Textkritk
Hallo Zusammen
Ich möchte mit euch gerne zwei unterschiedliche Herangehensweise der Textkritik besprechen. In deutschen akademischen Kreisen wird ja die neue Urkundenhypothese mit JEDPRDH+ (ist kein Schenkelklopfer) so ziemlich als gegeben betrachtet und behandelt. Im englischsprachigen Raum ist eine weitere JDP Ergänzendenhypothese durchaus verbreitet und anerkannt.
Kurz erklärt für diejenigen, denen das ganze nichts sagt, die Urkundenhypothese behauptet, dass mehrere Quellen gab, die unabhängig voneinander geschrieben wurden, J (Jahwist), E (Eloist), Dtr1 (früher Deuteronomium) Dtr2, (später Deuteronomium), P (Priesterschrift), DH (Deuteronomium Geschichte "History") welche dann alle durch einen R (Redaktor) zusammengefügt worden sein sollen. Dies soll all die Diskontinuitäten und Unterscheide in den Büchern Mose, Joshua, und Könige erklären.
Die zweite Hypothese, postuliert, dass es einen ursprünglichen Text gibt, welche die Werke, die als J und E identifiziert haben umfasst. Dieser Text wurde dann später durch D und P ergänzt und aktualisiert. Es sind also nicht unabhängige Werke, die zusammengeführt worden sind, sondern Texte welche ergänzt wurden. Diskontinuitäten und Unterschiede sind nach dieser These gewollt, um theologische Aussagen zu machen.
Habt ihr von diesen Thesen schon mal gehört, was haltet ihr von der Ergänzendenhypothese.
Du hast gerade zwei „Kritiken“ miteinander verwechselt:
- Textkritik setzt sich damit auseinander, das ein Text (z.B. die Bibel) in unterschiedlichen Lesarten der verschiedenen Manuskripte überliefert ist.
- Was du meinst ist Quellenkritik, die Frage nach den Vorstufen eines Textes.
Ich werde gleich zu beiden je einen Beitrag schreiben, um diese beiden Themen auseinander zu halten.
Bei Textkritik ist es so, dass wir im NT sehr viele (tausende) Manuskripte haben. Deshalb gibt es sehr viele Lesarten (sechsstellige Zahl), aber meist ist klar, welche ursprünglich ist und wo die Abschreibfehler sind. Unsicherheiten gibt es typischerweise da, wo es inhaltlich keine große Rolle spielt.
Beispielsweise ist in Mt 14,12 (Dann kamen die Jünger des Johannes, holten den Toten und begruben ihn...) nicht klar, ob sich »ihn« auf Johannes bezieht oder auf seinen Leichnam - ist im Griechischen ein grammatikalischer Unterschied, und die moderne Textkritik sagt, dass beide Lesarten in etwa gleich gut von Manuskripten bezeugt sind.
Bei Ausnahmen von der Regel, also wichtige Unterschiede, bei denen nicht ganz klar ist, welche Lesart stimmt, gibt es in vielen Bibelausgaben Fußnoten, die darauf hinweisen.
Neben der modernen (wissenschaftlichen) Textkritik gibt es noch eine Textkritik nach dem Motto »was in meiner Bibel steht, stimmt«. Wobei »meine« Bibel eine bekannte Ausgabe ist, Beispielsweise die Lutherbibel (von 1545, oder von 1912, oder gar die „Lutherbibel 1545« aus dem 18. [19.?] Jahrhundert), die King James Bibel oder die Ausgabe des griechischen NTs von 1633 aus dem Druckhaus Elzevier (gemäß dem Werbetext dazu als Textus Receptus bzw. TR bezeichnet).
Wer abschätzen will, wie groß die Unterschiede zwischen moderner Textkritik und TR sind, der kann ja die Elberfelder Bibel (moderne Textkritik) und die Schlachterbibel (TR) vergleichen.
Dazu könnte man noch viel sagen, ich mach aber hier erst mal einen Schlusspunkt.
