Subjektiv>< Objektiv?
Kommunikation - zumal in einem Internet-Forum, wo man sich nicht persönlich kennt, aber sich u.U. schnell ein Bild von Jemandem macht und ihn ggf. in eine Schublade steckt - ist wohl kein einfach Ding.
Ich bin nicht frei davon, Ihr seid es nicht ... und schnell verhakt und ent-zweit es sich.
Interessant, wer wem oder wer wem nicht einen Response gibt und welche Koalitionen in Angriff und Verteidigung sich bilden und ggf. auch verfestigen.
So habe ich die letzten Tage manchen Strang hier verfolgt ("Universalismus", "Nicht-Christen verloren?") und auch die Vorwürfe gelesen, wer was wo bei wem "stehenlassen" soll oder wo es legitim, richtig und gut ist, zu widersprechen und dagegen zu halten.
Ich selbst bin ja in den vergangenen Wochen und Monaten ein Teil von diesem "Hin & Her" geworden und habe mich munter beteiligt ...
Die Frage, die mir nun doch kommt, ist die nach dem Verhältnis von Subjektivität und Objektivität. Und damit will ich jetzt keine große und spitzfindige Diskussion über die Begriffe - sondern ich meine damit; dass beide "Ebenen" hier ständig verwechselt werden bzw. die Verhältnissetzung unklar ist.
Konkret: Jemand postet etwas, was ihm wichtig ist und er teilen möchte (so wie ich es eben auch tue) - nun kann der Andere damit übereinstimmen oder anderer Meinung sein (und natürlich auch indifferent sein oder es nicht von Interesse finden). Soweit, so gut. Schwierig wird es, wenn das "Subjektive" den Anspruch erhebt, "mehr" zu sein und damit Grund gegeben scheint, dem Anderen von einem (vermeintlich) "objektiven" Standpunkt aus widersprechen, ihn korrigieren, ja auch ihn belehren zu müssen im Sinne einer "Rechtgläubigkeit".
Besonders schwierig wird es dadurch, dass es dem/derjenigen, der sich berufen fühlt zum Widerspruch, zum Korrigieren und zur Belehrung ja (im Selbstverständnis und in der Selbstwahrnehmung) gar nicht um den eigenen Standpunkt, die eigene Meinung und Selbstbehauptung geht, sondern um Statements, die sich auf "Gott selbst" berufen --- allerdings mit der Überzeugung, das rechte, richtige, einzige und normative Verständnis der Bibel zu vertreten ... Das es aber tatsächlich NICHT gibt, wie die Konfessionen, Erfahrungen, theologischen Sichtweisen und Interpretationen (von Anfang an und durch die Zeiten) zeigen.
Wenn wir (auch ich !) also unsere Subjektivität mehr im Blick haben, es konseqenter & bescheidener als eigene Ansicht (ohne weiteren Anspruch) rüberbringen und auf allzuviel "objektive Behauptungen" verzichten, wäre manches einfacher.
Was meint ihr?
L'Chaim
Was meint ihr?
Den festgefahrenen Austausch kann man gut mit dem Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation (Rosenberg) wieder ins Fließen bringen:
1. Meine Beobachtung (z.B. des Threadverlaufs) ohne Interpretation und Bewertung möglichst neutral mitteilen,
2. meine Gefühle und
3 daraus entstehende Bedürfnisse erkennen u ggf mitteilen und
4. eine Bitte formulieren, was ich mir vom Gegenüber wünsche.
_______
In Glaubensdingen steckt viel ❤️-Blut drin. Selbst freundliches Nachfragen kann das zutiefst Persönliche nadelstichartig verletzen.
Ich behaupte mal, daß die eigene Religiösität sich einer rationalen Analyse durch andere oder auch mich selbst entzieht.
Aber wir können lernen, immer wieder neu in den (Gesprächs-) Fluss zu steigen und uns ein Stück mitreißen zu lassen, bis wir wieder eine Ausruhepause am Ufer brauchen.
@awhler Ich verstehe, was du meinst. Für mich hat sich bewährt: Ich stehe zu dem, was ich glaube, was ich erlebt habe, was ich weiß. Wenn ich in Austausch trete, kann und will ich den anderen stehen lassen - unabhängig davon wie ich das sehe. Klar frag ich nach und verhakel mich vielleicht auch, wenn ich etwas nicht nachvollziehen kann. Und vielleicht ist mir manchmal auch wichtig, jd „einen Impuls“ zu geben. 😉 Grundsätzlich schreibe ich hier gerne, um meine Gedanken „klarer zu sehen“. Überzeugen muss ich hier niemanden; dankbar bin ich, wenn meine Sicht erweitert wird.
Mal gucken, ob das so stimmt. Ich beobachte mich mal. 😉
Wäre dies mein erstes Forum, hätt ich schon das Handtuch geschmissen.
So aber weiß ich, dass es immer da schwierig wird, wo sich die Sach- und die Emotionsebenen vermischen.
Und es ist mir auch lieber, von 'sachlich / emotional' als von 'objektiv / subjektiv' zu reden.
Ich geh davon aus, dass nicht jede biblische Aussage 'objektiv' beurteilt werden kann, aber man kann 'sachlich' miteinander reden.
Blöd wird's immer da, wo jemand eine Aussage persönlich nimmt und sich angegriffen fühlt.
Und es scheint ein allgemeines Forenproblem zu sein, dass es - wenn's mal auf der emotionalen Schiene gelandet ist - ganz schwer wird, wieder zur Sachebene zurückzukommen.
Eins meiner Themen, die mich momentan beschäftigen ist der Balanceakt zwischen 'Toleranz' und 'klarer Aussage'.
Vielleicht ist das aber ein eigenes Thema.
Was Du schreibst, ist interessant ... und ich stolpere über die von Dir bevorzugte Alternative von "sachlich/emotional" anstelle von "subjektiv/objektiv".
Für mich trifft es nicht ganz mein Anliegen, denn ich kann ja sowohl sachlich wie emotional von dem reden, was ich selbst subjektiv ins Spiel bringe (also von meiner Sicht- und Empfindungsweise) wie auch sachlich und emotional von dem, was ich (über meine Meinung hinaus) als objektiv richtig, verbindlich, wahrheitsgemäß und unanfechtbar darstelle.
Der Balanceakt von Toleranz und Klarer Ansage ist vielleicht wirklich einen eigenen Thread wert 😉
L'Chaim
Veröffentlicht von: @awhlerWas Du schreibst, ist interessant ... und ich stolpere über die von Dir bevorzugte Alternative von "sachlich/emotional" anstelle von "subjektiv/objektiv".
Für mich trifft es nicht ganz mein Anliegen, denn ich kann ja sowohl sachlich wie emotional von dem reden, was ich selbst subjektiv ins Spiel bringe (also von meiner Sicht- und Empfindungsweise) wie auch sachlich und emotional von dem, was ich (über meine Meinung hinaus) als objektiv richtig, verbindlich, wahrheitsgemäß und unanfechtbar darstelle.
Mag sein, dass es nicht ganz Dein Anliegen trifft.
Aber es ist interessant, wenn man - wie ich in den letzten Tagen - nicht direkt in die Diskussion involviert ist, sondern diese (mühsam aufgrund der unbefriedigenden Benachrichtigungsfunktion) 'nach'liest. Da sieht man dann oftmals viel deutlicher den Punkt, an dem die Diskussion 'kippt'.
Hilfreich wäre es meiner Meinung nach schon, wenn man seine Ansicht (oder Meinung oder Erkenntnis) so kennzeichnet, dass nicht der Eindruck entsteht, diese Ansicht wäre die einzig-gültige Wahrheit zu bestimmten Themen.
Aber auch das ist ein forenübergreifendes Problem - überall gibt's die, die als einzige im Besitz dieser Wahrheiten sind.
Der Balanceakt von Toleranz und Klarer Ansage ist vielleicht wirklich einen eigenen Thread wert 😉
Ich formuliere noch...
unsere Subjektivität mehr im Blick haben, es konseqenter & bescheidener als eigene Ansicht (ohne weiteren Anspruch) rüberbringen und auf allzuviel "objektive Behauptungen" verzichten, wäre manches einfacher.
Der Grund, daß das nicht funktioniert, ist eigentlich ziemlich einfach: Problem ist, wenn/dass (?) man dazu berufen ist, andere auf den richtigen Weg zu bringen. Dann muss man eben einschreiten, wenn andere Irrlehren verbreiten, und sich dem entgegenstellen, damit die schwächeren Glaubensgeschwister vor dem Fall bewahrt werden usw.
Was meint ihr?
Die eigene Wichtigkeit diesbezüglich überdenken?
(Machen sowieso nicht die, die es nötig haben...)
Gruß Tatokala
Veröffentlicht von: @tatokalaunsere Subjektivität mehr im Blick haben, es konseqenter & bescheidener als eigene Ansicht (ohne weiteren Anspruch) rüberbringen und auf allzuviel "objektive Behauptungen" verzichten, wäre manches einfacher.
Der Grund, daß das nicht funktioniert, ist eigentlich ziemlich einfach: Problem ist, wenn/dass (?) man dazu berufen ist, andere auf den richtigen Weg zu bringen. Dann muss man eben einschreiten, wenn andere Irrlehren verbreiten, und sich dem entgegenstellen, damit die schwächeren Glaubensgeschwister vor dem Fall bewahrt werden usw.
Ja, das genau scheint mir hier auf Jesus.de immer wieder (auch, definitiv nicht ausschließlich) zu begegnen.
Es ist halt ein Forum, dass seine glaubensmäßige und theologische Verortung im evangelikalen, vorallem freikirchlichen und pietistischen Raum und Glaubensmilieu hat - und der Anspruch und die Absicht, als Internet-Angebot offen und ökumenisch zu sein, findet faktisch immer wieder seine Grenzen.
Wenn ich mich hier einbringe (und das tue ich), braucht es wohl (wenn man liberalere Sichtweisen vertritt) auf Dauer eine gewisse Resilienz, hier und da Humor und ein dickes Fell - sonst zieht man beleidigt oder verletzt oder empört wieder von dannen. Frei nach dem Motto: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin (u.U.) um." 😉
Aber es ist eben leider immer wieder diese schwer zu durchbrechende Mischung von "Demut" (es geht ja nicht um mich, um mein Rechthaben, mein Wichtigtun) und der wohl empfundenen Berufung, Wahrheits-Anspruch und Wahrheitsverteidigung (gegen Infragestellungen) zu vertreten.
L'Chaim
Wenn ich mich hier einbringe (und das tue ich), braucht es wohl (wenn man liberalere Sichtweisen vertritt) auf Dauer eine gewisse Resilienz, hier und da Humor und ein dickes Fell - sonst zieht man beleidigt oder verletzt oder empört wieder von dannen. Frei nach dem Motto: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin (u.U.) um." 😉
Was ist dein Anliegen?
Willst du Christen, die ein ❤️ für Jesus haben, den Liberalismus schönreden?
Das wäre tatsächlich der "Tod im Topf".
Aber es ist eben leider immer wieder diese schwer zu durchbrechende Mischung von "Demut"
Es gibt Hoffnung:
"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht" (Joh. 12,24).
Und frei nach Hölderlin:
"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch."
😉
Erstens: Auch ich habe ein Herz für Jesus und er hat meins wohl so gewonnen wie deins.
Zweitens: Mein Anliegen ist es, dass auf Jesus.de nicht nur evangelikaler Glaube seinen Platz hat und Einige sich weniger berufen und genötigt fühlen, wie tatokala zuvor geschrieben hat, "andere auf den richtigen Weg zu bringen ... und einzuschreiten, wenn andere Irrlehren verbreiten, und sich dem entgegenstellen,"
Drittens: Was soll das heißen, "den Liberalismus schönreden"?
Viertens: Joh 212,24 erschließt sich mir nicht im Zusammenhang des Thread-Themas und der Fragestellung.
Und Fünftens: Warum reagierst Du so angepiekst? 😉
L'Chaim
Dann versuche ich mal, die 5 Punkte zu beantworten.
Erstens: Auch ich habe ein Herz für Jesus und er hat meins wohl so gewonnen wie deins.
