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1. Mose 33 zwei Brüder, zwei Ausdrucksweisen


Deborah71
Themenstarter
Beiträge : 15901

Wieder ein kleiner Einblick in hebräische Sprachfeinheiten aus einer Portionsmail von IsraelBiblicalStudies.com

Esau und Jakob sind so sehr grundverschieden.... ein Krieger mit 400 Mann und ein Hirte mit Familie und seinen Schafen.
Die erste Begegnung zur Versöhnung.......

Was könnte der Spurensucher in euch da rausziehen, bzw. spricht euch etwas aus dieser Aufschlüsselung an?

Ich bin auf eure Gedanken dazu gespannt.

lg
Deborah71

Jacob und Esau - die Unterschiede

Vom ersten Moment des Gesprächs von Jacob und Esau an sehen wir einen dramatischen Unterschied in ihrer Sprache, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Esau's Sätze sind kurz und grob. Wenn er sagt: "Ich habe viel, mein Bruder (אָחִי)", auch wenn es echte Brüder sind, klingt das auf Hebräisch nach einem sehr familiären und lockeren Ausdruck. Wenn wir zu Jacobs Antwort kommen, hören wir eine ganz andere, fein abgestimmte und höfliche Rede.

Hebräisch offenbart seinen wahren Charakter

Eines der bemerkenswertesten Details von Jakobs Rede ist ein Partikel "na" (נָא), das sich zweimal wiederholt (Gen.33:10) und in der Übersetzung verloren geht - ein Zeichen für eine höfliche und formale Rede. Gott wird in jedem seiner Sätze erwähnt, während Esau Gott überhaupt nicht erwähnt. Außerdem sind ihre Einstellungen völlig unterschiedlich. Während Esau "Ich habe viel" sagt (יֶשׁ-לִי רָב), sagt Jacob "Ich habe alles" (יֶשׁ-לִי-כֹל). Esau spricht vom Reichtum, während Jakob von der Genüge spricht.

Bekannte biblische Geschichten in einem neuen Licht sehen

Dieser Vergleich hilft uns, die Geschichte des "gestohlenen Segens" zwanzig Jahre zuvor besser zu verstehen. Auf diesen Unterschied im Sprechstil bezog sich Isaak, als er sagte: "Die Stimme ist die Stimme Jakobs und die Hände sind die Hände von Esau".

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Originaltext:

Two brothers, two voices
Jacob and Esau – the differences

From the very first moment of Jacob and Esau’s conversation we see a dramatic difference in their speech, in both content and style. Esau’s sentences are short and coarse. When he says, “I have plenty, my brother (אָחִי)”, even though they are real brothers, in Hebrew this sounds like a very familiar and informal appeal. When we come to Jacob’s response, we hear a completely different, refined and polite speech.

Hebrew reveals their true character

One of the most remarkable details of Jacob’s speech is a particle “na” (נָא), repeated twice (Gen.33:10) and lost in translation – a sign of a polite and formal speech. God is mentioned in his every sentence, while Esau doesn’t mention God at all. Moreover, their attitudes are completely different. While Esau says “I have plenty” (יֶשׁ־לִי רָב ), Jacob states “I have everything” (יֶשׁ־לִי־כֹל ). Esau speaks of wealth, while Jacob speaks of sufficiency.

See familiar Biblical stories in a new light

This comparison helps us better understand the story of the “stolen blessing” twenty years earlier. It is this difference in speaking style that Isaac referred to when he said, "The voice is the voice of Jacob and the hands are the hands of Esau." This difference is almost lost in translation

Antwort
18 Antworten
Irrwisch
Beiträge : 3339

Liebe Deborah,

diese Geschichte hat mich schon immer sehr angesprochen.

Zeigt sie doch fein auf, wie es gehen kann, wenn Eltern Lieblingskinder haben und was daraus alles entstehen und geschehen kann.

Die Versöhnung dieser 2 Brüder hat einem langen Weg hinter sich.
Einen Weg, der mehr von Jakob berichtet.
Der sich treu bleibt und seinen Schwiegervater Laban betrügt.
Obwohl auch der ihn mit dessen Töchtern betrogen hat.

