Die Sache mit Lots Frau
Hallo Zusammen,
seit Wochen beschäftigt mich die Geschichte mit der Flucht von Lots Familie aus Sodom und warum Lots Frau zur Salzsäule erstarrte. Beim Googeln habe ich verschiedene Theorien gefunden:
- sie hat nicht auf die Engel gehört und aus Strafe für ihren Ungehorsam erstarrte sie zur Salzsäule
- sie hing zu sehr der Vergangenheit nach, was sie unwiderruflich verloren hat
- das Entsetzen war zu groß als dass sie es hätte verkraften können
Mir ist noch ein anderer Gedanke hierzu gekommen. Und zwar, dass eine Rückkehr zur Welt der Sünde unmöglich geworden ist, wenn Gott einen da raus geholt hat. Und wenn man sich umdreht, um zu betrachten, welchem Szenario man da geradeso entkommen ist, erstarrt man vor Schreck. Ich stelle mir bildlich vor, wie ich vor meinen Sünden davonlaufe, um rechtzeitig entkommen zu sein, bevor Gott die Sünden vernichtet und auch mich vernichten würde, würde ich daran festhalten.
Was meint ihr dazu?
Die Deutung der Geschichte ist das eine, die Frage nach dem tatsächlichen Geschehen das andere.
Insofern ist die "Erstarrung von Lots Frau zur Salzsäule" ein schönes Beispiel für die Frage, wie wir die Bibel lesen - d.h. für die Frage, ob wir tatsächlich meinen, es mit einem tatsächlichen Geschehen zu tun zu haben und es als solche "gläubig" anzunehmen.
In der Umgebung des Toten Meeres gab es schnell verwitterndes Salzgestein, das zu bizarr geformten Salzsäulen werden konnte. In einem solchen Felsgebilde meinte man in alter Zeit die Frau Lots zu erkennen. Religions- und traditionsgeschichtlich spricht m,an von aitiologischen Erzählungen (Sagen), die etwas Vorfindliches (oft Rätselhaftes, Auffälliges) mit einem bestimmten Zusammenhang (hier die Abraham- und Lotgeschichte) verknüpfte. Man hätte also nicht "filmisch" festhalten und dokumentieren können, wie ein Mensch aus Fleisch und Blut tatsächlich zu einer "Salzsäure" verwandelt und deformiert wird.
Die Funktionalisierung des Phänomens (das rätselhafte Gebilde) im Erzählzusammenhang ist dann eine Ebene, die mMn verschiedene Deutungsmöglichkeiten zulässt - als Strafe oder Befindlichkeit (sich nicht lösen können/wollen).
L'Chaim
Ja, klar.
Aber es hat mich gereizt, diese Geschichte - ich sag mal: Einwurf von der Seitenlinie 😉 - auch nochmal entstehungs- und traditionsgeschichtlich aufzugreifen.
Deutungsmäßig tendiere ich dazu, es zu "psychologisieren": Lass zurück und schau Dich nicht mehr um, wenn etwas zu Ende ist! Und es zugleich zu "theologisieren": Schau nach vorne auf das, was Gottes Wege für Dich und für die Zukunft sind! Ähnlich dem Jesus Wort: "Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut ..."
L'Chaim