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Was bedeutet euch die Reformation?

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Tojak
 Tojak
Themenstarter
Beiträge : 655

War sie ein Fortschritt oder der Beginn einer weiteren Kirchenspaltung?

Für mich war sie ein Fortschritt zu ihrer Zeit. Die Bibelübersetzung ins Deutsche, die Möglichkeit zu eigener Bibellese, zu eigenverantwortlicherem Glauben, der Beginn einer größeren Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche, die wichtige Rolle der Kirchenmusik, das alles finde ich nach wie vor gut. Ich bewundere die Reformatoren, die unter Inkaufnahme einer Exkommikation, aber auch Gefahren für Leib und Leben, ihr Anliegen vorangetrieben haben.

Die Kirchenspaltung hätte nicht unbedingt sein müssen, aber sie ist historisch nun einmal so gekommen. Auch die katholische Kirche hat sich seitdem verändert, wenn auch langsamer.

Und heute? Wir haben international bei den Prostestanten ein weites Spektrum, das von Evangelikalen bis zu sehr liberalen Christen reicht. Unter einen einheitlichen Hut passt das nicht und wird es wohl auch nie mehr passen. In der katholischen Kirche gibt es einen halbwegs einheitlichen Standard weltweit, allerdings immer noch ein aus meiner Sicht gravierendes Problem mit der Gleichberechtigung von Frauen. 

Wie bewertet ihr die Reformation und den heutigen Zustand der Kirche(n)?

 

P.S.: Ich bin Mitglied der EKD

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93 Antworten
Arcangel
Beiträge : 6387

@tojak 

Für mich war sie ein Fortschritt zu ihrer Zeit. Die Bibelübersetzung ins Deutsche, die Möglichkeit zu eigener Bibellese, zu eigenverantwortlicherem Glauben, der Beginn einer größeren Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche,

Luthers Reformation, hat sicher einiges ins Rollen gebracht, aber die Möglichkeit der eigenen Bibellese kam dann doch erst viel später, als die Menschen lesen gelernt haben, und die Gleichberechtigung der Frauen, wurde nicht durch die Reformation, sondern von der Emanzipationsbewegung in der englischsprachigen Welt befeuert. 

Die Reformatoren haben dazu beigetragen, die katholische Deutungshoheit der Bibel zu brechen, und haben damit den Weg frei gemacht, dass die Bibel von den Menschen selbst erforscht und begriffen werden kann. Leider ist dies im orthodoxen Raum viel weniger passiert. 

Wie bewertet ihr die Reformation und den heutigen Zustand der Kirche(n)?

Global betrachtet eine schnell wachsende und dynamischer Leib Jesu. Hier in Westeuropa, eine fast unwichtige gesellschaftliche Subkultur. 

arcangel antworten
4 Antworten
Dionysius
(@dionysius)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 47

@arcangel Die Reformatoren legten auf Bildung sehr viel Wert, dass Kinder schon früh in die Schule gehen und Lesen und Schreiben lernen. Die Lutherbibel hatte damals eine hohe Auflage, ich habe von einer Schätzung von ca. einer halben Million gelesen. Das wäre heute schon eine sehr beachtliche Auflage, damals hingegen war sie gigantisch. Die Bevölkerung war außerdem sehr viel kleiner als heute. Also da hat sich schon einiges getan und das nicht nur bei den Reichen, die Bibel wurde gelesen.

Hinzukommt, dass es in der katholischen Kirche eigentlich untersagt war, dass Laien die Bibel lesen können - und noch dazu in ihrer eigenen Sprache! Durch Luthers Bibelübersetzungen gab es dann aber katholische Gegenbibeln von Hieronymus Emser (nur NT, 1527), Johann Dietenberger (1534) und Johannes Eck (1537). Dadurch konnten dann auch Katholiken die Bibel in ihrer Sprache lesen. Die erfolgreichste und in hoher Auflage gedruckte katholische Bibelübersetzung war die von Johann Dietenberger (hier zu lesen), die (speziell auch revidiert durch Caspar Ulenberg) mehrere Jahrhunderte lang gedruckt wurde.

dionysius antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6387

@dionysius 

Zu den Reformatoren zähle ich Luther, Zwingli, Calvin, und Knox. Sie haben vor gespurt. Dass nachher im Zuge und Reformation auch eine Reformation des Bildungswesens anfing, hängt zusammen. Keine Frage. 

arcangel antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1626

@arcangel 

Allerdings ist Calvinismus und Arminianismus bzw. Lutheranern schon grundlegend etwas anderes. 

