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Warum wir manche Tiere essen – und andere nicht

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Venti
 Venti
Themenstarter
Beiträge : 6

Titel: Warum wir manche Tiere essen – und andere nicht

Autor: Venti (Reflexion aus ethischer Selbstbetrachtung)


Ich habe mich gefragt, warum wir bestimmte Tiere essen – und andere nicht. Warum ist es gesellschaftlich akzeptiert, ein Schwein zu schlachten, aber ein Hund wäre ein Skandal? Warum empfinden wir Mitgefühl selektiv? Warum ist der Mensch das einzige Tier, das sich moralisch über andere Tiere stellt – obwohl er selbst ein Tier ist?

Diese Fragen sind unbequem, aber notwendig. Sie zeigen: Unsere Ethik ist oft keine Ethik, sondern eine Kulturgewohnheit. Wir essen nicht, was „richtig“ ist, sondern was wir gelernt haben zu essen. Und das nennen wir dann normal.

Aber normal ist nicht gleich ethisch. Wenn ich ein Leben beende, weil ich es essen will, dann sollte ich zumindest bereit sein, ehrlich hinzusehen. Und mir zu sagen: "Ich mache das gerade. Ich nehme Leben, für mein eigenes Leben."

Ich esse nicht, um zu urteilen. Ich denke darüber nach, weil ich mich frage: Was macht ein Leben wertvoll? Ist es die Intelligenz? Die Nähe zu uns? Die Niedlichkeit? Oder das, was wir aus Bequemlichkeit als „Nahrung“ kategorisiert haben?

Ich glaube: Echte Ethik beginnt da, wo wir unsere eigenen Maßstäbe hinterfragen – nicht die der anderen. Und ich glaube, es ist kein Fehler, Tiere zu essen. Aber es ist ein Fehler, nicht darüber nachzudenken, warum wir es tun – und warum nur bei manchen.

Was mir besonders auffällt, ist der Verlust an Sichtbarkeit. In Supermärkten liegen sauber verpackte Fleischstücke, getrennt von jeder Erinnerung an das Tier, das es einmal war. Die Trennung zwischen Leben und Produkt ist heute so vollständig, dass wir keine Verbindung mehr spüren. In früheren Generationen war das Schlachten sichtbar. Der Tod hatte einen Ort, eine Geschichte, eine Bedeutung. Heute verschwindet er in Plastik und Kühlung – und mit ihm verschwindet oft unser Mitgefühl.

Mein systemisches Denken sagt mir: Wenn wir Strukturen schaffen, die Verantwortung auslagern, verlieren wir auch das Bewusstsein für die ethische Tiefe unseres Handelns. Die Art, wie wir konsumieren, spiegelt nicht nur unsere Werte wider – sie formt sie auch.

Ich bin kein Philosoph. Kein Aktivist. Ich bin einfach jemand, der nicht aufhören kann, sich selbst zu fragen: "Was bedeutet mein Handeln – und wer bin ich, wenn ich es nicht mehr spüre?"

Vielleicht ist das schon Ethik genug.


(Ende der Reflexion – offen für Diskurs)

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57 Antworten
11 Antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @venti

Was mir besonders auffällt, ist der Verlust an Sichtbarkeit. In Supermärkten liegen sauber verpackte Fleischstücke, getrennt von jeder Erinnerung an das Tier, das es einmal war. Die Trennung zwischen Leben und Produkt ist heute so vollständig, dass wir keine Verbindung mehr spüren. In früheren Generationen war das Schlachten sichtbar. Der Tod hatte einen Ort, eine Geschichte, eine Bedeutung. Heute verschwindet er in Plastik und Kühlung – und mit ihm verschwindet oft unser Mitgefühl.

Das dürfte schon einer der Kernpunkte sein. 
In meiner Kindheit gab's hier am Ort noch mehrere Metzger, die ihre Tiere von ebenfalls ortsansässigen Bauern (oder von Bauern aus der näheren Umgebung) bezogen. Diese Tiere wurden dann im Schlachthaus vor Ort geschlachtet und bei den jeweiligen Metzgern verarbeitet. 
Das Schlachthaus wurde irgendwann geschlossen, die Tiere mussten in den (von uns aus) 40 km entfernten Schlachthof gefahren werden. Das war schon deutlich industrieller. 
Auch diesen Schlachthof gibt es nicht mehr - jetzt dauert der Transport noch länger. Und der Schlachthof ist noch größer, das ist jetzt halt Fleischindustrie. Massenschlachtung, Massenverarbeitung. 
Ich selber war noch bei Hausschlachtungen dabei - da hat man tatsächlich mehr Respekt vorm Schnitzel.

chai antworten
Venti
 Venti
(@venti)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 6

@chai Danke dir – das ist das erste Mal in dieser Debatte, dass ich das Gefühl habe, wirklich verstanden worden zu sein.
Genau darum ging’s mir: Nicht darum, Fleisch per se zu verurteilen – sondern um den Moment, wo der Respekt verloren ging.
Du hast erlebt, was ich meine: Die Nähe, das Bewusstsein, das echte Verhältnis zum Tier.
Und du hast auch gesehen, wie diese Beziehung von System zu System immer weiter verschwunden ist.
Ich finde: Wer das einmal gefühlt hat – kann nie wieder unbewusst konsumieren.
Danke für deine Worte.

