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Vaterunser

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Crusader
Themenstarter
Beiträge : 1

Hallo!

Wie passt die Bibelstelle:

 "Keiner sage, wenn er versucht wird: „Ich werde von Gott versucht.“ Denn Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst irgend jemand" (Jakobus 1:13)"

 

mit der Zeile "...und führe uns nicht in Versuchung" aus dem "Vaterunser"-Gebet zusammen!? 🤔

 

LG

 

Crusader

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11 Antworten
1 Antwort
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1210
Veröffentlicht von: @crusader

Hallo!

Wie passt die Bibelstelle:

 "Keiner sage, wenn er versucht wird: „Ich werde von Gott versucht.“ Denn Gott kann nicht von üblen Dingen versucht werden, noch versucht er selbst irgend jemand" (Jakobus 1:13)"

 

mit der Zeile "...und führe uns nicht in Versuchung" aus dem "Vaterunser"-Gebet zusammen!? 🤔

 

LG

 

Crusader

Tja, schwierig.

Vllt. konnte sich Jakobus einen versuchenden Gott einfach nicht vorstellen?

Bei Hiob wird das ja als Prüfung deklariert. Da hat ein anderer versucht, aber Gott hatte es vorher abgenickt.

Nachtrag:

Sogar Franziskus hatte seine Probleme mit Matth. 6,13. Aber der Urtext - wie er bei der Dt Bibelgesellschaft zu finden ist - lässt nicht viel Raum für anderes:

καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν,

ἀλλὰ ῥῦσαι ἡμᾶς ἀπὸ τοῦ πονηροῦ.

martha antworten
Deborah71
Beiträge : 27668

@crusader 

Vor einiger Zeit habe ich eine Übersetzungsmöglichkeit in einer griechischen Grammatik gefunden, die stimmig ist: 

Du führst uns nicht nur nicht in Versuchung, sondern erlöst uns von dem Bösen. 

Ich kann aber nicht wirklich Altgriechisch, um es genau zu erklären, warum das möglich ist. Behalten habe ich, dass ein Nicht und ein sowieso verneintes Verb zusammen verwendet wurden. Die beiden Nicht wurden dann eingekürzt zu einem. 

 

deborah71 antworten


neubaugoere
Beiträge : 18533

@crusader 

Gute Frage!

Bei mir hat sich im Laufe der Jahre dazu eingeprägt: Nicht nur - Gott ist IMMER da; sondern führt uns durch die Versuchung hindurch, was eben eher einer Begleitung gleichkommt. Er ist für uns da, wenn wir versucht werden, ist aber selbst nicht die Versuchung. So manch einer denkt ja, Gott "testet" uns vielleicht wie eben Lehrer uns testen in der Schule oder Ausbildung. Das ist nicht sein Wesen - ich glaube, das ist auch gut in der Schrift zu erfassen.

Als Bild habe ich immer bei dieser Stelle im Vater unser: "führt uns an der Versuchung vorbei" - weil es auf das "führen" als "leiten" eher eingeht. Er führt eben nicht IN Versuchung, sondern DURCH oder auch DRAN VORBEI. (Ich sehe bildlich einen Kreis - der stellt die Versuchung dar - und einen Pfeil als Weg, der am Kreis vorbeiführt.)

Er ist auf alle Fälle immer für uns da und gibt uns den nötigen Halt und die nötige Kraft und seine überaus große Liebe, wenn wir in Versuchung geführt werden. Das "führen" im VaterUnser meint die Führung Gottes als leitende Kraft, nicht als "Tester der DEKRA" 😉

neubaugoere antworten
Stern
 Stern
Beiträge : 1795

@crusader 

Ich denke, der Unterschied aus der Bibelstelle in Jakobus zum Vaterunser ist, dass es in Jakobus um ein Versuchen geht, das dich zu Fall bringen soll oder bringt (durch eigene Gier zB) Da steht sinngemäß: weder wird Gott davon betroffen noch versucht er auf diese Weise jemanden.

Im Vaterunser hingegen geht es darum, dass Gott verhindern möge, dass wir überhaupt in Versuchung geraten. Er soll davor bewahren. Im Sinne von „Mach nicht, dass wir in Versuchung geraten.“

Es gibt dazu auch einen anschaulichen Text in dem es um die verschiedenen Übedsetzungsmögluchkeiten dieser Zeile im Vaterunser geht und ob Gott grundsätzlich jemand ist, der versucht und wenn ja, wie.

Der Text befindet sich auf katholisch.de und ist von Gerd Häfner. Er heisst „Vaterunser: die sechste Bitte auf dem Prüfstand“.

(kann das leider nicht verlinken)

 

stern antworten
1 Antwort
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1210

@stern 

Der Text befindet sich auf katholisch.de und ist von Gerd Häfner. Er heisst „Vaterunser: die sechste Bitte auf dem Prüfstand“

Vielen Dank.

Ich füge daraus mal den Abschnitt ein, der Bezug auf den Jakobusbrief nimmt. Er wurde vom Threadsteller im Eingangsposting der Vaterunser-Bitte ggü gestellt.

Auch die Aussage in Jak 1,13f ("Niemand soll sagen: Ich werde von Gott versucht") schafft keine Eindeutigkeit.

Hier scheint mit "versuchen" das Zu-Fall-bringen gemeint zu sein, nicht die Erprobung, die zuvor in 1,2f unter dem Begriff πειρασμός in positivem Sinn der Bewährung des Glaubens zur Sprache kam:

Wenn die Glaubenden in mannigfache Versuchungen (πειρασμοὶ ποικίλοι) geraten, sollen sie das für lauter Freude erachten, weil die Prüfung (τὸ δοκίμιον) des Glaubens Geduld bewirkt.

Ein solche Versuchung muss von anderer Art sein als diejenige, die von den "eigenen Begierden" ausgeht (Jak 1,14).

Auch der Jakobusbrief verwendet das verhandelte Wortfeld also nicht einlinig.

Deshalb ist es schon beim Blick allein auf dieses Schreiben schwierig, Jak 1,13f zum Interpretationsschlüssel der 6. Vaterunser-Bitte zu machen.

Im Rahmen des biblischen Zeugnisses sehe ich keinen hinreichenden Grund, die sechste Vaterunser-Bitte anders zu übersetzen als "Führe uns nicht in Versuchung".

Ganzer Text:

Vaterunser: Die sechste Bitte auf dem Prüfstand - katholisch.de https://share.google/1KUwvBQkwhYu4pB0E

martha antworten


lhoovpee
Beiträge : 3485

@crusader 

Klar, wörtlich genommen ist dies ein Widerspruch. Aber wer alle in der Bibel wörtlich nehmen will, hat viele Probleme 😀 

 

Ich finde im Kontext Vers 14 schon sehr wichtig: "Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt."

Ich denke Jakobus will hier eine andere Sichtweise aufzeigen. Man selbst ist für sein Handeln verantwortlich, auch wenn vielleicht jemand anderes der Versucher ist. Schlussendlich ist es die eigene Begierde, die einen dazu führt der Versuchung zu erliegen. 

Und im Vater unser bitten wir Gott darum, dass wir erst gar nicht in solche Situationen geraten, wo uns unsere Begierde zu Fall bringen kann. 

lhoovpee antworten
Tojak
 Tojak
Beiträge : 619

@crusader 

Kein Problem, das passt gut zusammen.

Wir bitten, nicht in Versuchung geführt zu werden, und Jakobus schreibt, dass Gott uns nicht versucht. Demnach ist die Bitte erfüllt.

Es sei denn, es gibt einen Unterschied zwischen "in Versuchung führen" und "versuchen". Aber ein Problem stellt auch das nicht dar. 

tojak antworten


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