Der Unterschied ist fast schon so groß wie zwischen Luthers Lehre und der RKK.

kappa antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6387

@kappa 

Die evangelikale und freikirchliche Szene, ist wesentlich mehr von Calvin und Zwingli geprägt als von Luther, dieser blieb ja noch mit einem Fuss im Katholizismus. 

arcangel antworten


Pankratius
Beiträge : 1375
Veröffentlicht von: @tojak

War sie ein Fortschritt oder der Beginn einer weiteren Kirchenspaltung?

Eher letzteres. 

Deshalb finde ich es auch immer wieder verwunderlich, wenn der 31.10. von manchen Christen oder Bundesländern als "Feiertag" betrachtet wird. 

Veröffentlicht von: @tojak

Die Bibelübersetzung ins Deutsche

Bibelübersetzungen gab es auch schon vor Luther. 

Veröffentlicht von: @tojak

die Möglichkeit zu eigener Bibellese

Ich denke, die meisten Menschen konnten damals nicht lesen, oder? Und der Glaube kommt vom Hören. 

Veröffentlicht von: @tojak

der Beginn einer größeren Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche

Das sehe ich eher andersherum. Durch die sogenannte Reformation wurden Frauen auf die Rolle der Mutter und Hausfrau reduziert und es gab keine Alternativen mehr, oder? Ist das nicht eher ein Rückschritt in der Gleichberechtigung? 

 

 

pankratius antworten
11 Antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297
Veröffentlicht von: @pankratius
Veröffentlicht von: @tojak

War sie ein Fortschritt oder der Beginn einer weiteren Kirchenspaltung?

Eher letzteres. 

Deshalb finde ich es auch immer wieder verwunderlich, wenn der 31.10. von manchen Christen oder Bundesländern als "Feiertag" betrachtet wird. 

Veröffentlicht von: @tojak

Die Bibelübersetzung ins Deutsche

Bibelübersetzungen gab es auch schon vor Luther. 

Veröffentlicht von: @tojak

die Möglichkeit zu eigener Bibellese

Ich denke, die meisten Menschen konnten damals nicht lesen, oder? Und der Glaube kommt vom Hören. 

Veröffentlicht von: @tojak

der Beginn einer größeren Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche

Das sehe ich eher andersherum. Durch die sogenannte Reformation wurden Frauen auf die Rolle der Mutter und Hausfrau reduziert und es gab keine Alternativen mehr, oder? Ist das nicht eher ein Rückschritt in der Gleichberechtigung? 

 

 

@pankratius:

Nun ja ... das relatviere ich aber jetzt auch wieder etwas.

Die Entwicklung zu einer  Kirchenspaltung lag sicher mit daran, dass Luthers Anliegen so knallhart unaufgegriffen und abgeprallt sind (Reform, nicht Spaltung ... war ja sein Anliegen und bzgl. der De-Formierungen und Missstände gab es wohl faktisch einigen Anlass zu Re-formen) ... Und da die Reformation sich unterschiedlich in den Fürstentümern, Gegenden und Ländern entwickelt hat, gibt es halt bis heute 'sonne und solche' traditionellen Bezüge (bzgl. Feiertag) ... wobei sowohl Katholiken wie Protestanten im "Haloween"-Gerbräu  auch keine gute Alternative für den 31.10.haben, oder?

Luthers Bibelübersetzung korresponierte bekanntlich mit der Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks und Luthers Anliegen zu mehr Mündigkeit des Volkes betraf ja auch ff. die Förderung von Schulwesen, Katechismus-Vermittlung und Volksbildung allgemein. Seine Übersetzung war insofern auch hilfreich, als dass er sich ja bemüht hatte, "dem Volk aufs Maul zu schauen" und ihre Sprachwelt zu berühren. Da war seine Übersetzung schon noch mal was Besonderes und eine große Leistung.

Und auch wenn der Glaube "aus dem Hören kommt", wollte Luther ja gerade, dass die Geistlichkeit dem Volk  nicht irgendwas vorsetzen konnte, sondern die Bibel sollte Prüfmassstab sein, mit dem auch den Priestern & Pfaffen "aufs Maul geschaut" werden konnte.

Und wieso hat gerade die Reformation - anders als die katholische Kirche - die Frauen auf ihre Rolle "alternativlos" als "Hausfrau und Mutter reduziert"?  *grübel*

L'Chaim

 

awhler antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1518

@awhler 

Und wieso hat gerade die Reformation - anders als die katholische Kirche - die Frauen auf ihre Rolle "alternativlos" als "Hausfrau und Mutter reduziert"? 

Na, weil's aus war mit dem akademischen Leben im Kloster. 🫣

Nun musste die höhere Tochter dem profanen Manne untertan sein, viele Kinder gebären und den heimeligen Laden schmeißen. 😳

martha antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297
Veröffentlicht von: @martha

@awhler 

Und wieso hat gerade die Reformation - anders als die katholische Kirche - die Frauen auf ihre Rolle "alternativlos" als "Hausfrau und Mutter reduziert"? 

Na, weil's aus war mit dem akademischen Leben im Kloster. 🫣

Nun musste die höhere Tochter dem profanen Manne untertan sein, viele Kinder gebären und den heimeligen Laden schmeißen. 😳

😉 ... Ja, so gesehen.

Aber  zumindest Luther's Käthe war so untertänig nicht ... 

Und bei den "Evangelen" gibt es ... mit etwas Verzöööööögerungen  - ja längst auch ein paasr Käß'männ/innen auf der Kanzel, am Katheder und im Bischoffskleide

L'Chaim

awhler antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1626

@awhler 

Aber genau das ist der bis dato in der Christenheit nicht übliche Prozess, das Christen selbst Theologe spielen sollen. Diese Denkweise gab es nicht, die war angesichts einer Mehrheit von Analphabeten sogar unmöglich.

Historisch war es zuvor nie so, das man einfach eine Bibel hat an der sich jeder seine eigene Meinung bilden soll und dabei die Kirche mit Ihrem Amt und Gedächtnis ausklammert.

Das ist der Urgrund der Spaltungen in dieser, bis dahin unbekannten Dimension. Vorher waren es Einzelfälle.

Es mag sein das es für einen Freikirchlichen Christen heute völlig normal ist, das man selbst die höchste Instanz ist in der Auslegung der Schrift.

Wo bitte gab es das vor Luther?  In den 1500 Jahren? Hier wurde eine Art neues Christentum geschaffen. Wenn dies das richtige wäre in der Form, was hat Gott dann 1500 Jahre vorher gemacht? Ich finde es mittlerweile suspekt.

Ich selbst habe die Bibel sehr oft gelesen, besonders das NT. Wenn Gott gewollt hätte den Glauben alleine über die Schrift für jeden zur Auslegung zu transportieren, sorry, dann würde die Schrift ganz anders aussehen.  Im Stil eines modernen Buches oder vielleicht auch, wie die Bücher Mose.

kappa antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 1854

@kappa als Apostat kenne ich nicht detailliert den Stand bei der RKK heutzutage, zur Zeiten meiner Mutter selig war es dass ihr gesagt wurde vom Priester/Unterricht dass die Bibel nicht von Laien wie ihr zu lesen sei. Das würde den Geist verwirren und man schrieb psychische Erkrankungen dem eigenständigen Lesen der Bibel zu. Bei uns im Ort gab es ein Mädchen/Frau mit psychischen Problemen, es gab da dann Gerüchte dass diese durch die eigenständige Lektüre der Bibel entstanden sei. 

Lesen der Bibel war m.W. nur dem Klerus und entsprechend gebildeten Personen gestattet, dem Laienstand wurde der Inhalt gepredigt und von der Kirche freigegebenes Material. Ein selbstständiges Lesen war ein Tabu. Die Messen in ihrer Jugend waren dazu auf Latein m.W.

Meine Mutter hätte auch gar keine von der Kirche zugelassene Bibel lesen können als Jugendliche, da wie ich gerade sah, erst ab 1962 volkssprachliche Bibeln zulässig waren, da war sie schon eine junge Erwachsene und ihre sehr sehr limitierten Kenntnisse in Latein sich auf das beschränkten was man in der Messe hörte und memorierte.

der_alte antworten
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 655
Veröffentlicht von: @pankratius
Veröffentlicht von: @tojak

Die Bibelübersetzung ins Deutsche

Bibelübersetzungen gab es auch schon vor Luther.

 

 

Ja, aber sie hatten keine vergleichbare sprachliche Qualität und haben keine solche Wirkung erzielt.

Einen interessanten Beitrag, wie Luthers Übersetzung in der Folge auch das Deutsche geprägt hat, habe ich gerade hier gefunden.

https://www.evangelisch.de/inhalte/249049/31-10-2025/frohgemut-und-herzenslust-wie-luther-unser-deutsch-bis-heute-praegt

tojak antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 1854

@tojak https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2019/17-2019/antisemitismus-durch-uebersetzungsfehler/

Inhaltlich gilt sie (Lutherbibel - letzter Hand) als bedenklich (Antisemitismus), auch die Bezeichnungen AT und NT stehen in der negativen Kritik.

der_alte antworten
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 655

@der_alte 

1. Luthers Antijudaismus bzw. Antisemitismus, der zweifellos vorhanden war, ist für mich durch nichts zu entschuldigen.

2. Antijudaismus/Antisemitismus gab es in der christlichen Kirche weit vor der Reformation. Und es gab ihn auch hinterher in anderen Teilen der Kirche. Man kann ihn also wohl kaum wesentlich auf Luthers Einfluss zurückführen und bei der ev.-luth. Kirche entsorgen.

3. Die von Simon Lukas unter Berufung auf Hans Förster in dem zitierten Artikel angeführten Bibelstellen sind ungenaue Übersetzungen, ja. Aber er bewertet mMn die Auswertungen dieser Fehler zu hoch. Das sind nicht mehr Details. Als besonders schwerwiegend zitiert Lukas die Stelle 1. Thess 2,14 f. 

Übersetzung LUT2017:

"Denn ihr, Brüder und Schwestern, seid Nachfolger geworden der Gemeinden Gottes in Judäa, die in Christus Jesus sind; denn ihr habt dasselbe erlitten von euren Landsleuten, was jene von ihren erlitten haben, den Juden,
die den Herrn Jesus getötet haben und die Propheten und die uns verfolgt haben und die Gott nicht gefallen und allen Menschen feind sind,"

Elberfelder Übersetzung (gilt als besonders urtextnah):

"Denn, Brüder, ihr seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa sind in Christus Jesus, weil auch ihr dasselbe von den eigenen Landsleuten erlitten habt wie auch sie von den Juden,
die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben und Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind,"

Verbesserungsvorschlag Hans Förster im Detail (Teiltext)

„Ihr habt von euren Mitbürgern das Gleiche erlitten wie jene von einigen unter den Juden. Eben solche unter den Juden haben Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet …“

Ja, wenn man wirklich jedes Missverständnis ausschließen will, dass Juden keine homogene Gruppe sind, sollte man so übersetzen. In diesem Punkt hat er wohl recht. 

Auch die Lutherübersetzung und die Elberfelder Übersetzung lassen sich aber durchaus so verstehen, dass die Juden keine homogene Gruppe sind. Christen, die sich darüber klar sind, dass Jesus, die zwölf Apostel, Paulus und die Mehrheit der ersten Christen Juden bzw. jüdischer Herkunft waren, sollten auch selbst darauf kommen.

4. Dass die Lutherbibel wegen solcher Stellen und der Einteilung in AT und NT gleich insgesamt als bedenklich gälte, halte ich für eine abwegige Verallgemeinerung. Aber vielleicht sind hier im Forum ja auch Berufstheologen vertreten, die sich dazu äußern mögen.

tojak antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 1854

@tojak es gibt noch die "Bibel in gerechter Sprache" die das Thema angeht, ich habe die zwar mal gekauft aber nicht weiteres gelesen (auch weil ich lieber auf Englisch lese).

der_alte antworten
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 655
Veröffentlicht von: @der_alte

@tojak es gibt noch die "Bibel in gerechter Sprache" die das Thema angeht, ich habe die zwar mal gekauft aber nicht weiteres gelesen (auch weil ich lieber auf Englisch lese).

Vergleich Genesis 1, Vers 1-2

LUT2017

"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser."

Bibel in gerechter Sprache (online):

"Bei Beginn
Als Anfang
Zu Anfang
Durch einen Anfang hat °Gott Himmel und Erde geschaffen.
Im Anfang
Zu Beginn
Am Anfang
Da war die Erde Chaos und Wüste, Dunkelheit war da angesichts der Urflut, und Gottes °Geistkraft bewegte sich angesichts der Wasser."

