Benachrichtigungen
Alles löschen

Ökumenischer Religionsunterricht an Niedersachsens Schulen

Seite 1 / 2

Ungehorsam
Themenstarter
Beiträge : 3336

Die Kirchenpresse vom letzten Wochenende (Trinitatis) vermeldete, daß der konfessionelle Religionsunterricht zugunsten eines ökumenischen Religionsunterrichtes aufgegeben werden soll. Grund sind zu wenig Lehrer (die werden bisher doppelt benötigt) und zu wenig Schüler. Die konfessionell geprägten Lehrer sollen über Fortbildungen mit Inhalten der jeweils anderen Konfession vertraut gemacht werden.
Diese Entscheidung ist nach meiner Meinung überfällig und von daher zu begrüßen. Ich wünsche mir, daß die restlichen Bundesländer nachziehen.

Antwort
25 Antworten
Jigal
Beiträge : 2544

Wir haben eben nicht mehr die Situation wie vor 30 Jahren mit Kindern die alle einer Konfession angehören, so fern sie nicht einer anderen Religion angehören.
Religionsunterricht in den 70ern / 80ern war immer eine Unruhe, entweder die Katholiken gingen in eine andere Klasse und evangelische kamen aus der Parallelklasse oder umgekehrt.

Baden-Württembergische Erstklässler werden auch nicht getrennt.
Ich halte das für sinnvoll, man muss sich ja schon erst an Schule gewöhnen und dann die Klasse zu trennen ist nicht so gut.
Es ist egal ob da vorne jetzt ein Katholik oder ein Protestant von Jesus erzählt.

jigal antworten
8 Antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Im Reli Unterricht wurde schon vor 30 Jahren nicht mehr von Jesus erzählt.

tristesse antworten
Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2544

Also mir hat ein Grundschüler vor wenigen Wochen von Jesus und Israel aus dem Religionsunterricht erzählt.
Ist eben auch Ländersache was im Lehrplan steht.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Vielleicht ist das in der Grundschule ja auch noch so. Aber spätestens ab Sek II ist es damit vorbei.

tristesse antworten
lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2425

Ich hab noch vor rund 10 Jahren als Reli-Lehrerin in NRW gearbeitet. Deine Behauptung mag bei einzelnen Lehrern und sehr individualistischer Auslegung des Lehrplanes stimmen, ist aber so pauschal falsch und verunglimpft eine ganze Lehrergruppe pauschal.

Dass der folgende Text in der Sprache geschrieben wurde, in der er geschrieben wurde, liegt u.a. daran, dass er von Akademikern für Akademiker in akademischem Kontext gedacht ist. Dass dann solche hochgestochenen Texte das Ergebnis sind, kann man gerne blöd finden, allerdings gesteht man i.d.R. auch Fachmedizinern zu, dass sie sich untereinander im für medizinische Laien unverständlichen Fach-Jargon unterhalten, das sollte man den Fachleuten hier daher mMn auch eher wohlwollend gönnen.

Ich zitiere mal aus dem aktuellen

... Im Evangelischen Religionsunterricht geschieht die Erschließung der religiösen Dimension des Lebens in einer Perspektive, die durch ein Verständnis des Menschen und seiner Wirklichkeit geprägt ist, das in der biblisch bezeugten Geschichte Gottes mit den Menschen gründet. Sie schließt ausdrücklich die jüdischen Wurzeln dieser Geschichte ein und leitet sich aus der Auslegung von Leben, Botschaft, Tod und Auferweckung Jesu Christi ab. Für dieses Verständnis ist eine Grunderfahrung konstitutiv, die in reformatorischer Tradition als Rechtfertigung „allein aus Gnade“ und „allein durch den Glauben“ zu beschreiben ist. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Mensch den Grund, den Sinn und das Ziel seiner Existenz allein Gott verdankt. Gottes unbedingte Annahme enthebt den Menschen des Zwangs zur Selbstrechtfertigung und Selbstbehauptung seines Lebens. Sie stellt ihn in die Freiheit und befähigt zu einem Leben in Verantwortung, das auch in der Gemeinschaft der Glaubenden das Evangelium Jesu Christi bezeugt.
...

