Entstand das rabbinische Judentum aus dem Christentum?
Poentierte Antwort zur Einleitungsfrage: Ja
Dieser Beitrag beruht auf dem Video von Prof. Israel Jacob Yuval und dem gleichnamigen Video (das Video ist auf Englisch Deutsche Synchronistion ist erhältlich)
In der Einleitung sagt Prof. Israel
9:34 Auf die Rückseite meines Hebräischbuchs mit dem Titel „Zwei Nationen – Über die Wahrnehmung von Juden und Christen im Mittelalter“ schrieb ich folgenden Satz: Ich zitiere: „Die christliche Polemik gegen das Judentum endete nach dem Holocaust und der Gründung des Staates Israel. Dieses Buch ist ein Produkt dieser postpolemischen Ära, in der man öffentlich veröffentlichen kann, was man früher nur hinter verschlossenen Türen flüsterte.“ Zitat Ende. In allen Rezensionen, die über mein Buch geschrieben wurden, wird dieser Satz am häufigsten zitiert, meist aus einer ablehnenden Haltung heraus, und dennoch glaube ich nach wie vor, dass wir in einer neuen Ära leben, in der Christen und Juden die Geschichte dieser beiden Schwesterreligionen aus einer Perspektive des gegenseitigen Verständnisses gelassen betrachten können.
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Ich zitiere hier mal einige Aussagen, wer seine Argumente dazu hören will ich hab die Zeitangaben hingeschrieben.
22:53 Jahrhundertelang hatte der Monotheismus ausgereicht, um Israel von seiner heidnische Umgebung abzugrenzen, doch das Aufkommen des Christentums als zweite monotheistische Religion mischte die Karten neu: Es hebte nicht nur die monotheistische Einzigartigkeit des Judentums auf, sondern übernahm auch den biblischen Text als seinen eigenen und nahm ihn in seine eigenen Heiligen Schriften auf. Auf diese Weise entstand unter den Juden das Bedürfnis, ein zusätzliches Zeichen der Abgrenzung zu schaffen – eines, das sie eindeutig von den Christen unterscheiden würde. Das christentum definierte sich durch einen alternativen Text, das Neue Testament, und die Juden reagierten darauf mit der Schaffung ihres eigenen alternativen Textes, der Mischna, und in der Folge der beiden Talmude
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26:23 Unter den Weisen übernahm die mündliche Überlieferung eine ideologische Funktion in ihrem Kampf gegen die Übernahme der geschriebenen Tora durch das Christentum. Diese Herausforderung ist nicht bloß ein äußerer Reibungspunkt, weit entfernt von der Frontlinie zwischen den beiden konkurrierenden Religionen, sondern vielmehr ein Element, das den Kern, den wesentlichen Inhalt des jüdischen religiösen Schaffens prägt und formt. Das Studium der mündlichen Tora und nicht der geschriebenen Tora wurde von diesem Zeitpunkt an und bis heute zum großen religiösen Prinzip, da es allein die jüdische Einzigartigkeit im Vergleich zum Christentum definierte.
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27:49 Ich möchte behaupten, dass das letzte Abendmahl keine Adaption des Seder ist, sondern im Gegenteil: Der Seder ist eine spätere jüdische Reaktion auf das christliche Osterfest.
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31.30 Die Juden begannen, eine Geschichte zu erzählen, um das Opfer zu ersetzen; die Christen taten dasselbe, doch ihre Geschichten unterschieden sich: Die Geschichte, die die Juden erzählten, handelte vom Auszug aus Ägypten, während die Christen die Geschichte von Jesu Leiden, Kreuzigung und Auferstehung erzählten.Die früheste christliche Quelle, die die Feier von Ostern beschreibt, stammt aus dem 2. Jahrhundert. Die apokryphe „Epistola Apostolorum“ aus der Mitte des 2. Jahrhunderts berichtet, wie die Gruppe der Apostel die Passionsgeschichte die ganze Nacht hindurch bis in die frühen Morgenstunden erzählte. Eine erstaunlich ähnliche Episode findet sich in der Passah-Haggada: Fünf Gelehrte aus dem frühen 2. Jahrhundert saßen zusammen und erzählten die Geschichte des Auszugs aus Ägypten bis hin zur „Down“, wie es in der Mischna heißt
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36:58 Die Haggada entstand als Antwort und als Alternative zur christlichen Heilsgeschichte von Kreuzigung und Auferstehung.