Überzeugt mich nicht. 😐 

 

tojak antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@tojak 

"DIE" Juden haben Jesus nicht getötet, sondern verantwortlich waren die herrschenden, in Macht stehenden jüdischen und römischen Autoritäten, die ihn als Abweichler, Aufrührer und Unruhestifter beseitigen wollten.

DIE Juden verantwortlich zu machen, hat verheerende, grausame Auswirkungen gehabt und Luther (der späte, enttäuschte, verbitterte, hart gewordene) hat hier schwer gefehlt.

Aber Punkt 2 von Tojak ist absolut zu unterschreiben.

L'Chaim

awhler antworten
Meriadoc
Beiträge : 990
Veröffentlicht von: @martha

Nun musste die höhere Tochter dem profanen Manne untertan sein, viele Kinder gebären und den heimeligen Laden schmeißen. 😳

Oh, ist das schlecht?

meriadoc antworten
3 Antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1518
Veröffentlicht von: @meriadoc
Veröffentlicht von: @martha

Nun musste die höhere Tochter dem profanen Manne untertan sein, viele Kinder gebären und den heimeligen Laden schmeißen. 😳

Oh, ist das schlecht?

Ich glaube,  bei

"Katherina Luther"

gab es eine Einlage zum Thema Erbsünde. Ihre Mitschwestern bedauerten sie, dass sie durch Verlassen des Klosters nun gezwungen war, sich zu beflecken (Sexualität war Bäh), um in Sünden und unter Schmerzen einem Mann Kinder zu gebären, den sie nicht liebt.

Sie war auch ständig auf der Flucht vor ekligen Mannen, bis sie endlich ihren Luther fand, auf den sie es abgesehen hatte (weil Reformer und kluger Mensch). 

Im Film wurde dieser (von Devid Striesow) als eher weltfremd und leicht depressiv dargestellt. Er war auf ihr Management angewiesen und nannte sie (historisch belegt) "Herr Käte". 

 

 

martha antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@martha 

Hey, Danke ...

Den Film kenne ich nicht ... und das mit "Herr Käte" zeigt, wer da wohl häuslich-lutherisch im Regimente saß (die Zwei-Reiche-Lehre im Hause Luthers????) ...

Manche Männer sprechen da heute (unreligiös) eher davon, dass sie im Zweifelsfall erst "ihre Regierung" fragen müssen 😉

L'Chaim

awhler antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814

@awhler Es steht ja auch nur geschrieben, dass das Weib in der Gemeinde schweigen solle ...

chai antworten


Kappa
 Kappa
Beiträge : 1626

@tojak guten Abend,

als Quotenkatolike kann ich mich dazu der Form halber melden.

Ein Freund von mir, der Theologie studierte, meinte seinerzeit das wenn Luther irgendwann einmal ein "Stop" eingelegt hätte, und etwas mehr Geduld und Demut gehabt hätte, das er auch in der RKK wohl eine Art Kirchenlehrer postum hätte werden können. Er hätte auf Gott vertrauen sollen das er seine Wahrheiten auch wirklich "stark" macht, insbesondere im Deutschsprachigen Raum.

Zunächst wollte er ja gar nicht die Kirche spalten, soweit ich weiß. Das ganze verstrickte sich dann immer mehr in einem Kleinkrieg.

So ungefähr wurde es mir zumindest wiedergegeben. Luther hatte scheinbar starke Angst vorm Reinigungsort- was ich nicht in der Art nachvollziehen kann - die müsste man eher von der Hölle gehabt haben. Das Puragorium ist eigentlich gut.

Wie auch immer, das daraus sich ergebende Bild der Christenheit mit 35.000? Diversen Gemeinschaften ist aus meiner Sicht im Grunde Chaos und die im neuen Testament permanent geforderte Einheit der Christen ist in unerreichbare Ferne gerückt. Ich glaube nicht daß Luther sowas wollte.

Wünsche natürlich kein schönes Halloween heute, sondern schönes Allerheiligen Morgen. Gute Nacht 

kappa antworten
1 Antwort
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 655

@kappa 

Was meinst du mit Quotenkatholik?

Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Luther die Kirche spalten wollte. Bei seiner gestrigen Predigt zum Reformationstag hat unser Pfarrer mal kurz umrissen, was der heutige kirchengeschichtliche Stand ist. Demnach hat Luther seine Thesen zunächst beim zuständigen Bischof eingereicht, also gewissermaßen den Dienstweg beschritten. Und das öffentliche Anschlagen seiner Thesen an der Wittenberger Schlosskirche war auch weit weniger spektakulär, als es in der Legende wirkt. Es war eher ein Beitrag an einem akademischen Schwarzen Brett, also einer Art Forum. 

Mit der Geduld mit der katholischen Kirche ist das so eine Sache. Darüber kann man sterben. Und die Kirche selbst war damals weitaus weniger langmütig und geduldig als heute. Man vergleiche z. B. den Umgang mit dem Reformator Jan Hus, der als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Luther hat m. E. mehr Glück (und politische Unterstützung) als Verstand gehabt, dass ihm das nicht auch passiert ist und er "nur" exkommuniziert wurde.

Jedenfalls hat das Ganze, auch im Zusammenhang mit Machtfragen, die alles andere als theologisch waren, eine Eigendynamik angenommen, deren positive und negative Folgen bis heute reichen.

tojak antworten
GoodFruit
Beiträge : 4219

@tojak Mit Luther wurde die Reformation erfolgreich.

Wenn man an Jan Hus denkt, so gab es schon lange Widerstand gegen die katholische Kirche und den Papst.

Jan Hus wurde hingerichtet (auf dem Scheiterhaufen) und er prophezeite:  Ihr bratet jetzt eine Gans, Gott wird aber einen Schwan erwecken, den werdet ihr nicht brennen noch braten“. "Hus" heißt übersetzt: Gans.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kirchenreformer-jan-hus-schoener-schwan-auf-dem-100.html

Luther war dann also dieser Schwan, den man nicht braten konnte.

Eine Sache, die schon Jahrhunderte lang schwelte, kam zum Ausbruch. Das Evangelium brauchte es, um im Volk anzukommen. Viele Landesfürsten nutzten es, um der kirchlichen wie auch staatlichen Steuer und Einflussnahme zu entkommen, denn der Kaiser war klar auf katholischer Seite und wenn dieses Band zerschnitten war, dann war man auch den Kaiser los.

Der Preis für die Freiheit erwies sich als sehr teuer. Er führte in einen ersten Krieg, den man wohl für damalige Maßstäbe als "Weltkrieg" bezeichnen konnte. Die Armeen Europas tobten sich in Mitteleuropa aus und hinterließen nach 30 Jahren eine zerstörte Welt. Die Landstriche waren mehr oder weniger entvölkert.

Man kann einen badischen Wein kaufen, der "Alde Gott" heißt. Die Herkunft des Namens dieser Winzergenossenschaft entstammt einer Sage aus der Z eit nach dem 30 jährigen Krieg:

https://www.gemeinde-sasbachwalden.de/Unser-Dorf/Wissenswertes/Woher-der-Saschwaller-Wein-seinen-Namen-hat-der-Alde-Gott

Ich zitiere daraus:

Nach dem dreißigjährigen Kriege war die Gegend so entvölkert, dass man auf weiter Flur keinen Menschen mehr antraf. Da war ein junger Mann auf der Suche nach anderen Menschen und einer Lebensgefährtin auf dem Weg. Nach langer Wanderung trat er auf einem Hügel mit einem Mädchen zusammen, bei dessen Anblick er ausrief: „Der alde Gott lebt noch!“ – wohl in Gedanken an frühere friedliche Zeiten. Die Beiden kamen miteinander überein, sich zu heiraten und ließen sich in der Gegend häuslich nieder.

Auf dem Platz ihres ersten Zusammentreffens aber ließen sie zum Andenken ein Bildstöckchen errichten mit der Inschrift: „Der alde Gott lebt noch“. 

Wie es bei Sagen so ist, lässt sich der Wahrheitsgehalt kaum überprüfen. Aber doch gibt sie ein gutes Bild ab dessen, was damals in Mitteleuropa los war. Das Land war mehr oder weniger entvölkert.

Es ist sicher nicht allein die Reformation, die in diese Situation geführt hat. Es war das auch eine Konsequenz des Konfliktes arm gegen reich, weil die Herrscher es überzogen hatten und die Not der Bauern Kriege lostrat.

Deutschland blieb ohne Kaiser noch lange Flickenteppich von kleinen Fürstenhäusern und Königen - so gut wie ohne Macht in Europa. Das änderte sich erst mit dem Erstarken Preußens, deren Maßnahmen, um kleinere regionale Herrschaftshäuser zu entmachten und dann als alles dominierende Macht sich selber in ein neues großes Ganzes hineinzugeben.

