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Darf ein freikirchlicher Pfarrer konvertieren, oder ...

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Orangsaya
Themenstarter
Beiträge : 2871

... braucht er dazu die Erlaubnis des Bischofs?

Ich weiß, dass sich die Frage komisch anhört. Eigentlich habe ich mich mit einem anderen Thema beschäftigt. Es ist egal, ob man katholisch, oder landeskirchlich getauft wird. Wenn man konvertieren will, und es einen ernsten Hintergrund hat, kann man es einfach machen.

Nun habe ich erfahren, dass bei evangelischen Pfarrern es anders ist. Sie können nur mit Erlaubnis des Bischofs katholisch werden. Der Hintergrund ist mit meinen Worten, folgender. Wenn ein evangelischer Christ Pfarrer werden will, dann ist er dazu berufen. Man hat sich nur im evangelischen Milieu hierfür entschieden. Eine Berufung kommt aber von Gott. Die bleibt. Wenn ein evangelischer Pfarrer konvertiert und sich sicher ist. dass er berufen ist, dann darf der Pfarrer auch Priester werden. Hierfür gibt es, wenn die Lebensumstände nicht passen, Sonderregelungen die den Weg zum Priester erleichtern. Das ist er ungefähre Werdegang.

Mit der Freikirche sieht es etwas anders aus. Das fängt schon bei der Taufe an. Nicht jede freikirchliche Taufe ist, soweit ich weiß, anerkannt, aber eine Doppeltaufe ist auch nicht möglich . Nun zum Prediger, mal nennen sie sich Prediger, mal Pfarrer. Ist hier die Berufung auch anerkannt, oder bewegt sich eine Freikirche so weit weg, dass diese Frage kein Thema ist? Vielleicht ist die Formulierung etwas ungeschickt, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine. Ich kenne keinen Fall, wo ein freikirchlicher "Geistlicher" konvertierte. Deswegen meine Frage an euch, kennt jemand so einen Fall und wie wurde da vorgegangen?

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9 Antworten
Herbstrose
Beiträge : 14193

Wer in einer Freikirche als Pastor angestellt ist, muss kündigen, wenn er den Job, für den er berufen wurde, nicht mehr ausüben kann oder will. Da man in Freikirchen üblicherweise nur Mitglied der Ortsgemeinde ist, kann man da einfach austreten. Was man danach macht, ist Privatsache. Einen Bischof gibt es in den mir bekannten Freikirchen nicht.

herbstrose antworten


Jigal
Beiträge : 2539

Da sind mehrere Fragen.
Als Teenager war unser Pfarrer nicht verheiratet und hat einmal erwähnt er hätte schon Angebote von katholischer Seite mit Zusatzlehrgang dort Pfarrer werden zu können.

Zur Genehmigung: Landeskirchen orientieren sich am Staat. Ein Pfarrer ist vergleichbar mit einem Lehrer am Gymnasium, auch in der Bezahlung. Landesbeamte werden innerhalb eines Landes versetzt, bzw. können sich Stellen innerhalb des Landes das sie verbeamtet hat suchen. Es bedarf also auch eines Antrages Pfarrer in einem anderen Bundesland bzw. einer anderen Landeskirche zu werden.

Zu Pastoren der Freikirchen. Sie erfüllen teilweise die entsprechenden Ausbildungsanforderungen an das Studium gar nicht.
Eine Bibelschule ist eben keine Universität. In Bad Liebenzell hat man daher vor wenigen Jahren aus der Ausbildungsstätte für Prediger / Pastoren, Diakone eine Hochschule gemacht. Absolventen aus Liebenzell haben ein vergleichbarer Studium wie Gemeindediakone die z. B. für den Dienst in der Landeskirche in Freiburg studieren.
Sie können in Württemberg sich auf landeskirchliche Stellen bewerben. Mit welchen anderen Kirchen das möglich ist weiß ich nicht. Absolventen des Theologischen Seminars (Eppingen)-Adelshofen können sich auf solche Stellen bewerben, benötigen aber Zusatzlehrgänge. Für Freikirchen reicht die Ausbildung des TSA.

Bei einem freikirchlichen Pastor der vielleicht aus einer freikirchlichen Familie stammt wir man also auf die Ausbildung schauen. Ohne Lehrgänge in römisch-katholischer Liturgie wird es sicher nicht gehen.

jigal antworten
2 Antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Die Frage ist halt nur, ob nur eine Konversion angestrebt wird oder ob danach weiterhin als Pfarrer/Pastor gearbeitet werden will.

herbstrose antworten
Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2539

Nun als Katholik wird er nicht Pfarrer, Pastor einer anderen Konfession sein können. Das macht ja auch keinen Sinn.
Nur Mitglied der katholischen Kirche zu sein ist nicht das Problem, wenn man einem weltlichen Beruf nachgeht.

jigal antworten
andreas
Beiträge : 1642

Also konvertieren heißt ja erstmal nur die Konfession oder Religionszugehörigkeit wechseln.
Das ist in unserem Land jedem Meschen erlaubt. Auch freikirchlichen Pastoren.
Vermutlich dürfte ein freikirchlicher Pastor, wenn er aus der Freikirche aus- und in eine andere eintritt, nicht mehr in der alten Freikirche Pastor bleiben.