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37:46 In diesem Zusammenhang lässt sich vielleicht sagen, dass die Evangelien die frühesten Passah-Hagadot sind; die späteren jüdischen Passah-Hagadot wären eine jüdische Antwort oder Gegenerzählung zur christlichen Passionsgeschichte.
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Prof. Israel diskutiert dann noch weitere Feste, wie das Schawuot welches eine Antwort auf Pfingsten war, sowie Chanukka und Weihnachten.
44:08 Wir haben gute Gründe zu der Annahme, dass Weihnachten Chanukka davor bewahrt hat, in Vergessenheit zu geraten, indem es ihm neue Bedeutungen verliehen hat.
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48:54 Warum wurden dann alle anderen Feiertage der Zeit des Zweiten Tempels in Vergessenheit geraten, während Chanukka erhalten blieb?
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1h 03:06 Wie kommt es, dass die Kanuka-Kerzen heiliger wurden als die Schabbat-Kerzen? Mein Vorschlag ist, dass die Rabbiner dieselbe Taktik anwenden wie die Christen, die sich gezwungen sahen, eine Unterscheidung zwischen dem Heiligen und dem Profanen zu treffen.
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Prof. Israel wechselt dann zu weiteren Themen
1h 10:40 Unter den Weisen des Talmuds und erst recht im Mittelalter wird Isaak zur zentralen Figur. Einer rabbinischen Überlieferung zufolge widersetzte sich Abraham dem Befehl Gottes, dem Jungen etwas anzutun, und opferte ihn auf dem Altar, woraufhin Isaak von den Toten auferstand. Die Forscher streiten darüber, ob diese Überlieferung jüdische -christliche Wurzeln hat oder nicht. Ich neige dazu, sie als Reaktion auf die Kreuzigung Jesu zu sehen, in der Isaak eine Art alternativer jüdischer Jesus ist. Selbst wenn diese Legende eine alte vorchristliche jüdische Tradition gewesen sein sollte – was ich für unwahrscheinlich halte –, ist es offensichtlich, dass sie eine neue Bedeutung erhielt, als sie mit dem christlichen Umfeld in Berührung kam, in dem die Kreuzigung und Auferstehung Jesu den Kern der christlichen Botschaft bildeten. Meiner Meinung nach ist die jüdische Interpretation der sogenannten „Bindung Isaaks“ eine sozusagen jüdische Aneignung der Kreuzigungserzählung.
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Ab 1h 14 Spricht er dann von Messias Ben Joseph und Messias Ben David. Durchaus Hörenswert wer sich damit noch nie ausseiander gesetzt hat.
Ab 1h 16 kommt dann seine Zusammenfassung
Daher können wir zusammenfassen und eine abschließende Feststellung treffen: Wäre Paulus nicht gewesen, hätte es Rabbi Akiva nicht gegeben.
1h 19:27 Daher können wir zusammenfassen und eine abschließende Feststellung treffen: Wäre Paulus nicht gewesen, hätte es Rabbi Akiva nicht gegeben.
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PS: ich hab gerade noch ein Video von Prof: Israel gefunden da doziert er auf Deutsch
Scheint das gleiche Thema zu sein, ich hab es allerdings noch nicht gesehen.
Hab gerade rein gehört ich finde seine ausführungen zu Esau und Jakob extrem spannend, minute 4-20 und lohnt sich zu das mal anzuhören.
Veröffentlicht von: @arcangelPS: ich hab gerade noch ein Video von Prof: Israel gefunden da doziert er auf Deutsch
Scheint das gleiche Thema zu sein, ich hab es allerdings noch nicht gesehen.
Inhalt:
Das Video ist ein Aufzeichnung eines Vortrags von Prof. Israel Jacob Yuval (Veranstalter: THEOLOGISCHE KURSE Wien) mit dem Titel „Das Christentum als Mutter des rabbinischen Judentums“.
Der israelische Historiker präsentiert darin seine These, dass das nach der Zerstörung des Zweiten Tempels (70 n. Chr.) entstandene rabbinische Judentum in einer engen, oft polemischen wie auch beeinflussten Wechselwirkung mit dem frühen Christentum geformt wurde.
Kernthesen & Inhalte des Vortrags:
Begrüßung und persönliche Einleitung [00:00] – [08:00]
Vorstellung von Prof. Yuval durch Prof. Clemens Leonhard.
Yuval erinnert an seine Mutter, die 1938 aus Wien fliehen musste, und erklärt, wie das Schicksal seiner Familie sein Interesse an den jüdisch-christlichen Beziehungen prägte.
Geschwister- / Zwillings-Metaphorik (Jakob und Esau) [08:00] – [26:40]
Analyse der biblischen Zwillingsbrüder Jakob und Esau: Beide Religionen identifizierten sich jeweils mit dem gesegneten Sohn (Jakob/Israel) und sahen die andere Seite als Esau.
Rabbinische Umdeutungen (z. B. der Kuss von Esau als „Biss“) als Reaktion auf christliche Topoi (wie den Judaskuss).
Ablehnung der traditionellen Metapher von der „Mutter-Tochter-Beziehung“ (Judentum als Mutter, Christentum als Tochter): Nach der Tempelzerstörung seien vielmehr zwei gleichzeitige Schwesternreligionen aus demselben biblischen Erbe hervorgegangen.
Drei zentrale Bereiche christlicher Prägung im rabbinischen Judentum:
1. Das Tora-Studium und die Mündlichkeit [33:50] – [59:20]
Das Konzept der mündlichen Tora (Tora sche-be-al-pe, Mischna und Talmud) und das Verbot, diese niederzuschreiben, gedieh als Reaktion auf das Entstehen des schriftlichen Neuen Testaments und des christlichen Anspruchs, das „wahre Israel“ zu sein.
Das Verbot der Niederschreibung diente als Schutz- und Abgrenzungsmechanismus, um die Exklusivität der jüdischen Lehre zu bewahren.
2. Die heiligen Zeiten und Feste [59:30] – [0145]
Pessach & Ostern: Die Entstehung der Pessach-Haggada (Erzählung statt Tempelopfer) verläuft parallel bzw. in Auseinandersetzung mit den christlichen Passions- und Ostererzählungen. Die Formel „Dies ist das Brot der Armut...“ bildete ein Gegenstück zu den Einsetzungsworten des Abendmahls („Dies ist mein Leib...“).
Schawuot & Pfingsten: Die Umdeutung von Schawuot zum Fest der Tora-Offenbarung am Sinai korrespondiert mit dem christlichen Pfingstfest (Gründung der Kirche / Neuer Bund).
3. Die Vorstellung eines leidenden Messias [0150] – [0100]
Bindung Isaaks (Akedah): Rabbinische/mittelalterliche Deutungen, in denen Isaak tatsächlich geopfert und wiederauferweckt wird, spiegeln das christliche Motiv von Kreuzigung und Auferstehung wider.
Messias ben Josef: Die Entstehung der Figur des leidenden, sterbenden und wiederauferstehenden Messias (Sohn Josefs) vor dem Messias Sohn Davids als jüdische Gegenfigur zu Jesus.
Fazit [0100] – [0147]
Das rabbinische Judentum entstand nicht isoliert, sondern maßgeblich in der Abgrenzung und Reibung mit dem Christentum.
