die alles besser wussten.

(Nb.):Ich glaube nicht, dass Jesus der Herr etwas dagegen hätte, wenn jemand etwas besser wüsste als ER.) Das Problem war, dass israelitische Tempelelite teilweise Falsches gelehrt und ihre Position selbstsüchtig missbraucht haben. Jesus der Herr hat klipp und klar gemacht, wenn jemand Gottes Wort für egoistische Zwecke missbraucht, kann er niemals gerecht und wahr das Wort Gotte vertreten, auch wenn er richtiges sagt. Warum nicht? Weil die Wahrheit der Offenbarung in den Taten zu sehen ist, die aus dem Erkannten folgen.

  1. Sich auf Gott selbst berufen und zwar mit der Haltung des rechten, richtige, einzige und normative Verständnisse ist ein völlig erwartbares und auch akzeptable Verhalten im Kontext von jesus.de.

Deine Feststellung das es diesen (eine richtige Auslegung ) aber tatsächlich NICHT gibt, wie die Konfessionen, Erfahrungen, theologischen Sichtweisen und  Interpretationen (von Anfang an und durch die Zeiten) zeigen, trifft die Problemlage nicht ganz. Man müsste deutlich machen, dass verschiedene Sichtweisen und Interpretationen nicht zugleich Beliebigkeit bedeuten. Die Auflösung der Differenz zwischen Vielfalt und Beliebigkeit liegt in den verschiedenen Verstehensebenen, die der Bibel als Offenbarungswort inhärent sind. Also wenn zwei Leser Unterschiedliches aus einem Text entnehmen, muss das eine nicht notwendig falsch sein, auch wenn das andere zuvor als richtig erkannt wurde. Der Hintergrund für Deine Beobachtung sind 2000 Jahre religiöse Sozialisation, autoritäre Gedankenmuster und Führung. Diese Effekte lassen sich nicht so einfach auslöschen (siehe z.B. die Polemik von Ratzinger gegen den Relativismus).

Alle drei großen Buchreligionen haben autoritäre Tendenz entwickelt und ihren Anhängern vermittelt: Mit der Wahrheit Gottes ist nicht zu spaßen, dass ist eine toternste Sache. Daher: Schlagt die Feinde des Wortes, wo ihr sie trefft. Jeder der glaubt, glaubt ja fest daran, dass es die Wahrheit ist, die er glaubt. Dass ist dem Glauben immanent. Das eigentliche Problem ist also nicht das Glauben und die möglicherweise doktrinale Art der Bekundung, sondern die zugrundliegende biblisch – theologische Wahrheitsauffassung (im Unterschied zur philosophischen oder wissenschaftlichen).

Also:

Sich auf Gott berufen, wenn es um die Offenbarung und den Glauben geht ist nicht nur legitime sondern notwendig. Das beinhaltet auch die Tendenz, an der erkannten Wahrheit festzuhalten. Die Frage ist wie?

Dass man die Offenbarung d.h. Gott falsch und richtig verstehen kann ist eine Tatsache (die auf jede sprachliche Äußerung) zutrifft. Offen ist die Frage unter welchen Bedingungen, ob und wie man ggf. eine unwahre Aussage erkennt und ihr entgegentritt. Eine Bedingung wäre, dass man (in deinen Worten) objektiv, in meinen Worten nachvollziehbar, begründen kann, dass etwas nicht richtig sein kann (was etwas anders ist, als wenn man apodiktisch sagt, etwas sei falsch).

Ich glaube ein Grund für den von Dir beobachteten Diskussionsstil ist die Frage der biblischen Hermeneutik. Du hattest ja mal selbst diesbezügliches ein Thema vorgeschlagen. Ich würde es begrüßen, wenn man Deine Aussage, dass es kein rechte, richtige, einzige und normative Verständnis der Bibel gibt, nochmal zum Thema macht. Und dabei versucht, sich vorweg auf bestimmte Regeln zu einigen. Neben Regeln biblischer Hermeneutik würde ich auf die Prinzipien des Herrschaftsfreien Diskurs nach Habermas reflektieren. Zur Begründung: Ob eine Aussage über eine Erkenntnis aus der Offenbarung richtig oder falsch ist, erweist sich letztlich erst im konkreten Tun / in den Konsequenzen in der Welt.  Wenn man unter einer biblischen Aussage diese oder jenes versteht, was hat das für Konsequenzen im wahren Leben.

Der zweite Aspekt der Wahrhaftigkeit liegt in der Art und Weise der Diskussion, die Regeln dazu findet man dann im Herrschaftsfreien Diskurs.

Liebe Grüße am alle

herbert antworten


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