Bergpredigt I (Auftakt)
Bergpredigt I
Ich würde gern einen Austausch über die Bergpredigt initiieren. Es gab da schon einmal ein Forum mit dem Thema: Wie ernst nehmen christliche Kirchgänger Jesu Bergpredigt?
Unter dem Eindruck von Putins Überfall auf die Ukraine ging es dann sehr schnell um „Die Bergpredigt ist keine Predigt über Staatsführung. Versuchst du das trotzdem so anzuwenden, wird es schräge.“ „Die Bergpredigt ist wichtig. Aber Jesus verbietet den Soldaten nicht zu kämpfen!“ bis hin zu „Aber momentan sehe ich wenig Sinn dahinter, rein politische Themen anhand der Bergpredigt abzuhandeln. Ich denke, es reicht schon, wenn jeder Christ sich dran macht, sie umzusetzen“
Mein Vorschlag wäre, abschnittsweise bzw. in Sinneinheiten vorzugehen. Wenn dann jeder für sich (s)ein Verständnis gefunden hat, kann man auf die praktische Relevanz zu sprechen kommen.
Danach wenden wir uns dem nächsten Abschnitt zu. Meine Idee wäre dann auch jeweils einen neuen Dialog zu eröffnen, damit die alles übersichtlich bleibt.
Vorweg wäre aus meiner Sicht zunächst der Kontext zu klären, d.h. die Beschreibung der Situation für die spätere Interpretation zu verstehen. Bei Mt.5 steigt Jesus auf einen Berg, „setzte sich, … Und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie“. Bei LK.6. heißt es dagegen: „Mit ihnen (den 12 Aposteln) stieg er hinab und machte auf einem ebenen Platz halt. Eine große Schar seiner Jünger und eine zahlreiche Menge des Volkes aus ganz Judäa, Jerusalem und dem Küstenland von Tyrus und Sidon hatte sich eingefunden. Einmal haben wir einen Berg, dass andere man ein Feld oder Tal.
Meine erste Frage wäre: Handelt es sich um einen Widerspruch und Ungenauigkeiten der Überlieferung oder deutete das Evangelium an, dass es sich um ein vielschichtiges Ereignis handelt, dass unter verschiedenen Perspektiven / Ebenen wahrgenommen und verstanden werden will.
Handelt es sich um einen Widerspruch und Ungenauigkeiten der Überlieferung oder deutete das Evangelium an, dass es sich um ein vielschichtiges Ereignis handelt, dass unter verschiedenen Perspektiven / Ebenen wahrgenommen und verstanden werden will.
Warst du schon mal in Galiläa? Die Gegend dort ist etwas hügelig und die Kirche der Seligpreisungen befindet sich auf einem Boden, den man durchaus als Feld bezeichnen kann.
Ich denke, Berg und Feld sind subjektive Einschätzungen. Jedenfalls war's im Freien. Metaphern vermute ich tatsächlich nicht.
Ich denke, die verschiedenen Evangelisten hatten einfach unterschiedliche Bilder im Kopf, wo es stattgefunden haben könnte….sie bauen ja den Text aus verschiedenen Bausteinen zusammen: mündlichen Überlieferungen hauptsächlich und vielleicht noch handschriftliche Notizen - aus diesem Material generierten sie eine zusammenhängende Geschichte, die alle (?) Informationen beinhaltet hat, die ihnen zur Verfügung standen.
Diese wurden dann eingebettet in ihre eigene Vorstellungskraft…und Intention.
Kommt heute der Teil (Abschnitt) der Bergpredigt, den du eigentlich zusammen durchgehen wolltest?
Ich bin noch nicht ganz klar mit den verschiedenen Post zu meiner Frage. Ich will darauf antworten.
Aber nichts desto trotz kannst Du ja schon die Nächsten Verse in Angriff nehmen. Ist die Fragre, ob man alle Seligpreisungen zusammen oder erstmal jede einzeln bespricht.
Ich bin noch nicht ganz klar mit den verschiedenen Post zu meiner Frage.
Ok, kein Stress…und unterteile so, wie du es für sinnvoll hältst. Ich kann mir vorstellen, dass es einzeln sinnvoller ist ….aber da habe ich nicht wirklich eine Meinung dazu.
Erstmal vielen Dank für die bisherigen Beiträge, die für mich das Problem der Interpretation / Auslegung noch mal zugespitzt haben, weshalb ich ja auch dieses Thema vorgeschlagen habe.
Vorweg zu @ Adjudante:
„Warum sollte Jesus denn nur einmal von den Seligpreisungen gesprochen haben?“ Ich denke auch das er öfter davon gesprochen hat. Dennoch glaube ich, dass sich beide Berichte auf das nämliche Ereignis beziehen, da damit jeweils die Berufung der Apostel / Jünger verbunden war. (vgl. Mt.4, 18 ff; Lk. 6,12 ff). Es ist daher zu überlegen, wie dieser Umstand bei der Interpretation zu beachten wäre. So gibt es von einigen Exegeten die Behauptung, die Bergpredigt habe sich sowieso nur an die Jünger gerichtet. Ich glaube das nicht, denn warum sollte sie dann überliefert werden? Bei Lk.6 heißt es z.B.: „7 Euch aber, die ihr mir zuhört, sage ich …“ Auch wenn ich den Text heute lese, verstehe ich mich als Zuhörer. Bei Mt. klingt das Ende so (Mt.7): „28 Als Jesus diese Rede beendet hatte, wurden die Volksscharen von Staunen über seine Lehre ergriffen. 29 Denn er lehrte sie wie einer, der Macht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“
Für mich heißt das, Jesus den Herrn ebenso zu verstehen. Die Macht hat ER von Gott, dass verleiht IHM Autorität. Aber was heißt Jesus den Herrn nicht wie einen Schriftgelehrten zu verstehen?
Eigentlich müsst man erstmal diese Frage klären, damit ER nicht missverstanden wird.
Obwohl ich kein großer Freund der beiden großen christlichen Kirchen bin, teile ich deren Lehre, dass es sich bei der Bibel um eine von Gott inspirierte Schrift handelt. Das heißt für mich, „Berg und Feld“ sind keine subjektive Einschätzungen, sondern jeweils bewusst gewählte (den Aposteln = eingegebene) Bilder, die zunächst dem Vorstellungshorizont der Menschen Juden wie Heiden – entsprechen. Für Juden haben Berge ein sehr starke und explizite Bedeutung. Angefangen beim Berg Sinai, wo die Gebote des AT verkündet wurden. Daher ist bei Mt. davon auszugehen, dass das Bild >Berg< bewusst gewählt war und zwar nicht als historisches Faktum, sondern in seiner symbolischen / transzendenten Bedeutung.
Berge waren - auch bei den (gr.) Heiden – oft heilige Orte, weshalb in AT dort vielfach Altäre standen. Da schwebt die Vorstellung mit, auf dem Berg Gott näher zu sein, was insofern auch stimmt, da im AT Gott Moses und Aaron zu sich auf den Berg Sinai gerufen hat (vgl. ebenso 1Mos.22,14).
Dann ist der Berg eine feste, nicht wankende Landmarke und dient der Orientierung für die Menschen, die im flachen Land umherirren (also die Gott Suchenden). Dies kommt sehr schön in der Sprache des Korans zum Ausdruck. Ich denke, die folgende Sure bezieht sich so auf die Bergpredigt: „Und da Wir den Berg über ihnen schüttelten, als wäre er ein Schattenspender, und sie dachten, er würde auf sie stürzen, (da sprachen Wir): ”Haltet fest, was Wir euch gegeben haben, und denkt daran, was darin steht, auf dass ihr gottesfürchtig werden mögt.” (Sure 7.171).
In diesem Zusammenhang ist der Berg auch ein Ort, von dem aus man weit sehen und gesehen werden kann. Der Berg ist das Gegenteil von ´verbergen`. Daher sagt Jesu: „Ihr [die Jünger] seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben (Mt.5,14).
Also die tiefere Bedeutung von Berg erschließt sich leicht (ich mit sicher bin, dass die Bedeutung noch weitreichender ist).
Kommen wir zum Tal bei Lk.
Bei Lukas wird eine gegenteilige Bewegung beschrieben. Jesus stiegt mit den Jünger „… hinab und machte auf einem ebenen Platz halt“(Lk.6,17). Damit wird auf die andere Seite Jesus des Herrn verwiesen, nämlich dass ER den Übergang vom AT zum NT verkörpert. Im AT, wo der Berg mit der Unnahbarkeit Gottes im Zusammenhang gesehen wurde, geht Jesus zu den Menschen und zeigt sich als nahbarer Gott(essohn): „Sie [die Menschen] waren gekommen, um ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Alles Volk suchte ihn zu berühren, denn eine Kraft ging von ihm aus und heilte alle.“ (Lk.618-19). Jesus ist die Einheit von Wort und Tat. Jesus holt den Himmel auf die Erde, erlöst die heiligen Bezirken in den Bergen und die Bindung der Anbetung Gottes an einen bestimmten Ort auf:
20 Unsere Väter haben auf dem Berg dort Gott angebetet, doch ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man ihn anbeten müsse." *
21 Jesus sagte ihr: "Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, da ihr weder auf dem Berg dort noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
23 Aber es kommt die Stunde, und jetzt ist sie da, in der die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn solche Anbeter sucht der Vater.
24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen anbeten in Geist und Wahrheit."
Was lässt sich daraus für eine Bedeutung gewinnen? Meiner Meinung nach handelt es sich bei der Bergpredigt um einen fundamentales Bestand der Lehre Jesus, korrespondierend mit der Verkündung der 10 Gebote auf dem Berg Sinai. Zweitens besteht das fundamental Neu in einer neuen Beziehung zwischen Gott und Mensch. Gott ist nahbarer geworden. Drittens sehe ich in der Bewegung hinauf auf den Berg und wieder hinunter eine grundlegende Vorbildung für die Gedankenbewegung der Interpretation der Offenbarung. Das irdisch gegebene Wort (der Text) muss erst auf die Höhe gebracht werden (transzendiert) werden, in jene Gedankenregionen, in den Jesus seine Lehr erläutert und wie Gott verstanden werden will. Dann geht es wiederum in die Niederungen des Alltags, wo entsprechende Erkenntnis für das alltägliche Leben fruchtbar gemacht werden sollen. Hier zeigt sich dann, ob man die Worte Gottes verstanden hat.
Letztlich beschreibt die Bergpredigt in konzentrierter Form die Lehre Jesus und den Lernprozess der den Jüngern bevorsteht und jedem, der gewillt ist die Nachfolge Jesus des Herr anzutreten.
Mt.5: 1 Als Jesus die Volksscharen sah, stieg er auf den Berg. Und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm.
2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Dass sich Jesus gesetzt hat bedeutet für mich, dass man sich Zeit nehmen muss um IHM zuzuhören, sprich, um seine Botschaft heute zu verstehen. Wozu braucht man Zeit: um länger nachzudenken.
Ich denke, dass wir uns diese Zeit hier gut nehmen können.
Auch wenn der Berg an vielen Stellen in der Bibel an sich eine tiefere Bedeutung haben kann, ... Für mich bleiben die beiden Texte mit den Seligpreisungen zweierlei Berichte. Auf dem Berg setzte Jesus sich, auf dem Feld blieb er stehend. Es waren jeweils viele Leute um ihn herum. Und ich verstehe die Texte auch so, dass sie in erster Linie an seine Jünger gerichtet sind, was aber alle auch wissen sollten.
Für mich heißt das, Jesus den Herrn ebenso zu verstehen. Die Macht hat ER von Gott, dass verleiht IHM Autorität. Aber was heißt Jesus den Herrn nicht wie einen Schriftgelehrten zu verstehen?
Jesus war mit einer Vollmacht ausgerüstet, die bei den Schriftgelehrten nicht vorhanden war. Er wirft alles über den Haufen, was sie gesagt hatten.
Stimmt uind stimmt nicht. Denn Jesus sagt ´dass er von der Alten Ordnung nichts aufheben will - kein Jota
Ich denke, es kommen noch genug Stellen, die auf dieses Thema hinweisen.
An dieser Stelle habe ich nichts von der alten Ordnung erwähnt, sondern was diese Schriftgelehrten mit so allerlei Redewendungen an moralischen Einzelvorschriften geäußert hatten.
@herbert Ich denke, Du zerpflückst den Text zu sehr.
Der Berg ist (nach meinem Verständnis) einfach eine Erhebung, von der aus Jesus den besseren Überblick und die bessere Akustik hatte, um von seinen Zuhörern besser wahrgenommen zu werden.
Ich sehe kein Zerflücken, sondern versuche den Kontext herzustellen.
Dein Verständnis stimmt für Mt. aber nicht für Lukas und meine Frage war ja. ob dass jetzt ein Widerspruch sei. Die Überlegung, dass es sich um zwei verschiedene Situation handelt, ist überlegenswert. Aber aus meiner Sicht finde ich keine Argumente die dafür sprechen.
Insofern sehe ich zwei Berichte die sich in einem Punkt scheinbar widersprechen (was ja oft vorkommt) Da aber die Offenbarung nach meinem Verständnis widerspruchsfrei sein muss, weil es sonst nicht dem Geist entspricht, muss es also eine andere LÖsung geben. Wie die aussehen könnte, habe ich skizziert.
Veröffentlicht von: @herbertInsofern sehe ich zwei Berichte die sich in einem Punkt scheinbar widersprechen (was ja oft vorkommt)
Ich lese einfach zwei Berichte. Jesus wird ja nicht nur einmal gepredigt haben.
es gibt einen wesentlichen Unterschied gleich am Anfang der beiden Texte:
Jesus beginnt in Mt 5 mit der Einleitung zu einem Lehrtext für alle Anwesenden und auch direkt an die Jünger: sich setzen, um zu lehren ist parallel zum sich Setzen Jesu in der Synagoge in Kapernaum. Das hat mit dem Lehrstuhl des Mose zu tun.
Jesus beginnt in Lk 6 mit einer prophetischen Formel: er erhob seine Augen zu den Jüngern... Sie waren gerade gewählt worden und nun kam die Prophetie über ihren Dienst. Die Augen erheben und sehen ist schon im AT bemerkenswert, als Abraham vor seinem Zelt saß und dann die Vision der drei Männer (Engel?) hatte...was nachher zur Rettung der Familie Lots führte.
Kann ich gut nachvollziehen. Welche Auswirkung hat das nun auf das Verstehen. Treten wir Leser heute in die Rolle der Jünger - auch ohne explizit gewählt worden zu sein?
Mir sind heute diese Anfangsworte so richtig aufgefallen. Demnach müssen es zwei verschiedene Ereignisse sein. Und es sind in deiner Darstellung auch verschiedene Berge. Die Frau am Jakobsbrunnen hat Bezug zum Berg Garizim, Jesus war aber wohl wo anders.
Ich halte Lk 6 für Trostworte und Vorbereitung, was auf uns zu kommen kann, aber nicht zwingend muss mit den Verfolgungen. In anderen Ländern erleben Christen das so.
Die ersten 12 Jünger waren die Apostel, die den HERRN persönlich erlebt haben in menschlicher Gestalt. Der Apostel der Zwischenzeit vor dem 5fältigen Dienst, ist Paulus. Er hatte eine starke Ansprache und eine große Aufgabe. Der Fünffältige Dienst ist in der Zeit der Gemeinde bis zur Entrückung. Jeder könnte auf einen Dienst vorbereitet werden und sollte damit rechnen und erwartend sein, wie Jesus in gebrauchen möchte als Botschafter des Evangeliums und Vertrauter am Herzen des Vaters.
In den Seligpreisungen geht es wohl vorwiegend um innere Haltungen, die dann ihren praktischen Ausdruck finden. So mein aktueller Stand dazu.
Als Nachfolger Jesu denke ich, dass wir mehr oder weniger intensiv in der Jüngerschaft stecken. Ausgebremst wurde diese Ausbildung durch die reduzierende Auslegung von 1. Kor 13, was es alles nicht mehr geben würde. Das ist aber eine Dämpfung des Heiligen Geistes und das sollen wir unterlassen.
wurde diese Ausbildung durch die reduzierende Auslegung von 1. Kor 13,
Der Text ist für mich hoch komplex. Kannst du mir mitteilen, was du damit sagen willst? Bezug zur Bergpredigt?
Schon mal mein Dankschön im Voraus.
Es bezog sich auf den Abschnitt ab Vers 8b
.....seien es aber Weissagungen[7], sie werden weggetan werden; seien es Sprachen[8], sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden.
Diese Elemente, die zur Jüngerschaft gehören, wurden durch die Interpretation, was in Vers 10 als Vollkommenes schon da wäre, als weggetan gelehrt in verschiedenen Gruppierungen.
Woher hat jemand diese Aufhör-Erkenntnis von Gaben, wenn die Erkenntnis aufgehört hat?
oder z.B. wenn es keine tröstenden prophetischen Menschen, die ein Wort vom HERRn für Trauernde haben, mehr geben sollte, wie soll der Dienst ausgeführt werden? Es gibt ja nicht nur Zukunftspropheten innerhalb des Zeirahmens der Schrift, sondern verschiedene Aufgabenbereiche.