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Selektive Bibelauslegung


Guenter
Themenstarter
Beiträge : 60

Ihr Lieben,

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"ich möchte mit Euch in dieser Reihe gerne die Praxis der Exegese der Bibel, also der Auslegung der Heiligen Schrift, in Kirchen, Gemeinden, Bibelstunden und Hauskreisen bedenken. Dabei wird es unter anderem um Homosexualität, um Schwangerschaftsunterbrechung, um Umweltschutz, um soziale Gerechtigkeit, um Schmuck und um vieles, vieles andere mehr gehen.
...
Schon seit langem beschäftigt mich dieses Thema, das ich hier im Thread einmal näher vertiefen möchte. Wir werden hier in mehreren Teilen die Praxis der Exegese, also der Auslegung der Heiligen Schrift kritisch bedenken.

Selektive Bibelauslegung ist unter vielen Christen, Gemeinden und Hauskreisen sehr weit verbreitet! Das läuft dann sehr oft nach dem im folgenden beschriebenen Muster ab: Ich vertrete eine bestimmte Meinung und suche jetzt einen passenden Bibelvers, der diese Meinung bestätigt, zur Begründung heraus. So haben eben viele Evangelikale ihre "Lieblingsthemen" wie u. a. Homosexualität und Abtreibung. Dass die Bibel im Zusammenhang geprüft auch ganz andere Forderungen vertritt, interessiert oft nicht.

Waffenhandel, Abholzung des Regenwaldes und soziale Ungerechtigkeit ist doch nicht so schlimm! Davon steht ja in der Bibel ja auch nichts! Die Schöpfung bewahren? Damit ist doch gemeint, dass wir auf Anstand und Moral achten! Das ist viel wichtiger! Was sagen Leute wie Olaf Latzel denn konkret zum Waffenhandel und zur Abholzung des Regenwaldes in Brasilien und Argentinien? Was sagen sie zu der Hungersnot in vielen Ländern? Was sagen sie zu der menschenunwürdigen Unterbringung der Flüchtlinge auf den Inseln der Nordägäis, darunter Lesbos, Samos und Chiosn?

Welche evangelikale Christen, welche Gemeinden und welche christlichen Hauskreise setzen sich hier ein und demonstrieren gegen diese Misstände? Einige sicherlich, die meisten aber nicht. Auf Facebook las ich in den vergangenen Tagen immer wieder von Usern, die sich als Christen bezeichneten, dass es wichtiger sei, sich gegen Homosexualität und gegen Abtreibung zu engagieren. "Und gegen den Kindesmord im Mutterleib demonstrieren wir auch beim "Marsch für das Leben" und "1.000 Kreuze" usw. sogar! ". Aber doch nicht für soziale Gerechtigkeit - "das ist doch Kommunismus!" Davon stehe in der Bibel auch nichts! "Wir dürfen aber Almosen geben ... " - dann sei es aber auch gut!

Wie ist das nun eigentlich? Was steht in der Bibel und was nicht? Was gilt für uns Christen im Jahr 2020 - und was nicht? Gilt für uns alles, was Paulus schrieb? Und wie ist das eigentlich mit dem Alten Testament, was davon gilt für uns Christen noch heute - und was nicht? "

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Liebe Grüße
Günter

Antwort
6 Antworten
Lombard3
Beiträge : 4292

Sklaverei
Wäre das Thema Sklaverei auch mit dabei?

Im Prinzip könnte man sich Sklaven halten, wenn es nach der Bibel geht.

Nur Paulus hat gesagt, dass man der Obrigkeit untertan soll - d.h. Sklaverei ist nicht in Ordnung, weil es in Deutschland in Ordnung ist.

Aber die Bibel hat per se nichts gegen Sklaverei, richtig?

Nachtrag vom 04.10.2020 0509
.. weil es in Deutschland nicht in Ordnung/verboten ist.

Womit wir allerdings uns nicht nach der Bibel richten, sondern nach einer modernen Gesetzgebung.

lombard3 antworten


Herbstrose
Beiträge : 14194

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Guten Morgen, ich fürchte, dass der Thread ganz schnell gelöscht wird.