Veröffentlicht von: @hkmwkNeben der modernen (wissenschaftlichen) Textkritik gibt es noch eine Textkritik nach dem Motto »was in meiner Bibel steht, stimmt«. Wobei »meine« Bibel eine bekannte Ausgabe ist, Beispielsweise die Lutherbibel (von 1545, oder von 1912, oder gar die „Lutherbibel 1545« aus dem 18. [19.?] Jahrhundert), die King James Bibel oder die Ausgabe des griechischen NTs von 1633 aus dem Druckhaus Elzevier (gemäß dem Werbetext dazu als Textus Receptus bzw. TR bezeichnet).
Ein unqualifizierter Einwurf meinerseits - gespeist aus Beobachtungen, die sicher nicht repräsentativ sind:
Ganz selten hat derjenige, der sagt 'in meiner Bibel steht' eine 'Hoffnung für Alle' und garantiert nie eine 'Volxbibel' in der Hand.
Na ja, »in meiner Bibel steht« kann benutzt werden, um sich gegen eine Bibelauslegung abzugrenzen.
Die Haltung die ich skizziert habe sagt eher »die …-Bibel ist verfälscht, vergleiche mal mit der…-Bibel«, dann siehst du das.
Oder so, wie es ein Afrikaner gesagt haben soll: Wenn die King James Version für Paulus gut genug war, sollte die auch für uns gut genug sein!
🤣😂🤣😂🤣
Hallo Helmut,
Quellenkritik gehört ja unter den Schirm Textkritik. Denn man muss a Textkritik betreiben, um sich irgendwie aus, den Finger saugen zu können, welcher Text denn genau zu welcher Quelle gehören soll.
Das habe ich so noch nie gehört.
Bei Textkritik geht es um Fragen wie: Gehört Apg 24,7 zum ursprünglichen Text, oder ist das eine spätere Hinzufügung? Bei Quellenkritik geht es um Fragen wie: Ist die ganze Bergpredigt aus der Logienquelle, also auch die Teile, die in Lk fehlen?
Textkritik wird vor der Quellenkritik betrieben, genauso wie Handschriftenkunde vor der Textkritik. Eine tiefere Verbindung besteht da aber nicht.
Die Verbindung, die ich angesprochen habe, besteht insofern, als man zuerst klären muss, ob es sich um eine Textvariante handelt, die aufgrund unterschiedlicher Manuskripte beruht.
Als Beispiel kommt mir da die Diskussion darüber, wie oft Mose auf den Berg Sinai ging. Da werden ja zum Teil Teilsätze der einen Quelle und der Rest anderen Quellen zugeschrieben, und das zum Teil aufgrund von Argumenten, die, wenn man statt der MT die LXX heranzieht, verschwinden. Also wie du sagts Textkritik wird vor Quellenkritik betrieben. Gerade im AT wo die Manuskriptanlage etwas dünner ist als im NT, sind die beiden enger miteinander verbunden als im NT.
Na ja, dass die Übersetzer die LXX zuweilen den Text interpretiert und glattgemacht haben, ist ein alter Hut.
Aber dass die Entscheidung in einem Arbeitsschritt sich auf die folgenden Schritte auswirkt, heißt ja nicht, dass beide Schritte zur gleichen Methode gehören.
Um bei meinem Vergleich zu bleiben: Die Datierung alter Pergaments kann sich auf textkritische Entscheidungen auswirken, aber das macht Textkritik nicht zur Handschriftenkunde 😉
Na ja, dass die Übersetzer die LXX zuweilen den Text interpretiert und glattgemacht haben, ist ein alter Hut.
Ein alter Hut der getrost aus dem Fenster geworfen werden kann, seit Qumran, ist bekannt, dass die LXX auf einer anderen Tradition beruht als der MT. Den der hebräische Text aus Qumran, stützt öfter die LXX Variante als die des MT.
Dass die MT Tradition von den Juden tradiert wurde und die Tradition, auf der die LXX beruht liegt, daran, dass viele der Argumente für Jesus von der LXX gestützt werden.
Ein alter Hut der getrost aus dem Fenster geworfen werden kann
Na ja, wenn Namen, die in Keilschrift auftauchen, im MT genau so transkribiert werden, wie es den antiken Gepflogenheiten entspricht, aber in der LXX verhunzt werden, dann spricht das gegen die LXX.