venti antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @venti

@chai Danke dir – das ist das erste Mal in dieser Debatte, dass ich das Gefühl habe, wirklich verstanden worden zu sein.
Genau darum ging’s mir: Nicht darum, Fleisch per se zu verurteilen – sondern um den Moment, wo der Respekt verloren ging.
Du hast erlebt, was ich meine: Die Nähe, das Bewusstsein, das echte Verhältnis zum Tier.
Und du hast auch gesehen, wie diese Beziehung von System zu System immer weiter verschwunden ist.
Ich finde: Wer das einmal gefühlt hat – kann nie wieder unbewusst konsumieren.
Danke für deine Worte.

Ich weiß nicht, ob man nie wieder unbewusst konsumieren kann. 
Der Mensch ist oftmals ein Meister der Verdrängung. 
Aber mein Eindruck ist schon, dass das Bewusstsein, dass da ein Lebewesen sterben musste, verloren geht, wenn alles schön appetitlich in einer weißen Plastikschale liegt.
Das scheint mir Dein Anliegen zu sein. 

chai antworten
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1590

@chai 

Dass Schlachthäuser geschlossen wurden, hatte allerdings wohl auch was mit veterinärmedizinischen Auflagen und staatlichen Vorgaben zu tun, soweit ich mich erinnere. Und Rentabilität.

ga2 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @ga2

@chai 

Dass Schlachthäuser geschlossen wurden, hatte allerdings wohl auch was mit veterinärmedizinischen Auflagen und staatlichen Vorgaben zu tun, soweit ich mich erinnere. Und Rentabilität.

Es hatte viele Gründe. Angefangen damit, dass man hätte investieren müssen. 
Und dass es natürlich störte, weil es irgendwann nicht mehr weit genug außerhalb der Stadt war. 

chai antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 20559

Ich selber war noch bei Hausschlachtungen dabei - da hat man tatsächlich mehr Respekt vorm Schnitzel.

@chai

Inwiefern? Es wird gebraten und gegessen. Das Ergebnis ist dasselbe und das Schwein ist dennoch geschlachtet worden. 

tristesse antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @tristesse

Ich selber war noch bei Hausschlachtungen dabei - da hat man tatsächlich mehr Respekt vorm Schnitzel.

@chai

Inwiefern? Es wird gebraten und gegessen. Das Ergebnis ist dasselbe und das Schwein ist dennoch geschlachtet worden. 

Schon. Aber das Vieh hatte einen Namen. Man hat es auch lebend gesehen.

chai antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 20559

@chai

Schon. Aber das Vieh hatte einen Namen. Man hat es auch lebend gesehen.

Ich halte das eher für "Früher war alles besser" Romantik.

Tiere waren von jeher Nutztiere und wenn sie nichts mehr nützen, hat auch kein Bauer weinend vor dem Schnitzel gesessen. Und Pferde, die lahmten und nicht mehr einzusetzen waren, wurden  nicht vom Tierarzt hoch gepäppelt. Ich denke auch nicht, dass jedes Ferkel, Kalb oder Lamm einen Namen bekam und in den Schlaf gesungen wurde 😉

Früher hat man die Hunde draußen angebunden und die Katzen nicht zusätzlich gefüttert. 

Natürlich ist Massentierhaltung grausam, da braucht man auch nicht drüber diskutieren. Dass es früher keine gab, liegt meiner Meinung nach nicht daran, dass man mehr Liebe zum Tier hatte, sondern daß man einfach nicht die Möglichkeiten hatte. Das änderte sich mit der Industrialisierung und die Menschen wurden da nicht wie durch ein Wunder einfach grausamer.

 

tristesse antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @tristesse

@chai

Schon. Aber das Vieh hatte einen Namen. Man hat es auch lebend gesehen.

Ich halte das eher für "Früher war alles besser" Romantik.

Tiere waren von jeher Nutztiere und wenn sie nichts mehr nützen, hat auch kein Bauer weinend vor dem Schnitzel gesessen. Und Pferde, die lahmten und nicht mehr einzusetzen waren, wurden  nicht vom Tierarzt hoch gepäppelt. Ich denke auch nicht, dass jedes Ferkel, Kalb oder Lamm einen Namen bekam und in den Schlaf gesungen wurde 😉

Früher hat man die Hunde draußen angebunden und die Katzen nicht zusätzlich gefüttert. 

Natürlich ist Massentierhaltung grausam, da braucht man auch nicht drüber diskutieren. Dass es früher keine gab, liegt meiner Meinung nach nicht daran, dass man mehr Liebe zum Tier hatte, sondern daß man einfach nicht die Möglichkeiten hatte. Das änderte sich mit der Industrialisierung und die Menschen wurden da nicht wie durch ein Wunder einfach grausamer.