Inhaltsfeld 3 Das Evangelium von Jesus Christus
Dieses Inhaltsfeld beschäftigt sich mit der Frage, wer oder was Menschen Orientierung für ein gelingendes Leben angesichts der Widersprüchlichkeiten des Lebens und der Welt bietet. Der christliche Glaube an Jesus von Nazareth, den Christus, gewinnt aus der Botschaft Jesu vom Reich Gottes, dem Zeugnis von seiner Passion und dem Glauben an seine Auferstehung Leitlinien für die Gestaltung eines gelingenden Lebens.
...

https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplan/24/KLP_GOSt_Religionslehre_ev.pdf
Das war jetzt nur mal aus dem Anfang, wen es interessiert, der wird u.a. auf S. 31f mehr finden.

lubov antworten
Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2544

Danke für den Auszug was an Stoff vermittelt werden soll.
Ich bin manchmal erstaunt wenn 5-jährige Martin Luther erkennen,
aber auch ganz selbstveständlich die Playmobil-Figur in ein Auto setzen, weil Herr Luther jetzt in den Urlaub fährt.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Ich verunglimpfe nicht die Lehrer, ich muss doch sehr bitten. Die Lehrer bestimmen ja nicht eigenmächtig den Lehrplan.

Ich hab lediglich gesagt, dass das Leben Jesu spätestens ab der Sek. II nicht mehr gelehrt wird. Wenn es Schulen gibt, wo das noch vorkommt, umso besser. Aber aus meiner Erfahrung und den Berichten des Umfelds muss man schon an eine christliche Schule gehen, um zu gewährleisten dass Jesus und die Bibel noch Relevant hat.

tristesse antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Im Reli Unterricht wurde schon vor 30 Jahren nicht mehr von Jesus erzählt.

Sondern ...?

ungehorsam antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Ethik, Religionswissenachaft, etc.

tristesse antworten


PeterPaletti
Beiträge : 1238

Ich finde das eher ein bisschen peinlich, weil der ökumenische Religionsunterricht nicht aus Überzeugung kommt, sondern aus der Not geboren ist.

peterpaletti antworten
3 Antworten
Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2544

Ich glaube die Not nicht. In meiner Schulzeit wurden die Klassen geteilt, es gab im Religionsunterricht nicht weniger Klassen oder mehr Klassen als vorher nur dadurch die Schüler entstehen ja nicht mehr Schüler.

Nachtrag vom 01.06.2021 0803
dass man Schüler teilt, gehört da noch rein.

jigal antworten
PeterPaletti
(@peterpaletti)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1238

Ich meinte, früher, wo man noch aus dem Vollen schöpfen konnte, da hat man sich mit Händen und Füßen gegen überkonfessionellen Reli-Unterricht gewehrt.
Jetzt, wo nicht genügend Lehrer und Schüler mehr da sind, geht es plötzlich.

peterpaletti antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535

Ich sehe das eher pragmatisch: es ist doch egal, aus welchen Gründen das Richtige getan wird.

suzanne62 antworten
marieta
Beiträge : 434

Ich finde das sowieso in der heutigen Zeit recht schräg, schulischen Religionsunterricht auch nur auf eine Religion zu binden. In Erdkunde lernt man doch auch nicht nur die Gesteinsschichten unter der eigenen Stadt, sondern schaut sich die Geographie des ganzen Globus an. Warum nicht wertneutral und ohne solch massive Gewichtung auf das Eigene alle Religionen und die grundlegenden Prinzipe Werte, Normen, Glaube, Religiosität, etc. unterrichten? Die Verkündigung einer speziellen Glaubensgemeinschaft könnte man doch fairerweise den Glaubensgemeinschaften in ihrem eigenen Rahmen überlassen - ALL diesen Glaubensgemeinschaften.

marieta antworten
6 Antworten
Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2544

Als Christ sollte man froh sein über die Möglichkeit Kinder im christlichen Glauben und nicht nur in Ethik zu unterrichten.
Es gibt eben auch Jugendliche die bekommen von zu hause gar nichts mit.
Außerdem sollte man erst den eigenen Glauben kennen, bevor man sich über andere Religionen einen Kopf macht, das verwirrt einen Grundschüler.