Sehr schön.
Zweitens: Mein Anliegen ist es, dass auf Jesus.de nicht nur evangelikaler Glaube seinen Platz hat und Einige sich weniger berufen und genötigt fühlen, wie tatokala zuvor geschrieben hat, "andere auf den richtigen Weg zu bringen ... und einzuschreiten, wenn andere Irrlehren verbreiten, und sich dem entgegenstellen,"
Ja gut. Der Geist weht, wo er will.
Drittens: Was soll das heißen, "den Liberalismus schönreden"?
Ganz einfach. Manchen Christen ist der Liberalismus, wie er sich zeigt, zumindest suspekt, einigen aber auch ein Grauen.
Viertens: Joh 212,24 erschließt sich mir nicht im Zusammenhang des Thread-Themas und der Fragestellung.
Mir auch nicht. 😉
Und Fünftens: Warum reagierst Du so angepiekst? 😉
Es war als Feedback gut gemeint von mir. Sorry, dass es auf dich anders wirkt. 🤷
Veröffentlicht von: @awhlerEs ist halt ein Forum, dass seine glaubensmäßige und theologische Verortung im evangelikalen, vorallem freikirchlichen und pietistischen Raum und Glaubensmilieu hat - und der Anspruch und die Absicht, als Internet-Angebot offen und ökumenisch zu sein, findet faktisch immer wieder seine Grenzen.
Das hat was mit dem Missionsauftrag zu tun. Und dem, was man als 'Erkennen der Wahrheit' empfindet.
Wenn ich mich hier einbringe (und das tue ich), braucht es wohl (wenn man liberalere Sichtweisen vertritt) auf Dauer eine gewisse Resilienz, hier und da Humor und ein dickes Fell - sonst zieht man beleidigt oder verletzt oder empört wieder von dannen. Frei nach dem Motto: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin (u.U.) um." 😉
Humor schadet nie. Ist aber manchmal schwer zu finden. 😉
Aber es ist eben leider immer wieder diese schwer zu durchbrechende Mischung von "Demut" (es geht ja nicht um mich, um mein Rechthaben, mein Wichtigtun) und der wohl empfundenen Berufung, Wahrheits-Anspruch und Wahrheitsverteidigung (gegen Infragestellungen) zu vertreten.
Tja.
Und immer wieder - nur wer schreibt, macht sich angreifbar.
Die stillen Leser wissen alles besser und futtern Popcorn.
Und noch eine ganz allgemeine Aussage - ich persönlich neige nicht zur Koalitionsbildung.
D.h. ich möchte mir die Freiheit erhalten, einmal dem AWHler und einmal der Deborah zustimmen zu 'dürfen'.
Einmal GoodFruit und dann Lucan. Einfach, weil ja jedes Dinge schreiben kann, die ich richtig und gut und zustimmenswert finde.
(Die Namens-Auswahl geschah jetzt sehr spontan, das sind einfach Namen, die ich hier öfters lese als andere.)
Das finde ich gut, denn es zeigt Deine Freiheit und Unabhängigkeit ... und dass Du dich nicht zu sehr reinziehen lässt in grundsätzliche Frontstellungen.
Mir fällt das - mea culpa! - oft schwerer - und ich würde mir umgekehrt wünschen, dass auch die Skeptiker und Kritiker im Forum dem "liberalen AWHller" gegenüber diese Freiheit mal hätten ...
Nein, ich setze jetzt kein 😉 ... ich denke es mir nur.
L'Chaim
Veröffentlicht von: @awhlerNein, ich setze jetzt kein 😉 ... ich denke es mir nur.
Dito.
'Freiheit und Unabhängigkeit'?
Keine Ahnung, manchmal denk ich mir, dass ich mir manches schöndenke.
Und dann halte ich es wieder für ein Geschenk, manches einfach einfach sehen zu dürfen.
Das Problem ist nicht objektiv oder subjektiv, es ist der Standpunkt.
Wenn zwei auf dem gleichen Standpunkt stehen, können beide objektiv dasselbe sehen, aber subjektiv unterschiedlich bewerten. In diesem Fall kommt man trotz der subjektiven Unterschiede, auf einen gemeinsamen nennen.