 

Nö. Keine Romantik. 
Der Bauer, von dem ich rede, der kannte seine Viecher ja tatsächlich. Und die Kühe hatten Namen, die Schweine nicht.
Und wenn man das Vieh selber geschlachtet hat, geht man anders mit dem 'Material' um, als wenn man's in der Plastikschale gekauft hat. 
Und nein, der hat seine Viecher nicht gepäppelt, aber er ging respektvoll mit ihnen um. 
Hund und Katz waren auf dem Hof und hatten eine Aufgabe - später durfte der Hund und der Kater mit in die Wohnung. 
Und ich war mal sehr erstaunt, wie gut der seine Viecher beobachtet und charakterisiert hat.

chai antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 20559

@chai

Der Bauer, von dem ich rede, der kannte seine Viecher ja tatsächlich. Und die Kühe hatten Namen, die Schweine nicht.

Ich denke nicht, dass das auf große Betriebe zu übertragen ist und das sind nun mal die Hauptfleischlieferanten vom Fleisch.

Wir reden  ja über die Fleischproduktion und nicht über Kleinbauern 😉 

tristesse antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814

@tristesse Richtig. In Fleischproduktionsbetrieben ist das eher unwahrscheinlich. 
Aber der Ausgangspunkt war ja auch der, dass ich von einer Hausschlachtung erzählte und das war keine 'Früher-war-alles-besser-Romantik'.

chai antworten
GoodFruit
Beiträge : 4219

@venti Die Verbindung vom lebenden Tier zum Stück Fleisch ist schwierig. Das sind zwei Welten. Und wenn man Landwirt ist und man kannte das Tier, von dem da gebraten ein Stück auf dem Teller liegt - nicht einmal dann bekommt man die Verbindung hin.

Mein Mathelehrer hatte mal gefragt: wie ist denn das, wenn man das Tier kennt, was da auf dem Teller ist. Denkt man dann: Ach Lotte, was biste heute wieder zäh, oder so? Wir haben das nie gedacht. Wir haben es auch nicht groß reflektiert, weil das einfach zwei Welten waren, die nichts miteinander zu tun hatten. Lotte war geschlachtet und auf dem Tisch lag ein Stück Rindfleisch.

Wenn ich einkaufe, dann ist es mir meist egal, ob die Sachen biologisch oder konventionell angebaut wurden. Ich kaufe das, was für mich am attraktivsten aussieht. Das ist mal dies und mal jenes.

Aber wenn es um Fleisch geht, dann ist das bei mir anders. Ich bin auf einem Hof mit Tieren groß geworden und ich mochte diese Tiere sehr. Ihnen ging es bei uns gut und ich denke, dass sie in der Zeit in der sie lebten, es wirklich gut gehabt haben. Da waren auch sicher viele ganz frohe Momente dabei. Für die Rinder hatten wir damals noch Anbindehaltung, die als nicht so wirklich tiergerecht gilt. Aber es gab eine engere Bindung zum Vieh und es gab da einzelne Tiere, die blockierten den Futtergang mit dem Kopf und ließen einen erst durch, wenn man sie ne Weile gestreichelt hatte und sich mit ihnen unterhalten hat. Ich habe mich manchmal über Tag einfach auf den Futtergang gesetzt und mich mit den Kühen unterhalten - und mein Eindruck war der, dass uns das auf beiden Seiten etwas gegeben hat.

Wenn sie dann im Sommer rauskamen, dann mussten sie erst einmal "das Land abmessen". Sie sind in wilder Jagd an den Grenzen herumgefegt - der Schwanz in der Höhe. Das war pure Lebensfreude!

Auch bei den Schafen gab es viele schöne Momente. Zum Beispiel die Lämmer, die auf der Wiese oder am Deich oft richtig gespielt haben. Manchmal mit Bocksprüngen in die Höhe.

Ich weiß, dass das alles vorbei ist, wenn die Menschen sich nur noch vegetarisch oder gar vegan ernähren.

Man kann das Leben eines Haustiers nicht auf den Moment der Schlachtung reduzieren.

Aber es gibt eben auch Massentierhaltung und so ist es für mich immer wichtig, da, wo das möglich ist, eine möglichst gute Haltungsform zu wählen. Wobei das auch relativ ist. Kühe, die im Sommer in den Bergen leben und die da wohl das Kuhleben in der schönsten Form haben, stehen im Winter oft im Anbindestall und dann gibt es das schlechteste Haltungsformzertifikat.

Das alles mit wenig ethischem Hintergrund, aber mit viel Erfahrung und viel Liebe für die Tiere ...

goodfruit antworten


lhoovpee
Beiträge : 3547

@venti 

Insgesamt stimme ich dir deinen Gedankengängen zu. Nur bei dieser Frage habe ich eine Gegenfrage

Warum ist der Mensch das einzige Tier, das sich moralisch über andere Tiere stellt – obwohl er selbst ein Tier ist?

Warum denkst du der Mensch wäre das einzige Tier, das sich über andere Stellt? Woran machst du das fest? 

Es gibt viele Fleischesser in der Tierwelt.  Alle stellen sich damit über das jeweils andere Tier, oder nicht?

lhoovpee antworten
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