Dürfte er Pastor / Pfarrer / Priester in sagen wir mal, der katholischen Kirche werden? Prinzipiell steht ihm dieser Weg offen, aber dafür gibt es auch Kriterien.
Auch ein Pastor aus der evangelischen Landeskirche kann nicht einfach nach einer Konversion mit Erlaubnis des Bischofs als katholischer Priester "weiterarbeiten", sondern er muss m.W. die Priesterweihe empfangen. Ob der dafür noch mal eine weitere Ausbildung machen muss, ist wohl eine Ordnungsfrage der kath. Kirche. Ich vermute aber, ein zwei Semester Priesterseminar waren vorgesehen.

Soweit ich es verstehe, geht es nicht darum, dass die bisherige "Berufung anerkannt" würde, sondern dass die Berufung und Eignung zum Priester der römischen Kirche gründlich geprüft und zugesprochen werden und dann das Sakrament der Priesterweihe (das die anderen Kirchen ja so nicht kennen) gespendet werden muss.

Veröffentlicht von: @orangsaya

Nicht jede freikirchliche Taufe ist, soweit ich weiß, anerkannt

Soweit ich weiß, gab es in früheren Zeiten katholischerseits Zweifel an der Gültigkeit nicht katholisch gespendeter Taufen, mit der Folge von "Konditionaltaufen". Aber inzwischen ist jede Taufe, die mit Wasser auf den Namen des Dreieinigen Gottes gespendet wurde, anerkannt. (Es gibt ein paar Sondergeschichten, etwa die Taufe der anthroposophischen "Christengemeinschaft", aber das wird dann vielleicht etwas zu speziell.)

Veröffentlicht von: @orangsaya

aber eine Doppeltaufe ist auch nicht möglich

Wenn eine vorherige Taufe nicht als Taufe anerkannt ist, wird ja die danach gespendete Taufe nicht als zweiter Teil einer "Doppeltaufe" gesehen, sondern als die einzige Taufe. Das Thema kommt hier ja regelmäßig unter dem Namen "Wiedertaufe" auf.

andreas-wendt antworten


Suzanne62
Beiträge : 7535

Wer konvertieren möchte, braucht dazu zunächst mal niemandes Erlaubnis.

Veröffentlicht von: @orangsaya

Nun habe ich erfahren, dass bei evangelischen Pfarrern es anders ist. Sie können nur mit Erlaubnis des Bischofs katholisch werden.

Der Bischof wird (und kann) in der Regel niemandem den Eintritt in die katholische Kirche verweigern.
Anders verhält es sich, wenn er auch in der katholischen Kirche als Pfarrer tätig sein möchte.
Hierfür gibt es besondere Regeln, wie du schon beschrieben hast:

Veröffentlicht von: @orangsaya

Wenn ein evangelischer Pfarrer konvertiert und sich sicher ist. dass er berufen ist, dann darf der Pfarrer auch Priester werden. Hierfür gibt es, wenn die Lebensumstände nicht passen, Sonderregelungen die den Weg zum Priester erleichtern. Das ist er ungefähre Werdegang.

Veröffentlicht von: @orangsaya

Nicht jede freikirchliche Taufe ist, soweit ich weiß, anerkannt,

Jede im Namen des dreieinigen Gottes vollzogene Taufe ist gültig und damit anerkannt.

Veröffentlicht von: @orangsaya

aber eine Doppeltaufe ist auch nicht möglich .

Nein, das ist auch nicht nötig. Wenn es sich um eine ungültige Taufe handelt (weil sie eben nicht im Namen des dreieinigen Gottes vollzogen wurde), dann ist es gar keine Taufe.
Folglich ist eine dann vollzogene katholische Taufe auch keine "Doppeltaufe".

suzanne62 antworten
Jimmy
Beiträge : 142

Hallo,

wie viele schon schrieben ist der Konfessionswechsel in D. grundsätzlich erlaubt (siehe GG).

Wer in einer anderen Konfession Pfarrer (Pastor, Priester oder Prediger) werden will, muss natürlich die Anstellungsvoraussetzungen der Konfession erfüllen, von der er beschäftigt werden möchte.

Wenn ich als ev. Pfarrer bei den Methodisten Pastor werden möchte, müßte ich noch mindestens ein Jahr ins meth. Seminar nach Reutlingen.

Ein Wechsel von einer Baptistengemeinde in eine FeG ist vermutlich relativ leicht möglich (nach entsprechenden Einstellungsgesprächen).

Ein Wechsel von einer Freikirche in den landeskirchlichen Dienst in der EKD ist oft schwieriger, weil die EKD-Gliedkirchen (außer Württemberg?) es sich bisher gut leisten zu können scheinen, dass sie Leute von früheren Bibelschulen (auch wenn sie jetzt Hochschule heißen) gerade nicht anerkennen (die Details der konkreten Anstellungshürden variieren von Landeskirche zu Landeskirche).
Ggf. ist ein passender Studienabschluss nachzuweisen oder das Vikariat nachzuholen. Wie gesagt kann es also in der Praxis hohe Hürden geben, aber ausgeschlossen ist es nicht.

Gruß, Jimmy

jimmy antworten


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