So gab es neue Kaiser, diesmal aber protestantisch gesinnt. Sie förderten die Kirchen, sorgten für die Ausbildung von Pfarrern und in Not für von den Gemeinden organisierte Suppenküchen. Aber man nutzte diese Verbindungen auch zur Stabilisierung von Macht, als Alternative zu sozialistischen Wegen und möglicherweise auch, um das Volk auf Gemeindeebene zu überwachen und auf Kurs zu halten. Wir haben erneut eine enge Verbindung von Staat und Kirche, was ja schon mehrfach in der Geschichte des Christentums sich als problematisch herausgestellt hatte.

goodfruit antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779

@tojak Die  Reformation hat zu mehr Bildung geführt. Hier in der Gegend hat eine Adelsfamilie früh die lutherischen Gedanken aufgenommen. Da hat man schnell gemerkt, wir haben zwar eine Bibel in deutscher Sprache, aber kaum Leute die lesen können. Also wurde eine Schule gegründet.  Die Grundschule in diesem Ort ist deshalb nach diesem Freiherrn Wolf von G. benannt. Das Augsburger Bekenntnis hatte eigentlich das Ziel dem Kaiser zu zeigen, wir haben keinen neuen Glauben. Die evangelische Kirche in Elsaß-Lothringen hat das Augsburger Bekenntnis in ihrem Namen.

Jemand hat mir mal gesagt, die Deutsche Messe  Luthers unterscheidet sich wenig von der Messe der römisch-katholischen Kirche. Ich glaube er würde sich heute dort recht wohl fühlen. Seit grob 70 Jahren ist der Gottesdienst nicht mehr zwingend in einer Sprache die niemand spricht.  Die Schrift wird den Leuten ausgelegt. Wobei in einem Gottesdienst die katholische Theologin sagte. Sie haben gelernt die Predigt solle 10 Minuten gehen, evangelische Predigten würden 20 Minuten gehen, sie predige daher jetzt 15 Minuten. 

Auch im Abendmahlsverständnis ist Luther den Katholiken näher als den Reformierten.

Für Calvin ist es ein reines Gedächtnismahl, Brot bleibt Brot und Wein bleibt Wein.

Für Katholiken wandelt sich Brot / Wein in Leib und Blut

Für Luther gibt es auch die Wandlung in Leib und Blut, nach dem Mahl ist es aber wieder Wein und Blut.

 

jigal antworten
6 Antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297
Veröffentlicht von: @jigal

Für Luther gibt es auch die Wandlung in Leib und Blut, nach dem Mahl ist es aber wieder Wein und Blut.

 

Korrekter: Leib und Blut erfahren nach Luther keine substantielle "Wandlung", aber - im Unterschied zu der reformierten Auffassung - vertrat Luther die Auffassung der "Realpräsenz" Christi IN Brot und Wein.

L'Chaim

awhler antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29331

@awhler 

Vielen Dank für die genaue Ausformulierung der Unterschiede im Abendmahlsverständnis. 

deborah71 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@deborah71 Bei uns war jemand zum Heidelberger Kathechismus der darüber geschrieben hat, er hat es so erklärt.  Man nimmt also Christi nach lutherischem Verständnis auf.

 

jigal antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29331

@jigal 

Das erinnert mich an diesen Vers: 

Offb 3,20 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

und auch das Brotbrechen Jesu bei den Emmausjüngern. 

und aus den Einsetzungsworten in 1. Kor 11  stammt die Akklamation als Antwort auf die Worte:  "Geheimnis des Glaubens"

  „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“

Das ist der Sieg Jesu über Tod und Teufel. Der Schuldbrief ist getilgt. 

deborah71 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@deborah71 Ja ein Geheimnis des Glaubens. Ich gehöre ja einer unierten Kirche an.  Vor rund 200 Jahren. Uniert hat er so erklärt.  Lutherische und Reformierte geben sich die Hand und ob das jetzt ein Gedächtnismal oder eine Präsenz ist, das ist die Sache des Gläubigen.

 

jigal antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29331

@jigal 

Das haben sie gut erklärt. So entsteht kein Druck und kein Streit. 

deborah71 antworten
Seite 2 / 2
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