Yuval schließt mit der zugespitzten These: „Wäre Paulus nicht gewesen, hätte es auch keinen Rabbi Akiba gegeben.“
(Inhalt erstellt von Gemini Flash, heute)
Die zeitliche Abfolge und Reaktion auf das Christentum ist mir bekannt, allerdings ohne weiteren Inhalt. Ich erhoffe mir, dass mit deinem link die weißen Flecken auf meiner historischen Landkarte weiter beseitigt werden.
Von Prof Israel Yuval habe ich schon einen Artikel bei Israel heute gelesen. War gut verständlich und zum Mitgehen.
Erst mal nur einige Anmerkungen:
Fünf Gelehrte aus dem frühen 2. Jahrhundert saßen zusammen und erzählten die Geschichte des Auszugs aus Ägypten bis hin zur „Down“, wie es in der Mischna heißt
ich vermute, »down« ist ein Tippfehler für »dawn«, (Morgen-)Dämmerung.
Unter den Weisen des Talmuds und erst recht im Mittelalter wird Isaak zur zentralen Figur.
Da wäre zu prüfen, ob da nicht auch der Islam eine Rolle spielte.
Später werde ich mir das noch mal anschauen und vielleicht mehr schreiben.
Entstand das rabbinische Judentum aus dem Christentum?
Das ist etwas übertrieben, Prof. Yuval meint ja nicht, dass das Judentum von vom Christentum abgewanderten Juden entstand, sondern dass das rabbinische Christentum eine Reaktion auf das Christentum war.
Ich denke, neben dem Christentum haben noch andere Faktoren eine Rolle gespielt, die Absage an Gewalt war sicher eine Reaktion auf die erneute Niederlage im Aufstand von 133-35. Die Rabbinen schlossen (nicht zu Unrecht) daraus, dass auf solchen Aufständen kein Segen Gottes liegt.
Das christentum definierte sich durch einen alternativen Text, das Neue Testament, und die Juden reagierten darauf mit der Schaffung ihres eigenen alternativen Textes, der Mischna, und in der Folge der beiden Talmude
Zur Abgrenzung reichte es doch aus, das NT (und insbesondere Paulus) abzulehnen und darauf zu bestehen, dass Jesus nicht der Messias ist. Andererseits sehen wir im Islam mit der Sunna (Hadithe, Qor'ankommentare etc.) eine vergleichbare Kodifizierung der Tradition, um den Glauben auf eine bestimmte Weise festzuschreiben. Und auch im Christentum gibt es mit der »Tradition» z.B. der rkk Ansätze zu einer ähnlichen Entwicklung.
Deshalb bin ich mir ziemlich sicher, dass das Christentum nicht der einzige Grund war, vielleicht auch nicht der Hauptgrund. Es wird sicher interessant, wie das der Dialog zwischen Yuval und den Gelehrten, die das anders sehen, am Ende ausgeht.
Ich möchte behaupten, dass das letzte Abendmahl keine Adaption des Seder ist, sondern im Gegenteil: Der Seder ist eine spätere jüdische Reaktion auf das christliche Osterfest.
Interessant.
Die Juden begannen, eine Geschichte zu erzählen, um das Opfer zu ersetzen
Die Geschichte wird doch schon im AT erzählt … und inwiefern ersetzt sie das Opfer?
Wir haben gute Gründe zu der Annahme, dass Weihnachten Chanukka davor bewahrt hat, in Vergessenheit zu geraten, indem es ihm neue Bedeutungen verliehen hat.
Nun, da könnte er Recht haben, Fakt ist jedenfalls, dass sich die Bräuche zu Chanukka und Weihnachten beeinflusst haben: Im NT erscheint dass Fest noch nicht als Lichterfest, sonst würde Jh 8,12 wohl im Kontext von Jh 10,22 stehen …
Warum wurden dann alle anderen Feiertage der Zeit des Zweiten Tempels in Vergessenheit geraten, während Chanukka erhalten blieb?