Wenn aber zwei auf unterschiedlichen Standpunkten stehen, können sie objektiv schon nicht mehr dasselbe sehen, und die jeweilige subjektive Bewertung wird keinen gemeinsamen Nenner finden.
Also, ich hab´s ja nicht so mit Standpunkten, ich bin mehr für Bewegung - Standpunkte sollten immer Ausgangspunkte sein.
Aber im Ernst:
Was ist für Dich eine "objektive Sichtweise"? Gibt es die für uns Menschen überhaupt?
Und wenn "zwei auf unterschiedlichen Standpunkten stehen" , können sie durchaus "dasselbe sehen" - aber eben aus unterschiedlichen Sichtweisen und Perspektiven. Und sie könnten einen "gemeinsamen Nenner" darin finden, dass sie einander zugestehen, das das Betrachtete unterschiedliche Sichtweisen zulässt, oder?
L'Chaim
du hast recht, eine "objektive Sichtweise"? Gibt es nicht, das subjektive ist immer dabei. Ich vergleiche das in der Chemie immer mit Modellen.
Modelle behandeln immer einen Aspekt von etwas, bilden aber nie die Realität ab. Aber Modelle erlauben es, einen bestimmten Prozess zu verdeutlichen und auch mathematisch abzubilden. Mit dem Elektronenschalen-Modell kann ich das eine erklären, mit dem Orbital-Modell etwas anderes. Nur wenn ich versuche anhand des Elektronenschalen-Modells, die Winkelabhängigkeit in Kovalenten Bindungen zu verstehen, dann kann man das schon irgendwie machen, aber es kommt nichts Gescheites dabei raus.
Bei einem Thema muss man sich darauf einigen, welches Modell man für dieses Thema nimmt.
Nicht unbedingt jemand kann denselben Standpunkt vertreten, aber dennoch einen anderen Blick haben.
Gestern war ich etwas unter Zeitdruck, deshalb die etwas unbefriedigende Erklärung. In der "christlichen" Welt gibt es vier grosse Modelle (Standpunkte)
a) die Traditionalisten, das sind Religionen, welche neben der Bibel noch eine Tradition pflegen, die gleichwertig oder höher gewichtet wird wie die Bibel. Dazu zählen die RKK, die orthodoxe Kirche, die Neuapostolische Kirche, die Siebentages Adventisten usw., aber auch das rabbinische Judentum. Die Tradition hat hier Deutungshoheit über die Schrift.
b) die Fundamentalisten, welche einzig die Bibel als normativ akzeptieren, diese Kirchen, haben eine sehr grosse Variation, die aber grösstenteils Kultur und nicht Dogmatik bedingt ist. In den meisten fundamentalen Fragen herrscht hier eine dogmatische Einheit.
c) die Universalisten, welche die Bibel als 'nur' eine Offenbarung Gottes betrachten, für sie enthält die Bibel Gottes-Offenbarung ist aber nicht normativ, und eine Gottes-Offenbarung kann auch in anderen Religionen gefunden werden. Für sie ist die Bibel nur eine Teilmenge der Offenbarung Gottes.
d) die Spezialisten, diese haben eine eigene spezielle Bibelversion, welche sie als die wahre Version betrachten und alle anderen als Falsch. z.B. Mormonen
Es gibt ein gemeinsames Vokabular zwischen diesen Modellen, aber dieses ist meist nicht gleich gefüllt.
Kann man von den Gedanken aus anderen Modellen profitieren, ja durchaus!
Diese Modelle sind aber inkompatible, und dies rein Objektiv. Denn jedes Modell macht Wahrheitsaussagen (truth claims) welche die anderen Modelle als unzureichend oder sogar falsch darstellen. Weshalb sich die einzelnen Modelle voneinander klar abgrenzen. Ein Universalist hat nicht nur einfach einen anderen Blick auf die Bibel als ein Fundamentalist, sondern ein komplett anderes Paradigma. Die Unterschiede sind also nicht einfach nur subjektiv anderes, sie sind grundsätzlich anders.
