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Was muss ich (evangelisch) beim Besuch einer kath. Heiligen Messe (Auferstehungs


kosmopolit
Themenstarter
Beiträge : 3

Guten Tag,
kürzlich ist ein naher Angehöriger verstorben. Nun erhielt ich ein Schreiben, dass in der kath. Gemeinde, welcher er angehörte, an einem der nächsten Tagen eine heilige Messe als Auferstehungsamt für Ihn gefeiert würde.
Gerne möchte ich an dieser Messe teilnehmen. Habe mich auch schon im Web informiert über den Begriff Auferstehungsamt/Seelenamt.
Bisher habe ich erfahren, dass ich an der Kommunion (Abendmahl bei evang.) nicht teilnehmen darf. Aber was ist z.b. mit der Bekreuzigung mit Weihwasser beim Betreten der Kirche? Darf/soll dies nur von Katholiken praktiziert werden? Oder ist dies auch von Gästen erwünscht?
Was muss ich noch beachten?
Für Antworten danke im Voraus

Antwort
14 Antworten
Tinkerbell
Beiträge : 1480

Gar nichts
Ich würde mich da nicht verbiegen, war selber auch jahrelang öfter in katholischen Gottesdiensten mit einer katholischen Freundin. Einfach aufstehen, wenn alle anderen aufstehen - das ist in meinen Augen notwendiger Respekt. Ansonsten würde ich alles lassen, was du sonst auch nicht machst bzw. mit deinem Glauben nicht vereinbaren kannst (falls z.B. Heilige angerufen werden, im Glaubensbekenntnis "katholische Kirche" statt "christliche Kirche" kommt und so weiter). Ich habe weder vor Maria geknickst noch mich mit Weihwasser bekreuzigt - wären doch eh nur hohle Elemente bei einem Protestanten.

tinkerbell antworten
7 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @tinkerbell

Ich würde mich da nicht verbiegen, war selber auch jahrelang öfter in katholischen Gottesdiensten mit einer katholischen Freundin.

In einer katholischen Kirche war ich -obwohl ich evangelisch bin- auch schon des öfteren.
Ich benutze das Weihwasser am Kircheneingang nicht und bekreuzige mich nur während des Gottesdienstes.
Die Heiligen rufe ich nicht an und ersetze im Glaubensbekenntnis "katholische Kirche" durch "christliche Kirche".
Das Hinknien vor der Eucharistie und das Aufstehen, wenn der Priester vorbeigeht, mache ich auch mit.
Ich finde sogar, dass dieser Respekt vor dem Priester eine gute Sache ist, er ist quasi in seinem Amt stellvertretend für Gott und somit steht ihm auch Ehre zu, egal, ob er privat einen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis hat oder nicht.

Anonymous antworten
marieta
(@marieta)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 434

Nun muss ich mal blöd nachfragen. Was meinst du mit aufstehen wenn der Priester vorbeigeht? Das sagt mir nun so gar nichts.

marieta antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Die Messe beginnt mit dem Einzug des Priesters und der Ministranten. Sie gehen durch den Mittelgang nach vorn zum Altar. Währenddessen erhebt sich die Gemeinde. Ebenso beim Auszug. In der Evangelischen Kirche ist das in der Regel bei der Konfirmation üblich.
Oder im Gericht, wenn der Richter den Saal betritt.

ungehorsam antworten
Pankratius
(@pankratius)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 1322

oder Hochzeit

Nachtrag vom 19.01.2020 0025
oder (früher) in der Schule

pankratius antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @marieta

Nun muss ich mal blöd nachfragen. Was meinst du mit aufstehen wenn der Priester vorbeigeht? Das sagt mir nun so gar nichts.

Ungehorsam hat es prima erklärt, besser könnte ich es auch nicht.
Warst Du noch nie in einer katholischen Kirche?