Etwa das persische Parschandatha (Est 9,7), der sogar in hebräischen Buchstaben (Aramäisch, um genau zu sein) archäologisch belegt ist, bei dem die LXX einen Doppelnamen Pharsan-Nestain bietet.
Man kann davon ausgehen, dass die Rabbis versucht haben, den besten Text unter den vorliegenden (hebräischen) Versionen auszuwählen, und anscheinend haben sie ihre Sache nicht schlecht gemacht.
und anscheinend haben sie ihre Sache nicht schlecht gemacht.
im Grossen und Ganzen ja, die Unterschiede zwischen LXX und MT sind ja marginal. Nur gibt es gewisse Stellen, da ist der MT wohl eher die "schlechtere" Variante, respektive die LXX und Qumran bilden die ältere und wahrscheinlichere Tradition ab.
Qumran ist nicht einheitlich. Eine Jesajarolle ist dem MT so ähnlich, dass eine Zeit lang die Meinung vorherrschte, Qumran würde die Überlegenheit des MTs gegenüber der LXX bestätigen.
Es ist eben komplizierter, und ich wollte auch nicht sagen, dass an jeder Stelle der MT besser als LXX ist.
Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, desto mehr wird klar, dass man den MT, die LXX, Pentateuch, Targums und andere AT Quellen aus der Rabbinischen Literatur oder Josephus oder der gleichen, genauso behandeln soll wie die diversen Quellen im NT. Das heisst, es werden die einzelnen Stellen beurteilt und nicht die Quelle als Ganzes. Es gibt Passagen, da ist wohler der MT die wahrscheinlichere Variante, und es gibt Stellen, da ist LXX die wahrscheinlichere Variante.
Und es gibt ja mehrere Jesajarollen (-fragmente) aus Qumran, die sind ja in sich selbst nicht einheitlich.
Zur Quellenkritik hatte ich gerade viel geschrieben, einen Vortrag von C.S. Lewis auf Englisch verlinkt, und dann sehr lange nach der deutschen Übersetzung gesucht. Sie lässt sich nicht finden, obwohl ich einen Link darauf auf meinem PC habe. Nur der ist nicht hier (auf meinem Smartie).
Und bei all dem ist auch mein Text im Datennirwana verschwunden.😕
Hier ist es schon Abend, morgen früh habe ich mich beruhigt und werde mehr schreiben. Falls jemand einen Link zur deutschen Übersetzung von "Fern-Seeds and Elephants" hat - den könnte ich gut gebrauchen.
Ich fügs mal hier ein:
Der Vortrag von C.S. Lewis auf Deutsch und auf Englisch.
Hatte ich seinerzeit nicht da, jetzt bin ich in D, arbeite die unbearbeiteten Meldungen ab und kam so wider hierher. Erinnerte mich, und habe die Links auf meinem PC, also poste ich sie jetzt.
So, zweiter Versuch, was zur Quellenkritik zu schreiben:
Seriös kann Quellenkritik betrieben werden, wenn mehrere Texte vorhanden sind, die miteinander verwandt sind. Also wenn Text A offensichtlich Text B benutzt hat, oder wenn A und B anscheinend eine Quelle gemeinsam haben.
Weniger sicher sind indirekte Schlüsse. Man kann beispielsweise feststellen, dass vom Besuch von Paulus und Barnabas auf Zypern in Apg 13 eigentlich nur steht, dass sie die ganze Insel durchzogen haben, und die Bekehrung von Sergius Paullus (sic!), der in Galatien zu Hause war (anschließend reist Paulus in dessen Heimatstadt Antiochia bei Pisidien). Da liegt die Vermutung nahe, dass die Quelle für diesen Bericht aus Galatien kommt: Die Einwohner von Antiochia hat es sicher interessiert, dass ein Mitglied einer angesehenen Familie durch Paulus bekehrt wurde (vgl. Apg 13,44!), und die Christen dort haben die Geschichte, wie es dazu kam, weitererzählt …
Theologen gehen in der Quellenkritik oft viel zu weit. C.S. Lewis hat mal in einem Vortrag aufgespießt, aus wie wenig Evidenz Kritiker ihre Quellentheorien bauen, und für moderne Kritiker (z.B. Rezensenten seiner Bücher) dargestellt, wie leicht auch scheinbar plausible Theorien falsch sein können. Das gilt auch für die eben erwähnte Annahme…
Beim NT (2000 Jahre Abstand) ist es nicht so leicht, einen Irrtum zu Belegen, dazu haben wir zu wenig Hintergrundinformationen.