Aus der Charta:

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herbstrose antworten
Tagesschimmer
Beiträge : 1057

Ganz schön viel Text und ganz schön viele steile Thesen über andere Christen. Was ist deine Lösung?

Ich habe mich damit abgefunden, dass ich selektiv Wahrnehme, solange ich unvollkommen bin. Meine Bibelauslegung und auch das, was ich von anderen Christen höre, wird selektiv bleiben. Mir hilft die Gemeinschaft mit anderen Christen in Demut und Liebe. So kann sich der Blick weiten.

tagesschimmer antworten


joe390
 joe390
Beiträge : 466

Ein paar Gedanken dazu:

1. Themen wie Homosexualität und Abtreibung sind sicher sehr präsent. Aber liegt es daran, dass es "Lieblingsthemen der Evangelikalen" sind? Die Ursache liegt meines Erachtens eher darin, dass es starke öffentliche Stimmen gibt, die HS als normal bezeichnen und Abtreibung als völlig legitimen Weg. Und da müssen Christen in der Tat widersprechen, denn es geht um ganz fundamentale Dinge, nämlich wie sich Gott den Menschen gedacht hat und ob gleichgeschlechtliche Partnerschaft nur eine Spielart ist oder im tiefsten gegen Gottes Bedienungsanleitung für unser Leben und Wesen. Gleiches gilt für Abtreibung: Den Preis zahlt der heranwachsende Mensch mit seinem Leben. Es ist nun einmal das Verantwortungsvollste, was zwei Menschen auf dieser Erde tun können: Ein neues menschliches Leben zeugen. Es kann nicht sein, dass man dann feststellt, dass das ein Versehen war ("Entschuldigung kleines Baby, wir wollten dich eigentlich gar nicht ins Dasein rufen") und den heranwachsenden Mensch dann aus dem Weg räumt (und das dann auch als sein gutes Recht bezeichnet!)

Würden Menschen Bankraub und andere Verbrechen als normal hinstellen, wären das eben die vermeintlichen "Lieblingsthemen" der Christen. Da hier aber weitgehend Einigkeit besteht, kommt ist das eben kein großes Thema und vor allem auch kein Streitthema.

Ein anderes Thema wäre sicher Ehebruch und Ehescheidung. Das wird in der Welt weitgehend als normal ansehen, und hier müssten Christen definitiv klarer Farbe bekennen, denn das ist ja ein tiefgehender Vertrauensbruch, Verrat am Partner und unheimlich zerstörerisch. Gott sagt ja nicht umsonst, dass er Scheidung hasst. Er sieht ja den Schmerz und die Tränen und die Verletzungen. Leider ist das auch in gläubigen Gemeinden kein Selbstläufer, auch im Blick nach Innen müsste das Thema Partnerschaft und Ehe viel fundierter gelehrt und auch praktiziert werden.

2. "Selektive Bibelauslegung": Es darf natürlich nicht sein, dass man sich Bibelverse sucht, um seine (eigennützige) Position zu verteidigen. Sondern die Bibel muss unsere Position prägen, die wir dann natürlich auch vertreten, oder vielmehr: Christen sollen geistlich reifen, sich von Gottes Maßstäben und Wort prägen lassen, "erkennen, was der Wille Gottes ist" und das verkündigen und dafür einstehen.
Es kommt sicher immer wieder vor, dass jemand in der oben beschriebenen Weise Bibelverse nach seinem Gusto missbraucht, allerdings würde ich längst nicht so pauschal formulieren, dass es unter "vielen Christen, Gemeinden und Hauskreisen sehr weit verbreitet" ist. Das halte ich für unzutreffend und polemisch. Ich habe den Eindruck, dass viele Christen durchaus aufrichtig nach Gottes Willen fragen und sich von der Bibel prägen lassen. Und wenn es anders ist, dann muss man das eben im konkreten Fall thematisieren und gegenhalten.