Welche anderen Feiertage meint er?
Wie kommt es, dass die Kanuka-Kerzen heiliger wurden als die Schabbat-Kerzen?
(Nebenbei: Kanuka kommt wohl aus der englischen Aussprache?)
Eine mögliche Antwort wäre, dass ein jährliches Fest wichtiger (weil seltener) ist als ein wöchentlicher Schabbat. Aber natürlich musste die offizielle Begründung (die Yuval ja auch nicht teilt) anders lauten 😉
Ab 1h 14 Spricht er dann von Messias Ben Joseph und Messias Ben David. Durchaus Hörenswert wer sich damit noch nie ausseiander gesetzt hat.
Da frage ich mich, wie wichtig das Thema im Judentum ist. Aber das könnte auch ein eigenes Thema werden …
Wäre Paulus nicht gewesen, hätte es Rabbi Akiva nicht gegeben.
Also Paulus als Begründer des Christentums … lass ich mal unkommentiert.
Akiba wäre wohl auf jeden Fall auch ohne Paulus geboren, ob er dann auch ein Rabbiner geworden wäre (und ob es dann auch Rabbiner gegeben hätte oder nur Rabbis), das ist weniger sicher. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass Yuval insgesamt zu weit geht. Aber insgesamt ist das sicher ein guter Denkanstoß.
Und noch was: Der Buchtitel Two Nations in Your Womb ist vielleicht eine Anspielung auf die Gleichsetzung von Edom mit Rom (und späteren Feinden Israels). wir sind »Edom« …
Hab inzwischen gemerkt, dass der Titel von Yuval selbst stammt … immer noch der Provokateur! 😉
Ich denke, neben dem Christentum haben noch andere Faktoren eine Rolle gespielt,
Soviel sagt er dann auch in seinem absluss Kommentar, das es auch eigenständige Entwicklungen gab die nicht aus der Reaktion zum Christentum enstanden, und auch andere Einflüsse gab.
Zur Abgrenzung reichte es doch aus, das NT (und insbesondere Paulus) abzulehnen und darauf zu bestehen, dass Jesus nicht der Messias ist.
Er geht im Video darauf ein, das Ablehnug alleine nicht ausreichte es brauchte ein positives identitätsstiftenes Narrativ.
Die Geschichte wird doch schon im AT erzählt … und inwiefern ersetzt sie das Opfer?
Erklähr er auch im Video, vor der Zerstörung des Tempels war das Passafest ein reines Opferfest, dass sich um die Pilgerreise und den Tempel dreht. Im Ritus fand keine Erzählung statt.
Welche anderen Feiertage meint er?
Erwähnt er ebenfalls im Video hab die Zeitangabe dazu geschrieben für eine referenz.
Ab 1h 14 Spricht er dann von Messias Ben Joseph und Messias Ben David. Durchaus Hörenswert wer sich damit noch nie ausseiander gesetzt hat.
Da frage ich mich, wie wichtig das Thema im Judentum ist. Aber das könnte auch ein eigenes Thema werden …
Ich bin auf diese Thematik schon durch andere Quellen gestossen. So wie ich das verstanden habe, gibt es zwei Messias Erwartungen einem Ben Joseph der Leidende Messias der die Schuld auf sich nimmt und einem Ben David der als König das Reicht Gottes aufbaut. Aus christlicher Sicht verreint Jesus beide Archetypen auf sich.
Und noch was: Der Buchtitel Two Nations in Your Womb ist vielleicht eine Anspielung auf die Gleichsetzung von Edom mit Rom (und späteren Feinden Israels). wir sind »Edom« …
Ich kenn das Buch jetzt nicht aber im Deutschen Video das ich verlinkt habe spicht er von Esau und Jakob, und wie beide Christentum wie Judentum sich selbst als Jakob identifizieren und den anderen als Esau. Die 15 minuten (minute 4-20) im deutschen Video sind sehr höhrenswert und geben einen wirklich tiefen Einblick.