Anonymous antworten
Pankratius
(@pankratius)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 1322

marieta ist katholisch

pankratius antworten
marieta
(@marieta)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 434

Hm, in 32 Jahren regelmäßiger Gottesdienstbesuche mit 12 Jahren Ministrantendienst habe ich nicht gelernt, dass man aufsteht, wenn der Priester vorbeigeht (zumal in vielen Kirchen der Einzug im Altarraum stattfindet, also gar kein Priester durch das Volk marschiert). Ich bin stattdessen immer aufgestanden, wenn der Gottesdienst begann, selbst wenn da gar kein Priester dabei war, sondern der Gottesdienst von einem Diakon oder Wortgottesdienstleiter geführt wurde. Ich hab das immer als Ehre Gott gegenüber empfunden und als Gebetshaltung, die den ersten Teil der gemeinsamen inneren Einkehr mitgestaltet.

marieta antworten


Pankratius
Beiträge : 1322

Mein Beileid zum Verlust.

Bei der Kommunion gibt es in manchen Pfarreien die Möglichkeit, auch mit nach vorne zu kommen und statt der Hostie einen Segen zu erhalten, was man anzeigt, indem man beispielsweise die Arme vor der Brust verschränkt. Es ist aber nicht der Normalfall; wenn davon nicht explizit etwas gesagt wird, solltest du einfach in der Kirchenbank bleiben.

Mit Weihwasser darfst du dich gerne bekreuzigen. Das gilt als Tauferinnerung im Namen des dreifaltigen Gottes.

Auch sonst wüsste ich spontan außer der Kommunion nichts, was du als evangelischer Christ anders machen solltest als Katholiken.

In bestimmten Teilen der Liturgie kniet man in der Katholischen Kirche üblicherweise (Ausnahmen: moderne Kirche ohne Kniebänke oder 'moderne' Gemeinde, die das ablehnt). Das ist manchen Nichtkatholiken unangenehm; hier darfst du auch gerne sitzen oder stehen bleiben - wie du es für passend hältst.

Den Ablauf einer Hl. Messe grob skizziert und mit den wesentlichen Texten findest du hier, wenn es dich interessiert: http://www.martin-loewenstein.de/assets/files/pdf-Dateien/liturgie/Texte_Mitfeier_Gottesdienst_2010.pdf
Bei einem Requiem/Seelenamt gibt es hierzu jedoch leichte Abweichungen.

Auch zum Hintergrund und Ablauf der katholischen Begräbnisriten bei Interesse: https://www.katholisch.de/artikel/16677-so-laeuft-eine-katholische-beerdigung-ab

pankratius antworten
frosch80
Beiträge : 791

Hej kosmopolit,

mein Beileid! Ich wünsche dir, dass du getröstet und getragen bist.

Veröffentlicht von: @kosmopolit

Gerne möchte ich an dieser Messe teilnehmen.

Da möchte ich dich sehr ermutigen, das auch zu tun.

Veröffentlicht von: @kosmopolit

Bisher habe ich erfahren, dass ich an der Kommunion (Abendmahl bei evang.) nicht teilnehmen darf.

Nun ja... ich bin ein evangelischer Freikirchlicher, und ich habe schon öfter an einer katholischen Eucharistiefeier teilgenommen, und noch nie hat mir ein Priester das verwehrt. Das mag in der Mehrzahl der Fälle daran gelegen haben, dass auf meiner Stirn nicht geschrieben steht "Vorsicht, evangelisch!", es gab aber auch Situationen, in denen ich wusste, dass der Priester wusste, dass ich evangelisch bin. Letzteres habe ich allerdings nur dann gemacht, wenn ich mich mit der Gemeinde und dem Priester so eindeutig eins in Christus wusste, dass das Fehlen der völligen Einheit - DAS Argument der rkk gegen ein gemeinsames Abendmahl - nicht mehr gegeben war.

Aber das sind vermutlich Gedanken, die für dich aktuell nicht so interessant sind. Vermutlich bist du gut bedient mit den Empfehlungen von Pankratius, die ich für sehr empfehlenswert halte.