Jakob scheint sich sein Leben zu erschleichen.
Esau muss sich sein Leben erkämpfen, fälltmir gerade so auf.

Obwohl auch Jakob nach einem Kampf ein Hinkender ist und wohl auch bleibt.

Liebe Grüße
Inge

irrwisch antworten
3 Antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Danke für deinen Blick auf diese Geschichte und den Text.

Veröffentlicht von: @irrwisch

Jakob scheint sich sein Leben zu erschleichen.
Esau muss sich sein Leben erkämpfen, fälltmir gerade so auf.

Hierbei kam mir der Gedanke.... beide kämpfen auf ihre Weise... und so lange sie kämpfen, sind beide irgendwie die Betrogenen, bis sie den Kampf einstellen und in die Versöhnung gehen.

Esau hat einen starken Beruf.... warum hat er ihn gewählt? Nur Begabung.... Temperamentssache?
Jakob zeigt sich am Jabbok ebenso stark und ausdauernd....

Vorher kämpfen beide mit ihrem eigenen Schwach- und Hilflosgefühl und suchen eine unterschiedliche Kompensation, so wie es sich mir darstellt.

lg
Deborah71

deborah71 antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3339
Veröffentlicht von: @deborah71

Danke für deinen Blick auf diese Geschichte und den Text.

Es gibt zu der Geschichte auch noch Ausblicke.

Jakob wiederholt im Grunde seine eigene Geschichte bei Joseph.
Diesen Sohn, den Erstgeborenen seiner Lieblingsfrau, stattet er mit einem bunten Rockaus.
Josephs ältere Brüder hüten das Vieh.
Joseph, der sehr viel jüngere Bruder mit dem bunten Rock wird dazu "ernannt", nachzuschauen, ob die älteren Brüder ihre Sache auch gut und richtig machen.

Es komt, wie es kommen muss:
Joseph wird " entsorgt".
Zunächst war der Plan für immer und ewig.
Dann aber die Sicht auf eine andere Möglichkeit.

Für 20 Silberlinge nach Ägypten verkauft.
Der Vater Jakob wird nun selbst belogen.
Ein blutgetränktes Tuch wird ihm präsentert als Beweis, dass mit Joseph Schlimmes geschehen ist.

Lug und Trug durchzieht Jakobs Familiengeschichte und auch Angst.
Die besonders deutlich wird in der Reaktion von Josephs Brüdern am Grab von Jakob.
Wo sie jetzt, da der Vater als Schutzschild nicht mehr lebt, die Rache Josephs fürchten.

Dessen Worte dazu sind für mich ser tröstlich und zeigen mir auch eine Abwendung aus diesem üblen " Familiensystem"

" Ihr gedachtet es, böse mit mir zu machen.
Gott aber hat es gut mit mir gemacht!"

irrwisch antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901
Veröffentlicht von: @irrwisch

Dessen Worte dazu sind für mich ser tröstlich und zeigen mir auch eine Abwendung aus diesem üblen " Familiensystem"

Veröffentlicht von: @irrwisch

" Ihr gedachtet es, böse mit mir zu machen.
Gott aber hat es gut mit mir gemacht!"

Der Satz taucht bei mir immer wieder sehr tröstend auf.

Ebenso auch dieser: "Streitet nicht auf dem Weg."
Mit einem Zeitsprung ins Heute ist er nach wie vor hochaktuell....wurden die Jünger doch erst als die benannt "die des Weges sind" bevor sie Christen genannt wurden.

deborah71 antworten


Groffin
Beiträge : 1872

Nunja -
Mein Eindruck ist, dass Jacob noch immer ein schlechtes Gewissen hat.
Er rechnet mit einem unguten Ausgang der Begegnung und stellt seine Familie in einer Rangfolge auf.

Danach schmeichelt er seinem Bruder, indem er sich unterwürfig gibt.

Er bleibt hartnäckig dabei, Esau Geschenke aufzuzwingen und damit die Schuld für den erschlichenen Segen wieder gut zu machen. Damit nimmt er Esau das Argument übergriffig zu werden. Trotzdem sieht es für mich noch nicht nach einer endgültigen Versöhnung aus. Jacob verweigert Geleitschutz, möchte dass sein Bruder vorauszieht und bummelt dann schließlich auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt.