Das meiste was du schreibst habe ich auch gemerkt, als ich mir große Teile des videos angeschaut habe. Wenn du nix geschrieben hättest, hätte ich hier auf seine Zusammenfassung am Ende hingewiesen …
wie ich das verstanden habe, gibt es zwei Messias Erwartungen
Das war mir auch schon bekannt, meine Frage war, wie wichtig das für das heutige Judentum ist.
Interessant sehe ich den Hinweis auf den Wechsel von »Jude(n)« zu »Israel« - die Mischna führt eine neue Terminologie ein (insbesondere wird goy nicht mehr für Israeliten verwendet).
Das Konzept der mündlichen Thora kehrt das Verhältnis von Schrift und Tradition um, in Mk 7,10-13wird die Tradition anhand der Schrift kritisiert, aber die »mündliche Thora« darf so nicht kritisiert werden.
Beim Thema
Die Juden begannen, eine Geschichte zu erzählen, um das Opfer zu ersetzen
habe ich oben das Zitat falsch verstanden. Es ging um den Gegensatz von Passah-Opfer und Sederabend-Liturgie. Und ich stelle gerade fest, dass die Liturgie des Sederabends weniger biblisch begründet ist als ich dachte. Ich hatte im Gedächtnis, dass beim Passahfest davon die Rede ist: Wenn dann dein Kind fragt, … das steht war mehrfach in der Thora, aber nie direkt beim Passahfest oder den ungesäuerten Broten!
Der Hinweris auf die Eröffnungszeremonie der Seder-Haggada (»dies ist das Brot des Elends …«) wirkt ziemlich überzeugend.
Bei Chanukka läuft das, was Yuval sagt, eigentlich eher darauf hinaus, das Chanukka (schon bei Josephus ein Lichterfest, wusste ich nicht) das Weihnachtsfest beeinflusst hat (oder vielleicht die Frage, wann die Geburt Christi zu feiern wäre), und es eigentlich eine Reaktion auf das römische (und andere?) Heidentum war. Wobei noch anzumerken ist, dass es nahezu weltweit eine religiöse Beziehung zwischen Licht und Sonnenwende gab und gibt - das liegt einfach nahe. Deshalb gibt es ja auch so viele Feste (germanisch, keltisch, römisch, …), die als »Ursprung« für Weihnachten angesehen werden.
Bei Chanukka Weihnachten gab haben sich die unterschiedlichen Religionen und Kulte sicher gegenseitig beeinflusst. Christentum und Judentum standen sich ja den gleichen problemen gegenüber; Wie deutet man diese signfikante Zeit innerhalb des eigenen Kultus. Man wollte sich Abgrenzen und die Deutungshoheit für sich reklamieren. Da fand sich eher eine Wechselwirkung statt. Weihnachten ist dann ja auch ein Fest das spät an bedeutung erlangte. Ostern, Pfingsten und Epiphania wahren viel bedeutender.
Falls du beim ersten Satz an die vielen Lichterfeste meinst (vom germanischen Jul bis Indien oder was weiß ich noch …): Der Zusammenhang zwischen Licht und Sonnenwende ist so natürlich, dass sich solche Feste sicher auch unabhängig voneinander entwickelt haben.
Was Chanukka, Weihnachten und römische feste angeht: Schon bei Martin von Tours findet sich das Argument, dass es am 25.12. keine heidnischen Feste gibt, offenbar war sol invictus so wenig verankert, dass er das nicht kannte oder für unwichtig hielt.
Also ein Einfluss (qua Abgrenzung) römischer Feste auf Chanukka und eine gegenseitige Beeinflussung von Chanukka und Weihnachten halte ich für sehr wahrscheinlich, darüber hinaus wird es unsicher.