Veröffentlicht von: @kosmopolit

Aber was ist z.b. mit der Bekreuzigung mit Weihwasser beim Betreten der Kirche?

Kannst du machen oder bleiben lassen. Ganz wie dir danach ist! Gegen das Bekreuzigen finde ich gar nichts einzuwenden (wird übrigens auch von manchen Evangelischen praktiziert), über Weihwasser mag man streiten (meiner Erfahrung nach ist es aber nicht schädlich!). Mach einfach, was dein Herz sagt. Das passt dann schon.

Veröffentlicht von: @kosmopolit

Was muss ich noch beachten?

Locker bleiben 😊.

Es geht um deinen Angehörigen. Und in der heiligen Messe geht es um Jesus. Und den teilen wir Evangelischen uns - in der Regel eigentlich recht friedlich - mit unseren katholischen Geschwistern.

Das wird schon! Ich wünsche dir Mut und Gelassenheit.

Liebe Grüße
fr😊sch

frosch80 antworten


kosmopolit
Themenstarter
Beiträge : 3

Vielen Dank für die Anteilnahme und die freundlichen und informativen Antworten.
Vorhin war die Messe und es war sehr bewegend. Z. B. hatte ich nicht erwartet, dass der Name meines Vaters so oft erwähnt werden würde. Versucht habe ich, mich dem anzupassen, was die anderen Teilnehmer des Gottesdienstes praktizierten. Einmal wurde ich dann aber doch überrascht, als fast alle niederknieten und ich mich automatisch wieder hingesetzt hatte. Es war mir etwas peinlich. Obwohl ich dann bemerkte, dass noch 3 oder 4 andere Gottesdienstbesucher auch nicht knieten, sondern sassen. Dies waren dann die Gleichen, die später auch bei der Kommunion nicht nach vorne gingen. Ein weiterer Fauxpas von mir war, dass ich nur einige 50-Cent-Münzen in der Hand hatte, als der Mann mit der Kollekte vorbei kam. Von der ev. Kirche her hatte ich es so in Erinnerung, dass ein (undurchsichtiger) "Klingelbeutel" herumgereicht wurde, in welchen man Münzen warf. Aber in der kath. Messe heute war es eine Art Teller, auf den die meisten Scheine gelegt hatten. Sehr peinlich, dass ich in dem Moment nur Münzen zur Hand hatte. Meine Geldbörse wollte ich auch nicht hervorkramen. Dafür plante ich dann, einen Geldschein beim Verlassen der Kirchen spenden. Aber da war niemand, der sammelte und ich habe auch kein Behältnis dafür gesehen. Offenbar auch ein Unterschied zur ev. Kirche.
Grundsätzlich fand ich es sehr gut, dass die kath. Gemeinde dieses Auferstehungsamt meinem Vater (und einer anderen Verstorbenen) gewidmet hatte. Und dies, obwohl der Verstorbene KEIN guter Kirchgänger war. In den letzten Jahren bestand sein einziger Bezug zur kath. Kirche darin, sich zu Weihnachten den Segen des Papstes im TV anzuschauen.
Während der Messe hatte ich die ganze Zeit ein wenig das Gefühl, als würde ich etwas Unrechtes oder Verbotenes tun. Eben als Nicht-Katholik einer heiligen Messe beizuwohnen Wahrscheinlich resultiert dies aus meiner Kindheit, wo die Trennung zwischen kath. und ev. Kirche viel stärker war. Jetzt, anno 2020, war ich sehr überrascht (positiv), als der kath. Pfarrer mir vor einigen Tagen in einem Nebensatz erklärte: "an dem Samstag haben wir keine Termine frei für eine Beisetzung. Aber fragen Sie doch mal die evangelischen Kollegen". Zu meiner Verblüffung war die ev. Pastorin dann auch sofort einverstanden, die Beisetzung meines - kath. getauften . Vaters zu übernehmen.