Aber nehmen wir die Zweiquellentheorie, entstanden durch den Vergleich von Mt, Mk und Lk. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mt und Lk das Mk-Ev benutzt haben, sowie eine weitere Quelle (Q) gemeinsam haben. Das ist seriöse Quellenkritik.
Aber es gibt noch Fragen, die damit nicht geklärt sind:
- Ist Q wirklich nur eine Quelle, oder tatsächlich mehr als eine?
- Ist das eine schriftliche Quelle, oder (teilweise?) eine verfestigte mündliche Tradition?
- Da weder Mt noch Lk alles in Q übernehmen: Was stand in den Teilen von Q, die weder Mt noch Lk übernommen haben?
Theologen tun häufig so, als wüssten sie die Antwort auf diese Fragen (bzw. sie stellen sie erst gar nicht), und bauen so ein Theoriegebäude, in dem höchstwahrscheinlich ein Fehler steckt - auch wenn niemand sagen kann, an welcher Stelle der Fehler zu suchen ist.
Oder wenn versucht wird, einen Paulusbrief auf mehrere Quellen zu verteilen, dann ist das schlicht Pseudowissendchaft.
Zu JEPD schreibe ich gleich einen eigenen Beitrag.
JEDPRDH+ ist einr Weiterentwicklung von JEPD, was längere Zeit der Konsens der Theologen über die Quellen der 5 Bücher Mose war.
In den 70-er Jahren bestätigte eine computerunterstützte Untersuchung das, was Praktiker schon immer erlebt hatten: es ist (von Ausnahmen wie den ersten Kapiteln in 1.Ms abgesehen) unmöglich, die Quellen J und E voneinander zu trennen.
Es hat dann noch einige Jahrzehnte gedauert, bis das allgemein ankam, und heute kann von einem Konsens keine Rede sein.
Es gibt noch Verfechter von JEPD, anderen sehen weniger Quellen, andere deutlich mehr - zum Teil sind das Theorien, die es gab, bevor sich JEPD durchsetzte.
Die Entstehung der mosaischen Quellenschriften im 19. Jh. und der Sturz dieser Theorie sind geradezu ein Paradebeispiel, wie wenig die theologische Quellenkritik wert ist.
Diskontinuitäten sind zuweilen (nicht immer) an den Haaren herbeigezogen. Doppelberichte sind i.d.R. Teil einer »konzentrischen Struktur«, bei der Berichte/Motive/o.ä. spiegelsymmetrisch angeordnet werden (ABCD…DCBA).
In 1.Ms gibt es z.B. eine konzentrische Struktur, in der Abraham zweimal seine Frau als Schwester ausgibt. Wenn man die Struktur erkannt hat, sieht man auch, dass er Lot zweimal das Leben rettet (1.Ms 14,1-16 und 1.Ms 18,16-33, vgl. 1.Ms 19,29).
Ich halte es für ausgeschlossen, dass es eine Vorstufe von 1.Ms gab, in der diese Struktur (und die darin enthaltenen Doppelungen) nicht enthalten waren.
Soweit meine Meinung zu diesen Theorien.
Nun ja, dass in den Modebüchern zuweilen upgedatet wurde (etwa wenn von Ur in Chaldäa die Rede ist, oder Könige Israels erwähnt werden), lässt sich kaum bestreiten.
Aber ganz P und D als spätere Ergänzung anzunehmen - da fehlen mir die Argumente, warum das so sein sollte.
Wer unbedingt Quellen unterscheiden will, wo es wenige Anhaltspunkte gibt, der betreibt Kaffeesatzleserei.
Und ich bilde mir ein, das mit anderen Worten auch schon oben schon gesagt zu haben 😎
@arcangel Hallo,
ich neige zu der zweiten Hypothese. Ich denke, die Texte sind eher in mehreren Redaktionsstufen zusammengesetzt und ergänzt worden.
Dass die fünf Mosebücher aus unterschiedlichen Quellen entstanden sind, ist für mich bewiesen, seit ich mal das Thema Asyl in der Bibel genauer untersucht hatte. Da stehen nämlich ganz unterschiedliche Angaben zu den Möglichkeiten des Asyls. Wenn die alle von einer Quelle stammen würden, würde sich der Autor sehr widersprechen. Wenn man dagegen berücksichtigt, dass die Texte z. T. aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammen, dann erklären sich die unterschiedlichen Angaben zum Asyl gut. Sie passen dann zur Geschichte Israels und zur entsprechenden Theologie.
Gruss, Jimmy
Dass die fünf Mosebücher aus unterschiedlichen Quellen entstanden sind, ist für mich bewiesen,
Dein Argument beweist keine Quellentheorie, es ist höchsten ein Indiz. Genauso gut könnte eine spätere redaktionelle Ergänzung stattgefunden haben. Das Problem mit der Quellentheorie ist, dass sich eines ihr Kern Postulat nicht halten lässt.
Und zwar die Evolution eines polytheistischen, anthropomorphistischen Pantheons, hin zu einem Monotheismus, der anthropomorphistische Sprache verbannt. Das Problem ist, dass gerade die anthromporphistische Sprache auch in "Quellen" vorkommt, die klar der Priesterschrift zugeordnet werden müsste. Auch kommen in diesen "Quellen" immer noch "polytheistische" Elemente vor.
Viel wahrscheinlich ist, dass es eine spätere redaktionelle Arbeit stattgefunden hat. Was aber wohl wahrscheinlich ist, dass 5.Mose, Joshua, und Könige, in der gleichen Zeitraum entstanden und erst lange nach der Landnahme verfasst wurden.
ZU der bisherige Diskussion kommt mir ein andere Standpunkt in den Sinn. Nämlich die Qualifizierung der Bibel als inspirierte Schrift. Die macht Quellenkritik nicht überflüssig, aber relativiert den Stellenwert.
>Inspiriert< heist aber nicht nur, dass die Autoren und ggf. die Redakteur unter dem nachhaltigen Einfluss des hlg. Geistes gearbeitet haben, sondern heißt vor allem, dass der Leser der Texte zu jeder Zeit und an jedem Ort und in jeder Kultur den gleichen geistlichen Gewinn daraus ziehen kann (was wiederum nicht heißt, dass alle das genau gleiche verstehen müssen).
Was den Umgang mit vermeindlichen Widersprüchen angeht denke ich, dass es sich um verschiedenen Seiten eines transzendenten Sachverhaltes handelt und nicht um widersprüchliche Aussagen zu einem eindeutigen empirischen Sachverhalt.
Vielleicht sollte man das man an einem konkreten Beispiel durchspielen, etwa den Begriff >Sabbat< Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das er durch seine Schöpfertat ins Dasein gerufen hatte.
Einmal als letzter Schöpfungstag - dann als Tag, an dem man keine Arbeit verrichten darf - als Tag, über den Jesus der Herr Herr ist und an dem man Gutes tun darf / soll
Nämlich die Qualifizierung der Bibel als inspirierte Schrift.
Guter Punkt, auf welchen Argumenten beruht unsere Überzeugung, das die Schrift inspiriert ist.
Beruht unsere Überzeugung, auf einer eindeutigen Autorenschaft und der Unveränderbarkeit des Textes? In diesem Fall bekommen wir Probleme, denn wir haben neben dem MT, die Qumran Rollen, den LXX, die Aramäischen Targums, oder Peschitta und andern Quellen wie Josephus, welcher das AT zitiert. Diese Quellen haben zum Teil grosse Unterschiede. Im Neuen Testament ist diese Problematik noch akzentuierter.
Beruht unsere Überzeugung der Inspiration auf dem Zeugnis der Tradition? Diese Haltung bringt ihre eigene Problematik mit sich, da sie oft verlangt, sich für eine übermittelte Texttradition zu entscheiden und alle anderen als uninspiriert zu verwerfen.
Beruht unsere Überzeugung, auf der Gewissheit, dass Gottes sein Wort übermittelt und dabei auch solche Prozesse wie Redaktion, Texttraditionen verwendet?
Viele Evangelikale fallen in eine der ersten beiden Kategorien, und fühlen sich durch Text und Quellenkritik in ihrem Glauben angegriffen.
Im evangelikalen Umfeld, kommt man also in diesem Thema nicht darum, herum zu diskutieren, wie man Inspiration versteht. Wer eine Verbalinspiration vertritt, bei der göttliches Wissen irgendwie in das Hirn des Autors gebeamt wird. Wir einen dicken Hals bei den Begriffen Text und Quellenkritik bekommen.
In diesem Fall bekommen wir Probleme, denn wir haben neben dem MT, die Qumran Rollen, den LXX, die Aramäischen Targums, oder Peschitta und andern Quellen wie Josephus, welcher das AT zitiert. Diese Quellen haben zum Teil grosse Unterschiede. Im Neuen Testament ist diese Problematik noch akzentuierter.
Wieso die Probleme im NT akzentuierter sein sollen sehe ich nicht: So große Unterschiede wie z.B. in Jeremia gibts im NT nicht. Zumal da durch die große Menge der zeugen nur relativ wenig Stellen unsicher sind.
Wie viele hängt natürlich davon ab, was man als relevanten Unterschied ansieht: Müssen rein orthographische Varianten mitgezählt werden? Eine Lesart, die nur in einer einzigen Handschrift vorkommt, und dort korrigiert wurde, muss die mit als Unsicherheit betrachtet werden?
Was weder in der GNB noch in der Elberfelder Bibel als Fußnote erwähnt wird, ist ziemlich sicher irrelevant für den normalen Bibelleser.
Aber Unveränderlichkeit ist natürlich kein Kriterium - wer bittet nennt es denn? Als Argument, dass wir den inspirierten Text haben, der also nicht (wie es z.B. der Islam erzählt) verlorengegangen ist, ist das schon relevant. Aber das ist eine andere Frage.
Beruht unsere Überzeugung der Inspiration auf dem Zeugnis der Tradition?
Im NT haben wir das Phänomen, dass schon über 1000 Jahre vor der kirchenamtlichen Festschreibung (im Konzil von Trient) sich die Christen einig waren, was zum Kanon gehört und was nicht.
Laut Rö 9,3 gehören die Bündnisse Gottes dem Volk Israel, also ist der hebräische Tanakh der Maßstab (canon), was inspiriert ist.
In welche deiner Gruppen ordnest du mich jetzt ein?
Wer eine Verbalinspiration vertritt, bei der göttliches Wissen irgendwie in das Hirn des Autors gebeamt wird. Wir einen dicken Hals bei den Begriffen Text und Quellenkritik bekommen.
Interessant, deine Vorurteile kennen zu lernen.
Die doch ziemlich fundamentalistisch eingestellten Darbisten, insbesondere die, welche mit der überarbeiteten Elberfelder eine Konkurrenz zur revidierten Elberfelder Bibel geschaffen haben, haben ein völlig entspanntes Verhältnis zur Textkritik. Textgrundlage des NTs (Serie, geschrieben von einem der Übersetzer).
Bei Quellenkritik gibt es solche, die tatsächlich sich schon angegriffen fühlen, wenn etwa gesagt wird, dass Mt nicht vom Jünger Matthäus stammt, und so weiter. Ich fühle mich erst dann »angegriffen«, wenn Aussagen des Textes (also z.B. die Verfasserangaben der Paulusbriefe) bezweifelt werden.
Und ich frage mich, ob du den Unterschied zwischen Verbalinspiration und voller Inspiration kennst und verstehst …
Und ich frage mich, ob du den Unterschied zwischen Verbalinspiration und voller Inspiration kennst und verstehst …
Da fange ich doch mal mit diesem Satz hier an.
Verbalinspiration verstehe ich ziemlich genauso, wie es zum Beispiel in Wiki steht.
Dabei wurde behauptet, dass der Heilige Geist den Verfassern der Bücher der Bibel nicht nur die Sachverhalte eingegeben (suggestio rerum), sondern auch den genauen Wortlaut quasi diktiert habe (suggestio verborum).