Esau macht hier auf mich den besseren Eindruck. Er scheint wirklich nicht mehr nachtragend zu sein. Hätte er noch Groll gehabt, wäre er stark genug gewesen, sein Recht durchzusetzen.
Vielleicht kannte Jacob seinen Bruder auch besser und vermutete einen Hinterhalt. Wer weiß?

groffin antworten
9 Antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Spannend.....

Beim Bummeln erhebe ich Einspruch.... kein Hirte übertreibt seine Herde. Schafe können nicht mit dem Tempo der Pferde mithalten... und die trächtigen Schafe verlieren u.U. ihre Lämmer und das eigene Leben.

Gestern hab ich ein Zitat aufgeschnappt:

Du bist Schaf. Nicht Rindvieh.
Jesus ist Hirte. Nicht Viehtreiber.
Hör. Auf. Zu. Rennen.

Was auch ein möglicher Gedanke ist: Jakob musste seine Herde schützen vor dem Appetit von 400 Kriegern. Lammbraten am Spieß soll ja fein sein....und da wäre seine Herde ziemlich schnell perdü.

deborah71 antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @deborah71

kein Hirte übertreibt seine Herde. Schafe können nicht mit dem Tempo der Pferde mithalten...

Soweit richtig.
Allerdings fragt man sich doch, warum er seinem Bruder nicht wie versprochen nach Seir nach Süden folgte, sondern nach Westen aufbrach und dort erstmal ein Haus und Hütten baute. 😉

Danach zog er noch weiter und kaufte wieder ein Grundstück.
Warum er das tat, steht leider nicht in der Bibel. Es sieht aber nicht so aus, als hätte er wirklich ein Interesse daran gehabt, seinen Bruder in Seir zu besuchen.

groffin antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901
Veröffentlicht von: @groffin

Soweit richtig.
Allerdings fragt man sich doch, warum er seinem Bruder nicht wie versprochen nach Seir nach Süden folgte, sondern nach Westen aufbrach und dort erstmal ein Haus und Hütten baute. 😉

Ich kann mir denken, Frauen, Kinder, Hirten und Schafe dort zu lassen.

Sollte die Begegnung in Seir nicht so gut verlaufen, alleine flieht es sich leichter....

Hast du mal nach den Namen der Orte oder Grundstücke geschaut? Sie enthalten auch oft Hinweise...
Ich habs bis jetzt noch nicht getan.

deborah71 antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @deborah71

Ich kann mir denken, Frauen, Kinder, Hirten und Schafe dort zu lassen.

Es wird aber auch später nicht geschrieben, dass er seinem Bruder folgte. Insofern hast Du recht, dass "bummeln" das falsche Wort ist.
Flüchten wäre besser. 😉

Veröffentlicht von: @deborah71

Hast du mal nach den Namen der Orte oder Grundstücke geschaut? Sie enthalten auch oft Hinweise...
Ich habs bis jetzt noch nicht getan.

Der eine Ort bedeutet soviel wie Hütte (was naheliegend ist) und der andere Nacken (bzw. Hügel, Gebirgsausläufer, Felsvorsprung).
Angelehnt an den Altarbau auch als Platz auf dem Lasten liegen/abgelegt werden.

groffin antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901
Veröffentlicht von: @groffin

Der eine Ort bedeutet soviel wie Hütte (was naheliegend ist) und der andere Nacken (bzw. Hügel, Gebirgsausläufer, Felsvorsprung).
Angelehnt an den Altarbau auch als Platz auf dem Lasten liegen/abgelegt werden.

Ja, Sukkot kommt von Succa, Laubhütte.... kann man auch als Sommerhaus lesen (Raschi macht das)
und er baute sich ein Haus... bayit.. ein Steinhaus, eine Winterunterkunft... (nach Raschi)

Bayit kann aber auch für seine Niederlassung, seinen gesamten Hausstand verstanden werden, seinen gewählten Wohnort.