kosmopolit antworten
2 Antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht.
Es erweitert auf jeden Fall den Horizont, wenn man mal Gottesdienste anderer Konfessionen besucht. Ich war auch schon ab und zu in einer Messe, aber auch im freikirchlichen Lobpreisgottesdienst und im Urlaub einmal im orthodoxen Gottesdienst.

ungehorsam antworten
marieta
(@marieta)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 434

Zu sitzen, wenn die andren knien, braucht dir überhaupt nicht peinlich sein. Zu knien, obwohl du keinen inneren Anlass dafür siehst, wäre sicherlich komischer. Auch ich (katholisch) sitze immer mal wieder, während eigentlich gekniet wird, z. B. weil mein Kind grade jetzt auf den Arm will. Andere, weil ihre Beine es gesundheitlich nicht erlauben. Die Messe ist innere Andacht, nicht Ballett 😉
Und das mit dem Klingebeutel. Ei, da bist du ja in eine reiche Gemeinde geraten. Ziemlich fies, dass jeder sieht, was man spendet. Finde ich nicht gut und ist auch nicht die Regel im katholischen Sektor. Tatsächlich gibt es bei uns nicht, wie in der evangelischen LK, mehrere Möglichkeiten, etwas zu geben. Manchmal kann es natürlich einen Opferstock z. B. zur Kirchenrenovierung geben. Aber der Messbesuch kostet keinen Eintritt und du hättest auch gar nichts geben können. Niemand weiß, wie es um deine Finanzen steht und ob du an andrer Stelle Unmengen spendest. Es ist auch völlig egal. Und wer sich auf dem Spendenteller anschaut und Gedanken drüber macht, was gerade du gespendet hast, der hat wohl was nicht verstanden.

marieta antworten
love.israel
Beiträge : 125

Hallo,

auch von mir mein Beileid und ich hoffe, Du wurdest während der Messe getröstet und hattest gute Gedanken erhalten.

Ich habe bei Youtube einen schönen Beitrag gefunden mit dem Namen "A Protestant Tours a Catholic Cathedral". Der Beitrag ist auf Englisch und für jeden Protestanten absolut sehenswert. Der Kanal stammt von einem Protestanten (Ten Minutes Bible Hour). In diesem Interview besucht dieser eine Kathedrale und läßt sich diese erklären und man lernt sehr viel über die Römisch-Katholische Kirche und in einem zweiten Teil auch, dass z.B. Bekreuzigen und andere Gebräuche vom persönlichen Geschmack des Gläubigen abhängen und nicht verpflichtend für alle Katholiken oder Gottesdienstbesucher sind. Genau so besucht der Interviewer auch in anderen Beiträgen eine orthodoxe Kirche, eine evangelische Freikirche und ein anglikanische Kirche. Sehenswert für jeden Interessierten, aber eben in englischer Sprache.

In einigen Beiträgen war die Rede davon, dass im Glaubensbekenntnis von der "katholischen" Kirche die Rede war (Ich glaube an die heilige katholische Kirche etc).
Um hier Missverständnisse zu vermeiden: mit "katholische Kirche" ist nicht etwa die "römisch-katholische" Kirche im Besonderen gemeint, sondern katholisch wird in diesen Text, der seine ältesten Ursprünge im Taufgespräch in der Spätantike und Frühmittelalter seine Ursprünge hat als Abgrenzung zu den damals nicht-katholischen Kirchen (eben gnostischen) Kirchen gebraucht.
Katholisch ist jede Kirche, die die Ergebnisse der sieben großen Konzilien akzeptiert und das sind neben der römisch-katholischen Kirche eben auch die alt-katholische Kirche, die anglikanischen Kirchen, fast alle orthodoxen Kirchen, auch die lutherischen und reformierten Kirchen und die Methodisten.

love-israel antworten


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