3. Was du dir da auf Facebook zusammengesucht hast (" Aber doch nicht für soziale Gerechtigkeit - das ist doch Kommunismus! Davon stehe in der Bibel auch nichts!"), halte ich für Quatsch - entschuldige die deutliche Wortwahl. Natürlich findet man im großen weiten Netz alle möglichen schrägen Statements. Aber was du da zitierst, ist weder repräsentativ noch ist es mir in dieser Weise bisher untergekommen, und ich kenne zig Gemeinden. Und selbst wenn: Selbstverständlich steht eine Menge über (soziale) Gerechtigkeit in der Bibel; diese Facebook-Aussagen lassen sich also ruck-zuck widerlegen. Und es gibt viele Christen, die sich enorm sozial engagieren, Hilfewerke unterstützen oder gründen, beträchtliche Mittel zur Verfügung stellen oder selbst zu den Menschen in Not gehen. Mein Eindruck ist vielmehr der, dass dieses Thema und auch die persönliche Verantwortung in lebendigen christlichen Gemeinden sehr präsent ist.

Veröffentlicht von: @guenter

Wie ist das nun eigentlich? Was steht in der Bibel und was nicht? Was gilt für uns Christen im Jahr 2020 - und was nicht? Gilt für uns alles, was Paulus schrieb? Und wie ist das eigentlich mit dem Alten Testament, was davon gilt für uns Christen noch heute - und was nicht? "

Ja, alles. "Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt." (2. Timotheus-Brief, Kap. 3)

Nachtrag vom 04.10.2020 1346
Mein letzter Absatz ("Ja, alles...") ist evtl. missverständlich im Bezug auf das mosaische Gesetz im AT. Das galt/gilt die, die im alten Bund lebten und leben. Für die christliche Gemeinde gelten nach wie vor Gottes Ordnungen (die ja auch schon vor dem mosaischen Gesetz existierten), aber nicht bspw. die altetestamentlichen Opfergesetze, die ja nur ein Abbild der himmlischen Dinge sind, oder die Zeremonien oder die Speisegesetze. Lies dazu mal den Hebräerbrief, der erklärt das exzellent!

joe390 antworten
1 Antwort
DerNeinsager
(@derneinsager)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1449

Finde ich gut erkannt!
In der Bibel gibt es wenig bis nichts was Abtreibung oder HS befürworten tut.

Hier heute in Deutschland dagegen werden diese Dinge förmlich gefühlt gehypt und gefeiert. Da prallen Welten aufeinander. Hinzu kommt das man das Gefühl bekommt, reales Geschlecht und sexuelle Orientierung hätten nichts miteinander zu tun und die meisten Abtreibungen finden nunmal nicht deshalb statt, weil es eine Vergewaltigung war oder Lebensgefahr herrscht. Vor der Hinsicht finde ich vor allem den linksliberalen Zeitgeist verheuchelt. Ist man tendenziell Rechtskonservativ eingestellt, wird man davon im Grunde mit dem NS Regime über einen Haufen geschert. Zeitgleich aber bekommt man das Gefühl das ein Mensch der sich noch im Mutterleib befindet, quasi gar keine Rechte hat und er nicht mal als Mensch wahrgenommen wird.

Naja, diese Lieblingstellen gäbe es so zumindest nicht würde die Welt hier nicht einen so scharfen Kurs in die andere Richtung fahren.

derneinsager antworten
an.ja
 an.ja
Beiträge : 1756
Veröffentlicht von: @guenter

"ich möchte mit Euch in dieser Reihe gerne die Praxis der Exegese der Bibel, also der Auslegung der Heiligen Schrift, in Kirchen, Gemeinden, Bibelstunden und Hauskreisen bedenken.

Darf ich fragen, was Dich dazu qualifiziert?

Veröffentlicht von: @guenter

Selektive Bibelauslegung ist unter vielen Christen, Gemeinden und Hauskreisen sehr weit verbreitet! Das läuft dann sehr oft nach dem im folgenden beschriebenen Muster ab: Ich vertrete eine bestimmte Meinung und suche jetzt einen passenden Bibelvers, der diese Meinung bestätigt, zur Begründung heraus.

Du hast eine bestimmte Meinung über christliche Exegese und suchst jetzt anscheinend passende Beispiele aus der christliche Szene heraus: "So haben eben viele Evangelikale ihre "Lieblingsthemen" ... "

Das nennt man selektiv!

Ich hoffe, Du hast das ebenfalls reflektiert.

an-ja antworten


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