Ich kenne solche Vertreter, und diese bekommen besagten dicken Hals, wenn Übersetzungen nicht auf der von ihnen als inspiriert deklarierten "Urtext" beruht. Was dann in der Regel der Textus Receptus und der MT ist. Und dann gibt es noch die Hardcore Verbalinspierierten, die nicht nur den Urtext, sondern auch gewisse Übersetzungen als inspiriert betrachten, was dann im Deutschen Raum die Luther 1545 oder im englischsprachigen Raum die King James 1611 ist, oder im spanischen Reina-Valera von 1569 ist.
In welche deiner Gruppen ordnest du mich jetzt ein?
Von dem, was ich bis jetzt von dir gelesen habe, nicht in diese Gruppe.
Ich kenne noch die Realinspiration, bei der nur der Sachverhalt eingegeben wurde, dann ist mir auch noch eine Personalinspiration bekannt, bei welcher der Geist die Personen Autoren inspiriert hat, Sachverhalt selbst in ihren eigenen Worten wiederzugeben. Und schliesslich gibt es da noch die Inspiration als Selbstoffenbarung Gottes, in der sich Gott offenbart und der Autor das offenbarte in seinen Worten, aufgrund seines Wissensstandes und in seinem kulturellen Hintergrund wiedergibt, was ihm Gott gezeigt hat.
Schliesslich bin ich noch über einen mir neuen Begriff gestolpert (ich habe nach voller Inspiration gesucht), der mir nicht bekannt war und das ist die Ganzinspiration (meinst du das mit voller Inspiration), nach der die Bibel als ganzes inspiriert ist. Wie auch immer dies zu verstehen ist.
Ich persönlich verstehe Inspiration als eine Kombination von Personalinspiration und Selbstoffenbarung Gottes. Ich nehme da Mose als Vorbild, der war ganz Kind seiner Zeit, aber vom Geist Gottes erfühlt, hat das wiedergegeben, was im Gott gezeigt hat, so wie er es verstanden hat.
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Wieso die Probleme im NT akzentuierter sein sollen sehe ich nicht:
Akzentuierter in dem Sinne, dass es viel mehr Quellen gibt, und die Arbeit, was denn nun die originale Formulierung ist, wesentlich schwieriger macht.
Was weder in der GNB noch in der Elberfelder Bibel als Fußnote erwähnt wird, ist ziemlich sicher irrelevant für den normalen Bibelleser.
Da teile ich deine Meinung.
Laut Rö 9,3 gehören die Bündnisse Gottes dem Volk Israel, also ist der hebräische Tanakh der Maßstab (canon), was inspiriert ist.
Der Kanon beschreibt aber nur, welche Bücher in welchem Umfang als inspiriert gelten, es sagt aber nichts über die Textrationen aus.
Um dann aber den Bogen zu dem Thema der Quellentheorie zu schlagen. Ich habe dir in einem anderen Beitrag eine Frage gestellt, die du mir auf eine Art beantwortet hast, die mich vermuten, lässt, dass, du nicht ganz verstanden hast, was der Begriff bedeutet. Und zwar ging es um die Ergänzungstheorie. Du hast geantwortet das es offensichtlich ist das Begriffe und Ortschaften ein Update durch spätere Schreiber erfahren haben. Die Ergänzungstheorie umfasst aber mehr als nur ein Update. Die Ergänzungstheorie geht davon aus, dass das Gross des AT so verfasst worden ist, wie wir es heute haben. Dass dann aber später Teile ergänzt worden sind, zum Beispiel die spezifischen Gesetze in Exodus, welche auf die 10 Gebote folgen, welche durch spätere Generationen ergänzt worden sind.
Das AT ist demnach nicht ein Produkt, welches aus mehreren Quellen zusammengefügt wurde (Quellentheorie), sondern eine Quelle, die später ergänzt worden ist (Ergänzungstheorie).
das ist die Ganzinspiration (meinst du das mit voller Inspiration), nach der die Bibel als ganzes inspiriert ist.
Was immer das heißen mag.
Volle Inspiration habe ich so verstanden (und auch irgendwo gelesen): Gott hat dafür gesorgt, dass die Bibel so ist, wie Er sie haben will, wir können sie als Seine Mitteilung an uns lesen. Auf welche Weise Er die Schreiber dazu gebracht hat, sie so und nicht anders hinzuschreiben, ist dann Nebensache. Also einerseits ganz das Werk von Menschen, aber eben auch völlig Gottes Wort.
Akzentuierter in dem Sinne, dass es viel mehr Quellen gibt, und die Arbeit, was denn nun die originale Formulierung ist, wesentlich schwieriger macht.
Ach so. Kann man so sagen. Andererseits ist bei der Menge der Handschriften das Urteil, welche Lesart ursprünglich ist, i.d.R. sicherer. Und die Abweichungen sind in einigen Büchern im AT größer als alles, was im NT vorliegt, das hatte ich mit »akzentuierter« gemeint.
Das AT ist demnach nicht ein Produkt, welches aus mehreren Quellen zusammengefügt wurde (Quellentheorie), sondern eine Quelle, die später ergänzt worden ist (Ergänzungstheorie).
Ich vermute mal, dass sich die Ergänzungstheorie mit dem Pentateuch befasst, oder gibt es vergleichbare Theorien auch für andere Bücher?
Ich bin mir jetzt nicht sicher, wie das mit dem »Gross« gemeint ist. Für mich klingt das eher nah kleinen Ergänzungen, wie z.B. in 1.Ms 36 (darauf hatte ich u.a. angespielt). Aber deine Beschreibung klingt nach deutlich mehr …
Ich vermute mal, dass sich die Ergänzungstheorie mit dem Pentateuch befasst, oder gibt es vergleichbare Theorien auch für andere Bücher?
Ja hauptsächlich Pentateuch, Könige, Richter, Chroniken und 1.&2. Samuel. Die Propheten und Psalmen sind dann eine andere Diskussion.
Aber deine Beschreibung klingt nach deutlich mehr …
Da gibt es mal das Update von Ortsnamen, oder das Verwenden von Begriffen, die zur Zeit Mose noch nicht bekannt waren. Soviel ist ja unbestritten, aber dann gibt es auch das nachträgliche einfügen von Episoden, wenn man Chroniken und Könige vergleicht, oder das Anpassen von Gesetzen, wenn man 2. und 5. Mose vergleicht.
Volle Inspiration habe ich so verstanden (und auch irgendwo gelesen): Gott hat dafür gesorgt, dass die Bibel so ist, wie Er sie haben will, wir können sie als Seine Mitteilung an uns lesen. Auf welche Weise Er die Schreiber dazu gebracht hat, sie so und nicht anders hinzuschreiben, ist dann Nebensache. Also einerseits ganz das Werk von Menschen, aber eben auch völlig Gottes Wort.
Also eine Art ganz Inspiration. 😉
aber dann gibt es auch das nachträgliche einfügen von Episoden, wenn man Chroniken und Könige vergleicht
Chr hat mehr oder jedenfalls andere Quellen als Sam/Kö. Einige werden ja in der Chronik selber genannt (z.B. Gad, der Seher).
Da hat niemand einfach Könige genommen und ergänzt …
Also eine Art ganz Inspiration.
… im Sinn von »Wir könne die Bibel so lesen, als ob Gott sie selber verfasst hat«. Ohne zu leugnen, dass sie von Menschen stammt, mit ihren sprachlichen und kulturellen Hintergründen.
Veröffentlicht von: @herbertZU der bisherige Diskussion kommt mir ein andere Standpunkt in den Sinn. Nämlich die Qualifizierung der Bibel als inspirierte Schrift. Die macht Quellenkritik nicht überflüssig, aber relativiert den Stellenwert.
>Inspiriert< heist aber nicht nur, dass die Autoren und ggf. die Redakteur unter dem nachhaltigen Einfluss des hlg. Geistes gearbeitet haben, sondern heißt vor allem, dass der Leser der Texte zu jeder Zeit und an jedem Ort und in jeder Kultur den gleichen geistlichen Gewinn daraus ziehen kann (was wiederum nicht heißt, dass alle das genau gleiche verstehen müssen).
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