Ich guck grad auf der Karte... Sukkot liegt östlich des Jordan, Schechem (Rücken, Schulter) liegt westlich des Jordan
https://www.bible-history.com/biblemaps/genesis-city-of-shechem/

Chamor von Schechem ist noch erwähnt. Chamor heißt Esel (männlich).

Auf der Karte wird noch ein Grund ersichtlich, warum Jakob nicht mit allem sofort nach Seir ging.... dort gab es Wasserprobleme. Das wird in der Bibel erwähnt bei dem drei Königs Krieg gegen Moab, die unten durch Edom ziehen.

deborah71 antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16862
Veröffentlicht von: @deborah71

Du bist Schaf. Nicht Rindvieh.
Jesus ist Hirte. Nicht Viehtreiber.
Hör. Auf. Zu. Rennen.

Ich erhebe Anspruch als Urheberin dieses Zitats 😎
Erfunden hat es tatsälich meine große Schwester, die ich gern zitiert hab.

tristesse antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Das ist so Klasse! Danke dafür auch an deine Schwester ❤

deborah71 antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16862

Es gibt da einen Magneten für den Kühlschrank mit dem Spruch.

Wenn Du willst, dann schick ich dir einen.

tristesse antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Oh ja, gerne.... der kommt dann auf die Fronttür des Frosters in Augenhöhe... 😘

deborah71 antworten
tristesse
Beiträge : 16862

Hallo Debs,
interessante Stelle, danke fürs Posten.

Ich halte beide Brüder für grundverschieden.

Jakob, bevorzugt, vielleicht etwas verschlagen, schuldig, manipuliert, aber dennoch sehr gesegnet und priviligiert. Aber das Mama-Kind eben. Und wird interessanterweise von seinem Schwiegervater um seine Ehefrau genauso beschissen wie Isaak von seiner Frau, die dafür gesorgt hat, dass Jakob den Segen bekommt 😊

Und dann Esau.
Betrogen, beschissen, belogen, immer im Kampf um die Gunst seines Vaters mit Jakob ringend und irgendwie auch total dumm, wie kann man das Erstgeburtsrecht für einen Teller Suppe vergeuden? Impulsiv, kraftvoll und tatkräftig.

Beide Brüder wachsen durch die Trennung zu gereiften Männern heran. Frauen, Kinder, Herden, Reichtum... und dann treffen sie aufeinander. Wie spannend.

Jakob ist der geborene Taktirer, der stellt seine Nachkommenschaft nach Rangfolge auf, sichert sich ab und lässt alle Vorsicht walten.. und Esau der nicht wirklich clevere Pragmatiker, wischt alle Vorbehalte, alte Animositäten und Jakobs Betrug weg und begegnet seinem Bruder mit Liebe, zeigt voller Stolz seine Familie und bezeugt so Gottes Segen, trotz des mangelnden Segens.

Tolle Geschichte.

tristesse antworten
1 Antwort
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Gerne 😊

Da ist sooo viel drin.... und bei jedem neuen Selbstlesen oder Lesen, in welchen Aspekten andere gerade angesprochen werden, entfaltet sich wieder ein neuer Blickwinkel und kommt nochwas raus, das aufleuchtet.

deborah71 antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Hi,

interessanterweise wurde ja von Gott gesagt, der ältere soll dem jüngeren dienen. Das war eine Verheißung. Ich denke, es kommt darauf an wie man mit einer Verheißung umgeht.

Wurde es ihm mal so gesagt? War man ungeduldig und zog es vor es mit betrug zu versuchen.

Für mich bedeutet es, man sollte auf Gott vertrauen das ER die Verheißungen erfüllt und nicht versucht es selber hinzubiegen. Folge waren Verletzungen auf beiden Seiten.

Aber, wie man sieht, Gott kann aus der Feindschaft was gutes bewirken. Hätte alles aber nicht sein müssen.

Max

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1 Antwort
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Waren nicht beide ungeduldig?

der eine, als er Hunger hatte.... der andere, als es um Zusagen ging...

Die Versuchung klopft gerne an, den richtigen Moment und die Erfüllung durch Gott nicht abzuwarten.

Das Verhalten, während man warten muss, kann die Wartezeit unangenehm oder angenehm machen.

deborah71 antworten
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