@arcangel Danke for die interessante Auflistung.
Irgendwie kann ich mich selbst aber in keine dieser Kategorien finden.
Ich will mich keine Fundamentalistin aber auch keine Traditionalistin nennen. Universalistin bin ich auch nicht wirklich, und Spezialistin schon gar nicht.
Ich bin einfach Christin, die keine übergeordnete Traditionen kennt, die Bibel als normativ übergeordnet betrachtet, aber trotzdem über den Tellerrand schaut. Eine Christin, die andere Religionen respektiert und sich dafür interessiert, jedoch allesamt als nicht zu Gott und seiner Erfüllung führend betrachtet.
Und Spezialistin bin ich schon gar nicht.
Was bin ich nun? Vielleicht schlicht und einfach Jezus-Nachfolgerin…
Ich bin einfach Christin, die keine übergeordnete Traditionen kennt, die Bibel als normativ übergeordnet betrachtet, aber trotzdem über den Tellerrand schaut.
Denn Satz musst du mir erklären. Ist die Bibel für dich normativ oder nicht? Wenn ja, dann fällst du in die Kategorie Fundamentalist.
Dies schliesst ja nicht aus, andere Religionen zu respektieren (was auch immer das genau meint).
Der Bibel ist für mich normativ übergeordnet. Das heisst für mich, dass ich alle „weltliche“ Gesetze und Normen akzeptiere, die eindeutig mit den biblischen Normen im Einklang sind ODER die ich selber aufgrund meines Bibelverständnisses als „auf dem richtigen Weg“ betrachte.
Beim Letzteren schaue ich über den Tellerrand, wie es Jesus auch tat. Sobald das Wohl einzelner Menschen in Gefahr war, hat er das Gesetz gelassen für was es war, und anders (und trotzdem immer noch richtig) gehandelt. Am Sabbath erntete und ernährte er Hungrige (seine Diszipeln), heilte er Kranke (z.B. den Mann mit der gekrümmten Hand). Er rettete eine Sünderin (die Ehebrecherin) vom gewissen Tod, obwohl sie eindeutig Gesetze gebrochen hatte.
Seine Weisheit „Die Gesetze sind für die Menschen da, die Menschen nicht für die Gesetze“ zwingt zum Blick über den Tellerrand. Natürlich immer mit dem wichtigsten Gebot „Gott und seinen Nächsten zu lieben“ als Leitlinie. Das Wohl unserer Mitmenschen ist IHM so wichtig, dass hierzu manchmal von den „Buchstaben“ (die ja „töten können“) abgewichen werden muss.
Und zum Thema „Andere Religionen akzeptieren“ … Köpfe abhacken im Namen von Allah finde ich nicht koscher, wenn du so etwas meinst…
Mit „andere Religionen akzeptieren“ meine ich, dass die Menschenkinder, die solche Religionen anhängen, dies meist von Kindsbein an machen (wie die meisten von uns) und das Gefühl haben, sie seien auf dem richtigen Weg (wie wir dies auch denken). Ich schliesse auch nicht aus bzw. glaube fest daran, dass Gott auch diese seine Kinder im Auge hat, und jede einzelne belohnen kann, der, vielleicht ohne es zu wissen, in Seinem Sinne handelt. Das Recht und die Fähigkeit, solche Menschen zu lieben, traue ich Gott völlig zu.
Das Gleichnis des barmherzigen andersgläubigen Samariters oder die Geschichte der Begegnung von Jesus mit der andersgläubigen Frau am Brunnen wollen uns doch nichts anderes sagen.
Liebe Grüsse, Rosanne
Die Bibel ist für mich normativ übergeordnet. Das heisst für mich, dass ich alle „weltliche“ Gesetze und Normen akzeptiere, die eindeutig mit den biblischen Normen im Einklang sind ODER die ich selber aufgrund meines Bibelverständnisses als „auf dem richtigen Weg“ betrachte.