jigal antworten
marieta
(@marieta)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 434

was ist denn der "eigene Glaube", wenn ein Kind von zuhause gar nichts derartiges mitbekommt? In Deutschland sind kirchliche Angebote aller anerkannten Kirchen und Glaubensgemeinschaften ohne große Hürden zugänglich, da wüsste ich nicht, warum die religionsgebundene Bildung dann in der staatlichen Schule stattfinden muss.

marieta antworten
Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2544

Eigener Glaube sind die Grundlagen der Konfession der man angehört.
Die Ältesten bei uns unterschreiben, dass sie hinter den entsprechenden Glaubensbekenntnissen stehen hinten denen die eigene Konfession, zu deutsch das religöse Bekenntnis steht. Wer ein Kind in den evangelischen Religionsunterrricht schickt, das nicht evangelisch ist, tut dies bewusst. Die Bekenntnisse meiner Kirche sind a) das apostolische Glaubensbekenntnis, das Glaubensbekenntnis von Nicäa/Konstantinopel, ein Glaubensbekenntnis das besagt, dass Jesus Christus nicht nur Mensch war sondern auch Gott ist, das Augsburger Bekenntnis in dem Luther und Melanchthon die Grundlagen der Lutherischen Lehre dem Kaiser vortrugen. Luther nur aus der Ferne da Augsburg nicht sicher für ihn war. Sowie die Barmer Theologische Erklärung von 1934.

jigal antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @marieta

Ich finde das sowieso in der heutigen Zeit recht schräg, schulischen Religionsunterricht auch nur auf eine Religion zu binden. In Erdkunde lernt man doch auch nicht nur die Gesteinsschichten unter der eigenen Stadt, sondern schaut sich die Geographie des ganzen Globus an.

Es ist aber doch durchaus in Ordnung, erst einmal mit dem jeweils Eigenen zu beginnen.
Deinen Vergleich finde ich da gar nicht schlecht: in der Grundschule hatten wir zunächst "Heimatkunde" (man merkt, meine Schulzeit ist schon lange her....), d.h. es ging erst einmal um unsere eigene Stadt, dann um das Rheinland und gegen Ende der Grundschulzeit um NRW insgesamt....und nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule lernten wir andere deutsche Regionen kennen, dann unsere Nachbarländer und schließlich Europa insgesamt....der Blick weitete sich mit jedem Jahr mehr.
Ähnliche Erfahrungen habe ich auch mit dem konfessionellen Religionsunterricht gemacht: begonnen hat es schon mit dem "Eigenen" - also mit biblischen Geschichten, Biografien der Heiligen und unseren katholischen Traditionen. Das finde ich auch im Nachhinein in Ordnung - für Grundschulkinder ist es wohl eine Überforderung, wenn sie über das Verhältnis zwischen dem Christentum und den östlichen Religionen reflektieren sollen....
Aber wenn man das Eigene gut kennt und versteht, ist das eine gute Basis, sich mit dem "Anderen" zu beschäftigen und sich anzuschauen, was es Trennendes, aber auch, was es Gemeinsames gibt - zunächst bezogen auf die unterschiedlichen christlichen Konfessionen, aber später dann auch bezogen auf das Verhältnis zwischen dem Christentum und anderen Religionen.
Ich habe es nie erlebt, dass katholische Religionslehrer abwertend über andere christliche Kirchen oder andere Religionen gesprochen hätten.

suzanne62 antworten
marieta
(@marieta)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 434

schön, wie du das beschreibst, was auch in meiner Schulzeit in der Grundschule noch "Heimatkunde" hieß. Meine kleine Schwester hat bereits in der ersten Klasse eine Projektarbeit über, ich glaube Dänemark, erstellen müssen. Ich hab nicht den Eindruck, dass es ihr geschadet hat.

