Die Fehlbarkeit der Autoren und Gottes Liebe
Hallo,
ich denke gerade über eine Frage zur Interpretation von Texten nach. Es geht um die Verbindung zwischen Fehlern von Menschen und der Richtigkeit der Bibel, besonders bei Themen wie LGBTQ+.
Meine Idee kann man in drei Teile gliedern:
- Was die Bibel über das Wesen des Menschen sagt
In Römer 3,10-20 steht sehr deutlich: „Es gibt niemanden, auch nicht einen einzigen, der ohne Fehler ist.“ Wenn wir das ernst nehmen, betrifft das auch die Leute, die die biblischen Texte geschrieben haben. Auch sie waren Menschen, die nach eigener Aussage nicht ohne Fehler waren.
- Unterschied zwischen Gottes Wort und Ansicht von Menschen
Dass die Schreiber ihre eigene Sicht eingebracht haben, sieht man an Stellen wie 1. Korinther 7,25, wo Paulus klar zwischen einem Gebot des Herrn und seiner eigenen Ansicht unterscheidet. Wenn die Schreiber also durch ihre damalige Erziehung, ihre alte Weltsicht und ihre menschlichen Grenzen beeinflusst waren, entsteht die Frage: Wo hört Gottes Wille auf und wo fängt die kulturelle Prägung des Schreibers an?
- Die Frage nach der Veränderung
Viele Gläubige sehen die Bibel als unveränderliche, genaue Wahrheit. Wenn aber die Schreiber „fehlerhafte“ Menschen waren, könnten dann manche Stellen – zum Beispiel solche, die heute gegen LGBTQ+ benutzt werden – eine Veränderung sein? Könnte es sein, dass die damaligen Umstände und Vorurteile der Schreiber Gottes eigentliche, unendliche Liebe in den Texten unbemerkt verändert oder eingeschränkt haben?
Mein Hauptpunkt zur Diskussion:
Wenn wir akzeptieren, dass die Schreiber fehlerhafte Menschen waren, müssen wir dann nicht auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass manche Verbote eher die Denkweise der Antike zeigen als den ewigen Willen eines liebenden Gottes?
Veröffentlicht von: @mhjsgwMein Hauptpunkt zur Diskussion:
Wenn wir akzeptieren, dass die Schreiber fehlerhafte Menschen waren, müssen wir dann nicht auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass manche Verbote eher die Denkweise der Antike zeigen als den ewigen Willen eines liebenden Gottes?
Ja.
L'Chaim
Mein Hauptpunkt zur Diskussion:
Wenn wir akzeptieren, dass die Schreiber fehlerhafte Menschen waren, müssen wir dann nicht auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass manche Verbote eher die Denkweise der Antike zeigen als den ewigen Willen eines liebenden Gottes?
Durchaus - aber dabei geht es nicht nur um Verbote, sondern oft auch um biblische Geschichten (Berichte) und Anordnungen (Gebote). Und vielleicht ist es gar nicht mal die "Denkweise der Antike", sondern schlicht und einfach die persönliche Erfahrung des Autors, also die "Denkweise des Schreibers".
Wir wissen doch aus der Kommunikationsforschung, dass sich weitergegebene Nachrichten (Erzählungen) mit jeder Weitergabe an einen neuen Hörer (der dann wieder zum Erzähler wird) verändern.
Mein Hauptpunkt zur Diskussion:
Wenn wir akzeptieren, dass die Schreiber fehlerhafte Menschen waren, müssen wir dann nicht auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass manche Verbote eher die Denkweise der Antike zeigen als den ewigen Willen eines liebenden Gottes?
Im Sinne von: könnten Aussagen der Bibel – besonders zu LGBTQ+ – möglicherweise teilweise durch die kulturell begrenzte Sicht ihrer menschlichen Autoren geprägt sein und müssen deshalb nicht automatisch als zeitloser, unveränderlicher Wille Gottes verstanden werden?
@martha Du hast meine Gedanken in Worte gefasst.
Ich denke nach wie vor, dass die Bibel deutlich mehr zeitlose Dinge zu sagen hat als die üblichen Fragen, die immer wieder kommen, um ihre Glaubwürdigkeit und Gültigkeit in Frage zu stellen.
zum Beispiel solche, die heute gegen LGBTQ+ benutzt werden
Zumal die genutzten Bibelstellen meist so gar nicht zum Thema passen.
Im NT gibt es drei Bibelstellen, (die mir gerade einfallen und) die über gleichgeschlechtlichen Sex reden. Zwei sind Lasterkataloge, wo gar nicht genau klar ist, was der Autor da so im Sinn hatte; wahrscheinlich geht es dort aber um Missbrauch und/oder Prostitution. Und eines geht darum, dass Menschen den "natürliche Verkehr" verlassen; was mehr oder minder auch mit Ehebruch einhergeht, wenn man den "natürlichen Weg" schon gegangen ist.
Zum Thema Transsexualität werden Bibelstellen meist Schwarz/Weiß gelesen, obwohl die Realität ja zeigt, dass es nicht so Schwarz/Weiß ist wie es manche gerne hätten. Explizit wird das in der Bibel meines Wissens nicht behandelt.
Wenn wir akzeptieren, dass die Schreiber fehlerhafte Menschen waren, müssen wir dann nicht auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass manche Verbote eher die Denkweise der Antike zeigen als den ewigen Willen eines liebenden Gottes?
Das wäre auf jeden Fall Sinnvoll.
Damit entzieht man allerdings vielen Menschen eine Grundlage, worauf sie ihren ganzen Glauben aufgebaut haben. Plötzlich müssen echte Argumente herangebracht werden, statt einfach nur Bibelverse zu zitieren.
wahrscheinlich geht es dort aber um Missbrauch und/oder Prostitution
Ziemlich unbegründet. Der Wortlaut erinnert an 3.Ms 18 und 20. In diesen »Lasterkatalogen« wird allgemein Sex zwischen Männern als Sünde bezeichnet. Egal welche Umstände. Für homosexuelle Prostitution gab es auch im Hebräischen einen Ausdruck, der wird dort nicht benutzt.
Woher weißt du etwas über Gottes Liebe? Vielleicht haben diese fehlbaren Menschen auch viel Unrichtiges über Gottes Liebe geschrieben? Wie kannst du dir denn sicher sein, dass sie ausgerechnet bei diesem Thema alles so aufgeschrieben haben, wie Gott es haben wollte?