Beim Letzteren schaue ich über den Tellerrand, wie es Jesus auch tat. Sobald das Wohl einzelner Menschen in Gefahr war, hat er das Gesetz gelassen für was es war, und anders (und trotzdem immer noch richtig) gehandelt. Am Sabbath erntete und ernährte er Hungrige (seine Diszipeln), heilte er Kranke (z.B. den Mann mit der gekrümmten Hand). Er rettete eine Sünderin (die Ehebrecherin) vom gewissen Tod, obwohl sie eindeutig Gesetze gebrochen hatte.
Seine Weisheit „Die Gesetze sind für die Menschen da, die Menschen nicht für die Gesetze“ zwingt zum Blick über den Tellerrand. Natürlich immer mit dem wichtigsten Gebot „Gott und seinen Nächsten zu lieben“ als Leitlinie. Das Wohl unserer Mitmenschen ist IHM so wichtig, dass hierzu manchmal von den „Buchstaben“ (die ja „töten können“) abgewichen werden muss.
Und zum Thema „Andere Religionen akzeptieren“ … Köpfe abhacken im Namen von Allah finde ich nicht koscher, wenn du so etwas meinst…
Mit „andere Religionen akzeptieren“ meine ich, dass die Menschenkinder, die solche Religionen anhängen, dies meist von Kindsbein an machen (wie die meisten von uns) und das Gefühl haben, sie seien auf dem richtigen Weg (wie wir dies auch denken). Ich schliesse auch nicht aus bzw. glaube fest daran, dass Gott auch diese seine Kinder im Auge hat, und jede einzelne belohnen kann, der, vielleicht ohne es zu wissen, in Seinem Sinne handelt. Das Recht und die Fähigkeit, solche Menschen zu lieben, traue ich Gott völlig zu.
Das Gleichnis des barmherzigen andersgläubigen Samariters oder die Geschichte der Begegnung von Jesus mit der andersgläubigen Frau am Brunnen wollen uns doch nichts anderes sagen.
Liebe Grüsse, Rosanne
Das Gleichnis des barmherzigen andersgläubigen Samariters oder die Geschichte der Begegnung von Jesus mit der andersgläubigen Frau am Brunnen wollen uns doch nichts anderes sagen.
Da haben wir ein unterschiedliches Verständnis dieser beiden Gleichnisse. Wobei ich durchaus davon ausgehe, dass Gott wesentlich gnädiger den Menschen gegenüber ist, die noch nie was von ihm gehört haben, als anderen.
Ja, davon gehe ich auch aus.
Vielleicht kannst du bei Gelegenheit etwas mehr über dein Verständnis des Gleichnisses (Samariter) und der Geschichte (Frau am Brunnen) sagen? Es würde mich interessieren.
Das Gleichnis des Samariters finde ich nicht wirklich erklärungsbedürftig. Jesus zeigt auf, dass der Nächste nicht dadurch definiert wird, ob er oder sie zur selben Gruppe gehört, sondern jeder zum Nächsten werden kann, dass Liebe zum Nächsten jedem gezeigt werden kann, dem wir begegnen.
Die Frau am Brunnen ist allerdings eine andere Liga. Hier geht so viel Symbolik ab, vom Ort, Sychar/Sichem als kultisch bedeutende Stätte, die Berge Garazim und Ebal, das Grab Josephs, und der Brunnen des Jakobs, dass Jesus genau diesen Ort und diese Person ausgewählt hat, um sich zum ersten Mal als Messias erkennen zu geben ist, bewusst. Die Samariter haben nämlich keinen Messias aus der Linie Davids erwartet, sondern einen aus der Linie Josephs, einen neuen Joshua, und dann tauch dieser Jesus auf (was ja der gleiche Name ist wie Joshua), und bricht die Barrieren zwischen Samariter und Juden ab, und offenbart sich als Messias, und zwar als Messias der Samariter als auch der Juden. (wie gesagt, die hatten nicht die gleiche Messiaserwartung). Wenn die Frau am Brunnen vom Messias spricht, meinte sie nicht einen Nachkommen Davids.
Jesus ist gekommen, um in jeder Kultur als Messias angenommen zu werden, nicht einfach nur ein jüdischer Messias für die Juden, sondern einen für alle Nationen. Deshalb schickt er auch die 70 Jünger aus, (welches den 70 Nationen 'Völkertafel' aus Genesis 11 entspricht). Deshalb finden sich auch 'Feinde' Israels in Jesu Stammbaum.