Bezogen auf Religion finde ich in unserer Gesellschaft den Ausdruck "das Eigene kennen" einfach schwierig. Wenn ich in einer gläubigen Familie aufwachse, dann wurden vor Eintritt in die Grundschule bereits klare Fundamente gelegt und ich habe außerdem Zugang zu Angeboten meiner Glaubensgemeinschaft. Wenn meine Familie nicht gläubig ist, dann habe ich bezogen au die Religion schlicht nichts Eigenes, und dann ist es Setzung der Schule, was sie mir einflößt. Der Eintrag einer Konfession in einem Register ist doch dafür keine ernstzunehmende Basis. Gerade weil Religion etwas so persönliches ist, sollte man mit der institutionalisierten Erziehung und Bildung meiner Meinung nach wesentlich reflektierter und liberaler umgehen.

marieta antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @marieta

Meine kleine Schwester hat bereits in der ersten Klasse eine Projektarbeit über, ich glaube Dänemark, erstellen müssen. Ich hab nicht den Eindruck, dass es ihr geschadet hat.

Ich glaube auch nicht, dass irgendein Grundschulkind dadurch einen bleibenden Schaden erleidet - aber Projektarbeiten, die dabei helfen, sich im eigenen Wohnort zurechtzufinden haben halt auch ihr Gutes.

Veröffentlicht von: @marieta

Wenn meine Familie nicht gläubig ist, dann habe ich bezogen au die Religion schlicht nichts Eigenes, und dann ist es Setzung der Schule, was sie mir einflößt.

Ich hatte während meiner gesamten Schulzeit nie den Eindruck, dass mir da im Reli-Unterricht etwas "eingeflößt" wurde. Es wurde - wie in allen anderen Fächern auch - Wissen vermittelt.

Veröffentlicht von: @marieta

Der Eintrag einer Konfession in einem Register ist doch dafür keine ernstzunehmende Basis.

Ob und an welchem Religionsunterricht ein Schüler teilnimmt, entscheiden doch die Eltern bzw. ab 14 Jahren die Schüler selbst - das ist doch nicht "Setzung der Schule".

Veröffentlicht von: @marieta

Der Eintrag einer Konfession in einem Register ist doch dafür keine ernstzunehmende Basis.

Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche ist nicht Voraussetzung für die Teilnahme am Religionsunterricht.
Es gibt katholischen ebenso wie evangelischen Reli-Unterricht, da ist gerade mal die Hälfte oder noch weniger der teilnehmenden Schüler getauft und Mitglied der jeweiligen Kirche.

Veröffentlicht von: @marieta

Gerade weil Religion etwas so persönliches ist, sollte man mit der institutionalisierten Erziehung und Bildung meiner Meinung nach wesentlich reflektierter und liberaler umgehen.

Das sehe ich auch so und finde es gerade deshalb gut, dass es hier in NRW ein so vielfältiges Angebot gibt: neben dem christlichen Religionsunterricht (der je nach Schule ökumenisch oder konfessionell sein kann) gibt es auch muslimischen und jüdischen Religionsunterricht sowie das Fach Praktische Philosophie bzw. Ethik.
Da können Eltern bzw. Schüler doch gut auswählen, was sie für sich bzw. für ihr Kind für passend halten.

suzanne62 antworten


Suzanne62
Beiträge : 7535

In NRW gibt es das schon an einigen Schulen, aus den von dir genannten Gründen.
Die qualitativen Unterschiede sind denen ähnlich, die schon aus dem konfessionellen Reli-Unterricht bekannt sind: neben Lehrern, die ihren Unterricht als Missionierungsauftrag missverstehen (was Unterricht an staatlichen Schulen nicht sein kann und soll) gibt es auch solche, die ihre Schüler zu eigenständigem Denken anleiten und sie ermutigen, über ihren Glauben durchaus kritisch zu reflektieren und ihre eigenen Schlüsse zu zeihen.
Grundsätzlich finde ich das aber gut bzw. - wie du auch anmerkst - eigentlich überfällig.

suzanne62 antworten
Tagesschimmer
Beiträge : 944

Man kann das Thema Religions-, Konfessions-, Ethikunterricht ganz verschieden organisieren. Mir ist wichtig, dass es fachlich sauber und ehrlich geschieht und das ist leider selten der Fall.

Wenn ein Lehrer einer Konfession angehört und das bekannt ist, darf er natürlich im Konfessionsunterricht in der ich-Form und mit etwas mehr Überzeugung sprechen. Ansonsten wünsche ich mir eine respektvolle, neutrale Haltung, die verschiedene Sichtweisen erwähnt und in der Bewertung auch zulässt.

tagesschimmer antworten


Seite 1 / 2
Teilen: