Annahmen, Erwartung...
 
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Annahmen, Erwartungen - k/ein Anspruch


Seidenlaubenvogel
Themenstarter
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Hallo ihr Lieben,

wenn ich jemanden um etwas bitte, erwarte ich mir Unterstützung - habe aber keinen Anspruch darauf. So weit ist für mich alles klar.

Nur - wie ist so generell mit Erwartungen? Schwingt da nicht doch auch ein gewisser Anspruch mit, der sich in starker Enttäuschung zeigen kann, wenn eine Erwartung (aufgrund bisheriger Annahmen) nicht erfüllt wird?

Worauf ich hinaus will: Kann Freundschaft/ Beziehung funktionieren, ohne dass beidseitig "ein gewisser" Anspruch vorliegt?

Über eure Einschätzungen freut sich Seidenlaubenvogel

 

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Queequeg
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Nein, kann nicht funktionieren. Zu den offenen und offensichtlichen Ansprüchen kommen dann auch noch die jeweils völlig unbewussten.

queequeg antworten


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Hatte Jesus Erwartungen / Ansprüche an seine Jünger?

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Pumuckl97
(@pumuckl97)
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Lieber Suchender,

Dazu kam mir eine Bibelstelle in den Sinn, hab mal verschiedene Übersetzungen rausgesucht:

Hoffnung für alle

Er erwiderte: »Nur eins erwartet Gott von euch: Ihr sollt an den glauben, den er gesandt hat.«

Schlachter 2000

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. (Apg 10,30; Apg 10,34; 1Joh 3,23)

Gute Nachricht Bibel 2018

Jesus antwortete: »Gott verlangt nur eins von euch: Ihr sollt den anerkennen,[1] den er gesandt hat.«

Neue Genfer Übersetzung

Jesus antwortete: »Gottes Wille wird dadurch erfüllt[1], dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.«

Neues Leben. Die Bibel

Jesus erklärte: »Dies ist der Wille Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.« (1Joh 3,23)

Neue evangelistische Übersetzung

Jesus antwortete ihnen: "Gott will von euch, dass ihr dem vertraut, den er gesandt hat."

 

pumuckl97 antworten
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@pumuckl97 : Danke für die Zusammenstellung!

Ich habe schon öfters gehört, dass wahre (oder vollkommene) Liebe anspruchslos sei. Der Gedanke hinter meiner Frage war deshalb: Wenn wir davon ausgehen, dass Jesus diese Liebe gelebt hat, war er dann gegenüber seinen engsten Vertrauten (den 12 Aposteln) anspruchslos? Gibt es Bibelstellen, die diese Frage in die eine oder andere Richtung beantworten?

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Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
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@suchender_345ab 

Matthäus 16,24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.

Diese Aussage findet sich auch bei Markus und Lukas. In meinen Worten bedeutet das Jesus erwartet von seinen Jüngern damals wie heute ihr Leben. Wenn das kein Anspruch ist...

Und ... wenn Liebe wahrhaft nichts erwartet... - dann auch keine Erwiderung. Kann Liebe so "funktionieren"?

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@seidenlaubenvogel  Ich bin mir nicht so sicher, ob man die Frage so beantworten kann. Es heißt in dieser Bibelstelle ja nicht "Will jemand von mir geliebt werden, der verleugne ..." sondern "Will mir jemand nachfolgen, der verleugne ...".

"Und ... wenn Liebe wahrhaft nichts erwartet... - dann auch keine Erwiderung. Kann Liebe so "funktionieren"?"

Gute Frage. Ich weiß es nicht. Aber ist es nicht auch ein christliches Ideal, dass man von Gottes Liebe so erfüllt wird, dass es einem an nichts mangelt und dass man deshalb anderen Menschen Liebe geben kann ohne etwas dafür zu erwarten?

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Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
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@suchender_345ab 

Hmm. Ich vermute menschliche Liebe verliert an Haltbarkeit/ Echtheit/ Kraft/ Sinn (anders ausgedrückt: sie verpufft), wenn sie nicht angenommen wird. 

 

 

 

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Seidenlaubenvogel
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Gottes Liebe dagegen kann es sich leisten auch scheinbar ins Leere zu lieben, da Gottes Liebe ewig und unbegrenzt ist und Er uns zwar nicht alle Zeit der Welt aber unser ganzes Leben lässt, um zu Ihm zu finden.Ich 

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@seidenlaubenvogel Je mehr ich darüber nachdenke, desto schwammiger erscheint mir das Wort "Liebe". Ich denke, dass verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben. Ich habe Erfahrungen gemacht, wo ich gesagt habe: Mein Herz ist voller Liebe. Das war dann aber erst mal nicht auf einen bestimmten Menschen bezogen. Ich konnte diese Liebe aber auf einen bestimmten Menschen richten. Verliebtheit in einen bestimmten Menschen kenne ich auch. Aber sie hält bekanntlich nicht ewig an. Was danach kommt, ist oft schwierig zu beschreiben. Ich kenne warme Gefühle gegenüber einem Menschen, auch ein Gefühl der engen Verbundenheit, oder ein Gefühl der Verpflichtung. Aber es war nie so, dass ich gesagt hätte: Das ist die wahre Liebe; diesen Menschen liebe ich wie keinen anderen und dessen bin ich mir ganz sicher.

Ich vermute, dass Liebe etwas ist, was jeder zu kennen meint, wovon die Vorstellungen aber weit auseinander gehen. Aus Beobachtung und eigener Erfahrung würde ich sagen, dass Partnerschaften auf Dauer nur gelingen können, wenn beide Partner ihre Erwartungen gegen Null gehen lassen. Zumindest wollen wir doch alle bedingungslos geliebt werden.

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Seidenlaubenvogel
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@suchender_345ab 

Hmm. Ja, wir wollen bedingungslos geliebt sein. Und ja, so liebt Gott uns auch. Dennoch "funktioniert" Liebe nicht, wenn nichts zurückkommt - weder für den, der liebt noch für den, der geliebt wird.

Der mindeste "Anspruch" ist eine Reaktion auf die Liebe - nicht als Forderung, nicht im Stil einer Marionette oder eines Automatismusses, sondern völlig frei. Liebe braucht ein Gegenüber - wenn sich dieses entzieht, wird sich die Liebe auflösen oder sie macht den Liebenden krank. Das sind zumindest die zwei Aspekte, die mir naheliegend erscheinen.

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@seidenlaubenvogel   Ja, ich denke was Du schreibst, stimmt schon, wenn es um Paarbeziehungen geht.

Ich frage mich aber, ob Paarbeziehungen nicht irgendwie ein Kompromiss in Sachen Liebe sind. Es gibt doch diese Bibelstelle zum Thema Ehescheidung, wo Jesus sagt, dass den Menschen aufgrund ihrer Hartherzigkeit ein bestimmtes Gesetz gegeben wurde. Das war also so was wie ein Kompromiss. Und so denke ich manchmal, dass vielleicht die Ehe (oder Paarbeziehung) an sich auch so ein Kompromiss ist in folgendem Sinne: Weil nicht alle Menschen fähig zur wahren Liebe sind, hat Gott ihnen die Ehe gegeben. Vielleicht ist dieser Gedanke aber auch total unsinnig.

 

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Seidenlaubenvogel
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@suchender_345ab Für mich trifft es alle zwischenmenschliche Beziehung und sogar Gottes Beziehung zu uns.

Deinem Gedankengang kann ich nicht ganz folgen. Meinst du mit "wahrer Liebe" allein nur Gott richtig zu lieben und Partnerschaft ist ein runtergebrochener Ersatz dafür?

Ich denke das viel einfacher. Wir Menschen - unabhängig vom Status (gewollt/ aus geistlichen Gründen/ ungewollt ledig, un/glücklich verheiratet oder anders verpartnert, ...) - sind schlichtweg in der Liebe lernend - wachsend und scheiternd - im Leben unterwegs. Gottes Liebe zu uns ist ein Geschenk und ein (nahezu?) unerreichbarer Maßstab, der uns herausfordert und uns Demut und Barmherzigkeit lehrt - mit uns selbst und unserem Nächsten.

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@seidenlaubenvogel  Mein Gedanke war, dass die (wahre, vollkommene oder wie auch immer man sie nennen will) Liebe eigentlich alle Grenzen sprengt. Und eine Paarbeziehung oder Ehe setzt den Partnern doch schon gewisse Grenzen, die nicht überschritten werden sollten. Da ist ja eine Exklusivität dabei, die so eigentlich nicht ganz dem Ideal der Liebe entsprechen kann. Oder sehe ich das falsch?

Eine Paarbeziehung als Lernhilfe in Sachen Liebe macht für mich aber Sinn. Dann muss es aber letzten Endes, wenn man die Lektion sozusagen vollständig gelernt hat, auch zur Auflösung der Paarbeziehung als einer exklusiven Gemeinschaft zweier Menschen kommen.

"Ich denke das viel einfacher. Wir Menschen - unabhängig vom Status (gewollt/ aus geistlichen Gründen/ ungewollt ledig, un/glücklich verheiratet oder anders verpartnert, ...) - sind schlichtweg in der Liebe lernend - wachsend und scheiternd - im Leben unterwegs. Gottes Liebe zu uns ist ein Geschenk und ein (nahezu?) unerreichbarer Maßstab, der uns herausfordert und uns Demut und Barmherzigkeit lehrt - mit uns selbst und unserem Nächsten."

Da stimme ich Dir voll und ganz zu.

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neubaugoere
(@neubaugoere)
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@seidenlaubenvogel | zum vorherigen Beitrag

Veröffentlicht von: @seidenlaubenvogel

Und ... wenn Liebe wahrhaft nichts erwartet... - dann auch keine Erwiderung. Kann Liebe so "funktionieren"?

Wahre Liebe ist sogar so. Ich erinnere an 1. Kor. 13 ...

Ja, die Liebe lässt dem anderen die Freiheit. Eben auch die Freiheit, nicht "zurückzulieben". - Unsere menschlichen Seelen - so will ich sie mal nennen - haben derlei Vorstellung nicht wirklich aus sich heraus, da ist immer noch oder sind immer noch das Bedürfnis des Gesehenwerdens, des Geliebtwerdenwollens und und und ... Zu lieben ist eben nicht so einfach, wie es sich aus menschlicher Sicht oft anhört ...

Ich gehe gedanklich ans Kreuz und suche dort nach einer möglichen Antwort. Hat Jesus am Kreuz etwas erwartet? [ich habe selbst keine abschließende Antwort gefunden]

Friede mit dir.

neubaugoere antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
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@neubaugoere ... erwartet nicht Gott auch eine Erwiderung? Ohne diese "funktioniert" zumindest christliches Glaubensverständnis nicht.

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neubaugoere
(@neubaugoere)
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@seidenlaubenvogel | zum vorherigen Beitrag

Ja, das ist eine gute Frage ... nach Erwartungen ... hat Gott Erwartungen? Sind das Erwartungen, mit denen er auf uns schaut? Ist es dann noch Liebe? Hatte Jesus am Kreuz Erwartungen? Hatte er in seiner Zeit, wo er die Jünger sammelte und sie lehrte, Erwartungen an sie? Erwartet Gott eine Erwiderung oder freut er sich, wenn sie kommt, aber erwartet sie nicht? 1. Kor 13 sagt mir (uns), was oder wer Liebe ist. Lese ich da oder lesen wir da was von Erwartungen? - Bei einer Sicht auf einen erwartenden Gott frage ich mich, ob wir wirklich etwas tun können. Die Bibel sagt: Nein. Ohne ihn nicht. Selbst zum Zurücklieben brauchen wir ihn (seinen Geist), so "arm" sind wir.

*lautgedacht*

neubaugoere antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
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@neubaugoere Gott braucht nicht erwarten, weil Er weiß.

Was mich an diesem vollkommen Anspruchslosem stört, es ist doch ALLES auf Reaktion ausgelegt. Darin sehe ich eben auch eine Erwartung.

Ganz besonders auffällig erscheint mir das bei der Erschaffung des Menschen als Ebenbild, einem Gegenüber. Sehr selbstlos, wenn ich das so sagen darf, kommt mir das ja nicht vor...

Und Christus gab Sein Leben für uns zur Erlösung... Das macht doch nur Sinn, wenn "dieses uns" das auch wahrnimmt - in welcher Form auch immer. Ich sehe das ja sehr viel freier als die meisten (alle?) Christen, die ich kenne - bei deiner Beschreibung scheint es Jesus ja sozusagen egal zu sein, ob Sein Tod eine Bedeutung hat oder was Seine Jünger oder auch wir von Ihm mitbekommen (haben). Christus hat einen ganz klaren Auftrag an uns und den können wir nur, indem wir Seine Liebe erwidern, die uns (zuvor) dazu befähigt.

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neubaugoere
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@seidenlaubenvogel | zum vorherigen Beitrag

Ja, Beziehung eben. - Ich möchte es dennoch nicht "Erwartung" nennen. Eine Mutter (oder ein Vater) lässt seinem Kind die Freiheit, wünscht sich Beziehung, "Antwort" oder Erwiderung der Liebe und freut sich dann über diese, ich tät's nur einfach nicht Erwartung nennen. Erwartung - da schwingt für mich mit, dass sie eben auch nicht erfüllt werden kann, nicht erfüllt wird; was ist dann mit der Beziehung ... ? (so ist mein Gedankengang) Bei Erwartung schwingt für mich auch (mögliche) Enttäuschung mit ...

Vielleicht füllen wir Begrifflichkeiten nur unterschiedlich ...

Ja, Gott liebt uns und hat uns zur Beziehung geschaffen. Und da ist für mich noch die Freiheit, die ich sehe, dass sein Kind eine eigene Entscheidung treffen kann, selbstständig entscheiden kann. Wie groß kann eine Liebe sein oder ist eine Liebe, wenn sie jemandem die Freiheit lässt, zu entscheiden für oder gegen mich ... Liebe, die nicht "zwingt", nicht "fordert" (im Sinne von 'du musst') ... jemanden zu lieben hat daher für mich die Bedeutung, das Beste für den anderen zu wollen und zu ermöglichen, unabhängig davon, ob derjenige seinen Weg mit mir oder ohne mich weitergehen möchte, unabhängig davon, ob derjenige diese meine Liebe erwidert. Das ist jetzt nicht wirklich mit Gottes Liebe zu uns vergleichbar, das ist menschlich gedacht.

Ich stelle mir Gottes Liebe noch um sozusagen viele Vielfache größer vor, weil sie so viel umfasst und bietet ...

Und weil du sagst "Gott braucht nicht erwarten, weil er weiß" - da denke ich an Beziehung und Gebet ... na sicher weiß Gott und kennt mich durch und durch und doch gehört es zur Beziehung, dass ich mit ihm rede, kommuniziere ... das ist Beziehung ... gemeinsam ... nicht allein ... in die Beziehung hat er uns geschaffen - zu sich ...

Ich denke, es ist erkennbar, wie meine Begriffe gefüllt sind.

Christus hat einen ganz klaren Auftrag an uns und den können wir nur, indem wir Seine Liebe erwidern, die uns (zuvor) dazu befähigt.

Meine absolute Zustimmung. Auch dazu benötigen wir seine Hilfe - dass wir zurücklieben können.

Friede mit dir.

neubaugoere antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
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@neubaugoere ... also erwartet Gott unser Gebet. 😉

Ja, ich sehe schon - es ist nicht ganz einfach mit der Wortwahl. Vorrangig ging es mir um die Auseinandersetzung mit "Anspruch". Und ja, ich gehe schon davon aus, dass wir mit sehr viel mehr Anspruch unterwegs sind, als uns zunächst bewusst ist (und auch als wir möchten). Am stärksten sehe ich das bei meinem Anspruch an mich, den ich teils gerne anders setzen möchte. Das kann ich erst, wenn ich ihn bewusst wahrnehme.

Gottes Anspruch, den du verneinst - ich sehe den schon. Und vor allem wenn ich ihn nicht sehen würde, erschiene mir der Glaube extrem beliebig. Dann wäre Gottes Liebe so groß, dass ALLES  e g a l  wäre. Dass Gottes Liebe sogar noch größer ist, glaube ich, denke aber dass ALLES auf seine Weise irgendwie zählt, von uns "gefordert" wird - nicht zwanghaft oder unter Druck sondern so wie es uns möglich ist (wie wir geben und leben können), so beansprucht Gott uns GANZ.

seidenlaubenvogel antworten
neubaugoere
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@seidenlaubenvogel | zum vorherigen Beitrag

Ja, ich verstehe dich, denke ich. - Ich schaue von der Seite drauf, dass mit diesen - ich sage mal - Formulierungen Menschen "genötigt" werden können, nämlich: diesem Anspruch zu genügen. Da vermisse ich die Nachricht, dass niemand genügen muss (um geliebt zu sein von Gott), sondern bereits genügt hat (Vergangenheitsform), denn hier "dreht" sich etwas aus meiner Sicht: Gottes Liebe war zuerst. Sie ermöglicht uns, zu lieben (wen auch immer). Und ich muss keinem Anspruch genügen, um geliebt zu sein oder werden. Nicht bei Gott. Denn er hat mich bereits vor "Grundsteinlegung" geliebt. - Verstehst du ungefähr, worauf ich hinaus will? Da ist mir noch ein klein wenig von dem, was Menschen unter Druck setzt bzw. setzen kann. Und wo Druck ist, ist keine Liebe.

Ich glaube, dass wir die Liebe verstehen dürfen, die so sehr liebt, dass unsere Seelen gesund werden. Ich muss keinen Anspruch erfüllen, damit das passieren kann. Ich muss auch nicht erst zurücklieben, damit meine Seele gesund wird. (Wir beide wissen, dass wir gerade versuchen, etwas in Worte zu fassen, was sich nicht wirklich in Worte fassen lässt. Und doch sollen wir das Evangelium in die Welt tragen, die Gute Nachricht von Gottes Liebe - jemand sagte mal: ... notfalls auch mit Worten. 😉 )

Liebe schafft dieses Wunder (ich nenne es ruhig so), dass wir freiwillig zurücklieben. Liebe schafft es, dass Beziehung entsteht. Liebe schafft es, dass etwas 'in Fluss' kommt, ein Hin und Her, ein Geben und Nehmen (sich und 'Dinge'). Und es ist eben diese große Liebe Gottes, die das schafft, die nicht dasteht, dass wir einem Anspruch genügen müssen, um ... (geliebt zu sein, gesehen zu werden, anerkannt zu sein etc.), sondern diese Liebe Gottes schafft es, dass unsere Seelen gesund werden, weil wir bereits geliebt sind. So viele Menschen wissen das noch nicht, dass sie nichts tun müssen, sondern verstehen und glauben dürfen, dass sie bereits geliebt und angenommen sind. Dass da jemand ist, der das alles vollbracht hat. Das ist für mich die Gute Nachricht. Dass ich angenommen bin. Dass ich gesehen bin. Dass das alles nicht erst werden muss und schon gar nicht durch mein Zutun. Ich darf es einfach annehmen und glauben und im Glauben und der Annahme leben, in die Beziehung hinein leben sozusagen.

Ich finde da keinen "Anspruch", kein "Muss", kein "ich muss aber erst" oder ähnliches. Und so wie ich es "keinen Anspruch" nenne, nenne ich es auch nicht Erwartung. In Erwartung steckt für mich drin, dass jemand auf etwas wartet. (Maximal - mein Zugeständnis - "wartet" Gott auf unsere Antwort, auf unser Zurücklieben, auf Beziehung. Aber er ist nicht "böse", wenn es nicht geschieht, er ist traurig, aber er lässt die Freiheit.) Was mir so schwer fiel zu verstehen und teils immer noch schwerfällt, ist, dass sich Gott gab. Diese drei Worte (Gott gab sich) sind schwer zu verdauen, müssen in uns Hindernisse und Lügen überwinden. Gott gab sich (Vergangenheitsform, bereits geschehen). Für uns. Für mich. Für dich. Er gab sich. Nicht weniger.

Ja, Gott freut sich ganz sicher darüber, wenn er eine Antwort erhält, weil es folgerichtig ist, dass seine Liebe in uns Antwort hervorruft. Es ist die Folge von Liebe, dass sie anfängt zu fließen, es ist ihr Charakter, dass "sie lebt". Liebe gibt sich. Liebe ist in Bewegung. Liebe fließt.

"Anspruch" sehe ich eher statisch, knorrig/knöchern, störrisch, stur, fordernd.

Und das tut Gott nicht. Das kann Liebe nicht. Es ist nicht ihr bzw. sein Wesen, denn Gott ist Liebe (ich verweise auf 1. Kor. 13).

Vielleicht meinen wir dasselbe, drücken es anders aus.

Friede mit dir und mit uns allen.

neubaugoere antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1510

@neubaugoere 

Vielleicht meinen wir dasselbe, drücken es anders aus.

❤️

Wir sind in jedem Fall sehr dicht beinander. Ganz fassen können wir das Thema vielleicht auch nicht. Und - darauf kommt es auch nicht an. Frieden* auch dir!

Danke für deine Ergänzungen.

 

*Auch so etwas, das sich schwer fassen lässt... 😌 Was dennoch wohltut, einander zuzusprechen, sich danach auszustrecken und zu leben. 

seidenlaubenvogel antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15076

@seidenlaubenvogel 

Veröffentlicht von: @seidenlaubenvogel

Was dennoch wohltut, einander zuzusprechen, sich danach auszustrecken und zu leben. 

Gott sprach (!) und es ward. 😉

Veröffentlicht von: @seidenlaubenvogel

Wir sind in jedem Fall sehr dicht beinander.

Ich glaube auch. So ein Austausch tut auch gut, weil es einfach gut tut, diese guten Dinge Gottes - nenne ich sie mal - an- und eben auszusprechen. 🙂

neubaugoere antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1510

@neubaugoere ... mit deiner Aussage wird mir Allversöhnung recht plausibel; will ich aber nicht vertiefen. 

seidenlaubenvogel antworten
Lucan-7
Beiträge : 21001

@seidenlaubenvogel 

Worauf ich hinaus will: Kann Freundschaft/ Beziehung funktionieren, ohne dass beidseitig "ein gewisser" Anspruch vorliegt?

Ohne jeden Anspruch oder Erwartungen würde sich eine "Freundschaft" nicht von einer Beziehung zu einem beliebigen Fremden unterscheiden, der uns gleichgültig ist.

lucan-7 antworten


Jack-Black
Beiträge : 3393

@seidenlaubenvogel 

Kann Freundschaft/ Beziehung funktionieren, ohne dass beidseitig "ein gewisser" Anspruch vorliegt?

Ich denke, darin, dass in einer Freunschaftsbeziehung keine der beiden Seiten irgendwelche Ansprüche an die jeweils andere Seite stellt, liegt das - in der Praxis unerreichbare - Ideal der Freundschaft.

So, wie auch in dem Ideal der Liebe, die ja (ich glaube, da gibt's sogar irgendeine Bibelstelle, die oft zitiert wird, deren Wortlaut mir nun aber gerade nicht einfallen will) die Vorstellung der Unbedingtheit enthalten ist: nichts zu fordern und zu erwarten, aber bereit zu sein, alles zu geben.

 

Beides gibt's in der Realität nicht: Ideale Freundschaft sowenig wie ideale Liebe. Aber bei Idealen geht es ja um die Tendenz, das, was anzustreben ist.

Mir fällt dazu "Die Bürgschaft" von Schiller ein: Als Damon zu seinem Freund kommt und ihm erzählt:

"Der König gebeut,

dass ich am Kreuz mit dem Leben

bezahle das frevelnde Streben"

und dann noch auseinandersetzt, welchen Deal er mit dem König ausgemacht habe, heißt es ja dann weiter:

"Und schweigend umarmt ihn der treue Freund

und liefert sich aus dem Tyrannen."

Schweigend. Da wird nicht nachgefragt: Kann ich mich auch darauf verlassen, dass Du rechtzeitig zurückkommst? Kannst Du mir vielleicht zur Sicherheit Deinen Personalausweis da lassen oder so?"

Der Freund stellt in der Situation keine Ansprüche an Damon - er geht fest davon aus, dass ihn der Freund auf jeden Fall nach drei Tagen wieder auslösen wird. Die in seinem Schweigen gezeigte Anspruchslosigkeit beruht auf seinem unbedingten Vertrauen auf seinen Freund.

Freundschaft ist so betrachtet womöglich ohne gegenseitige Ansprüche möglich - aber nur dann, wenn jene durch (grenzenloses) Vertrauen sozusagen schon aus dem Weg geräumt wurden.

 

In der harten, idealfreien Welt sieht es freilich so aus, dass allen persönlichen Beziehungen, die wir "sozialen Tiere" mit anderen Menschen eingehen, stets der evolutionsbiologische Egoismus zugrunde liegt, an dessen Leine unsere Gene uns führen: Wir haben stets Interessen, auch in unseren Beziehungen zu unseren Mitmenschen. Und da stellt sich dann halt die Frage: wie offen kommunizieren wir diese, wie offen also formulieren wir die Ansprüche, die wir an unsere Freunde (oder Liebes- oder Geschäftspartner...) haben?

Wie wir nun wünschen, dass unsere Liebespartner uns jeden Wunsch von den Augen ablesen und überhaupt stets dasselbe gut und richtig und erstrebenswert finden wie wir - so wünschen wir uns das auch hinsichtlich unserer Freunde. Und je vertrauter man mit seinen Freunden ist, desto häufiger trifft das vermutlich auch zu: Leute, zu denen man keinen wortlosen "Draht" findet, werden in aller Regel dann auch keine "echten" Freunde.

jack-black antworten
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Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 21001

@jack-black 

Der Freund stellt in der Situation keine Ansprüche an Damon - er geht fest davon aus, dass ihn der Freund auf jeden Fall nach drei Tagen wieder auslösen wird. Die in seinem Schweigen gezeigte Anspruchslosigkeit beruht auf seinem unbedingten Vertrauen auf seinen Freund.

Das verstehe ich nicht. Die Erwartung, dass ich mich auf den Freund verlassen kann, ist doch genau das: ein Anspruch?

 

Ich denke, darin, dass in einer Freunschaftsbeziehung keine der beiden Seiten irgendwelche Ansprüche an die jeweils andere Seite stellt, liegt das - in der Praxis unerreichbare - Ideal der Freundschaft.

Auch hier... ich habe also weder den Anspruch, dass ein Freund mir in der Not beisteht, noch dass er mich nicht betrügt, dass er ehrlich zu mir ist usw...?

Was genau verstehst du hier unter "Anspruch"...?

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 3393

@lucan-7 Die Erwartung, dass ich mich auf den Freund verlassen kann, ist doch genau das: ein Anspruch?

Wenn Du die Begriffe synonym verstehst, dann durchaus. Aber unter Anspruch verstehe ich etwas anderes als unter Erwartung: Ich erwarte ja auch, dass morgen die Sonne aufgeht, stelle aber keine Ansprüche diesbezüglich. 🙂

Was genau verstehst du hier unter "Anspruch"...?

Ansprüche kann man dort stellen, wo man meint, ein (An-)Recht auf etwas zu haben. Erwarten tut man, was vermutlich geschehen wird. Entsprechend können ja auch z.B. Unternehmen "Wachstumserwartungen für's kommende Jahr" haben, ohne damit irgendetwas zu meinen, was ihnen zustünde.

Aber im sprachlichen Alltag sind die Übergänge wohl alles andere als trennscharf und man weiß häufig nicht, worin der Unterschied besteht zwischen "eine Erwartung hegen" und "einen Anspruch stellen".

Insbesondere im privaten Umfeld. Während Ansprüche, die ein Angestellter gegenüber seinem Arbeitgeber hat - oder umgekehrt -,  juristisch womöglich sehr klar definierbar sind, wird's bei Ansprüchen, die Freunde aneinander stellen, schwierig. Da sich auf ein "gefühltes" Recht zu beziehen, kann tricky sein, sobald beide Parteien etwas Unterschiedliches fühlen... 😉

 

jack-black antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1510

@jack-black Ja, über Anspruch im Gegensatz zu Erwartung habe ich auch nachgedacht. Mag sein - Anspruch habe ich auf nichts. Nicht in dem Sinne, dass mir etwas zusteht. 

Nur - ich mache Erfahrungen, bilde daraufhin Annahmen und es entstehen bewusst oder unbewusst Erwartungen. Ja, die können erfüllt oder nicht erfüllt werden. Einklagen will und kann ich nichts. Nur es gibt so etwas wie Plausibilität und auch Verlässlichkeit. Damit erkenne ich bei mir dann (leider?) auch einen gewissen Anspruch. Soll der einer idealen Beziehung im Wege stehen oder macht es die ideale Beziehung nicht sogar aus, dass dieser (wenn realistisch und gerne möglich) erfüllt wird?

seidenlaubenvogel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 21001

@jack-black 

Ansprüche kann man dort stellen, wo man meint, ein (An-)Recht auf etwas zu haben. Erwarten tut man, was vermutlich geschehen wird.

Natürlich reden wir hier nicht von einem einklagbaren Recht auf irgendetwas. Aber in mancher Hinsicht gleicht auch eine Freundschaft einer Geschäftsbeziehung (so wie auch eine Liebesbeziehung): Wir investieren und erwarten etwas für diese Investition zurück.

Zwar stimme ich zu, dass man sich hüten sollte, eine Freundschaft oder Beziehung allein aus dieser Perspektive zu bewerten. Ich konzentriere mich ja auch darauf, meine Frau glücklich zu machen, statt mich ständig zu fragen, ob sie mich denn wirklich glücklich macht... solche Fragen sind eigentlich immer der Anfang vom Ende.

Aber ich kann diese Perspektive ja auch nur so lange vermeiden, wie ich keinen Grund habe, mir diese Frage zu stellen. Würde ich mich hier Tag und Nacht abrackern, ohne dafür auch nur den kleinsten Dank oder die geringste Aufmerksamkeit zu bekommen, dann wäre da irgendwo der Wurm drin.

Wenn ich also einem Freund bei seinem Umzug helfe und seine Möbel in den fünften Stock schleppe, dann erwarte ich in der Tat, dass er bereit ist, das auch für mich bei meinem nächsten Umzug zu tun. Und dieser Erwartung liegt ein gewisser Anspruch zugrunde, nämlich dass eine solche Freundschaft nicht einseitig sein sollte und er mir etwas schuldig ist.

Wenn der Freund dann aus irgendwelchen Gründen nicht helfen kann ist das was anderes... aber die grundsätzliche Bereitschaft dazu setze ich schon voraus.

Freundschaft bedeutet aber auch, dass ich über solche Dinge nicht Buch führe oder ständig irgendwas gegeneinander aufrechne... ich nehme an, das entspricht auch dem, was du meintest.

Aber dass es überhaupt keine Ansprüche gäbe... nein, das würde ich so nicht sagen.

lucan-7 antworten
Martha
 Martha
Beiträge : 295

@seidenlaubenvogel 

Kann Freundschaft/ Beziehung funktionieren, ohne dass beidseitig "ein gewisser" Anspruch vorliegt?

Es gibt Beziehungen, da gibt sich der eine für den anderen auf. Er wird anspruchslos. Auch, was den Anspruch an die eigene Person und das eigene Leben betrifft. 

(Das schreibe ich wertfrei. Aber jede*r kann sich eigene Gedanken dazu machen.)

martha antworten
2 Antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1510

@martha Sind das gesunde Beziehungen? Und handelt es sich dabei um Beziehungen auf Augenhöhe, wie man so schön sagt?

seidenlaubenvogel antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 6 Monaten

Beiträge : 295

@seidenlaubenvogel 

Sind das gesunde Beziehungen? Und handelt es sich dabei um Beziehungen auf Augenhöhe, wie man so schön sagt?

Es gibt ganz verschiedene Beispiele dafür. Und deshalb keine schnellen und einfache Antworten. 

Selbstaufgabe, um den Partner zu pflegen, z.B.

Anhaften an einer unglücklichen Liebe, die nicht losgelassen werden kann. 

Unser Herz geht manchmal seltsame Wege.

Aber zu Beginn einer Beziehung, wenn noch die Wahl besteht, ist ein Anspruch an sich selbst und die Beziehung gut. 

martha antworten


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