@arcangel Danke für die ausführliche Beschreibung und die Details, die ich nicht mehr so genau kannte.
Immer noch sehe ich aber in beiden Geschichten die Botschaft, dass Jesus Respekt für „Andersgläubigen“ hatte und Ihnen den richtigen Weg zu Gott zugestand/ermöglichte. Unsere Nächsten, die Gottes Willen leben, befinden sich mitunter unter den Andersgläubigen. Und Gott und Jesus offenbaren sich auch an Andersgläubigen.
Deswegen mein Respekt für andere Religionen.
Ein schönes Weekend allen!
@rosanne Ich sehe das auch so. In der Projektgruppe für Förderung des interreligiösen Dialogs herrscht immer eine gegenseitig wertschätzende Atmosphäre. Sie setzt sich aus VertreterInnen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit zusammen.
Kol 3, 8 Nun aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde; 9 belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen 10 und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.
11 Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.
12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; 13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.
15 Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. 16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. 17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.
Auch ich wünsche Allen einen gesegneten 2. Advent 🙂
@rosanne Der Priester und der Levit (in Jesus Gleichnis darüber wer wem Nächster ist)gingen am verletzten Überfallenen vorüber ohne ihm zu helfen.
Und dass Jesus einen Samariter als Beispiel von gelebter Nächstenliebe bringt, zeigt mir, dass es Gott auf die Herzenshaltung ankommt und nicht, ob und welcher Religion jemand sich für zugehörig erklärt.
Den damaligen Juden wurde ja jeglicher Umgang mit Fremden, wie Samaritern verboten. Im göttlichen Auftrag zeigte Jesus, dass solcherlei Diskriminierung im -mit seinem Erscheinen begonnen- Reich Gottes nicht mehr zählt.
Darum sprach er am Brunnen mit der Frau aus Samarien. Die wiederum erzählte überall, dass sie den Messias getroffen hatte und dies mit beachtlichem Erfolg.
Joh 4.40 Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, dass er bei ihnen bleibe; und er blieb dort zwei Tage. 41 Und noch viel mehr glaubten um seines Wortes willen. 42 Und sie sprachen zu der Frau: Nun glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.
Dazu passen auch Petrus Worte im 10. Kapitel der Apostelgeschichte. "Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person, ein jeder der Recht tut und gottesfürchtig ist Gott angenehm"
lg lulute
Veröffentlicht von: @rosanne@arcangel Danke for die interessante Auflistung.
Irgendwie kann ich mich selbst aber in keine dieser Kategorien finden.
Ich will mich keine Fundamentalistin aber auch keine Traditionalistin nennen. Universalistin bin ich auch nicht wirklich, und Spezialistin schon gar nicht.
Ich bin einfach Christin, die keine übergeordnete Traditionen kennt, die Bibel als normativ übergeordnet betrachtet, aber trotzdem über den Tellerrand schaut. Eine Christin, die andere Religionen respektiert und sich dafür interessiert, jedoch allesamt als nicht zu Gott und seiner Erfüllung führend betrachtet.
Und Spezialistin bin ich schon gar nicht.
Was bin ich nun? Vielleicht schlicht und einfach Jezus-Nachfolgerin…
So ähnlich geht's mir auch.
Ich hab sicher ein Fundament, aber der Begriff 'Fundamentalist' ist 'verbrannt'.
Mit Traditionen hab ich's nicht so - der Begriff 'Universalismus' war mir bis vor kurzem unbekannt.
Und natürlich bin ich speziell - aber einer speziellen Religion gehöre ich auch nicht an.
Ich bin klar Fundamentalist. Auch wenn ich innerhalb dieser Gruppe eher zu den liberaleren gehöre als zu den konservativen.
Sehr interessant. In den Beschreibungen kann ich mich bei den Fundamentalisten wiederfinden.
Die Kategorien zeigen deutlich, wie schnell der Bereich des Mißverstehens bei gleichen Fachbegriffen und auch durch Erwartungen zwangsläufig entstehen muss.